Mittwoch, 31. Dezember 2025

Heute keine Zeit

Wir sind zum "Bäumli" hinauf spaziert; selten war der Weg so steil wie heute Morgen. Aber der weite Blick über unsere Lieblingsstadt ist die Anstrengung wert.


Jetzt essen wir alte Käse auf in Form eines Soufflés. Ich will am Nachmittag mehr Altes wegräumen - aussen und innen. Ich habe Zeit, bis  wir zu unserer Tochter feiern gehen...

Dienstag, 30. Dezember 2025

Zweitletzter Tag im Jahr 2025

Fast schon ein normaler Werktag, wenn das Gefühl nicht anders wäre. Ich habe Karten geschrieben und mich dabei sozusagen zu den Menschen gesetzt, denen meine Post zugedacht ist. Ich bin dankbar, dass es sie gibt, dass ich von ihrem Leben weiss, dass sie mir gewogen sind. Ja, ich bin dankbar für alle die vielen, die mir lieb sind. Zwischen den Jahren ist Zeit, an sie zu denken, ihnen Gutes zu wünschen und mich auf weitere Begegnungen zu freuen. 

Aber doch fast ein normaler Werktag: Ich habe den Kühlschrank gesichtet und überlegt, wie ich alles verwerten kann. Und dann war Zmorge-Paste zu machen. Eine Ärztin hat uns geraten, statt Butter geschredderte Mandeln und Cashews mit Olivenöl vermischt aufs Brot zu schmieren. Das Glas war leer. Also Nüsse pürieren mit dem Mixstab. Im kleinen Bratpfännchen eine Handvoll gemahlene Mandeln anrösten von wegen viel Geschmack. Gleichzeitig dies und das ordnen. - Es riecht, aber leider nicht gut. Statt gebrannte Mandeln verbrannte Mandeln.

Montag, 29. Dezember 2025

Ich lese ein Buch

Ich lese immer ein Buch, manchmal zwei gleichzeitig, selten drei. 

Jetzt lese ich über die Zeit der Rauhnächte und ein Buch über die Flucht eines jüdischen Paares quer durch Frankreich während des zweiten Weltkrieges. 

Das ganz Besondere am Buch, das ich jetzt lese, ist der Zusammenhang. Ich stand in der Wohnung der Frau, die das Buch geschrieben hat. Meine Freundin, die jetzt in der Wohnung der Schriftstellerin und Künstlerin wohnt, hat das Buch aus der Garage von einem Gestell gepflückt und es mir geschenkt. 

Die Schriftstellerin war die Tochter der flüchtenden Frau. Als die Flucht begann, war diese im zweiten Monat schwanger. Im Dezember 1940 überquerte sie die Schweizer Grenze. Am 9. Januar 1941 gebar sie ihre Tochter Yvonne.

Die Schriftstellerin Yvonne ist gestorben. Noch nicht lange. Meine Freundin ist die Freundin von Yvonnes Tochter. Sie brauchte eine Wohnung und bekam die Wohnung von Yvonne, der Schriftstellerin und Künstlerin.

Ich habe schon mehrere Bücher über jüdische Menschen auf der Flucht vor Hitler gelesen. Aber diesmal ist das Erleben anders: Ich stand in der Wohnung. 

 

Sonntag, 28. Dezember 2025

Kreativlen (kreativ sein)

Ich hatte keine Neujahrs- und Weihnachtskarten gekauft. Ich möchte aber in der Zeit der Rauhnächte (bis 6. Januar) ein paar schreiben. Auf meinem Pult lagen Papiere aller Art und Sticker mit Weihnachtsmotiven. Leim und Schere zur Hand genommen und 22 Karten designt. Reto meint, die reichen für die nächsten zehn Jahre. Mal sehen, was ich fertig bringe in den nächsten Tagen...

kleine Kostprobe!


Samstag, 27. Dezember 2025

Fünfundzwanzig Jahre lang

All die Jahre seit dem Sommer 2000 bin ich immer wieder oder sind wir immer wieder zum Grab Nummer 208 auf dem Friedhof Rosenberg gepilgert. Heute auch. Aber heute war da eine Mitteilung angeschlagen vor den Gräbern im Feld, wo mein Götti "liegt": Im Januar 2026 werden diese Grabstellen aufgehoben. Wer den Grabstein oder gewisse Pflanzen mitnehmen will, muss das tun bis Ende dieses Jahres. - Wie nimmt man einen Grabstein mit? Pflanzen? Ja, der Rosmarin auf Göttis Grab ist wunderschön und hat viele Blütenknospen angesetzt. Aber wir graben ihn nicht aus, und den Grabstein klemmen wir nicht unter den Arm. Zum Glück besorgt das alles die Friedhofgärtnerei, wenn wir nichts tun. - Wir tun also nichts, aber es tut in mir. Es macht mir etwas aus, dass mein Götti keinen Ort mehr hat auf Erden. Aber noch gibt es Menschen, die ihn kannten und die gelegentlich an ihn denken.  

Freitag, 26. Dezember 2025

Entspannte Weihnachten

Einstens war es so: In den Weihnachtstagen wollte gut überlegt sein, wen wir wann besuchen. Meine Eltern im Aargau, Retos Eltern im Kanton Uri. Viel Auto fahren und den Terminkalender im Auge behalten. - Jetzt ist es so: Unser Sohn feiert am Heiligabend mit der einen Familie, am Weihnachtstag mit uns, und jetzt ist er auf dem Weg zu seinem "Schwiegervater" Heinz. Sandwichparty im Pflegeheim. 

Wir haben noch kaum je so entspannt Weihnachten gefeiert wie dieses Jahr. Gestern mit der "family" bis gegen Mitternacht. Hund Yumi hat keine einzige Kugel vom Baum geholt. Unsere Enkelin hat die Geschenkeparade geleitet wie die zukünftige Lehrerin, die sie werden will. Oder eher wir eine Comedienne? Meine Chaosvariante fand keinen Anklang, dafür mimte ich eine ungezogene Schülerin.

Unser Sohn Stefan hat eine gute Ende-Jahr -Frage in die Runde gegeben: "Was war dein Highlight in diesem Jahr? Bitte ganz konkret!" - Enkelin Kaya hat berührend davon erzählt, wie es war, als sie ihren Hund bei der Züchterin abholten, und er noch so klein war und auf ihrem Schoss im Auto einschlief.

Mittwoch, 24. Dezember 2025

Gleich wird es sein

Gleich wird unsere Enkelin kommen und dem Grosspapi wie jedes Jahr beim Schmücken des Christbaums helfen. Auf beiden Sofas werden gleich bunte Kugeln und was alles liegen. Dann wird ausgewählt, was an den Baum darf. Goldene Schokoladezapfen nicht vergessen und gut verstecken. Am Schluss Wunderkerzen und gleich die erste anzünden.

Gleich werden Reto und ich das Schmück-Chaos aufräumen und kurz staubsaugen. Dann Nachtessen zubereiten und geniessen. Lammkoteletten, Reis und Brokkoli aus dem Garten. Wir werden Blockflöte spielen und alle Weihnachtskarten in Ruhe nochmals anschauen und uns darüber freuen.

Und gleich wird es für Reto Zeit sein, zur Kirche zu gehen und dort mit seinen Sängerkamerad*innen in der Mitternachtsmesse zu singen. Derweil ich alle Eile ablege und mir ein Weihnachtsbad gönne. Werde ich Zimt hineingeben oder Rosenblätter? Jedenfalls werde ich eine kleine stille Zeit sehr geniessen.

Montag, 22. Dezember 2025

Noch nie

 Noch gar nie hatte ich am 22. Dezember alle, alle Weihnachtspäckli fertig eingepackt. Ich freue mich über mich selbst und erinnere mich daran, wie es einstens war: Es kam vor, dass ich am Heiligabend noch herumirrte, um für die eine Grossmutter doch noch ein Geschenk zu finden. Es wurde ein Glas Honig. Immerhin!

Heute Morgen hatte ich alle Zeit der Welt, um gemütlich durch die Stadt zu bummeln. Adventsbrot zu kaufen. In "meiner" Buchhandlung am Chileplatz zu stöbern. Einen Cappuccino mit "Zimetzucker" zu trinken. Mit dem Bus heimzufahren, der am längsten braucht. 

Was für ein guter Tag! Und alle haben so freundlich geschaut, und überall gab es Weihnachtswünsche. Dieses Jahr brauchen wir Weihnachten vielleicht mehr als sonst.

Sonntag, 21. Dezember 2025

Wintersonnenwende

 "Es goht ufwärts (es geht aufwärts)", pflegte meine Mutter zu sagen, wenn der kürzeste Tag vorbei war. Sie war froh. - Ich selbst würde gerade gern einen kleinen Winterschlaf abhalten. Wieder aufwachen, wenn das "Aufwärts" bereits spürbar ist. Aber das dauert, und unterdessen kann ich mich auf Weihnachten konzentrieren. Dem Dunkel Licht entgegensetzen. Der Kälte Wärme. Ich trage gerade Pulswärmerli, die mir meine Schwester vor vielen Jahren geschenkt hat. Das ist doppelte Wärme. Heute Abend mache ich mir (und Reto?) eine heisse Schokolade mit Zimt und Nägeli. Kerzen zündet Reto allabendlich an. So lässt sich die längste Nacht gut bewältigen. Und dann - gohts ufwärts. Wenn es nur mit der Welt auch aufwärts gehen würde!!!

Samstag, 20. Dezember 2025

Heidi-Socken

 Wir sind gestern nach Altdorf gefahren zu Schwester und Schwager von Reto. Schwager Peter hat gesundheitliche Probleme, aber im Moment gehe es ihm recht, sagte er. Und das glaubten wir ihm, als wir sahen, wie aktiv er sich betätigte: Schaumwein öffnen, Gläser einschenken, verteilen, ein bisschen rühren, dass der Holundersirup sich besser verteilte. Überquellenden Schaum wegwischen, anstossen.

Beim Essen mit dem feinen Rotwein und dem grossen Metaxa (griechischer Schnaps aus Trauben) für mich wurden wir immer fröhlicher. Besonders als Heidi und Peter sagten, im Mai würden sie wieder Ferien in Griechenland machen. Auch das glauben wir und sind darüber sehr froh. Wie über die warmen Wintersocken, die Heidi wieder für uns gelismet hat. Meine sind hellblau, türkis, hellgrün. Mut machend.

Donnerstag, 18. Dezember 2025

Nächstes und letztes Kapitel in der Sofa-Komödie

 Es ist da, das Seitenteil meines Sofas, und es war immer da. Reto hat Gonser-Bewertungen gelesen und eine gefunden, wo die Leute schrieben, sie hätten das vermisste Teil gefunden. Also haben wir das Sofa sozusagen abgetastet, und siehe da, unter dem Sitz ist ein Reissverschluss und unter dem Reissverschluss war das Seitenteil. Schon die ganze Zeit. 

Wir hatten heute liebe Gäste, die sich mit uns gefreut haben und die mit uns gelacht haben. Es machte viel Spass, ihnen die ganze Sofa-Geschichte und viele andere Geschichten aus dem Leben zu erzählen. Und ihre Geschichten aus ihrem Leben zu hören. Nächstes Jahr kommen sie wieder. Wie ist das schön!

Mittwoch, 17. Dezember 2025

Verwirrnis

Ich warte seit gut einer Woche auf das zweite Seitenteil meines wunderbaren kleinen Sofas. Reto ist sehr misstrauisch, was den Lieferanten betrifft. Der kam mal im Kassensturz gar nicht gut weg. Da der Kassensturz eine seiner Lieblingssendungen on TV ist, kommt mein Seitenteil nie mehr.

Dann, heute Morgen, stand ein grosses Paket meines Lieferanten vor der Haustür. Hineinschleppen kam vor Denken. Das Paket hatte eine Grösse, die kein Sofateil enthalten konnte. Was haben die mir geschickt?

Ich schnitt den Klebestreifen auf und öffnete das Paket. Darin lag eine aufblasbare Gymnastikmatte mit Pumpe. Das Paket war sehr schwer. Wir haben kein Auto. 

Ich schrieb an die Firma. Ärgerlich. Fragte, wie das Paket weg kommt. Wie MEIN Ding zu mir kommt und wann. Mein Mail war fast fertig. Kam Reto und sagte: "Da ist ja nur ein QR-Code statt deiner Adresse daran. Was, wenn das Paket gar nicht für dich ist?"

Mein Mann rannte ins Treppenhaus und machte eine kurze Befragung im Haus. Am zweiten Ort war er richtig: Die Gymnastikmatte wollte gar nicht zu mir. Mail löschen. Neues Mail schreiben: Wann kommt mein Seitenteil?

Dienstag, 16. Dezember 2025

Befreit

 Schon die ganze erste Dezemberhälfte "bibberte" ich ein wenig auf den heutigen Tag. Wirklich Angst hatte ich nicht. Aber man/frau weiss nie. - Ich muss alle fünf Jahre zu einer Darmspiegelung, und das macht wirklich Sinn. Mein/unser Vater starb an nicht erkanntem Darmkrebs. Die Vorsorgeuntersuchung bewahrt vor diesem (schrecklichen) Tod. 

Heute bin ich zum fünften Mal gegangen und habe meinen Hintern (im Schlaf) einer Frau Doktor entgegen gestreckt. Bekleidet mit einer blauen Wegwerfhose: "Bitte Öffnung hinten!" - Und schon bin ich leicht schwankend wieder erwacht und habe vis-à-vis von mir eine Tasse Kaffee und ein Butter-Croissant gefunden. Die Frau Doktor hat Entwarnung gegeben: "Ich habe zwei kleine Polypen entfernt. Jetzt ist alles in Ordnung, und Sie sind immer noch gut zwäg." - 

In fünf Jahren wieder, so hoffe ich. - Weihnachten kann kommen.

Montag, 15. Dezember 2025

Zwei Menschen ein Wunsch

 Reto und ich hatten gestern beide den gleichen Wunsch: wieder einmal in den Wald gehen. - Leider ist jeder Wald ziemlich weit weg von unserem Daheim, sonst würde ich häufiger waldbaden. Ich komme ja von einem Grossvater, der Waldarbeiter war und den Schlüssel für eine Waldhütte besass. Kindheitserinnerungen noch und noch. Den Duft von Moos in der Nase. Die Ehrfurcht vor den hohen Bäumen im Herzen.

Gestern also ein Waldgang.




Den Wald habe ich nicht fotografiert, aber inhaliert. Hat so gut getan, und ich war am Schluss nicht einmal müde.

Samstag, 13. Dezember 2025

Weder Belohnung noch Ermutigung

 Immer wieder lese ich, wie wichtig soziale Kontakte für alte Leute sind. Was für ein Glück, dass es uns daran nicht mangelt! 

Gestern waren wir bei Nachbars eingeladen. Im englischen Salon gab es einen feinen Weisswein und angeregtes Plaudern. Dann wechselten wir an den Esstisch und genossen ein Chinoise. Unterdessen wissen wir immer mehr voneinander, und das ist schön. Die bunten Papierkolibris, die mich an Chile erinnern, kommen aus Mexiko.

Ohne Eile und Aufregung machten wir drei Flöten und eine Klarinette bereit. Jedes bekam einen Notenständer für die Weihnachtslieder. Echt - vier Notenständer! Dann legten wir los und spielten die meisten Melodien zweimal, weil es so gut tönte. - Nie hätte ich für möglich gehalten, dass ich mit Nachbarn, die zu Freundin und Freund geworden sind, Flötenmusik machen würde. Nie! Das Leben hat in jedem Alter Überraschungen bereit.

Die Tiroler-Akkordeon-Klänge, die uns Karin und Roland "zum Dessert" spielten, rührten mich fast zu Tränen.


Freitag, 12. Dezember 2025

Unsere Blockflöten

Normalerweise holen wir unsere "Speuzchnebel" (Blockflöten) einmal pro Jahr aus ihren Futteralen, nämlich am 24. Dezember. Dann spielen wir aus den grünen, Tannenzweig- geschmückten (bemalten) Flötenbüechli die immer gleichen Weihnachtslieder. Aber heute haben wir die Sopran- und die Altflöte bereit gelegt und kurz angespielt. Wir sind eingeladen bei unseren musikalischen Nachbarn. Zu viert werden wir aus dem Büechli von 1958 "Vom Himmel hoch" spielen und noch viel mehr. - Ob das Nachtessen als Belohnung gereicht wird oder als Ermutigung zu Beginn? - Ich bin fast ein bisschen aufgeregt. 

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Ein bisschen "gekäppelt" (genug Wein... getrunken)

 Ich wollte heute ganz brav sein, weil morgen Blutwerte festgestellt worden wären. - WÄREN! - Hausarztbesuch in der Praxis, wo (fast) jedesmal ein neuer Arzt auftritt. Paschna, Muhammad, Ramahni, Abuawad. Reto und ich haben uns heute morgen darüber unterhalten, was wir uns vom morgigen Besuch versprechen: NICHTS!  Wir wollen den Doktor wechseln. Also hat Reto angerufen und gesagt, dass wir morgen nicht kommen werden. Das hat mir "erlaubt", heute zu bechern, wo wir meine Schwester und unseren Schwager zu Besuch hatten. Ich war die einzige Unvernünftige, aber echt, mir geht es gut. Es war sehr schön mit unserem Besuch, und ich bin so froh, dass ich morgen nicht zu Doktor Abuawad gehen muss, welcher Chef von fünf Praxen ist.

Mittwoch, 10. Dezember 2025

Chaos auf der Küchenzeile

Eine Küchenzeile  ist laut KI "eine kompakte Anordnung von Küchenmöbeln... entlang einer einzigen Wand". Unsere Küchenzeile geht sogar ums Eck. Und es stehen immer viel zu viele Sachen dort, die oft gebraucht werden und nirgends sonst einen Platz haben. 

An den letzten "Morgenden" (Mehrzahl von Morgen, Eigenkreation) wollte oft die Kaffeemühle nicht tun. Als heute Morgen auch die heilige Kaffeemaschine von Reto keinen Mucks machte, dachte ich: Alles kaputt. Reto war noch nicht auf. Ich wollte bald weg. Aber ein Kaffee vorher wäre zu schön (gewesen)!

Ich zog alle Kabel aus allen Steckdosen und legte meine Demontage auf den Esstisch. Ein hübscher Haufen. Ich versuchte herauszufinden, ob die Maschine an einer anderen Stromquelle laufen würde. Tat sie nicht. - Erschien Reto und bemühte sich auch. Fragte mich aber bald: "Gäll, du hast schon Wasser eingefüllt?" - Hatte ich nicht. Das ganze Chaos hätte vermieden werden können, wenn ich die Maschine getränkt hätte. So ein...!

Ich besuchte dann meine Freundin und ihre Söhne und hatte es schön. Aber ich wusste: Wenn ich heimkomme, wartet das Chaos auf mich. Klar, dass ich die Küchenzeilenecke geputzt habe; macht ja Sinn, bevor man wieder Ordnung herstellt. Eine Ordnung, die niemand erkennt, weil viel zu viele Sachen dort herumstehen.

Dienstag, 9. Dezember 2025

Drei Kilo Datteln aus Tunesien

Unsere Lieblingsorganisation "gebana" hat wieder geliefert. Heute sind sie gekommen, die lang ersehnten Datteln. Ich habe sie vorher im Keller auf ein grosses Frottiertuch gebettet, das in einer Korbschale liegt. Ich habe sie gut zugedeckt, nicht ohne vorher zwei Datteln zu kosten. Reto kann sich ein Zmorge-Müesli ohne Datteln zum Süssen nicht mehr vorstellen. 

Kürzlich habe ich bei einer anderen Lieblingsorganisation Marzipan bestellt. Den Besten! Baumnüsse haben wir auch (die besten). So haben wir aus all diesen feinen Zutaten ein paar gefüllte Datteln gemacht. Stein raus, Marzipanwürstchen hinein, gekrönt mit einer Viertel-Baumnuss. Zum Dessert mit Judith und Kaya genossen wir vier Sorten Weihnachtsguetzli und gefüllte Datteln. Wobei die Einen nicht gern Datteln haben und die Anderen nicht gern Marzipan. 

Montag, 8. Dezember 2025

Es ist da!!!

 Reto sagt, ich hätte mir seit vielen Jahren ein Sofa in meinem Zimmer gewünscht. Ich hatte auch schon mal eines bestellt und zum Glück nie bekommen. Nach ewigem Warten storniert. Es wäre zu gross gewesen. 

Unterdessen ist mein Sofa-Wunsch zwingend geworden. Hie und da brauchen wir aber zwei Matratzen in meinem Zimmer, wenn die Mädels übernachten. Jetzt habe ich die beiden Matratzen aufeinander gelegt; das ist mein Bett. Gestern habe ich für (fast) alles einen Platz gefunden, was unter meinem Bett verstaut war. - Heute ist das kleine, gelbe "Sofäli" mit der Post gekommen. Freude! Und erst recht Freude, Freude, Freude, als Reto und ich die Beine angeschraubt und das Gestell ineinander gesteckt hatten. IKEA-mässig, will sagen mit einigem Schimpfen und Zagen. 

Es steht am Fenster, mein kleines, wunderbares Wunschmöbel. Ich kann da sitzen und den ganzen Garten überblicken. Es ist perfekt! 



Sonntag, 7. Dezember 2025

Gemütlicher Spaziergang

 Gestern gegen Abend sind Reto und ich wieder einmal in die Stadt gewandert. Das dauert etwa eine Stunde und führt uns durch Quartiere mit älteren Häusern und Gärten. Gestern begann der Himmel zu "brennen". Faszinierend!


Die Energie reichte aus, um durch den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Allerdings kam bei uns keine adventliche Stimmung auf. Wir wuselten wie alle anderen Tausenden zwischen den Ständen herum und sahen, was wir letztes Jahr schon gesehen hatten: Viel Buntes, Unnötiges zu kaufen. Wir haben von allem schon genug. Aber der Glühwein an einem sehr belagerten Stand hat uns wirklich geschmeckt. Am schönsten war es, am Schluss durch die weniger belebte Marktgasse Richtung Bahnhof zu gehen. Unter leuchtenden Sternen.



Freitag, 5. Dezember 2025

Queer

 Heute Morgen bin ich in die Stadt gefahren, um mit einer Freundin Kaffee zu trinken. Wobei der Kaffee nicht die Hauptsache ist, sondern das gute Gefühl, wenn wir uns von unserem gegenwärtigen Leben erzählen. Oder wenn wir von unseren Herkunftsfamilien sprechen. Nicht alles ist gut, aber gut ist, es einander zu erzählen. - Später kaufte ich Maggiabrot ein, das Reto und ich so lieben. In der Markthalle Trivisano, die bald für immer schliesst, suchte ich Käse aus und erstand 150 Gramm Rosmarin-Schinken. Wie werde ich ihn vermissen!

Auf dem Heimweg im Bus stiegen fünf junge Menschen zu. Sie standen alle direkt vor mir, und ich konnte sie studieren. Alle hatten mindestens einen Ohrring, die meisten mehrere Piercings. Metallketten um Hals oder Hüfte. Sie redeten wenig fein: "Hast du für die Prüfung schon etwas gemacht?" - "Scheiss drauf!" (Originalton) 

Bei meinem Studium der Fünf wurde ich immer unsicherer, wer da Mann, wer Frau sei. Die Person mit den purpurfarbenen Haaren vor mir, elegant dauergewellt, hatte Bartstoppeln am Kinn. Die sehr grosse kräftige Gestalt daneben hatte kurze blonde Haare, aber eine helle Stimme. Der junge Mann mit nur einem Ohrring heisst Johannes; war er vielleicht einmal eine Johanna?

Unsicher, wer da Mann, wer Frau sei - ungehörige und unnötige Gedankenspielereien. Sie sind, wer sie sind, und es ist gut. Basta!

Donnerstag, 4. Dezember 2025

Was ist heute - Sonntag? Weihnachten? Schöner Tag?

 Wir hatte Besuch: Stefan und Martin, Stefans Götti und dessen Frau. - Wir hatten gestern einen Rindsbraten von eineinhalb Kilo gekauft. Am Abend schnippelte ich eine halbe Stunde lang Gemüse. Ich legte das Fleisch und das Gemüse in eine grosse Schüssel und goss Rotwein darüber. Heute Morgen zeitig briet ich den Mocken Fleisch an, dämpfte das Gemüse und tat alles, dass wir zur Mittagszeit einen feinen Brasato essen konnten, den besten, den ich bisher gemacht habe.

Reto hat seine Tarte gebacken, die alle so lieben. Mit Lebkuchengewürz, Pistazien und gehackten Florentinerguetzli. Er hat das Tischtuch nochmals gebügelt, bevor es auf den Tisch kam. Und er hat, wie immer, sehr viel gemacht. 

Aber die Besten waren die Gäste. In dieser Runde haben wir noch nie so viel gelacht wie heute. Wir haben NICHT politisiert. Wir haben von uns erzählt. Von früheren Weihnachten und mehr. Es war ein schöner Tag!

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Der blaue Vorhang mit den goldenen Sternen

 Reto hat mir vor dem Coop beim Anblick des Tannenbäumchenwaldes erklärt, was "DIE" falsch machen: Man darf den untersten Teil der Stämmchen nicht dünn fräsen, sonst bekommen sie zu wenig Wasser, und die Weihnachtsbäume lassen schon bald die Nadeln fallen. Eine Dame hat interessiert zugehört und sich bedankt für die Information. Ich habe ihr gesagt, Reto sei eben Fachmann für Weihnachten. - Und was geschah zu Hause? - Mein Ehemann turnt auf Stuhl und Fenstersims herum, wie er es mir verboten hat. Unter viel Seufzen und Ächzen drapiert er den blauen Vorhang am Fenster gegen den Garten. Der Stoff soll weich fallen und elegante Bogen machen. Das dauert länger als ich habe, um Risotto mit Kürbis zu kochen. Es dauert noch den halben Nachmittag, und ich sehe, wie viel Mühe es macht. Am Schluss sieht es sehr schön und festlich aus. Dennoch heisst mein Verdikt: "Ich möchte, dass dies das letzte Mal ist!" Zu meiner grossen Verwunderung ist mein Weihnachtsmann einverstanden.

Dienstag, 2. Dezember 2025

Das freut mich fest

Gestern Abend bin ich noch ausgegangen. Tanzen mit Feldenkrais. Aber wir sind noch nicht in der Stadt. Ich bin erst im Treppenhaus. Von unten kommen Papa und Söhnchen. Ich rufe eine Begrüssung, und der Junge ruft fröhlich zurück. Etwas leiser, aber ich höre es, sagt der Dreijährige: "I ha nümme Angscht!" (Ich habe keine Angst mehr.) - Der Papa übersetzt für mich: "Du hast keine Angst mehr vor Esther und Reto." - Oh, das tut im Herzen gut. Noch nicht vor langer Zeit hat er vor Schrecken geschrien, wenn wir uns zeigten. Aber jetzt hat er keine Angst mehr. Ich habe gerufen: "Das freut mich ganz fest!" etwas beschwingter als gedacht bin ich gen Bahnhof geschwebt.

Montag, 1. Dezember 2025

Ganz normaler Mädelstag

 Heute habe ich, als sie am Tisch waren, zu den Mädels gesagt:" Ich bitte euch ab sofort nicht mehr, die Hände zu waschen, bevor ihr zum Essen kommt. Ihr tragt selbst die Verantwortung dafür." - Unerwartetes Ergebnis: Beide springen auf und rennen ins Badezimmer und tun, was sie wie (fast) immer vergessen haben. Das mit der Selbstverantwortung harzt noch. Weil die Eine schon wieder spät dran ist, steckt sie sich um 13 Uhr 15 die Zahnbürste in den Mund und zieht mit beiden Händen die Schuhe an. Dann Zahnbürste auswaschen, ins Glas stellen und ab wie "s Biisiwätter" (ganz schnell)! - Wie war das eigentlich bei mir? Wann habe ich Verantwortung für mein Tun und Lassen übernommen? Wann habe ich begriffen, dass ich meine Zähne für mich putze und nicht fürs Mami? - Ich glaube, das war und ist ein lebenslanger Prozess. Ich sage statt Selbstverantwortung lieber "Selbstfürsorge". Ich will immer noch besser lernen, für mich selbst zu sorgen.