Dienstag, 31. März 2026

Nein, diese Pasta ess ich nicht (mehr)

 Der "Suppen-Kaspar" im schrecklichen "Struwwelpeter-Buch" sagt: "Nein, meine Suppe ess ich nicht." - Nach fünf Tagen Essverweigerung stirbt er. - Heute habe ich aus meinem neusten Kochbuch ein Pasta-Gericht gekocht, das ich tatsächlich nicht mehr essen will. Auch nicht aufessen, gestehe ich. Schande über mein Haupt!

Guten Mutes habe ich viel Ricotta in die Pfanne gerührt zusammen mit Parmesan, Pfeffer und Salz und einer Handvoll Kräuter, vor allem Salbei. Die vorgekochten "Teigis" mit Erbsen unterrühren, Kochwasser zugeben, rühren, mehr Kochwasser. Judith, Kaya und Reto vorsetzen, selber probieren.

Nein, diese Pasta ess ich nicht mehr. Und die anderen drei waren auch nicht begeistert. Da kann Samin Nosrat noch lange von einer üppigen, crèmigen Sauce reden. Elegant und unaufdringlich sei sie. Ganz unelegant kommt mich das "Görbsen" (Rülpsen) an. Nie mehr!

Montag, 30. März 2026

Josianne, die Giraffe

 


Ich nehme sie mit, wenn ich mal ins Pflegeheim gehe. Und dazu die selbstgestrickte Hedy. Mindestens. Reto meint, ich könne ja alle Kuscheltiere mitnehmen, die es in meinem Zimmer gibt. - Aber nein, die gehören Kaya. Der grosse Hase gehört Sohn Stefan und der Schäferhund Judith. - Natürlich nehme ich alle Fotoalben mit und die Hälfte meiner Bücher. Mein Pult muss mit und das Grossmutter-Buffet. Vielleicht noch die Alt-Flöte und bestimmt der Farbstifte-Topf, der gelbe. Ach, apropos "gelb", das gelbe Sofa wird doch wohl noch Platz haben, oder? Papier muss mit in allen Grössen und Farben und mein geliebter Pelikan-Fülli. Wolle zum Lismen bekomme ich vielleicht dort. Oder bestelle ich lieber ein paar Strangen Schafwolle in der Wollspinnerei Vetsch? Kann ich schöne Steine auch mitnehmen, oder suche ich dann dort neue. Nur nicht Kopf voran ins "Grien" (Kieselsteine) fallen!

Ach, ach, ach, hoffentlich darf ich noch lange da bleiben, wo ich bin. Mit Josianne vom Flohmarkt.

Sonntag, 29. März 2026

"ETWAS GUTES"

 So heisst das neue Kochbuch von Samin Nosrat, einer amerikanischen Köchin mit persischen Wurzeln (1976 wanderten Samins Eltern nach Amerika aus. Samin hat Jahrgang 1979.) Im Untertitel des Buches heisst es: "Rezepte und Rituale für dich und deine Liebsten."

Reto und ich haben am Freitag erstmals in unserem Leben "Harissa" gekauft, eine Chilisauce im Gläschen. Ich musste eine Verkäuferin fragen, wo ich sie finde, erzählte ihr, dass ich ein neues Kochbuch habe und jetzt eben Harissa brauche. Sie hat sich gefreut, dass ich Neues wage. Ich musste dann schon gestern Abend nach dem Flohmarkt, dem unergiebigen, mit Koriandersamen, Kurkuma, Kümmel und Pfeffer "Tabil" herstellen, diese Gewürzmischung mit Harissa und Salz vermischen und die Geflügelteile damit einmassieren. Über Nacht in den Kühlschrank.

Ich will ja jetzt nicht das ganze Rezept aufschreiben. Es steht im Kochbuch. Selber kaufen. Oh, ja, es ist teuer. - Nur soviel noch: Es kommen viele gedörrte Aprikosen und viel Knoblauch und Zwiebeln in die Sauce, und das Gericht muss uuuhhh-lange im Ofen schmoren.

ES WAR HIMMLISCH! 

Aufgepasst, liebe künftige Gäste: Wenn ihr nicht gern Harissa habt, braucht ihr gar nicht zu uns zu kommen. Wir machen nur noch Geschmortes Huhn mit Aprikosen, wie es Samin Nosrat macht.

Samstag, 28. März 2026

Silvan, blondlockig, gegen drei Jahre

 Reto und ich haben erstmals an einem Flohmarkt als Verkaufende teilgenommen. Mit von der Partie waren Judith und Kaya. Harry hat uns logistisch unterstützt.



Verdient haben wir wenig, aber die Standmiete ist eingespielt. Und es machte Freude.

Besonders Silvan machte grosse Freude. Ein kleiner Knirps, den ich nach seinem  Namen fragte, weil ich nicht sicher war, ob Mädchen oder Bub. Als ob das wichtig wäre! - Jedenfalls kaufte Silvan als erster bei uns ein rosarotes Schmuckkistli mit Musikdose und tanzender Ballerina. Er bezahlte vier Franken.

Viel später stand Silvan wieder da und bewunderte Kayas Pferdchen, das mit Batterie laufen kann und sogar wiehern. Kurzerhand nahm er das Tierchen in den Arm und haute ab. Auftritt seine grössere Schwester: "Darf Silvan das Rössli haben?" - "Ja, hat er denn Geld, um es zu bezahlen?" fragte meine Tochter. Und schon war Silvan auch wieder da und sagte, er habe Geld. Er kramte lange in seinem Hosensack und brachte dann mit Überzeugung ein rosarotes Schoggipapierli-Kügelchen zum Vorschein. Er reichte es meiner Tochter, und diese sagte: "Das stimmt genau; das Rössli gehört dir." 


Freitag, 27. März 2026

An einem kalten Tag herzliche Wärme

 Reto und ich hatten heute ein bisschen Weihnachten. Wir lösten den Gutschein für je einen Brunch ein, den wir zu Weihnachten von Judith erhalten hatten. Im Lieblingsplatz-Café an der Else-Züblin-Strasse nahe bei uns. Nur durch Wind und Kälte und durch den Park. Und dann ins Café, wo wir wärmstens empfangen und bedient wurden. Der Kaffee sei der beste, sagte Reto, besser als im Vollenweider. Grösser kann sein Kompliment gar nicht sein! Ich fand den Räucherlachs von höchster Qualität. Wir bekamen ausser Müesli und Käse und dem und jenem FÜNF Sorten Brot. Den Früchtebecher durften wir mitnehmen, als wir pappsatt nichts mehr aufnehmen konnten. So ein schöner Morgen!




Donnerstag, 26. März 2026

Welch ein Chaos in meinem Zimmer

 Am Samstag ist Flohmarkt im Quartier. Wir , Ehemann, Tochter, Enkelin und ich, wollen teilnehmen. Wir haben genug Sachen, die wir nicht mehr brauchen, die aber zu schade sind zum Wegwerfen. Gerade habe ich unsere Saftpresse ausprobiert; sie läuft noch tadellos. Der Rüebli-Randen-Apfelsaft war fein. Das Abwaschen des Gerätes war so mühsam wie eh und je. Aber das sagen wir allfälliger Kundschaft nicht.

Natürlich habe ich viele Bücher bereit gelegt - für Kinder und für Erwachsene. 

Ich werde mich vom Toaster verabschieden, den ich so unbedingt für meine Studentin-Bude haben wollte. Er ist "retro" und wirft die Brotscheiben nicht aus. Selber aufpassen. Der Preis steht noch an der Schachtel: Neunzig Franken hat er gekostet vor 24 Jahren. 

Meine wunderschöne, blaue Glasschale, über der ich Kinder im Urner Oberland mit viel lebendigem Wasser getauft habe, steht zum Verkauf. Möchte ich wirklich, dass sie weggeht?

Apropos "Weggehen" - es wird kalt sein am Samstag. Und zuerst hiess es, der Flohmarkt sei am Sonntag. Vielleicht kommt gar niemand.

Mittwoch, 25. März 2026

Es ist das Wetter

 Ich schwindle immer noch. Reto sagt, es ist das Wetter. Das kann sehr wohl sein. Rita würde sagen, es ist psychisch. Auch das kann sein. Google sagt, es könnte Wassermangel sein. Warum nicht auch dies. Andere sagen, vielen Alten ist schwindlig. Weiss ich.

Was ich nicht weiss, ist, wie die vielen Alten mit der ganzen Schwindelei umgehen. - Ich atme tief, wenn es besonders schlimm ist. Ich gehe an die frische Luft und freue mich an der neu aufgeblühten Tulpe. Lachsrotgestreift. Ich mache ein paar Tanzschritte und falle nicht um. Ich nähe den fertig gestrickten Pullover zusammen und ziehe ihn erstmals an: Gut gemacht! Ich lese und vergesse. 

Ich beschliesse, es ist das Wetter!

Dienstag, 24. März 2026

"Heute noch..." sagt er

Der Morgen war leidlich. Gut genug. Aber seit dem Mittag - na, ja...Gut, darf ich mir eine ausgedehnte Siesta gönnen. Fast schon schlafe ich ein, da rumpeln draussen vor dem Fenster die Müllmänner derart herum, dass ich wieder hell wach bin. Aufstehen? Etwas tun? - Sicher nicht! - Zweiter Versuch eines Mittagsschlafes für eine lädierte, alte Frau. Ich penne wirklich ein. Doch dann, träume ich nur, oder bin ich wach, zerschneidet das Motorengeräusch eines Rasenmähers meinen Schlaffaden. Diesmal stehe ich auf. Trotz Übelkeit und Schwindel wanke ich in unser Gärtchen und treffe da meinen Ehemann. Freundlich lächelnd mit dem elektrischen Rasentrimmer in der Hand. Ränder nachschneiden, nachdem der Rasen gemäht ist. - "Ich dachte", sagt er, "es sei Zeit, die Siesta zu beenden. Den Rasen musste ich heute noch mähen, wo doch der Winter wieder kommt."

Montag, 23. März 2026

Gestern war ein guter Tag

 Gestern Abend war ich so zufrieden mit meinem Wohlergehen und dem, wie ich den Sonntag erlebt hatte! Gelassen, aufmerksam, geniessend, wach, zwäg. Ich habe ganz krass gedacht: "Wenn ich über Nacht sterben würde, dann hätte ich heute gelebt."

Und dann wurde es heute. Ich stieg aus dem Bett und wumm, da war der "Gutartige Lagerungsschwindel" wieder, den ich schon einigemale hinter mich bringen musste. Schwindlig, schwitzend, schwankend bewegte ich mich robotermässig zum Zmorgentisch. Kein Hunger. Leichte Übelkeit.

Ich beschreibe die Unterschiede zweier nebeneinander liegender Tage, weil sie mir vor Augen führen, wie empfindlich ich bin. Ein kleiner Lagerungsschwindel, und schon ist da nix mehr von "gelassen, geniessend".  - Und doch, die Mädels waren da! Wir haben über Jugendsprache geredet. Sie haben gelacht über unsere Unbeholfenheit. Wir auch. Das war gut! Heute.

Samstag, 21. März 2026

Die Saison beginnt

 Ich bin eine Sammlerin. Keine von Briefmarken, aber von Farbstiften. Keine von Sammeltassen, aber von leeren Konfigläsern. Und vor allem sammle ich Kräuter und trockne sie für den nächsten Winter, an den ich, bhüetis, nicht denken mag. 

Und doch, heute haben Reto und ich einen Spaziergang zum Bärlauch-Hang gemacht. Zum Znacht gibt es Bärlauch-Omeletten. In den Keller kommen zwei Sammelgläser.



Freitag, 20. März 2026

Alp Wannelen

 Dort hat es wohl noch Schnee: Die Alp Wannelen liegt am "Schächentaler Höhenweg" auf  gut 1600 Meter ü.M.! Ich will weder Schneeschuh laufen, noch wandern. Aber wir haben unvergessliche Erinnerungen an den "Schächentaler Höhenweg", den wir mit FreundInnen aus Winterthur gegangen sind, als wir in Wassen UR wohnten. 

Alp Wannelen - heute auf dem Markt hat Reto einen Käse von dort entdeckt. Hundertfünfzig Gramm davon wollte er haben. Sagt der Käser und Verkäufer: "Wissen Sie überhaupt, wo das ist, die Alp Wannelen?" - Da kam er an den Falschen und staunte nicht schlecht, als Reto die Lage bezeichnete. Oha! Und der zweite Käse, den Reto kaufen wollte, kam von Lenk (denk!). Reto behauptete dreist, er wisse auch, wo Lenk sei. Ein grossartiges Gelächter erscholl. Am meisten lachte der Käser und Verkäufer.

Donnerstag, 19. März 2026

So viele schöne Würmer

Immer wenn ich im Garten grabe, hoffe ich, Regenwürmern zu begegnen. Ich weiss, wie wertvoll sie für unseren Boden sind. Heute haben Reto und ich zwei Stöcke Kartoffelrosen gesetzt. Das sind die wunderbaren, fein duftenden Rosen, die ich letztes Jahr in Dänemark nahe dem Meer kennengelernt habe. Ich habe damals mit meiner Enkelin Konfitüre aus den Früchten (Hagebutten) der wilden Rosen gekocht. Und wir haben Rosencrème zur Pflege der Haut fabriziert.

Heute also habe ich zuerst allein und dann mit Reto abwechslungsweise tief gelocht, um die Kartoffelrosen zu setzen. Ich habe dabei ganz viele Regenwürmer zutage gefördert und gleich liebevoll wieder eingebuddelt, wo ihnen unsere Stechgabel nichts anhaben konnte. Jetzt freue ich mich über die gesetzten Pflanzen, aber ebenso über die sich ringelnden Tiere unter der Erde. Ich weiss, dass sie da sind und für mich die Erde lockern.

Mittwoch, 18. März 2026

Ein windiger Tag...

 Ein paarmal heute bin ich ins Gärtchen gegangen oder zum Briefkasten. Jedesmal hat mich ein kalter Wind erschaudern lassen. Aber da wir dreimal Besuch hatten, bekamen wir genug innere Wärme. "Wie ist es schön", hat Hanna gesagt, "dass wir uns schon so lange kennen und uns immer wieder gern treffen." - Wie ist es schön, dass wir Freundinnen und Freunde haben! Wie ist es schön, dass sie meine selber gemachten Likörs probieren und mit mir einig sind, dass der mit Zitrone der beste ist! Und ich den Apfel-Streusel-Kuchen von meiner Tochter sooo viel besser finde als jeden Rüeblikuchen. Ein windiger Tag, aber ein guter Tag!

Dienstag, 17. März 2026

"So zärtlich war Suleiken. Masurische Geschichten"

Ich habe schon einmal über Siegfried Lenz geschrieben. Da er genau heute 100 Jahre alt wäre, tue ich es noch einmal. Ich bin in seinem ersten Erzählband weiter gekommen und ergötze mich an den masurischen Geschichten. So viel Humor liegt da drin. Geschrieben in "volkstümlicher" Sprache und doch so treffend und kunstfertig. Über Menschen, die nicht klug wirken, aber manchmal durchtrieben. Sie wissen sich zu helfen und helfen einander gegenseitig in jeder Lage. Muss einer eine Reise tun, um in der Stadt ein "Kilochen Nägel" zu kaufen, geht er nicht allein. Er fragt den Nachbar, ob er mitkommt. Dieser fragt den Freund, der wiederum den Briefträger... - und schliesslich ist das ganze Dorf Suleiken unterwegs. An Essen haben die Frauen, die natürlich auch mitfahren, pro Familie eingepackt:

"Speck, Fladen, Salzgurken, einen Topf Kohl, getrocknete Birnen, einen Korb Eier, gebratene Fische, Zwiebeln, ein Rundbrot, ein Kaninchen."

Und was da alles passiert ist unterwegs:

"Der alte Logau verlor sein Holzbein, der Holzarbeiter Gritzan liess sich herab und sprach zwei ganze Sätze, zwei Kinder wurden geboren, man sichtete einen Auerochsen, der sich später als Kuh herausstellte, man erwarb ein Kilochen Nägel."

Übrigens liegt Masuren im heutigen Polen (ehemals Ostpreussen). Suleiken als Dorf ist erfunden. Siegfried Lenz ist 2014 in Hamburg verstorben. - Ich lese weiter...


Montag, 16. März 2026

Welche Chance - wir bekommen Nachhilfe-Unterricht

 Die beiden Mädels, die am Montag zu uns zum Mittagessen kommen, sind in eine neue Lebensphase eingetreten. Natürlich nicht gerade heute! Aber heute haben sie uns "aufgedatet", was läuft in der Schule und wo sie in der Stadt was finden.

Beide sammeln Radiergummis in allen Farben und Formen, auch mit Geruch. Die weniger edlen Gummis werden in kleine Stücke geschnitten und in der Schule während der Lektionen für Wurfattacken gebraucht. Ganz normal und alltäglich bei beiden Mädels.

In die Stadt gehen sie mit Kolleginnen und streifen durch die Läden, die coole, schöne Kleider haben oder Pflegesachen für die Schönheit oder Haarspangen oder Stifte oder eben Radiergummis.

Gern gehen sie bei "Starbucks" einen Crema-Vanille-Cappuccino trinken. In der Stadt geben sie meistens (zu) viel Geld aus. Es gibt Dinge, die MÜSSEN sie haben!

Sonntag, 15. März 2026

Viel investiert in mich

 Ich gehe den Weg, den die meisten gehen: Kind, Jugendliche Erwachsene, Alte. - Da bin ich jetzt zu meinem Erstaunen: Alt geworden. Fast 77 Jahre alt. Wie ist das bloss gekommen, und warum rast die Zeit dermassen? Gerade war noch Weihnachten, und jetzt ist bald Ostern. Am Mittwoch habe ich die letzten Sterne abmontiert von meinem Fenster und ein paar Stoffblumen gebastelt und aufgeklebt. Wann sind die Herbstblätter dran? - Nein, Sarkasmus ist nicht nötig. Ich freue mich, dass ich noch da bin und dass ich gehen und sogar tanzen kann. - Manchmal denke ich aber: Wir haben so viel in mich investiert, dass ich studieren konnte. Und jetzt? - Ich lisme am liebsten. Ich löse Sudokus. Meine theologischen Kenntnisse dienen nur noch Reto, wenn er im Kreuzworträtsel einen Propheten aus dem Alten Testament braucht. Hat sich die Investition gelohnt? Doch gelohnt? - Das Studium war ein grosses Abenteuer. Ich segelte in unbekannten Gewässern und wusste nicht, ob ich Land erreiche. - Das Studium war die Vorbedingung für die fünf Jahre im Urner Oberland. Unbeschreiblich wertvolle Jahre. Nicht einfach, aber unverzichtbar. Zu meinem Leben gehörend und prägend wie wenige andere fünf Jahre. Da habe ich zurück investiert, so gut ich konnte. Jetzt darf ich lismen.

Samstag, 14. März 2026

Flach geklopft

 Reto schaut sich jeden Werktagabend eine Kochsendung an. Ich befürchte immer, dass er eine immer höhere Messlatte an mein Kochen legt. Er selber blieb bis anhin unbeleckt von diesen Sendungen. Nur schauen, nicht nachkochen. Aber morgen Sonntag will er es versuchen. Ganz besondere Fleischvögel will er machen. Dazu braucht er GROSSE Rindsplätzli. Das hat er heute im Coop dem Metzger gesagt. Und bald begann eine unerhörte Klopferei. Der junge Metzger bearbeitete die zwei Plätzli mit einem Stössel so, dass sie die doppelte Grösse bekamen. Mindestens! Als er fertig war, machte ihm Reto ein Kompliment und sagte: "Zum Krafttraining brauchen Sie heute nicht zu gehen."

Freitag, 13. März 2026

Gar nicht schwierig

 Gestern mein Ausgang seit langem - es war einfach nur schön. Und ja, es war sehr einfach. Meine Freundin hielt am Bahnhof Ausschau nach mir. Wir beschlossen, dass wir unseren Apéro unbedingt an der Abendsonne  geniessen wollten. Also die Marktgasse hinauf, und dann fanden wir unser Plätzchen. Meine Freundin holte zwei Aperol Spritz, während ich unser Tischchen an der Sonne hütete. Anstossen und geniessen. Plaudern über Gegenwart und Vergangenheit; wir kennen uns schon lange. (Nicht so lange wie meine Beste Freundin und ich uns kennen.)

Als die Sonne hinter den Stadthäusern verschwand, zogen wir weiter. Wir waren früh dran, aber in der "Brasserie Reh" begrüsste man uns äusserst freundlich. Wir bekamen unseren Tisch und die Karte. - Im "Reh" kann man sowohl recht teuer essen, als auch recht günstig. Wir hatten beide Lust auf Quiche, einmal mit Spinat, einmal mit Speck und Käse. - Wow, waren die Teils gross! Ich konnte nicht alles essen, obwohl mir die Kombination von Spinat und Geisskäse sehr schmeckte. 

Wir liessen Dessert und Kaffee weg, weil wir pappsatt waren. Und zufrieden. Und glücklich, weil meine weit gereiste Freundin wieder da war. 

Donnerstag, 12. März 2026

In den Ausgang

 Ich gehe heute Abend in den Ausgang. Aber ich weiss gar nicht mehr, wie das geht. Zwar habe ich einen Tisch für meine Freundin und mich reserviert, aber erst um 19 Uhr. Vorher müssen wir noch um die Häuser ziehen. Wie macht man das? Wohin geht man? Was trinkt man heutzutage? - Meine ganzen Fragen zeigen nur eines: Ich war zu lange abends nicht mehr weg. Hoffentlich weiss meine Freundin mehr. Ich verlasse mich auf sie. Sie ist auch zwanzig Jahre jünger als ich.

Mittwoch, 11. März 2026

Erzählungen

Ich lese drei Bände "Erzählungen" von Siegfried Lenz, einem deutschen Dichter. Er würde heuer hundert Jahre alt. (Gestorben 2014) - Seine Buch-Erzählungen reichen von 1949 bis 1984. Sie sind chronologisch gegliedert. 1949 bin ich zur Welt gekommen; dieses Zusammentreffen berührt mich.

Es sind altmodische Geschichten. Und meistens enden sie nicht gut. Oft überraschend schlecht. Da rettet eine Frau ihrem Mann das Leben, aber er kann das nicht annehmen und geht. Die Titel sind auch nicht zeitgemäss: Jäger des Spotts; Das Wrack; Küste im Fernglas...

Aber die Sprache gefällt mir. Ist ganz genau. Langsam. Redundant (wiederholend). Ich gehe mit, sehe, rieche, schmecke. Ich verstehe die Erzählungen, auch wenn ich ihre Tiefe nicht ganz auszuloten vermag.

ERZÄHLUNGEN

Heute waren wir bei einer Freundin und haben mit ihr ihre Ferien in Holland miterlebt. Sie hat sie uns erzählt anhand von Fotografien. Ich mag Erzählungen, ob sie von alten Dichtern sind oder von einer Freundin, einem Freund.


Dienstag, 10. März 2026

Konfitüre nach Jahrgang

 Ich kannte eine Frau, die kochte gern Konfitüre. Sie verschenkte auch gern davon. Aber sie füllte mehr Gläser, als sie und ihre Bekannten essen konnten. Im Keller füllten sich die Holzgestelle nach Jahrgang der Fruchtaufstriche. Sie verschenkte immer die ältesten Gläser. So konnte man 1991 Konfi von 1984 bekommen. Das bewirkte, dass die Leute immer mehr sagten: "Danke, du bist gütig, aber ich habe selber noch genug." - Ich habe die Frau aus den Augen verloren, deshalb weiss ich nicht, wie die Geschichte ausging. Ich jedenfalls habe gelernt: Nur frische Konfi verschenken. Überhaupt die Vorräte in nützlicher Frist aufbrauchen. Gestern bin ich in meinen Keller gestiegen und habe alles in die Wohnung gebracht, das JETZT gegessen oder getrunken werden muss. Wer will noch Holunderblütensekt vom letzten Jahr, der schon einen Essigstich hat, wenn der Holunder schon bald wieder blüht! 

Montag, 9. März 2026

Und also blühen die Veilchen

Jeden Tag gehe ich langsam durch unseren Garten. Ich halte Ausschau nach Spinnen, Käfern und anderen Tierchen. Ich beobachte das Wachsen der Pflanzen und lasse mich überraschen von der ersten blühenden Hyazinthe. Ich kontrolliere die Knospen der Kirschbäumchen; bitte, nicht aufgehen, die "Kalte Sophie" ist noch fern. Aber die Blausterne dürfen gern blühen, und die Primeli und die Gänseblümchen. - Wer eigentlich knabbert ständig Primelblüten ab? Gemäss Google können es Schnecken sein, aber auch Hummeln und nicht zuletzt Spatzen. Sei es, wer es wolle - unser Garten bietet auf kleinem Raum vielen Platz. Wir wollen nicht die Einen gegen die Anderen ausspielen. (Nur Schneckenplagen rücke ich rigoros zu Leibe!) 

Die heutige Überraschung von Mutter Natur ist gelungen: Wie freue ich mich über die blühenden, duftenden Veilchen, die gestern noch nicht da (?) waren!!!

Sonntag, 8. März 2026

Sonntag in drei Abschnitten

  1.  Nach dem feinen Croissant, das Reto beschaffte, ging es schon bald ans Vorbereiten eines Apéros: Unsere Tochter and family wollten nach dem Abstimmen zu uns kommen. Meine Idee. Gute Idee. Unsere Enkelin versuchte Schulaufgaben zu erledigen, konnte sich aber schwer konzentrieren neben der lebhaften Unterhaltung von allen mit allen.
  2. Nach dem feinen Reto-Mittagessen am Frauentag fuhr ich in die Stadt und traf meine Beste Freundin. Wie immer tranken wir zuerst Kaffee und genossen später ein Dessert. Ich habe die Sommersaison eröffnet mit einem Himbeer-Sorbet. Davor und während und danach setzten wir uns ins Bild, was in unseren Leben läuft. Ihr Haus soll neue Fenster bekommen. 
  3. Als ich nach Hause kam, war unser Sohn am Telefon, und ich durfte so lange mit ihm plaudern, bis sich herausstellte, dass sein Partner "am Verhungern" war. Es wird dauern, bis der Lauch-Gratin gar ist. Deshalb muss auch dort "geapérölet " werden.

Samstag, 7. März 2026

Behaartes Schaumkraut

Weil ich echli zu den Kräuterhexen gehören will, lerne ich immer wieder neue Wildkräuter und/oder Heilkräuter kennen. Schon drei Jahre zählt das "Behaarte Schaumkraut" dazu. Es wächst überall in unserem Garten, und es blüht schon fein weiss. Es ist verdauungsfördernd und blutreinigend, was immer das heisst. Ich schneide es klein und gebe es zum Salat. 

Manchmal verrate ich Reto, was er isst. Ich habe ihm das "Behaarte Schaumkraut auch gezeigt. Tags darauf sagt er: "Gäll, das mit den kleinen weissen Blüten, das "Behaarte SCHAMKRAUT", gibst du zum Salat?"

Nachdem ich genug gelacht hatte, spielte ich mit den Buchstaben des Blüemli:

behaartes Schaumkraut

haarkrautiger Schaum

Krautiges Schamhaar

schamhaariges Kraut

behaartes Schamkraut

Manchmal macht das zusammenleben einfach Spass.


Freitag, 6. März 2026

Hundesitting

 


Heute Morgen vor acht Uhr kam Hund Yumi zu uns; wir durften sie drei Stunden lang hüten. Ihr "Herrchen" machte Schulbesuch. - Vor kurzem erlitt sie einen Sehnenanriss am rechten Hinterbein und musste operiert werden. Darum trägt sie ein neckisches Schühlein und einen grünen Verband. Aber es geht ihr schon wieder ganz gut. Wir Menschen müssen aber noch darauf achten, keine wilden Spiele mit ihr zu machen. Ich habe mich deshalb mit einem Buch aufs Sofa gelegt, aber oha, da war sie schwuppdiwupp auch. Sie leckte mir die Ohren und tat selbst ein bisschen wild. So gingen wir zu Boden, und da gab es dann Ruhe. Ich war voller Dankbarkeit, dass mir die Freude an einem Hund möglich ist. Wo ich doch als Kind und noch lange darüber hinaus schreckliche Angst vor Hunden hatte. 

Donnerstag, 5. März 2026

Molto Gusto

Meine Beste Freundin hat mir für heute viel guten Geschmack gewünscht. Zwar wusste ich am Morgen schon, dass ich in die Stadt gehen würde: Coiffeuse-Termin. Ich gehe gern zum Haareschneiden, weil meine Coiffeuse eine temperamentvolle Frau ist mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Sie schneidet schnell und wild; ich mag das. Allerdings riecht es im Salon für meine Nase streng. "Molto gusto" nicht hier, aber eine herzhafte Umarmung zum Abschied. 

Ich bin in der Stadt geblieben und habe mir einen Platz an der Sonne gesucht. Gefunden vor der "Brasserie Reh". Da habe ich an der Hauswand Sonnen-gewärmt mein Mittagessen genossen. Es war "con molto Gusto"!!! Spaghettini mit Spinat und viel Butter, Plätzli mit Salbei und sehr feiner Sauce. Dazu Schwarztee in geschmackvollem Set von Krug und Tasse. Nette Bedienung. 

Aber eines war nicht nach meinem Gusto: Der schwere, schwerreich gekleidete Mann am Nebentisch hat während meines ganzen Essens geschimpft oder genörgelt. Seine Frau hat nichts gesagt. Es ging um zu teure Immobilien und unfähige Handwerker. Hat der "Typ" überhaupt wahr genommen, was er gegessen hat?

Mittwoch, 4. März 2026

Etwas für das Gemüt

Seit dem Ausbruch von Corona waren Reto und ich nicht mehr im Kino. Man hat ja TV. Aber heute haben wir gesehen und gespürt: Es ist etwas Anderes, wenn der Film dort vorne ganz gross läuft. Die Schluchten sind tiefer, und der Schnee stiebt heftiger. Die Bösen sind böser und die Herzigen herziger. Und es gibt Glace-Pause, heute sogar Popcorn-Anfang. Weil unsere Enkelin und unsere Tochter dabei waren. Ihr Ritual bedeutet Popcorn, unseres Glace-Cornet.

Was haben wir uns zu Herzen genommen: den Barry-Film. Schön war es. Glücklich machte es. Sehnsüchtig. 


Dienstag, 3. März 2026

Ein neues Brotmesser

 Reto schneidet bei uns immer das Brot, ausser er hat ein Nachtessen anderswo. Das kommt vor. - Er hat sich seit Monaten und Monaten immer wieder beklagt, dass unser Brotmesser "keinen alten Hut schneidet", was es eigentlich auch nicht muss. Aber ich habe gesehen, wie Reto an manchem Brot herumsäbelt, dass es kein Zuschauen ist. Und Zuhören schon gar nicht. Diese schweren Seufzer. Dieses Geächze. - Ich sage seit Monaten, oder sind es erst Wochen: "Geh und kauf ein neues Brotmesser! Aber im Fachgeschäft, dass es dann wirklich gut ist!" - Heute ist er mit dem neuen Messer heim gekommen. Nach dem Zahnarzt hat er es sich gegönnt. Es ist lang und hat einen wunderschönen Griff aus Olivenholz. Und wichtig: Man kann es nachschleifen lassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nach 50 Jahren ein zweites Ehe-Brotmesser kaufen darf. Allerdings werden wir es keine weiteren 50 Jahre mehr benutzen können. Egal, heute leben wir. Heute schneiden wir Brot.

Montag, 2. März 2026

Seltsame Gestalten

 Wir haben heute eingekauft. Kaum im Laden ist ein Mann mittleren Alters, gut gekleidet, an uns vorbeigerauscht. Hat laut geredet: "Hast du gesehen, diese Ostersachen. Bis dort hinten. Weit hinten. Kannst du alles kaufen." Und weiter ging es durch den ganzen Laden, immer laut erklärend, was er vorfand. Wem hat er das alles erklärt? Seinem zweiten Ich...? - Ein anderer Mann genau das Gegenteil: Verstrubelte Haare. Ganz still. So müde, dass er sich mitten im Laden auf einen Stapel Bierdosen gesetzt hat. Kopf zum Boden geneigt. Ellenbogen auf den Knien. 

Und dann wir: Zwei kleine Alte, die immer etwas zu witzeln und zu lachen haben. Ich glaube, man kennt uns. Auch in der Apotheke. Dort haben heute die  Angestellten über oder mit uns gelacht. Reto hat eine Kurpackung Tabletten gegen Magenübersäuerung verlangt. Ich habe gefragt, welche fetten, crèmigen Speisen er nächstens essen möchte. - Wir haben dann eine Saucisson gekauft; Reto freut sich schon darauf.

Seltsame Gestalten.

Sonntag, 1. März 2026

Der März

 Der Monat März ist mir lieb. Ich habe Geburtstag. Der Frühling beginnt. 

In meiner Herkunftsfamilie war der März der Monat, wo es erstmals Nüsslisalat, natürlich aus dem Garten, gab. Mit Glück am Geburtstag meines Vaters und/oder an meinem Geburtstag. Eine Herrlichkeit, die nur noch Alte nachempfinden können. Warten auf Nüsslisalat, weil er zuerst wachsen muss! Jetzt gibt  es (leider) fast das ganze Jahr Nüsslisalat. Die Erdbeeren haben schon Aktion im Coop, und der Spargel liegt auch bereit. 

Warten? - Worauf dürfen wir noch warten?