Samstag, 4. April 2026

Tradition, sagt mein Mann

 Tradition verspricht "the same as every year" (dasselbe wie jedes Jahr). Tradition gibt Sicherheit. Tradition ist oft schön, aber manchmal fragwürdig. 

Reto und ich haben heute eine Lammkeule von 3kg370g nach Hause gebracht. Wahnsinn, sage ich. Tradition sagt mein Mann. Und ist doch wahr, seit einigen Jahren gibt es bei uns einen Lammgigot an Ostern, wo die ganze Familie um den grossen Tisch sitzt. Wer nicht gern Lamm isst, bekommt Poulet. Auch Tradition.

Die Grossputzerei von heute ist auch Tradition. Vor Weihnachten und Ostern wird geputzt. Aber nicht mehr jeden Freitag; diese Tradition haben wir gekippt. Traditionen dürfen wegfallen. Traditionen kann man neu erfinden. Ab wie oft ist es Tradition?

Tradition kann auch heissen: "Ich möchte gern, dass du wieder eine Lammkeule im Ofen brätst." - Tu ich ja! Wie oft noch? Vielleicht beginnt nächstes Jahr eine neue Tradition. 

Freitag, 3. April 2026

Gesehen...

Es gehört zu dem, was wir lieben: Irgendwo sitzen und Leute beobachten, die vorübergehen. Dazu braucht es einen strategisch guten Platz, einen Platz, wo Menschen zuhauf unterwegs sind. - Wir waren auf dem Friedhof und haben meinem Mami Stiefmütterchen gebracht. Wir haben uns angeschaut, wie das Gräberfeld aussieht, das aufgehoben wurde. Kein Grab mehr von meinem Götti. Echli traurig.

Trost fand ich am strategisch guten Ort, wo wir je an einem  Aperol Spritz nippten und schauten. Wir sahen:

  • das kleinste Hündchen der Welt mit buntem Wintermäntelchen
  • eine junge Frau in kurzen Hosen mit stämmigen Beinen
  • einen jungen Mann mit schwarzen überweiten Hosen, die flatterten, als er vorbei ging
  • ein Kindchen mit rosa Mäschchen auf dem Köpfchen, das einen grossen, dunkelroten Sirup trank
  • einen Mann mit schwarzen Nietenhosen , schwarzer Lederjacke und schwarzem Blick
  • eine junge Frau mit einer so bunten Jacke, wie ich sie auch gern hätte
  • eine Frau in schwarzen Leggins, die ihre dünndünnen Beine vorführte
  • einen jungen Mann mit Wuschelkopf vom Fröhlichsten
  • und noch viel mehr
Übrigens schauten wir uns gegenseitig sehr überrascht an, als der Kellner die Rechnung brachte: Zwei Aperol Spritz ohne ein Hämpfelchen Chips oder ein paar Olivchen oder zwei, drei Nüsschen:                      Franken DREISSIG! 

Donnerstag, 2. April 2026

Getrennte oder gemeinsame Wege

 Gestern haben Reto und ich über alte Zeiten geplaudert. Uns wieder gefreut an Osternachtfeiern im Urner Oberland und in St. Ulrich und noch weiter zurück in St. Urban. Es waren tiefe, stimmige Erlebnisse. Wir sind uns sicher, dass es so eindrücklich war, weil wir die ganzen Karwochen und Ostertage mitfeierten. Und weil da so viele Menschen mitgefeiert haben, die uns am Herzen lagen. Gemeinsam.

Jetzt ist es anders. Leider mag ich nicht mehr mittun. Ich bin immer noch im Abstands-Modus gegenüber der katholischen Kirche. Vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich weiss es nicht. - Weil Reto im Kirchenchor singt, gehen wir getrennte Wege. Reto wird erfüllt sein vom österlichen Geschehen. Wird am Osterfeuer stehen, das er im Urner Oberland jeweils selbst entzündet hat. - Ich werde derweil zu Hause sitzen. Und was tun? Was fühlen? - Ich weiss es nicht. Wehmut, Traurigkeit. Getrennt.

Zum Glück kommen am Ostermontag unsere Kinder mit ihren Lieben zu uns. Da werden wir gemeinsam feiern. Von Herzen!


Mittwoch, 1. April 2026

"Den Osterhasen stören"

 Mein Ehemann weiss auch nicht genau, was es bedeutet, aber wenn er in die Stadt geht, um Osterschoggi zu kaufen, sagt er: "Ich gehe den Osterhasen stören." - Heute jedenfalls war ich in der Stadt und bin mit allergattig Osterzeug heim gekommen. Wir sind am Ostermontag zu siebt, und mir macht es sehr viel Freude, als Osterhasen-Oma allen Gutes zu tun. Man könnte auch sagen, vor lauter Freude tue ich alljährlich des Guten zu viel. Weil unsere Gäste stets genügsamer sind als ich, bleiben dann Reto und ich auf dem ganzen Rest hocken. Ob das den Osterhasen stört, oder ob er sich ins Fäustchen lacht, weil er an Coop und Co. beteiligt ist?

Dienstag, 31. März 2026

Nein, diese Pasta ess ich nicht (mehr)

 Der "Suppen-Kaspar" im schrecklichen "Struwwelpeter-Buch" sagt: "Nein, meine Suppe ess ich nicht." - Nach fünf Tagen Essverweigerung stirbt er. - Heute habe ich aus meinem neusten Kochbuch ein Pasta-Gericht gekocht, das ich tatsächlich nicht mehr essen will. Auch nicht aufessen, gestehe ich. Schande über mein Haupt!

Guten Mutes habe ich viel Ricotta in die Pfanne gerührt zusammen mit Parmesan, Pfeffer und Salz und einer Handvoll Kräuter, vor allem Salbei. Die vorgekochten "Teigis" mit Erbsen unterrühren, Kochwasser zugeben, rühren, mehr Kochwasser. Judith, Kaya und Reto vorsetzen, selber probieren.

Nein, diese Pasta ess ich nicht mehr. Und die anderen drei waren auch nicht begeistert. Da kann Samin Nosrat noch lange von einer üppigen, crèmigen Sauce reden. Elegant und unaufdringlich sei sie. Ganz unelegant kommt mich das "Görbsen" (Rülpsen) an. Nie mehr!

Montag, 30. März 2026

Josianne, die Giraffe

 


Ich nehme sie mit, wenn ich mal ins Pflegeheim gehe. Und dazu die selbstgestrickte Hedy. Mindestens. Reto meint, ich könne ja alle Kuscheltiere mitnehmen, die es in meinem Zimmer gibt. - Aber nein, die gehören Kaya. Der grosse Hase gehört Sohn Stefan und der Schäferhund Judith. - Natürlich nehme ich alle Fotoalben mit und die Hälfte meiner Bücher. Mein Pult muss mit und das Grossmutter-Buffet. Vielleicht noch die Alt-Flöte und bestimmt der Farbstifte-Topf, der gelbe. Ach, apropos "gelb", das gelbe Sofa wird doch wohl noch Platz haben, oder? Papier muss mit in allen Grössen und Farben und mein geliebter Pelikan-Fülli. Wolle zum Lismen bekomme ich vielleicht dort. Oder bestelle ich lieber ein paar Strangen Schafwolle in der Wollspinnerei Vetsch? Kann ich schöne Steine auch mitnehmen, oder suche ich dann dort neue. Nur nicht Kopf voran ins "Grien" (Kieselsteine) fallen!

Ach, ach, ach, hoffentlich darf ich noch lange da bleiben, wo ich bin. Mit Josianne vom Flohmarkt.

Sonntag, 29. März 2026

"ETWAS GUTES"

 So heisst das neue Kochbuch von Samin Nosrat, einer amerikanischen Köchin mit persischen Wurzeln (1976 wanderten Samins Eltern nach Amerika aus. Samin hat Jahrgang 1979.) Im Untertitel des Buches heisst es: "Rezepte und Rituale für dich und deine Liebsten."

Reto und ich haben am Freitag erstmals in unserem Leben "Harissa" gekauft, eine Chilisauce im Gläschen. Ich musste eine Verkäuferin fragen, wo ich sie finde, erzählte ihr, dass ich ein neues Kochbuch habe und jetzt eben Harissa brauche. Sie hat sich gefreut, dass ich Neues wage. Ich musste dann schon gestern Abend nach dem Flohmarkt, dem unergiebigen, mit Koriandersamen, Kurkuma, Kümmel und Pfeffer "Tabil" herstellen, diese Gewürzmischung mit Harissa und Salz vermischen und die Geflügelteile damit einmassieren. Über Nacht in den Kühlschrank.

Ich will ja jetzt nicht das ganze Rezept aufschreiben. Es steht im Kochbuch. Selber kaufen. Oh, ja, es ist teuer. - Nur soviel noch: Es kommen viele gedörrte Aprikosen und viel Knoblauch und Zwiebeln in die Sauce, und das Gericht muss uuuhhh-lange im Ofen schmoren.

ES WAR HIMMLISCH! 

Aufgepasst, liebe künftige Gäste: Wenn ihr nicht gern Harissa habt, braucht ihr gar nicht zu uns zu kommen. Wir machen nur noch Geschmortes Huhn mit Aprikosen, wie es Samin Nosrat macht.