Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.
Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.
Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.


