Samstag, 24. Oktober 2026

Wie lange hält ein Sofa?

Suffizienz ist für mich ein wichtiges Wort. Es bedeutet "Genügsamkeit". Ich will nicht Dinge kaufen, die nicht nötig sind. Keine neue Küchenmaschine; die Küchenwaage, die mir runter gefallen ist, hat Reto wieder geflickt. So ticken wir. Einerseits weil das der Welt am besten tut, andererseits, weil unser Budget nicht der höchsten eines ist.

Seit langer, langer Zeit klagt Reto über sein Sofa, das aus den Fugen geraten sei. Sozusagen. Er sitzt auf Holz statt auf Polsterung. Schuld seien die Mädels, meint er. Sie hätten zu oft darauf herum gehüpft, was ich immer erlaubt hätte. Aber Kinder müssen hüpfen! - Ich sage, schuld ist der Zahn der Zeit. Ein Sofa hält im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre. Sagt die KI. - Retos Sofa ist dreizehn Jahre alt. Und fünf Monate dazu. Jenseits aller Schuldzuweisungen ist es an der Zeit, dass ein neues Möbel gefunden und gekauft wird.

Heute Morgen sind wir los gegangen, und wir haben gefunden und gekauft. (Geliefert wird aber erst im Januar.) - Übrigens behalte ich mein Sofa, das dreizehn Jahre und fünf Monate alt ist. Ich sitze auf Polsterung, obschon die Mädels...Und Hund eins und Hund zwei...Und Katze Nepomuk mit seinen Krallen...Mein Sofa ist ein Bettsofa; Stefan und Martin sollen weiterhin bei uns übernachten können, wann immer sie wollen.

Freitag, 23. Oktober 2026

Morgen in zwei Monaten, sagt mein Mann

 Wenn mein Ehemann im Mai verkündet, genau in sieben Monaten sei Heilig Abend, finde ich das nicht lustig wie er. Ich sage zu ihm, er betreibe "wordswaste", analog zu "foodwaste". Er fordere meine Aufmerksamkeit für nichts. 

Heute aber höre ich ihm zu, wenn er sagt: "Morgen in zwei Monaten ist Heilig Abend." - Das ist schon bald. Ich muss mich sputen mit den Weihnachtsgeschenken. Nicht einmal die heurige Idee ist ausgefeilt. 

Ich mag es sehr, unsere geliebten Menschen alle mit dem jeweils gleichen Geschenk zu erfreuen oder zu erschrecken oder zum Lachen zu bringen. So wird der Weg auf Weihnachten hin zu einem kleinen Abenteuer. Unterwegs geht unser Gätteisen kaputt (2022), die rosa Schachtel gefällt besser als der Inhalt (2019) oder das Geschenk wird zurück gegeben in aller Freundschaft (???). 

In zwei Monaten sagt mein Mann. Er hat Aufgaben übernommen, aber er geht lieber in seinen Garten und setzt hunderte von Blumenzwiebeln in dutzende von Töpfen.

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Ich war laufen

 Ich war laufen. Mit Laufen meine ich immer gehen, denn wirklich laufen tu ich nimmer, nicht einmal, um noch einen Bus zu erreichen. Ich war also laufen. Zuerst am Gartentor unserer lieben Angehörigen vorbei. Wo Hündin Yumi vor der Haustüre lag. Ich rief sie an, und sie wurde gern ein bisschen von mir gekrault. Gab mir ein Küsschen. Ich ging weiter.

In der Nähe eines Schulhauses war ein Pulk Schüler*innen um den Lehrer versammelt. Er wollte ihnen heute das Joggen beibringen. Er vorneweg, der Hauptharst Jugendliche hintennach, so dass ich auf die Wiese ausweichen musste. Ich bekam ein angedeutetes Danke vom Lehrer. Und musste lachen: Die hintersten Mädchen machten schon die erste Pause am kleinen Trinkbrunnen. Eine hatte ihr weisses Handtäschchen dabei. Zum Joggen!!!

Ich sah Enten in der Eulach, die immer noch gingen statt schwammen. Ein bisschen mehr Wasser hat es als vor ein paar Tagen. Aber...

Wieder zu Hause stelle ich fest, dass ich "Laufen" wieder trainieren muss. Müde nach 35 Minuten - das geht nicht.


Mittwoch, 21. Oktober 2026

Unsere "Tschanz" (Chance) wird verlängert

Als wir vor zwei Monaten beim Arzt waren und unsere Blutwerte geprüft wurden, waren unserer beiden Cholestrinwerte zu hoch. Der Arzt fand, wir sollten es mit einer Ernährungsumstellung probieren, ehe er das Medikament verdopple: "Ich gebe Ihnen eine Tschanz."  

Heute war Examenstag. Würden wir bestehen? Immerhin hatten wir Rahm aus unserem Kühlschrank verbannt, weniger Milchprodukte überhaupt zu uns genommen, und ich hatte versucht, ein bisschen mediterraner zu kochen. Würste aller Art gibt es nur noch ausnahmsweise. An der Olma und wenn wir so feine, feine "Räucherknebeli" geschenkt bekommen. 

Ich trat um acht Uhr nüchtern an bei der Praxisassistentin. Mein Finger gab das Probeblut her und nach längerem Warten wurde ich vom Arzt persönlich im Warteraum abgeholt. - Heutzutage bekommt man ja alles am Bildschirm vorgesetzt, sogar leicht verständlich dargestellt. Mein Cholestrinwert hat sich von rot nach orange verbessert, aber nicht nach grün. Der Arzt war mässig zufrieden, aber ich wollte nicht mehr Medikamente. "Also gut", meinte er, "verlängern wir die Tschanz bis im Februar."

Üben, üben, üben. Ich bin zuversichtlich. Reto aber seufzt. 

Dienstag, 20. Oktober 2026

Die gute oder die schlechte zuerst?

 Ich sitze fröstelnd am Computer. Die Heizung im Haus ist ausgefallen. Und die Heizungsfirma hat schon Feierabend. Das ist die schlechte Überraschung am heutigen Tag. 

Bis vor gut zwei Stunden war mir innerlich warm; da habe ich auch die aufsteigende kühle Luft nicht beachtet. Wir hatten Essbesuch wir fast immer am Dienstag. Unsere Tochter mit Kind, Mann und Hund. Sie erzählten von ihren Ferien in Kroatien, und wir bekamen Souvenirs geschenkt. Reto erhielt Geburtstagsgeschenke.

Als wir gerade die Muffintorte anschnitten, welche die Enkelin dem Grosspapi gebacken hatte, läutete es an der Haustür: Unser Sohn stiess als Überraschungsgast auch noch zu uns. Auch er brachte ein Geburtstagsgeschenk für Reto mit. So liebe ich es: tutta la famiglia um den Esstisch!

Ergebnis der schlechten und der guten Überraschung von heute: Kühle Beine, warmes Herz.

Montag, 19. Oktober 2026

Den Frieden wieder herstellen

 Wir sitzen am Esstisch. Die Suppe ist ausgelöffelt, ein bisschen Käse und drei kurze Blätterteigstengelchen sind "weggemampft". Reto will mir erklären, wo die Frau S. wohnt. - "Weisst du, hinter dem Römertor." sagt er und zeigt mit dem Daumen in eine Richtung, wo das Römertor sicher nicht liegt. Ich lache.

Dann streiten wir uns über die Himmelsrichtungen. Er ist sicher, dass er recht hat, und ich bin noch viel sicherer, dass ich recht habe. Ist auch nicht das erste Mal, dass wir uns in die Haare geraten wegen seinem Daumen, der so total verkehrt zeigt. "Wie kann er nur!" denke ich. - "Was ist in sie gefahren!" denkt er.

Bevor das ausufert, legt Reto neue Regeln fest: Es haben immer beide recht. Auslachen gilt nicht. Und jetzt ist Frieden!

Sonntag, 18. Oktober 2026

Ich kann es einfach nicht verstehen

On TV ist der neue Wahlbarometer vorgestellt worden: Wenn die Schweiz jetzt wählen würde, täte die SVP wieder zulegen. Zum Glück die SP auch "es bitzeli". Warum die Grünen kaum?

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass so viele Menschen bei uns und anderswo rechtsstehende Parteien wählen. Ich meine damit nicht, dass sie konservativ wählen. "Konservativ" bedeutet ja, erhaltend, beim Alten bleiben, vorsichtig bewahren. - Das meine ich nicht. Aber ich verstehe den ganzen Hass nicht. Ich verstehe nicht, dass man Menschen wählt, die ohne jeden Anstand über Andersdenkende herziehen. Die ausgrenzen wollen, abschieben wollen...

Gestern war ein Text vom Schriftsteller Jonas Lüscher im "Landboten" zu diesem Thema. Er schreibt, dass manche Menschen von solchen regiert werden wollen, "die genau so zornig sind wie sie. Jemand, der nicht zweifeln mag, schon gar nicht an sich selbst... Jemand, der genau so wenig Ahnung von der Welt hat wie sie, aber genau so viel Meinung über die Welt. Jemand, der voll Verachtung auf Expertise und Experten blickt. Jemand, dem Wissen suspekt ist. Jemand, der sich selbst der Nächste ist."

Gruselig!

Das Gegenmittel gemäss Jonas Lüscher: Die Zivilgesellschaft. - "... dass wir es sind, die laut darüber zu sprechen beginnen, was wir uns unter einem guten Leben vorstellen und welche Politik ein solches für möglichst viele möglich macht." - Kleine Flamme Hoffnung...