Donnerstag, 2. Juli 2026

Krasser Unterschied

 Am Morgen fuhr ich in die Stadt, um einen längeren Einkaufszettel abzuarbeiten. Alles in Butter. Ich kam flott voran. Fand sogar noch ein Sommershirt zum halben Preis. Hatte eine hübsche Plauderei mit einer "verrückten" älteren Frau. Wir wünschten uns dann einen schönen Tag, und ich schaute ihr nach. Immer möchte ich auch ein wenig "verrückter" sein. Meine Plauder-Kameradin trug einen "glismeten" Hut hoch auf dem Kopf, hatte darunter lange, graue Haare. Das blaue T-Shirt hatte sie aufgerollt bis unter die Brust. Blutter Frauenbauch und neckische Zahnlücke. Die getraut sich! - An der Kasse bezahlte ich mein Sommershirt bei einer flinken, fröhlichen Angestellten. Ich machte ihr ein Kompliment, und sie sagte, sie sei eben glücklich und fröhlich und wünsche mir das auch. da wurde ich das alles gerade ein bisschen - glücklich und fröhlich.

Jetzt am Nachmittag ist die Energie weg. Die Fröhlichkeit auch. Ob ich noch Fahrt aufnehmen kann?

Mittwoch, 1. Juli 2026

"Kreative Runde" - ein Spiel

 Ich habe das Spiel geschenkt bekommen. Man sollte es mit Gästen spielen. Aber ich mag keine Gäste verknurren, es mit mir zu spielen. Ich werde selber sehr ungern genötigt zu spielen.

Das Spiel besteht aus etwa 60 Karten mit Aussagen oder Fragen zu "Kreativität". Ich ziehe nun (fast) täglich so eine Karte und überlege mir eine Antwort. So spiele ich in aller Heimlichkeit und Ruhe gerne ganz allein. Heute stand auf der gezogenen Karte:

"Was hilft dir, Ideen in die Tat umzusetzen? Was hindert dich eventuell daran?"

Meine Freude an einer Idee verleiht mir Flügel. Ich werkle gern vor mich hin und schaue, was dabei herauskommt. Ich mag Farben so gern und Wolle und Stoff und...

Manchmal bräuchte ich etwas, das zuerst beschafft werden müsste. Das stört mich und hindert mich an der Ausführung. Oder ich bin altersmüde und lese lieber in meinem Buch weiter. oder ich muss endlich wieder einmal putzen...

Dienstag, 30. Juni 2026

Blauer Becher aus Dänemark

Ich will seit Tagen Minze ansetzen für Pfefferminzsirup. Der vom letzten Jahr reicht nur noch für drei, vier Becher. Wenn mir pures Wasser aus den Ohren tropft (ich meine, verleidet ist) , labe ich mich gern an einem  "Münzesirup". Er muss nicht erst gekocht werden wie Tee. Er steht immer bereit im Kühlschrank. Er ist erfrischend und belebt. Besonders, wenn ich ihn aus einem hellblauen Becher trinke.

Den blauen Becher habe ich letztes Jahr in Dänemark gekauft. Der Sommer war nicht so heiss damals. Das Meerwasser ziemlich kühl. Abends wehten meine Haare im Wind. - Nein, konnten sie nicht, weil sie sehr kurz waren. Aber die Vorstellung, dass meine Haare im Wind wehen, tut mir gerade gut. 

Ich muss mir heute Sachen vorstellen, die mir gut tun. Sonst werde ich hässig, weil mir so unangenehm heiss ist. Zum Beispiel Farben: Türkis, hellblau. Zum Beispiel Orte: Arosa am Tag, als ich meine gute Note für eine grosse Arbeit bekam. Vor unserem Holzhäuschen in der Toskana frühmorgens Ende Oktober. Zum Beispiel Gerüche: Saftige Aprikosen in Israel. Heuernte bei den Grosseltern. ...

Morgen  setze ich Minze an.

Montag, 29. Juni 2026

Menü auslosen

 Unsere beiden Mädels kommen nach den Sommerferien nur noch selten zu uns zum Essen. Am nächsten Montag ist zum letzten Mal ein reguläres Essen. Ich habe ihnen heute eine Aufgabe gegeben: Überlegt, was ihr aus meinem Kochrepertoire gern nochmals geniessen würdet. Einigt euch auf einen Hauptgang und ein Dessert.

Ihnen kamen - zu meiner Freude - ganz viele Menüs in den Sinn, die sie gern hätten. Sie konnten sich nicht festlegen und schrieben Zettelchen, die sie wie Lose falteten. Nach bestimmten Regeln wurde am Esstisch ausgelost, was es geben sollte. Reto und ich durften mitmischeln. Am Schluss wurden alle gefragt, ob sie einverstanden seien.

Heraus kam: TRARA! (Tusch)

BURGERS NACH ESTHER-ART

MOUSSE AU CHOCOLAT NACH RETO-ART

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute. 

Samstag, 27. Juni 2026

Wohlgetan

 Gestern haben wir unseren persönlichen Hitzetest bestanden. Wir sind mit ÖV nach Seelisberg gefahren, um einen Tag mit Freund und Freundin zu geniessen. Wie im Mittelmeerraum (und anderswo) haben wir vier eine Siesta im Schatten abgehalten, ehe wir zum Kaffee wieder zusammenkamen. Aus allen Winkeln des Hauses. Haben uns erzählt, was wir geträumt haben. Im Schlaf oder Halbschlaf. 

Wir haben ständig getrunken, aber für einmal wenig Weisswein, dafür viel Wasser und Tee. Und wir haben uns unterwegs mit Wasser aus Monis Geschenk-Sprühfläschli beregnet. Im Zug sogar ein nasses Tuch in den Nacken gelegt. Wobei Zug - viel angenehmer als in früheren Zeiten. Gut aushaltbar.

Heute nun ist Reto schon wieder auf grosser Reise: Kirchenchorausflug mit dem Car. Ich bin gespannt, was er erzählen wird.

Ich selber hätte überhaupt keine Zeit für einen weiteren Tagesausflug gehabt. Eine muss ja den Garten wässern, die Raupen hirten, den Sonntagszopf backen, viele Früchte einkaufen, den Menüplan für morgen und Montag ausdenken, die Zutaten posten, Geschirr von gestern und heute abwaschen, alles wieder in Ordnung bringen, denn etwas tun bringt Unordnung. 

Jetzt ist es Samstag um siebzehn Uhr. Ich habe getan; es ist wohlgetan.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso!