Mittwoch, 21. Oktober 2026

Unsere "Tschanz" (Chance) wird verlängert

Als wir vor zwei Monaten beim Arzt waren und unsere Blutwerte geprüft wurden, waren unserer beiden Cholestrinwerte zu hoch. Der Arzt fand, wir sollten es mit einer Ernährungsumstellung probieren, ehe er das Medikament verdopple: "Ich gebe Ihnen eine Tschanz."  

Heute war Examenstag. Würden wir bestehen? Immerhin hatten wir Rahm aus unserem Kühlschrank verbannt, weniger Milchprodukte überhaupt zu uns genommen, und ich hatte versucht, ein bisschen mediterraner zu kochen. Würste aller Art gibt es nur noch ausnahmsweise. An der Olma und wenn wir so feine, feine "Räucherknebeli" geschenkt bekommen. 

Ich trat um acht Uhr nüchtern an bei der Praxisassistentin. Mein Finger gab das Probeblut her und nach längerem Warten wurde ich vom Arzt persönlich im Warteraum abgeholt. - Heutzutage bekommt man ja alles am Bildschirm vorgesetzt, sogar leicht verständlich dargestellt. Mein Cholestrinwert hat sich von rot nach orange verbessert, aber nicht nach grün. Der Arzt war mässig zufrieden, aber ich wollte nicht mehr Medikamente. "Also gut", meinte er, "verlängern wir die Tschanz bis im Februar."

Üben, üben, üben. Ich bin zuversichtlich. Reto aber seufzt. 

Dienstag, 20. Oktober 2026

Die gute oder die schlechte zuerst?

 Ich sitze fröstelnd am Computer. Die Heizung im Haus ist ausgefallen. Und die Heizungsfirma hat schon Feierabend. Das ist die schlechte Überraschung am heutigen Tag. 

Bis vor gut zwei Stunden war mir innerlich warm; da habe ich auch die aufsteigende kühle Luft nicht beachtet. Wir hatten Essbesuch wir fast immer am Dienstag. Unsere Tochter mit Kind, Mann und Hund. Sie erzählten von ihren Ferien in Kroatien, und wir bekamen Souvenirs geschenkt. Reto erhielt Geburtstagsgeschenke.

Als wir gerade die Muffintorte anschnitten, welche die Enkelin dem Grosspapi gebacken hatte, läutete es an der Haustür: Unser Sohn stiess als Überraschungsgast auch noch zu uns. Auch er brachte ein Geburtstagsgeschenk für Reto mit. So liebe ich es: tutta la famiglia um den Esstisch!

Ergebnis der schlechten und der guten Überraschung von heute: Kühle Beine, warmes Herz.

Montag, 19. Oktober 2026

Den Frieden wieder herstellen

 Wir sitzen am Esstisch. Die Suppe ist ausgelöffelt, ein bisschen Käse und drei kurze Blätterteigstengelchen sind "weggemampft". Reto will mir erklären, wo die Frau S. wohnt. - "Weisst du, hinter dem Römertor." sagt er und zeigt mit dem Daumen in eine Richtung, wo das Römertor sicher nicht liegt. Ich lache.

Dann streiten wir uns über die Himmelsrichtungen. Er ist sicher, dass er recht hat, und ich bin noch viel sicherer, dass ich recht habe. Ist auch nicht das erste Mal, dass wir uns in die Haare geraten wegen seinem Daumen, der so total verkehrt zeigt. "Wie kann er nur!" denke ich. - "Was ist in sie gefahren!" denkt er.

Bevor das ausufert, legt Reto neue Regeln fest: Es haben immer beide recht. Auslachen gilt nicht. Und jetzt ist Frieden!

Sonntag, 18. Oktober 2026

Ich kann es einfach nicht verstehen

On TV ist der neue Wahlbarometer vorgestellt worden: Wenn die Schweiz jetzt wählen würde, täte die SVP wieder zulegen. Zum Glück die SP auch "es bitzeli". Warum die Grünen kaum?

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass so viele Menschen bei uns und anderswo rechtsstehende Parteien wählen. Ich meine damit nicht, dass sie konservativ wählen. "Konservativ" bedeutet ja, erhaltend, beim Alten bleiben, vorsichtig bewahren. - Das meine ich nicht. Aber ich verstehe den ganzen Hass nicht. Ich verstehe nicht, dass man Menschen wählt, die ohne jeden Anstand über Andersdenkende herziehen. Die ausgrenzen wollen, abschieben wollen...

Gestern war ein Text vom Schriftsteller Jonas Lüscher im "Landboten" zu diesem Thema. Er schreibt, dass manche Menschen von solchen regiert werden wollen, "die genau so zornig sind wie sie. Jemand, der nicht zweifeln mag, schon gar nicht an sich selbst... Jemand, der genau so wenig Ahnung von der Welt hat wie sie, aber genau so viel Meinung über die Welt. Jemand, der voll Verachtung auf Expertise und Experten blickt. Jemand, dem Wissen suspekt ist. Jemand, der sich selbst der Nächste ist."

Gruselig!

Das Gegenmittel gemäss Jonas Lüscher: Die Zivilgesellschaft. - "... dass wir es sind, die laut darüber zu sprechen beginnen, was wir uns unter einem guten Leben vorstellen und welche Politik ein solches für möglichst viele möglich macht." - Kleine Flamme Hoffnung... 

Samstag, 17. Oktober 2026

Schon Vorweihnachtstrubel oder ein ganz normaler Samstagmorgen in der Stadt?

 Pensionierte haben es gut: Sie können die Besorgungen in der Stadt auf die Zeiten legen, wo die meisten anderen Erwachsenen arbeiten. Und wo die Kinder in der Schule sind. Also nicht am Mittwochnachmittag und nicht am Samstag in die Stadt. Weil wir gestern den ganzen Tag weg waren, bin ich heute einkaufen gegangen. In die Stadt.

Eingangs Marktgasse: Gibt es heute eine Massenveranstaltung? Gar nichts davon gehört! - Nein, es bummeln einfach unfassbar viele Menschen wie ich auch durch die Gasse und suchen, wessen sie bedürfen. Mir war nach Schönheit zumute (nachdem ich Milch und Brot erstanden hatte). Damit bin ich  nicht die einzige, wie ich später am Tag gelesen habe. Wenn die Tage kürzer werden, das Licht und die Wärme abnehmen, dann wollen wir eine kuschelige, gemütliche, schöne(?) Wohnung haben. Und wirklich, plötzlich gefallen mir Fliegenpilze, Eichhörnchen und Füchslein. Und mehr Kerzen braucht die Welt.

Die Stadt kann uns alle, alle zufrieden stellen. Müssen manchmal nur "echli" warten, bis wir an der Kasse dran sind. - Mich hat die Wartezeit zur Vernunft gebracht. Ausscheren, heimkehren, dort selber kreativ werden...

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Ein ruhiger Spätsommertag

Reto hat Geburtstag, den letzten mit einer Sieben vorn. Für unser Alter passend haben wir uns einen ruhigen Tag gemacht. Keine Höhenflüge, aber ganz, ganz viele Gratulationen für Reto. Keine Überraschungsbesuche, so dass von meinen sieben vorbereiteten Dessert-Kreationen fünf immer noch im Kühlschrank stehen. - Wir haben einen Spaziergang im Quartier gemacht und an den letzten Rosen geschnuppert. Keine Fischlein in der Eulach gesehen. Kein Wasser in den Nebenarmen. Gruselig. Unter der angenehmen Ruhe des Spätsommertages droht die Zukunft. 

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Gemütlich angefangen...

Heute Abend ist Herbsthöck im Kirchenchor. Reto ist verantwortlich für das Dekorieren. Das kann er gut, hat er im Urner Oberland in der Kirche fünf Jahre lang "geübt". - Eigentlich wollte er viele, viele bunte Herbstblätter sammeln, aber es hat "grüseli" geregnet am Morgen. Alles "pfludinass". Ich habe Reto nach einem Plan B gefragt. - Zusammen haben wir in unserem trauten Heim alles gesammelt, was herbstlich ist. Efeu dazu und Beeren vom Feuerdorn. Das kommt gut. 

Aber dann wurde es ungemütlich: Reto hat eine Buchung in meinem Konto very, very verdächtig gefunden. Wie kam der Betrag zustande? Ist das Pishing? Uuuhhh! Ich habe mich anstecken lassen von der Nervosität und Hektik meines Ehemannes. 

Er hat sofort telefoniert - mit einer KI-generierten Stimme, die seine Geschichte nicht aufnehmen konnte. Aber schnell, schnell, sonst klauen uns die Gauner unser Geld. - Reto ist in die Stadt gefahren, um sich von einer richtigen Stimme, einer realen Person beraten zu lassen. Und diese gab Entwarnung. 

Ich bin immer noch am "Abefahre". Mein Nervenkostüm flattert noch, aber es geht schon besser. Der Abend kann gemütlich werden.