Mittwoch, 29. April 2026

Dieses Gleichzeitige

 Am Morgen wollte ich den Garten giessen. Aber da hat es geregnet. Jedenfalls fünf Minuten, und nach weiteren fünf Minuten war alles wieder trocken; ich goss Kanne um Kanne.

Jetzt ist schon vier Uhr nachmittags. Gerade war ich wieder im Garten. Noch den Gout des Glacestengels im Mund. Unter den Füssen das sonnenwarme Gras. Weich und warm. Am Hals die ersten zwei Mückenstiche, die jucken. In den Ohren die ganzen Autos auf der Strasse hinter dem Gartenhag. Und zum Glück höre ich auch ein Insektensummen. Die Wespe ist es nicht, die gerade gefährlich nahe an mir vorbei kurvt. Warum sind die kleinen Wildbienen so hektisch, die ich mir anschauen möchte. Letztes Jahr waren sie noch nicht bei uns. Das grüne Flecklein auf der Skabiose ist wirklich ein Heugümperchen. So winzig klein noch. 

Beim Schauen bin ich froh, dass ich am Morgen gegossen habe. Das soll all dem Grün gut tun, dem ich fast beim Wachsen zuschauen kann. 

Dienstag, 28. April 2026

Schaumzikaden an meinem Estragon im Garten

 Ich habe ein Riesenbuch über Insekten. Achtunddreissig Zentimeter hoch, achtundzwanzig breit. Wirklich riesig und manchmal echli gruselig. Wenn zum Beispiel eine Kopflaus zwanzig Zentimeter breit gezeigt wird. Aber ein Buch, das ich immer wieder anschaue:


In meinem Buch ist auch die Schaumzikade vergrössert gezeigt. Zwei Schaumkügelchen sind an meinem Estragon. Der Schaum werde auch Kuckucksspeichel genannt, steht in meinem Buch. Und in diesem Schaum wachsen die Nachkommen, schön feucht und gut versteckt. Hier die Abbildung dazu aus meinem Buch:


Die erwachsenen Zikaden sind so braune, kleine Hüpfdinger, die ich schon oft gesehen habe, aber nie mit dem Schaum in Verbindung gebracht habe. Ich mag es sehr, sehr, immer wieder Neues zu lernen. Zusammenhänge zu erkennen. Zu staunen, was es doch alles gibt.


Montag, 27. April 2026

Capuns zum Ersten

 Krautstiel oder Mangold - scheint dasselbe zu sein! Jedenfalls ist Reto mit Mangold aufgewachsen und ich mit Krautstiel. Ich liebte sie nicht, diese erdigen, faserigen, in Stücke geschnittenen Stiele an weisser Sauce. Ich glaube, die Blätter haben wir nicht gegessen, bin aber nicht sicher.

Seit ein paar Jahren pflanzen wir in unserem Gärtchen das Gemüse an, um dann Capuns zu kochen. Das ist eine Bündner Spezialität: Krautstielblätter kurz blanchieren, auslegen auf Küchentuch, einen Löffel Spätzliteig angereichert mit gebratenen Speckwürfeli darauf geben, Päckli machen, in Bouillon köcheln, mit Sieb herausheben, darüber Reibkäse und gedünstete ZwiebelKnoblauchButter. Mmmmhhhh!

Heute war es so weit! Die ersten Capuns in dieser Saison. So wunderbar gewachsene, hellgrüne, zarte Krautstielchen, bereit zum Ernten. Nur wenige Frasslöcher von Schnecklein, die auch noch wachsen werden. Die Ersten sind die Besten! (Capuns, nicht Schnecken!)

Samstag, 25. April 2026

Den besseren Teil

 Als ich eine junge Mutter und Hausfrau war - Hausfrau eher gegen meinen Willen - beschloss ich, einen Deal zu machen. (Damals sagte natürlich keine "Deal".) - Wenn ich denn schon den Haushalt übernehmen musste, sollte mein Ehemann dafür auf immer und ewig die Steuererklärung übernehmen müssen. Das gelobte er zu tun. Und so sitzt er jetzt am grossen Tisch inmitten von Papier, von dem ich nichts verstehen muss. Noch stöhnt er nicht vor sich hin, aber das wird kommen.

Ich aber darf mich dem Geburtstag unserer Tochter Judith widmen. Eine Karte schreiben. Echli etwas einpacken. Viele, viele gute Gedanken haben. Mich auf morgen freuen, wo wir eingeladen sind. Stolz auf meine Tochter sein. Dankbar! Sehr dankbar!

Freitag, 24. April 2026

Das Herz geht mir auf

HEIMAT

Darf ich vorstellen: Das ist die Finsterthüelen. Paradies meiner Kindheit. Ganz oben unter dem Waldrand steht das Höflein meiner Grosseltern. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein waren wir zwei bis dreimal pro Woche nachmittags dort oben. Die Erwachsenen (Mutter und Gotte) haben den Grosseltern auf dem Land geholfen. Wir vier Kinder (Schwester und ich, zwei Cousins) haben wenig geholfen und viel gespielt und herumgetollt.

Ein Freund hat mir diese Foto geschickt mit der Frage: Wo ist das? - Ich habe es gewusst!
 

Donnerstag, 23. April 2026

Monis Geburtstag

 Nein, da kann ich nicht alles erzählen. Auch nicht die Hälfte. Nicht einen Viertel. Am wichtigsten:

ES WAR EIN WUNDERBARER ABEND IN MONIS MÄRLISALON IN THALWIL!

Gut zwanzig Menschen liessen sich an fünf Tischen nieder und bekamen zuerst einmal zu essen und zu trinken. Verveine-Tee aus dem Samowar. Malfuf (Krautwickel) aus der Tajine. Und viele "Aufwerterli und Abrunderli". 

Ich sass so wohl mit der Wohnungsvermieterin von Moni und zwei weiteren tollen Frauen. 

Dann erzählte Moni das Märchen "Vo de Frou, wo ihren Furz isch go sueche". Es ging um genau solche Krautwickel (Malfuf), die wir gegessen hatten. Und es ging um fröhliches Lachen (und ekliges Gemecker). Es ging um Selbstbehauptung (und Nachahmung). Es ging um einen deftigen Furz (und einen mickrigen Furz). - Es war urmenschlich und unvergesslich.


Ich habe Moni meine blaue Schale und 50 Vögel mitgebracht. Gebastelt, gekauft, gefunden.


Einen habe ich für mich behalten, den einundfünfzigsten.



Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.