Samstag, 19. September 2026

Schönheit

 Ein Sprichwort sagt, dass Schönheit im Auge des Betrachtenden liege. Ich habe zum Beispiel gern einen wilden Garten, andere mögen einen ordentlichen oder gar "gepützelten". Die Einen mögen Kleider Ton in Ton, die Anderen scheuen sich nicht farbenfroh aufzutreten. (Das ist bei mir je nach Tagesform unterschiedlich.)

Ich bin in den Keller gestiegen, um Schönes zu suchen. Zwei Metall-Kerzenständer dürfen jetzt dort stehen, wo die Futterstelle unseres Nepi war. - Dann ist mir die Statue zu Gesicht gekommen, die mir mein verstorbener Onkel Jean geschenkt hat - Maria mit Kind.

Maria mit Kind soll nicht weiterhin unbeachtet im Keller stehen. Aber wohin mit ihr? - Da wäre doch eine Ecke im vorderen WC. Ich stelle sie hin. Tiptop. - Aber kann es sein, dass unsere Besucherinnen und Besucher "betupft" wären. Was dieser Esther einfällt: Man will in intimen Momenten nicht beobachtet werden. Nicht einmal von einer Statue. Ich stelle sie zwischen die hohen Kerzenständer in der Stube. das ist schön.

Freitag, 18. September 2026

Die Mücke

 Heute war Besuch angesagt zum Mittagessen. Freunde, die wir seit fünfzig und mehr Jahren kennen. Mit denen wir gern über alles reden. Wirklich alles. Heute erzählte die Freundin von ihrem Seminar in Zürich zum Thema "Sterben". Fünfmal hört sie Vorträge zu immer wieder anderen Aspekten. Ihr Mann verwirft die Hände, als sie davon erzählt, wie man sich zu Tode hungern kann. Er hätte es im Notfall gern schneller. Also Exit?

Als die Männer begannen über Elektronik und Telefonie zu diskutieren, setzten wir zwei Frauen uns ab. Wir sprachen lieber über die Enkelkinder.

Aber vor all dem, kochte ich das Mittagessen. Zuerst buk ich einen Gugelhopf. Gern mischte ich Butter und Eier. Manschte mit den Fingern im Teig. Aber eine Mücke begann mich zu umschweben, umsirren. Immer um meine Hände herum, die doch voller Teig waren. Ich hüpfte hin und wieder her, aber sie kam wieder. Neuer Angriff. Schnell fertig mantschen und schnell, schnell die Hände waschen und dann ruhig, ganz ruhig den Flug beobachten - und patsch, da klebt sie!

Donnerstag, 17. September 2026

Dicke Luft

 Wir haben eingekauft im Lebensmittelgeschäft unserer Wahl. Und haben darüber gestaunt, dass scheinbar fast das ganze Personal schon wieder neu ist. Wo ist unsere Frau P. an der Kasse geblieben? - Der neue überaus ernste Metzger ist nicht mehr da, der junge freundliche schon länger nicht mehr. Dafür eine neue Frau an der Fleischtheke und ein Metzger, der glaubt, die Kollegin herum kommandieren zu können. Dicke Luft. - Die Kiosk-Betreuerin hat ihre Fröhlichkeit verloren, seufzt, klagt. An den Kassen lauter neue Gesichter. 

Auf dem Heimweg reden Reto und ich über das Beobachtete. Wir möchten der Belegschaft am liebsten ein "Klassenlager" verordnen oder einen Team-Event. Und eine kompetente Führungsperson, die ein "Gspüri" hat für ihre Leute. 

Mittwoch, 16. September 2026

Sagenmülitäli

 Ein sagenhaft schöner Tag war das gestern. Ich durfte das Geburtstagsgeschenk von Sohn Stefan einlösen  > ein ganzer Tag mit ihm unterwegs. Er hatte für uns in Linn/Bözberg einen Besuchstermin in einem privaten Garten abgemacht. Weil uns das Postauto zu früh ausgespuckt hatte, verweilten wir noch an der sagenumworbenen Linde von Linn. Die elf Meter Stammumfang haben mich sehr beeindruckt. Das Alter von ca. 800 Jahren auch. Die Sicht auf den Jura hat mich "angeheimelt". Ich bin eine Aargauerin, und die Jurahügel waren früher "meine" Berge.

Um 14 Uhr hat uns Herr Massler schon erwartet am Gartentor zu dem  sagenhaften Garten, den er und seine Frau in vielen Jahren an einem Hang angelegt haben. Diese tausend Stauden, Blumen, geschwungene Wege und verwunschene Deko-Elemente - berührend schön. Ein grosser Teich mit Bergmolchen im Wasser und Libellen in der Luft. Plätzchen zum Verweilen, aber leider nicht für uns. Der Gastgeber war wenig gesprächig und nach dem Rundgang beflissen, uns wieder loszuwerden. Trotzdem, sein Garten hat mich inspiriert.

Stefan und ich sind dann durch das Sagenmülitäli nach Effingen gewandert. Fast alles in praller Sonne. Heiss, heiss, heiss. In Effingen hatten wir grossen Durst, aber da war weder ein Restaurant noch ein Volg. Wir mussten durchhalten bis Brugg, wo wir am Bahnhof ein kaltes, bittersüsses Getränk kauften.


Linner Wasserfall - der höchste des Kantons Aargau: sagenhaft! 😉

Montag, 14. September 2026

Viel und nichts

 Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Ich habe viel und nichts getan. Was mir gerade vor Augen kam. Was gerade notwendig war. Aber nichts, was ein Vorhaben war. Nichts, woran ich morgen noch denke. Oder doch?

Ich habe die grüne Wolldecke enthaart, auf der Kater Nepomuk oft lag. Im unteren Teil des grossen Bäbibettes. Ich habe die Haare nicht weggeworfen, auch nicht dem Wind überlassen. Ich habe sie in meiner Hand gesammelt und nachher mit roter Filzwolle zusammen verfilzt. 


Ich habe heute viel und nichts getan, und Nepomuk war immer um mich.


Sonntag, 13. September 2026

cavalier king charles spaniel

Wir waren zum Apéro im Garten vom Schloss Hegi. So ein schöner, wohltuender Ort. Ich mag hohe Bäume und Festbänke. Wir haben unser Glas Chardonnay getrunken und Paprika-Chips geknabbert. Das Paar am gleichen Tisch wollte nicht plaudern, dafür die Frau bei den Schildkröten. Zusammen haben wir im Gehege nach den sechs Tieren geschaut. Merlin, der hübsche Hund der Dame, hat eifrig mitgesucht. - Ich habe gefragt, zu welcher Hunderasse Merlin gehört: Er ist ein "cavalier king charles spaniel". Früher Hunde des englischen Adels. Leider durch Inzucht zur Qualzucht geworden. Das weiss die Besitzerin alles, "aber er war so hübsch. Er hat mir so gefallen." Darum hat sie ihn gekauft, und bis jetzt hat er keine Herzbeschwerden. Möge es wunderbarerweise so bleiben.




 

Samstag, 12. September 2026

Der alte Kater ist nicht mehr

 


 



Wir haben am Donnerstagmorgen zwischen Hoffnung und Befürchtung geschwebt, als wir mit Nepomuk zur Tierärztin gingen. Nepi hatte am Mittwoch kaum gefressen. Sein Atem rasselte. Aber ich kann bezeugen, dass er eine gute Nacht hatte. Er schlief in meinem Zimmer. Ab fünf Uhr morgens donnerstags wollte er ins Freie, durfte aber nicht wegen des Arztbesuches. Er meldete sich viertelstündlich bei mir, und ich streichelte ihn so ausgiebig, wie noch kaum in einer Nacht.

Die Tierärztin behielt Nepi zum Röntgen in der Praxis und versprach, uns bald zu informieren über den Zustand unseres Katers. - Und dann kam der Schlag in den Bauch: Nepi habe einen Tumor am Kopf, der schon weite Teile des Gewebes angegriffen habe. Schleimhaut, Naseninneres und auch das rechte Auge, was sehr schmerzhaft sei. Sie schlage vor, ihn zu "erlösen". 

Und so sind wir jetzt ohne unseren Nepi, der uns so nah war wie keine andere Katze in unserem Leben. Meine Hände vermissen sein weiches Fell. Meine Beine werden nicht mehr umstrichen. Reto muss allein auf seinem Sofa liegen. Er kommt nicht mehr nachts auf meine Bettdecke und will morgens um drei ins Freie.........

Ich habe heute Morgen das Katzenklo zum letztenmal geputzt, die Lieblingsplätzchen auf dem Sitzplatz aufgehoben, das vorige Futter weggeräumt. - In der Nacht zum Donnerstag hatte es in mir immer und immer wieder gedacht: Ein Leben geht zu Ende, ein Leben geht zu Ende...Und es war mir sehr bewusst, dass auch mein Leben zu Ende gehen wird. Nepi war alt; ich bin alt. Ich bin auch in den Kreislauf des Lebens eingebettet. Werden und Vergehen. Dankbarkeit und Demut. Noch scheint die Sonne, noch sind wir da.