Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute. 

Samstag, 27. Juni 2026

Wohlgetan

 Gestern haben wir unseren persönlichen Hitzetest bestanden. Wir sind mit ÖV nach Seelisberg gefahren, um einen Tag mit Freund und Freundin zu geniessen. Wie im Mittelmeerraum (und anderswo) haben wir vier eine Siesta im Schatten abgehalten, ehe wir zum Kaffee wieder zusammenkamen. Aus allen Winkeln des Hauses. Haben uns erzählt, was wir geträumt haben. Im Schlaf oder Halbschlaf. 

Wir haben ständig getrunken, aber für einmal wenig Weisswein, dafür viel Wasser und Tee. Und wir haben uns unterwegs mit Wasser aus Monis Geschenk-Sprühfläschli beregnet. Im Zug sogar ein nasses Tuch in den Nacken gelegt. Wobei Zug - viel angenehmer als in früheren Zeiten. Gut aushaltbar.

Heute nun ist Reto schon wieder auf grosser Reise: Kirchenchorausflug mit dem Car. Ich bin gespannt, was er erzählen wird.

Ich selber hätte überhaupt keine Zeit für einen weiteren Tagesausflug gehabt. Eine muss ja den Garten wässern, die Raupen hirten, den Sonntagszopf backen, viele Früchte einkaufen, den Menüplan für morgen und Montag ausdenken, die Zutaten posten, Geschirr von gestern und heute abwaschen, alles wieder in Ordnung bringen, denn etwas tun bringt Unordnung. 

Jetzt ist es Samstag um siebzehn Uhr. Ich habe getan; es ist wohlgetan.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso! 


Mittwoch, 24. Juni 2026

Heute-Wörter

 Wir hatten freundlichen Besuch oder Besuch von Freundin und Freund. Unsere Gespräche berührten 1000 Themen. Wörter daraus:

  • Höhlenspinne
  • Nebelflüchtige
  • Morgendbad
  • Kartoffelsalat
  • Waldhorn
  • Hebräischprüfung
  • Vermieteringlück
  • Teguechse
  • Irlandkleid
  • Violinschenkung
Aus jedem Wort lässt sich eine Geschichte spinnen...

Dienstag, 23. Juni 2026

Zahl des Tages: Dreihundertfünfzig

 Ich habe Wasser in den Garten getragen. Unsere Spritzkanne ist grüner Plastik und fasst zehn Liter. Ich habe unseren Pflanzen 35 Kannen voll Wasser gegeben. Viele Insekten sind gekommen und haben sich auch bedient am Segen. Die angriffige "Rossbräme" (Pferdebremse) hat meinen Kopf nur kurz umflogen; ich musste diesmal nicht flüchten.

Habe ich etwas zurück bekommen? - Zum Beispiel die gelbe, grosse Kürbisblüte, die über Nacht aufgegangen ist. Auch die Schokoladeblume hat eine neue Blüte. Ausserdem habe ich den Mauerseglern hoch in der Luft bei ihrem harmonischen Flug zugeschaut. Der Milan kreiste über uns, und ich riet unserem alten Kater, sich vorzusehen. In der Nähe hörte ich einen Girlitz, dessen Stimme mir Freund Sepp kürzlich aufgezeigt hat.

Als ich ins Haus zurück ging, war ich nicht etwa erfrischt sondern durchgeschwitzt. Zu den 350 Litern Wasser kommt noch ein Liter, den ich zu einer Ganzwaschung benötigt habe.

Montag, 22. Juni 2026

Ich habe es wieder getan

 Ein Buch mit 475 Seiten fertig gelesen. Von John Grisham, dem amerikanischen Schriftsteller, der nicht verwunderlich, vor allem Justizthriller schreibt. Nicht verwunderlich, weil er selber Anwalt war und das Metier also sehr gut kennt.

"Das Vermächtnis" ist in diesem Jahr deutsch herausgekommen. Sein neustes Buch?! - Der Anfang hat mich nicht begeistert; ein kleiner Anwalt will sich an einer alten Dame selbst bereichern. Alles ein bisschen mickrig, fast schmuddelig und unsympathisch. Aber dann wurde der Anwalt angeklagt, die alte Dame ermordet zu haben. Ab jetzt war ich dabei. Natürlich verrate ich den Ausgang der Geschichte nicht.

Manchmal lohnt es sich durchzuhalten. Bei Büchern und bei was sonst noch! Ich bin reicher an Erfahrung und Menschenkenntnis, weil ich den kleinen Anwalt Simon kennen gelernt habe. Er ist am Ende des Buches nicht mehr klein, sondern der Held seiner Geschichte. Wie es sich gehört!


Sonntag, 21. Juni 2026

Am Sonntagmorgen der Anruf

(Fast) jeden  Sonntagmorgen nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Ich glaube, das hat er angefangen, als ihm bewusst wurde, dass wir alt geworden sind. Er will die Zeit mit uns noch ein wenig auskosten. Und wir lieben diese Telefongespräche!

Wir wissen, dass er und sein Partner um zehn Uhr die Radio-Sendung "Persönlich" anhören wollen. Wir halbieren also unsere Sprechzeit gerecht. Fast immer jedenfalls. Mein Ehemann überbordet manchmal. Kommt zu keinem Ende, und ich stehe schon fast hinter ihm, reisse ihm fast den Hörer aus der Hand, will jetzt, bin dran! (Vielleicht sagt er dasselbe von mir.)

Manchmal hat Reto schon alles erzählt, was in der Woche war. Ich weiss nichts mehr (Neues). Aber dann erweist es sich wieder, dass mein Sohn und ich ein Thema haben, die nur uns gehört: Wir reden über Bücher. 

Stefan verkauft fünf Tage in der Woche Bücher, und er liest viele Bücher. Seit einiger Zeit in französischer oder englischer Sprache. Dafür bewundere ich ihn. - Ich bin eine Bücherfresserin. Seit ich pensioniert bin, lese ich wöchentlich mehr als ein Buch. - Mein Sohn und ich tauschen uns dann über die gelesenen Bücher aus. Wenn ich denn noch herstaggeln kann, wie meine Autoren und Titel heissen/hiessen. 

(Fast) jeden Sonntag nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Welche Freude!