Montag, 20. Juli 2026

Nur schnell reinschauen

Wir mussten am Morgen den ferienleeren Kühlschrank wieder füllen. Also einkaufen. Dann ab in den Garten, wo die grüne Hölle nach der ordnenden Gartenschere rief. Nach Kochen und Essen sagte ich zu meinem Ehemann: "Gäll, jetzt haben wir für heute genug geleistet!" - Er war auch dieser Meinung. Warum also rinnt mir der Schweiss über die Backe und in die Augen?

Ich habe meinem Ehegespons wieder einmal einen Floh ins Ohr gesetzt. "Wie wäre es", habe ich zu ihm gesagt, "wenn wir den Rasen zu einer Wildblumenwiese umgestalten würden?" - Ich hatte kürzlich darüber gelesen. Ist viel ökologischer. Braucht weniger Wasser. Die "Viecherlein" mögen es.

Kaum hatte ich fertig geredet, begann Reto mit Erdbewegungen. Schuftete und schuftete, und ich hatte das Gefühl, ich müsse doch auch noch etwas tun. - Zwar wollte ich nur kurz in die grosse, graue Gartentruhe gucken. Nur gucken, an einem anderen Tag leeren und putzen.

Deckel der Truhe auf, und schon hatte sie mich gepackt: Ich sehe nur, was alles drin ist, wenn ich alles rausnehme. Wenn alles ausgeräumt ist, kann ich es in die Badewanne stellen. Aber da spazieren Spinnen aus dem Krempel heraus. Also Spinnen einfangen und wieder aussetzen und dann halt alles, alles waschen, schrubben, abspülen. Und am Schluss läuft mir der Schweiss über Wangen und Augen.

Trocknen, alles trocknen.


Sonntag, 19. Juli 2026

Da sind wir wieder - zuhause

 Da waren wir - in den Ferien. Im wunderschönen Guarda. In der Ferienwohnung, die uns so gefällt. Wohl das letztemal. Das Haus wird verkauft. Für weit über eine Million Franken. Schade, schade, schade! 

Vielleicht ist es aber Zeit, Neues zu entdecken. Gehen, wo es auch schön ist. - Wir hatten in Guarda Routinen entwickelt. Sodass die x-mal Ferien dort kaum mehr auseinander zu halten sind. Immer ins Kräuerlädeli. Immer nach Scuol. Dort immer Kaffee bei Bender. Gelbgelbe Crèmeschnitte dazu. Immer zu Stöckenius, wo es Karten, Bücher und alles gibt. In Guarda immer Richtung Bos-cha spazieren und die Schönheit geniessen. Der Blumen, des Bergpanoramas, des grünen Bachlaufs und der grünen Wiesen.

Apropos grüne Wiesen - nicht alles war wie immer. Ich habe keine Heil- und Teekräuter gesammelt. Weil die Wiesen so was von abgefressen von den Kühen und abgemäht von den Bauern waren. Bis an den Rand. Das hat der Kräutermann im Lädeli bestätigt. Sie sammeln auch nicht weiter.

Wir waren nicht in Lavin. Sonst immer. War keine Zeit; eine Woche ist so schnell vorbei. Und wir waren nicht im "Täli"(kleines Tal), weil es uns zu nass und rutschig vorkam dort. Und es gewiss auch dort kaum noch Kräuter hatte.

Reto musste keinen "Guten Heinrich" essen, weil, siehe oben - abgemäht, gefressen.

Da sind wir wieder - zuhause. Zum Glück ist es da auch schön.




Donnerstag, 9. Juli 2026

Elif Shafak, Am Himmel die Flüsse

 Ein Buch, dessen Figuren ich auch nach dem Zu-Ende-Lesen herznah sein werde.

Da ist die wunderbare Grossmutter Besna, die während ihres Lebens so viel Wissen und Weisheit an die zwei nächsten Generationen weitergibt, dass man sich an ihr festhalten kann auch nach ihrem schrecklichen Tod als Verfolgte einer religiösen Minderheit. Ihre Enkelin Narin überlebt, versklavt vom IS, später zum Glück frei gekauft.

Arthur, der aus ärmsten Verhältnissen kommt, will nach Ninive und dort Tontafeln ausgraben, um das  Gilgamesch-Epos zu vervollständigen. Er hat sich die Keilschrift selbst erarbeitet. Die älteste verschriftlichte Dichtung wird zu seiner Passion. Er widmet ihr sein Leben.

Von Zaleekhah habe ich am liebsten immer wieder gelesen. Sie verlor als Neunjährige ihre Eltern durch ein Hochwasser. Ihr Onkel Malek nahm sie in seine Familie auf. Aber sie kämpft als Erwachsene sehr um ihre Identität. Nach der Trennung von ihrem Ehemann lebt sie auf einem Hausboot. 

Die Geschichten der Menschen im Buch sind miteinander verflochten. Und geeint im Thema Wasser. Ein Wassertropfen fällt, steigt wieder auf, fällt wieder zur Erde...

Mittwoch, 8. Juli 2026

Pfefferminz-Sirup liebt meine Enkelin, liebe ich

 Was gibt es im Sommer Feineres als einen kalten Pfefferminz-Sirup! Herrlich erfrischend und so viel Aroma. - Ich habe im Garten Minze allüberall. Ich trockne Tee für den Winter, gebe einen Zweig ins Trinkwasser und eben, ich koche Sirup. Was immer noch zuviel ist, wird mit Zitronenmelisse, Salbei und Rosmarin zu Bündeln gebunden. Wenn wir "fiirle" (Freund Ernst sagte dem Grillieren so), legen wir am Schluss so ein Kräuterbündel auf die restliche Glut und hoffen, dass der Rauch in unsere Nase getrieben wird. Gern auch in die Wohnung. Wohlgerüche tun der Seele gut.

Heute habe ich zehn Flaschen Sirup eingefüllt. Eine ist für meine Enkelin. Ganz klar!



Dienstag, 7. Juli 2026

Erklärung, Rechtfertigung, Faule Ausrede?

Sommer ist die Zeit,

in der es zu heiss ist,

um das zu tun, wozu es 

im Winter zu kalt war.

 Mark Twain

Ich mache im Winter ganz viel gern - nur nicht ziellos spazieren. Ich mache im Sommer ganz viel gern, nur nicht grundlos spazieren.

Montag, 6. Juli 2026

Nicht wie immer am Montag

 Wie oft schon habe ich darüber geschrieben, dass zwei Mädchen montags bei uns mittagessen kommen! Dass wir diese Treffen an unserem Tisch als ungeheuer bereichernd empfinden. Dass uns die Mädels zum Lachen bringen, zum Staunen, zum Lernen.

Heute haben wir einer Diskussion über Energie-Drinks beigewohnt. Der Vorteil von Koffein, das Energie gibt. Der Nachteil des vielen Zuckers. Welche Drinks die beiden bevorzugen. Und da ist noch derjenige mit Salz vor sportlichen Anstrengungen. Puuuhh grusig, aber doch sinnvoll.

Aber heute war es nicht wie immer am Montag. Es war das letzte Mal in dieser Regelmässigkeit. Nach den Sommerferien machen wir jeweils etwa einmal im Monat ab, um unser Zusammensein zu viert zu geniessen. das bringt allen ein wenig mehr Flexibilität und einer Oma etwas mehr Zeit mit der Enkelin.

Ich bin froh, dass nicht nichts mehr sein wird sondern nur echli weniger. Und die Riesen-Hortensie zum Dank von Nachbars macht Freude!



Sonntag, 5. Juli 2026

Apéro mit Admiral

 Ich habe schlecht geträumt heut Nacht: Ich war im Ausgang und hatte einen Kaffee zu bezahlen. Mein Ehegespons hatte mir sein Portemonnaie mitgegeben. Als ich es öffnete, war da nur Puderzucker drin und eine Zwanzigernote. Mit dieser wollte ich bezahlen, aber sie war alt und nicht mehr im Umlauf. - Ich bin unlustig erwacht. 

Das besserte sich erst, als ich uns einen Apéro mischte. Aprikose, Sanbitter, Minze, Mineralwasser und ein Eiswürfel. Reto brachte die Paprika-Chips mit zum grünen Tisch auf dem winddurchwehten Sitzplatz. Prost! Und dann ein Ausruf von Reto: "Schau, schau...!" - Er zeigt auf einen Schmetterling, der die Brennnesseln besucht. Vielleicht dort Eier legt. Uns sehr erfreut. 

Dies sind unsere Abenteuer heutzutage: Der erste Admiral an unseren Brennnesseln!