"Glauben Sie ja nicht, dass es halt im Sommer normalerweise heiss ist; wir haben früh im Jahr eine ausserordentliche Hitze." - So fast wörtlich sprach der Meteo-Mensch gestern Abend und feuerte meine Sorgen ums Klima noch an. Heute Morgen am Radio sprach ein Bauernvertreter sehr ernst über die möglichen Folgen einer anhaltenden Hitze. Die Kartoffeln wachsen nicht mehr weiter, die Erbsen werfen die Blüten ab...Ich dachte an Hungersnöte in fernen Zeiten auch in der Schweiz.
Aber ich hatte ja gestern beschlossen, dass zu leben ist! Auch bei Hitze. Zu leben, nicht zu verzweifeln.
So arbeitete ich zuerst eine Stunde lang im Garten. Wasser tragen. Verblühtes abschneiden. Drei vergessenen Salätchen gut zureden und sie einhüllen mit guten Kräutern. Vogelarten zählen, die ich zu Gesicht bekam. Mich freuen über die Spatzen, welche die Vogeltränke besuchen. Die Königskerze bewundern, die täglich mehrere Zentimeter in die Höhe wächst.
Dann schnappte ich mir meinen Einkaufszettel für die Stadt und wagte mich mutig hinaus und hinein in die Läden, die all meine Wünsche erfüllten. Ganzen Zettel abgearbeitet. Die Hitze noch nicht arg gefunden. Um Viertel vor zwölf Uhr war ich wieder zu Hause. Und jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir. Ich habe mich der Welt gestellt.


