Mittwoch, 12. August 2026

Ich ärgere mich

 Wie eigentlich geht "Nichtstun"? Heute wäre der perfekte Tag dafür. Reto ist auf  Pässefahrt, und ich bin zu Hause mit seinem Rat, doch ja wenig zu machen. Damit meinte er nicht, dass ich unseren Garten dürsten lasse. So habe ich vor dem Morgenessen fünfundvierzig Minuten Wasser verteilt. Ach, und der Geburtstagsbrief für mein Gottenkind musste in den gelben Briefkasten gebracht werden. Und hast du gesehen: Ein Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Verhilf ihm zum Fliegen. 

Wie aber ginge "Nichtstun"? - Jetzt wäre es möglich. Aber ich kann das nicht mehr. Mindestens lesen muss sein. Zeitung, Heftli, Buch. Mindestens "amächelig" (angenehm) muss die Wohnung aussehen. Lavabo sauber halten. Geschirr abwaschen. Da kurz Hand anlegen, dort. Unterdessen vergeht die Zeit, vergeht der Tag.

"Nichtstun" - kann ich das üben? Mit wie vielen Minuten beginnen? - Oh, da kommt unsere Katze. Mit einem leisen Miauen macht sie sich bemerkbar. Sie hat vorher stundenlang nichts getan. Geschlafen im Schatten. Jetzt will sie, dass ich etwas tue für sie: Sie fordert ihr gekühltes Katzensüppchen. Will ich denn nicht, dass es ihr gut geht?! 

Dienstag, 11. August 2026

Ruckedigu, Blut ist auf dem Küchenboden

 Reto hat sich den Fuss angeschlagen. So kräftig, dass der Nagel von der einen Zehe abgefallen ist.


Tropf, tropf, tropf, quer durch die Küche. Überall Blut. 

Ein Kamillen-Fussbad muss her, das schon bald mehr rot als gelb ist. Fliess, fliess, immer noch, Blut.


Gut desinfizieren, fein einbinden, und schon ist alles besser. Nicht mehr so grus(el)ig.

Montag, 10. August 2026

"Überall hetts Pilzli draa..." (An allem sind Pilze)

Ich glaube, so ziemlich alle Schweizer*innen haben schon gelacht über den Pilzli-Song von Peach Weber. Er mag "Pilzli" nicht, aber sie "verfeinern" (fast) jedes Essen. Oh, jemine!

Ich mag "Pilzli", aber ob ich es je mögen werde, mit der Nosferatu-Spinne friedlich zusammenzuleben? - Es ist einfach so: Sie mag mein Zimmer. Nach der einen Nachtaktion erfolgte gestern die zweite. Reto half mir, die grosse Spinne in einem grossen Becher einzufangen. Ich brachte sie in die dunkle Nacht hinaus.

Dumm daran ist dies: Zwischen den beiden Evakuierungen lag eine Nacht, an deren Anfang ich keine Nosferatu in meinem Zimmer ausgemacht hatte. Friedlich schlafen. Als ich um fünf Uhr morgens Pipi musste, wer sass wieder da oben über dem Fenster?!! Oh, jemine! - Ich sass dann lange auf meinem Bett und überlegte. Sollte ich hoch steigen und einen Fangversuch ganz leise unternehmen? Und was, wenn diese Spinne wieder und wieder kam? Ich beschloss zu schlafen MIT der Nosferatu. 

Es gelang mir sogar, aber seit dem neusten Einfangen vermute ich meine Zimmergenossin überall. Ich schüttle die Bettdecke aus, bevor ich mich auf sie lege. Ich schaue in meine Sommerschlarpen, bevor ich hinein schlüpfe. ... ÜBERALL ISCH D NOSFERATU DA. Als ich vorher aus dem Mittagsschläfchen erwachte, SAH ich halbwach DREI Nosferatus unter meinen Kleiderkasten spazieren. Ich habe wahrhaftig die Taschenlampe genommen und nachgesehen. War keine da. Oh, jemine! Ich muss üben, Spinnen-verträglich zu werden. Bin ich nicht eine Naturfreundin!

Sonntag, 9. August 2026

Einmal im Jahr eine Schlosswurst

 


Der Schatten, der auf uns fällt, kommt von hohen Bäumen. Als kurz der Wind auffrischte, schneite es Herbstblätter. Ganz viele. Oder wahrer gesagt, Dürreblätter fielen von den gestressten Bäumen.

TROTZDEM haben wir uns sehr gefreut über den knackigen grünen Salat mit Äpfeln und Melone und die scharfe Schlosswurst, wo du noch eine ganze Weile etwas davon hast - es brennt die Kehle hinunter.

Und es war schön, dass unser Winterthurer Holzbildhauer, Erwin Schatzmann, himself über eines seiner Werke balancierte. Bunt bemalte "Langbank" oder so. Später staubte er mit der Hand andere seiner Werke ab, die im Schlossgarten stehen bis im November.

Einzig der Weisswein war uns heute zu sauer. Was dem Tag keinen Abbruch tut.

Samstag, 8. August 2026

Heute nichts zu bloggen

Ehrlich, was sollte heute erwähnenswert sein? - Dass ich die Zwiebeln ausgezogen habe? Gemäss dem Kinderspiel:

" Ziebeli setze, Ziebeli setze, Ziebeli wend ned wachse, und wenn i denn is Gärtli goh, so ziehn i eini us."

So kleine Zwiebeln wie dieses Jahr hatten wir noch nie. 

 Oder soll ich erwähnen, dass Ossi bucchi (Kalbshaxen) auch fein sind, wenn Sellerie fehlt. 

Oder aber, dass ich gerade Zopf im Ofen habe? (ist noch nicht heiss genug in der Wohnung...)

Alles so normales Geschreibe über normale Tätigkeiten. Heute nichts zu bloggen!

Freitag, 7. August 2026

Le Mont Ventoux

Der 1909 m hohe Berg liegt in Südfrankreich in der Provence. Wir waren zwar einstmals in der Provence, aber nicht auf dem Mont Ventoux. Ich habe meinen Atlas holen müssen, um den berühmten Berg zu lokalisieren. Berühmt ist er vor allem wegen der Tour de France. Heute sind die weltbesten Radfahrerinnen da hinauf gefahren. Die polnische Frau an der Spitze scheinbar "leichtfüssig", alle anderen kämpfend mit sich selbst. Zuerst noch im Schatten des Waldes, später in karger Landschaft, kaum noch eine Pflanze. Ein langgezogener weiss-kahler Berg. Mit einer Aussicht vom Rhonetal zu den Alpen bis zum Mittelmeer und hin zu den Pyrenäen. 

Der italienische Dichter Petrarca (1304 - 1374) dachte, er sei der Erstbesteiger überhaupt. Dummerweise kam ihm und seinem Bruder von oben ein Schafhirte entgegen.

Petrarca trug Lektüre mit sich von einem, den ich nicht besonders mag, dem heiligen Augustinus. Auf dem Gipfel des Mont Ventoux schlug der Wind eine Seite der "Confessiones" auf, und da stand:

"Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfliessenden Ströme und den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne - und haben nicht acht ihrer selbst."

Sowas von schön und wahr!


Donnerstag, 6. August 2026

Unter diesen orangen Schirmen...

 Gestern Morgen sind vier Menschen und ein netter Hund mit dem Zug nach Erstfeld gefahren, dann mit dem Bus nach Wassen. Später ist noch ein netter Mensch dazu gekommen. Waren wir also fünf Erwachsene und ein Hund, die es sich im Garten des MartiniF gemütlich machten.


Um uns Blumen, grüner Rasen, über uns orange Schirme und blauer Himmel. 

Um uns unsere Gastgeber Theres und Martin, die uns nicht nur mit sehr feinem Essen und liebevoller Bedienung verwöhnten, sondern auch mit dem Gefühl von Freundschaft; wir kennen einander schon seit 18 Jahren. Wir werden miteinander älter und alt. Und hoffen alle, dass es uns noch eine ganze Weile gut genug geht, um reisen zu können, kochen zu können, Treppe auf und ab steigen zu können. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr um dieselbe Zeit wieder miteinander feiern können. Uns. Das Leben.