Mittwoch, 26. August 2026

DAS GROSSE READER'S DIGEST GESUNDHEITSBUCH (von 1977)

Bevor Reto das Buch zerlegt, ein kleiner Abschnitt mit dem Ton von damals:

"Seitdem die Frauen auch berufstätig sind, Auto fahren, Bus und Strassenbahn selbst für kleine Entfernungen benutzen, ist die Zahl der Kreislauferkrankungen beträchtlich gestiegen. Kreislauferkrankungen mit all ihren Folgeerscheinungen wie Nervosität und Schlaflosigkeit wirken sich unweigerlich auf das Aussehen aus. Man muss es sich daher zur Gewohnheit machen, jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen...Spazierengehen heisst nicht Schaufensterbummel in überfüllten Grossstadtstrassen, sondern energisches Ausschreiten in freier Natur oder im Park...Fahrstühle sollte man als Feinde betrachten...Ein schwerfälliger Gang macht unweigerlich zur Matrone, selbst wenn man erst 35 ist."        usw., usw.

Mein einstiges Ratgeberbuch für alle Lebenslagen ist zur Lachnummer geworden. 

Dienstag, 25. August 2026

Pflanzenfleisch aus Kemptthal

 Reto hat sich seit Tagen Bratkartoffeln zum Zmittag gewünscht. Ich fand für mich, da täte doch das Pflanzensteak dazu passen, von dem ich gelesen hatte. Als Reto zum Fitten ging, machte ich mich auch auf den Weg. In vierzig Minuten ab Wohnung und dorthin zurück fuhr ich per Zug in die Stadt, eilte zum grossen Coop, kaufte Zwetschgen und Äpfel und fand schnell das Angebot von "Planted", also vom Pflanzenfleisch. An die Kasse, zurück zum Bahnhof, und schon war ich wieder zuhause - noch vor meinem sportlichen Ehemann.

Das Pflanzensteak "blutet" wie echt, aber es ist Randensaft, der austritt. - Ich habe das Steak aus Soya und Reismehl behandelt wie ein Rindssteak. Mariniert, dann mit Kräutern in Olivenöl gebraten. Dazu natürlich feine Bratkartoffeln, Bohnen und Salat. Kurz nach zwölf kamen auch Tochter und Enkelin. Da war das ganze Test-Team beisammen. Und siehe da: Wir waren und alle einig. Diese Pflanzensteaks kann man sehr wohl essen. Wir tun es wieder.

Montag, 24. August 2026

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen

Matthias Plüss ist ein Wissenschaftsjournalist. Ich traue seinen fundierten, aber nicht fundamentalistischen Einschätzungen zu Themen wie Klimaveränderung, Umwelt, Suffizienz (weniger ist mehr), Ernährung, die nicht schadet...Heute Morgen habe ich einen Tagi-Magi-Artikel von ihm über Pflanzenfleisch gelesen (Nr. 26, 27.Juni 2026). Es geht um das Unternehmen "Planted" in Kempthal. Ich zitiere Matthias Plüss:

"Der Mensch ist konservativ, gerade, was die Ernährung betrifft. Wir alle tragen die Aromen unserer Kindheit in uns. Und wir werden nicht gerne daran erinnert, dass wir mit unserem Lebensstil Schaden anrichten."

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen, aber viel nachzudenken.

 

Sonntag, 23. August 2026

Die Bananenschachtel im Schrank

All die Jahre, seit meine Enkelin im Bastelalter ist, habe ich Kartonröllchen, Käseschächteli, halbe Nussschalen, und viel, viel mehr gesammelt. Wenn Kaya sagte: "Grosi, hast du...?" dann hatte ich. Aber jetzt hat sie keine Zeit mehr zum Basteln bei uns. Die Mittagspause ist zu kurz; schon schwingt sie sich wieder aufs Velo. Am Mittwochnachmittag ruft die Stadt; "shoppen" ist ein neueres Wort in ihrem Vokabular. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu sammeln für die Bananenschachtel.

Gestern hatten wir lieben, schönen Besuch. Drei Erwachsene, zwei Kinder. Und was haben die Kinder nach dem Essen in meinem und Kayas Zimmer gemacht? - Gebastelt mit all dem Krimskrams aus der Bananenschachtel. Selig, besonders der Zweitkindergärtler. Am meisten angetan hat es ihm aber meine Filzwolle. Wie ein König den Hermelinpelz hat er sich das Vlies weisse Filzwolle um den Hals gelegt. So ein erhabener Eindruck!

Ich werde weiter sammeln für die Bananenschachtel. 

Freitag, 21. August 2026

Oh, du böses Cholestrin!

 Wir haben den halben Morgen bei unserem neuen Hausarzt verbracht. Er hat sich für uns uuuuh-viel Zeit genommen und uns alles über unsere Blutwerte erklärt. Wir durften bei vergrösserter Schrift auf den grossen Computerbildschirm gucken und uns selbst überzeugen davon, dass bei beiden FAST alles gut ist. 

Das "FAST" bezieht sich auf unsere Cholestrin-Werte, die trotz Medikament erhöht sind. - "Frau Burri kocht wohl zu mollig (mein Wort), dass gleich beide dasselbe Problem haben." meinte unser Arzt mit seinem immer charmanten, wohlwollenden Lächeln. "Ich gebe Ihnen eine Chance (ausgesprochen "Tschanz")". - Und dann kam sein Vorschlag an uns: Zwei Monate selbst versuchen, die Ernährung umzustellen. Wenn es gelingt, tiptop, sonst Erhöhung der Medikamentendosis.

Wir nehmen die Challenge an. Also standen wir vorher im Coop und verglichen Fettgehalte. Also kauften wir keinen Käse, auch nicht Fett-reduzierten. Also wurde es nichts mit dem Rahm für das morgige Dessert. Es wird vegane Guetzli geben. Reto verdreht jetzt schon die Augen. Aber vielleicht finde ich kein Rezept; sicherheitshalber habe ich einen grossen Butter gekauft.

Donnerstag, 20. August 2026

Mein Ehemann...

 Reto muss heute Nachmittag zur "Denta" (Dentalhygienikerin). Ich habe zum Zmittag eine superfeine Tomatensauce zu Spaghetti gekocht. Sie ist echt röter als alle zuvor und schmackhaft wie nie. Das kommt davon, dass ich sonnenreife Tomaten aus unserem Garten verkocht habe. So fein! Aber Reto sagt: "Uuhhh, das schlimmste Essen, bevor man(n) ausgeht. Das gibt sicher Spritzer aufs Hemd!" - Ich frage einigermassen erstaunt, ob er denn nicht ein frisches Hemd anzieht, wenn er zur "Denta" geht. - "Ach, nein", sagt mein Ehemann, "das ist nicht nötig, die hat ja sowieso eine Maske vor der Nase. Die riecht nichts." - Selten so gelacht...

Mittwoch, 19. August 2026

Und immer, wenn ich in die Stadt gehe...

 Eine liebe Freundin bot an, in Winterthur einen Zwischenhalt zu machen - wir könnten uns ein Stündchen sehen. Wir trafen uns, nachdem Reto und ich zur Blutentnahme beim neuen Doktor gewesen waren. Wo ein Patient im Rollstuhl plötzlich nirgends mehr war und in jeder Ecke und hinter jeder Türe gesucht wurde. Dies nur schnell nebenbei, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

In der Stadt genoss ich die Kaffeepause mit Moni, die heute im Gegensatz zu mir noch viele Programmpunkte abzuarbeiten hat. Wir haben uns über Krakau, Töff-Ferien, Lehrperson sein...unterhalten. Auch über das Wiborada-Projekt. Vor 1100 Jahren ist die Frau aus dem Mittelalter gestorben, die sich in St. Gallen für Jahre  in einer Zelle einmauern liess. Ich verwarf die Hände und betonte, wie mir das zu katholisch sei, ich das nicht verstehen könne und wolle. Moni hat sich mit einer Ezählperformance sehr engagiert. Durch ihre intensive Beschäftigung mit Wiborada ist sie der Frau und ihrer Spiritualität näher gekommen. 

Oh, ein Plauderstündchen ist schnell vorbei, aber wenn ich schon in der Stadt bin... Ich habe meine Lieblingsläden aufgesucht und so das und jenes gekauft. Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer.