Sonntag, 18. Oktober 2026

Ich kann es einfach nicht verstehen

On TV ist der neue Wahlbarometer vorgestellt worden: Wenn die Schweiz jetzt wählen würde, täte die SVP wieder zulegen. Zum Glück die SP auch "es bitzeli". Warum die Grünen kaum?

Ich kann es einfach nicht verstehen, dass so viele Menschen bei uns und anderswo rechtsstehende Parteien wählen. Ich meine damit nicht, dass sie konservativ wählen. "Konservativ" bedeutet ja, erhaltend, beim Alten bleiben, vorsichtig bewahren. - Das meine ich nicht. Aber ich verstehe den ganzen Hass nicht. Ich verstehe nicht, dass man Menschen wählt, die ohne jeden Anstand über Andersdenkende herziehen. Die ausgrenzen wollen, abschieben wollen...

Gestern war ein Text vom Schriftsteller Jonas Lüscher im "Landboten" zu diesem Thema. Er schreibt, dass manche Menschen von solchen regiert werden wollen, "die genau so zornig sind wie sie. Jemand, der nicht zweifeln mag, schon gar nicht an sich selbst... Jemand, der genau so wenig Ahnung von der Welt hat wie sie, aber genau so viel Meinung über die Welt. Jemand, der voll Verachtung auf Expertise und Experten blickt. Jemand, dem Wissen suspekt ist. Jemand, der sich selbst der Nächste ist."

Gruselig!

Das Gegenmittel gemäss Jonas Lüscher: Die Zivilgesellschaft. - "... dass wir es sind, die laut darüber zu sprechen beginnen, was wir uns unter einem guten Leben vorstellen und welche Politik ein solches für möglichst viele möglich macht." - Kleine Flamme Hoffnung... 

Samstag, 17. Oktober 2026

Schon Vorweihnachtstrubel oder ein ganz normaler Samstagmorgen in der Stadt?

 Pensionierte haben es gut: Sie können die Besorgungen in der Stadt auf die Zeiten legen, wo die meisten anderen Erwachsenen arbeiten. Und wo die Kinder in der Schule sind. Also nicht am Mittwochnachmittag und nicht am Samstag in die Stadt. Weil wir gestern den ganzen Tag weg waren, bin ich heute einkaufen gegangen. In die Stadt.

Eingangs Marktgasse: Gibt es heute eine Massenveranstaltung? Gar nichts davon gehört! - Nein, es bummeln einfach unfassbar viele Menschen wie ich auch durch die Gasse und suchen, wessen sie bedürfen. Mir war nach Schönheit zumute (nachdem ich Milch und Brot erstanden hatte). Damit bin ich  nicht die einzige, wie ich später am Tag gelesen habe. Wenn die Tage kürzer werden, das Licht und die Wärme abnehmen, dann wollen wir eine kuschelige, gemütliche, schöne(?) Wohnung haben. Und wirklich, plötzlich gefallen mir Fliegenpilze, Eichhörnchen und Füchslein. Und mehr Kerzen braucht die Welt.

Die Stadt kann uns alle, alle zufrieden stellen. Müssen manchmal nur "echli" warten, bis wir an der Kasse dran sind. - Mich hat die Wartezeit zur Vernunft gebracht. Ausscheren, heimkehren, dort selber kreativ werden...

Donnerstag, 15. Oktober 2026

Ein ruhiger Spätsommertag

Reto hat Geburtstag, den letzten mit einer Sieben vorn. Für unser Alter passend haben wir uns einen ruhigen Tag gemacht. Keine Höhenflüge, aber ganz, ganz viele Gratulationen für Reto. Keine Überraschungsbesuche, so dass von meinen sieben vorbereiteten Dessert-Kreationen fünf immer noch im Kühlschrank stehen. - Wir haben einen Spaziergang im Quartier gemacht und an den letzten Rosen geschnuppert. Keine Fischlein in der Eulach gesehen. Kein Wasser in den Nebenarmen. Gruselig. Unter der angenehmen Ruhe des Spätsommertages droht die Zukunft. 

Mittwoch, 14. Oktober 2026

Gemütlich angefangen...

Heute Abend ist Herbsthöck im Kirchenchor. Reto ist verantwortlich für das Dekorieren. Das kann er gut, hat er im Urner Oberland in der Kirche fünf Jahre lang "geübt". - Eigentlich wollte er viele, viele bunte Herbstblätter sammeln, aber es hat "grüseli" geregnet am Morgen. Alles "pfludinass". Ich habe Reto nach einem Plan B gefragt. - Zusammen haben wir in unserem trauten Heim alles gesammelt, was herbstlich ist. Efeu dazu und Beeren vom Feuerdorn. Das kommt gut. 

Aber dann wurde es ungemütlich: Reto hat eine Buchung in meinem Konto very, very verdächtig gefunden. Wie kam der Betrag zustande? Ist das Pishing? Uuuhhh! Ich habe mich anstecken lassen von der Nervosität und Hektik meines Ehemannes. 

Er hat sofort telefoniert - mit einer KI-generierten Stimme, die seine Geschichte nicht aufnehmen konnte. Aber schnell, schnell, sonst klauen uns die Gauner unser Geld. - Reto ist in die Stadt gefahren, um sich von einer richtigen Stimme, einer realen Person beraten zu lassen. Und diese gab Entwarnung. 

Ich bin immer noch am "Abefahre". Mein Nervenkostüm flattert noch, aber es geht schon besser. Der Abend kann gemütlich werden.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Zeit für Gedichte

Es ist kälter geworden; wir verbringen mehr Zeit in der Wohnung. Warum nicht wieder mal Gedichte lesen?! Ich habe ein schönes rotes, gut erhaltenes Buch von Ulla Hahn im Bücherkasten gefunden: "stille trommeln. Neue Gedichte aus zwanzig Jahren". Eines meiner liebsten heisst so:

" Zeit unsere Herzen gründlich zu entrümpeln:

All die ausgedörrten Küsse aufn Haufen

Namen dazu die man nicht mehr braucht

hart gewordene Lieben ungeniessbar

Hast du nochn Apfel

beiss rein

spuck die Kerne aus

machn Bäumchen draus"

Der Text bringt mich echt zum Lachen. Ich hole mir einen Apfel...

Montag, 12. Oktober 2026

Am heiterhellen Montagnachmittag...

 Gerade habe ich einen Krimi fertig gelesen. Den dritten Fall einer ganzen Reihe; den vierten Fall habe ich aus Versehen schon vorher gelesen. Vor Monaten. Die Fälle um Hanna Duncker gehen aber noch weiter, keine Ahnung, wie weit. Das Perfide ist, dass sie immer so aufhören, dass sie eben nicht aufhören, sondern das nächste Buch einleiten. 

Da sass ich am Stubentisch bei heiterhellem Wetter und las und las. Das tue ich sonst nie, schon gar nicht nachmittags um vier. Aber ich musste wissen, wer der Mörder war. Das erfuhr ich auch, aber als Hanna Duncker nach Hause kam, endlich, endlich, da wurde sie niedergeschlagen. Huch, und ich habe das fünfte Buch nicht. Und ich will auch gar nicht schon bald wieder so gebannt am Stubentisch sitzen und mein richtiges, reales Leben verpassen vor lauter "Dunkelwald". 

Jetzt trete ich sofort in den heiterhellen Tag hinaus und geniesse noch ein bisschen Sonne, ehe sie schon bald untergeht.   

Sonntag, 11. Oktober 2026

Zu viele Einträge?

 Ich schreibe womöglich zu viele Blogs. Mein Sohn hat mir heute Morgen bei unserem Sonntagsgespräch am Telefon erzählt, dass er und sein Partner gerade die April-Einträge fertig gelesen haben. Es sei ganz spannend, schon zu wissen, wie es in meinem Leben weiter gegangen sei - und dann in der Zeit zurück zu gehen. So habe im April Kater Nepomuk noch meine Nächte gewärmt, und jetzt sei er tot.

Das ist nicht lustig. Lesen sie dann, wenn ich tot bin, einfach von Monaten zuvor, und es ist, als lebte ich noch? - Vielleicht muss ich einfach weniger Blogs schreiben, damit Stefan und Martin mit Lesen nachkommen.