Mittwoch, 28. Oktober 2026

Katze und Bücher

 Gestern Abend war ich im Feldenkrais: Tanzen zu so guter Musik und Körperübungen ganz aufmerksam. Anschliessend verliessen wir zu dritt das Lokal und plauderten noch ein wenig. Aber wie schon letzte Woche war das Thema meiner Kameradinnen nicht bekömmlich für mich. Die beiden erzählten erneut, wie anstrengend ihre alten Mütter und Schwiegermütter sind. Und dass der Vater jetzt Rundum-Betreuung braucht. - Die alten Herrschaften waren mal vernünftige, selbständige Menschen gewesen, wie ich immer noch bin. Beim Zuhören beschlich mich Beklemmung. Wie lange noch??

Es tut mir gut, dass ich mir einen Pullover gekauft habe, der total zu mir passt.


Katze und Bücher, das mag ich. Diesen Pullover ziehe ich dann an, wenn mir der Weg ins Pflegeheim blüht.

Dienstag, 27. Oktober 2026

Nagusta goedelii

Wie fast immer habe ich Enkelin Kaya zum Velo begleitet, als sie nach dem Mittagessen zur Schule aufbrechen musste. Da habe ich an den Briefkästen ein kleines Tier gesehen, das ich zuerst für eine Heuschrecke hielt. Aber nein, eher eine Wanze. So eine hatte ich noch nie gesehen. Kaya kam zurück und schaute sich das Wesen auch an. "Schau, den Stachel", sagte sie , und ich bewunderte die roten Beine.

Später am Tag recherchierte ich und fand heraus, dass das Insekt eine Raubwanze ist, eben die "Nagusta goedelii". Sie ist eingewandert vor zwei, drei Jahren. So wie eingewanderte Pflanzen Neophyten heissen, so nennt man eingewanderte Tiere "Neozoen" (Einzahl "Neozoon"). Unsere Nagusta ernährt sich von anderen Insekten. Für Menschen ist sie nicht gefährlich. Nur im Notfall sticht sie zu; das tut dann weh.

Ein Gang zum Briefkasten und so viel gelernt! 

Montag, 26. Oktober 2026

Diese Freude beschere ich mir jedes Jahr

 



 


Ich habe alle über den Sommer getrockneten Gartenkräuter für Tee gemischt. Mit vollen Händen und warmem Herz. Heute zum Znacht trinken wir "Esthers Gartentee".

Samstag, 24. Oktober 2026

Wie lange hält ein Sofa?

Suffizienz ist für mich ein wichtiges Wort. Es bedeutet "Genügsamkeit". Ich will nicht Dinge kaufen, die nicht nötig sind. Keine neue Küchenmaschine; die Küchenwaage, die mir runter gefallen ist, hat Reto wieder geflickt. So ticken wir. Einerseits weil das der Welt am besten tut, andererseits, weil unser Budget nicht der höchsten eines ist.

Seit langer, langer Zeit klagt Reto über sein Sofa, das aus den Fugen geraten sei. Sozusagen. Er sitzt auf Holz statt auf Polsterung. Schuld seien die Mädels, meint er. Sie hätten zu oft darauf herum gehüpft, was ich immer erlaubt hätte. Aber Kinder müssen hüpfen! - Ich sage, schuld ist der Zahn der Zeit. Ein Sofa hält im Durchschnitt sieben bis zehn Jahre. Sagt die KI. - Retos Sofa ist dreizehn Jahre alt. Und fünf Monate dazu. Jenseits aller Schuldzuweisungen ist es an der Zeit, dass ein neues Möbel gefunden und gekauft wird.

Heute Morgen sind wir los gegangen, und wir haben gefunden und gekauft. (Geliefert wird aber erst im Januar.) - Übrigens behalte ich mein Sofa, das dreizehn Jahre und fünf Monate alt ist. Ich sitze auf Polsterung, obschon die Mädels...Und Hund eins und Hund zwei...Und Katze Nepomuk mit seinen Krallen...Mein Sofa ist ein Bettsofa; Stefan und Martin sollen weiterhin bei uns übernachten können, wann immer sie wollen.

Freitag, 23. Oktober 2026

Morgen in zwei Monaten, sagt mein Mann

 Wenn mein Ehemann im Mai verkündet, genau in sieben Monaten sei Heilig Abend, finde ich das nicht lustig wie er. Ich sage zu ihm, er betreibe "wordswaste", analog zu "foodwaste". Er fordere meine Aufmerksamkeit für nichts. 

Heute aber höre ich ihm zu, wenn er sagt: "Morgen in zwei Monaten ist Heilig Abend." - Das ist schon bald. Ich muss mich sputen mit den Weihnachtsgeschenken. Nicht einmal die heurige Idee ist ausgefeilt. 

Ich mag es sehr, unsere geliebten Menschen alle mit dem jeweils gleichen Geschenk zu erfreuen oder zu erschrecken oder zum Lachen zu bringen. So wird der Weg auf Weihnachten hin zu einem kleinen Abenteuer. Unterwegs geht unser Gätteisen kaputt (2022), die rosa Schachtel gefällt besser als der Inhalt (2019) oder das Geschenk wird zurück gegeben in aller Freundschaft (???). 

In zwei Monaten sagt mein Mann. Er hat Aufgaben übernommen, aber er geht lieber in seinen Garten und setzt hunderte von Blumenzwiebeln in dutzende von Töpfen.

Donnerstag, 22. Oktober 2026

Ich war laufen

 Ich war laufen. Mit Laufen meine ich immer gehen, denn wirklich laufen tu ich nimmer, nicht einmal, um noch einen Bus zu erreichen. Ich war also laufen. Zuerst am Gartentor unserer lieben Angehörigen vorbei. Wo Hündin Yumi vor der Haustüre lag. Ich rief sie an, und sie wurde gern ein bisschen von mir gekrault. Gab mir ein Küsschen. Ich ging weiter.

In der Nähe eines Schulhauses war ein Pulk Schüler*innen um den Lehrer versammelt. Er wollte ihnen heute das Joggen beibringen. Er vorneweg, der Hauptharst Jugendliche hintennach, so dass ich auf die Wiese ausweichen musste. Ich bekam ein angedeutetes Danke vom Lehrer. Und musste lachen: Die hintersten Mädchen machten schon die erste Pause am kleinen Trinkbrunnen. Eine hatte ihr weisses Handtäschchen dabei. Zum Joggen!!!

Ich sah Enten in der Eulach, die immer noch gingen statt schwammen. Ein bisschen mehr Wasser hat es als vor ein paar Tagen. Aber...

Wieder zu Hause stelle ich fest, dass ich "Laufen" wieder trainieren muss. Müde nach 35 Minuten - das geht nicht.


Mittwoch, 21. Oktober 2026

Unsere "Tschanz" (Chance) wird verlängert

Als wir vor zwei Monaten beim Arzt waren und unsere Blutwerte geprüft wurden, waren unserer beiden Cholestrinwerte zu hoch. Der Arzt fand, wir sollten es mit einer Ernährungsumstellung probieren, ehe er das Medikament verdopple: "Ich gebe Ihnen eine Tschanz."  

Heute war Examenstag. Würden wir bestehen? Immerhin hatten wir Rahm aus unserem Kühlschrank verbannt, weniger Milchprodukte überhaupt zu uns genommen, und ich hatte versucht, ein bisschen mediterraner zu kochen. Würste aller Art gibt es nur noch ausnahmsweise. An der Olma und wenn wir so feine, feine "Räucherknebeli" geschenkt bekommen. 

Ich trat um acht Uhr nüchtern an bei der Praxisassistentin. Mein Finger gab das Probeblut her und nach längerem Warten wurde ich vom Arzt persönlich im Warteraum abgeholt. - Heutzutage bekommt man ja alles am Bildschirm vorgesetzt, sogar leicht verständlich dargestellt. Mein Cholestrinwert hat sich von rot nach orange verbessert, aber nicht nach grün. Der Arzt war mässig zufrieden, aber ich wollte nicht mehr Medikamente. "Also gut", meinte er, "verlängern wir die Tschanz bis im Februar."

Üben, üben, üben. Ich bin zuversichtlich. Reto aber seufzt.