Dienstag, 18. August 2026

Ein Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit

Es ist doch gar nicht mehr so heiss wie letzte Woche. Aber meine Tochter hat am Mittagstisch heftig Luft gefächelt. Stunden später sitze ich an meinem Pult. Ich sitze! Und ich hechle wie Yumi, die Hündin. Dazu schwitze ich wie ein Schwein. Sagt man fälschlicherweise. Schweine können gar nicht schwitzen; sie haben keine Schweissdrüsen auf der Haut. Trotzdem schwitze ich wie ein Schwein. Gern würde ich auch ein wenig grunzen. Aber das alles macht sich nicht. Das Schwitzen und das Grunzen.

Schuld an meinem Zustand (und dem von vielen) ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der uralte, behauptet 70% Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der neuere, gibt nur 57% an. Ich glaube dem alten. 

Aber statt noch mehr Theorien zu wälzen, hole ich mir ein kaltes Fussbad und ein Glas Wasser. Es wird schon werden!

Montag, 17. August 2026

Es gibt keine Ausrede mehr

 Jetzt hat es geregnet. Jetzt ist es kühler geworden. Reto und ich haben ein paar Wochen lang nicht so geputzt, wie es normal wäre für uns. Zu heiss! Zu müde vor lauter Hitze! Aber heute Morgen um fünf Uhr war Donnergrollen und Regenrauschen. Unsere Nachbarinnen sind vor Freude hinaus in den Regen getanzt. Das hatte ich eigentlich auch vor, aber doch nicht morgens um fünf, wo ich meine Augen noch kaum aufbringe.

Später aber war klar: Heute putzen wir, und das haben wir auch getan. Ich bin zufrieden mit uns. Warum aber muss Reto immer so übertreiben? - Er kann es nicht beim normalen Putz belassen - nein, jetzt bearbeitet er auch noch die Fenster mit seinem tollen Fensterreinigungs-Set. Dumm daran ist, dass ich mir dann faul vorkomme. Dann muss ich laut aufzählen, dass ich aber eine Tomaten-Wähe gemacht habe, dass ich aber Kinder-CDs aussortiert habe, dass ich aber... 

Dass ich aber auch gut genug bin. 

Sonntag, 16. August 2026

Morgen beginnt wieder die Normalität

 Wenn es nur so wäre! Was ist in unserer Zeit schon normal?! - Morgen beginnt nach den langen Sommerferien wieder die Schule. Viele Erwachsene gehen nach Ferien wieder zur Arbeit. Und wir Alten putzen endlich wieder unsere Wohnung, weil wir auch "Ferien" gemacht haben.

Ob wir gern zu dem zurückkehren, was normalerweise unser Leben ausmacht, ist zweitrangig. Es gilt festzuhalten, dass uns Normalität Halt gibt. Wir wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Wir haben einen Tages- und Wochenablauf. Das bringt eine gewisse Ruhe in unser Leben. Eine Verlässlichkeit. Wir sind nicht verloren im Chaos.

Gut, wenn es Freiräume im Ablauf gibt. Sie ermöglichen Kreativität. Die Normalität wird nicht zum öden Trott. Wir können tun, was Freude macht.

Wenn wir Glück haben, sind wir in der Normalität geborgen. Wenn wir sehr viel Glück haben, ist unsere Normalität selbst gewählt.

Aber es sind Risse allüberall. Es regnet immer noch nicht. 

Freitag, 14. August 2026

Menschenscheu

 Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.

Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.

Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.

Donnerstag, 13. August 2026

Seufzen ohne Ende

Heute Morgen  mussten wir einkaufen. Ein Apfel war unsere einzige Frucht in der Wohnung. Milch war auch fast aus. Zum Glück war es am Schatten noch nicht so arg heiss. Aber auf dem Heimweg wurde es heisser und heisser, und als wir zu Hause waren, seufzte ich sogar über die Temperatur in unserer Wohnung; noch vor kurzem war es da immer angenehm gewesen.

Ich seufzte weiter beim Auspacken und Verräumen unseres Einkaufs. Ich seufzte beim Kochen. Ach, wie heizte mir der Kochherd ein! Und überhaupt, ich ertrage diese ewige Hitze jetzt nicht länger...Ich jammerte und seufzte, bis mir einfiel, dass das ja wohl ein bisschen lächerlich war.

Und wo ich das Lachen wieder entdeckte, sagte ich zu meinem Ehemann selbstironisch: "Du musst dir halt eine Frau suchen, die etwas mehr erträgt. Eine Jüngere, die mehr Kraft hat." - "Wo soll ich die hernehmen?" seufzte mein Mann. Und das wiederum brachte mich zu einem inneren Seufzen, hatte ich doch gehofft, er würde sagen, niemals wolle er eine andere Frau; ich sei die Beste.  

Mittwoch, 12. August 2026

Ich ärgere mich

 Wie eigentlich geht "Nichtstun"? Heute wäre der perfekte Tag dafür. Reto ist auf  Pässefahrt, und ich bin zu Hause mit seinem Rat, doch ja wenig zu machen. Damit meinte er nicht, dass ich unseren Garten dürsten lasse. So habe ich vor dem Morgenessen fünfundvierzig Minuten Wasser verteilt. Ach, und der Geburtstagsbrief für mein Gottenkind musste in den gelben Briefkasten gebracht werden. Und hast du gesehen: Ein Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Verhilf ihm zum Fliegen. 

Wie aber ginge "Nichtstun"? - Jetzt wäre es möglich. Aber ich kann das nicht mehr. Mindestens lesen muss sein. Zeitung, Heftli, Buch. Mindestens "amächelig" (angenehm) muss die Wohnung aussehen. Lavabo sauber halten. Geschirr abwaschen. Da kurz Hand anlegen, dort. Unterdessen vergeht die Zeit, vergeht der Tag.

"Nichtstun" - kann ich das üben? Mit wie vielen Minuten beginnen? - Oh, da kommt unsere Katze. Mit einem leisen Miauen macht sie sich bemerkbar. Sie hat vorher stundenlang nichts getan. Geschlafen im Schatten. Jetzt will sie, dass ich etwas tue für sie: Sie fordert ihr gekühltes Katzensüppchen. Will ich denn nicht, dass es ihr gut geht?! 

Dienstag, 11. August 2026

Ruckedigu, Blut ist auf dem Küchenboden

 Reto hat sich den Fuss angeschlagen. So kräftig, dass der Nagel von der einen Zehe abgefallen ist.


Tropf, tropf, tropf, quer durch die Küche. Überall Blut. 

Ein Kamillen-Fussbad muss her, das schon bald mehr rot als gelb ist. Fliess, fliess, immer noch, Blut.


Gut desinfizieren, fein einbinden, und schon ist alles besser. Nicht mehr so grus(el)ig.