Mittwoch, 22. Juli 2026

Habe ich nicht gern

 Reto hat Fliegen nicht gern. Ich habe nicht gern, wenn Reto mit dem Fliegentätscher herumtätscht. Oder wenn Reto noch einmal und noch einmal und noch einmal sagt: "Die saublöden Fliegen!" - Nicht dass ich Fliegen besonders gern hätte, wenn sie mir auf der Nase herumkrabbeln. Ich öffne dann das Fenster leicht, und wenn ich Glück habe, machen sie den Abflug. Ich tätsche selten herum, und Jammern nützt eh nichts.

Was haben Fliegen nicht gern? - Gestern habe ich einen Riesenbusch Minze vor Retos Zimmertür aufgehängt. Jedenfalls war dann die einzige Fliege in unseren Gemächern bei mir zu Gast. - Noch mehr nützen gegen Fliegen soll Lavendel. Das trifft sich gut, weil ich ihn sowieso schneiden wollte. Vier grosse Sträusse Lavendel habe ich gebunden. Jetzt muss ich sie nur noch verteilen. Ich bekomme auch einen. Habe ich gern.

Dienstag, 21. Juli 2026

Über das Älterwerden

 "Das Magazin", das dem Tagesanzeiger wöchentlich einmal beiliegt, ist eine meiner liebsten Lektüren. So viel Erhellendes, Berührendes, Weiterbringendes! Bin froh, dass ich das "Tagi-Magi" vom Schwiegersohn erben darf. Thank you!

Manchmal bleibe ich an einem einzigen Satz hängen, zum Beispiel diesem:

"Es gibt kaum Leute, mit denen man wirklich über das Älterwerden  sprechen kann und darüber, was mit einem passiert."

Ingrid Comes (79) hat ihn geäussert. Tagi-Magi Nr. 22 in diesem Jahr. Ich bin ähnlich alt wie sie, und das Altwerden oder besser Altsein ist natürlich auch mein Thema. Ich spreche schon darüber, schreibe. Mich dünkt, das Aufrechthalten einer relativen Gesundheit wird immer arbeitsintensiver. Schmieren und Salben allenthalben. Turnen gegen Steifheit. Innere Befehle wie: Halt dich gerade! - Jammere ich über einen neuen Schmerz, sagt mein Mann: "Das ist das Alter."

Aber das Alter ist auch bewussterer Genuss von Essen, von Schönheit, von Zusammensein. Und so grosse Freude an allem, was kreucht und fleucht und wächst und blüht und fruchtet. (Auch Sorge um dies alles.) Und Dankbarkeit über gute Tage. Sie sind nicht mehr selbstverständlich wie in jüngeren Zeiten. Aber sie SIND!

Montag, 20. Juli 2026

Nur schnell reinschauen

Wir mussten am Morgen den ferienleeren Kühlschrank wieder füllen. Also einkaufen. Dann ab in den Garten, wo die grüne Hölle nach der ordnenden Gartenschere rief. Nach Kochen und Essen sagte ich zu meinem Ehemann: "Gäll, jetzt haben wir für heute genug geleistet!" - Er war auch dieser Meinung. Warum also rinnt mir der Schweiss über die Backe und in die Augen?

Ich habe meinem Ehegespons wieder einmal einen Floh ins Ohr gesetzt. "Wie wäre es", habe ich zu ihm gesagt, "wenn wir den Rasen zu einer Wildblumenwiese umgestalten würden?" - Ich hatte kürzlich darüber gelesen. Ist viel ökologischer. Braucht weniger Wasser. Die "Viecherlein" mögen es.

Kaum hatte ich fertig geredet, begann Reto mit Erdbewegungen. Schuftete und schuftete, und ich hatte das Gefühl, ich müsse doch auch noch etwas tun. - Zwar wollte ich nur kurz in die grosse, graue Gartentruhe gucken. Nur gucken, an einem anderen Tag leeren und putzen.

Deckel der Truhe auf, und schon hatte sie mich gepackt: Ich sehe nur, was alles drin ist, wenn ich alles rausnehme. Wenn alles ausgeräumt ist, kann ich es in die Badewanne stellen. Aber da spazieren Spinnen aus dem Krempel heraus. Also Spinnen einfangen und wieder aussetzen und dann halt alles, alles waschen, schrubben, abspülen. Und am Schluss läuft mir der Schweiss über Wangen und Augen.

Trocknen, alles trocknen.


Sonntag, 19. Juli 2026

Da sind wir wieder - zuhause

 Da waren wir - in den Ferien. Im wunderschönen Guarda. In der Ferienwohnung, die uns so gefällt. Wohl das letztemal. Das Haus wird verkauft. Für weit über eine Million Franken. Schade, schade, schade! 

Vielleicht ist es aber Zeit, Neues zu entdecken. Gehen, wo es auch schön ist. - Wir hatten in Guarda Routinen entwickelt. Sodass die x-mal Ferien dort kaum mehr auseinander zu halten sind. Immer ins Kräuerlädeli. Immer nach Scuol. Dort immer Kaffee bei Bender. Gelbgelbe Crèmeschnitte dazu. Immer zu Stöckenius, wo es Karten, Bücher und alles gibt. In Guarda immer Richtung Bos-cha spazieren und die Schönheit geniessen. Der Blumen, des Bergpanoramas, des grünen Bachlaufs und der grünen Wiesen.

Apropos grüne Wiesen - nicht alles war wie immer. Ich habe keine Heil- und Teekräuter gesammelt. Weil die Wiesen so was von abgefressen von den Kühen und abgemäht von den Bauern waren. Bis an den Rand. Das hat der Kräutermann im Lädeli bestätigt. Sie sammeln auch nicht weiter.

Wir waren nicht in Lavin. Sonst immer. War keine Zeit; eine Woche ist so schnell vorbei. Und wir waren nicht im "Täli"(kleines Tal), weil es uns zu nass und rutschig vorkam dort. Und es gewiss auch dort kaum noch Kräuter hatte.

Reto musste keinen "Guten Heinrich" essen, weil, siehe oben - abgemäht, gefressen.

Da sind wir wieder - zuhause. Zum Glück ist es da auch schön.




Donnerstag, 9. Juli 2026

Elif Shafak, Am Himmel die Flüsse

 Ein Buch, dessen Figuren ich auch nach dem Zu-Ende-Lesen herznah sein werde.

Da ist die wunderbare Grossmutter Besna, die während ihres Lebens so viel Wissen und Weisheit an die zwei nächsten Generationen weitergibt, dass man sich an ihr festhalten kann auch nach ihrem schrecklichen Tod als Verfolgte einer religiösen Minderheit. Ihre Enkelin Narin überlebt, versklavt vom IS, später zum Glück frei gekauft.

Arthur, der aus ärmsten Verhältnissen kommt, will nach Ninive und dort Tontafeln ausgraben, um das  Gilgamesch-Epos zu vervollständigen. Er hat sich die Keilschrift selbst erarbeitet. Die älteste verschriftlichte Dichtung wird zu seiner Passion. Er widmet ihr sein Leben.

Von Zaleekhah habe ich am liebsten immer wieder gelesen. Sie verlor als Neunjährige ihre Eltern durch ein Hochwasser. Ihr Onkel Malek nahm sie in seine Familie auf. Aber sie kämpft als Erwachsene sehr um ihre Identität. Nach der Trennung von ihrem Ehemann lebt sie auf einem Hausboot. 

Die Geschichten der Menschen im Buch sind miteinander verflochten. Und geeint im Thema Wasser. Ein Wassertropfen fällt, steigt wieder auf, fällt wieder zur Erde...

Mittwoch, 8. Juli 2026

Pfefferminz-Sirup liebt meine Enkelin, liebe ich

 Was gibt es im Sommer Feineres als einen kalten Pfefferminz-Sirup! Herrlich erfrischend und so viel Aroma. - Ich habe im Garten Minze allüberall. Ich trockne Tee für den Winter, gebe einen Zweig ins Trinkwasser und eben, ich koche Sirup. Was immer noch zuviel ist, wird mit Zitronenmelisse, Salbei und Rosmarin zu Bündeln gebunden. Wenn wir "fiirle" (Freund Ernst sagte dem Grillieren so), legen wir am Schluss so ein Kräuterbündel auf die restliche Glut und hoffen, dass der Rauch in unsere Nase getrieben wird. Gern auch in die Wohnung. Wohlgerüche tun der Seele gut.

Heute habe ich zehn Flaschen Sirup eingefüllt. Eine ist für meine Enkelin. Ganz klar!



Dienstag, 7. Juli 2026

Erklärung, Rechtfertigung, Faule Ausrede?

Sommer ist die Zeit,

in der es zu heiss ist,

um das zu tun, wozu es 

im Winter zu kalt war.

 Mark Twain

Ich mache im Winter ganz viel gern - nur nicht ziellos spazieren. Ich mache im Sommer ganz viel gern, nur nicht grundlos spazieren.