Samstag, 7. November 2026

Seit Tagen türmt es sich

Auf meinem Pult türmt sich nicht nur Papier sondern auch Filzwolle, Nadeln aller Art und Scheren, die schneiden und solche, die kaum mehr schneiden. Und über allem mein Kopf, in dem es sich auch türmt.

In genau einer Woche ist das Sippenfest in der Waldhütte, das zur Tradition geworden ist. Zweiundzwanzig kleine und grosse Menschen, wenn alle kommen. Dieses Jahr tragen die Burris die Verantwortung für Essen, Trinken, Einrichtung, Deko; es türmt sich in meinem Kopf.

In etwas mehr als vierzig Tagen ist Weihnachten. Reto und ich arbeiten wieder an einem Weihnachtsprojekt. Wird es fertig, gelingt es, macht es Freude? Ist noch viel zu tun und zu denken; es türmt sich...


Freitag, 6. November 2026

Und er mag sie doch...

 Die Rede ist von Ehemann Reto und den Süsskartoffeln. - Nachdem Reto immer angemerkt hatte, dass er Süsskartoffeln nicht möge, habe ich auch keine zubereitet. Das tut eine zugewandte Ehefrau nicht. Dann aber kam aus, dass der liebe Ehemann noch nie Süsskartoffeln probiert hat. Lauter Vorurteile gegen das unbekannte Gemüse. Süss und Kartoffel passt doch nicht zusammen.

Heute habe ich Tanja Grandits zu Rate gezogen und im Ofen gebratene Süsskartoffeln mit "Salsa rossa" gemacht. Uuuuhh, war das gut! Gar nicht so süss, fand Reto, und die Salsa mit ihren hundert (😀) Zutaten schmeckte auch. Dazu Salat mit Kresse aus dem Garten, der unter Heu gewachsen ist. Reto hat sortiert und gewaschen. Hat fast so lange gedauert wie meine Salsa rossa.

Donnerstag, 5. November 2026

An einem Donnerstag...

Wir waren eingeladen zum Mittagessen. Unsere Freundin hat aufwändig und sehr fein gekocht - ein Lieblingsessen von Reto (Kalbshaxen), dessen Geburtstag nachgefeiert wurde. Unser Freund hat einen frischen, fruchtigen Weissen zum Apéro serviert und zum Hauptgang einen tiefgründigen, vollmundigen Rotwein aus dem Keller geholt. Und dazu gesagt: "An einem ganz normalen Donnerstag, denkt mal!" - Ja, so kann man die ganz normalen Donnerstage, Dienstage...Alletage geniessen, wenn man pensioniert ist. Gleichzeitig sieht man, wie alt wir geworden sind. Wie langsam unsere Füsse vorwärts tasten. Wie besorgt wir über die Zukunft sind. Über unsere und viel mehr noch über die unserer Kinder und Enkelkinder. An einem ganz gewöhnlichen Donnerstag so viel Feines und so viel zu Bedenkendes!





















öro serviert

Mittwoch, 4. November 2026

Auf die lange Bank geschoben...

 ...waren wir heute Morgen bei der Einwohnerkontrolle. Wir brauchen dringend je eine neue Identitätskarte. Die beiden alten sind seit einem halben Jahr ungültig. Wir haben es verschlampt und fühlen uns jetzt wie unvollständig bekleidet oder wie nicht ganz und gar wir-selbst. Wir müssen wieder beweisen können, dass wir es sind.

Jedenfalls waren wir um zwanzig vor elf im langen Gang der Einwohnerkontrolle, wo an der einen Seite eine fast ebenso lange Holzbank steht. Mit eine Holzlehne, deren Unbequemlichkeit zu spüren wir reichlich Zeit hatten. Nach vierzig Minuten auf der langen Bank durften wir in Kabine K eintreten. Und dann ging es ratzfatz. Jetzt sind unsere IDs bestellt. Bald, bald sind wir wieder, wer wir sind. 

Dienstag, 3. November 2026

"Von jetzt an darf man sich auf Weihnachten freuen!"

Tochter und Enkelin sind mit Hund Yumi zu uns zum Essen gekommen. Yumi bekommt von mir immer ein Päckli mit Hundekeksen zum Auspacken, Aufreissen und Zerfetzen. Für die Menschenskinder habe ich Penne à Ottolenghi gekocht mit Zwiebeln, Salbei und gerösteten, gehackten Mandeln. Dazu je ein Hacksteak. Reto hat zum Dessert Vanilleglace, Meringue und Vermicelles serviert.

Beim Essen haben wir über das kommende Familientreffen geredet. Ein bisschen organisiert. Ideen kreiert. Dann hat Kaya plötzlich gesagt: "Ich freue mich auf Weihnachten." - Ich war erstaunt, weil erst gerade der November begonnen hat, und ich habe gefragt, worauf sie sich denn freut. - "Auf alles", war die Antwort, "auf das Dekorieren, die brennenden Kerzen, das Geschenke-Machen, das Feiern, die Weihnachtsmusik, den Schnee, der nicht kommt, auf alles. Und:

VON JETZT AN DARF MAN SICH AUF WEIHNACHTEN FREUEN."

Montag, 2. November 2026

Der Fido und der Waldi

Wir hatten im Coop eingekauft. Auch Süsskartoffeln, die Reto angeblich nicht mag, aber noch nie gegessen hat. - Reto war an der Kasse, um zu bezahlen. Ich nahm die Einkäufe vom Band und lud sie in unseren Einkaufswagen.

Dann stand ich wartend da - und sah einen kleinen Jungen mit einem Nachzieh-Hund aus Holz. Dass es so etwas noch gibt! - Das Hündchen wackelte mit dem Schwänzchen beim Gehen. Total herzig!

Ich sagte zum Knirps: "Dein Hund ist aber hübsch; hat er einen Namen?" - Ganz schüchtern kam: "Fido." - Ich erzählte dem kleinen Jungen und seiner Mama, dass ich, als ich ein Kind war, auch einen Hund zum Nachziehen gehabt hatte. Er hatte "Waldi" geheissen.

Als der kleine Junge und seine Mama auf den Heimweg gingen, lächelte mich der Knirps an und winkte mir zum Abschied. - Fido und Waldi, ein kleiner Junge und eine alte Frau - eine anrührende Begegnung.

Sonntag, 1. November 2026

Allerheiligen /1. November

 Es war uns ein Bedürfnis, auf den Friedhof zu gehen. Immer noch ist es seltsam, dass unser Weg direkt zur Urnen-Nische von meinem Mami geht - und nicht zuerst zum Urnen-Grab von meinem Götti. Diese Grabstelle ist nach 25 Jahren aufgehoben worden. Und dabei fehlt mir mein Götti immer noch.

Bei Mamis Gedenkort waren schon andere gewesen: Christrosen und Gerbera leuchteten uns entgegen. Es ist schön zu denken, dass sich an der Urnen-Nische von Lina Haller Menschen an sie erinnern. Es ist sehr schön. Wir haben von ihr gesprochen, Geschichtlein erzählt, Sprechweisen wiederholt. Sie war ein guter Mensch.

Beim Gang über den Friedhof sind uns andere in den Sinn gekommen, die nicht mehr unter uns weilen. Zuletzt waren wir sozusagen auf der Göscheneralp und haben in unserem Innern den Gesang der Gebrüder Mattli in der Kapelle erinnert. Mit Käri am Harmonium. War das wunderbar!