Samstag, 4. Juli 2026

Ehe

 Ach, ach, da mache ich Pläne - aber dann kommt es anders: Ich habe begonnen, eine Hose abzuändern. Und Reto hat begonnen herum zu tigern und vor sich hin zu murmeln. - "Wie mache ich das. Ich weiss nicht, wie ich das Bäumchen im Topf befestigen kann, dass es nicht zur Seite kippt. Was könnte ich...Wie soll ich...?" - Er fragt mich nicht, ob ich helfe. Er macht nur auf sich und das Problem aufmerksam.

Wenn man knapp 50 Jahre verheiratet ist, kennt man einander. Er weiss genau, er muss nur mein Interesse wecken. Dann läuft mein Hirni heiss. Statt an meiner Hose weiter zu arbeiten, leere ich meine Bastelkiste auf dem Boden aus. Ich suche, ich suche ein Juteband. Vielleicht könnte Reto mit dem Juteband...Ich finde es nicht, dafür eine Sisal-Schnur, eine dicke. Damit könnte man, könnte Reto, könnte wer auch immer, den Topf umwickeln genau unter dem Rand. Vorher um die dicke Schnur sechs oder mehr Schnüre oder Drähte verteilen, die nach oben zeigen. Schnur um den Topf, Drähte um das Stämmchen, schön verteilt, gut anziehen. Fertig. 

Als ich in mein Zimmer gehe, um aufzuräumen, finde ich das Juteband. Ich gehe zum Bäumchen und drapiere es hübsch, damit man die Drähte nicht mehr sieht. - So geht Ehe. Unsere.

Freitag, 3. Juli 2026

Marktfahrt


 

Wir haben wahrlich viel Gutes und Schönes und Feines eingekauft auf dem Markt. Ich liebe Bundrüebli, und Reto kann nicht genug Blumen für den Garten kaufen.

Ich habe Reto Meier vom Permakultur-Hof gefragt, wie es bei diesen heissen Tagen sein kann, dass er so grosses, gesundes Gemüse hat. Wir haben die gelbe Zucchetti und das Kohlrabi bei ihm gekauft. Seine Antwort: "Wasser, Wasser, Wasser!" - Er bezieht sein (Trink-)Wasser von der Stadt. Nachts steht er zweimal auf, um die Anschlüsse für die Bewässerung umzusetzen. Er schlafe im Moment sehr wenig. Die meisten Menschen würden aber nicht nach seiner Arbeit fragen. - Und dann verkauft er sein wunderbares Gemüse auch noch sehr preiswert. Ich habe den grössten Respekt vor ihm.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Krasser Unterschied

 Am Morgen fuhr ich in die Stadt, um einen längeren Einkaufszettel abzuarbeiten. Alles in Butter. Ich kam flott voran. Fand sogar noch ein Sommershirt zum halben Preis. Hatte eine hübsche Plauderei mit einer "verrückten" älteren Frau. Wir wünschten uns dann einen schönen Tag, und ich schaute ihr nach. Immer möchte ich auch ein wenig "verrückter" sein. Meine Plauder-Kameradin trug einen "glismeten" Hut hoch auf dem Kopf, hatte darunter lange, graue Haare. Das blaue T-Shirt hatte sie aufgerollt bis unter die Brust. Blutter Frauenbauch und neckische Zahnlücke. Die getraut sich! - An der Kasse bezahlte ich mein Sommershirt bei einer flinken, fröhlichen Angestellten. Ich machte ihr ein Kompliment, und sie sagte, sie sei eben glücklich und fröhlich und wünsche mir das auch. da wurde ich das alles gerade ein bisschen - glücklich und fröhlich.

Jetzt am Nachmittag ist die Energie weg. Die Fröhlichkeit auch. Ob ich noch Fahrt aufnehmen kann?

Mittwoch, 1. Juli 2026

"Kreative Runde" - ein Spiel

 Ich habe das Spiel geschenkt bekommen. Man sollte es mit Gästen spielen. Aber ich mag keine Gäste verknurren, es mit mir zu spielen. Ich werde selber sehr ungern genötigt zu spielen.

Das Spiel besteht aus etwa 60 Karten mit Aussagen oder Fragen zu "Kreativität". Ich ziehe nun (fast) täglich so eine Karte und überlege mir eine Antwort. So spiele ich in aller Heimlichkeit und Ruhe gerne ganz allein. Heute stand auf der gezogenen Karte:

"Was hilft dir, Ideen in die Tat umzusetzen? Was hindert dich eventuell daran?"

Meine Freude an einer Idee verleiht mir Flügel. Ich werkle gern vor mich hin und schaue, was dabei herauskommt. Ich mag Farben so gern und Wolle und Stoff und...

Manchmal bräuchte ich etwas, das zuerst beschafft werden müsste. Das stört mich und hindert mich an der Ausführung. Oder ich bin altersmüde und lese lieber in meinem Buch weiter. oder ich muss endlich wieder einmal putzen...

Dienstag, 30. Juni 2026

Blauer Becher aus Dänemark

Ich will seit Tagen Minze ansetzen für Pfefferminzsirup. Der vom letzten Jahr reicht nur noch für drei, vier Becher. Wenn mir pures Wasser aus den Ohren tropft (ich meine, verleidet ist) , labe ich mich gern an einem  "Münzesirup". Er muss nicht erst gekocht werden wie Tee. Er steht immer bereit im Kühlschrank. Er ist erfrischend und belebt. Besonders, wenn ich ihn aus einem hellblauen Becher trinke.

Den blauen Becher habe ich letztes Jahr in Dänemark gekauft. Der Sommer war nicht so heiss damals. Das Meerwasser ziemlich kühl. Abends wehten meine Haare im Wind. - Nein, konnten sie nicht, weil sie sehr kurz waren. Aber die Vorstellung, dass meine Haare im Wind wehen, tut mir gerade gut. 

Ich muss mir heute Sachen vorstellen, die mir gut tun. Sonst werde ich hässig, weil mir so unangenehm heiss ist. Zum Beispiel Farben: Türkis, hellblau. Zum Beispiel Orte: Arosa am Tag, als ich meine gute Note für eine grosse Arbeit bekam. Vor unserem Holzhäuschen in der Toskana frühmorgens Ende Oktober. Zum Beispiel Gerüche: Saftige Aprikosen in Israel. Heuernte bei den Grosseltern. ...

Morgen  setze ich Minze an.

Montag, 29. Juni 2026

Menü auslosen

 Unsere beiden Mädels kommen nach den Sommerferien nur noch selten zu uns zum Essen. Am nächsten Montag ist zum letzten Mal ein reguläres Essen. Ich habe ihnen heute eine Aufgabe gegeben: Überlegt, was ihr aus meinem Kochrepertoire gern nochmals geniessen würdet. Einigt euch auf einen Hauptgang und ein Dessert.

Ihnen kamen - zu meiner Freude - ganz viele Menüs in den Sinn, die sie gern hätten. Sie konnten sich nicht festlegen und schrieben Zettelchen, die sie wie Lose falteten. Nach bestimmten Regeln wurde am Esstisch ausgelost, was es geben sollte. Reto und ich durften mitmischeln. Am Schluss wurden alle gefragt, ob sie einverstanden seien.

Heraus kam: TRARA! (Tusch)

BURGERS NACH ESTHER-ART

MOUSSE AU CHOCOLAT NACH RETO-ART

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute.