Mittwoch, 13. Mai 2026

Ich lese und lese und lese einen Krimi

 Es ist mir peinlich, aber es ist trotzdem so: Ich kann Krimis nicht ordentlich vom Anfang bis zum Ende lesen. Schon in der Mitte oder noch früher muss ich wissen, ob meine Lieblingsperson im Buch überlebt. Ich linse also kurz auf die letzten drei Seiten. - Uff, sie kommt noch vor - und er auch.

Zurück zur Mitte. Weiterlesen. Es ist grausam spannend. Ich halte das nicht aus. Ich blättere nach hinten, lese da ein bisschen und dort ein wenig. Erfahre, wer die Bösen sind. Lese entspannter weiter. 

Ich entdecke gut geschriebene Passagen. Ich swipe, lese vorne, lese hinten. Was für eine gut gemachte Geschichte! Ich bewundere die Autorin, verehre den Autor. 

Ich lese das Buch fertig und begegne ab und zu schon bekannten Stellen. Immer noch tut es mir leid, dass der junge Dunkelhaarige sterben musste. Aber diesmal nehme ich es gelassener.

Dann ist der Krimi aus. Schade! Wo ich mich doch gerade so freue, dass es für Tabea gut gekommen ist. aber ich nehme sie mit in mein Leben. Sie ist jetzt eine liebe Bekannte. 

Dienstag, 12. Mai 2026

Eine grosse, grosse Freude!


 

Meine erste Kartoffelrose ist aufgeblüht. Und wie sie duftet! - Sie versetzt mich an den Meeresstrand in Dänemark. Ferien letzten Sommer. Rosensalbe machen mit meiner Enkelin und Hagebuttenkonfitüre. Ich verweile noch ein bisschen dort...

Montag, 11. Mai 2026

Gabriele von Arnim hat ein neues Buch geschrieben

Ich habe ihr Buch über Schönheit gelesen. Jetzt hat die 79 jährige Autorin ein Buch über den Abschied geschrieben. In unserer Tageszeitung  wird es besprochen. Der erste Satz lautet: "Hin und wieder übe ich sterben." - Das tönt sehr ernst. Aber dann erzählt Gabriele von Arnim von ihren Freundinnen so humorvoll, dass ich laut gelacht habe:

"Die eine kauft sich immer wieder neue Unterwäsche, damit die Söhne nach ihrem Tod nichts Ausgeleiertes aussortieren müssen. Eine andere trägt nur feinste Dessous, will, wenn es so weit ist, "e schöne Leich" sein."

Sie selbst richtet vorerst Dinnerpartys aus. Nicht mit ausgeklügelten Menüs. Ein Topf Spaghetti mit Salat, Wasser und Wein genügt. Hauptsache, es kommen Menschen zusammen, die strahlen, wenn sie wieder gehen. Wie gut tut Zusammensein statt Alleinsein. 

Sonntag, 10. Mai 2026

Was würde meine Nachfolgerin (anders) machen

 Eine Art von Spiel aus dem Tagi-Magi Nr. 13 von diesem Jahr: Du bist dir nicht sicher, in deinem Leben das Richtige zu tun. Stell dir vor, du würdest aus Distanz auf dein Leben schauen! Stell dir vor, du gingest zur Tür hinaus und kämest als deine Nachfolgerin wieder herein.

Was würdest du mit der Sicht von aussen ändern? Bei Krogerus und Tschäppeler im Tagi-Magi heisst das so:

"Stellen Sie sich vor, Sie würden heute gefeuert - als Partnerin, als Mutter, als Angestellte. Morgen früh käme eine neue Person, die Ihren Platz einnimmt. Sie ist unbelastet, frisch, objektiv. Was würde diese Person anders machen? Welche Gewohnheit würde sie ablegen? Welchen Konflikt endlich lösen?

Und dann: Gehen Sie kurz zur Tür hinaus, kommen Sie wieder rein und tun Sie genau das."

Moment, ich komme morgen wieder. Muss mal spielen, ich sei meine Nachfolgerin

Samstag, 9. Mai 2026

Ein ziemlich gewöhnlicher Samstag

 Am Morgen mussten wir einkaufen. Der Kühlschrank war ziemlich leer. Aus zartestem Schweinsfilet, Zwiebeln aus dem Garten, Speck und roten Peperoni habe ich Grillspiesse zusammengesteckt und fein mariniert. Reto war der Feuermeister wie eigentlich immer. (Obschon ich auch gern "füürle".) Zu den Spiessen gab es Pariserbrot und Salat.

Nach dem Essen ist für mich (fast) immer Lesezeit. Der Krimi, der mir am Offenen Bücherschrank empfohlen wurde, hat mich gepackt. Es geht um unterschätzte und überschätzte Menschen. Einer im Kamelhaarmantel und mit braunen, gewichsten Lederschuhen. Eine im Putzfrauen-Overall. Wer ist wohl kriminell?

Die Siesta ist längst zu Ende. Seither habe ich einen langen Brief geschrieben und neue Couverts geklebt. Das ist genug für einen ziemlich gewöhnlichen Samstag.

Freitag, 8. Mai 2026

Zweimal neu

 Heute Morgen sind Reto und ich mit viel Aufregung zum erstenmal zu unserem neuen Hausarzt gegangen. Er praktiziert an unserer Strasse, was für alte Leute hervorragend ist. Hat kürzlich jemand gesagt, ab 70 fällt man durchschnittlich einmal pro Jahr um. Ich bin schon zweimal aus Dummheit gefallen. Brauchte aber keinen Arzt. Aber frau weiss ja nie!

Also, der neue Hausarzt: Sehr, sehr nett. Er liess sich alle Zeit der Welt für uns (3/4 h) und fragte tausenderlei, ohne die Übersicht zu verlieren. Etwas frech fand ich seine Frage, ob ich schnarchen täte. Beruhigend war die Bemerkung, ich hätte Übergewicht, aber es sei zu spät, um etwas zu unternehmen. Ha, fröhliches Geniessen ohne schlechtes Gewissen!

Eine Foto von ihm habe ich natürlich nicht gemacht. 

Eine Foto habe ich aber gemacht vom zweiten Neuen:

Ich habe aus altem Stoff eine Pyjama-Hose für den Sommer genäht. Alles von Hand. Ohne Schnittmuster, aber nach einer Zeichnung bei Google. Eine fröhliche Clown-Pyjama-Hose. Freu mich drauf, darin zu schlafen!



Donnerstag, 7. Mai 2026

Nette Begegnungen am Offenen Bücherschrank

 Einst waren es Telefonkabinen oder irgendwo sogar ein Taubenschlag. Bücherbox heissen sie und haben alle dasselbe Prinzip: Bring ein Buch, nimm ein Buch. Du brauchst kein Geld und keinen Ausweis. Es geht einfach darum, dass ansehnliche Bücher im doppelten Sinn ein weiteres Leben bekommen. Oder sogar zwei. Oder drei?

Heute war ich beim Bücherschrank am Graben. Ein dickes Buch habe ich gebracht und zwei neue (für mich) mitgenommen. Nächstesmal bringe ich zwei und hole eines. Es gleicht sich bestimmt aus.

Schön war es, dass wir gleich drei ältere Frauen waren, die da "geschneugget" (herumgesucht) haben. Eine mag nicht mehr dicke Bücher lesen, hat mir aber eines mit 600 Seiten empfohlen, das sie früher verschlungen hat. Alle drei sind wir Vielleserinnen. Begeistert von Büchern und eben auch von Offenen Bücherschränken.