Dienstag, 9. Juni 2026

Ein Tag mit Freunden

 Lange, lange schon war für heute abgemacht, dass wir uns mit Sepp und Vreny in Rafz treffen würden. Gartencenter Hauenstein. - Reto und ich gingen am Morgen aus dem Haus, und es nieselte und war kühl. Mir war es gleich nur noch halb um den Ausflug. Vreny hat später am Tag gesagt, dass es ihr genau gleich ging.

Aber wir hatten grosses Glück. Ab Rafz regnete es den ganzen Tag nie mehr, und wir konnten bei angenehmer Temperatur durch die ganze wunderschöne Gartenanlage spazieren. Sepp schaute sich, glaube ich, jeden Baum und jede Blume an und war sehr zufrieden. Auch mit unseren Einkäufen sind wir glücklich. Und das Mittagessen war köstlich. Der Weisswein von Flaach dazu schmeckte sehr gut. 

Als wir uns um vier Uhr am Bahnhof Rafz wieder trennten, waren wir uns einig, dass es sich mehr als gelohnt hat. Ein guter Tag unter Freunden! Und ich habe drei Samenkapseln der Nachtkerze geklaut, um sie zu Hause in die Erde zu stecken. 

Montag, 8. Juni 2026

Man sieht ja nichts

 Ehrlich, heute Morgen bin ich in unserer kleinen Wohnung herumgewirbelt, bis mir die Schweisstropfen in die Augen liefen. Überall fand ich Orte, die meinen Putzlappen nötig hatten. Und die Betten mussten neu bezogen werden. Reto brauchte mehr Pommes frites-Gewürz, das ich jeweils selbst zusammenmische. Viel Paprika und als Geheimwaffe gegen Bitternis das berühmte schweizerische Aromat. Eigentlich will ich die Glutamat-Schleuder nicht mehr brauchen. Oder fast nicht mehr? - Kurz und gut, ich bin sehr fleissig gewesen heute Morgen. Aber sieht das einer?? - Ich mache es wie mein Mami: Wenn sie fein gekocht hatte, sagte sie zu ihrem Ehemann: "Gäll, Fritz, i ha guet kochet?!" - Da konnte der Fritz einfach nicken, und beide waren zufrieden. 

Samstag, 6. Juni 2026

Popcorn

In jedem Tagesanzeiger-Magazin gibt es die Rubrik "Ein Tag im Leben". In der Nummer acht von diesem Jahr blickt mir ein fröhlicher Mann mit besonderer Tigerfell-Imitat-Mütze entgegen. Mich irritiert der Titel ein wenig:

"Der Kulturschaffende Hannes Hergarten baut in einer Berner Werkstatt mit Fremden ihre Särge." 

Es seien "Kisten mit Wert" wird später im Text erklärt. Und es sei wichtig, dass die Trauernden dann miteinander etwas essen und trinken würden. Der Tod sei eine gemeinsame Erfahrung, die zu begleiten sei. Einander nicht allein lassen in der Trauer. Sich nahe sein oder kommen.

Und dann wird es doch noch f4röhlich, und ich lache laut:

"Je nach Wunsch legen wir Holzspäne in den Sarg, Heu, Blätter oder Maiskörner, die im Verbrennungsofen zu Popcorn werden."

Freitag, 5. Juni 2026

Heute habe ich meinen Pullover spazieren geführt

 Mein bunter, bunter selbstgestrickter Pullover ist gerade richtig gross und gerade warm genug für einen kühlen Frühsommertag. Einziger Fehler: Ich habe blaue und rosa Mohairwolle eingearbeitet. Der feine Flaum "chrüselet" (kitzelt) mich die ganze Zeit ein wenig. - "Das biisst!" haben wir als Kinder gemault. Aber ich habe meinen Pullover heute stolz spazieren geführt.


Zwei Velofahrer am Rotlicht. Ein Junger und ein älterer. - Der ältere hat mich angeschaut und mir richtig wohltuend zugelächelt. Mein Pullover!

Donnerstag, 4. Juni 2026

Mein Traumhäuschen an der Hammerstrasse

 Es war schon immer mein Traumhäuschen, auch als es noch alt und gemütlich aussah. Dann wurde es umgebaut, und ich befürchtete das Schlimmste. Aber nein, es wurde noch schöner. Und lebendiger. 

Am Gartenzaun hängen Abstimmungsfahnen, die mir entsprechen. Das Häuschen ist dreiviertel hoch terracotta-braun. Der obere Drittel ist helles Holz. Auf dem Dach sind Solarpanels. Die Fensterläden sind smaragdgrün. Es gibt hinten hinaus eine Terrasse, unter der Kinder spielen können. An den Fenstern kleben Zeichnungen von Kindern. Vor der Haustüre gibt es Velos in verschiedenen Grössen und Farben.

Der Garten ist wild.

Träume ich davon, gerade so ein Häuschen zu besitzen? - Nein, es genügt mir, es aus dem Bus in die Stadt immer wieder zu bestaunen!

Mittwoch, 3. Juni 2026

Es muss eine Laufente sein

 Seit einiger Zeit gehe ich nicht gern einfach so spazieren mitten in der Woche. Als hätte ich nichts zu tun. Als wäre ich Rentnerin. (hihi) Als hätte ich immer Ferien. - Wenn aber etwas zu holen oder zu bringen ist, dann bin ich dabei.

Heute haben wir den Plastikabfall wieder nach Elsau gebracht. Die Sammelstelle in Winterthur ist leider aufgehoben. Wir also mit zwei vollen Säcken per Postauto an die Pestalozzi-Strasse. Zu Fuss die Treppe mit den blöden, breiten Stufen hinunter und weiter zur Abfallsammelstelle. Dann zu Fuss eine Stunde heimwärts.

Reto spannte den Regenschirm mal auf, mal klappte er ihn zu. Ich liess mich mit Wonne kühl berieseln. Aber die tiefschwarzen Wolken liessen auch mich Starkregen befürchten. Ob der Wind, der Wind auf unserer Seite war und die Wolken bewegte? Von uns weg bewegte? - Er tat es.

Trotz dräuendem Unwetter schauten wir unterwegs zwei Amseln zu, die am Ufer der Eulach ein ausgiebiges Bad nahmen. So ein fröhliches Geplantsche! Hinter ihnen stand hoch aufgerichtet eine Ente, als würde sie die Amseln bewachen.

Eine Stockente? Aber sie hat so einen langen Hals! Menschen haben doch auch unterschiedlich lange Hälse. Eine Laufente? Aber ausserhalb eines Gartens. War sie entwichen? War es doch eine Wildente? - Nachschlagen zu Hause ergab: Es muss eine Laufente sein.

Dienstag, 2. Juni 2026

Das Museum der Erinnerungen

Dirk Gieselmann hat sich im "Tagi-Magi" Nummer 8 von diesem Jahr Gedanken über das Erinnern gemacht. Er schreibt: 

"Ich gehe in die Vergangenheit hinein wie in ein kühles Museum an einem heissen  Nachmittag und besichtige die Exponate der Erinnerung."  

Und dann sieht er. - Er sieht seine Bilder der Vergangenheit. Er schwelgt geradezu in diesen Bildern.

 Man/frau darf sich ja vor Augen führen, was gerade passt, wohin gerade die Sehnsucht führt. Und dann ist alles wieder Gegenwart. Ich bin auf der Leiter, die mein Grossvater an den "Chriesibaum" (Kirschbaum) gestellt hat. Die "Chriesi" sind sonnenwarm und so süss. Der Chriesisaft läuft mir übers Kinn.

Oder ich erklettere die Eiche am Grubenrand, setze mich in die Astgabel und verschwinde in meinem Buch, das ich mitgebracht habe. 

Aber auch bin ich mit meinen SchülerInnen im Wald, im schönen kühlen Wald, weil unser Schulzimmer unter dem Dach viel zu heiss ist heute.

Ich segne im Urner Oberland die Kühe von Hans; Reto trägt den Weihwasserkübel. Hätte ich mir nie träumen lassen, so etwas Urchiges zu tun. Aber es tut wohl bis in die Zehenspitzen.

Welches ist das kostbarste Exponat in meinem Museum der Erinnerung? - Gewiss und auf Ehr, das behalte ich für mich.