Dienstag, 30. Juni 2026

Blauer Becher aus Dänemark

Ich will seit Tagen Minze ansetzen für Pfefferminzsirup. Der vom letzten Jahr reicht nur noch für drei, vier Becher. Wenn mir pures Wasser aus den Ohren tropft (ich meine, verleidet ist) , labe ich mich gern an einem  "Münzesirup". Er muss nicht erst gekocht werden wie Tee. Er steht immer bereit im Kühlschrank. Er ist erfrischend und belebt. Besonders, wenn ich ihn aus einem hellblauen Becher trinke.

Den blauen Becher habe ich letztes Jahr in Dänemark gekauft. Der Sommer war nicht so heiss damals. Das Meerwasser ziemlich kühl. Abends wehten meine Haare im Wind. - Nein, konnten sie nicht, weil sie sehr kurz waren. Aber die Vorstellung, dass meine Haare im Wind wehen, tut mir gerade gut. 

Ich muss mir heute Sachen vorstellen, die mir gut tun. Sonst werde ich hässig, weil mir so unangenehm heiss ist. Zum Beispiel Farben: Türkis, hellblau. Zum Beispiel Orte: Arosa am Tag, als ich meine gute Note für eine grosse Arbeit bekam. Vor unserem Holzhäuschen in der Toskana frühmorgens Ende Oktober. Zum Beispiel Gerüche: Saftige Aprikosen in Israel. Heuernte bei den Grosseltern. ...

Morgen  setze ich Minze an.

Montag, 29. Juni 2026

Menü auslosen

 Unsere beiden Mädels kommen nach den Sommerferien nur noch selten zu uns zum Essen. Am nächsten Montag ist zum letzten Mal ein reguläres Essen. Ich habe ihnen heute eine Aufgabe gegeben: Überlegt, was ihr aus meinem Kochrepertoire gern nochmals geniessen würdet. Einigt euch auf einen Hauptgang und ein Dessert.

Ihnen kamen - zu meiner Freude - ganz viele Menüs in den Sinn, die sie gern hätten. Sie konnten sich nicht festlegen und schrieben Zettelchen, die sie wie Lose falteten. Nach bestimmten Regeln wurde am Esstisch ausgelost, was es geben sollte. Reto und ich durften mitmischeln. Am Schluss wurden alle gefragt, ob sie einverstanden seien.

Heraus kam: TRARA! (Tusch)

BURGERS NACH ESTHER-ART

MOUSSE AU CHOCOLAT NACH RETO-ART

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute. 

Samstag, 27. Juni 2026

Wohlgetan

 Gestern haben wir unseren persönlichen Hitzetest bestanden. Wir sind mit ÖV nach Seelisberg gefahren, um einen Tag mit Freund und Freundin zu geniessen. Wie im Mittelmeerraum (und anderswo) haben wir vier eine Siesta im Schatten abgehalten, ehe wir zum Kaffee wieder zusammenkamen. Aus allen Winkeln des Hauses. Haben uns erzählt, was wir geträumt haben. Im Schlaf oder Halbschlaf. 

Wir haben ständig getrunken, aber für einmal wenig Weisswein, dafür viel Wasser und Tee. Und wir haben uns unterwegs mit Wasser aus Monis Geschenk-Sprühfläschli beregnet. Im Zug sogar ein nasses Tuch in den Nacken gelegt. Wobei Zug - viel angenehmer als in früheren Zeiten. Gut aushaltbar.

Heute nun ist Reto schon wieder auf grosser Reise: Kirchenchorausflug mit dem Car. Ich bin gespannt, was er erzählen wird.

Ich selber hätte überhaupt keine Zeit für einen weiteren Tagesausflug gehabt. Eine muss ja den Garten wässern, die Raupen hirten, den Sonntagszopf backen, viele Früchte einkaufen, den Menüplan für morgen und Montag ausdenken, die Zutaten posten, Geschirr von gestern und heute abwaschen, alles wieder in Ordnung bringen, denn etwas tun bringt Unordnung. 

Jetzt ist es Samstag um siebzehn Uhr. Ich habe getan; es ist wohlgetan.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso! 


Mittwoch, 24. Juni 2026

Heute-Wörter

 Wir hatten freundlichen Besuch oder Besuch von Freundin und Freund. Unsere Gespräche berührten 1000 Themen. Wörter daraus:

  • Höhlenspinne
  • Nebelflüchtige
  • Morgendbad
  • Kartoffelsalat
  • Waldhorn
  • Hebräischprüfung
  • Vermieteringlück
  • Teguechse
  • Irlandkleid
  • Violinschenkung
Aus jedem Wort lässt sich eine Geschichte spinnen...

Dienstag, 23. Juni 2026

Zahl des Tages: Dreihundertfünfzig

 Ich habe Wasser in den Garten getragen. Unsere Spritzkanne ist grüner Plastik und fasst zehn Liter. Ich habe unseren Pflanzen 35 Kannen voll Wasser gegeben. Viele Insekten sind gekommen und haben sich auch bedient am Segen. Die angriffige "Rossbräme" (Pferdebremse) hat meinen Kopf nur kurz umflogen; ich musste diesmal nicht flüchten.

Habe ich etwas zurück bekommen? - Zum Beispiel die gelbe, grosse Kürbisblüte, die über Nacht aufgegangen ist. Auch die Schokoladeblume hat eine neue Blüte. Ausserdem habe ich den Mauerseglern hoch in der Luft bei ihrem harmonischen Flug zugeschaut. Der Milan kreiste über uns, und ich riet unserem alten Kater, sich vorzusehen. In der Nähe hörte ich einen Girlitz, dessen Stimme mir Freund Sepp kürzlich aufgezeigt hat.

Als ich ins Haus zurück ging, war ich nicht etwa erfrischt sondern durchgeschwitzt. Zu den 350 Litern Wasser kommt noch ein Liter, den ich zu einer Ganzwaschung benötigt habe.