Montag, 4. Mai 2026

Wer sitzt neben wem

Die Frühlingsferien sind vorbei, und wir haben das Vergnügen, unsere beiden Mädels wieder am Tisch zu haben. Heute zu Country Potatoes, Salat und Cipollatas. Kennen sie, mögen sie. Bleiben nur zwei Wurstzipfelchen im Teller. - Das grosse Thema am Tisch ist die neue Sitzordnung in der Schule. "Gäng wie gäng" nach den Ferien werden die Schüler*innen neu platziert von den Lehrkräften. Uahh, schon wieder neben S.! - Was ist denn falsch an ihm? - Ach, er ist ein Knabe. Das reicht, um falsch zu sein. Und dann wird erörtert, wie man mit der Freundin wenigstens Sichtkontakt aufnehmen kann. Wenigstens das! - Schlimm, wenn man gerade vor dem Lehrerpult sitzen muss! Da kann man ja gar keinen Blödsinn machen...

Wer sitzt neben wem? - Kennen doch auch wir Erwachsenen. Zum Beispiel an einem Fest: Bitte nicht neben dem schmatzenden Grossvater! Meine beiden Grossväter haben geschmatzt. Und bitte nicht neben der Tante, die immer ihren Löffel in mein Dessert versenkt hat! Auch nicht neben dem Onkel, der politisch unkorrekt war. Und neben niemandem, der/die langweilig war. Und nicht neben einem, der versuchte seinen Fuss unter dem Tisch auf meinen zu stellen. - Neben wem also?

Und hallo, wer mochte sich neben mich setzen?

Sonntag, 3. Mai 2026

Die Saison ist eröffnet

 Wir lieben es, am Sonntag einen Apéro unter den Bäumen beim Schloss Hegi zu geniessen. Den ganzen langen Winter mussten wir darben und warten. Jetzt ist die Schenke am Wochenende wieder geöffnet. Heute waren wir dort. Zwei Glas Hegemer Weisswein, zwei Päckli Paprika-Pommes-Chips und ein  interessantes älteres Paar am gleichen Holztisch. Schön war es, und fein waren später die Ostschweizer Spargeln zu Hause. Auch wenn...Auch wenn die Sauce Hollandaise nicht gelungen ist. Diesmal. - Nächstes Mal kommt sie wieder gut. Das Rezept ist genauer zu befolgen. Ein Esslöffel Wasser ist nicht zwei. Und die Hitze des Wasserbads, das weiss man doch, darf nicht zu hoch sein. Weiss man doch!

Samstag, 2. Mai 2026

Schwarze Fingernägel

Nein, ich habe sie nicht lackiert, meine Fingernägel. Ich habe nur echli im Garten gearbeitet. Ein wenig in der Erde gebuddelt. Für Kaya ein Stöcklein Cherry-Tomaten gesetzt. Das schon ein paar reife Früchtchen (oder Gemüserchen?) hat. Ich habe eines geschnaust; die Grossmutter muss doch wissen, was sie der Enkelin vorsetzt. Fein tomatig und süss! Aber eben, ich habe schwarze Fingernägel. Und die habe ich immer wieder oder fast ständig in der Gartenzeit. - Übrigens hat besagte Enkelin türkisfarbene Fingernägel. Sie buddelt auch kaum mehr in der Erde. Keine Zeit. Die Siebnerbande ruft. (Sieben Mädels, die von der wenigen Freizeit viel miteinander verbringen.)


Freitag, 1. Mai 2026

Wer sind Nitsch, Lorenz und Kira?

 Gestern verbrachten wir einen fabelhaften Tag mit unserer Enkelin im Freilichtmuseum Ballenberg. Oh, so viele Eindrücke und am Abend so viel Gedrücke in meinem Magen von all dem Guten, das wir uns gegönnt hatten.

Wir hatten so viel Glück mit dem Wetter. "Nicht zu heiss und nicht zu kalt, gerade richtig." sagte Kaya. Zwar gingen die Grosseltern nicht so leichtfüssig über Stock und Stein wie die Enkelin, aber es genügte allemal, um viel Spass zu haben.

Wir haben beim Käse-Machen zugeschaut und beim Töpfern. Hat der interessante Töpfer mit seinen langen Haaren und dem markanten Schnauz doch so feines Geschirr für die Puppenstube hergestellt. Er hat erzählt, dass in früheren Jahren die Wanderverkäufer von Töpferwaren eine Musterkollektion von Mini-Geschirr bei sich hatten. Die "echten" Tassen und Töpfe konnte man dann bestellen.

Das absolute Highlight des Tages aber war die Planwagenfahrt mit Kutscher Ivo. Ich war so total glücklich, als Kaya auf dem Kutschbock die Zügel selbst in die Hände nehmen durfte. Und Hund Kira leckte ihr die Hände zur Unterstützung. Die beiden Pferde Nitsch und Lorenz gingen mehr links oder mehr rechts, wie Kaya das wollte. Grossartig!



Mittwoch, 29. April 2026

Dieses Gleichzeitige

 Am Morgen wollte ich den Garten giessen. Aber da hat es geregnet. Jedenfalls fünf Minuten, und nach weiteren fünf Minuten war alles wieder trocken; ich goss Kanne um Kanne.

Jetzt ist schon vier Uhr nachmittags. Gerade war ich wieder im Garten. Noch den Gout des Glacestengels im Mund. Unter den Füssen das sonnenwarme Gras. Weich und warm. Am Hals die ersten zwei Mückenstiche, die jucken. In den Ohren die ganzen Autos auf der Strasse hinter dem Gartenhag. Und zum Glück höre ich auch ein Insektensummen. Die Wespe ist es nicht, die gerade gefährlich nahe an mir vorbei kurvt. Warum sind die kleinen Wildbienen so hektisch, die ich mir anschauen möchte. Letztes Jahr waren sie noch nicht bei uns. Das grüne Flecklein auf der Skabiose ist wirklich ein Heugümperchen. So winzig klein noch. 

Beim Schauen bin ich froh, dass ich am Morgen gegossen habe. Das soll all dem Grün gut tun, dem ich fast beim Wachsen zuschauen kann. 

Dienstag, 28. April 2026

Schaumzikaden an meinem Estragon im Garten

 Ich habe ein Riesenbuch über Insekten. Achtunddreissig Zentimeter hoch, achtundzwanzig breit. Wirklich riesig und manchmal echli gruselig. Wenn zum Beispiel eine Kopflaus zwanzig Zentimeter breit gezeigt wird. Aber ein Buch, das ich immer wieder anschaue:


In meinem Buch ist auch die Schaumzikade vergrössert gezeigt. Zwei Schaumkügelchen sind an meinem Estragon. Der Schaum werde auch Kuckucksspeichel genannt, steht in meinem Buch. Und in diesem Schaum wachsen die Nachkommen, schön feucht und gut versteckt. Hier die Abbildung dazu aus meinem Buch:


Die erwachsenen Zikaden sind so braune, kleine Hüpfdinger, die ich schon oft gesehen habe, aber nie mit dem Schaum in Verbindung gebracht habe. Ich mag es sehr, sehr, immer wieder Neues zu lernen. Zusammenhänge zu erkennen. Zu staunen, was es doch alles gibt.


Montag, 27. April 2026

Capuns zum Ersten

 Krautstiel oder Mangold - scheint dasselbe zu sein! Jedenfalls ist Reto mit Mangold aufgewachsen und ich mit Krautstiel. Ich liebte sie nicht, diese erdigen, faserigen, in Stücke geschnittenen Stiele an weisser Sauce. Ich glaube, die Blätter haben wir nicht gegessen, bin aber nicht sicher.

Seit ein paar Jahren pflanzen wir in unserem Gärtchen das Gemüse an, um dann Capuns zu kochen. Das ist eine Bündner Spezialität: Krautstielblätter kurz blanchieren, auslegen auf Küchentuch, einen Löffel Spätzliteig angereichert mit gebratenen Speckwürfeli darauf geben, Päckli machen, in Bouillon köcheln, mit Sieb herausheben, darüber Reibkäse und gedünstete ZwiebelKnoblauchButter. Mmmmhhhh!

Heute war es so weit! Die ersten Capuns in dieser Saison. So wunderbar gewachsene, hellgrüne, zarte Krautstielchen, bereit zum Ernten. Nur wenige Frasslöcher von Schnecklein, die auch noch wachsen werden. Die Ersten sind die Besten! (Capuns, nicht Schnecken!)