Donnerstag, 16. April 2026

In die Stadt

Wir wohnen in Winterthur, und das ist eine Stadt mit über 100000 Menschen. Eine Stadt! Aber ich sage: "Heute gehe ich in die Stadt und treffe eine Freundin." - Oder ich sage: "Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer." - Oder: "Ich muss in die Stadt, weil ich meine Zahntabs nur in der Stadt bekomme."

Wohne ich also nicht in der Stadt Winterthur? Wo dann? - Ich wohne im Stadtteil Oberwinterthur. Oder viel besser: Ich wohne an der Hegifeldstrasse. Da bin ich zu Hause. Da kenne ich etliche Nachbarinnen und Nachbarn. Ich weiss, wie lange der "Spazier" um den Park dauert. Ich kenne mich aus. Ich komme gern zurück in "mein" Haus, in unsere Wohnung.

In die Stadt zu gehen, bedeutet, einen Ausflug zu machen. - Welchen Bus nehme ich oder doch den Zug? Welche Einkäufe tätige ich? Reicht es für einen Kaffee? - Manchmal gehe ich gern in die Stadt, manchmal aber muss es einfach sein. Zahnarzt, Augenärztin, Kleider. - Heute ging ich gern in die Stadt; ich traf eine Freundin zum Kaffee.

 

Mittwoch, 15. April 2026

Ich kann es einfach nicht

In meinem einen Kasten gibt es eine Bananenschachtel. Sie ist voller Material zum Basteln. Ich habe es gesammelt und sammle (leider!) immer noch, um mit den Mädels zu basteln. Aber die Mädels sind gross geworden und haben gar keine Zeit mehr zum Mäusehäuser einrichten und Versteckzwerge bezipfeln. Beginnt Kaya zu lismen, muss sie nach zwei Nadeln gewiss schon wieder in die Schule. Wie soll da je ein Schal fertig werden. Und wie soll da je mein gesammeltes Material verbraucht werden.

Material tönt gut. Zu gut. - Sicher, es gibt kostbare Perlen zum Auffädeln. Es gibt Lederstücke und Fellresten. Und die Kulleraugen zum Aufkleben bringen mich zum Lachen. - Aber es landet auch jedes leere Röllchen von Klebestreifen und Nähfäden in der Bananenschachtel. Sogar die Netzchen von den Zitronen sammle ich. Und, und, und...

Heute habe ich selbst gebastelt. Weil es Spass macht, und weil hoffentlich viel Material verschwindet. - Drei leere Holzfadenspulen, ein Klebestreifenröllchen, zwei Steine, zwei Quadratzentimeter gelben Karton, vierzehn Kulleraugen und viel Leim habe ich verbraucht. - Vierzehn Kulleraugen, das ist gut! Hihi, haha...

Dienstag, 14. April 2026

Reto und ich an einem Regenwettertag

An meinem Pult lässt sich nicht nur schreiben sondern auch flicken. Ein Paar Hosen von Reto. Heruntergerissene Säume. Fadenfarbe hellgelb. Gut gegen das Sch....wetter. Aber meine Hosen in hellbeige lassen sich nicht mehr flicken. Dabei sind sie so bequem. Oh, oh, oh. Leiser Jammer nur für mich.

Dann ein Knall und ein Fluch, und unsere Küche ist überall mit Teig besprenkelt! Am Boden ganze Pflatsche, an der Wand Teig da und Teig dort auf zwei Metern Länge und ganzer Höhe. Und Reto mitten drin am laut Schimpfen. Ist aber auch wahr, so eine Sauerei, wo er doch voll Hingabe Bretzeli machen wollte.

Geknallt hat es, weil der eine Quirl auseinander geborsten ist. Der "Cheib"! Von meinem Mixer! Aber hallo! - Miteinander putzen wir die Küche. Trifft sich doch gut, dass ich die Wand gerade heute Morgen geschrubbt hatte!?! 

Reto und ich beide zurück auf Feld sowieso: Ich muss auf neue Hosen los, Reto auf einen neuen Quirl. Meine Mutter würde sagen: "Gschääch nüt Schlimmers!" 



Montag, 13. April 2026

Muschelkalk

 Muschelkalk ist ein guter Dünger. Ausserdem kann man die vielen, vielen Muscheln, die frau im Laufe des Lebens gesammelt hat, nützlich "entsorgen". Aber! Ganz können sie nicht auf die Gartenbeete. Und sie sind hart. Mit Mörsern geht da gar nichts, ausser, dass Hand und Arm schmerzen. 

Reto und ich haben etwas ausgedacht und dann die Mädels nach dem Essen die Arbeit machen lassen: Ein grosses, altes Badetuch auf den Rasen, ein dickes Brett darauf, zwei "Hampfele" (Hände voll) Muscheln auf das Holz, ein altes Küchentuch darüber und je ein Hammer für die Mädels. 

Sie haben gehämmert, total fleissig und heftig. Die Muscheln sind zertrümmert worden und beim Weiterhämmern immer kleiner geworden. Richtig brauchbar als Dünger. Etwa ein Drittel ist getan. Morgen geht es weiter. Es macht sogar Spass, mit dem Hammer drein zu schlagen; ich habe es auch ausprobiert. Nur das Knien! Das Knien kann ich nicht so lange wie die jungen Damen!

Samstag, 11. April 2026

Frau Nachbarin hat es auch erwischt

 Das Gartenvirus greift um sich. Ich habe Löwenzahnknospen gepflückt, um sie als Kapern einzulegen. Zwölf Gisegeiseli (Gänseblümchen) liegen zum Trocknen aus. Der Gundermann hat auch hübsche Blüten (für den Winter). - Frau Nachbarin hat Zwiebeln gesteckt und Salat gesetzt. Sie beklagt sich ein bisschen über das Unkraut, dem ich Beikraut sage. Die Oma trägt Gartenhandschuhe. - Ich schnappe mir jetzt das geliebte Buch von Gisula Tscharner, "Hexentrank und Wiesenschmaus". Über den Winter vergesse ich immer, wie genau ich meine Löwenzahnknospen verarbeiten muss/darf. An die Arbeit!

Freitag, 10. April 2026

Retablieren

 Ich habe lange ein anderes Wort für diese Tätigkeit gesucht, aber nicht gefunden. Retablieren heisst, alles wieder in Ordnung bringen, an seinen Platz zurück stellen. (Leider wird das Wort vor allem militärisch gebraucht.) - Ich retabliere in Bezug auf gestern: Rucksack leeren, Trinkflaschen versorgen, Geld zählen, das bleibt. 

Wenn retabliert ist, noch ein bisschen "umechnuuschte". Mein Kleiderkasten steht offen. Ich habe den Boden ausgeräumt, sauber gewischt und meine wollenen Socken gezählt. Ich habe alte Lavendelsäckli aussortiert und an feinen Seifen "gschmöckt", die zwischen den "glismeten" Jacken liegen. Jetzt bleibt für heute noch das Flicken einer Hose. 

Bald beginnt das Wochenende; ich liebe es.


Donnerstag, 9. April 2026

Mutprobe

 Schon sehr, sehr, sehr lange war ich nie mehr einen ganzen Tag allein unterwegs. Und schon gar nicht allein in den Ferien, was ich vor Zeiten ab und zu gemacht habe. Ich wollte wissen, ob ich das noch kann, allein wandern gehen. Wollte wissen, wie sich das anfühlt.

Ich bin nach Hause zurück gekehrt nach meinem Wandertag am Hallwilersee. Es fühlt sich grossartig an. Ich habe mir ja den schönsten Frühlingstag ausgesucht. Am Hallwilersee blühen nicht nur die Kirschbäume, die Birnbäume stehen auch im vollen Blust, und die ersten Apfelbäume lassen rosa angehauchte Blüten erkennen. Ich habe eine Nachtigall zuerst gehört, dann auch gesehen. Zwei Störche kreisten hoch am blauen Himmel. Und die zehn Zentimeter lange rotorange Raupe heisst Weidenbohrer. 

Ich habe Käse von Boniswil heim gebracht und einen Chardonnay vom Weingut Lindenmann in Seengen. Ganz nahe von Boniswil. 

Ich bin eine Stunde gewandert von Beinwil nach Birrwil. Nach einer Glace- und Pinkelpausen bin ich weitergewandert nach Boniswil. Nochmals eine Stunde. Jetzt bin ich glücklich und zufrieden und voller Sonne und Vogelgesang.



PS. Ich habe die Tiere nicht aufgefuttert; ich war das nicht!