Donnerstag, 8. Oktober 2026

Das halbe Suppenhuhn schaut frech aus der Pfanne

 Endlich, endlich regnet es, und wir tun all die Arbeiten, die ein häusliches Gefühl geben: Medikamente sichten, ausmisten; Erdbeerkonfi kochen aus nur 121 Gramm Früchten, Sommerausbeute; Tiefkühlfach abtauen, putzen, wieder einräumen. Dabei das halbe Suppenhuhn finden. Tanja Grandits Rezept hervorsuchen. Gemüse rüsten und schnippeln.

Das Suppenhuhn will nicht in die Pfanne passen, aber nur am Anfang. Später wird es biegsamer und ergibt sich. Vielleicht freut es sich ja, dass wir es loben werden, wenn es stückweise auf unseren Tellern liegt. 

Ethnobiologe Wolf Dieter Storl jedenfalls ist der Meinung, dass Gemüse und Früchte nur darauf warten, dass wir sie geniessen. Es ist ihre Lebensaufgabe, uns und diversen Tieren als Nahrung zu dienen. Was sagt das Huhn dazu? Gaagagagagagaagg!



Montag, 5. Oktober 2026

Unerwartet

Heute Morgen habe ich frohgemut  im Garten überall gegossen, wo es nötig war. Eine Viertelstunde später hat sich eine einzige dunkle Wolke über uns entleert. Starkregenartig.

Plötzlich springt Reto auf. Voll freudig: Ein Aurora-Falter erweist uns die Ehre.

Ich will vom neuen Kräutersalz über die Spiegeleier streuen. Zuerst das kleine Teil eindrücken, damit überhaupt etwas heraus rieselt. Aber oha, lätz, es lupft die oberste Plastikscheibe, und statt rieseln tut es platschen. Viel Dillsalz auf wenig Eiern.

Die beiden neuen Nachbarskatzen, die wir Alice und Ellen getauft haben, sind Brüder. Nix Kessler-Zwillinge!

Der aussen schöne Cox-orange-Apfel ist innen ganz und gar faulbraun. Wääähhhh!

Ich räume etwas auf bei den Puppen-Sachen der Mädels, die nie, nie mehr "bäbelen" werden, weil sie jetzt Teenies sind. Da fällt mir eine fast volle Tube "Fudi-Salbe" in die Hände. Ja, die haben sie den Bäbis ans Hinterteil gestrichen. Aber jetzt?

Sonntag, 4. Oktober 2026

"Calle Malaga"

 Die marokkanische Regisseurin Maryam Touzani hat mit ihrem Film "Calle Malaga" eine "Ode an das Altsein" gestaltet, wie ich in einer alten "Annabelle" las, die mir zufällig in die Finger kam. Ich habe den Film leider nicht gesehen, aber ein Interview mit der Regisseurin gelesen, das mich neu auf den Weg schickt. Dafür sei es nie zu spät.

Ich zitiere meine "Wegweisung" aus der Annabelle Nummer 3/2026:

"Für mich ist das Leben ein konstanter Neubeginn. Solange man atmet, gibt es nicht einen Moment, in dem es zu spät wäre für ein neues Kapitel. Erst wenn das Herz aufhört zu schlagen, ist es endgültig vorbei - bis dahin kann man sich immer wieder neu erfinden. Es ist ein grosses Privileg, alt zu werden. Wir verstecken unsere Falten, weil wir sie nicht ästhetisch finden, dabei sind sie ein Beweis für das Leben, das wir gelebt haben. Ich bin überzeugt davon, dass Altern eine Kraft, ja befreiend sein kann."

Auf geht es zu einem neuen Kapitel...

Samstag, 3. Oktober 2026

Katzenfilmchen seien angesagt...

Ich schaue keine Katzenfilmchen, aber viele Leute tun es. Wir brauchen sie nicht, weil wir Katzengaudi live erleben. Alice und Ellen, die Kessler-Zwillings-Katzen, die ich kürzlich vorgestellt habe, wagen sich unterdessen weg von ihrer Hauswand. Wir waren heute draussen am Mittagessen, als die beiden immer näher kamen. Zuerst trinken an unserem Wasserfass, ein bisschen herumschnuppern, aber dann: Kletterübungen am Holunderstrauch.

Der mutigeren Katze sagen wir Alice. Sie macht alles vor, und Ellen ahmt sie nach. Klettern zu zweit auf einem einzigen Holunderstrauch. Da kommt man sich immer wieder in die Quere. Und weil das Klettern erst geübt wird, entstehen abenteuerliche Sprünge, Drehungen, fast Überschläge beim Absteigen. Die Spatzen, die der Grund für die Kletterei waren, sind längst alle weggeflogen. "Leider" ist weder Alice noch Ellen im Wasser gelandet. Viel hätte nicht gefehlt.

Als der kleine Mio-Kater noch dazu kam, hat sich Ellen an die Hauswand zurückgezogen. Unsere Teller waren längst leer, aber wir sassen und schauten gebannt den Annäherungsversuchen von Mio und Alice zu. Sie lagen sich gegenüber im Abstand von einem Meter. Beide rückten immer mal ein bisschen vor, bis endlich der viel kleinere Mio einen Scheinangriff auf Alice machte. Was diese bewog, sich zu Ellen an die Hauswand zurückzuziehen. - Wir trugen unsere Teller in die Küche. Fortsetzung folgt bestimmt. 

Freitag, 2. Oktober 2026

Ausflug auf den Wochenmarkt

Der Wochenmarkt in Winterthurs Steinberggasse ein Ausflug? Ist doch immer das gleiche. - Genau dies stimmt überhaupt nicht; es ist nie das gleiche wie ein letztes Mal. Es ist immer neu und faszinierend.

Heute waren sehr viele Leute mit uns auf dem Markt. Ein Gewusel von Menschen, Kinderwagen, Hunden, unserem Surprise-Verkäufer, Bekannten und Unbekannten. Die Seniorinnen und Senioren nahmen viel Raum ein. Die haben unendlich viel Zeit am Käsestand: "Einen milden Ziegenkäse, bitte!" - "Ist der aber auch wirklich mild?" - Der Mann darf probieren und entscheidet sich für einen - nein, für zwei oder aber gerade ein halbes Mutschli. - Die Frau daneben wählt  und wählt nicht. Die Käserin sieht müde aus oder genervt? Dann schafft es die alte Frau doch noch: "Ja, von diesem, aber nur einen Zentimeter breit."

Ich will unbedingt frischen Ingwer kaufen mit Stängel und Blättern. Aber da ist wieder so ein Alter mit schwarzer Lederjacke und Rucksäckli, der von fast allem eine Handvoll will. Läck, wir anderen stehen und warten, und die junge Frau mit Kinderwagen kommt nicht aus der engen Verkaufsgasse raus. Aber ich bekomme meine Ingwer-Stängel.

Als wir die Rucksäcke voll haben und dazu Stofftaschen in den Händen, wenden wir uns dem "Graben" zu. Dort gibt es Kaffee. Der neue Kellner mit dem schwarzen Hut ist schon viel sicherer im Bedienen: "Ja, gern, kommt sofort!"

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Die Kessler Zwillinge

 Reto hat ihnen den Namen gegeben: Die zwei neuen Katzen von gegenüber heissen für uns Kessler Zwillinge. Es sind zwei identische Tigerkatzen, die jeweils morgens an der Hauswand vis-à-vis sitzen und zu uns hinüber starren. 

Ich sitze am Esstisch und die Kessler Zwillinge starren mich an. Ich tue nichts Bedeutendes, aber sie starren. Sie sitzen so unbeweglich, dass man meinen könnte, es handle sich um Sphinxen, welche ägyptische Statuen wären. 

Guckst du hinüber, sie gucken zurück. Guckst du wieder, sind sie weg. Wohin? Wem gehören sie? Können sie sich nicht benehmen wie normale Katzen, die Kessler Zwillinge?

Übrigens waren die Kessler Zwillinge zwei schöne Frauen aus Deutschland, die tanzten und sangen. 1936 geboren, 2025 gemeinsam gestorben.