Freitag, 21. August 2026

Oh, du böses Cholestrin!

 Wir haben den halben Morgen bei unserem neuen Hausarzt verbracht. Er hat sich für uns uuuuh-viel Zeit genommen und uns alles über unsere Blutwerte erklärt. Wir durften bei vergrösserter Schrift auf den grossen Computerbildschirm gucken und uns selbst überzeugen davon, dass bei beiden FAST alles gut ist. 

Das "FAST" bezieht sich auf unsere Cholestrin-Werte, die trotz Medikament erhöht sind. - "Frau Burri kocht wohl zu mollig (mein Wort), dass gleich beide dasselbe Problem haben." meinte unser Arzt mit seinem immer charmanten, wohlwollenden Lächeln. "Ich gebe Ihnen eine Chance (ausgesprochen "Tschanz")". - Und dann kam sein Vorschlag an uns: Zwei Monate selbst versuchen, die Ernährung umzustellen. Wenn es gelingt, tiptop, sonst Erhöhung der Medikamentendosis.

Wir nehmen die Challenge an. Also standen wir vorher im Coop und verglichen Fettgehalte. Also kauften wir keinen Käse, auch nicht Fett-reduzierten. Also wurde es nichts mit dem Rahm für das morgige Dessert. Es wird vegane Guetzli geben. Reto verdreht jetzt schon die Augen. Aber vielleicht finde ich kein Rezept; sicherheitshalber habe ich einen grossen Butter gekauft.

Donnerstag, 20. August 2026

Mein Ehemann...

 Reto muss heute Nachmittag zur "Denta" (Dentalhygienikerin). Ich habe zum Zmittag eine superfeine Tomatensauce zu Spaghetti gekocht. Sie ist echt röter als alle zuvor und schmackhaft wie nie. Das kommt davon, dass ich sonnenreife Tomaten aus unserem Garten verkocht habe. So fein! Aber Reto sagt: "Uuhhh, das schlimmste Essen, bevor man(n) ausgeht. Das gibt sicher Spritzer aufs Hemd!" - Ich frage einigermassen erstaunt, ob er denn nicht ein frisches Hemd anzieht, wenn er zur "Denta" geht. - "Ach, nein", sagt mein Ehemann, "das ist nicht nötig, die hat ja sowieso eine Maske vor der Nase. Die riecht nichts." - Selten so gelacht...

Mittwoch, 19. August 2026

Und immer, wenn ich in die Stadt gehe...

 Eine liebe Freundin bot an, in Winterthur einen Zwischenhalt zu machen - wir könnten uns ein Stündchen sehen. Wir trafen uns, nachdem Reto und ich zur Blutentnahme beim neuen Doktor gewesen waren. Wo ein Patient im Rollstuhl plötzlich nirgends mehr war und in jeder Ecke und hinter jeder Türe gesucht wurde. Dies nur schnell nebenbei, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

In der Stadt genoss ich die Kaffeepause mit Moni, die heute im Gegensatz zu mir noch viele Programmpunkte abzuarbeiten hat. Wir haben uns über Krakau, Töff-Ferien, Lehrperson sein...unterhalten. Auch über das Wiborada-Projekt. Vor 1100 Jahren ist die Frau aus dem Mittelalter gestorben, die sich in St. Gallen für Jahre  in einer Zelle einmauern liess. Ich verwarf die Hände und betonte, wie mir das zu katholisch sei, ich das nicht verstehen könne und wolle. Moni hat sich mit einer Ezählperformance sehr engagiert. Durch ihre intensive Beschäftigung mit Wiborada ist sie der Frau und ihrer Spiritualität näher gekommen. 

Oh, ein Plauderstündchen ist schnell vorbei, aber wenn ich schon in der Stadt bin... Ich habe meine Lieblingsläden aufgesucht und so das und jenes gekauft. Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer.

Dienstag, 18. August 2026

Ein Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit

Es ist doch gar nicht mehr so heiss wie letzte Woche. Aber meine Tochter hat am Mittagstisch heftig Luft gefächelt. Stunden später sitze ich an meinem Pult. Ich sitze! Und ich hechle wie Yumi, die Hündin. Dazu schwitze ich wie ein Schwein. Sagt man fälschlicherweise. Schweine können gar nicht schwitzen; sie haben keine Schweissdrüsen auf der Haut. Trotzdem schwitze ich wie ein Schwein. Gern würde ich auch ein wenig grunzen. Aber das alles macht sich nicht. Das Schwitzen und das Grunzen.

Schuld an meinem Zustand (und dem von vielen) ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der uralte, behauptet 70% Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der neuere, gibt nur 57% an. Ich glaube dem alten. 

Aber statt noch mehr Theorien zu wälzen, hole ich mir ein kaltes Fussbad und ein Glas Wasser. Es wird schon werden!

Montag, 17. August 2026

Es gibt keine Ausrede mehr

 Jetzt hat es geregnet. Jetzt ist es kühler geworden. Reto und ich haben ein paar Wochen lang nicht so geputzt, wie es normal wäre für uns. Zu heiss! Zu müde vor lauter Hitze! Aber heute Morgen um fünf Uhr war Donnergrollen und Regenrauschen. Unsere Nachbarinnen sind vor Freude hinaus in den Regen getanzt. Das hatte ich eigentlich auch vor, aber doch nicht morgens um fünf, wo ich meine Augen noch kaum aufbringe.

Später aber war klar: Heute putzen wir, und das haben wir auch getan. Ich bin zufrieden mit uns. Warum aber muss Reto immer so übertreiben? - Er kann es nicht beim normalen Putz belassen - nein, jetzt bearbeitet er auch noch die Fenster mit seinem tollen Fensterreinigungs-Set. Dumm daran ist, dass ich mir dann faul vorkomme. Dann muss ich laut aufzählen, dass ich aber eine Tomaten-Wähe gemacht habe, dass ich aber Kinder-CDs aussortiert habe, dass ich aber... 

Dass ich aber auch gut genug bin. 

Sonntag, 16. August 2026

Morgen beginnt wieder die Normalität

 Wenn es nur so wäre! Was ist in unserer Zeit schon normal?! - Morgen beginnt nach den langen Sommerferien wieder die Schule. Viele Erwachsene gehen nach Ferien wieder zur Arbeit. Und wir Alten putzen endlich wieder unsere Wohnung, weil wir auch "Ferien" gemacht haben.

Ob wir gern zu dem zurückkehren, was normalerweise unser Leben ausmacht, ist zweitrangig. Es gilt festzuhalten, dass uns Normalität Halt gibt. Wir wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Wir haben einen Tages- und Wochenablauf. Das bringt eine gewisse Ruhe in unser Leben. Eine Verlässlichkeit. Wir sind nicht verloren im Chaos.

Gut, wenn es Freiräume im Ablauf gibt. Sie ermöglichen Kreativität. Die Normalität wird nicht zum öden Trott. Wir können tun, was Freude macht.

Wenn wir Glück haben, sind wir in der Normalität geborgen. Wenn wir sehr viel Glück haben, ist unsere Normalität selbst gewählt.

Aber es sind Risse allüberall. Es regnet immer noch nicht. 

Freitag, 14. August 2026

Menschenscheu

 Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.

Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.

Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.