Mittwoch, 18. März 2026

Ein windiger Tag...

 Ein paarmal heute bin ich ins Gärtchen gegangen oder zum Briefkasten. Jedesmal hat mich ein kalter Wind erschaudern lassen. Aber da wir dreimal Besuch hatten, bekamen wir genug innere Wärme. "Wie ist es schön", hat Hanna gesagt, "dass wir uns schon so lange kennen und uns immer wieder gern treffen." - Wie ist es schön, dass wir Freundinnen und Freunde haben! Wie ist es schön, dass sie meine selber gemachten Likörs probieren und mit mir einig sind, dass der mit Zitrone der beste ist! Und ich den Apfel-Streusel-Kuchen von meiner Tochter sooo viel besser finde als jeden Rüeblikuchen. Ein windiger Tag, aber ein guter Tag!

Dienstag, 17. März 2026

"So zärtlich war Suleiken. Masurische Geschichten"

Ich habe schon einmal über Siegfried Lenz geschrieben. Da er genau heute 100 Jahre alt wäre, tue ich es noch einmal. Ich bin in seinem ersten Erzählband weiter gekommen und ergötze mich an den masurischen Geschichten. So viel Humor liegt da drin. Geschrieben in "volkstümlicher" Sprache und doch so treffend und kunstfertig. Über Menschen, die nicht klug wirken, aber manchmal durchtrieben. Sie wissen sich zu helfen und helfen einander gegenseitig in jeder Lage. Muss einer eine Reise tun, um in der Stadt ein "Kilochen Nägel" zu kaufen, geht er nicht allein. Er fragt den Nachbar, ob er mitkommt. Dieser fragt den Freund, der wiederum den Briefträger... - und schliesslich ist das ganze Dorf Suleiken unterwegs. An Essen haben die Frauen, die natürlich auch mitfahren, pro Familie eingepackt:

"Speck, Fladen, Salzgurken, einen Topf Kohl, getrocknete Birnen, einen Korb Eier, gebratene Fische, Zwiebeln, ein Rundbrot, ein Kaninchen."

Und was da alles passiert ist unterwegs:

"Der alte Logau verlor sein Holzbein, der Holzarbeiter Gritzan liess sich herab und sprach zwei ganze Sätze, zwei Kinder wurden geboren, man sichtete einen Auerochsen, der sich später als Kuh herausstellte, man erwarb ein Kilochen Nägel."

Übrigens liegt Masuren im heutigen Polen (ehemals Ostpreussen). Suleiken als Dorf ist erfunden. Siegfried Lenz ist 2014 in Hamburg verstorben. - Ich lese weiter...


Montag, 16. März 2026

Welche Chance - wir bekommen Nachhilfe-Unterricht

 Die beiden Mädels, die am Montag zu uns zum Mittagessen kommen, sind in eine neue Lebensphase eingetreten. Natürlich nicht gerade heute! Aber heute haben sie uns "aufgedatet", was läuft in der Schule und wo sie in der Stadt was finden.

Beide sammeln Radiergummis in allen Farben und Formen, auch mit Geruch. Die weniger edlen Gummis werden in kleine Stücke geschnitten und in der Schule während der Lektionen für Wurfattacken gebraucht. Ganz normal und alltäglich bei beiden Mädels.

In die Stadt gehen sie mit Kolleginnen und streifen durch die Läden, die coole, schöne Kleider haben oder Pflegesachen für die Schönheit oder Haarspangen oder Stifte oder eben Radiergummis.

Gern gehen sie bei "Starbucks" einen Crema-Vanille-Cappuccino trinken. In der Stadt geben sie meistens (zu) viel Geld aus. Es gibt Dinge, die MÜSSEN sie haben!

Sonntag, 15. März 2026

Viel investiert in mich

 Ich gehe den Weg, den die meisten gehen: Kind, Jugendliche Erwachsene, Alte. - Da bin ich jetzt zu meinem Erstaunen: Alt geworden. Fast 77 Jahre alt. Wie ist das bloss gekommen, und warum rast die Zeit dermassen? Gerade war noch Weihnachten, und jetzt ist bald Ostern. Am Mittwoch habe ich die letzten Sterne abmontiert von meinem Fenster und ein paar Stoffblumen gebastelt und aufgeklebt. Wann sind die Herbstblätter dran? - Nein, Sarkasmus ist nicht nötig. Ich freue mich, dass ich noch da bin und dass ich gehen und sogar tanzen kann. - Manchmal denke ich aber: Wir haben so viel in mich investiert, dass ich studieren konnte. Und jetzt? - Ich lisme am liebsten. Ich löse Sudokus. Meine theologischen Kenntnisse dienen nur noch Reto, wenn er im Kreuzworträtsel einen Propheten aus dem Alten Testament braucht. Hat sich die Investition gelohnt? Doch gelohnt? - Das Studium war ein grosses Abenteuer. Ich segelte in unbekannten Gewässern und wusste nicht, ob ich Land erreiche. - Das Studium war die Vorbedingung für die fünf Jahre im Urner Oberland. Unbeschreiblich wertvolle Jahre. Nicht einfach, aber unverzichtbar. Zu meinem Leben gehörend und prägend wie wenige andere fünf Jahre. Da habe ich zurück investiert, so gut ich konnte. Jetzt darf ich lismen.

Samstag, 14. März 2026

Flach geklopft

 Reto schaut sich jeden Werktagabend eine Kochsendung an. Ich befürchte immer, dass er eine immer höhere Messlatte an mein Kochen legt. Er selber blieb bis anhin unbeleckt von diesen Sendungen. Nur schauen, nicht nachkochen. Aber morgen Sonntag will er es versuchen. Ganz besondere Fleischvögel will er machen. Dazu braucht er GROSSE Rindsplätzli. Das hat er heute im Coop dem Metzger gesagt. Und bald begann eine unerhörte Klopferei. Der junge Metzger bearbeitete die zwei Plätzli mit einem Stössel so, dass sie die doppelte Grösse bekamen. Mindestens! Als er fertig war, machte ihm Reto ein Kompliment und sagte: "Zum Krafttraining brauchen Sie heute nicht zu gehen."

Freitag, 13. März 2026

Gar nicht schwierig

 Gestern mein Ausgang seit langem - es war einfach nur schön. Und ja, es war sehr einfach. Meine Freundin hielt am Bahnhof Ausschau nach mir. Wir beschlossen, dass wir unseren Apéro unbedingt an der Abendsonne  geniessen wollten. Also die Marktgasse hinauf, und dann fanden wir unser Plätzchen. Meine Freundin holte zwei Aperol Spritz, während ich unser Tischchen an der Sonne hütete. Anstossen und geniessen. Plaudern über Gegenwart und Vergangenheit; wir kennen uns schon lange. (Nicht so lange wie meine Beste Freundin und ich uns kennen.)

Als die Sonne hinter den Stadthäusern verschwand, zogen wir weiter. Wir waren früh dran, aber in der "Brasserie Reh" begrüsste man uns äusserst freundlich. Wir bekamen unseren Tisch und die Karte. - Im "Reh" kann man sowohl recht teuer essen, als auch recht günstig. Wir hatten beide Lust auf Quiche, einmal mit Spinat, einmal mit Speck und Käse. - Wow, waren die Teils gross! Ich konnte nicht alles essen, obwohl mir die Kombination von Spinat und Geisskäse sehr schmeckte. 

Wir liessen Dessert und Kaffee weg, weil wir pappsatt waren. Und zufrieden. Und glücklich, weil meine weit gereiste Freundin wieder da war. 

Donnerstag, 12. März 2026

In den Ausgang

 Ich gehe heute Abend in den Ausgang. Aber ich weiss gar nicht mehr, wie das geht. Zwar habe ich einen Tisch für meine Freundin und mich reserviert, aber erst um 19 Uhr. Vorher müssen wir noch um die Häuser ziehen. Wie macht man das? Wohin geht man? Was trinkt man heutzutage? - Meine ganzen Fragen zeigen nur eines: Ich war zu lange abends nicht mehr weg. Hoffentlich weiss meine Freundin mehr. Ich verlasse mich auf sie. Sie ist auch zwanzig Jahre jünger als ich.