Sonntag, 4. Oktober 2026

"Calle Malaga"

 Die marokkanische Regisseurin Maryam Touzani hat mit ihrem Film "Calle Malaga" eine "Ode an das Altsein" gestaltet, wie ich in einer alten "Annabelle" las, die mir zufällig in die Finger kam. Ich habe den Film leider nicht gesehen, aber ein Interview mit der Regisseurin gelesen, das mich neu auf den Weg schickt. Dafür sei es nie zu spät.

Ich zitiere meine "Wegweisung" aus der Annabelle Nummer 3/2026:

"Für mich ist das Leben ein konstanter Neubeginn. Solange man atmet, gibt es nicht einen Moment, in dem es zu spät wäre für ein neues Kapitel. Erst wenn das Herz aufhört zu schlagen, ist es endgültig vorbei - bis dahin kann man sich immer wieder neu erfinden. Es ist ein grosses Privileg, alt zu werden. Wir verstecken unsere Falten, weil wir sie nicht ästhetisch finden, dabei sind sie ein Beweis für das Leben, das wir gelebt haben. Ich bin überzeugt davon, dass Altern eine Kraft, ja befreiend sein kann."

Auf geht es zu einem neuen Kapitel...

Samstag, 3. Oktober 2026

Katzenfilmchen seien angesagt...

Ich schaue keine Katzenfilmchen, aber viele Leute tun es. Wir brauchen sie nicht, weil wir Katzengaudi live erleben. Alice und Ellen, die Kessler-Zwillings-Katzen, die ich kürzlich vorgestellt habe, wagen sich unterdessen weg von ihrer Hauswand. Wir waren heute draussen am Mittagessen, als die beiden immer näher kamen. Zuerst trinken an unserem Wasserfass, ein bisschen herumschnuppern, aber dann: Kletterübungen am Holunderstrauch.

Der mutigeren Katze sagen wir Alice. Sie macht alles vor, und Ellen ahmt sie nach. Klettern zu zweit auf einem einzigen Holunderstrauch. Da kommt man sich immer wieder in die Quere. Und weil das Klettern erst geübt wird, entstehen abenteuerliche Sprünge, Drehungen, fast Überschläge beim Absteigen. Die Spatzen, die der Grund für die Kletterei waren, sind längst alle weggeflogen. "Leider" ist weder Alice noch Ellen im Wasser gelandet. Viel hätte nicht gefehlt.

Als der kleine Mio-Kater noch dazu kam, hat sich Ellen an die Hauswand zurückgezogen. Unsere Teller waren längst leer, aber wir sassen und schauten gebannt den Annäherungsversuchen von Mio und Alice zu. Sie lagen sich gegenüber im Abstand von einem Meter. Beide rückten immer mal ein bisschen vor, bis endlich der viel kleinere Mio einen Scheinangriff auf Alice machte. Was diese bewog, sich zu Ellen an die Hauswand zurückzuziehen. - Wir trugen unsere Teller in die Küche. Fortsetzung folgt bestimmt. 

Freitag, 2. Oktober 2026

Ausflug auf den Wochenmarkt

Der Wochenmarkt in Winterthurs Steinberggasse ein Ausflug? Ist doch immer das gleiche. - Genau dies stimmt überhaupt nicht; es ist nie das gleiche wie ein letztes Mal. Es ist immer neu und faszinierend.

Heute waren sehr viele Leute mit uns auf dem Markt. Ein Gewusel von Menschen, Kinderwagen, Hunden, unserem Surprise-Verkäufer, Bekannten und Unbekannten. Die Seniorinnen und Senioren nahmen viel Raum ein. Die haben unendlich viel Zeit am Käsestand: "Einen milden Ziegenkäse, bitte!" - "Ist der aber auch wirklich mild?" - Der Mann darf probieren und entscheidet sich für einen - nein, für zwei oder aber gerade ein halbes Mutschli. - Die Frau daneben wählt  und wählt nicht. Die Käserin sieht müde aus oder genervt? Dann schafft es die alte Frau doch noch: "Ja, von diesem, aber nur einen Zentimeter breit."

Ich will unbedingt frischen Ingwer kaufen mit Stängel und Blättern. Aber da ist wieder so ein Alter mit schwarzer Lederjacke und Rucksäckli, der von fast allem eine Handvoll will. Läck, wir anderen stehen und warten, und die junge Frau mit Kinderwagen kommt nicht aus der engen Verkaufsgasse raus. Aber ich bekomme meine Ingwer-Stängel.

Als wir die Rucksäcke voll haben und dazu Stofftaschen in den Händen, wenden wir uns dem "Graben" zu. Dort gibt es Kaffee. Der neue Kellner mit dem schwarzen Hut ist schon viel sicherer im Bedienen: "Ja, gern, kommt sofort!"

Donnerstag, 1. Oktober 2026

Die Kessler Zwillinge

 Reto hat ihnen den Namen gegeben: Die zwei neuen Katzen von gegenüber heissen für uns Kessler Zwillinge. Es sind zwei identische Tigerkatzen, die jeweils morgens an der Hauswand vis-à-vis sitzen und zu uns hinüber starren. 

Ich sitze am Esstisch und die Kessler Zwillinge starren mich an. Ich tue nichts Bedeutendes, aber sie starren. Sie sitzen so unbeweglich, dass man meinen könnte, es handle sich um Sphinxen, welche ägyptische Statuen wären. 

Guckst du hinüber, sie gucken zurück. Guckst du wieder, sind sie weg. Wohin? Wem gehören sie? Können sie sich nicht benehmen wie normale Katzen, die Kessler Zwillinge?

Übrigens waren die Kessler Zwillinge zwei schöne Frauen aus Deutschland, die tanzten und sangen. 1936 geboren, 2025 gemeinsam gestorben.



Mittwoch, 30. September 2026

Ich lese ein Buch...

 Wen wundert es; ich lese immer mindestens ein Buch, oft mehrere gleichzeitig. Und ganz verrückt: Manche Bücher lese ich von vorn, von hinten und mittendrin. Ich lese Passagen mehrmals. Ich blättere, lese, blättere, lese - und kehre zurück zum Buchzeichen. Bei Krimis kann ich es kaum je lassen, schon bald herauszufinden, wer der Mörder oder die Mörderin ist. Wenn ich das nicht tue, stehe ich unter einer solchen Spannung, dass sie schwer erträglich ist. Kenne ich aber den Ausgang, so kann ich das Buch ganz ruhig als Ganzes lesen oder eben hin und her. Und ich kann mich allen Themen widmen, die verhandelt werden.

Jetzt gerade lese ich einen Krimi von Charlotte Link "hüst und hott" (durcheinander). Da wird zuerst eine Ferienidylle sondergleichen beschrieben. Drei Freunde verbringen alle ihre Ferien mit ihren Familien gemeinsam in einem Landhaus. Dann werden fünf von ihnen ermordet. Ganz allmählich erkennt man, dass hinter der idyllischen Fassade sich Abgründe auftun. Dass nicht ist, was es scheint zu sein.

Dienstag, 29. September 2026

Wie verschieden wir sein können, und doch!

 Ich habe in der Stadt eine Freundin getroffen. Wir haben von unseren Befürchtungen und Nicht-Befürchtungen für unsere Welt geredet. Ich mache mir dauernd Sorgen, sie sich nicht. Aber beide bemühen wir uns, sorgfältig zu leben. Wir sind verschieden, aber das ist in Ordnung. Oder?

Wir haben davon geredet, wie allein man sich manchmal, oft, sehr oft fühlt. Hinein geworfen in diese Welt. Umgeben von anderen und doch allein. Weil keine und keiner uns wirklich verstehen kann. Weil jede und jeder ver-schieden von uns ist. 

Verschieden, abgeschieden, unterschiedlich; scheiden, sich scheiden, entscheiden, bescheiden...


"Allein,

Wir sind allein,

Wir kommen und wir gehen ganz allein.

Wir mögen noch so geliebt, von

Zuneigung umgeben sein:

Die Kreuzwege des Lebens gehen wir immer

ganz allein.

Allein,

Wir sind allein, 

Wir kommen und wir gehen ganz allein."                Reinhard Mey


Und doch - es ist gut, zusammen zu sein. Miteinander zu sprechen, zu schwiegen, wie es passt. 


Montag, 28. September 2026

Und immer wieder der Gärtner

Unser Nachbar beschäftigt einen Gärtner. Einen äusserst fleissigen Gärtner. Er ist alle paar Tage am Schneiden und Mähen und Rechen. Manchmal bringt er seine Frau mit, und sie begutachten gemeinsam den Feigenbaum an der Hausecke. Wenn es viele reife Feigen hat, bekommen wir auch eine Handvoll. Der Gärtner ist nämlich mit uns zufrieden. Wir sind keine von der Sorte, die den Garten verwildern lassen. Wir pflegen den Garten, und das muss man. Nicht wie eine Hausbewohnerin, die Kartoffeln gesetzt hat - und sie nie, nie erntet. Hat sie sie vergessen? - Wir sind nicht so. Wir gehören zu den Guten  Auch wenn der Herr Gärtner nicht vergessen hat, dass ich dem lästigen Unkraut, das er samt und sonders ausreisst, "Beikraut" sage. Und dass ich sehr gern einen Garten hätte, der ein bisschen wilder, verwilderter wäre. Aber da ist ja auch noch Reto, der das alles in guten Bahnen hält.