Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso! 


Mittwoch, 24. Juni 2026

Heute-Wörter

 Wir hatten freundlichen Besuch oder Besuch von Freundin und Freund. Unsere Gespräche berührten 1000 Themen. Wörter daraus:

  • Höhlenspinne
  • Nebelflüchtige
  • Morgendbad
  • Kartoffelsalat
  • Waldhorn
  • Hebräischprüfung
  • Vermieteringlück
  • Teguechse
  • Irlandkleid
  • Violinschenkung
Aus jedem Wort lässt sich eine Geschichte spinnen...

Dienstag, 23. Juni 2026

Zahl des Tages: Dreihundertfünfzig

 Ich habe Wasser in den Garten getragen. Unsere Spritzkanne ist grüner Plastik und fasst zehn Liter. Ich habe unseren Pflanzen 35 Kannen voll Wasser gegeben. Viele Insekten sind gekommen und haben sich auch bedient am Segen. Die angriffige "Rossbräme" (Pferdebremse) hat meinen Kopf nur kurz umflogen; ich musste diesmal nicht flüchten.

Habe ich etwas zurück bekommen? - Zum Beispiel die gelbe, grosse Kürbisblüte, die über Nacht aufgegangen ist. Auch die Schokoladeblume hat eine neue Blüte. Ausserdem habe ich den Mauerseglern hoch in der Luft bei ihrem harmonischen Flug zugeschaut. Der Milan kreiste über uns, und ich riet unserem alten Kater, sich vorzusehen. In der Nähe hörte ich einen Girlitz, dessen Stimme mir Freund Sepp kürzlich aufgezeigt hat.

Als ich ins Haus zurück ging, war ich nicht etwa erfrischt sondern durchgeschwitzt. Zu den 350 Litern Wasser kommt noch ein Liter, den ich zu einer Ganzwaschung benötigt habe.

Montag, 22. Juni 2026

Ich habe es wieder getan

 Ein Buch mit 475 Seiten fertig gelesen. Von John Grisham, dem amerikanischen Schriftsteller, der nicht verwunderlich, vor allem Justizthriller schreibt. Nicht verwunderlich, weil er selber Anwalt war und das Metier also sehr gut kennt.

"Das Vermächtnis" ist in diesem Jahr deutsch herausgekommen. Sein neustes Buch?! - Der Anfang hat mich nicht begeistert; ein kleiner Anwalt will sich an einer alten Dame selbst bereichern. Alles ein bisschen mickrig, fast schmuddelig und unsympathisch. Aber dann wurde der Anwalt angeklagt, die alte Dame ermordet zu haben. Ab jetzt war ich dabei. Natürlich verrate ich den Ausgang der Geschichte nicht.

Manchmal lohnt es sich durchzuhalten. Bei Büchern und bei was sonst noch! Ich bin reicher an Erfahrung und Menschenkenntnis, weil ich den kleinen Anwalt Simon kennen gelernt habe. Er ist am Ende des Buches nicht mehr klein, sondern der Held seiner Geschichte. Wie es sich gehört!


Sonntag, 21. Juni 2026

Am Sonntagmorgen der Anruf

(Fast) jeden  Sonntagmorgen nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Ich glaube, das hat er angefangen, als ihm bewusst wurde, dass wir alt geworden sind. Er will die Zeit mit uns noch ein wenig auskosten. Und wir lieben diese Telefongespräche!

Wir wissen, dass er und sein Partner um zehn Uhr die Radio-Sendung "Persönlich" anhören wollen. Wir halbieren also unsere Sprechzeit gerecht. Fast immer jedenfalls. Mein Ehemann überbordet manchmal. Kommt zu keinem Ende, und ich stehe schon fast hinter ihm, reisse ihm fast den Hörer aus der Hand, will jetzt, bin dran! (Vielleicht sagt er dasselbe von mir.)

Manchmal hat Reto schon alles erzählt, was in der Woche war. Ich weiss nichts mehr (Neues). Aber dann erweist es sich wieder, dass mein Sohn und ich ein Thema haben, die nur uns gehört: Wir reden über Bücher. 

Stefan verkauft fünf Tage in der Woche Bücher, und er liest viele Bücher. Seit einiger Zeit in französischer oder englischer Sprache. Dafür bewundere ich ihn. - Ich bin eine Bücherfresserin. Seit ich pensioniert bin, lese ich wöchentlich mehr als ein Buch. - Mein Sohn und ich tauschen uns dann über die gelesenen Bücher aus. Wenn ich denn noch herstaggeln kann, wie meine Autoren und Titel heissen/hiessen. 

(Fast) jeden Sonntag nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Welche Freude!

Samstag, 20. Juni 2026

Mutprobe der anderen Art

 Eine beeindruckende Mutprobe ist das bangee-jumping; ich würde es niemals in Erwägung ziehen. Auch keinen Flug mit  dem Delta-Segel. Und nicht einmal einen weiteren Flug mit einem Flugzeug; drei  habe ich hinter mich gebracht. Einmal Griechenland, zweimal Chile zu meiner Freundin, die glücklicherweise wieder in der Schweiz lebt.

Für viele ist das Sprechen vor einer grösseren Anzahl Menschen eine Mutprobe. Das war es für mich sehr lange auch. Aber ich habe geübt und geübt, indem ich gepredigt habe als Theologin. Es wurde leichter mit der Zeit. Ich erinnere mich an einen Alpgottesdienst, wo es mir richtig Spass machte, mich politisch auf die Seite der Älpler und Bauern zu stellen: Der Milchpreis muss erhöht werden!!!

Vor einer halben Stunde habe ich eine ganz andere Mutprobe gemacht: Ich bin in den sehr, sehr heissen Garten gegangen und habe dafür gesorgt, dass alle drei Wasserstellen für allerlei Tiere neu befüllt wurden. Ich habe nach meinen zarten, vernachlässigten Pflänzchen geguckt, ob sie noch leben. Kurz - eine Mutprobe für eine Siebenundsiebzigjährige besteht darin, die Hitze zu bestehen und nicht in Verzweiflung zu geraten ob der Klimaerwärmung.

Freitag, 19. Juni 2026

Nein, keine Setzlinge kaufen

 Wir waren auf dem Markt und haben die Wärme gut ausgehalten. War ja auch Morgen. Aber es hatte deutlich weniger Leute als sonst am Freitag. Viele sind wohl vorsorglich zu Hause geblieben. Oder in der Badi abgetaucht.

Wir haben unseren Turnus auf dem Markt: Wir beginnen am Käsestand und kaufen Milch, Rahm, Butter und Käse, je nach Bedarf. Später begegnet uns "unser" Surprise-Verkäufer aus Eritrea. Wir mögen ihn, schwatzen ein paar Sätze mit ihm, und ich bin gespannt auf die Lektüre des neuen Heftes. Surprise ist gut gemacht, hat Themen, die mich interessieren und ist klug geschrieben. Die acht Franken pro Heft sind doppelt gut investiert. Der Verkäufer bekommt die Hälfte des Verkaufspreises.

Ich will dann unbedingt zum kleinen Hof-Stand mit dem fröhlichen Bauern. Heute haben wir Salat bei ihm gekauft. Bei Reto Meier, Permakultur-Hof, erstanden wir wieder Mönchsbart. - Ehemann Reto ist immer wild auf neue Blumen. Heute habe ich ihm abgeraten, Geld in die Hitze zu setzen. Zwei Tagetes wurden es allemal.

Im Kaffee "Alltag" genoss ich einen Caffe freddo; Reto sagte, er bleibt auch bei 40° beim Café Crème.