Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich bin zufrieden mit mir

"Glauben Sie ja nicht, dass es halt im Sommer normalerweise heiss ist; wir haben früh im Jahr eine ausserordentliche Hitze." - So fast wörtlich sprach der Meteo-Mensch gestern Abend und feuerte meine Sorgen ums Klima noch an. Heute Morgen am Radio sprach ein Bauernvertreter sehr ernst über die möglichen Folgen einer anhaltenden Hitze. Die Kartoffeln wachsen nicht mehr weiter, die Erbsen werfen die Blüten ab...Ich dachte an Hungersnöte in fernen Zeiten auch in der Schweiz. 

Aber ich hatte ja gestern beschlossen, dass zu leben ist! Auch bei Hitze. Zu leben, nicht zu verzweifeln.

So arbeitete ich zuerst eine Stunde lang im Garten. Wasser tragen. Verblühtes abschneiden. Drei vergessenen Salätchen gut zureden und sie einhüllen mit guten Kräutern. Vogelarten zählen, die ich zu Gesicht bekam. Mich freuen über die Spatzen, welche die Vogeltränke besuchen. Die Königskerze bewundern, die täglich mehrere Zentimeter in die Höhe wächst.

Dann schnappte ich mir meinen Einkaufszettel für die Stadt und wagte mich mutig hinaus und hinein in die Läden, die all meine Wünsche erfüllten. Ganzen Zettel abgearbeitet. Die Hitze noch nicht arg gefunden. Um Viertel vor zwölf Uhr war ich wieder zu Hause. Und jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir. Ich habe mich der Welt gestellt.   

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Hitzewelle beginnt

 So viel Hitze ist prognostiziert für die nächsten Tage - soll ich mir Sorgen machen? War es früher nicht auch manchmal ganz schön heiss? - Zum Beispiel beim Heuen in der Finsterthüelen. Zum Beispiel in meinem Dachschulzimmer, als ich Kleinklassen-Lehrerin war. Zum Beispiel im Zelt in südlichen Landen.

Das Leben fand damals auch statt mit Hitze. Sie gehörte einfach zum Sommer. Wir jammerten nicht, machten weiter. Tranken mehr. Stellten unsere Füsse in kaltes Wasser. Hielten die Unterarme unter den kalten Wasserstrahl. Gingen in die Badi. Und wünschten uns keineswegs den Spätherbst herbei.

Das tue ich jetzt auch: Kühlen Tee trinken und mich freuen auf die Aareschlucht. Wir haben heute Morgen eine Einladung dorthin bekommen. Zwar erst Ende Juli, aber die Vorstellung, die Erinnerung an die Aareschlucht, wo ich schon war, wo ich sein werde kühlt mich angenehm ab.

Dienstag, 16. Juni 2026

Ich bin die Hirtin

 Im Urner Oberland habe ich gelernt: sauber machen für die Tiere, füttern, hegen und pflegen, das alles heisst "hirten". Du kannst also auch dein Meerschweinchen hirten, wenn du keine Kuh hast. Und ich hirte meine Raupen. Alle zwei Tage schaue ich nach ihnen, beseitige die Kotkügelchen, entferne alten Fenchel, schneide frischen, stelle ihn in die Vase mit frischem Wasser und richte alles wieder ein und verschliesse am Ende das Rettungskistchen wieder mit Gaze.

Unterdessen haben sich zwei Raupen des Schwalbenschwanzes schon verpuppt, zwei haben sich kugelrund gefressen und zwei sind noch klein. Ich freue mich, wenn dann in zwei, drei Wochen die ersten wunderschönen Falter in den Sommer fliegen. Unterdessen giesse ich fleissig den Fenchel. Die Raupen mögen nur frischen Fenchel. (Fast wie meine Beste Freundin...)





Sonntag, 14. Juni 2026

Teenager

 Thirteen bis nineteen, dreizehn bis neunzehn - das sind die Jahre , welche die Zeit des Teenagertums bezeichnen. Die Jahre, wo es oft stürmisch zugeht im Leben der jungen Leute. Sie erleben einen körperlichen Umbau und müssen ihre Persönlichkeit entwickeln. Wer will ich sein? Wer kann ich sein?

Wir haben gestern den dreizehnten Geburtstag unserer Enkelin gefeiert. Es war (noch) wie immer: Im Garten, wo sie wohnt, trafen sich dieselben Leute wie letztes Jahr. Apèro, Feines vom Grill, Salate und Judiths berühmte Focaccia. Apfelcrumble-Kuchen mit 13 Kerzchen. Ausblasen mit einem Ausatmen. Alles (noch) wie immer.

Die Söhne von Kayas Gotti waren auch da. Wie immer. Aber einer ging bald, um seine Freundin zu treffen. Der andere blieb länger, hatte dann aber mit Kollegen abgemacht. - Siehst du, so wird es werden: Der Lebenskreis weitet sich. Beziehungen ausserhalb der Familie werden zahlreicher und wichtiger. Die Interessen verändern sich. Mädchen im Teenager-Alter würden ihren "Style" entwickeln, habe ich gelesen. Geschenke sollten dem Rechnung tragen. Dürfte es ein kleiner Diamant sein? Verspielte Schmuckstücke sind bei Ihrem Bijoutier zu finden...



Samstag, 13. Juni 2026

Frisches , knusprig-knackiges Brot


 Jahrelang habe ich all unser Brot selbst gebacken. Dann kam Lidl und hat Brot zu einem unanständigen Tiefpreis angeboten. Wir gingen ab sofort zu unserer nächsten Bäckerei - und da kaufen wir nun seit Monaten unser täglich Brot.

Ich habe aber noch fünf Kilo Roggenmehl, drei Kilo Dinkelmehl und mehr Mehl im Vorratsschrank. Das soll mir keineswegs verderben. Heute habe ich gebacken. Knuspriges Roggenbrot mit Sonnenblumenkernen und einem "Hämpfelchen" (kleine Handvoll) Änis. Es schmeckt. Wir schneiden die frisch gebackenen Brote und Brötchen immer gleich an, wenn sie aus dem Ofen kommen. Sieht man/frau auf dem Föteli.

Freitag, 12. Juni 2026

Spatzen im Anflug

 Dieser Tage waren die Kirschen an unseren beiden bescheidenen Säulenbäumchen reif. Zum ersten Mal so etwas wie eine richtige Ernte. Sicher mehr als ein Kilogramm! Wir freuten uns und probierten ab und zu ein Früchtchen. - Aber nicht nur wir freuten uns. Die Spatzen-Gang, die wir sonst mögen, hatte die "Chriesi" auch entdeckt. Als wir gestern Abend vor dem Fernseher hingen, flog immer wieder ein Spatz an den Baum. Reto sprang jedesmal auf und rannte zum Fenster. Spatz weg, Reto weg, Spatz kehrt wieder. - Als mein Stresspegel zu hoch wurde, schnappte ich mir ein Löcherbecken und ging hinaus zu unseren beiden behangenen Bäumchen. Reto kam auch. Wir pflückten alle, alle Kirschen ab. Die guten ins Becken, die angepickten in den Garten. 

Donnerstag, 11. Juni 2026

An allen Ecken und Enden...

Heute Abend kommt auf SRF1 eine Sendung zum Thema "Langeweile". Wie wichtig es sei, sich zu langweilen. - Ist es also schlimm, dass mir nie langweilig ist?

Ich sehe überall Arbeit, und überall wartet vergnügliches Tun auf mich. - Zwei Knöpfe versetzen, weil mein Bauchumfang (noch) nicht kleiner geworden ist. Salbeisirup für den Winter machen; es gibt soooo viel Salbei im Garten! Einen Brief für drei coole Mädchen schreiben; sie haben mir eine gewaltig schöne Zeichnung geschickt. Walderdbeeren im Garten sammeln > sie werden eingefroren, bis es sich lohnt, Konfi daraus zu machen. Am Sommerpullöverchen weiter stricken. 

Am wichtigsten heute aber ist es, in Gedanken, Worten und Taten den Geburtstag meiner Enkelin zu feiern. - Ich war heute Morgen "käfelen" mit einer Freundin, die eine Schar Enkel*innen hat. Wir waren uns einig über die Freude, die sie uns bereiten. Ob meine Grossmutter ähnliche Gefühle hatte ihren dreizehn Enkelkindern gegenüber?

Für Langweile habe ich keine Zeit. Es wartet ja immer auch mindestens ein Buch, das weiter gelesen werden will.