Samstag, 25. April 2026

Den besseren Teil

 Als ich eine junge Mutter und Hausfrau war - Hausfrau eher gegen meinen Willen - beschloss ich, einen Deal zu machen. (Damals sagte natürlich keine "Deal".) - Wenn ich denn schon den Haushalt übernehmen musste, sollte mein Ehemann dafür auf immer und ewig die Steuererklärung übernehmen müssen. Das gelobte er zu tun. Und so sitzt er jetzt am grossen Tisch inmitten von Papier, von dem ich nichts verstehen muss. Noch stöhnt er nicht vor sich hin, aber das wird kommen.

Ich aber darf mich dem Geburtstag unserer Tochter Judith widmen. Eine Karte schreiben. Echli etwas einpacken. Viele, viele gute Gedanken haben. Mich auf morgen freuen, wo wir eingeladen sind. Stolz auf meine Tochter sein. Dankbar! Sehr dankbar!

Freitag, 24. April 2026

Das Herz geht mir auf

HEIMAT

Darf ich vorstellen: Das ist die Finsterthüelen. Paradies meiner Kindheit. Ganz oben unter dem Waldrand steht das Höflein meiner Grosseltern. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein waren wir zwei bis dreimal pro Woche nachmittags dort oben. Die Erwachsenen (Mutter und Gotte) haben den Grosseltern auf dem Land geholfen. Wir vier Kinder (Schwester und ich, zwei Cousins) haben wenig geholfen und viel gespielt und herumgetollt.

Ein Freund hat mir diese Foto geschickt mit der Frage: Wo ist das? - Ich habe es gewusst!
 

Donnerstag, 23. April 2026

Monis Geburtstag

 Nein, da kann ich nicht alles erzählen. Auch nicht die Hälfte. Nicht einen Viertel. Am wichtigsten:

ES WAR EIN WUNDERBARER ABEND IN MONIS MÄRLISALON IN THALWIL!

Gut zwanzig Menschen liessen sich an fünf Tischen nieder und bekamen zuerst einmal zu essen und zu trinken. Verveine-Tee aus dem Samowar. Malfuf (Krautwickel) aus der Tajine. Und viele "Aufwerterli und Abrunderli". 

Ich sass so wohl mit der Wohnungsvermieterin von Moni und zwei weiteren tollen Frauen. 

Dann erzählte Moni das Märchen "Vo de Frou, wo ihren Furz isch go sueche". Es ging um genau solche Krautwickel (Malfuf), die wir gegessen hatten. Und es ging um fröhliches Lachen (und ekliges Gemecker). Es ging um Selbstbehauptung (und Nachahmung). Es ging um einen deftigen Furz (und einen mickrigen Furz). - Es war urmenschlich und unvergesslich.


Ich habe Moni meine blaue Schale und 50 Vögel mitgebracht. Gebastelt, gekauft, gefunden.


Einen habe ich für mich behalten, den einundfünfzigsten.



Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.


Dienstag, 21. April 2026

Müssen oder dürfen

Ich hatte heute bis jetzt keine Zeit, um an die Sonne zu gehen. Und jetzt ist schon Abend. Ich werde Znacht kochen und mit Reto on TV sein. Dann lesen. Dann schlafen. Keine Zeit für die Sonne!

Okay, wir hatten Gäste zum Mittagessen. Die Wohnung musste aufgeräumt und sauber gemacht werden. - Musste sie das? - Der Hund musste ein, zwei Gudeli-Päckli bekommen. - Musste er? - Ich musste die angekündigten Pastinaken zubereiten. - Musste ich? - Meine Enkelin strickte nach dem Essen; ich musste es ihr gleichtun. - Musste ich? - Nach dem zweiten Aufräumen musste ich Siesta machen. - Musste ich das? - Morgen bin ich zu einem Geburtstag eingeladen; ich musste noch eine Karte schreiben. - Musste ich ? - Ich musste meinen täglichen Apfel essen. - Musste ich ? - Und jetzt muss ich bloggen, weil sonst jemand enttäuscht ist. - Muss ich wirklich, oder meine ich nur zu müssen?

Ich habe das alles gern gemacht. Ich wollte. Ich musste nicht. Aber an die Sonne hätte ich schon gehen MÜSSEN! Oder?

Montag, 20. April 2026

Wir als Abfalltouristin und -tourist

Noch vor ein paar Monaten konnten wir unseren gesammelten Plastikabfall in unserer Nähe entsorgen. Aber eines Tages hingen Zettel an den Abfallbehältern: Wir heben diese Sammelstelle auf! Die nächste befindet sich in der Gemeinde Elsau.

Reto ist schon mal hingefahren und hat einen speziellen vollen Sammel-Sack entsorgt. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, es sammelt sich ungeheuer viel Plastik an in unserem kleinen Haushalt. Wir sind ratlos, wie wir den verringern können. - Item, heute standen zwei volle Säcke bereit, und ich hatte angekündigt mitzukommen.

Postauto nach Elsau, Pestalozzistrasse. Die ganzen Treppen hinunter zum Werkhof und die Säcke hochwerfen auf die schon vorhandenen. 

Mit freien Händen und willigen Füssen sind wir der Eulach entlang nach Hause gebummelt. Wiederum so ein schöner Frühlingstag. 

Sonntag, 19. April 2026

Faszinierend

 Ich mache täglich ein paar Runden durch unser Gärtchen. Retos viele Blumen sind wunderschön. Unser Kater sonnt sich auf dem Fenstersims. Die Hornisse bringt mich immer noch dazu, wegzurennen. 

Heute habe ich einer kleinen Kreuzspinne zugeschaut. Sie hat zwischen den noch kahlen Zweigen des Feigenbäumchens ihr Netz gesponnen. Aber was ist passiert? - Der Wind hat zwei, drei Samenfallschirmchen eines Löwenzahns just in ihr Netz getrieben. Und das passt ihr nicht. 

Bei einer solchen Aktion habe ich noch nie zugeschaut: Die kleine Spinne packt das Fallschirmdach des Löwenzahns mit ihren Beinen, Füssen, drückt es zusammen und versucht es nach unten zu bringen. Siehe da, mit Ach und Krach bringt sie das erste Sämchen wieder zum Fliegen, ohne dass ihr Netz kaputt geht.

Das zweite ist mühsamer. Wahrscheinlich klebt es fast zu stark. Aber die Spinne müht sich erneut. Bringt alle Beine um das weisse Dächlein in Stellung. Drückt, schiebt, wendet alle Kraft an. Das Schirmchen kippt. Jetzt ist der braune Samen oben. Stossen, stossen, bis auch dieses Samengebilde aus dem Netz befreit ist und fort torkelt.

Die Spinne verschwindet hinter dem Stämmchen der Feige. Muss sie ausruhen? Wird sie ein neues Netz an einem anderen Ort bauen?