Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.


Dienstag, 21. April 2026

Müssen oder dürfen

Ich hatte heute bis jetzt keine Zeit, um an die Sonne zu gehen. Und jetzt ist schon Abend. Ich werde Znacht kochen und mit Reto on TV sein. Dann lesen. Dann schlafen. Keine Zeit für die Sonne!

Okay, wir hatten Gäste zum Mittagessen. Die Wohnung musste aufgeräumt und sauber gemacht werden. - Musste sie das? - Der Hund musste ein, zwei Gudeli-Päckli bekommen. - Musste er? - Ich musste die angekündigten Pastinaken zubereiten. - Musste ich? - Meine Enkelin strickte nach dem Essen; ich musste es ihr gleichtun. - Musste ich? - Nach dem zweiten Aufräumen musste ich Siesta machen. - Musste ich das? - Morgen bin ich zu einem Geburtstag eingeladen; ich musste noch eine Karte schreiben. - Musste ich ? - Ich musste meinen täglichen Apfel essen. - Musste ich ? - Und jetzt muss ich bloggen, weil sonst jemand enttäuscht ist. - Muss ich wirklich, oder meine ich nur zu müssen?

Ich habe das alles gern gemacht. Ich wollte. Ich musste nicht. Aber an die Sonne hätte ich schon gehen MÜSSEN! Oder?

Montag, 20. April 2026

Wir als Abfalltouristin und -tourist

Noch vor ein paar Monaten konnten wir unseren gesammelten Plastikabfall in unserer Nähe entsorgen. Aber eines Tages hingen Zettel an den Abfallbehältern: Wir heben diese Sammelstelle auf! Die nächste befindet sich in der Gemeinde Elsau.

Reto ist schon mal hingefahren und hat einen speziellen vollen Sammel-Sack entsorgt. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, es sammelt sich ungeheuer viel Plastik an in unserem kleinen Haushalt. Wir sind ratlos, wie wir den verringern können. - Item, heute standen zwei volle Säcke bereit, und ich hatte angekündigt mitzukommen.

Postauto nach Elsau, Pestalozzistrasse. Die ganzen Treppen hinunter zum Werkhof und die Säcke hochwerfen auf die schon vorhandenen. 

Mit freien Händen und willigen Füssen sind wir der Eulach entlang nach Hause gebummelt. Wiederum so ein schöner Frühlingstag. 

Sonntag, 19. April 2026

Faszinierend

 Ich mache täglich ein paar Runden durch unser Gärtchen. Retos viele Blumen sind wunderschön. Unser Kater sonnt sich auf dem Fenstersims. Die Hornisse bringt mich immer noch dazu, wegzurennen. 

Heute habe ich einer kleinen Kreuzspinne zugeschaut. Sie hat zwischen den noch kahlen Zweigen des Feigenbäumchens ihr Netz gesponnen. Aber was ist passiert? - Der Wind hat zwei, drei Samenfallschirmchen eines Löwenzahns just in ihr Netz getrieben. Und das passt ihr nicht. 

Bei einer solchen Aktion habe ich noch nie zugeschaut: Die kleine Spinne packt das Fallschirmdach des Löwenzahns mit ihren Beinen, Füssen, drückt es zusammen und versucht es nach unten zu bringen. Siehe da, mit Ach und Krach bringt sie das erste Sämchen wieder zum Fliegen, ohne dass ihr Netz kaputt geht.

Das zweite ist mühsamer. Wahrscheinlich klebt es fast zu stark. Aber die Spinne müht sich erneut. Bringt alle Beine um das weisse Dächlein in Stellung. Drückt, schiebt, wendet alle Kraft an. Das Schirmchen kippt. Jetzt ist der braune Samen oben. Stossen, stossen, bis auch dieses Samengebilde aus dem Netz befreit ist und fort torkelt.

Die Spinne verschwindet hinter dem Stämmchen der Feige. Muss sie ausruhen? Wird sie ein neues Netz an einem anderen Ort bauen?

Freitag, 17. April 2026

An einem sonnigen Tag auf den Wochenmarkt

 Mit dem Bus bis Schmidgasse und dann zum Markt spazieren. Wir sind nicht allein. Alle, fast alle, haben gute Laune bei so einem hübschen Tag. Das Lächeln sitzt locker in den Gesichtern. Nur unser Surprise-Verkäufer hat noch die Kapuze über die Mütze, über den Kopf gezogen. Aber er streckt uns lachend die Hand entgegen, obschon wir ihm heute nichts abkaufen; er weiss, dass ich das Heft schon habe.

Ich will zu Reto Meier, der mit seiner Partnerin einen Permakulturhof betreibt. Heute hat er Tulpen zum Verkauf, soweit das Auge reicht. Weil es so viele sind, dürfen wir alle drei gratis mitnehmen. Einfach auswählen! Wir kaufen noch Kopfsalat und Riesenradiesli.

Reto ersteht Salatsetzlinge, und ich brumme ihm noch Pastinaken auf, für die er lange, lange anstehen muss. Die gibt es erst am Dienstag, wenn Judith und Kaya kommen.

Wir kaufen am Pilzstand (!) ein halbes Kilo weisse Spargeln zweiter Klasse. Da gibt es frische Morcheln. Habe ich noch nie gehabt. Wir bekommen erklärt, wie ich sie köcheln soll. Wir kaufen zwei der Riesenpilze. 

Nach dem Kaffee mit Bretzel (zum Zmittag) geht es nach Hause. Beim Ausstieg komme ich partout nicht in den Rucksackträger mit dem Arm. Eine alte Dame mit feuerroten Lippen hilft mir. Danke vielmal! So geht Solidarität.

Donnerstag, 16. April 2026

In die Stadt

Wir wohnen in Winterthur, und das ist eine Stadt mit über 100000 Menschen. Eine Stadt! Aber ich sage: "Heute gehe ich in die Stadt und treffe eine Freundin." - Oder ich sage: "Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer." - Oder: "Ich muss in die Stadt, weil ich meine Zahntabs nur in der Stadt bekomme."

Wohne ich also nicht in der Stadt Winterthur? Wo dann? - Ich wohne im Stadtteil Oberwinterthur. Oder viel besser: Ich wohne an der Hegifeldstrasse. Da bin ich zu Hause. Da kenne ich etliche Nachbarinnen und Nachbarn. Ich weiss, wie lange der "Spazier" um den Park dauert. Ich kenne mich aus. Ich komme gern zurück in "mein" Haus, in unsere Wohnung.

In die Stadt zu gehen, bedeutet, einen Ausflug zu machen. - Welchen Bus nehme ich oder doch den Zug? Welche Einkäufe tätige ich? Reicht es für einen Kaffee? - Manchmal gehe ich gern in die Stadt, manchmal aber muss es einfach sein. Zahnarzt, Augenärztin, Kleider. - Heute ging ich gern in die Stadt; ich traf eine Freundin zum Kaffee.

 

Mittwoch, 15. April 2026

Ich kann es einfach nicht

In meinem einen Kasten gibt es eine Bananenschachtel. Sie ist voller Material zum Basteln. Ich habe es gesammelt und sammle (leider!) immer noch, um mit den Mädels zu basteln. Aber die Mädels sind gross geworden und haben gar keine Zeit mehr zum Mäusehäuser einrichten und Versteckzwerge bezipfeln. Beginnt Kaya zu lismen, muss sie nach zwei Nadeln gewiss schon wieder in die Schule. Wie soll da je ein Schal fertig werden. Und wie soll da je mein gesammeltes Material verbraucht werden.

Material tönt gut. Zu gut. - Sicher, es gibt kostbare Perlen zum Auffädeln. Es gibt Lederstücke und Fellresten. Und die Kulleraugen zum Aufkleben bringen mich zum Lachen. - Aber es landet auch jedes leere Röllchen von Klebestreifen und Nähfäden in der Bananenschachtel. Sogar die Netzchen von den Zitronen sammle ich. Und, und, und...

Heute habe ich selbst gebastelt. Weil es Spass macht, und weil hoffentlich viel Material verschwindet. - Drei leere Holzfadenspulen, ein Klebestreifenröllchen, zwei Steine, zwei Quadratzentimeter gelben Karton, vierzehn Kulleraugen und viel Leim habe ich verbraucht. - Vierzehn Kulleraugen, das ist gut! Hihi, haha...