Sonntag, 29. März 2026

"ETWAS GUTES"

 So heisst das neue Kochbuch von Samin Nosrat, einer amerikanischen Köchin mit persischen Wurzeln (1976 wanderten Samins Eltern nach Amerika aus. Samin hat Jahrgang 1979.) Im Untertitel des Buches heisst es: "Rezepte und Rituale für dich und deine Liebsten."

Reto und ich haben am Freitag erstmals in unserem Leben "Harissa" gekauft, eine Chilisauce im Gläschen. Ich musste eine Verkäuferin fragen, wo ich sie finde, erzählte ihr, dass ich ein neues Kochbuch habe und jetzt eben Harissa brauche. Sie hat sich gefreut, dass ich Neues wage. Ich musste dann schon gestern Abend nach dem Flohmarkt, dem unergiebigen, mit Koriandersamen, Kurkuma, Kümmel und Pfeffer "Tabil" herstellen, diese Gewürzmischung mit Harissa und Salz vermischen und die Geflügelteile damit einmassieren. Über Nacht in den Kühlschrank.

Ich will ja jetzt nicht das ganze Rezept aufschreiben. Es steht im Kochbuch. Selber kaufen. Oh, ja, es ist teuer. - Nur soviel noch: Es kommen viele gedörrte Aprikosen und viel Knoblauch und Zwiebeln in die Sauce, und das Gericht muss uuuhhh-lange im Ofen schmoren.

ES WAR HIMMLISCH! 

Aufgepasst, liebe künftige Gäste: Wenn ihr nicht gern Harissa habt, braucht ihr gar nicht zu uns zu kommen. Wir machen nur noch Geschmortes Huhn mit Aprikosen, wie es Samin Nosrat macht.

Samstag, 28. März 2026

Silvan, blondlockig, gegen drei Jahre

 Reto und ich haben erstmals an einem Flohmarkt als Verkaufende teilgenommen. Mit von der Partie waren Judith und Kaya. Harry hat uns logistisch unterstützt.



Verdient haben wir wenig, aber die Standmiete ist eingespielt. Und es machte Freude.

Besonders Silvan machte grosse Freude. Ein kleiner Knirps, den ich nach seinem  Namen fragte, weil ich nicht sicher war, ob Mädchen oder Bub. Als ob das wichtig wäre! - Jedenfalls kaufte Silvan als erster bei uns ein rosarotes Schmuckkistli mit Musikdose und tanzender Ballerina. Er bezahlte vier Franken.

Viel später stand Silvan wieder da und bewunderte Kayas Pferdchen, das mit Batterie laufen kann und sogar wiehern. Kurzerhand nahm er das Tierchen in den Arm und haute ab. Auftritt seine grössere Schwester: "Darf Silvan das Rössli haben?" - "Ja, hat er denn Geld, um es zu bezahlen?" fragte meine Tochter. Und schon war Silvan auch wieder da und sagte, er habe Geld. Er kramte lange in seinem Hosensack und brachte dann mit Überzeugung ein rosarotes Schoggipapierli-Kügelchen zum Vorschein. Er reichte es meiner Tochter, und diese sagte: "Das stimmt genau; das Rössli gehört dir." 


Freitag, 27. März 2026

An einem kalten Tag herzliche Wärme

 Reto und ich hatten heute ein bisschen Weihnachten. Wir lösten den Gutschein für je einen Brunch ein, den wir zu Weihnachten von Judith erhalten hatten. Im Lieblingsplatz-Café an der Else-Züblin-Strasse nahe bei uns. Nur durch Wind und Kälte und durch den Park. Und dann ins Café, wo wir wärmstens empfangen und bedient wurden. Der Kaffee sei der beste, sagte Reto, besser als im Vollenweider. Grösser kann sein Kompliment gar nicht sein! Ich fand den Räucherlachs von höchster Qualität. Wir bekamen ausser Müesli und Käse und dem und jenem FÜNF Sorten Brot. Den Früchtebecher durften wir mitnehmen, als wir pappsatt nichts mehr aufnehmen konnten. So ein schöner Morgen!




Donnerstag, 26. März 2026

Welch ein Chaos in meinem Zimmer

 Am Samstag ist Flohmarkt im Quartier. Wir , Ehemann, Tochter, Enkelin und ich, wollen teilnehmen. Wir haben genug Sachen, die wir nicht mehr brauchen, die aber zu schade sind zum Wegwerfen. Gerade habe ich unsere Saftpresse ausprobiert; sie läuft noch tadellos. Der Rüebli-Randen-Apfelsaft war fein. Das Abwaschen des Gerätes war so mühsam wie eh und je. Aber das sagen wir allfälliger Kundschaft nicht.

Natürlich habe ich viele Bücher bereit gelegt - für Kinder und für Erwachsene. 

Ich werde mich vom Toaster verabschieden, den ich so unbedingt für meine Studentin-Bude haben wollte. Er ist "retro" und wirft die Brotscheiben nicht aus. Selber aufpassen. Der Preis steht noch an der Schachtel: Neunzig Franken hat er gekostet vor 24 Jahren. 

Meine wunderschöne, blaue Glasschale, über der ich Kinder im Urner Oberland mit viel lebendigem Wasser getauft habe, steht zum Verkauf. Möchte ich wirklich, dass sie weggeht?

Apropos "Weggehen" - es wird kalt sein am Samstag. Und zuerst hiess es, der Flohmarkt sei am Sonntag. Vielleicht kommt gar niemand.

Mittwoch, 25. März 2026

Es ist das Wetter

 Ich schwindle immer noch. Reto sagt, es ist das Wetter. Das kann sehr wohl sein. Rita würde sagen, es ist psychisch. Auch das kann sein. Google sagt, es könnte Wassermangel sein. Warum nicht auch dies. Andere sagen, vielen Alten ist schwindlig. Weiss ich.

Was ich nicht weiss, ist, wie die vielen Alten mit der ganzen Schwindelei umgehen. - Ich atme tief, wenn es besonders schlimm ist. Ich gehe an die frische Luft und freue mich an der neu aufgeblühten Tulpe. Lachsrotgestreift. Ich mache ein paar Tanzschritte und falle nicht um. Ich nähe den fertig gestrickten Pullover zusammen und ziehe ihn erstmals an: Gut gemacht! Ich lese und vergesse. 

Ich beschliesse, es ist das Wetter!

Dienstag, 24. März 2026

"Heute noch..." sagt er

Der Morgen war leidlich. Gut genug. Aber seit dem Mittag - na, ja...Gut, darf ich mir eine ausgedehnte Siesta gönnen. Fast schon schlafe ich ein, da rumpeln draussen vor dem Fenster die Müllmänner derart herum, dass ich wieder hell wach bin. Aufstehen? Etwas tun? - Sicher nicht! - Zweiter Versuch eines Mittagsschlafes für eine lädierte, alte Frau. Ich penne wirklich ein. Doch dann, träume ich nur, oder bin ich wach, zerschneidet das Motorengeräusch eines Rasenmähers meinen Schlaffaden. Diesmal stehe ich auf. Trotz Übelkeit und Schwindel wanke ich in unser Gärtchen und treffe da meinen Ehemann. Freundlich lächelnd mit dem elektrischen Rasentrimmer in der Hand. Ränder nachschneiden, nachdem der Rasen gemäht ist. - "Ich dachte", sagt er, "es sei Zeit, die Siesta zu beenden. Den Rasen musste ich heute noch mähen, wo doch der Winter wieder kommt."

Montag, 23. März 2026

Gestern war ein guter Tag

 Gestern Abend war ich so zufrieden mit meinem Wohlergehen und dem, wie ich den Sonntag erlebt hatte! Gelassen, aufmerksam, geniessend, wach, zwäg. Ich habe ganz krass gedacht: "Wenn ich über Nacht sterben würde, dann hätte ich heute gelebt."

Und dann wurde es heute. Ich stieg aus dem Bett und wumm, da war der "Gutartige Lagerungsschwindel" wieder, den ich schon einigemale hinter mich bringen musste. Schwindlig, schwitzend, schwankend bewegte ich mich robotermässig zum Zmorgentisch. Kein Hunger. Leichte Übelkeit.

Ich beschreibe die Unterschiede zweier nebeneinander liegender Tage, weil sie mir vor Augen führen, wie empfindlich ich bin. Ein kleiner Lagerungsschwindel, und schon ist da nix mehr von "gelassen, geniessend".  - Und doch, die Mädels waren da! Wir haben über Jugendsprache geredet. Sie haben gelacht über unsere Unbeholfenheit. Wir auch. Das war gut! Heute.