Montag, 25. Mai 2026

Morgen kommt Yumi

 Yumi braucht auch bei uns eine Decke oder ein Hundebett. Jedenfalls einen Platz, wo sie entspannen kann. Einen Platz auch, auf den man sie schicken kann. Meine Tochter hat das schon mehrmals angetönt. Ich habe zum Spass gesagt, ich häkle eine Hundedecke.

Ist nicht meine Verantwortung, dieses Hundebett. Aber man (ich) kann ja mal googeln. Wahnsinn, was da alles gehäkelt, genäht, gebastelt wird für den Hund! Sieht gehörig nach Arbeit aus.

Ich wandere durch mein Zimmer, schaue in Kästen und Schubladen, gehe in den Keller, gedankenverloren, fast schlafwandelnd. Finde den Kleidersack, in dem ich im letzten Winter meinen neuen Mantel heimgetragen habe. Finde alte Leintücher, Badetücher. Finde eine Idee, wie es zu machen wäre.

Und dann werde ich "Sattlerin". Ich stopfe den Sack, streiche glatt, Reissverschluss zu. Obendrauf kommt ein weiches, lustiges Badetuch. Ich hefte, stecke Nadeln und nähe (von Hand). Nähe wie eine Sattlerin: Das Zeug ist dick. Ich brauche den Fingerhut, damit die Nadel mit Murks durchgeht. Morgen kommt Yumi; sie wird einen Platz zum Entspannen haben. 




Sonntag, 24. Mai 2026

Fünfzehn Kannen Wasser

Zwar ist der Garten beileibe noch nicht ausgetrocknet. Aber trotzdem habe ich heute vor dem Morgenessen fünfzehn Kannen Wasser verteilt. Wohl bekomms - den begossenen Pflanzen und meinem Körper, der sich gern bewegt!

Mein Ehekumpan singt in der Kirche während dem Pfingstgottesdienst. Nachher wird es einen Apéro geben im Kirchgemeindehaus, und Reto wird es geniessen, unter Leuten zu sein. 

Unterdessen habe ich Zopf gebacken, Salat im Garten geholt und mich über ein allerallerkleinstes Nacktschnecklein gewundert: Ein Millimeter dick, ein Zentimeter lang. Sowas. - Überleben durfte es nicht, das Arme. - Die Kartoffeln kochen. Der Käse steht bereit. Ich habe echli Hunger. Hatte das Schnecklein auch...

Samstag, 23. Mai 2026

Afrikanisch bunt

 Jedes Jahr besuchen wir über die Pfingsttage den bunten Markt von Afro-Pfingsten in der Winterthurer Altstadt. Heute Morgen waren wir da.

Wir haben sehr wenig gekauft, aber sehr viel geschaut und bewundert. Vor allem die Frauen in ihren bunten Gewändern haben mir sehr gefallen. Reto hätte gern, dass ich auch so fröhliche Stoffe trüge.

 Leider ist es mir nicht gegeben, dermassen aufzufallen. Mir fehlt das fröhliche Selbstverständnis der afrikanischen Frauen. Auch die Gabe, meinen Körper in seiner ganzen Fülle zu mögen, geht mir (immer noch) ab. Afro-Pfingsten ist also auch ein Ort für mich, um zu lernen. 

Freitag, 22. Mai 2026

Herr Metzger Metzger meint es gut mit uns

Der Gemüsemarkt in der Steinberggasse bietet weit mehr als Gemüse. Jetzt im Frühling ist er ein Blumenmeer. Und ja, ein bisschen Dichtestress ist auch spürbar. Aber es ist jedem und jeder zu gönnen, über diesen wunderbaren Markt zu gehen und zu kaufen, was das Herz begehrt. Reto wird schon bald glücklich gemacht mit einer "Schwarzäugigen Susanne", einer Kletterblume, die ihm noch gefehlt hat im Garten. Und ich darf endlich Basilikum posten, wo wir schon Sommerwetter haben. 

Irgendwann stehen wir am Verkaufswagen von der Metzgerei Metzger. Ich sage laut: "Was isst man eigentlich an Pfingsten?" - Es gibt eine Weihnachtsgans, den Osterlammbraten, den Erstaugustweggen...Aber an Pfingsten? - Herr Metzger weiss es auch nicht, verkauft uns aber gern zwei Koteletten für den Grill. 

Nicht auf dem Markt, aber am Graben finde ich blühende Schokoladenblumen. Sie machen mein Glück voll. Ich "päppele" seit Monaten in einem kleinen Töpfchen eine gesäte Schokoladenblume. Sie hat "schon" vier Blättchen. Ob sie je blühen wird?

Zu Hause räume ich unsere Esswaren ein, z.B. die Koteletten. Läck, sind die aber schwer! - Zwei Stück, so schwer. Ich lege sie auf die Waage: 737 Gramm!



Donnerstag, 21. Mai 2026

Die grüne Hölle

Reto schaut mich irritiert an, wenn ich behaupte, unser Garten sei eine grüne Hölle. Ich könnte auch ganz gehoben mit den Worten von Hildegard von Bingen sagen: Die Grünkraft der Natur ist am Werk in unserem Garten. Wobei Hildegard von Bingen, eine frühmittelalterliche Benediktinerin und Mystikerin, diese Grünkraft in allem sah. Die Grünkraft wohnt auch uns inne. - Abgehoben genug?

Zurück zu meiner grünen Hölle: Ich meine damit, dass in unserem Garten alles wächst wie verrückt. Ich komme nicht nach mit Roden, Reto kaum mit Gras mähen. - Zum Beispiel die Brennnesseln: Sie umzingeln alles in ihrer Nähe. Da nützt es nichts, dass ich heute eine schöne Anzahl Brennnesselspitzen zur Pasta gerührt habe. Ich musste am Nachmittag trotzdem zwei Kübel voll Brennnesselruten ausrupfen, damit der Rosmarin Luft bekam. 

Ach, ich will ja gar nicht klagen. Im Gegenteil. Ich habe heute schon Schnittlauch und Peterli für den nächsten Winter eingefroren. Auf unsere Grüne Hölle!

Dienstag, 19. Mai 2026

Nosferatu

 Dieser Tage lag eine ungeheuer grosse Spinne vor unserer Sitzplatztüre. War sie tot? Sie bewegte sich nicht und schien nur sieben Beine zu haben. Sowieso war eine Beinverwicklung im Vorderteil der Spinne.  - Ich stupste sie mit dem Fuss an. Sie bewegte sich, ordnete langsam ihre Beine; es waren alle acht. Bevor sie davon ging, holte ich den Fotoapparat. Zuerst eine Erkennungsfoto, dann ein paar "Fotonen", als sie schon unterwegs war.



Ich las, dass sie beissen kann, aber nicht schlimm > es tut "nur" etwa so weh wie ein Bienenstich. Die Nosferatu fängt ihre Beute nicht in einem Netz, obschon sie weben kann. Tagsüber versteckt sie sich in einem kleinen Wollgespinst. Nachts macht sie Beute. Sie kann gut klettern, auch in die oberen Stöcke eines Gebäudes.

Ich freue mich eigentlich immer, wenn ich in unserem Gärtchen ein neues Wesen entdecke. Biodiversität sage ich dem. Aber die Nosferatu habe ich in die hinterste Ecke unseres Gartens transportiert. Bitte, nicht in mein Zimmer kommen!

Montag, 18. Mai 2026

"Hast du die neue schon gelesen?"

" Die neue" bezieht sich auf die neue Schweizer Familie, ein "Heftli", das schon meine Eltern abonniert hatten. Also ein Magazin, das mein Leben begleitet und das ich immer noch sehr mag. Ein bunter Mix aus allem. Ich freue mich jedem Mittwoch auf die neue Ausgabe. 

Und nicht nur ich mag die Schweizer Familie - wir geben sie weiter. Unsere Tochter bekommt sie. Und sie gibt sie weiter. Unser Sohn bekommt sie. (Zwar Monate später; er ist ja nicht ständig in der Gegend.)

Ich glaube, mein Ehemann mag die Rätsel am meisten. Beide mögen wir "Frölein da capo". Ich mag den Mix, die schönen Fotos, Rezeptideen, Wissen, acht Unterschiede. - Was meine Kinder mögen, weiss ich nicht. Ob meine Enkelin sie auch liest, keine Ahnung.

ICH MAG EIN HEFT, IN DEM ICH BLÄTTERN KANN, DAS NACH PRINTMEDIUM RIECHT, DAS IM BRIEFKASTEN GEHOLT WIRD - EIN HANDGREIFLICHES LIEBLINGSDING.