Freitag, 14. August 2026

Menschenscheu

 Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.

Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.

Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.

Donnerstag, 13. August 2026

Seufzen ohne Ende

Heute Morgen  mussten wir einkaufen. Ein Apfel war unsere einzige Frucht in der Wohnung. Milch war auch fast aus. Zum Glück war es am Schatten noch nicht so arg heiss. Aber auf dem Heimweg wurde es heisser und heisser, und als wir zu Hause waren, seufzte ich sogar über die Temperatur in unserer Wohnung; noch vor kurzem war es da immer angenehm gewesen.

Ich seufzte weiter beim Auspacken und Verräumen unseres Einkaufs. Ich seufzte beim Kochen. Ach, wie heizte mir der Kochherd ein! Und überhaupt, ich ertrage diese ewige Hitze jetzt nicht länger...Ich jammerte und seufzte, bis mir einfiel, dass das ja wohl ein bisschen lächerlich war.

Und wo ich das Lachen wieder entdeckte, sagte ich zu meinem Ehemann selbstironisch: "Du musst dir halt eine Frau suchen, die etwas mehr erträgt. Eine Jüngere, die mehr Kraft hat." - "Wo soll ich die hernehmen?" seufzte mein Mann. Und das wiederum brachte mich zu einem inneren Seufzen, hatte ich doch gehofft, er würde sagen, niemals wolle er eine andere Frau; ich sei die Beste.  

Mittwoch, 12. August 2026

Ich ärgere mich

 Wie eigentlich geht "Nichtstun"? Heute wäre der perfekte Tag dafür. Reto ist auf  Pässefahrt, und ich bin zu Hause mit seinem Rat, doch ja wenig zu machen. Damit meinte er nicht, dass ich unseren Garten dürsten lasse. So habe ich vor dem Morgenessen fünfundvierzig Minuten Wasser verteilt. Ach, und der Geburtstagsbrief für mein Gottenkind musste in den gelben Briefkasten gebracht werden. Und hast du gesehen: Ein Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Verhilf ihm zum Fliegen. 

Wie aber ginge "Nichtstun"? - Jetzt wäre es möglich. Aber ich kann das nicht mehr. Mindestens lesen muss sein. Zeitung, Heftli, Buch. Mindestens "amächelig" (angenehm) muss die Wohnung aussehen. Lavabo sauber halten. Geschirr abwaschen. Da kurz Hand anlegen, dort. Unterdessen vergeht die Zeit, vergeht der Tag.

"Nichtstun" - kann ich das üben? Mit wie vielen Minuten beginnen? - Oh, da kommt unsere Katze. Mit einem leisen Miauen macht sie sich bemerkbar. Sie hat vorher stundenlang nichts getan. Geschlafen im Schatten. Jetzt will sie, dass ich etwas tue für sie: Sie fordert ihr gekühltes Katzensüppchen. Will ich denn nicht, dass es ihr gut geht?! 

Dienstag, 11. August 2026

Ruckedigu, Blut ist auf dem Küchenboden

 Reto hat sich den Fuss angeschlagen. So kräftig, dass der Nagel von der einen Zehe abgefallen ist.


Tropf, tropf, tropf, quer durch die Küche. Überall Blut. 

Ein Kamillen-Fussbad muss her, das schon bald mehr rot als gelb ist. Fliess, fliess, immer noch, Blut.


Gut desinfizieren, fein einbinden, und schon ist alles besser. Nicht mehr so grus(el)ig.

Montag, 10. August 2026

"Überall hetts Pilzli draa..." (An allem sind Pilze)

Ich glaube, so ziemlich alle Schweizer*innen haben schon gelacht über den Pilzli-Song von Peach Weber. Er mag "Pilzli" nicht, aber sie "verfeinern" (fast) jedes Essen. Oh, jemine!

Ich mag "Pilzli", aber ob ich es je mögen werde, mit der Nosferatu-Spinne friedlich zusammenzuleben? - Es ist einfach so: Sie mag mein Zimmer. Nach der einen Nachtaktion erfolgte gestern die zweite. Reto half mir, die grosse Spinne in einem grossen Becher einzufangen. Ich brachte sie in die dunkle Nacht hinaus.

Dumm daran ist dies: Zwischen den beiden Evakuierungen lag eine Nacht, an deren Anfang ich keine Nosferatu in meinem Zimmer ausgemacht hatte. Friedlich schlafen. Als ich um fünf Uhr morgens Pipi musste, wer sass wieder da oben über dem Fenster?!! Oh, jemine! - Ich sass dann lange auf meinem Bett und überlegte. Sollte ich hoch steigen und einen Fangversuch ganz leise unternehmen? Und was, wenn diese Spinne wieder und wieder kam? Ich beschloss zu schlafen MIT der Nosferatu. 

Es gelang mir sogar, aber seit dem neusten Einfangen vermute ich meine Zimmergenossin überall. Ich schüttle die Bettdecke aus, bevor ich mich auf sie lege. Ich schaue in meine Sommerschlarpen, bevor ich hinein schlüpfe. ... ÜBERALL ISCH D NOSFERATU DA. Als ich vorher aus dem Mittagsschläfchen erwachte, SAH ich halbwach DREI Nosferatus unter meinen Kleiderkasten spazieren. Ich habe wahrhaftig die Taschenlampe genommen und nachgesehen. War keine da. Oh, jemine! Ich muss üben, Spinnen-verträglich zu werden. Bin ich nicht eine Naturfreundin!

Sonntag, 9. August 2026

Einmal im Jahr eine Schlosswurst

 


Der Schatten, der auf uns fällt, kommt von hohen Bäumen. Als kurz der Wind auffrischte, schneite es Herbstblätter. Ganz viele. Oder wahrer gesagt, Dürreblätter fielen von den gestressten Bäumen.

TROTZDEM haben wir uns sehr gefreut über den knackigen grünen Salat mit Äpfeln und Melone und die scharfe Schlosswurst, wo du noch eine ganze Weile etwas davon hast - es brennt die Kehle hinunter.

Und es war schön, dass unser Winterthurer Holzbildhauer, Erwin Schatzmann, himself über eines seiner Werke balancierte. Bunt bemalte "Langbank" oder so. Später staubte er mit der Hand andere seiner Werke ab, die im Schlossgarten stehen bis im November.

Einzig der Weisswein war uns heute zu sauer. Was dem Tag keinen Abbruch tut.

Samstag, 8. August 2026

Heute nichts zu bloggen

Ehrlich, was sollte heute erwähnenswert sein? - Dass ich die Zwiebeln ausgezogen habe? Gemäss dem Kinderspiel:

" Ziebeli setze, Ziebeli setze, Ziebeli wend ned wachse, und wenn i denn is Gärtli goh, so ziehn i eini us."

So kleine Zwiebeln wie dieses Jahr hatten wir noch nie. 

 Oder soll ich erwähnen, dass Ossi bucchi (Kalbshaxen) auch fein sind, wenn Sellerie fehlt. 

Oder aber, dass ich gerade Zopf im Ofen habe? (ist noch nicht heiss genug in der Wohnung...)

Alles so normales Geschreibe über normale Tätigkeiten. Heute nichts zu bloggen!