Donnerstag, 17. September 2026

Dicke Luft

 Wir haben eingekauft im Lebensmittelgeschäft unserer Wahl. Und haben darüber gestaunt, dass scheinbar fast das ganze Personal schon wieder neu ist. Wo ist unsere Frau P. an der Kasse geblieben? - Der neue überaus ernste Metzger ist nicht mehr da, der junge freundliche schon länger nicht mehr. Dafür eine neue Frau an der Fleischtheke und ein Metzger, der glaubt, die Kollegin herum kommandieren zu können. Dicke Luft. - Die Kiosk-Betreuerin hat ihre Fröhlichkeit verloren, seufzt, klagt. An den Kassen lauter neue Gesichter. 

Auf dem Heimweg reden Reto und ich über das Beobachtete. Wir möchten der Belegschaft am liebsten ein "Klassenlager" verordnen oder einen Team-Event. Und eine kompetente Führungsperson, die ein "Gspüri" hat für ihre Leute. 

Mittwoch, 16. September 2026

Sagenmülitäli

 Ein sagenhaft schöner Tag war das gestern. Ich durfte das Geburtstagsgeschenk von Sohn Stefan einlösen  > ein ganzer Tag mit ihm unterwegs. Er hatte für uns in Linn/Bözberg einen Besuchstermin in einem privaten Garten abgemacht. Weil uns das Postauto zu früh ausgespuckt hatte, verweilten wir noch an der sagenumworbenen Linde von Linn. Die elf Meter Stammumfang haben mich sehr beeindruckt. Das Alter von ca. 800 Jahren auch. Die Sicht auf den Jura hat mich "angeheimelt". Ich bin eine Aargauerin, und die Jurahügel waren früher "meine" Berge.

Um 14 Uhr hat uns Herr Massler schon erwartet am Gartentor zu dem  sagenhaften Garten, den er und seine Frau in vielen Jahren an einem Hang angelegt haben. Diese tausend Stauden, Blumen, geschwungene Wege und verwunschene Deko-Elemente - berührend schön. Ein grosser Teich mit Bergmolchen im Wasser und Libellen in der Luft. Plätzchen zum Verweilen, aber leider nicht für uns. Der Gastgeber war wenig gesprächig und nach dem Rundgang beflissen, uns wieder loszuwerden. Trotzdem, sein Garten hat mich inspiriert.

Stefan und ich sind dann durch das Sagenmülitäli nach Effingen gewandert. Fast alles in praller Sonne. Heiss, heiss, heiss. In Effingen hatten wir grossen Durst, aber da war weder ein Restaurant noch ein Volg. Wir mussten durchhalten bis Brugg, wo wir am Bahnhof ein kaltes, bittersüsses Getränk kauften.


Linner Wasserfall - der höchste des Kantons Aargau: sagenhaft! 😉

Montag, 14. September 2026

Viel und nichts

 Es ist fünf Uhr am Nachmittag. Ich habe viel und nichts getan. Was mir gerade vor Augen kam. Was gerade notwendig war. Aber nichts, was ein Vorhaben war. Nichts, woran ich morgen noch denke. Oder doch?

Ich habe die grüne Wolldecke enthaart, auf der Kater Nepomuk oft lag. Im unteren Teil des grossen Bäbibettes. Ich habe die Haare nicht weggeworfen, auch nicht dem Wind überlassen. Ich habe sie in meiner Hand gesammelt und nachher mit roter Filzwolle zusammen verfilzt. 


Ich habe heute viel und nichts getan, und Nepomuk war immer um mich.


Sonntag, 13. September 2026

cavalier king charles spaniel

Wir waren zum Apéro im Garten vom Schloss Hegi. So ein schöner, wohltuender Ort. Ich mag hohe Bäume und Festbänke. Wir haben unser Glas Chardonnay getrunken und Paprika-Chips geknabbert. Das Paar am gleichen Tisch wollte nicht plaudern, dafür die Frau bei den Schildkröten. Zusammen haben wir im Gehege nach den sechs Tieren geschaut. Merlin, der hübsche Hund der Dame, hat eifrig mitgesucht. - Ich habe gefragt, zu welcher Hunderasse Merlin gehört: Er ist ein "cavalier king charles spaniel". Früher Hunde des englischen Adels. Leider durch Inzucht zur Qualzucht geworden. Das weiss die Besitzerin alles, "aber er war so hübsch. Er hat mir so gefallen." Darum hat sie ihn gekauft, und bis jetzt hat er keine Herzbeschwerden. Möge es wunderbarerweise so bleiben.




 

Samstag, 12. September 2026

Der alte Kater ist nicht mehr

 


 



Wir haben am Donnerstagmorgen zwischen Hoffnung und Befürchtung geschwebt, als wir mit Nepomuk zur Tierärztin gingen. Nepi hatte am Mittwoch kaum gefressen. Sein Atem rasselte. Aber ich kann bezeugen, dass er eine gute Nacht hatte. Er schlief in meinem Zimmer. Ab fünf Uhr morgens donnerstags wollte er ins Freie, durfte aber nicht wegen des Arztbesuches. Er meldete sich viertelstündlich bei mir, und ich streichelte ihn so ausgiebig, wie noch kaum in einer Nacht.

Die Tierärztin behielt Nepi zum Röntgen in der Praxis und versprach, uns bald zu informieren über den Zustand unseres Katers. - Und dann kam der Schlag in den Bauch: Nepi habe einen Tumor am Kopf, der schon weite Teile des Gewebes angegriffen habe. Schleimhaut, Naseninneres und auch das rechte Auge, was sehr schmerzhaft sei. Sie schlage vor, ihn zu "erlösen". 

Und so sind wir jetzt ohne unseren Nepi, der uns so nah war wie keine andere Katze in unserem Leben. Meine Hände vermissen sein weiches Fell. Meine Beine werden nicht mehr umstrichen. Reto muss allein auf seinem Sofa liegen. Er kommt nicht mehr nachts auf meine Bettdecke und will morgens um drei ins Freie.........

Ich habe heute Morgen das Katzenklo zum letztenmal geputzt, die Lieblingsplätzchen auf dem Sitzplatz aufgehoben, das vorige Futter weggeräumt. - In der Nacht zum Donnerstag hatte es in mir immer und immer wieder gedacht: Ein Leben geht zu Ende, ein Leben geht zu Ende...Und es war mir sehr bewusst, dass auch mein Leben zu Ende gehen wird. Nepi war alt; ich bin alt. Ich bin auch in den Kreislauf des Lebens eingebettet. Werden und Vergehen. Dankbarkeit und Demut. Noch scheint die Sonne, noch sind wir da.

Donnerstag, 10. September 2026

Vermischte Tage

Jeden Tag nur Hochstimmung geht nicht, das weiss ich wohl. Auch nach dem schönsten Wochenende ist alles noch da, was vorher auch da war. Zum Beispiel der alte Kater, der Sorgen macht. Sein Atem rasselt manchmal. Er frisst immer weniger. Morgen gehen wir mit ihm zum Tierarzt. Ich fürchte mich.

Aber heute kamen die Mädels zum Zmittag, und wir haben es genossen. Sie haben über ihre Klassenlager referiert. Wie haben mich die alten Themen amüsiert: Einladung an die Jungs, am letzten Abend in den Mädchenschlag zu kommen. Trotz absolutem Verbot. Essen auf den Betten. Natürlich auch verboten. Hach, so ist es, so war es, so wird es sein, solange es Klassenlager gibt. 

Wie sind die Früchte so teuer! Wir haben im Hofladen in der Nähe Zwetschgen gekauft. Ich werde beim Essen an den Preis denken müssen. Früher, sehr viel früher bekamen wir sie von der Grossmutter einfach so. Unentgeltlich. Wollt ihr noch das oder jenes mitnehmen?

Ich nehme mit in den Abend, dass mein Leben mindestens gut genug ist. Dankbar, dass der Kater noch da ist, dass die Mädels wieder kommen werden, dass es bei uns nie langweilig ist, dass viel zu denken, zu tun und zu leben ist.

Mittwoch, 9. September 2026

Vier Flaschen TOMATEN-Passata

 "Passata" kommt von "passieren", z.B. mit dem Passe-vite, das auch "Flotte Lotte" heisst. - Ich habe zweieinhalb Kilo TOMATEN und TOMÄTCHEN in Stücke geschnitten, alles in einer grossen Pfanne ein Viertelstündchen gekocht, es zum Abkühlen stehen lassen - und dann passiert. Nur noch gewürzt mit Salz und echli Zucker. Nochmals aufgekocht und dann in Flaschen, die sehr sauber waren, heiss eingefüllt. 

Ah, zum Zmittag habe ich Gulasch-Suppe gekocht. Waseliwas hat es da auch drin: TOMATEN. 

Wozu habe ich am Morgen ein Triopack Mozzarella gekauft: Für "TOMATENMozz", wie wir sagen (TOMATEN mit Mozzarella und Basilikum). Gibt es morgen zum Znacht.

Ich mag TOMATEN sehr. Jetzt ist TOMATENSCHWEMME in unserem und in Nachbars Garten. Hurrah!



Dienstag, 8. September 2026

Dankbarkeit

 Mittagessensbesuch. Judith bringt eine Papiertasche Pfirsiche mit vom eigenen Spalier. Eine Frucht schöner als die andere. 

Reto hütet Nachbars Garten und bringt Tomaten in Hülle und Fülle mit. Ich werde Sugo einkochen. Dazu blaue Trauben, die mehrheitlich im Zmorge-Müesli landen. 

Die roten Peperoni stammen aus unserem Garten, und Tomaten haben wir auch zum Ernten. Ein paar Himbeeren zur Abwechslung und eine Handvoll Blaubeeren. Blumen fehlen nie für ein Tisch-Sträusschen.

Die neuen Äpfel sind da, und ich liebe sie. Gravensteiner, Cox orange...

Der Herbst ist nah. Ich bin erstaunt, wieviel gewachsen und gereift ist trotz der schwierigen Hitze-Bedingungen. Wir kommen nochmals davon!

Montag, 7. September 2026

Zum Staunen

 Reto und ich haben 1976 geheiratet. Im Oktober. Da wir allemal im Goldenen Jubiläumsjahr sind, haben wir am Wochenende mit unserer Familie wunderschön gefeiert. Wir bekamen viel schöneres Wetter als vor 50 Jahren. Der Kreis an Eingeladenen war viel kleiner, aber ganz vertraut. Und es ging zu meinen geliebten Jurabergen. Zuerst aber nach Solothurn an die Aare.



Apéro direkt am Fluss. Nachtessen im Garten des "Alten Stephan". Übernachten im "Hotel an der Aare". Alles sehr zu empfehlen. Besonders die supernetten Damen am Empfang im Hotel. Sie haben mir am Sonntagmorgen geholfen, die Null vom Jubiläumskuchen rucksack-tauglich zu verpacken. 


Am Sonntag ging es mit der neuen Gondelbahn auf den Weissenstein, wo ich als Kind mit Eltern und Schwester öfter war. Im Garten des Restaurant Sennhaus haben wir Zmittag gegessen und sind dann zum Känzeli hinauf gewandert. Dort haben wir DIE NULL "gebodigt", was nicht mehr so einfach war, weil Hunger längst ein Fremdwort war. 😀Später durfte man "Null" nicht mehr aussprechen.

Vorher aber bekamen Reto und ich nochmals Geschenke von Kaya. Ihr Mäuschen mit dem Namen "Sorellina" hilft mir beim Denken und Schreiben.


Und die wunderschöne, von Kaya selbst gestaltete Fünfzig an der gelben Küchenwand gibt uns zu denken. Fast nur Gutes.




Freitag, 4. September 2026

Erschlagene Hühner

 Wir waren auf dem Markt und haben "Tomatillos" kennen gelernt. Eine südamerikanische Pflanze, deren violette oder grüne Früchte vor allem in Mexiko verwendet werden in Salsas, zu Grilladen, in Gemüsepfannen und mehr. Tomatillos sind mit Lampionblumen verwandt, gar nicht mit Tomaten. Sie wachsen in den Anden bis 2600 m Höhe. Es gab sie schon, bevor Kolumbus kam.

Angebaut in Winterthur hat sie Reto Meier, der Permakultur-Bauer. Das ist gut und innovativ. Aber sein Bauernhofjahr ist äusserst schwierig. Zuerst die Trockenheit und jetzt noch der Hagel, der den Kulturhof voll getroffen hat. Dächer sind kaputt gegangen und Gewächshäuser - und Hühner lagen erschlagen herum nach dem Hagelsturm. Mit tut das sehr leid. Und ich weiss, dass es sehr vielen gleich und ähnlich ergangen ist. 

Was können wir tun? - Leider sind wir mit dieser Frage spät dran. Es wird weitere sogenannte Extremereignisse geben, weil wir die Warnrufe der Wissenschafter*innen und Klima-Aktivist*innen nicht ernst genommen haben. Wer war schon mal Greta Thunberg?

Donnerstag, 3. September 2026

Once upon a time...

 Ich habe mir gestern in der Stadt eine hübsche Karte aus England gekauft. Ein Dachs erzählt eine  Geschichte. Sie beginnt wie unsere Märchen: Es war einmal...Oder: Vor langer Zeit... 


Vor langer, langer Zeit, nämlich am 16. Oktober 1976, haben zwei junge Leute geheiratet. Er, ein Urner, sie eine Aargauerin. Zum ersten Mal begegnet waren sie einander in Zürich. Sie zog zu ihm nach Winterthur. - Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute glücklich und zufrieden.


Mittwoch, 2. September 2026

Jane Tara, Mit anderen Augen, Roman

 Ich lese ein Buch. Was für eine Neuigkeit! - Ich lese immer mindestens ein Buch, manchmal mehrere gleichzeitig. "Mit anderen Augen" wurde mir von einer Freundin empfohlen. Das Thema: Viele Frauen um die Fünfzig werden mehr und mehr unsichtbar. (im Buch wortwörtlich!)

Jedes der kurzen Kapitel beginnt mit einem Zitat. Ich mag das. Manche regen an zum Nachdenken, andere bringen mich zum Lachen, noch andere verstehe ich nicht. - Es geht im Buch darum, wieder sichtbar zu werden. Meine Frage: Ist das nun ein Roman oder ein Selbsthilfebuch? Schaut man zu, wie eine wieder heil wird, oder soll frau selbst wieder heil werden? 

Hier eines der Zitate, das ich noch nicht ganz durchdrungen (verstanden) habe:

Die eigentliche Aufgabe besteht nicht darin zu sehen, was noch nie ein Mensch gesehen, sondern zu denken, was noch nie ein Mensch gedacht har, und zwar über das, was alle sehen. - Erwin Schrödinger


Dienstag, 1. September 2026

Poulet an Rahmsauce

Heute kam unsere Tochter zum Mittagessen. Das war mir sehr recht (ist mir immer recht), weil ich im Tiefkühlfach Poulet an Rahmsauce für drei hatte und das gern aufwärmen wollte. Ich holte das Gefrorene gestern Abend schon mal in den Kühlschrank hinunter und gab es in eine kleine Pfanne.

Es ergab sich, dass mein hilfsbereiter Ehemann anbot, heute zu kochen. Oder eben aufzuwärmen und Reis und Salat dazu zu machen. Ich freute mich und setzte mich auf mein gelbes Sofa. Kleine Auszeit. 

Unsere Tochter kam mit Hund Yumi. Wir setzten uns zu Tisch. Reto schöpfte. - Ich begann zu essen und stocherte dann in meiner Sauce herum. Wo war das Pouletfleisch? Hatten die anderen beide alle Fleischstücke erwischt? Ich fand nur Kürbis und Zwiebeln. 

Aber Judith und Reto fanden auch kein Fleisch und schauten erstaunt. - Es sei sehr wohl fein, aber rein vegetarisch, befanden sie. - Ich konnte und konnte das nicht verstehen. Ich hatte doch den richtigen Kübel aus dem Tiefkühler genommen. Da hatte drauf gestanden: Poulet an Rahmsauce. 

Später dachte ich schon mal ans Nachtessen. Ich wollte den Rest Kürbiscurry zu Suppe mixen. - Jetzt fiel der Groschen: Reto hatte die falsche Pfanne erwischt. Das Kürbisdings hatten wir zu Mittag gegessen. Rein vegetarisch. Das Poulet an Rahmsauce stand nach wie vor im Kühlschrank. Eine Portion für drei, die wir morgen zu zweit essen werden.

Montag, 31. August 2026

Implenia - Dipladenia

Die Implenia  ist ein international tätiges Bauunternehmen, während die Dipladenia eine "waschechte Südamerikanerin" sei, gemäss der Werbung eines Gartencenters. Mit der Implenia habe ich nix zu tun, die Dipladenia wächst und blüht bei uns im Garten. Ich erwähne die beiden gemeinsam, weil mir die Ähnlichkeit der Namen Mühe macht. Weil ich "Dipladenia" weniger südamerikanisch als abstrakt empfinde. Dass sie zu den "Hundsgiftgewächsen gehört, macht mir die Sache auch nicht sympathischer.

Giftig und ein seltsamer Name, den ich mir schwerlich merken kann. Aber schön ist sie, wunderschön, jetzt, wo ihre Blüten endlich aufgegangen sind.



Ich stelle mir eine waschechte Südamerikanerin vor, die ein paar Blüten ins Haar gesteckt hat. - Dipladi, Diplada, Dipladenia!

Sonntag, 30. August 2026

Zweimal geduscht

Sonntag! Da will ich mich frisch und froh fühlen. Also am Morgen als erstes duschen und frische Kleider anziehen. Dann Zopf und Honig zum Zmorge. Sonntäglich. Und heute wird meine Beste Freundin zum Zmittag kommen. Ich bereite schon mal vor, und Reto deckt den Tisch schön.

Ich hole meine Freundin am Bahnhof ab. Gemütliches erstes Plaudern auf dem Heimweg.

Zu Hause stehen die Apéro-Sachen schon bereit. Heute gibt es den ersten Holunderblüten-Sekt dieser Saison. Meine Freundin und ich lieben ihn, und Reto mag ihn auch gut genug. 

Ich nehme die Bügelflasche aus dem Kühlschrank und drücke vorsichtig und langsam den Bügel hoch. Aber oha lätz - der diesjährige Sekt hat Pfupf wie noch nie. Ich kann nicht genug zuhalten. Der Sekt bricht sich Bahn und begiesst in grosser Fontäne Möbel, Boden und uns. Als der Spuk sich beruhigt, ist die Flasche halb leer, meine Haare ganz nass und der Boden zum Ausrutschen gefährlich. Zuerst lachen, was da Zeug hält, dann aufputzen, dann zweite Flasche im Keller holen. Diesmal bändige ich den Geist in der Flasche. Dreimal will ich nicht duschen. Prost!

Samstag, 29. August 2026

Mein Stallgeruch

Soziologisch gesehen bezeichnet der "Stallgeruch" die Herkunft eines Menschen und seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem sozialen Milieu.

Mein Stallgeruch aber ist ganz konkret. Ich liebe mein kleines Strickteil aus Schafwolle mit besonders viel Lanolin (Wollfett). Ich halte es mir unter die Nase und bin überrascht, dass der Geruch immer noch da ist nach Wochen. Der Geruch nach Stall. Ich ziehe den Duft tief in mich hinein und weiss, da komme ich her. So muss es riechen, dass ich zuhause bin. Ich schnuppere und bin in der Finsterthüele bei meiner Grossmutter, meinem Grossvater. Der gesagt hat: "Warum willst du Lehrerin werden, wo du doch so gern bei uns auf dem Bauernhof mithilfst.?!"

Ja, warum? - Warum dies und warum das? - Mein Stallgeruch hält sich. Ich komme von Schneckenberg und Finsterthüele. Und das wird so sein immerdar!



 


 

Freitag, 28. August 2026

Ist ja erst im Oktober...

 Reto und ich sind fast 50 Jahre verheiratet. GOLDENE HOCHZEIT nennt sich das. KI schlägt dir vor, welche liebevollen Dankesworte der Mann seiner Frau und umgekehrt sagen kann/soll. KI weiss auch, was die Frau trägt > dezent elegante Kleidung, gern crèmefarbig. Natürlich sollen auch die Gäste am Fest gebührend angezogen sein. 😉

Ja, wir werden feiern. Ja, wir werden Gäste haben. Und das schon bald, anfangs September, weil das Datum allen passen muss. 

Gestern waren Reto und ich auf  "grand tour". Wir haben in Solothurn und auf dem Weissenstein alle Reservationen überprüft und gerade auch zur Probe gegessen. Das war schon ein kleines Fest im voraus. Ganz ohne goldene Schühlein und süsse Worte.

Mittwoch, 26. August 2026

DAS GROSSE READER'S DIGEST GESUNDHEITSBUCH (von 1977)

Bevor Reto das Buch zerlegt, ein kleiner Abschnitt mit dem Ton von damals:

"Seitdem die Frauen auch berufstätig sind, Auto fahren, Bus und Strassenbahn selbst für kleine Entfernungen benutzen, ist die Zahl der Kreislauferkrankungen beträchtlich gestiegen. Kreislauferkrankungen mit all ihren Folgeerscheinungen wie Nervosität und Schlaflosigkeit wirken sich unweigerlich auf das Aussehen aus. Man muss es sich daher zur Gewohnheit machen, jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen...Spazierengehen heisst nicht Schaufensterbummel in überfüllten Grossstadtstrassen, sondern energisches Ausschreiten in freier Natur oder im Park...Fahrstühle sollte man als Feinde betrachten...Ein schwerfälliger Gang macht unweigerlich zur Matrone, selbst wenn man erst 35 ist."        usw., usw.

Mein einstiges Ratgeberbuch für alle Lebenslagen ist zur Lachnummer geworden. 

Dienstag, 25. August 2026

Pflanzenfleisch aus Kemptthal

 Reto hat sich seit Tagen Bratkartoffeln zum Zmittag gewünscht. Ich fand für mich, da täte doch das Pflanzensteak dazu passen, von dem ich gelesen hatte. Als Reto zum Fitten ging, machte ich mich auch auf den Weg. In vierzig Minuten ab Wohnung und dorthin zurück fuhr ich per Zug in die Stadt, eilte zum grossen Coop, kaufte Zwetschgen und Äpfel und fand schnell das Angebot von "Planted", also vom Pflanzenfleisch. An die Kasse, zurück zum Bahnhof, und schon war ich wieder zuhause - noch vor meinem sportlichen Ehemann.

Das Pflanzensteak "blutet" wie echt, aber es ist Randensaft, der austritt. - Ich habe das Steak aus Soya und Reismehl behandelt wie ein Rindssteak. Mariniert, dann mit Kräutern in Olivenöl gebraten. Dazu natürlich feine Bratkartoffeln, Bohnen und Salat. Kurz nach zwölf kamen auch Tochter und Enkelin. Da war das ganze Test-Team beisammen. Und siehe da: Wir waren und alle einig. Diese Pflanzensteaks kann man sehr wohl essen. Wir tun es wieder.

Montag, 24. August 2026

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen

Matthias Plüss ist ein Wissenschaftsjournalist. Ich traue seinen fundierten, aber nicht fundamentalistischen Einschätzungen zu Themen wie Klimaveränderung, Umwelt, Suffizienz (weniger ist mehr), Ernährung, die nicht schadet...Heute Morgen habe ich einen Tagi-Magi-Artikel von ihm über Pflanzenfleisch gelesen (Nr. 26, 27.Juni 2026). Es geht um das Unternehmen "Planted" in Kempthal. Ich zitiere Matthias Plüss:

"Der Mensch ist konservativ, gerade, was die Ernährung betrifft. Wir alle tragen die Aromen unserer Kindheit in uns. Und wir werden nicht gerne daran erinnert, dass wir mit unserem Lebensstil Schaden anrichten."

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen, aber viel nachzudenken.

 

Sonntag, 23. August 2026

Die Bananenschachtel im Schrank

All die Jahre, seit meine Enkelin im Bastelalter ist, habe ich Kartonröllchen, Käseschächteli, halbe Nussschalen, und viel, viel mehr gesammelt. Wenn Kaya sagte: "Grosi, hast du...?" dann hatte ich. Aber jetzt hat sie keine Zeit mehr zum Basteln bei uns. Die Mittagspause ist zu kurz; schon schwingt sie sich wieder aufs Velo. Am Mittwochnachmittag ruft die Stadt; "shoppen" ist ein neueres Wort in ihrem Vokabular. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu sammeln für die Bananenschachtel.

Gestern hatten wir lieben, schönen Besuch. Drei Erwachsene, zwei Kinder. Und was haben die Kinder nach dem Essen in meinem und Kayas Zimmer gemacht? - Gebastelt mit all dem Krimskrams aus der Bananenschachtel. Selig, besonders der Zweitkindergärtler. Am meisten angetan hat es ihm aber meine Filzwolle. Wie ein König den Hermelinpelz hat er sich das Vlies weisse Filzwolle um den Hals gelegt. So ein erhabener Eindruck!

Ich werde weiter sammeln für die Bananenschachtel. 

Freitag, 21. August 2026

Oh, du böses Cholestrin!

 Wir haben den halben Morgen bei unserem neuen Hausarzt verbracht. Er hat sich für uns uuuuh-viel Zeit genommen und uns alles über unsere Blutwerte erklärt. Wir durften bei vergrösserter Schrift auf den grossen Computerbildschirm gucken und uns selbst überzeugen davon, dass bei beiden FAST alles gut ist. 

Das "FAST" bezieht sich auf unsere Cholestrin-Werte, die trotz Medikament erhöht sind. - "Frau Burri kocht wohl zu mollig (mein Wort), dass gleich beide dasselbe Problem haben." meinte unser Arzt mit seinem immer charmanten, wohlwollenden Lächeln. "Ich gebe Ihnen eine Chance (ausgesprochen "Tschanz")". - Und dann kam sein Vorschlag an uns: Zwei Monate selbst versuchen, die Ernährung umzustellen. Wenn es gelingt, tiptop, sonst Erhöhung der Medikamentendosis.

Wir nehmen die Challenge an. Also standen wir vorher im Coop und verglichen Fettgehalte. Also kauften wir keinen Käse, auch nicht Fett-reduzierten. Also wurde es nichts mit dem Rahm für das morgige Dessert. Es wird vegane Guetzli geben. Reto verdreht jetzt schon die Augen. Aber vielleicht finde ich kein Rezept; sicherheitshalber habe ich einen grossen Butter gekauft.

Donnerstag, 20. August 2026

Mein Ehemann...

 Reto muss heute Nachmittag zur "Denta" (Dentalhygienikerin). Ich habe zum Zmittag eine superfeine Tomatensauce zu Spaghetti gekocht. Sie ist echt röter als alle zuvor und schmackhaft wie nie. Das kommt davon, dass ich sonnenreife Tomaten aus unserem Garten verkocht habe. So fein! Aber Reto sagt: "Uuhhh, das schlimmste Essen, bevor man(n) ausgeht. Das gibt sicher Spritzer aufs Hemd!" - Ich frage einigermassen erstaunt, ob er denn nicht ein frisches Hemd anzieht, wenn er zur "Denta" geht. - "Ach, nein", sagt mein Ehemann, "das ist nicht nötig, die hat ja sowieso eine Maske vor der Nase. Die riecht nichts." - Selten so gelacht...

Mittwoch, 19. August 2026

Und immer, wenn ich in die Stadt gehe...

 Eine liebe Freundin bot an, in Winterthur einen Zwischenhalt zu machen - wir könnten uns ein Stündchen sehen. Wir trafen uns, nachdem Reto und ich zur Blutentnahme beim neuen Doktor gewesen waren. Wo ein Patient im Rollstuhl plötzlich nirgends mehr war und in jeder Ecke und hinter jeder Türe gesucht wurde. Dies nur schnell nebenbei, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

In der Stadt genoss ich die Kaffeepause mit Moni, die heute im Gegensatz zu mir noch viele Programmpunkte abzuarbeiten hat. Wir haben uns über Krakau, Töff-Ferien, Lehrperson sein...unterhalten. Auch über das Wiborada-Projekt. Vor 1100 Jahren ist die Frau aus dem Mittelalter gestorben, die sich in St. Gallen für Jahre  in einer Zelle einmauern liess. Ich verwarf die Hände und betonte, wie mir das zu katholisch sei, ich das nicht verstehen könne und wolle. Moni hat sich mit einer Ezählperformance sehr engagiert. Durch ihre intensive Beschäftigung mit Wiborada ist sie der Frau und ihrer Spiritualität näher gekommen. 

Oh, ein Plauderstündchen ist schnell vorbei, aber wenn ich schon in der Stadt bin... Ich habe meine Lieblingsläden aufgesucht und so das und jenes gekauft. Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer.

Dienstag, 18. August 2026

Ein Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit

Es ist doch gar nicht mehr so heiss wie letzte Woche. Aber meine Tochter hat am Mittagstisch heftig Luft gefächelt. Stunden später sitze ich an meinem Pult. Ich sitze! Und ich hechle wie Yumi, die Hündin. Dazu schwitze ich wie ein Schwein. Sagt man fälschlicherweise. Schweine können gar nicht schwitzen; sie haben keine Schweissdrüsen auf der Haut. Trotzdem schwitze ich wie ein Schwein. Gern würde ich auch ein wenig grunzen. Aber das alles macht sich nicht. Das Schwitzen und das Grunzen.

Schuld an meinem Zustand (und dem von vielen) ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der uralte, behauptet 70% Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der neuere, gibt nur 57% an. Ich glaube dem alten. 

Aber statt noch mehr Theorien zu wälzen, hole ich mir ein kaltes Fussbad und ein Glas Wasser. Es wird schon werden!

Montag, 17. August 2026

Es gibt keine Ausrede mehr

 Jetzt hat es geregnet. Jetzt ist es kühler geworden. Reto und ich haben ein paar Wochen lang nicht so geputzt, wie es normal wäre für uns. Zu heiss! Zu müde vor lauter Hitze! Aber heute Morgen um fünf Uhr war Donnergrollen und Regenrauschen. Unsere Nachbarinnen sind vor Freude hinaus in den Regen getanzt. Das hatte ich eigentlich auch vor, aber doch nicht morgens um fünf, wo ich meine Augen noch kaum aufbringe.

Später aber war klar: Heute putzen wir, und das haben wir auch getan. Ich bin zufrieden mit uns. Warum aber muss Reto immer so übertreiben? - Er kann es nicht beim normalen Putz belassen - nein, jetzt bearbeitet er auch noch die Fenster mit seinem tollen Fensterreinigungs-Set. Dumm daran ist, dass ich mir dann faul vorkomme. Dann muss ich laut aufzählen, dass ich aber eine Tomaten-Wähe gemacht habe, dass ich aber Kinder-CDs aussortiert habe, dass ich aber... 

Dass ich aber auch gut genug bin. 

Sonntag, 16. August 2026

Morgen beginnt wieder die Normalität

 Wenn es nur so wäre! Was ist in unserer Zeit schon normal?! - Morgen beginnt nach den langen Sommerferien wieder die Schule. Viele Erwachsene gehen nach Ferien wieder zur Arbeit. Und wir Alten putzen endlich wieder unsere Wohnung, weil wir auch "Ferien" gemacht haben.

Ob wir gern zu dem zurückkehren, was normalerweise unser Leben ausmacht, ist zweitrangig. Es gilt festzuhalten, dass uns Normalität Halt gibt. Wir wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Wir haben einen Tages- und Wochenablauf. Das bringt eine gewisse Ruhe in unser Leben. Eine Verlässlichkeit. Wir sind nicht verloren im Chaos.

Gut, wenn es Freiräume im Ablauf gibt. Sie ermöglichen Kreativität. Die Normalität wird nicht zum öden Trott. Wir können tun, was Freude macht.

Wenn wir Glück haben, sind wir in der Normalität geborgen. Wenn wir sehr viel Glück haben, ist unsere Normalität selbst gewählt.

Aber es sind Risse allüberall. Es regnet immer noch nicht. 

Freitag, 14. August 2026

Menschenscheu

 Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.

Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.

Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.

Donnerstag, 13. August 2026

Seufzen ohne Ende

Heute Morgen  mussten wir einkaufen. Ein Apfel war unsere einzige Frucht in der Wohnung. Milch war auch fast aus. Zum Glück war es am Schatten noch nicht so arg heiss. Aber auf dem Heimweg wurde es heisser und heisser, und als wir zu Hause waren, seufzte ich sogar über die Temperatur in unserer Wohnung; noch vor kurzem war es da immer angenehm gewesen.

Ich seufzte weiter beim Auspacken und Verräumen unseres Einkaufs. Ich seufzte beim Kochen. Ach, wie heizte mir der Kochherd ein! Und überhaupt, ich ertrage diese ewige Hitze jetzt nicht länger...Ich jammerte und seufzte, bis mir einfiel, dass das ja wohl ein bisschen lächerlich war.

Und wo ich das Lachen wieder entdeckte, sagte ich zu meinem Ehemann selbstironisch: "Du musst dir halt eine Frau suchen, die etwas mehr erträgt. Eine Jüngere, die mehr Kraft hat." - "Wo soll ich die hernehmen?" seufzte mein Mann. Und das wiederum brachte mich zu einem inneren Seufzen, hatte ich doch gehofft, er würde sagen, niemals wolle er eine andere Frau; ich sei die Beste.  

Mittwoch, 12. August 2026

Ich ärgere mich

 Wie eigentlich geht "Nichtstun"? Heute wäre der perfekte Tag dafür. Reto ist auf  Pässefahrt, und ich bin zu Hause mit seinem Rat, doch ja wenig zu machen. Damit meinte er nicht, dass ich unseren Garten dürsten lasse. So habe ich vor dem Morgenessen fünfundvierzig Minuten Wasser verteilt. Ach, und der Geburtstagsbrief für mein Gottenkind musste in den gelben Briefkasten gebracht werden. Und hast du gesehen: Ein Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Verhilf ihm zum Fliegen. 

Wie aber ginge "Nichtstun"? - Jetzt wäre es möglich. Aber ich kann das nicht mehr. Mindestens lesen muss sein. Zeitung, Heftli, Buch. Mindestens "amächelig" (angenehm) muss die Wohnung aussehen. Lavabo sauber halten. Geschirr abwaschen. Da kurz Hand anlegen, dort. Unterdessen vergeht die Zeit, vergeht der Tag.

"Nichtstun" - kann ich das üben? Mit wie vielen Minuten beginnen? - Oh, da kommt unsere Katze. Mit einem leisen Miauen macht sie sich bemerkbar. Sie hat vorher stundenlang nichts getan. Geschlafen im Schatten. Jetzt will sie, dass ich etwas tue für sie: Sie fordert ihr gekühltes Katzensüppchen. Will ich denn nicht, dass es ihr gut geht?! 

Dienstag, 11. August 2026

Ruckedigu, Blut ist auf dem Küchenboden

 Reto hat sich den Fuss angeschlagen. So kräftig, dass der Nagel von der einen Zehe abgefallen ist.


Tropf, tropf, tropf, quer durch die Küche. Überall Blut. 

Ein Kamillen-Fussbad muss her, das schon bald mehr rot als gelb ist. Fliess, fliess, immer noch, Blut.


Gut desinfizieren, fein einbinden, und schon ist alles besser. Nicht mehr so grus(el)ig.

Montag, 10. August 2026

"Überall hetts Pilzli draa..." (An allem sind Pilze)

Ich glaube, so ziemlich alle Schweizer*innen haben schon gelacht über den Pilzli-Song von Peach Weber. Er mag "Pilzli" nicht, aber sie "verfeinern" (fast) jedes Essen. Oh, jemine!

Ich mag "Pilzli", aber ob ich es je mögen werde, mit der Nosferatu-Spinne friedlich zusammenzuleben? - Es ist einfach so: Sie mag mein Zimmer. Nach der einen Nachtaktion erfolgte gestern die zweite. Reto half mir, die grosse Spinne in einem grossen Becher einzufangen. Ich brachte sie in die dunkle Nacht hinaus.

Dumm daran ist dies: Zwischen den beiden Evakuierungen lag eine Nacht, an deren Anfang ich keine Nosferatu in meinem Zimmer ausgemacht hatte. Friedlich schlafen. Als ich um fünf Uhr morgens Pipi musste, wer sass wieder da oben über dem Fenster?!! Oh, jemine! - Ich sass dann lange auf meinem Bett und überlegte. Sollte ich hoch steigen und einen Fangversuch ganz leise unternehmen? Und was, wenn diese Spinne wieder und wieder kam? Ich beschloss zu schlafen MIT der Nosferatu. 

Es gelang mir sogar, aber seit dem neusten Einfangen vermute ich meine Zimmergenossin überall. Ich schüttle die Bettdecke aus, bevor ich mich auf sie lege. Ich schaue in meine Sommerschlarpen, bevor ich hinein schlüpfe. ... ÜBERALL ISCH D NOSFERATU DA. Als ich vorher aus dem Mittagsschläfchen erwachte, SAH ich halbwach DREI Nosferatus unter meinen Kleiderkasten spazieren. Ich habe wahrhaftig die Taschenlampe genommen und nachgesehen. War keine da. Oh, jemine! Ich muss üben, Spinnen-verträglich zu werden. Bin ich nicht eine Naturfreundin!

Sonntag, 9. August 2026

Einmal im Jahr eine Schlosswurst

 


Der Schatten, der auf uns fällt, kommt von hohen Bäumen. Als kurz der Wind auffrischte, schneite es Herbstblätter. Ganz viele. Oder wahrer gesagt, Dürreblätter fielen von den gestressten Bäumen.

TROTZDEM haben wir uns sehr gefreut über den knackigen grünen Salat mit Äpfeln und Melone und die scharfe Schlosswurst, wo du noch eine ganze Weile etwas davon hast - es brennt die Kehle hinunter.

Und es war schön, dass unser Winterthurer Holzbildhauer, Erwin Schatzmann, himself über eines seiner Werke balancierte. Bunt bemalte "Langbank" oder so. Später staubte er mit der Hand andere seiner Werke ab, die im Schlossgarten stehen bis im November.

Einzig der Weisswein war uns heute zu sauer. Was dem Tag keinen Abbruch tut.

Samstag, 8. August 2026

Heute nichts zu bloggen

Ehrlich, was sollte heute erwähnenswert sein? - Dass ich die Zwiebeln ausgezogen habe? Gemäss dem Kinderspiel:

" Ziebeli setze, Ziebeli setze, Ziebeli wend ned wachse, und wenn i denn is Gärtli goh, so ziehn i eini us."

So kleine Zwiebeln wie dieses Jahr hatten wir noch nie. 

 Oder soll ich erwähnen, dass Ossi bucchi (Kalbshaxen) auch fein sind, wenn Sellerie fehlt. 

Oder aber, dass ich gerade Zopf im Ofen habe? (ist noch nicht heiss genug in der Wohnung...)

Alles so normales Geschreibe über normale Tätigkeiten. Heute nichts zu bloggen!

Freitag, 7. August 2026

Le Mont Ventoux

Der 1909 m hohe Berg liegt in Südfrankreich in der Provence. Wir waren zwar einstmals in der Provence, aber nicht auf dem Mont Ventoux. Ich habe meinen Atlas holen müssen, um den berühmten Berg zu lokalisieren. Berühmt ist er vor allem wegen der Tour de France. Heute sind die weltbesten Radfahrerinnen da hinauf gefahren. Die polnische Frau an der Spitze scheinbar "leichtfüssig", alle anderen kämpfend mit sich selbst. Zuerst noch im Schatten des Waldes, später in karger Landschaft, kaum noch eine Pflanze. Ein langgezogener weiss-kahler Berg. Mit einer Aussicht vom Rhonetal zu den Alpen bis zum Mittelmeer und hin zu den Pyrenäen. 

Der italienische Dichter Petrarca (1304 - 1374) dachte, er sei der Erstbesteiger überhaupt. Dummerweise kam ihm und seinem Bruder von oben ein Schafhirte entgegen.

Petrarca trug Lektüre mit sich von einem, den ich nicht besonders mag, dem heiligen Augustinus. Auf dem Gipfel des Mont Ventoux schlug der Wind eine Seite der "Confessiones" auf, und da stand:

"Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfliessenden Ströme und den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne - und haben nicht acht ihrer selbst."

Sowas von schön und wahr!


Donnerstag, 6. August 2026

Unter diesen orangen Schirmen...

 Gestern Morgen sind vier Menschen und ein netter Hund mit dem Zug nach Erstfeld gefahren, dann mit dem Bus nach Wassen. Später ist noch ein netter Mensch dazu gekommen. Waren wir also fünf Erwachsene und ein Hund, die es sich im Garten des MartiniF gemütlich machten.


Um uns Blumen, grüner Rasen, über uns orange Schirme und blauer Himmel. 

Um uns unsere Gastgeber Theres und Martin, die uns nicht nur mit sehr feinem Essen und liebevoller Bedienung verwöhnten, sondern auch mit dem Gefühl von Freundschaft; wir kennen einander schon seit 18 Jahren. Wir werden miteinander älter und alt. Und hoffen alle, dass es uns noch eine ganze Weile gut genug geht, um reisen zu können, kochen zu können, Treppe auf und ab steigen zu können. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr um dieselbe Zeit wieder miteinander feiern können. Uns. Das Leben. 


Dienstag, 4. August 2026

Nosferatu im Schlafzimmer

Gestern Abend vor dem Schlafengehen fiel mir in der Spalte ob der Vorhangschiene etwas auf: Dunkelbraunes Irgendwas, ca. 3 1/2 cm lang, zwei dünne, lange Beine. Mutig sein und der Sache auf den Grund gehen. Ich holte meine schöne Schuhschachtel und einen langen Bambusstab. 

Mit dem Bambusstab stocherte ich in die Spalte, die Schachtel hielt ich darunter zum Auffangen des "Irgendwas". Das gelang alles wie vorgesehen, lief aber aus dem Ruder, als sich das "Irgendwas" als Nosferatu-Spinne entpuppte, ich die Schachtel vor Schreck fallen liess, die Spinne davonspurtete, ich hintennach hechtete, immer noch mit der Schachtel. Die Spinne war am Fenster, ich auf dem gelben Sofa. Die Nosferatu fiel dank meiner Akrobatik in die Schachtel. Ich fiel beinahe vom Sofa. 

Die Rettung kam mit Reto. Er hatte meinen Hilfeschrei gehört und fing einerseits den Schachteldeckel auf, verhinderte andererseits meinen Fall. Nosferatu blieb netterweise so lange am Schachteldeckel, bis wir sie aus der Wohnung geleitet hatten. (Wobei "geleitet" schöngeredet ist für unser hektisches Getue.)

Montag, 3. August 2026

Heutige Mutprobe: nachmittags in die Stadt

 Spüren, wie es tut da draussen im Heiss. Öffnest du die Haustüre, kommt dir eine Wand von heisser Luft entgegen. Nicht vergessen zu atmen. Entspannen, es wird schon zum Aushalten sein. Gehen, wie wenn nichts wäre. Sich der Realität stellen.

Und warum das alles? - Wir waren dieses Jahr nur eine Woche weg in den Ferien. Jetzt haben wir beschlossen, dass wir zwei Wochen Uhu-Ferien (ums Haus herum) haben. Wir uns geschenkt.

In den Ferien unternimmt man etwas. Wir sind heute Glace essen gegangen unter Platanen. Das war schön und gut auszuhalten. Unsere Glace war sozusagen gratis: Unser Sohn hat uns zu Weihnachten (denk mal Weihnachten) ein Couvertli mit einer Zwanzigernote geschenkt. Mehrere solche Briefchen zu verschiedenen Zwecken genau gesagt. - Der Zweck heute: "zäme e Glace go schnouse". Danke bestens, lieber Stefan!

Sonntag, 2. August 2026

Eine Schuhschachtel

 Mir kann man/frau mit wenig eine grosse Freude machen. So hat Reto die Kabel seiner riesigen Kaffeemaschine neu geordnet. Deshalb wurde eine orangerote Schuhschachtel frei, die vorher den Kabelsalat verborgen hatte. Die Schuhschachtel, in der meine dänischen, dunkelblauen Winterschuhe geliefert worden waren. Die Winterschuhe, die nicht wirklich passen, aber so teuer waren, dass es keine anderen gibt. (Sagt wer? - Sage ich.)

Also, die orangerote Schuhschachtel! Sie ist stabil, gross und prächtig. Sie könnte noch schöner werden, würde ich etwas daraufkleben und hineinkleben und darunterkleben. Weil sie hat leider ein paar Flecken da und dort.

Ich habe mit Freude geklebt, und jetzt ist meine Schuhschachtel unübertrefflich schön. Weiss nur (noch) nicht, wozu sie dienen soll. Kommt Zeit, kommt Inhalt.




Samstag, 1. August 2026

Ein Fisch, ein Fisch!

 Letzte Nacht hat es geregnet bei uns. Und zwar richtig, richtig. Reto hat mit dem "Gartenschüfeli" im Erdreich gestochert und zufrieden gesagt: "Es ist nicht nur oberflächlich; es nützt."

Wir sind vorher an die Eulach spaziert, um den Wasserstand zu beäugen. Kürzlich war Reto dort, und die Enten liefen im Bachbett. Zu wenig Wasser zum Schwimmen. Aber heute ist gut.

Was für Reto den Tag aber zu einem sehr guten Tag macht: Ein Fisch, ein grosser, ist die Eulach hinunter geschwommen. Schon so lange hatte er vergebens nach Fischen Ausschau gehalten - und jetzt dieser grosse Kerl! Der Tag ist gerettet.

Freitag, 31. Juli 2026

Osmaterium

Ich habe meine drei Rüebliraupen gehirtet: mit Pinsel Kotkügelchen heraus wischen, Wasser in der Vase erneuern, neuen Fenchel hineinstellen, Raupen wieder platzieren. Dabei ist mir Erstaunliches aufgefallen: Die eine Raupe hat orange gezüngelt. Haben Raupen Zungen?

Ich habe meinem Ehegespons das Seltsame gezeigt, und wir haben zusammen gestaunt. Zwar habe ich später gegoogelt, aber keine Antwort bekommen. Reto aber schon

"Die als "Zunge" bezeichnete Struktur der Schwalbenschwanz-Raupe ist in Wahrheit keine Zunge, sondern eine orangefarbene Nackengabel, die den Fachnamen "Osmaterium" trägt.

Bei Gefahr stülpt die Raupe das Organ blitzschnell aus dem Nackenbereich hinter dem Kopf aus. Das Osmaterium sondert eine übel riechende Flüssigkeit ab. Der strenge Geruch und die auffällige Farbe vertreiben Fressfeinde wie Vögel, Ameisen und Parasiten."

Die Raupe betrachtet mich auch als Feindin. Schade, wenn ich sie stresse. Plötzlich bin ich mir gar nicht mehr sicher, ob es notwendig ist, Rüebliraupen zu "retten". Die haben ja selbst schön was drauf!


Donnerstag, 30. Juli 2026

Eine kleine Wand, aber schau mal, wie schön!

Heute war ein intensiver, guter Tag. Mit unserer Enkelin zusammen haben wir die kleine Küchenwand neu gemalt. Und nicht nur dies - Kaya hat sie künstlerisch gestaltet. es ist so schön geworden, und wir sind mega stolz auf die Künstlerin.





Mittwoch, 29. Juli 2026

Gestern Aareschlucht, heute Genussmorgen in Winterthur

Uns geht es gut. Gestern durften wir das Weihnachtsgeschenk unserer Freundin einlösen: Ein Carausflug zur Aareschlucht. Wir sind voller Eindrücke. Aber wir waren nicht allein mit der Idee, an einem heissen Tag in eine Schlucht abzutauchen. Gemindert hat die "Radiowanderung" unsere Freude nicht gross.




Heute sind wir ohne viele Vorsätze in die Stadt gefahren, haben Kaffee getrunken und Menschen beobachtet, um hernach in drei Geschäfte mit Feinem einzutreten. Überall wurden wir nicht nur bedient, sondern auch informiert, beraten und mit "Probiererli" versorgt. Dabei wollten wir nur für morgen ein Sandwich-Mittagessen vorbereiten. Die nächste Aktivität steht bevor...


Montag, 27. Juli 2026

Gestern kam Cornelius

 Über einen Riesenzucchetti habe ich vor ein paar Tagen schon geschrieben. Wie ich ihn nach einem Rezept meiner Tochter süss-sauer eingelegt habe. Stolz war über die vielen Gläser im Keller und über den Platz im Gemüsefach des Kühlschranks. Geschafft! Gut so!

Gestern kam Retos Freund zu einem Kurzbesuch. Cornelius ist ein begnadeter Gärtner. Oft bringt er uns etwas mit von seinem Garten. So auch gestern: Einen Riesenkohlrabi namens Superschmelz und viele Tomaten. Und: einen Riesenzucchetto! 

Wirklich, ein solches Gemüseteil heisst "Zucchetto", mehrere heissen Zucchetti oder Zucchini. Ich musste mich kundig machen über "der, die , das" und Einzahl und Mehrzahl. Sowas - wo ich doch vor ur-ewigen Zeiten Lehrerin war.

Aber die Schreibweise war nicht das Hauptproblem. Wie sollte ich ein weiteres Kilo Zucchetto versorgen? Reto fand: einfrieren. Und das war ganz einfach und schnell getan. Aber bitte, bitte, morgen kein Gemüsegeschenk! Wir müssen zuerst essen, was schon da ist.

Sonntag, 26. Juli 2026

Ich bin durch den Wind

Er bläst gerade warm und heftig - der Wind. Wir haben auf dem Sitzplatz Kaffee getrunken und Glace gelutscht. Und Reto hat viel gelacht, während mir etwa seit Freitag nicht mehr zum Lachen ist.

Seit unser Lieblingsmarktbauer, der Permakultur betreibt, so niedergeschlagen ist. Und ich doch dachte, Permakultur sei die Rettung. Ist es auch nicht. Nur REGEN ist die Rettung, aber er kommt nicht. 

Während ich auf Regen warte und Reto immer noch lachen mag, lese ich verheerende Berichte über El Ninio und Prognosen zu unser aller Zukunft. Und jetzt bin ich ganz durch den Wind.

Was ist jetzt mit der berühmten Resilienz? Oder dem Positiv-Denken meiner Mutter? Oder mit christlicher Hoffnung? Oder dem alten stoischen "s chunnt, wie s chunnt"? 

Ich brauche Zeit und Ruhe, um dann wie ein alter Seemann/eine alte Seefrau die Segel neu zu setzen. Dass ich dann MIT dem Wind segeln kann, so gut es gehen wird.

Samstag, 25. Juli 2026

Salbei-Sirup, Senf-Zucchetti

 Das Geschirr von gestern Abend ist längst weggeräumt, die Dankbarkeit für das gute Zusammensein wirkt nach. Auch dem Yumi-Hund war es wohl bei uns im Garten.

Jetzt liegen neben mir die Rezepte für unseren Hustensirup im nächsten Winter und für Saures zum Znacht, wenn es dann gebraucht wird. Die Zucchetti-Gläser dürfen in den Keller; der Hustensirup wird in zwei Tagen abgefüllt. Und ich mache Feierabend. (Punkt!)


Freitag, 24. Juli 2026

Heute Abend haben wir Besuch

 Unser Schwiegersohn hat uns mit Lammleber zum Znacht versorgt. Harry, Reto und ich freuen uns darauf. Ich darf sie braten und würzen. Aber Tochter und Enkelin haben die "Schöfli" lieber quicklebendig als in der Pfanne. Sie bekommen ein Geschnetzeltes, das wir am Morgen auf dem Markt erstanden haben.

Auf dem Markt gab es immer noch viel zu kaufen. Ich habe Reto Meier, Permakulturbauer, nach seinem Ergehen gefragt. Er hat geseufzt und gesagt, sie könnten nicht mehr alles bewässern. Müssen Pflanzen einfach gehen lassen. Es wird sonst zu teuer mit dem Wasserpreis. Und sie sind daran, Tiere auszusortieren, die mangels Futter geschlachtet werden müssen.

An zwei Ständen haben wir zu unserem Kauf noch eins darüber gratis bekommen. Eine Riesenzucchetti und einen Fenchel. - "Haben Sie Verwendung?" hat der Marktfahrer gefragt. Ich werde die Zucchetti morgen heiss einfüllen. Oder so. Wer weiss, ob wir im Winter froh darüber sind. Die nächste Hitzewelle ist im Anrollen. Ich mache mir Sorgen um uns alle.

Gleichzeitig freue ich mich auf den Abend. 

Donnerstag, 23. Juli 2026

Weisse Spur

 Gestern haben wir neuen Fenchel gekauft. Im Garten gesetzt, aber nicht für uns. Ich habe wieder drei Rüebliraupen eingehegt. Sie sollen weder für Heugümper noch für Spatzen ein gefundenes Fressen werden. Vorher habe ich sie gefüttert und ihr Kistchen gesäubert. Nachher Vogel-, Igeltränken geschrubbt und neu befüllt. Dann kam der spannende Teil des Tages.

Wir haben ein neues Projekt: Unsere Rasenflächen sollen zu Blumenwiesen werden. Im besten Fall! -  Jedenfalls werden sie nicht mehr gerasenmäht. Reto und ich haben überlegt, wo unsere Wege hinfort durch den Garten mäandern sollen. 

"Ich habe doch noch...", dachte ich mir und holte die uralten weissen Schulkreiden hervor, die ich damals mitlaufen liess, als ich meinen Lehrerin-Beruf an den Nagel hängte. Diese Kreiden, fast alle, habe ich an der Bircherraffel gerieben und hernach die Wege bezeichnet. So viel Vorfreude auf unseren neuen, klimagerechteren Garten!



Mittwoch, 22. Juli 2026

Habe ich nicht gern

 Reto hat Fliegen nicht gern. Ich habe nicht gern, wenn Reto mit dem Fliegentätscher herumtätscht. Oder wenn Reto noch einmal und noch einmal und noch einmal sagt: "Die saublöden Fliegen!" - Nicht dass ich Fliegen besonders gern hätte, wenn sie mir auf der Nase herumkrabbeln. Ich öffne dann das Fenster leicht, und wenn ich Glück habe, machen sie den Abflug. Ich tätsche selten herum, und Jammern nützt eh nichts.

Was haben Fliegen nicht gern? - Gestern habe ich einen Riesenbusch Minze vor Retos Zimmertür aufgehängt. Jedenfalls war dann die einzige Fliege in unseren Gemächern bei mir zu Gast. - Noch mehr nützen gegen Fliegen soll Lavendel. Das trifft sich gut, weil ich ihn sowieso schneiden wollte. Vier grosse Sträusse Lavendel habe ich gebunden. Jetzt muss ich sie nur noch verteilen. Ich bekomme auch einen. Habe ich gern.

Dienstag, 21. Juli 2026

Über das Älterwerden

 "Das Magazin", das dem Tagesanzeiger wöchentlich einmal beiliegt, ist eine meiner liebsten Lektüren. So viel Erhellendes, Berührendes, Weiterbringendes! Bin froh, dass ich das "Tagi-Magi" vom Schwiegersohn erben darf. Thank you!

Manchmal bleibe ich an einem einzigen Satz hängen, zum Beispiel diesem:

"Es gibt kaum Leute, mit denen man wirklich über das Älterwerden  sprechen kann und darüber, was mit einem passiert."

Ingrid Comes (79) hat ihn geäussert. Tagi-Magi Nr. 22 in diesem Jahr. Ich bin ähnlich alt wie sie, und das Altwerden oder besser Altsein ist natürlich auch mein Thema. Ich spreche schon darüber, schreibe. Mich dünkt, das Aufrechthalten einer relativen Gesundheit wird immer arbeitsintensiver. Schmieren und Salben allenthalben. Turnen gegen Steifheit. Innere Befehle wie: Halt dich gerade! - Jammere ich über einen neuen Schmerz, sagt mein Mann: "Das ist das Alter."

Aber das Alter ist auch bewussterer Genuss von Essen, von Schönheit, von Zusammensein. Und so grosse Freude an allem, was kreucht und fleucht und wächst und blüht und fruchtet. (Auch Sorge um dies alles.) Und Dankbarkeit über gute Tage. Sie sind nicht mehr selbstverständlich wie in jüngeren Zeiten. Aber sie SIND!

Montag, 20. Juli 2026

Nur schnell reinschauen

Wir mussten am Morgen den ferienleeren Kühlschrank wieder füllen. Also einkaufen. Dann ab in den Garten, wo die grüne Hölle nach der ordnenden Gartenschere rief. Nach Kochen und Essen sagte ich zu meinem Ehemann: "Gäll, jetzt haben wir für heute genug geleistet!" - Er war auch dieser Meinung. Warum also rinnt mir der Schweiss über die Backe und in die Augen?

Ich habe meinem Ehegespons wieder einmal einen Floh ins Ohr gesetzt. "Wie wäre es", habe ich zu ihm gesagt, "wenn wir den Rasen zu einer Wildblumenwiese umgestalten würden?" - Ich hatte kürzlich darüber gelesen. Ist viel ökologischer. Braucht weniger Wasser. Die "Viecherlein" mögen es.

Kaum hatte ich fertig geredet, begann Reto mit Erdbewegungen. Schuftete und schuftete, und ich hatte das Gefühl, ich müsse doch auch noch etwas tun. - Zwar wollte ich nur kurz in die grosse, graue Gartentruhe gucken. Nur gucken, an einem anderen Tag leeren und putzen.

Deckel der Truhe auf, und schon hatte sie mich gepackt: Ich sehe nur, was alles drin ist, wenn ich alles rausnehme. Wenn alles ausgeräumt ist, kann ich es in die Badewanne stellen. Aber da spazieren Spinnen aus dem Krempel heraus. Also Spinnen einfangen und wieder aussetzen und dann halt alles, alles waschen, schrubben, abspülen. Und am Schluss läuft mir der Schweiss über Wangen und Augen.

Trocknen, alles trocknen.


Sonntag, 19. Juli 2026

Da sind wir wieder - zuhause

 Da waren wir - in den Ferien. Im wunderschönen Guarda. In der Ferienwohnung, die uns so gefällt. Wohl das letztemal. Das Haus wird verkauft. Für weit über eine Million Franken. Schade, schade, schade! 

Vielleicht ist es aber Zeit, Neues zu entdecken. Gehen, wo es auch schön ist. - Wir hatten in Guarda Routinen entwickelt. Sodass die x-mal Ferien dort kaum mehr auseinander zu halten sind. Immer ins Kräuerlädeli. Immer nach Scuol. Dort immer Kaffee bei Bender. Gelbgelbe Crèmeschnitte dazu. Immer zu Stöckenius, wo es Karten, Bücher und alles gibt. In Guarda immer Richtung Bos-cha spazieren und die Schönheit geniessen. Der Blumen, des Bergpanoramas, des grünen Bachlaufs und der grünen Wiesen.

Apropos grüne Wiesen - nicht alles war wie immer. Ich habe keine Heil- und Teekräuter gesammelt. Weil die Wiesen so was von abgefressen von den Kühen und abgemäht von den Bauern waren. Bis an den Rand. Das hat der Kräutermann im Lädeli bestätigt. Sie sammeln auch nicht weiter.

Wir waren nicht in Lavin. Sonst immer. War keine Zeit; eine Woche ist so schnell vorbei. Und wir waren nicht im "Täli"(kleines Tal), weil es uns zu nass und rutschig vorkam dort. Und es gewiss auch dort kaum noch Kräuter hatte.

Reto musste keinen "Guten Heinrich" essen, weil, siehe oben - abgemäht, gefressen.

Da sind wir wieder - zuhause. Zum Glück ist es da auch schön.




Donnerstag, 9. Juli 2026

Elif Shafak, Am Himmel die Flüsse

 Ein Buch, dessen Figuren ich auch nach dem Zu-Ende-Lesen herznah sein werde.

Da ist die wunderbare Grossmutter Besna, die während ihres Lebens so viel Wissen und Weisheit an die zwei nächsten Generationen weitergibt, dass man sich an ihr festhalten kann auch nach ihrem schrecklichen Tod als Verfolgte einer religiösen Minderheit. Ihre Enkelin Narin überlebt, versklavt vom IS, später zum Glück frei gekauft.

Arthur, der aus ärmsten Verhältnissen kommt, will nach Ninive und dort Tontafeln ausgraben, um das  Gilgamesch-Epos zu vervollständigen. Er hat sich die Keilschrift selbst erarbeitet. Die älteste verschriftlichte Dichtung wird zu seiner Passion. Er widmet ihr sein Leben.

Von Zaleekhah habe ich am liebsten immer wieder gelesen. Sie verlor als Neunjährige ihre Eltern durch ein Hochwasser. Ihr Onkel Malek nahm sie in seine Familie auf. Aber sie kämpft als Erwachsene sehr um ihre Identität. Nach der Trennung von ihrem Ehemann lebt sie auf einem Hausboot. 

Die Geschichten der Menschen im Buch sind miteinander verflochten. Und geeint im Thema Wasser. Ein Wassertropfen fällt, steigt wieder auf, fällt wieder zur Erde...

Mittwoch, 8. Juli 2026

Pfefferminz-Sirup liebt meine Enkelin, liebe ich

 Was gibt es im Sommer Feineres als einen kalten Pfefferminz-Sirup! Herrlich erfrischend und so viel Aroma. - Ich habe im Garten Minze allüberall. Ich trockne Tee für den Winter, gebe einen Zweig ins Trinkwasser und eben, ich koche Sirup. Was immer noch zuviel ist, wird mit Zitronenmelisse, Salbei und Rosmarin zu Bündeln gebunden. Wenn wir "fiirle" (Freund Ernst sagte dem Grillieren so), legen wir am Schluss so ein Kräuterbündel auf die restliche Glut und hoffen, dass der Rauch in unsere Nase getrieben wird. Gern auch in die Wohnung. Wohlgerüche tun der Seele gut.

Heute habe ich zehn Flaschen Sirup eingefüllt. Eine ist für meine Enkelin. Ganz klar!



Dienstag, 7. Juli 2026

Erklärung, Rechtfertigung, Faule Ausrede?

Sommer ist die Zeit,

in der es zu heiss ist,

um das zu tun, wozu es 

im Winter zu kalt war.

 Mark Twain

Ich mache im Winter ganz viel gern - nur nicht ziellos spazieren. Ich mache im Sommer ganz viel gern, nur nicht grundlos spazieren.

Montag, 6. Juli 2026

Nicht wie immer am Montag

 Wie oft schon habe ich darüber geschrieben, dass zwei Mädchen montags bei uns mittagessen kommen! Dass wir diese Treffen an unserem Tisch als ungeheuer bereichernd empfinden. Dass uns die Mädels zum Lachen bringen, zum Staunen, zum Lernen.

Heute haben wir einer Diskussion über Energie-Drinks beigewohnt. Der Vorteil von Koffein, das Energie gibt. Der Nachteil des vielen Zuckers. Welche Drinks die beiden bevorzugen. Und da ist noch derjenige mit Salz vor sportlichen Anstrengungen. Puuuhh grusig, aber doch sinnvoll.

Aber heute war es nicht wie immer am Montag. Es war das letzte Mal in dieser Regelmässigkeit. Nach den Sommerferien machen wir jeweils etwa einmal im Monat ab, um unser Zusammensein zu viert zu geniessen. das bringt allen ein wenig mehr Flexibilität und einer Oma etwas mehr Zeit mit der Enkelin.

Ich bin froh, dass nicht nichts mehr sein wird sondern nur echli weniger. Und die Riesen-Hortensie zum Dank von Nachbars macht Freude!



Sonntag, 5. Juli 2026

Apéro mit Admiral

 Ich habe schlecht geträumt heut Nacht: Ich war im Ausgang und hatte einen Kaffee zu bezahlen. Mein Ehegespons hatte mir sein Portemonnaie mitgegeben. Als ich es öffnete, war da nur Puderzucker drin und eine Zwanzigernote. Mit dieser wollte ich bezahlen, aber sie war alt und nicht mehr im Umlauf. - Ich bin unlustig erwacht. 

Das besserte sich erst, als ich uns einen Apéro mischte. Aprikose, Sanbitter, Minze, Mineralwasser und ein Eiswürfel. Reto brachte die Paprika-Chips mit zum grünen Tisch auf dem winddurchwehten Sitzplatz. Prost! Und dann ein Ausruf von Reto: "Schau, schau...!" - Er zeigt auf einen Schmetterling, der die Brennnesseln besucht. Vielleicht dort Eier legt. Uns sehr erfreut. 

Dies sind unsere Abenteuer heutzutage: Der erste Admiral an unseren Brennnesseln!


Samstag, 4. Juli 2026

Ehe

 Ach, ach, da mache ich Pläne - aber dann kommt es anders: Ich habe begonnen, eine Hose abzuändern. Und Reto hat begonnen herum zu tigern und vor sich hin zu murmeln. - "Wie mache ich das. Ich weiss nicht, wie ich das Bäumchen im Topf befestigen kann, dass es nicht zur Seite kippt. Was könnte ich...Wie soll ich...?" - Er fragt mich nicht, ob ich helfe. Er macht nur auf sich und das Problem aufmerksam.

Wenn man knapp 50 Jahre verheiratet ist, kennt man einander. Er weiss genau, er muss nur mein Interesse wecken. Dann läuft mein Hirni heiss. Statt an meiner Hose weiter zu arbeiten, leere ich meine Bastelkiste auf dem Boden aus. Ich suche, ich suche ein Juteband. Vielleicht könnte Reto mit dem Juteband...Ich finde es nicht, dafür eine Sisal-Schnur, eine dicke. Damit könnte man, könnte Reto, könnte wer auch immer, den Topf umwickeln genau unter dem Rand. Vorher um die dicke Schnur sechs oder mehr Schnüre oder Drähte verteilen, die nach oben zeigen. Schnur um den Topf, Drähte um das Stämmchen, schön verteilt, gut anziehen. Fertig. 

Als ich in mein Zimmer gehe, um aufzuräumen, finde ich das Juteband. Ich gehe zum Bäumchen und drapiere es hübsch, damit man die Drähte nicht mehr sieht. - So geht Ehe. Unsere.

Freitag, 3. Juli 2026

Marktfahrt


 

Wir haben wahrlich viel Gutes und Schönes und Feines eingekauft auf dem Markt. Ich liebe Bundrüebli, und Reto kann nicht genug Blumen für den Garten kaufen.

Ich habe Reto Meier vom Permakultur-Hof gefragt, wie es bei diesen heissen Tagen sein kann, dass er so grosses, gesundes Gemüse hat. Wir haben die gelbe Zucchetti und das Kohlrabi bei ihm gekauft. Seine Antwort: "Wasser, Wasser, Wasser!" - Er bezieht sein (Trink-)Wasser von der Stadt. Nachts steht er zweimal auf, um die Anschlüsse für die Bewässerung umzusetzen. Er schlafe im Moment sehr wenig. Die meisten Menschen würden aber nicht nach seiner Arbeit fragen. - Und dann verkauft er sein wunderbares Gemüse auch noch sehr preiswert. Ich habe den grössten Respekt vor ihm.

Donnerstag, 2. Juli 2026

Krasser Unterschied

 Am Morgen fuhr ich in die Stadt, um einen längeren Einkaufszettel abzuarbeiten. Alles in Butter. Ich kam flott voran. Fand sogar noch ein Sommershirt zum halben Preis. Hatte eine hübsche Plauderei mit einer "verrückten" älteren Frau. Wir wünschten uns dann einen schönen Tag, und ich schaute ihr nach. Immer möchte ich auch ein wenig "verrückter" sein. Meine Plauder-Kameradin trug einen "glismeten" Hut hoch auf dem Kopf, hatte darunter lange, graue Haare. Das blaue T-Shirt hatte sie aufgerollt bis unter die Brust. Blutter Frauenbauch und neckische Zahnlücke. Die getraut sich! - An der Kasse bezahlte ich mein Sommershirt bei einer flinken, fröhlichen Angestellten. Ich machte ihr ein Kompliment, und sie sagte, sie sei eben glücklich und fröhlich und wünsche mir das auch. da wurde ich das alles gerade ein bisschen - glücklich und fröhlich.

Jetzt am Nachmittag ist die Energie weg. Die Fröhlichkeit auch. Ob ich noch Fahrt aufnehmen kann?

Mittwoch, 1. Juli 2026

"Kreative Runde" - ein Spiel

 Ich habe das Spiel geschenkt bekommen. Man sollte es mit Gästen spielen. Aber ich mag keine Gäste verknurren, es mit mir zu spielen. Ich werde selber sehr ungern genötigt zu spielen.

Das Spiel besteht aus etwa 60 Karten mit Aussagen oder Fragen zu "Kreativität". Ich ziehe nun (fast) täglich so eine Karte und überlege mir eine Antwort. So spiele ich in aller Heimlichkeit und Ruhe gerne ganz allein. Heute stand auf der gezogenen Karte:

"Was hilft dir, Ideen in die Tat umzusetzen? Was hindert dich eventuell daran?"

Meine Freude an einer Idee verleiht mir Flügel. Ich werkle gern vor mich hin und schaue, was dabei herauskommt. Ich mag Farben so gern und Wolle und Stoff und...

Manchmal bräuchte ich etwas, das zuerst beschafft werden müsste. Das stört mich und hindert mich an der Ausführung. Oder ich bin altersmüde und lese lieber in meinem Buch weiter. oder ich muss endlich wieder einmal putzen...

Dienstag, 30. Juni 2026

Blauer Becher aus Dänemark

Ich will seit Tagen Minze ansetzen für Pfefferminzsirup. Der vom letzten Jahr reicht nur noch für drei, vier Becher. Wenn mir pures Wasser aus den Ohren tropft (ich meine, verleidet ist) , labe ich mich gern an einem  "Münzesirup". Er muss nicht erst gekocht werden wie Tee. Er steht immer bereit im Kühlschrank. Er ist erfrischend und belebt. Besonders, wenn ich ihn aus einem hellblauen Becher trinke.

Den blauen Becher habe ich letztes Jahr in Dänemark gekauft. Der Sommer war nicht so heiss damals. Das Meerwasser ziemlich kühl. Abends wehten meine Haare im Wind. - Nein, konnten sie nicht, weil sie sehr kurz waren. Aber die Vorstellung, dass meine Haare im Wind wehen, tut mir gerade gut. 

Ich muss mir heute Sachen vorstellen, die mir gut tun. Sonst werde ich hässig, weil mir so unangenehm heiss ist. Zum Beispiel Farben: Türkis, hellblau. Zum Beispiel Orte: Arosa am Tag, als ich meine gute Note für eine grosse Arbeit bekam. Vor unserem Holzhäuschen in der Toskana frühmorgens Ende Oktober. Zum Beispiel Gerüche: Saftige Aprikosen in Israel. Heuernte bei den Grosseltern. ...

Morgen  setze ich Minze an.

Montag, 29. Juni 2026

Menü auslosen

 Unsere beiden Mädels kommen nach den Sommerferien nur noch selten zu uns zum Essen. Am nächsten Montag ist zum letzten Mal ein reguläres Essen. Ich habe ihnen heute eine Aufgabe gegeben: Überlegt, was ihr aus meinem Kochrepertoire gern nochmals geniessen würdet. Einigt euch auf einen Hauptgang und ein Dessert.

Ihnen kamen - zu meiner Freude - ganz viele Menüs in den Sinn, die sie gern hätten. Sie konnten sich nicht festlegen und schrieben Zettelchen, die sie wie Lose falteten. Nach bestimmten Regeln wurde am Esstisch ausgelost, was es geben sollte. Reto und ich durften mitmischeln. Am Schluss wurden alle gefragt, ob sie einverstanden seien.

Heraus kam: TRARA! (Tusch)

BURGERS NACH ESTHER-ART

MOUSSE AU CHOCOLAT NACH RETO-ART

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute. 

Samstag, 27. Juni 2026

Wohlgetan

 Gestern haben wir unseren persönlichen Hitzetest bestanden. Wir sind mit ÖV nach Seelisberg gefahren, um einen Tag mit Freund und Freundin zu geniessen. Wie im Mittelmeerraum (und anderswo) haben wir vier eine Siesta im Schatten abgehalten, ehe wir zum Kaffee wieder zusammenkamen. Aus allen Winkeln des Hauses. Haben uns erzählt, was wir geträumt haben. Im Schlaf oder Halbschlaf. 

Wir haben ständig getrunken, aber für einmal wenig Weisswein, dafür viel Wasser und Tee. Und wir haben uns unterwegs mit Wasser aus Monis Geschenk-Sprühfläschli beregnet. Im Zug sogar ein nasses Tuch in den Nacken gelegt. Wobei Zug - viel angenehmer als in früheren Zeiten. Gut aushaltbar.

Heute nun ist Reto schon wieder auf grosser Reise: Kirchenchorausflug mit dem Car. Ich bin gespannt, was er erzählen wird.

Ich selber hätte überhaupt keine Zeit für einen weiteren Tagesausflug gehabt. Eine muss ja den Garten wässern, die Raupen hirten, den Sonntagszopf backen, viele Früchte einkaufen, den Menüplan für morgen und Montag ausdenken, die Zutaten posten, Geschirr von gestern und heute abwaschen, alles wieder in Ordnung bringen, denn etwas tun bringt Unordnung. 

Jetzt ist es Samstag um siebzehn Uhr. Ich habe getan; es ist wohlgetan.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso! 


Mittwoch, 24. Juni 2026

Heute-Wörter

 Wir hatten freundlichen Besuch oder Besuch von Freundin und Freund. Unsere Gespräche berührten 1000 Themen. Wörter daraus:

  • Höhlenspinne
  • Nebelflüchtige
  • Morgendbad
  • Kartoffelsalat
  • Waldhorn
  • Hebräischprüfung
  • Vermieteringlück
  • Teguechse
  • Irlandkleid
  • Violinschenkung
Aus jedem Wort lässt sich eine Geschichte spinnen...

Dienstag, 23. Juni 2026

Zahl des Tages: Dreihundertfünfzig

 Ich habe Wasser in den Garten getragen. Unsere Spritzkanne ist grüner Plastik und fasst zehn Liter. Ich habe unseren Pflanzen 35 Kannen voll Wasser gegeben. Viele Insekten sind gekommen und haben sich auch bedient am Segen. Die angriffige "Rossbräme" (Pferdebremse) hat meinen Kopf nur kurz umflogen; ich musste diesmal nicht flüchten.

Habe ich etwas zurück bekommen? - Zum Beispiel die gelbe, grosse Kürbisblüte, die über Nacht aufgegangen ist. Auch die Schokoladeblume hat eine neue Blüte. Ausserdem habe ich den Mauerseglern hoch in der Luft bei ihrem harmonischen Flug zugeschaut. Der Milan kreiste über uns, und ich riet unserem alten Kater, sich vorzusehen. In der Nähe hörte ich einen Girlitz, dessen Stimme mir Freund Sepp kürzlich aufgezeigt hat.

Als ich ins Haus zurück ging, war ich nicht etwa erfrischt sondern durchgeschwitzt. Zu den 350 Litern Wasser kommt noch ein Liter, den ich zu einer Ganzwaschung benötigt habe.

Montag, 22. Juni 2026

Ich habe es wieder getan

 Ein Buch mit 475 Seiten fertig gelesen. Von John Grisham, dem amerikanischen Schriftsteller, der nicht verwunderlich, vor allem Justizthriller schreibt. Nicht verwunderlich, weil er selber Anwalt war und das Metier also sehr gut kennt.

"Das Vermächtnis" ist in diesem Jahr deutsch herausgekommen. Sein neustes Buch?! - Der Anfang hat mich nicht begeistert; ein kleiner Anwalt will sich an einer alten Dame selbst bereichern. Alles ein bisschen mickrig, fast schmuddelig und unsympathisch. Aber dann wurde der Anwalt angeklagt, die alte Dame ermordet zu haben. Ab jetzt war ich dabei. Natürlich verrate ich den Ausgang der Geschichte nicht.

Manchmal lohnt es sich durchzuhalten. Bei Büchern und bei was sonst noch! Ich bin reicher an Erfahrung und Menschenkenntnis, weil ich den kleinen Anwalt Simon kennen gelernt habe. Er ist am Ende des Buches nicht mehr klein, sondern der Held seiner Geschichte. Wie es sich gehört!


Sonntag, 21. Juni 2026

Am Sonntagmorgen der Anruf

(Fast) jeden  Sonntagmorgen nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Ich glaube, das hat er angefangen, als ihm bewusst wurde, dass wir alt geworden sind. Er will die Zeit mit uns noch ein wenig auskosten. Und wir lieben diese Telefongespräche!

Wir wissen, dass er und sein Partner um zehn Uhr die Radio-Sendung "Persönlich" anhören wollen. Wir halbieren also unsere Sprechzeit gerecht. Fast immer jedenfalls. Mein Ehemann überbordet manchmal. Kommt zu keinem Ende, und ich stehe schon fast hinter ihm, reisse ihm fast den Hörer aus der Hand, will jetzt, bin dran! (Vielleicht sagt er dasselbe von mir.)

Manchmal hat Reto schon alles erzählt, was in der Woche war. Ich weiss nichts mehr (Neues). Aber dann erweist es sich wieder, dass mein Sohn und ich ein Thema haben, die nur uns gehört: Wir reden über Bücher. 

Stefan verkauft fünf Tage in der Woche Bücher, und er liest viele Bücher. Seit einiger Zeit in französischer oder englischer Sprache. Dafür bewundere ich ihn. - Ich bin eine Bücherfresserin. Seit ich pensioniert bin, lese ich wöchentlich mehr als ein Buch. - Mein Sohn und ich tauschen uns dann über die gelesenen Bücher aus. Wenn ich denn noch herstaggeln kann, wie meine Autoren und Titel heissen/hiessen. 

(Fast) jeden Sonntag nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Welche Freude!

Samstag, 20. Juni 2026

Mutprobe der anderen Art

 Eine beeindruckende Mutprobe ist das bangee-jumping; ich würde es niemals in Erwägung ziehen. Auch keinen Flug mit  dem Delta-Segel. Und nicht einmal einen weiteren Flug mit einem Flugzeug; drei  habe ich hinter mich gebracht. Einmal Griechenland, zweimal Chile zu meiner Freundin, die glücklicherweise wieder in der Schweiz lebt.

Für viele ist das Sprechen vor einer grösseren Anzahl Menschen eine Mutprobe. Das war es für mich sehr lange auch. Aber ich habe geübt und geübt, indem ich gepredigt habe als Theologin. Es wurde leichter mit der Zeit. Ich erinnere mich an einen Alpgottesdienst, wo es mir richtig Spass machte, mich politisch auf die Seite der Älpler und Bauern zu stellen: Der Milchpreis muss erhöht werden!!!

Vor einer halben Stunde habe ich eine ganz andere Mutprobe gemacht: Ich bin in den sehr, sehr heissen Garten gegangen und habe dafür gesorgt, dass alle drei Wasserstellen für allerlei Tiere neu befüllt wurden. Ich habe nach meinen zarten, vernachlässigten Pflänzchen geguckt, ob sie noch leben. Kurz - eine Mutprobe für eine Siebenundsiebzigjährige besteht darin, die Hitze zu bestehen und nicht in Verzweiflung zu geraten ob der Klimaerwärmung.

Freitag, 19. Juni 2026

Nein, keine Setzlinge kaufen

 Wir waren auf dem Markt und haben die Wärme gut ausgehalten. War ja auch Morgen. Aber es hatte deutlich weniger Leute als sonst am Freitag. Viele sind wohl vorsorglich zu Hause geblieben. Oder in der Badi abgetaucht.

Wir haben unseren Turnus auf dem Markt: Wir beginnen am Käsestand und kaufen Milch, Rahm, Butter und Käse, je nach Bedarf. Später begegnet uns "unser" Surprise-Verkäufer aus Eritrea. Wir mögen ihn, schwatzen ein paar Sätze mit ihm, und ich bin gespannt auf die Lektüre des neuen Heftes. Surprise ist gut gemacht, hat Themen, die mich interessieren und ist klug geschrieben. Die acht Franken pro Heft sind doppelt gut investiert. Der Verkäufer bekommt die Hälfte des Verkaufspreises.

Ich will dann unbedingt zum kleinen Hof-Stand mit dem fröhlichen Bauern. Heute haben wir Salat bei ihm gekauft. Bei Reto Meier, Permakultur-Hof, erstanden wir wieder Mönchsbart. - Ehemann Reto ist immer wild auf neue Blumen. Heute habe ich ihm abgeraten, Geld in die Hitze zu setzen. Zwei Tagetes wurden es allemal.

Im Kaffee "Alltag" genoss ich einen Caffe freddo; Reto sagte, er bleibt auch bei 40° beim Café Crème.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich bin zufrieden mit mir

"Glauben Sie ja nicht, dass es halt im Sommer normalerweise heiss ist; wir haben früh im Jahr eine ausserordentliche Hitze." - So fast wörtlich sprach der Meteo-Mensch gestern Abend und feuerte meine Sorgen ums Klima noch an. Heute Morgen am Radio sprach ein Bauernvertreter sehr ernst über die möglichen Folgen einer anhaltenden Hitze. Die Kartoffeln wachsen nicht mehr weiter, die Erbsen werfen die Blüten ab...Ich dachte an Hungersnöte in fernen Zeiten auch in der Schweiz. 

Aber ich hatte ja gestern beschlossen, dass zu leben ist! Auch bei Hitze. Zu leben, nicht zu verzweifeln.

So arbeitete ich zuerst eine Stunde lang im Garten. Wasser tragen. Verblühtes abschneiden. Drei vergessenen Salätchen gut zureden und sie einhüllen mit guten Kräutern. Vogelarten zählen, die ich zu Gesicht bekam. Mich freuen über die Spatzen, welche die Vogeltränke besuchen. Die Königskerze bewundern, die täglich mehrere Zentimeter in die Höhe wächst.

Dann schnappte ich mir meinen Einkaufszettel für die Stadt und wagte mich mutig hinaus und hinein in die Läden, die all meine Wünsche erfüllten. Ganzen Zettel abgearbeitet. Die Hitze noch nicht arg gefunden. Um Viertel vor zwölf Uhr war ich wieder zu Hause. Und jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir. Ich habe mich der Welt gestellt.   

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Hitzewelle beginnt

 So viel Hitze ist prognostiziert für die nächsten Tage - soll ich mir Sorgen machen? War es früher nicht auch manchmal ganz schön heiss? - Zum Beispiel beim Heuen in der Finsterthüelen. Zum Beispiel in meinem Dachschulzimmer, als ich Kleinklassen-Lehrerin war. Zum Beispiel im Zelt in südlichen Landen.

Das Leben fand damals auch statt mit Hitze. Sie gehörte einfach zum Sommer. Wir jammerten nicht, machten weiter. Tranken mehr. Stellten unsere Füsse in kaltes Wasser. Hielten die Unterarme unter den kalten Wasserstrahl. Gingen in die Badi. Und wünschten uns keineswegs den Spätherbst herbei.

Das tue ich jetzt auch: Kühlen Tee trinken und mich freuen auf die Aareschlucht. Wir haben heute Morgen eine Einladung dorthin bekommen. Zwar erst Ende Juli, aber die Vorstellung, die Erinnerung an die Aareschlucht, wo ich schon war, wo ich sein werde kühlt mich angenehm ab.

Dienstag, 16. Juni 2026

Ich bin die Hirtin

 Im Urner Oberland habe ich gelernt: sauber machen für die Tiere, füttern, hegen und pflegen, das alles heisst "hirten". Du kannst also auch dein Meerschweinchen hirten, wenn du keine Kuh hast. Und ich hirte meine Raupen. Alle zwei Tage schaue ich nach ihnen, beseitige die Kotkügelchen, entferne alten Fenchel, schneide frischen, stelle ihn in die Vase mit frischem Wasser und richte alles wieder ein und verschliesse am Ende das Rettungskistchen wieder mit Gaze.

Unterdessen haben sich zwei Raupen des Schwalbenschwanzes schon verpuppt, zwei haben sich kugelrund gefressen und zwei sind noch klein. Ich freue mich, wenn dann in zwei, drei Wochen die ersten wunderschönen Falter in den Sommer fliegen. Unterdessen giesse ich fleissig den Fenchel. Die Raupen mögen nur frischen Fenchel. (Fast wie meine Beste Freundin...)





Sonntag, 14. Juni 2026

Teenager

 Thirteen bis nineteen, dreizehn bis neunzehn - das sind die Jahre , welche die Zeit des Teenagertums bezeichnen. Die Jahre, wo es oft stürmisch zugeht im Leben der jungen Leute. Sie erleben einen körperlichen Umbau und müssen ihre Persönlichkeit entwickeln. Wer will ich sein? Wer kann ich sein?

Wir haben gestern den dreizehnten Geburtstag unserer Enkelin gefeiert. Es war (noch) wie immer: Im Garten, wo sie wohnt, trafen sich dieselben Leute wie letztes Jahr. Apèro, Feines vom Grill, Salate und Judiths berühmte Focaccia. Apfelcrumble-Kuchen mit 13 Kerzchen. Ausblasen mit einem Ausatmen. Alles (noch) wie immer.

Die Söhne von Kayas Gotti waren auch da. Wie immer. Aber einer ging bald, um seine Freundin zu treffen. Der andere blieb länger, hatte dann aber mit Kollegen abgemacht. - Siehst du, so wird es werden: Der Lebenskreis weitet sich. Beziehungen ausserhalb der Familie werden zahlreicher und wichtiger. Die Interessen verändern sich. Mädchen im Teenager-Alter würden ihren "Style" entwickeln, habe ich gelesen. Geschenke sollten dem Rechnung tragen. Dürfte es ein kleiner Diamant sein? Verspielte Schmuckstücke sind bei Ihrem Bijoutier zu finden...