Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich bin zufrieden mit mir

"Glauben Sie ja nicht, dass es halt im Sommer normalerweise heiss ist; wir haben früh im Jahr eine ausserordentliche Hitze." - So fast wörtlich sprach der Meteo-Mensch gestern Abend und feuerte meine Sorgen ums Klima noch an. Heute Morgen am Radio sprach ein Bauernvertreter sehr ernst über die möglichen Folgen einer anhaltenden Hitze. Die Kartoffeln wachsen nicht mehr weiter, die Erbsen werfen die Blüten ab...Ich dachte an Hungersnöte in fernen Zeiten auch in der Schweiz. 

Aber ich hatte ja gestern beschlossen, dass zu leben ist! Auch bei Hitze. Zu leben, nicht zu verzweifeln.

So arbeitete ich zuerst eine Stunde lang im Garten. Wasser tragen. Verblühtes abschneiden. Drei vergessenen Salätchen gut zureden und sie einhüllen mit guten Kräutern. Vogelarten zählen, die ich zu Gesicht bekam. Mich freuen über die Spatzen, welche die Vogeltränke besuchen. Die Königskerze bewundern, die täglich mehrere Zentimeter in die Höhe wächst.

Dann schnappte ich mir meinen Einkaufszettel für die Stadt und wagte mich mutig hinaus und hinein in die Läden, die all meine Wünsche erfüllten. Ganzen Zettel abgearbeitet. Die Hitze noch nicht arg gefunden. Um Viertel vor zwölf Uhr war ich wieder zu Hause. Und jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir. Ich habe mich der Welt gestellt.   

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Hitzewelle beginnt

 So viel Hitze ist prognostiziert für die nächsten Tage - soll ich mir Sorgen machen? War es früher nicht auch manchmal ganz schön heiss? - Zum Beispiel beim Heuen in der Finsterthüelen. Zum Beispiel in meinem Dachschulzimmer, als ich Kleinklassen-Lehrerin war. Zum Beispiel im Zelt in südlichen Landen.

Das Leben fand damals auch statt mit Hitze. Sie gehörte einfach zum Sommer. Wir jammerten nicht, machten weiter. Tranken mehr. Stellten unsere Füsse in kaltes Wasser. Hielten die Unterarme unter den kalten Wasserstrahl. Gingen in die Badi. Und wünschten uns keineswegs den Spätherbst herbei.

Das tue ich jetzt auch: Kühlen Tee trinken und mich freuen auf die Aareschlucht. Wir haben heute Morgen eine Einladung dorthin bekommen. Zwar erst Ende Juli, aber die Vorstellung, die Erinnerung an die Aareschlucht, wo ich schon war, wo ich sein werde kühlt mich angenehm ab.

Dienstag, 16. Juni 2026

Ich bin die Hirtin

 Im Urner Oberland habe ich gelernt: sauber machen für die Tiere, füttern, hegen und pflegen, das alles heisst "hirten". Du kannst also auch dein Meerschweinchen hirten, wenn du keine Kuh hast. Und ich hirte meine Raupen. Alle zwei Tage schaue ich nach ihnen, beseitige die Kotkügelchen, entferne alten Fenchel, schneide frischen, stelle ihn in die Vase mit frischem Wasser und richte alles wieder ein und verschliesse am Ende das Rettungskistchen wieder mit Gaze.

Unterdessen haben sich zwei Raupen des Schwalbenschwanzes schon verpuppt, zwei haben sich kugelrund gefressen und zwei sind noch klein. Ich freue mich, wenn dann in zwei, drei Wochen die ersten wunderschönen Falter in den Sommer fliegen. Unterdessen giesse ich fleissig den Fenchel. Die Raupen mögen nur frischen Fenchel. (Fast wie meine Beste Freundin...)





Sonntag, 14. Juni 2026

Teenager

 Thirteen bis nineteen, dreizehn bis neunzehn - das sind die Jahre , welche die Zeit des Teenagertums bezeichnen. Die Jahre, wo es oft stürmisch zugeht im Leben der jungen Leute. Sie erleben einen körperlichen Umbau und müssen ihre Persönlichkeit entwickeln. Wer will ich sein? Wer kann ich sein?

Wir haben gestern den dreizehnten Geburtstag unserer Enkelin gefeiert. Es war (noch) wie immer: Im Garten, wo sie wohnt, trafen sich dieselben Leute wie letztes Jahr. Apèro, Feines vom Grill, Salate und Judiths berühmte Focaccia. Apfelcrumble-Kuchen mit 13 Kerzchen. Ausblasen mit einem Ausatmen. Alles (noch) wie immer.

Die Söhne von Kayas Gotti waren auch da. Wie immer. Aber einer ging bald, um seine Freundin zu treffen. Der andere blieb länger, hatte dann aber mit Kollegen abgemacht. - Siehst du, so wird es werden: Der Lebenskreis weitet sich. Beziehungen ausserhalb der Familie werden zahlreicher und wichtiger. Die Interessen verändern sich. Mädchen im Teenager-Alter würden ihren "Style" entwickeln, habe ich gelesen. Geschenke sollten dem Rechnung tragen. Dürfte es ein kleiner Diamant sein? Verspielte Schmuckstücke sind bei Ihrem Bijoutier zu finden...



Samstag, 13. Juni 2026

Frisches , knusprig-knackiges Brot


 Jahrelang habe ich all unser Brot selbst gebacken. Dann kam Lidl und hat Brot zu einem unanständigen Tiefpreis angeboten. Wir gingen ab sofort zu unserer nächsten Bäckerei - und da kaufen wir nun seit Monaten unser täglich Brot.

Ich habe aber noch fünf Kilo Roggenmehl, drei Kilo Dinkelmehl und mehr Mehl im Vorratsschrank. Das soll mir keineswegs verderben. Heute habe ich gebacken. Knuspriges Roggenbrot mit Sonnenblumenkernen und einem "Hämpfelchen" (kleine Handvoll) Änis. Es schmeckt. Wir schneiden die frisch gebackenen Brote und Brötchen immer gleich an, wenn sie aus dem Ofen kommen. Sieht man/frau auf dem Föteli.

Freitag, 12. Juni 2026

Spatzen im Anflug

 Dieser Tage waren die Kirschen an unseren beiden bescheidenen Säulenbäumchen reif. Zum ersten Mal so etwas wie eine richtige Ernte. Sicher mehr als ein Kilogramm! Wir freuten uns und probierten ab und zu ein Früchtchen. - Aber nicht nur wir freuten uns. Die Spatzen-Gang, die wir sonst mögen, hatte die "Chriesi" auch entdeckt. Als wir gestern Abend vor dem Fernseher hingen, flog immer wieder ein Spatz an den Baum. Reto sprang jedesmal auf und rannte zum Fenster. Spatz weg, Reto weg, Spatz kehrt wieder. - Als mein Stresspegel zu hoch wurde, schnappte ich mir ein Löcherbecken und ging hinaus zu unseren beiden behangenen Bäumchen. Reto kam auch. Wir pflückten alle, alle Kirschen ab. Die guten ins Becken, die angepickten in den Garten. 

Donnerstag, 11. Juni 2026

An allen Ecken und Enden...

Heute Abend kommt auf SRF1 eine Sendung zum Thema "Langeweile". Wie wichtig es sei, sich zu langweilen. - Ist es also schlimm, dass mir nie langweilig ist?

Ich sehe überall Arbeit, und überall wartet vergnügliches Tun auf mich. - Zwei Knöpfe versetzen, weil mein Bauchumfang (noch) nicht kleiner geworden ist. Salbeisirup für den Winter machen; es gibt soooo viel Salbei im Garten! Einen Brief für drei coole Mädchen schreiben; sie haben mir eine gewaltig schöne Zeichnung geschickt. Walderdbeeren im Garten sammeln > sie werden eingefroren, bis es sich lohnt, Konfi daraus zu machen. Am Sommerpullöverchen weiter stricken. 

Am wichtigsten heute aber ist es, in Gedanken, Worten und Taten den Geburtstag meiner Enkelin zu feiern. - Ich war heute Morgen "käfelen" mit einer Freundin, die eine Schar Enkel*innen hat. Wir waren uns einig über die Freude, die sie uns bereiten. Ob meine Grossmutter ähnliche Gefühle hatte ihren dreizehn Enkelkindern gegenüber?

Für Langweile habe ich keine Zeit. Es wartet ja immer auch mindestens ein Buch, das weiter gelesen werden will.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Flower Sprouts

 Meine neuen Crocs sind eingearbeitet, d.h. ich war mit ihnen im Garten und habe gezogen (am alten Rucola, um ihn auszureissen), gegraben (Löcher für neue Setzlinge) und geschnitten (den Weg frei, dass wir zum Gemüsebeet kommen).


Gesetzt habe ich "Flower Sprouts", was wir noch nie hatten. Auf deutsch heisst die Pflanze "Kohlröschen und ist eine Kreuzung zwischen Rosenkohl  und Grünkohl. Soll bis in den Winter hinein geerntet werden können. Ich bin gespannt. Wir geben dieses Jahr viel Geld aus; sollte es Ende Jahr knapp werden, haben wir immer noch Kohlröschen.


Dienstag, 9. Juni 2026

Ein Tag mit Freunden

 Lange, lange schon war für heute abgemacht, dass wir uns mit Sepp und Vreny in Rafz treffen würden. Gartencenter Hauenstein. - Reto und ich gingen am Morgen aus dem Haus, und es nieselte und war kühl. Mir war es gleich nur noch halb um den Ausflug. Vreny hat später am Tag gesagt, dass es ihr genau gleich ging.

Aber wir hatten grosses Glück. Ab Rafz regnete es den ganzen Tag nie mehr, und wir konnten bei angenehmer Temperatur durch die ganze wunderschöne Gartenanlage spazieren. Sepp schaute sich, glaube ich, jeden Baum und jede Blume an und war sehr zufrieden. Auch mit unseren Einkäufen sind wir glücklich. Und das Mittagessen war köstlich. Der Weisswein von Flaach dazu schmeckte sehr gut. 

Als wir uns um vier Uhr am Bahnhof Rafz wieder trennten, waren wir uns einig, dass es sich mehr als gelohnt hat. Ein guter Tag unter Freunden! Und ich habe drei Samenkapseln der Nachtkerze geklaut, um sie zu Hause in die Erde zu stecken. 

Montag, 8. Juni 2026

Man sieht ja nichts

 Ehrlich, heute Morgen bin ich in unserer kleinen Wohnung herumgewirbelt, bis mir die Schweisstropfen in die Augen liefen. Überall fand ich Orte, die meinen Putzlappen nötig hatten. Und die Betten mussten neu bezogen werden. Reto brauchte mehr Pommes frites-Gewürz, das ich jeweils selbst zusammenmische. Viel Paprika und als Geheimwaffe gegen Bitternis das berühmte schweizerische Aromat. Eigentlich will ich die Glutamat-Schleuder nicht mehr brauchen. Oder fast nicht mehr? - Kurz und gut, ich bin sehr fleissig gewesen heute Morgen. Aber sieht das einer?? - Ich mache es wie mein Mami: Wenn sie fein gekocht hatte, sagte sie zu ihrem Ehemann: "Gäll, Fritz, i ha guet kochet?!" - Da konnte der Fritz einfach nicken, und beide waren zufrieden. 

Samstag, 6. Juni 2026

Popcorn

In jedem Tagesanzeiger-Magazin gibt es die Rubrik "Ein Tag im Leben". In der Nummer acht von diesem Jahr blickt mir ein fröhlicher Mann mit besonderer Tigerfell-Imitat-Mütze entgegen. Mich irritiert der Titel ein wenig:

"Der Kulturschaffende Hannes Hergarten baut in einer Berner Werkstatt mit Fremden ihre Särge." 

Es seien "Kisten mit Wert" wird später im Text erklärt. Und es sei wichtig, dass die Trauernden dann miteinander etwas essen und trinken würden. Der Tod sei eine gemeinsame Erfahrung, die zu begleiten sei. Einander nicht allein lassen in der Trauer. Sich nahe sein oder kommen.

Und dann wird es doch noch f4röhlich, und ich lache laut:

"Je nach Wunsch legen wir Holzspäne in den Sarg, Heu, Blätter oder Maiskörner, die im Verbrennungsofen zu Popcorn werden."

Freitag, 5. Juni 2026

Heute habe ich meinen Pullover spazieren geführt

 Mein bunter, bunter selbstgestrickter Pullover ist gerade richtig gross und gerade warm genug für einen kühlen Frühsommertag. Einziger Fehler: Ich habe blaue und rosa Mohairwolle eingearbeitet. Der feine Flaum "chrüselet" (kitzelt) mich die ganze Zeit ein wenig. - "Das biisst!" haben wir als Kinder gemault. Aber ich habe meinen Pullover heute stolz spazieren geführt.


Zwei Velofahrer am Rotlicht. Ein Junger und ein älterer. - Der ältere hat mich angeschaut und mir richtig wohltuend zugelächelt. Mein Pullover!

Donnerstag, 4. Juni 2026

Mein Traumhäuschen an der Hammerstrasse

 Es war schon immer mein Traumhäuschen, auch als es noch alt und gemütlich aussah. Dann wurde es umgebaut, und ich befürchtete das Schlimmste. Aber nein, es wurde noch schöner. Und lebendiger. 

Am Gartenzaun hängen Abstimmungsfahnen, die mir entsprechen. Das Häuschen ist dreiviertel hoch terracotta-braun. Der obere Drittel ist helles Holz. Auf dem Dach sind Solarpanels. Die Fensterläden sind smaragdgrün. Es gibt hinten hinaus eine Terrasse, unter der Kinder spielen können. An den Fenstern kleben Zeichnungen von Kindern. Vor der Haustüre gibt es Velos in verschiedenen Grössen und Farben.

Der Garten ist wild.

Träume ich davon, gerade so ein Häuschen zu besitzen? - Nein, es genügt mir, es aus dem Bus in die Stadt immer wieder zu bestaunen!

Mittwoch, 3. Juni 2026

Es muss eine Laufente sein

 Seit einiger Zeit gehe ich nicht gern einfach so spazieren mitten in der Woche. Als hätte ich nichts zu tun. Als wäre ich Rentnerin. (hihi) Als hätte ich immer Ferien. - Wenn aber etwas zu holen oder zu bringen ist, dann bin ich dabei.

Heute haben wir den Plastikabfall wieder nach Elsau gebracht. Die Sammelstelle in Winterthur ist leider aufgehoben. Wir also mit zwei vollen Säcken per Postauto an die Pestalozzi-Strasse. Zu Fuss die Treppe mit den blöden, breiten Stufen hinunter und weiter zur Abfallsammelstelle. Dann zu Fuss eine Stunde heimwärts.

Reto spannte den Regenschirm mal auf, mal klappte er ihn zu. Ich liess mich mit Wonne kühl berieseln. Aber die tiefschwarzen Wolken liessen auch mich Starkregen befürchten. Ob der Wind, der Wind auf unserer Seite war und die Wolken bewegte? Von uns weg bewegte? - Er tat es.

Trotz dräuendem Unwetter schauten wir unterwegs zwei Amseln zu, die am Ufer der Eulach ein ausgiebiges Bad nahmen. So ein fröhliches Geplantsche! Hinter ihnen stand hoch aufgerichtet eine Ente, als würde sie die Amseln bewachen.

Eine Stockente? Aber sie hat so einen langen Hals! Menschen haben doch auch unterschiedlich lange Hälse. Eine Laufente? Aber ausserhalb eines Gartens. War sie entwichen? War es doch eine Wildente? - Nachschlagen zu Hause ergab: Es muss eine Laufente sein.

Dienstag, 2. Juni 2026

Das Museum der Erinnerungen

Dirk Gieselmann hat sich im "Tagi-Magi" Nummer 8 von diesem Jahr Gedanken über das Erinnern gemacht. Er schreibt: 

"Ich gehe in die Vergangenheit hinein wie in ein kühles Museum an einem heissen  Nachmittag und besichtige die Exponate der Erinnerung."  

Und dann sieht er. - Er sieht seine Bilder der Vergangenheit. Er schwelgt geradezu in diesen Bildern.

 Man/frau darf sich ja vor Augen führen, was gerade passt, wohin gerade die Sehnsucht führt. Und dann ist alles wieder Gegenwart. Ich bin auf der Leiter, die mein Grossvater an den "Chriesibaum" (Kirschbaum) gestellt hat. Die "Chriesi" sind sonnenwarm und so süss. Der Chriesisaft läuft mir übers Kinn.

Oder ich erklettere die Eiche am Grubenrand, setze mich in die Astgabel und verschwinde in meinem Buch, das ich mitgebracht habe. 

Aber auch bin ich mit meinen SchülerInnen im Wald, im schönen kühlen Wald, weil unser Schulzimmer unter dem Dach viel zu heiss ist heute.

Ich segne im Urner Oberland die Kühe von Hans; Reto trägt den Weihwasserkübel. Hätte ich mir nie träumen lassen, so etwas Urchiges zu tun. Aber es tut wohl bis in die Zehenspitzen.

Welches ist das kostbarste Exponat in meinem Museum der Erinnerung? - Gewiss und auf Ehr, das behalte ich für mich.



Sonntag, 31. Mai 2026

Übernachtungsgast

Unser Sohn wohnt im Kanton Bern. Gestern ging er in unserer Nähe in den Ausgang und kam nachts zu uns zum Übernachten. So eine Freude, am Morgen aufzustehen - und da sitzt Stefan auf dem Sofa! So unterhaltsam, mit ihm Honigbrote zu geniessen und zwei statt einem Kaffee zu trinken! Weil er keinen Garten hat, habe ich ihm in unserem einen Kräuterstrauss gepflückt. Er kocht gern und gut; da sind alle Kräuter willkommen.

Er hat wieder eine "Räubergeschichte" von seinem quasi-Schwiegervater (93J.) erzählt: Steht der alte Mann nachts auf, um zur Toilette zu gehen. Stolpert und fällt. Das, worüber er gestolpert ist, erweist sich als Messer, das auf dem Boden lag. Er stolpert nicht nur und fällt um - er fällt mit der Wange so auf das blöde Messer, dass es sich in sein Fleisch bohrt. Da es Mitternacht ist, will der alte Mann im Pflegheim nicht stören. Er legt sich blutend ins Bett. Erst am Morgen entdeckt eine Betreuerin das Malheur. 

Der quasi-Schwiegervater unseres Sohnes ist schon beinahe eine Legende.

 Ach ja, und die Ferien im Ruhrgebiet, in Belgien und Luxemburg waren ein voller Erfolg. Schon gewusst, dass das kleine Luxemburg (80 km auf 50 km) eine eigene Sprache hat?


Samstag, 30. Mai 2026

Draussen 30 Grad, drinnen 23 Grad

Am Morgen haben wir die Salate gesetzt, die wir gestern als Setzlinge gekauft haben. Dazu ein orangerotes Strohblümchen und eine purpurrote Dahlie. Ich habe Steine aufgesammelt und Pflanzen gegossen. Und ich habe zu den beiden "Rüebliraupen" (Schwalbenschwanz) von vorgestern zwei weitere ganz kleine in die Sicherheit meines Raupenkastens gebracht. Sonst werden sie gefressen von Vögeln, Heuschrecken, Wespen oder anderen Fressfeinden. Übrigens haben die beiden ersten geretteten Raupen schon an Gewicht und Grösse zugenommen. - Am Morgen also haben wir im Garten gearbeitet bei angenehmen Temperaturen. 

Am Nachmittag aber lasse ich all meine wilden Mitgeschöpfe allein an der heissen Sonne. Sie tun mir echli leid, wenn sie schlaff in der Hitze hängen. Ich bin froh über unsere kühle Wohnung. Sie erlaubt mir, auch am Nachmittag aktiv zu sein. Echli zu räumen oder einen Brief zu schreiben oder den kleinen Papierberg auf meinem Pult abzutragen. 

Am Abend zieht es mich dann wieder hinaus. Vorher nicht.

Freitag, 29. Mai 2026

Erfüllt vom Morgen

 Ich staune, weil ich ganz voll bin. Voll von Eindrücken. Wir waren "nur" auf dem Markt in der Steinberggasse und Kaffee trinken unter Platanen mit der Freundin, die gerade von Ferien in Frankreich zurück gekommen ist. Sie hatte ganz viel zu erzählen von Marseille und Dolmen, die doch nur Steine sind. Von Flamingos, die mangels besonderer Krebse nur noch weiss, statt rosa sind.

Der Markt ist eine bunte Pracht. So viele Blumen und Gemüse und Früchte, was das Herz begehrt. Wir haben, weil ich hin gezogen habe, meine Lieblingsbauern besucht. Dem einen Rüebli im Bund abgekauft und dem anderen Mönchsbart. Der Permakultur-Bauer hat hinter seinem eigenen Bart gelächelt; er kennt uns schon.

Beim Kaffee trinken habe ich die Mauersegler gehört von hoch oben. Die Frau am gleichen Tischchen hat mir ihre halbe Lebensgeschichte erzählt. Beim Beck gab es die feinen Lyner-Wähen. Einfach perfekt zum Mittagessen, wenn man (zu) lange in der Stadt bleibt.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Alles wiederholt sich

 Ich habe zwei Schwalbenschwanz-Raupen "gerettet" vor den gefrässigen Heugümpern und wer sie sonst noch zum Fressen gern hat. Mit viel Fenchel in ein Holzkistchen versteckt. Luftdurchlässiges Gewebe davor gespannt. Und jetzt täglich schauen, ob sie wachsen.  - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Ich habe aus den in Öl eingelegten Rosenblättern mit Bienenwachs eine Salbe angerührt und in kleine Gläschen gefüllt - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Ich habe Kräuter geschnitten und auf dem Grossmutter-Schrank zum Trocknen ausgelegt. - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Langweilig? Routine? Nichts Besonderes?

Ich weiss nicht, was mit den Raupen dieses Jahr passiert. Letztes Jahr ist eine ausgebüxt. Werden wir sie fliegen sehen? Das ist immer von neuem berührend.

Die Rosensalbe ist gemacht wie immer, ABER zum erstenmal aus den Kartoffelrosen, die ich in Dänemark kennen gelernt habe. So viele Erinnerungen an das Meer und die Rosenfelder!

Ach ja, das mit den Kräutern wiederholt sich, das ist wahr.  

Mittwoch, 27. Mai 2026

Morgenessen auf dem Balkon meiner Freundin in Oerlikon

Eine Blumenkiste grenzt an die nächste. Stiefmütterchen in allen Farben, ein Bonsai-Rosmarin, Ringelblumen in einer Fülle, die mich neidisch macht..., und wir zwei Frauen essen Znünibrötchen vom Beck in der Nähe, trinken Kaffee oder Tee und erzählen uns von unseren Leben. Als ich mich um elf Uhr verabschiede, sage ich, dass ich nun nach Zürich HB fahre und dann weiter schaue, was ich mit meinem freien Tag noch anstelle. 

Aber an der Tramhaltestelle entscheide ich mich anders: Nummer 10 fährt auch zum Irchelpark hinauf. Dort laufe ich, schaue ich, geniesse ich Stille und Natur. Auf einer Bank neben einer asiatischen jungen Frau esse ich mein Zmittag, Trockenfrüchte und Nüsse von zu Hause mitgebracht. Auch die Wasserflasche ist dabei. Durst habe nicht nur ich:



Dienstag, 26. Mai 2026

Angenommen!

 


Meine gestern fertig gestellte Hundedecke wurde heute ganz selbstverständlich sofort "belegt" (oder  beliegt oder verlegen?). Geschlafen hat Yumi dann aber auf den kühlen Bodenplatten - bei diesen Temperaturen keine Beleidigung für mich!

Meine Enkelin kam heute nicht zum Essen - Mädelstreff in der Badi. Kann ich gut verstehen. 

Montag, 25. Mai 2026

Morgen kommt Yumi

 Yumi braucht auch bei uns eine Decke oder ein Hundebett. Jedenfalls einen Platz, wo sie entspannen kann. Einen Platz auch, auf den man sie schicken kann. Meine Tochter hat das schon mehrmals angetönt. Ich habe zum Spass gesagt, ich häkle eine Hundedecke.

Ist nicht meine Verantwortung, dieses Hundebett. Aber man (ich) kann ja mal googeln. Wahnsinn, was da alles gehäkelt, genäht, gebastelt wird für den Hund! Sieht gehörig nach Arbeit aus.

Ich wandere durch mein Zimmer, schaue in Kästen und Schubladen, gehe in den Keller, gedankenverloren, fast schlafwandelnd. Finde den Kleidersack, in dem ich im letzten Winter meinen neuen Mantel heimgetragen habe. Finde alte Leintücher, Badetücher. Finde eine Idee, wie es zu machen wäre.

Und dann werde ich "Sattlerin". Ich stopfe den Sack, streiche glatt, Reissverschluss zu. Obendrauf kommt ein weiches, lustiges Badetuch. Ich hefte, stecke Nadeln und nähe (von Hand). Nähe wie eine Sattlerin: Das Zeug ist dick. Ich brauche den Fingerhut, damit die Nadel mit Murks durchgeht. Morgen kommt Yumi; sie wird einen Platz zum Entspannen haben. 




Sonntag, 24. Mai 2026

Fünfzehn Kannen Wasser

Zwar ist der Garten beileibe noch nicht ausgetrocknet. Aber trotzdem habe ich heute vor dem Morgenessen fünfzehn Kannen Wasser verteilt. Wohl bekomms - den begossenen Pflanzen und meinem Körper, der sich gern bewegt!

Mein Ehekumpan singt in der Kirche während dem Pfingstgottesdienst. Nachher wird es einen Apéro geben im Kirchgemeindehaus, und Reto wird es geniessen, unter Leuten zu sein. 

Unterdessen habe ich Zopf gebacken, Salat im Garten geholt und mich über ein allerallerkleinstes Nacktschnecklein gewundert: Ein Millimeter dick, ein Zentimeter lang. Sowas. - Überleben durfte es nicht, das Arme. - Die Kartoffeln kochen. Der Käse steht bereit. Ich habe echli Hunger. Hatte das Schnecklein auch...

Samstag, 23. Mai 2026

Afrikanisch bunt

 Jedes Jahr besuchen wir über die Pfingsttage den bunten Markt von Afro-Pfingsten in der Winterthurer Altstadt. Heute Morgen waren wir da.

Wir haben sehr wenig gekauft, aber sehr viel geschaut und bewundert. Vor allem die Frauen in ihren bunten Gewändern haben mir sehr gefallen. Reto hätte gern, dass ich auch so fröhliche Stoffe trüge.

 Leider ist es mir nicht gegeben, dermassen aufzufallen. Mir fehlt das fröhliche Selbstverständnis der afrikanischen Frauen. Auch die Gabe, meinen Körper in seiner ganzen Fülle zu mögen, geht mir (immer noch) ab. Afro-Pfingsten ist also auch ein Ort für mich, um zu lernen. 

Freitag, 22. Mai 2026

Herr Metzger Metzger meint es gut mit uns

Der Gemüsemarkt in der Steinberggasse bietet weit mehr als Gemüse. Jetzt im Frühling ist er ein Blumenmeer. Und ja, ein bisschen Dichtestress ist auch spürbar. Aber es ist jedem und jeder zu gönnen, über diesen wunderbaren Markt zu gehen und zu kaufen, was das Herz begehrt. Reto wird schon bald glücklich gemacht mit einer "Schwarzäugigen Susanne", einer Kletterblume, die ihm noch gefehlt hat im Garten. Und ich darf endlich Basilikum posten, wo wir schon Sommerwetter haben. 

Irgendwann stehen wir am Verkaufswagen von der Metzgerei Metzger. Ich sage laut: "Was isst man eigentlich an Pfingsten?" - Es gibt eine Weihnachtsgans, den Osterlammbraten, den Erstaugustweggen...Aber an Pfingsten? - Herr Metzger weiss es auch nicht, verkauft uns aber gern zwei Koteletten für den Grill. 

Nicht auf dem Markt, aber am Graben finde ich blühende Schokoladenblumen. Sie machen mein Glück voll. Ich "päppele" seit Monaten in einem kleinen Töpfchen eine gesäte Schokoladenblume. Sie hat "schon" vier Blättchen. Ob sie je blühen wird?

Zu Hause räume ich unsere Esswaren ein, z.B. die Koteletten. Läck, sind die aber schwer! - Zwei Stück, so schwer. Ich lege sie auf die Waage: 737 Gramm!



Donnerstag, 21. Mai 2026

Die grüne Hölle

Reto schaut mich irritiert an, wenn ich behaupte, unser Garten sei eine grüne Hölle. Ich könnte auch ganz gehoben mit den Worten von Hildegard von Bingen sagen: Die Grünkraft der Natur ist am Werk in unserem Garten. Wobei Hildegard von Bingen, eine frühmittelalterliche Benediktinerin und Mystikerin, diese Grünkraft in allem sah. Die Grünkraft wohnt auch uns inne. - Abgehoben genug?

Zurück zu meiner grünen Hölle: Ich meine damit, dass in unserem Garten alles wächst wie verrückt. Ich komme nicht nach mit Roden, Reto kaum mit Gras mähen. - Zum Beispiel die Brennnesseln: Sie umzingeln alles in ihrer Nähe. Da nützt es nichts, dass ich heute eine schöne Anzahl Brennnesselspitzen zur Pasta gerührt habe. Ich musste am Nachmittag trotzdem zwei Kübel voll Brennnesselruten ausrupfen, damit der Rosmarin Luft bekam. 

Ach, ich will ja gar nicht klagen. Im Gegenteil. Ich habe heute schon Schnittlauch und Peterli für den nächsten Winter eingefroren. Auf unsere Grüne Hölle!

Dienstag, 19. Mai 2026

Nosferatu

 Dieser Tage lag eine ungeheuer grosse Spinne vor unserer Sitzplatztüre. War sie tot? Sie bewegte sich nicht und schien nur sieben Beine zu haben. Sowieso war eine Beinverwicklung im Vorderteil der Spinne.  - Ich stupste sie mit dem Fuss an. Sie bewegte sich, ordnete langsam ihre Beine; es waren alle acht. Bevor sie davon ging, holte ich den Fotoapparat. Zuerst eine Erkennungsfoto, dann ein paar "Fotonen", als sie schon unterwegs war.



Ich las, dass sie beissen kann, aber nicht schlimm > es tut "nur" etwa so weh wie ein Bienenstich. Die Nosferatu fängt ihre Beute nicht in einem Netz, obschon sie weben kann. Tagsüber versteckt sie sich in einem kleinen Wollgespinst. Nachts macht sie Beute. Sie kann gut klettern, auch in die oberen Stöcke eines Gebäudes.

Ich freue mich eigentlich immer, wenn ich in unserem Gärtchen ein neues Wesen entdecke. Biodiversität sage ich dem. Aber die Nosferatu habe ich in die hinterste Ecke unseres Gartens transportiert. Bitte, nicht in mein Zimmer kommen!

Montag, 18. Mai 2026

"Hast du die neue schon gelesen?"

" Die neue" bezieht sich auf die neue Schweizer Familie, ein "Heftli", das schon meine Eltern abonniert hatten. Also ein Magazin, das mein Leben begleitet und das ich immer noch sehr mag. Ein bunter Mix aus allem. Ich freue mich jedem Mittwoch auf die neue Ausgabe. 

Und nicht nur ich mag die Schweizer Familie - wir geben sie weiter. Unsere Tochter bekommt sie. Und sie gibt sie weiter. Unser Sohn bekommt sie. (Zwar Monate später; er ist ja nicht ständig in der Gegend.)

Ich glaube, mein Ehemann mag die Rätsel am meisten. Beide mögen wir "Frölein da capo". Ich mag den Mix, die schönen Fotos, Rezeptideen, Wissen, acht Unterschiede. - Was meine Kinder mögen, weiss ich nicht. Ob meine Enkelin sie auch liest, keine Ahnung.

ICH MAG EIN HEFT, IN DEM ICH BLÄTTERN KANN, DAS NACH PRINTMEDIUM RIECHT, DAS IM BRIEFKASTEN GEHOLT WIRD - EIN HANDGREIFLICHES LIEBLINGSDING.

Sonntag, 17. Mai 2026

So viele Bilder vor Augen

 Heute habe ich mit meiner Besten Freundin Kaffee getrunken im National. Wir haben echli geklönt über das Alter und so. Uns unsere Enkelinnen gezeigt auf dem Handy. Über frühere Zeiten geredet. Nächste Woche besprochen.

Jetzt habe ich so viele Bilder vor Augen von unterschiedlichen Zeiten:

  • meinen Coupe Danmark von heute mit viel feiner Schoggisauce
  • die Tavolata von gestern mit unserem Besuch
  • die gebastelten Kuscheltiere der drei Besuchs-Mädchen: einmal Fisch, zweimal Schildkröten
  • die Kellner und Kellnerinnen von heute - gute Alte Bekannte
  • die Küchen meiner Grossmütter
  • den Buschauffeur von heute
  • das graue, schlanke Velo eines Mannes
  • die dicke  wattierte, blaugraue Jacke meines Sitznachbarn
  • Orell Füssli von innen
  • Die Nosferatu-Spinne vor unserer Sitzplatztüre
Und Gerüche in der Nase:
  • Schneeballstrauch am Gartenzaun
  • hochparfumierter junger Mann vor mir im Bus
  • ...

Freitag, 15. Mai 2026

Liebe Moni, ich kann es auch!

Vor ein paar Wochen war ich zu einer wunderbaren Geburtstagsfeier eingeladen. Es gab Märchen zum Hauptgang und zum Dessert "Babka" - eine Art Russenzopf, aber anders. Aus dem Kochbuch "Jerusalem" von Ottolenghi. Fein, fein, fein!

Morgen bekommen wir Besuch von meinem "Göttibuben" mit seiner Familie. Ich freue mich schon heute - und erst recht, seit ich weiss, dass auch ich "Babka" kann. Muss nur noch eine halbe Stunde in den Ofen. Kommt gut!


Mmmmhhh!!!


Donnerstag, 14. Mai 2026

Kanada oder Aprikosenbäumchen

 Ausnahmsweise habe ich heute Morgen zugehört, was der Kandidat vom Ratespiel "Morgenstund hat Gold im Mund" am Radio zu erzählen hatte. - Er ist gleich alt wie mein Ehemann. Dieses Jahr fliegen er und seine Frau zum wiederholten Mal nach Kanada. Wohl altershalber zum letzten Mal, sagte er. Ein bisschen traurig kam er mir vor. Sie haben Freunde dort. Abschiedsrunde.

Mein gleichaltriger Ehemann fliegt nirgendwohin. Aber gestern hat er im Schweisse seines Angesichts ein Aprikosenbäumchen gesetzt. Gelocht, was das Zeug hielt. Steine ausgebuddelt und sich dabei auf die ersten Früchte gefreut. Als das Bäumchen stand und seine Blätter im Winde auf und ab wogten, stand er davor und schaute stolz sein Werk an. 

Würde die Welt morgen untergehen, sollte man heute noch ein Apfel-, Aprikosen, Kirschbäumchen...pflanzen. Das sollte man!

Mittwoch, 13. Mai 2026

Ich lese und lese und lese einen Krimi

 Es ist mir peinlich, aber es ist trotzdem so: Ich kann Krimis nicht ordentlich vom Anfang bis zum Ende lesen. Schon in der Mitte oder noch früher muss ich wissen, ob meine Lieblingsperson im Buch überlebt. Ich linse also kurz auf die letzten drei Seiten. - Uff, sie kommt noch vor - und er auch.

Zurück zur Mitte. Weiterlesen. Es ist grausam spannend. Ich halte das nicht aus. Ich blättere nach hinten, lese da ein bisschen und dort ein wenig. Erfahre, wer die Bösen sind. Lese entspannter weiter. 

Ich entdecke gut geschriebene Passagen. Ich swipe, lese vorne, lese hinten. Was für eine gut gemachte Geschichte! Ich bewundere die Autorin, verehre den Autor. 

Ich lese das Buch fertig und begegne ab und zu schon bekannten Stellen. Immer noch tut es mir leid, dass der junge Dunkelhaarige sterben musste. Aber diesmal nehme ich es gelassener.

Dann ist der Krimi aus. Schade! Wo ich mich doch gerade so freue, dass es für Tabea gut gekommen ist. aber ich nehme sie mit in mein Leben. Sie ist jetzt eine liebe Bekannte. 

Dienstag, 12. Mai 2026

Eine grosse, grosse Freude!


 

Meine erste Kartoffelrose ist aufgeblüht. Und wie sie duftet! - Sie versetzt mich an den Meeresstrand in Dänemark. Ferien letzten Sommer. Rosensalbe machen mit meiner Enkelin und Hagebuttenkonfitüre. Ich verweile noch ein bisschen dort...

Montag, 11. Mai 2026

Gabriele von Arnim hat ein neues Buch geschrieben

Ich habe ihr Buch über Schönheit gelesen. Jetzt hat die 79 jährige Autorin ein Buch über den Abschied geschrieben. In unserer Tageszeitung  wird es besprochen. Der erste Satz lautet: "Hin und wieder übe ich sterben." - Das tönt sehr ernst. Aber dann erzählt Gabriele von Arnim von ihren Freundinnen so humorvoll, dass ich laut gelacht habe:

"Die eine kauft sich immer wieder neue Unterwäsche, damit die Söhne nach ihrem Tod nichts Ausgeleiertes aussortieren müssen. Eine andere trägt nur feinste Dessous, will, wenn es so weit ist, "e schöne Leich" sein."

Sie selbst richtet vorerst Dinnerpartys aus. Nicht mit ausgeklügelten Menüs. Ein Topf Spaghetti mit Salat, Wasser und Wein genügt. Hauptsache, es kommen Menschen zusammen, die strahlen, wenn sie wieder gehen. Wie gut tut Zusammensein statt Alleinsein. 

Sonntag, 10. Mai 2026

Was würde meine Nachfolgerin (anders) machen

 Eine Art von Spiel aus dem Tagi-Magi Nr. 13 von diesem Jahr: Du bist dir nicht sicher, in deinem Leben das Richtige zu tun. Stell dir vor, du würdest aus Distanz auf dein Leben schauen! Stell dir vor, du gingest zur Tür hinaus und kämest als deine Nachfolgerin wieder herein.

Was würdest du mit der Sicht von aussen ändern? Bei Krogerus und Tschäppeler im Tagi-Magi heisst das so:

"Stellen Sie sich vor, Sie würden heute gefeuert - als Partnerin, als Mutter, als Angestellte. Morgen früh käme eine neue Person, die Ihren Platz einnimmt. Sie ist unbelastet, frisch, objektiv. Was würde diese Person anders machen? Welche Gewohnheit würde sie ablegen? Welchen Konflikt endlich lösen?

Und dann: Gehen Sie kurz zur Tür hinaus, kommen Sie wieder rein und tun Sie genau das."

Moment, ich komme morgen wieder. Muss mal spielen, ich sei meine Nachfolgerin

Samstag, 9. Mai 2026

Ein ziemlich gewöhnlicher Samstag

 Am Morgen mussten wir einkaufen. Der Kühlschrank war ziemlich leer. Aus zartestem Schweinsfilet, Zwiebeln aus dem Garten, Speck und roten Peperoni habe ich Grillspiesse zusammengesteckt und fein mariniert. Reto war der Feuermeister wie eigentlich immer. (Obschon ich auch gern "füürle".) Zu den Spiessen gab es Pariserbrot und Salat.

Nach dem Essen ist für mich (fast) immer Lesezeit. Der Krimi, der mir am Offenen Bücherschrank empfohlen wurde, hat mich gepackt. Es geht um unterschätzte und überschätzte Menschen. Einer im Kamelhaarmantel und mit braunen, gewichsten Lederschuhen. Eine im Putzfrauen-Overall. Wer ist wohl kriminell?

Die Siesta ist längst zu Ende. Seither habe ich einen langen Brief geschrieben und neue Couverts geklebt. Das ist genug für einen ziemlich gewöhnlichen Samstag.

Freitag, 8. Mai 2026

Zweimal neu

 Heute Morgen sind Reto und ich mit viel Aufregung zum erstenmal zu unserem neuen Hausarzt gegangen. Er praktiziert an unserer Strasse, was für alte Leute hervorragend ist. Hat kürzlich jemand gesagt, ab 70 fällt man durchschnittlich einmal pro Jahr um. Ich bin schon zweimal aus Dummheit gefallen. Brauchte aber keinen Arzt. Aber frau weiss ja nie!

Also, der neue Hausarzt: Sehr, sehr nett. Er liess sich alle Zeit der Welt für uns (3/4 h) und fragte tausenderlei, ohne die Übersicht zu verlieren. Etwas frech fand ich seine Frage, ob ich schnarchen täte. Beruhigend war die Bemerkung, ich hätte Übergewicht, aber es sei zu spät, um etwas zu unternehmen. Ha, fröhliches Geniessen ohne schlechtes Gewissen!

Eine Foto von ihm habe ich natürlich nicht gemacht. 

Eine Foto habe ich aber gemacht vom zweiten Neuen:

Ich habe aus altem Stoff eine Pyjama-Hose für den Sommer genäht. Alles von Hand. Ohne Schnittmuster, aber nach einer Zeichnung bei Google. Eine fröhliche Clown-Pyjama-Hose. Freu mich drauf, darin zu schlafen!



Donnerstag, 7. Mai 2026

Nette Begegnungen am Offenen Bücherschrank

 Einst waren es Telefonkabinen oder irgendwo sogar ein Taubenschlag. Bücherbox heissen sie und haben alle dasselbe Prinzip: Bring ein Buch, nimm ein Buch. Du brauchst kein Geld und keinen Ausweis. Es geht einfach darum, dass ansehnliche Bücher im doppelten Sinn ein weiteres Leben bekommen. Oder sogar zwei. Oder drei?

Heute war ich beim Bücherschrank am Graben. Ein dickes Buch habe ich gebracht und zwei neue (für mich) mitgenommen. Nächstesmal bringe ich zwei und hole eines. Es gleicht sich bestimmt aus.

Schön war es, dass wir gleich drei ältere Frauen waren, die da "geschneugget" (herumgesucht) haben. Eine mag nicht mehr dicke Bücher lesen, hat mir aber eines mit 600 Seiten empfohlen, das sie früher verschlungen hat. Alle drei sind wir Vielleserinnen. Begeistert von Büchern und eben auch von Offenen Bücherschränken. 

Mittwoch, 6. Mai 2026

Dass ich mich so am Regen erfreue!

 Wir waren bei Freunden und haben über die Natur geredet. Braucht sie uns Menschen, oder sind wir ihr Verderb? - Unser Freund ist überzeugt, dass sich die Natur selber hilft. - Schon, denke ich, wenn wir ihr genug Regeneration gönnen und sie nicht vollends ausbeuten.

Wir haben uns Krähengeschichten erzählt. Krähen könnten sich Grösse und Farbe eines Fahrzeuges merken, aus dem sie beschossen worden seien. Sagt unser Freund.

Und dann hat er nachgeschaut auf seinen Wetterinstrumenten, wieviel es schon geregnet hatte. Wir haben uns alle sehr gefreut über das Nass. Endlich!

Dienstag, 5. Mai 2026

Zuversicht und so

Zwei Bücher, eines habe ich sogar ganz gelesen, das zweite quer! Zwei Bücher, die mir helfen wollen in dieser ver-rückten Zeit! Wo all das erlaubt scheint, was ich für absolut unerlaubt hielt. Wo wir durcheinander kommen und nicht mehr so recht glauben, dass es gut kommt. Wo wir es schwer haben und (fast) die Hoffnung verlieren.

Zwei Bücher, die mir raten wollen. Eines habe ich mir selbst gekauft. Es hat den schönen Titel "Zuversicht". Das zweite wurde mir quasi aufgedrängt: "Hundert Dinge, die das Leben leichter machen".

Die Quintessenz aus beiden Büchern: "Du musst nur einfach das machen, was ich dir rate, dann wirst du dein Leben erfolgreich bestehen können, seien die Zeiten, wie sie wollen." - Das eine Buch fasst das in zehn Befehlen zusammen, das andere braucht hundert Imperative. 

Lassen Sie, Geben Sie, Folgen Sie, Vermeiden Sie, Fördern Sie, Kommen Sie, Lernen Sie, Glauben Sie, Tun Sie, Beten Sie, Seien Sie, Nutzen Sie, Ändern Sie, Meiden Sie, Kultivieren Sie Ihren Humor!

Letzteres tue ich: Ich lache laut und gehe im Garten ein Blümlein setzen. 

 

Montag, 4. Mai 2026

Wer sitzt neben wem

Die Frühlingsferien sind vorbei, und wir haben das Vergnügen, unsere beiden Mädels wieder am Tisch zu haben. Heute zu Country Potatoes, Salat und Cipollatas. Kennen sie, mögen sie. Bleiben nur zwei Wurstzipfelchen im Teller. - Das grosse Thema am Tisch ist die neue Sitzordnung in der Schule. "Gäng wie gäng" nach den Ferien werden die Schüler*innen neu platziert von den Lehrkräften. Uahh, schon wieder neben S.! - Was ist denn falsch an ihm? - Ach, er ist ein Knabe. Das reicht, um falsch zu sein. Und dann wird erörtert, wie man mit der Freundin wenigstens Sichtkontakt aufnehmen kann. Wenigstens das! - Schlimm, wenn man gerade vor dem Lehrerpult sitzen muss! Da kann man ja gar keinen Blödsinn machen...

Wer sitzt neben wem? - Kennen doch auch wir Erwachsenen. Zum Beispiel an einem Fest: Bitte nicht neben dem schmatzenden Grossvater! Meine beiden Grossväter haben geschmatzt. Und bitte nicht neben der Tante, die immer ihren Löffel in mein Dessert versenkt hat! Auch nicht neben dem Onkel, der politisch unkorrekt war. Und neben niemandem, der/die langweilig war. Und nicht neben einem, der versuchte seinen Fuss unter dem Tisch auf meinen zu stellen. - Neben wem also?

Und hallo, wer mochte sich neben mich setzen?

Sonntag, 3. Mai 2026

Die Saison ist eröffnet

 Wir lieben es, am Sonntag einen Apéro unter den Bäumen beim Schloss Hegi zu geniessen. Den ganzen langen Winter mussten wir darben und warten. Jetzt ist die Schenke am Wochenende wieder geöffnet. Heute waren wir dort. Zwei Glas Hegemer Weisswein, zwei Päckli Paprika-Pommes-Chips und ein  interessantes älteres Paar am gleichen Holztisch. Schön war es, und fein waren später die Ostschweizer Spargeln zu Hause. Auch wenn...Auch wenn die Sauce Hollandaise nicht gelungen ist. Diesmal. - Nächstes Mal kommt sie wieder gut. Das Rezept ist genauer zu befolgen. Ein Esslöffel Wasser ist nicht zwei. Und die Hitze des Wasserbads, das weiss man doch, darf nicht zu hoch sein. Weiss man doch!

Samstag, 2. Mai 2026

Schwarze Fingernägel

Nein, ich habe sie nicht lackiert, meine Fingernägel. Ich habe nur echli im Garten gearbeitet. Ein wenig in der Erde gebuddelt. Für Kaya ein Stöcklein Cherry-Tomaten gesetzt. Das schon ein paar reife Früchtchen (oder Gemüserchen?) hat. Ich habe eines geschnaust; die Grossmutter muss doch wissen, was sie der Enkelin vorsetzt. Fein tomatig und süss! Aber eben, ich habe schwarze Fingernägel. Und die habe ich immer wieder oder fast ständig in der Gartenzeit. - Übrigens hat besagte Enkelin türkisfarbene Fingernägel. Sie buddelt auch kaum mehr in der Erde. Keine Zeit. Die Siebnerbande ruft. (Sieben Mädels, die von der wenigen Freizeit viel miteinander verbringen.)


Freitag, 1. Mai 2026

Wer sind Nitsch, Lorenz und Kira?

 Gestern verbrachten wir einen fabelhaften Tag mit unserer Enkelin im Freilichtmuseum Ballenberg. Oh, so viele Eindrücke und am Abend so viel Gedrücke in meinem Magen von all dem Guten, das wir uns gegönnt hatten.

Wir hatten so viel Glück mit dem Wetter. "Nicht zu heiss und nicht zu kalt, gerade richtig." sagte Kaya. Zwar gingen die Grosseltern nicht so leichtfüssig über Stock und Stein wie die Enkelin, aber es genügte allemal, um viel Spass zu haben.

Wir haben beim Käse-Machen zugeschaut und beim Töpfern. Hat der interessante Töpfer mit seinen langen Haaren und dem markanten Schnauz doch so feines Geschirr für die Puppenstube hergestellt. Er hat erzählt, dass in früheren Jahren die Wanderverkäufer von Töpferwaren eine Musterkollektion von Mini-Geschirr bei sich hatten. Die "echten" Tassen und Töpfe konnte man dann bestellen.

Das absolute Highlight des Tages aber war die Planwagenfahrt mit Kutscher Ivo. Ich war so total glücklich, als Kaya auf dem Kutschbock die Zügel selbst in die Hände nehmen durfte. Und Hund Kira leckte ihr die Hände zur Unterstützung. Die beiden Pferde Nitsch und Lorenz gingen mehr links oder mehr rechts, wie Kaya das wollte. Grossartig!



Mittwoch, 29. April 2026

Dieses Gleichzeitige

 Am Morgen wollte ich den Garten giessen. Aber da hat es geregnet. Jedenfalls fünf Minuten, und nach weiteren fünf Minuten war alles wieder trocken; ich goss Kanne um Kanne.

Jetzt ist schon vier Uhr nachmittags. Gerade war ich wieder im Garten. Noch den Gout des Glacestengels im Mund. Unter den Füssen das sonnenwarme Gras. Weich und warm. Am Hals die ersten zwei Mückenstiche, die jucken. In den Ohren die ganzen Autos auf der Strasse hinter dem Gartenhag. Und zum Glück höre ich auch ein Insektensummen. Die Wespe ist es nicht, die gerade gefährlich nahe an mir vorbei kurvt. Warum sind die kleinen Wildbienen so hektisch, die ich mir anschauen möchte. Letztes Jahr waren sie noch nicht bei uns. Das grüne Flecklein auf der Skabiose ist wirklich ein Heugümperchen. So winzig klein noch. 

Beim Schauen bin ich froh, dass ich am Morgen gegossen habe. Das soll all dem Grün gut tun, dem ich fast beim Wachsen zuschauen kann. 

Dienstag, 28. April 2026

Schaumzikaden an meinem Estragon im Garten

 Ich habe ein Riesenbuch über Insekten. Achtunddreissig Zentimeter hoch, achtundzwanzig breit. Wirklich riesig und manchmal echli gruselig. Wenn zum Beispiel eine Kopflaus zwanzig Zentimeter breit gezeigt wird. Aber ein Buch, das ich immer wieder anschaue:


In meinem Buch ist auch die Schaumzikade vergrössert gezeigt. Zwei Schaumkügelchen sind an meinem Estragon. Der Schaum werde auch Kuckucksspeichel genannt, steht in meinem Buch. Und in diesem Schaum wachsen die Nachkommen, schön feucht und gut versteckt. Hier die Abbildung dazu aus meinem Buch:


Die erwachsenen Zikaden sind so braune, kleine Hüpfdinger, die ich schon oft gesehen habe, aber nie mit dem Schaum in Verbindung gebracht habe. Ich mag es sehr, sehr, immer wieder Neues zu lernen. Zusammenhänge zu erkennen. Zu staunen, was es doch alles gibt.


Montag, 27. April 2026

Capuns zum Ersten

 Krautstiel oder Mangold - scheint dasselbe zu sein! Jedenfalls ist Reto mit Mangold aufgewachsen und ich mit Krautstiel. Ich liebte sie nicht, diese erdigen, faserigen, in Stücke geschnittenen Stiele an weisser Sauce. Ich glaube, die Blätter haben wir nicht gegessen, bin aber nicht sicher.

Seit ein paar Jahren pflanzen wir in unserem Gärtchen das Gemüse an, um dann Capuns zu kochen. Das ist eine Bündner Spezialität: Krautstielblätter kurz blanchieren, auslegen auf Küchentuch, einen Löffel Spätzliteig angereichert mit gebratenen Speckwürfeli darauf geben, Päckli machen, in Bouillon köcheln, mit Sieb herausheben, darüber Reibkäse und gedünstete ZwiebelKnoblauchButter. Mmmmhhhh!

Heute war es so weit! Die ersten Capuns in dieser Saison. So wunderbar gewachsene, hellgrüne, zarte Krautstielchen, bereit zum Ernten. Nur wenige Frasslöcher von Schnecklein, die auch noch wachsen werden. Die Ersten sind die Besten! (Capuns, nicht Schnecken!)

Samstag, 25. April 2026

Den besseren Teil

 Als ich eine junge Mutter und Hausfrau war - Hausfrau eher gegen meinen Willen - beschloss ich, einen Deal zu machen. (Damals sagte natürlich keine "Deal".) - Wenn ich denn schon den Haushalt übernehmen musste, sollte mein Ehemann dafür auf immer und ewig die Steuererklärung übernehmen müssen. Das gelobte er zu tun. Und so sitzt er jetzt am grossen Tisch inmitten von Papier, von dem ich nichts verstehen muss. Noch stöhnt er nicht vor sich hin, aber das wird kommen.

Ich aber darf mich dem Geburtstag unserer Tochter Judith widmen. Eine Karte schreiben. Echli etwas einpacken. Viele, viele gute Gedanken haben. Mich auf morgen freuen, wo wir eingeladen sind. Stolz auf meine Tochter sein. Dankbar! Sehr dankbar!

Freitag, 24. April 2026

Das Herz geht mir auf

HEIMAT

Darf ich vorstellen: Das ist die Finsterthüelen. Paradies meiner Kindheit. Ganz oben unter dem Waldrand steht das Höflein meiner Grosseltern. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein waren wir zwei bis dreimal pro Woche nachmittags dort oben. Die Erwachsenen (Mutter und Gotte) haben den Grosseltern auf dem Land geholfen. Wir vier Kinder (Schwester und ich, zwei Cousins) haben wenig geholfen und viel gespielt und herumgetollt.

Ein Freund hat mir diese Foto geschickt mit der Frage: Wo ist das? - Ich habe es gewusst!
 

Donnerstag, 23. April 2026

Monis Geburtstag

 Nein, da kann ich nicht alles erzählen. Auch nicht die Hälfte. Nicht einen Viertel. Am wichtigsten:

ES WAR EIN WUNDERBARER ABEND IN MONIS MÄRLISALON IN THALWIL!

Gut zwanzig Menschen liessen sich an fünf Tischen nieder und bekamen zuerst einmal zu essen und zu trinken. Verveine-Tee aus dem Samowar. Malfuf (Krautwickel) aus der Tajine. Und viele "Aufwerterli und Abrunderli". 

Ich sass so wohl mit der Wohnungsvermieterin von Moni und zwei weiteren tollen Frauen. 

Dann erzählte Moni das Märchen "Vo de Frou, wo ihren Furz isch go sueche". Es ging um genau solche Krautwickel (Malfuf), die wir gegessen hatten. Und es ging um fröhliches Lachen (und ekliges Gemecker). Es ging um Selbstbehauptung (und Nachahmung). Es ging um einen deftigen Furz (und einen mickrigen Furz). - Es war urmenschlich und unvergesslich.


Ich habe Moni meine blaue Schale und 50 Vögel mitgebracht. Gebastelt, gekauft, gefunden.


Einen habe ich für mich behalten, den einundfünfzigsten.



Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.


Dienstag, 21. April 2026

Müssen oder dürfen

Ich hatte heute bis jetzt keine Zeit, um an die Sonne zu gehen. Und jetzt ist schon Abend. Ich werde Znacht kochen und mit Reto on TV sein. Dann lesen. Dann schlafen. Keine Zeit für die Sonne!

Okay, wir hatten Gäste zum Mittagessen. Die Wohnung musste aufgeräumt und sauber gemacht werden. - Musste sie das? - Der Hund musste ein, zwei Gudeli-Päckli bekommen. - Musste er? - Ich musste die angekündigten Pastinaken zubereiten. - Musste ich? - Meine Enkelin strickte nach dem Essen; ich musste es ihr gleichtun. - Musste ich? - Nach dem zweiten Aufräumen musste ich Siesta machen. - Musste ich das? - Morgen bin ich zu einem Geburtstag eingeladen; ich musste noch eine Karte schreiben. - Musste ich ? - Ich musste meinen täglichen Apfel essen. - Musste ich ? - Und jetzt muss ich bloggen, weil sonst jemand enttäuscht ist. - Muss ich wirklich, oder meine ich nur zu müssen?

Ich habe das alles gern gemacht. Ich wollte. Ich musste nicht. Aber an die Sonne hätte ich schon gehen MÜSSEN! Oder?

Montag, 20. April 2026

Wir als Abfalltouristin und -tourist

Noch vor ein paar Monaten konnten wir unseren gesammelten Plastikabfall in unserer Nähe entsorgen. Aber eines Tages hingen Zettel an den Abfallbehältern: Wir heben diese Sammelstelle auf! Die nächste befindet sich in der Gemeinde Elsau.

Reto ist schon mal hingefahren und hat einen speziellen vollen Sammel-Sack entsorgt. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, es sammelt sich ungeheuer viel Plastik an in unserem kleinen Haushalt. Wir sind ratlos, wie wir den verringern können. - Item, heute standen zwei volle Säcke bereit, und ich hatte angekündigt mitzukommen.

Postauto nach Elsau, Pestalozzistrasse. Die ganzen Treppen hinunter zum Werkhof und die Säcke hochwerfen auf die schon vorhandenen. 

Mit freien Händen und willigen Füssen sind wir der Eulach entlang nach Hause gebummelt. Wiederum so ein schöner Frühlingstag. 

Sonntag, 19. April 2026

Faszinierend

 Ich mache täglich ein paar Runden durch unser Gärtchen. Retos viele Blumen sind wunderschön. Unser Kater sonnt sich auf dem Fenstersims. Die Hornisse bringt mich immer noch dazu, wegzurennen. 

Heute habe ich einer kleinen Kreuzspinne zugeschaut. Sie hat zwischen den noch kahlen Zweigen des Feigenbäumchens ihr Netz gesponnen. Aber was ist passiert? - Der Wind hat zwei, drei Samenfallschirmchen eines Löwenzahns just in ihr Netz getrieben. Und das passt ihr nicht. 

Bei einer solchen Aktion habe ich noch nie zugeschaut: Die kleine Spinne packt das Fallschirmdach des Löwenzahns mit ihren Beinen, Füssen, drückt es zusammen und versucht es nach unten zu bringen. Siehe da, mit Ach und Krach bringt sie das erste Sämchen wieder zum Fliegen, ohne dass ihr Netz kaputt geht.

Das zweite ist mühsamer. Wahrscheinlich klebt es fast zu stark. Aber die Spinne müht sich erneut. Bringt alle Beine um das weisse Dächlein in Stellung. Drückt, schiebt, wendet alle Kraft an. Das Schirmchen kippt. Jetzt ist der braune Samen oben. Stossen, stossen, bis auch dieses Samengebilde aus dem Netz befreit ist und fort torkelt.

Die Spinne verschwindet hinter dem Stämmchen der Feige. Muss sie ausruhen? Wird sie ein neues Netz an einem anderen Ort bauen?

Freitag, 17. April 2026

An einem sonnigen Tag auf den Wochenmarkt

 Mit dem Bus bis Schmidgasse und dann zum Markt spazieren. Wir sind nicht allein. Alle, fast alle, haben gute Laune bei so einem hübschen Tag. Das Lächeln sitzt locker in den Gesichtern. Nur unser Surprise-Verkäufer hat noch die Kapuze über die Mütze, über den Kopf gezogen. Aber er streckt uns lachend die Hand entgegen, obschon wir ihm heute nichts abkaufen; er weiss, dass ich das Heft schon habe.

Ich will zu Reto Meier, der mit seiner Partnerin einen Permakulturhof betreibt. Heute hat er Tulpen zum Verkauf, soweit das Auge reicht. Weil es so viele sind, dürfen wir alle drei gratis mitnehmen. Einfach auswählen! Wir kaufen noch Kopfsalat und Riesenradiesli.

Reto ersteht Salatsetzlinge, und ich brumme ihm noch Pastinaken auf, für die er lange, lange anstehen muss. Die gibt es erst am Dienstag, wenn Judith und Kaya kommen.

Wir kaufen am Pilzstand (!) ein halbes Kilo weisse Spargeln zweiter Klasse. Da gibt es frische Morcheln. Habe ich noch nie gehabt. Wir bekommen erklärt, wie ich sie köcheln soll. Wir kaufen zwei der Riesenpilze. 

Nach dem Kaffee mit Bretzel (zum Zmittag) geht es nach Hause. Beim Ausstieg komme ich partout nicht in den Rucksackträger mit dem Arm. Eine alte Dame mit feuerroten Lippen hilft mir. Danke vielmal! So geht Solidarität.

Donnerstag, 16. April 2026

In die Stadt

Wir wohnen in Winterthur, und das ist eine Stadt mit über 100000 Menschen. Eine Stadt! Aber ich sage: "Heute gehe ich in die Stadt und treffe eine Freundin." - Oder ich sage: "Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer." - Oder: "Ich muss in die Stadt, weil ich meine Zahntabs nur in der Stadt bekomme."

Wohne ich also nicht in der Stadt Winterthur? Wo dann? - Ich wohne im Stadtteil Oberwinterthur. Oder viel besser: Ich wohne an der Hegifeldstrasse. Da bin ich zu Hause. Da kenne ich etliche Nachbarinnen und Nachbarn. Ich weiss, wie lange der "Spazier" um den Park dauert. Ich kenne mich aus. Ich komme gern zurück in "mein" Haus, in unsere Wohnung.

In die Stadt zu gehen, bedeutet, einen Ausflug zu machen. - Welchen Bus nehme ich oder doch den Zug? Welche Einkäufe tätige ich? Reicht es für einen Kaffee? - Manchmal gehe ich gern in die Stadt, manchmal aber muss es einfach sein. Zahnarzt, Augenärztin, Kleider. - Heute ging ich gern in die Stadt; ich traf eine Freundin zum Kaffee.

 

Mittwoch, 15. April 2026

Ich kann es einfach nicht

In meinem einen Kasten gibt es eine Bananenschachtel. Sie ist voller Material zum Basteln. Ich habe es gesammelt und sammle (leider!) immer noch, um mit den Mädels zu basteln. Aber die Mädels sind gross geworden und haben gar keine Zeit mehr zum Mäusehäuser einrichten und Versteckzwerge bezipfeln. Beginnt Kaya zu lismen, muss sie nach zwei Nadeln gewiss schon wieder in die Schule. Wie soll da je ein Schal fertig werden. Und wie soll da je mein gesammeltes Material verbraucht werden.

Material tönt gut. Zu gut. - Sicher, es gibt kostbare Perlen zum Auffädeln. Es gibt Lederstücke und Fellresten. Und die Kulleraugen zum Aufkleben bringen mich zum Lachen. - Aber es landet auch jedes leere Röllchen von Klebestreifen und Nähfäden in der Bananenschachtel. Sogar die Netzchen von den Zitronen sammle ich. Und, und, und...

Heute habe ich selbst gebastelt. Weil es Spass macht, und weil hoffentlich viel Material verschwindet. - Drei leere Holzfadenspulen, ein Klebestreifenröllchen, zwei Steine, zwei Quadratzentimeter gelben Karton, vierzehn Kulleraugen und viel Leim habe ich verbraucht. - Vierzehn Kulleraugen, das ist gut! Hihi, haha...

Dienstag, 14. April 2026

Reto und ich an einem Regenwettertag

An meinem Pult lässt sich nicht nur schreiben sondern auch flicken. Ein Paar Hosen von Reto. Heruntergerissene Säume. Fadenfarbe hellgelb. Gut gegen das Sch....wetter. Aber meine Hosen in hellbeige lassen sich nicht mehr flicken. Dabei sind sie so bequem. Oh, oh, oh. Leiser Jammer nur für mich.

Dann ein Knall und ein Fluch, und unsere Küche ist überall mit Teig besprenkelt! Am Boden ganze Pflatsche, an der Wand Teig da und Teig dort auf zwei Metern Länge und ganzer Höhe. Und Reto mitten drin am laut Schimpfen. Ist aber auch wahr, so eine Sauerei, wo er doch voll Hingabe Bretzeli machen wollte.

Geknallt hat es, weil der eine Quirl auseinander geborsten ist. Der "Cheib"! Von meinem Mixer! Aber hallo! - Miteinander putzen wir die Küche. Trifft sich doch gut, dass ich die Wand gerade heute Morgen geschrubbt hatte!?! 

Reto und ich beide zurück auf Feld sowieso: Ich muss auf neue Hosen los, Reto auf einen neuen Quirl. Meine Mutter würde sagen: "Gschääch nüt Schlimmers!" 



Montag, 13. April 2026

Muschelkalk

 Muschelkalk ist ein guter Dünger. Ausserdem kann man die vielen, vielen Muscheln, die frau im Laufe des Lebens gesammelt hat, nützlich "entsorgen". Aber! Ganz können sie nicht auf die Gartenbeete. Und sie sind hart. Mit Mörsern geht da gar nichts, ausser, dass Hand und Arm schmerzen. 

Reto und ich haben etwas ausgedacht und dann die Mädels nach dem Essen die Arbeit machen lassen: Ein grosses, altes Badetuch auf den Rasen, ein dickes Brett darauf, zwei "Hampfele" (Hände voll) Muscheln auf das Holz, ein altes Küchentuch darüber und je ein Hammer für die Mädels. 

Sie haben gehämmert, total fleissig und heftig. Die Muscheln sind zertrümmert worden und beim Weiterhämmern immer kleiner geworden. Richtig brauchbar als Dünger. Etwa ein Drittel ist getan. Morgen geht es weiter. Es macht sogar Spass, mit dem Hammer drein zu schlagen; ich habe es auch ausprobiert. Nur das Knien! Das Knien kann ich nicht so lange wie die jungen Damen!

Samstag, 11. April 2026

Frau Nachbarin hat es auch erwischt

 Das Gartenvirus greift um sich. Ich habe Löwenzahnknospen gepflückt, um sie als Kapern einzulegen. Zwölf Gisegeiseli (Gänseblümchen) liegen zum Trocknen aus. Der Gundermann hat auch hübsche Blüten (für den Winter). - Frau Nachbarin hat Zwiebeln gesteckt und Salat gesetzt. Sie beklagt sich ein bisschen über das Unkraut, dem ich Beikraut sage. Die Oma trägt Gartenhandschuhe. - Ich schnappe mir jetzt das geliebte Buch von Gisula Tscharner, "Hexentrank und Wiesenschmaus". Über den Winter vergesse ich immer, wie genau ich meine Löwenzahnknospen verarbeiten muss/darf. An die Arbeit!

Freitag, 10. April 2026

Retablieren

 Ich habe lange ein anderes Wort für diese Tätigkeit gesucht, aber nicht gefunden. Retablieren heisst, alles wieder in Ordnung bringen, an seinen Platz zurück stellen. (Leider wird das Wort vor allem militärisch gebraucht.) - Ich retabliere in Bezug auf gestern: Rucksack leeren, Trinkflaschen versorgen, Geld zählen, das bleibt. 

Wenn retabliert ist, noch ein bisschen "umechnuuschte". Mein Kleiderkasten steht offen. Ich habe den Boden ausgeräumt, sauber gewischt und meine wollenen Socken gezählt. Ich habe alte Lavendelsäckli aussortiert und an feinen Seifen "gschmöckt", die zwischen den "glismeten" Jacken liegen. Jetzt bleibt für heute noch das Flicken einer Hose. 

Bald beginnt das Wochenende; ich liebe es.


Donnerstag, 9. April 2026

Mutprobe

 Schon sehr, sehr, sehr lange war ich nie mehr einen ganzen Tag allein unterwegs. Und schon gar nicht allein in den Ferien, was ich vor Zeiten ab und zu gemacht habe. Ich wollte wissen, ob ich das noch kann, allein wandern gehen. Wollte wissen, wie sich das anfühlt.

Ich bin nach Hause zurück gekehrt nach meinem Wandertag am Hallwilersee. Es fühlt sich grossartig an. Ich habe mir ja den schönsten Frühlingstag ausgesucht. Am Hallwilersee blühen nicht nur die Kirschbäume, die Birnbäume stehen auch im vollen Blust, und die ersten Apfelbäume lassen rosa angehauchte Blüten erkennen. Ich habe eine Nachtigall zuerst gehört, dann auch gesehen. Zwei Störche kreisten hoch am blauen Himmel. Und die zehn Zentimeter lange rotorange Raupe heisst Weidenbohrer. 

Ich habe Käse von Boniswil heim gebracht und einen Chardonnay vom Weingut Lindenmann in Seengen. Ganz nahe von Boniswil. 

Ich bin eine Stunde gewandert von Beinwil nach Birrwil. Nach einer Glace- und Pinkelpausen bin ich weitergewandert nach Boniswil. Nochmals eine Stunde. Jetzt bin ich glücklich und zufrieden und voller Sonne und Vogelgesang.



PS. Ich habe die Tiere nicht aufgefuttert; ich war das nicht!


Mittwoch, 8. April 2026

Fünf Uhr nachmittags

 Es ist fünf Uhr nachmittags. Noch bloggen und die vorgezogenen Ringelblumen im Garten setzen. Dann habe ich Feierabend. Heute habe ich viel gearbeitet. Brot gebacken und Brennnesseln für den Winter geerntet und eingefroren. Ist so ein reicher Segen im Garten schon so früh im Jahr! 

Reto und ich haben nach dem Mittagessen einen Gartenrundgang gemacht. Aufgabe: Alle Tiere zählen, die wir sehen. Bei mir waren es zwölf. Natürlich waren alle klein. Ameise, Spinne, Fliege, Schwebefliege, Biene, Wespe, Hummel, Käfer, noch ein Käfer, Aurorafalter, Weissling und am überraschendsten: eine kleine rötliche Libelle. Wirklich wahr! 

Den Irrsinn auf der Welt nicht vergessen, aber die Schönheit der Welt nicht übersehen!


Dienstag, 7. April 2026

Die Schachbrettblume überrascht uns

Am Morgen telefonierte ich nach Wassen UR. - "Weisst du", sagte unsere liebe Bekannte, "bei uns ist es noch nicht grün. Zwar guckten die Osterglocken hervor, aber dann gab es nochmals 40 Zentimeter Schnee." - Wo doch Reto bei uns heute zum dritten Mal den Rasen gemäht hat. Ich bin auch im Garten herum gewuselt. Habe die zarten Triebe des Grünkohls gerettet und die Strünke entsorgt. Dann habe ich für Reto und mich Schwarztee gekocht mit frischer Minze drin. Wir sassen so und schauten und waren glücklich darüber, dass wir ein Gärtli haben dürfen. Plötzlich sage ich zu Reto: "Schau mal, die "Grasmutte" (Erdklumpen mit Gras), die ich neben das Kaya-Häuschen gelegt habe; sie musste meiner Kartoffelrose weichen. Schau mal!"


Aus dem Stück Erde ist eine Schachbrettblume gewachsen. Ihre Urpflanze haben wir von Hanna geschenkt bekommen. Zum Glück wusste ich noch nicht, wohin mit der "Grasmutte!" So konnte sich die schöne Blume entwickeln.

Montag, 6. April 2026

Die letzte Lammkeule!

Ostermontag zu siebt - ich liebe das. Um halb zehn war schon die schwere Lammkeule auf dem Backblech, gesalzen, mariniert, mit Knoblauch und Rosmarin besteckt. Ofen auf 180°; wir sehen uns.

Um zehn war der Tisch gedeckt, mit frischen Blumen und Osterkerze geschmückt, Servietten mit Osterhasen, für alle sieben je ein Stoffbündel mit Osterzeug drin. Lauch im Garten geholt, gewaschen, geschnitten, 50 g Aprikosen dazu, köcheln mit Weisswein und Rahm. Kartoffeln gekocht für Bratkartoffeln. Nudeln bereitgestellt. Salat vorbereitet. Was noch?

Um elf waren Stefan und Martin da. Stefan wurde von mir eingespannt, um meinen ausgedachten Apéro zu mischen und zu servieren: 1/3 Zitronenlikör selbst gemacht, 1/3 Weisswein, 1/3 Sprudelwasser, 1 Eiswürfel mit Orangenstück. 

Apéro im Garten samt Hund an der Leine. Dann Mittagessen am grossen Stubentisch. Verdauungsspaziergang, Dessert.

Und da passierte es: Die Grossmutter (ich) wollte das Backblech in den Schüttstein stellen, über den Kopf von Kaya hinweg.  Aus grossem, schrecklichem Versehen begoss sie ihre Enkelin mit ganz viel Bratensaft vom Lamm. Wääähhh!!! Braune Sauce über zitronengelbes Shirt. Kaya war sehr, sehr gnädig mit mir. Aber ich mag nie wieder eine Lammkeule braten. Jetzt ist Schluss mit dieser Tradition. 

Sonntag, 5. April 2026

Osterspaziergang

 Wenn eine schon so alt ist wie ich, assoziiert sie zu tausend Dingen nochmals tausend Dinge: Wir haben heute Morgen einen wunderschönen Osterspaziergang gemacht. - "Osterspaziergang" ist das Gedicht von Goethe, das mein Götti alle Ostern deklamiert hat:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, 

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

im Tale grünet Hoffnungsglück...

In der Finsterthüele, in Brittnau, in Winterthur. Als er jünger war, älter wurde, alt war. Jetzt ist schon sein Grab aufgehoben worden nach 25 Jahren Grabesruhe. Er ist mir nahe  > "vom Eise befreit...".

Wenn eine so  alt ist wie ich sind Schlüsselblümchen nicht einfach Schlüsselblümchen: Sie wachsen am Hang unterhalb des Bauernhäuschens von Grossmutter Widmer, die mir die liebste war. Aber sie wachsen auch auf dem Weg nach Stein am Rhein, wo Reto und ich sie vor zwei, drei Jahren entdeckt haben. Und sie wachsen am Tösstobelweg, wo wir sie heute gesehen haben. Wo Reto oberhalb das gelbe Haus gesehen hat, wo er gern wohnen würde. Er meint, dort würde es auch unserem alten Kater gefallen. - Ich bleibe, wo ich bin, gerne bin. 






Samstag, 4. April 2026

Tradition, sagt mein Mann

 Tradition verspricht "the same as every year" (dasselbe wie jedes Jahr). Tradition gibt Sicherheit. Tradition ist oft schön, aber manchmal fragwürdig. 

Reto und ich haben heute eine Lammkeule von 3kg370g nach Hause gebracht. Wahnsinn, sage ich. Tradition sagt mein Mann. Und ist doch wahr, seit einigen Jahren gibt es bei uns einen Lammgigot an Ostern, wo die ganze Familie um den grossen Tisch sitzt. Wer nicht gern Lamm isst, bekommt Poulet. Auch Tradition.

Die Grossputzerei von heute ist auch Tradition. Vor Weihnachten und Ostern wird geputzt. Aber nicht mehr jeden Freitag; diese Tradition haben wir gekippt. Traditionen dürfen wegfallen. Traditionen kann man neu erfinden. Ab wie oft ist es Tradition?

Tradition kann auch heissen: "Ich möchte gern, dass du wieder eine Lammkeule im Ofen brätst." - Tu ich ja! Wie oft noch? Vielleicht beginnt nächstes Jahr eine neue Tradition. 

Freitag, 3. April 2026

Gesehen...

Es gehört zu dem, was wir lieben: Irgendwo sitzen und Leute beobachten, die vorübergehen. Dazu braucht es einen strategisch guten Platz, einen Platz, wo Menschen zuhauf unterwegs sind. - Wir waren auf dem Friedhof und haben meinem Mami Stiefmütterchen gebracht. Wir haben uns angeschaut, wie das Gräberfeld aussieht, das aufgehoben wurde. Kein Grab mehr von meinem Götti. Echli traurig.

Trost fand ich am strategisch guten Ort, wo wir je an einem  Aperol Spritz nippten und schauten. Wir sahen:

  • das kleinste Hündchen der Welt mit buntem Wintermäntelchen
  • eine junge Frau in kurzen Hosen mit stämmigen Beinen
  • einen jungen Mann mit schwarzen überweiten Hosen, die flatterten, als er vorbei ging
  • ein Kindchen mit rosa Mäschchen auf dem Köpfchen, das einen grossen, dunkelroten Sirup trank
  • einen Mann mit schwarzen Nietenhosen , schwarzer Lederjacke und schwarzem Blick
  • eine junge Frau mit einer so bunten Jacke, wie ich sie auch gern hätte
  • eine Frau in schwarzen Leggins, die ihre dünndünnen Beine vorführte
  • einen jungen Mann mit Wuschelkopf vom Fröhlichsten
  • und noch viel mehr
Übrigens schauten wir uns gegenseitig sehr überrascht an, als der Kellner die Rechnung brachte: Zwei Aperol Spritz ohne ein Hämpfelchen Chips oder ein paar Olivchen oder zwei, drei Nüsschen:                      Franken DREISSIG! 

Donnerstag, 2. April 2026

Getrennte oder gemeinsame Wege

 Gestern haben Reto und ich über alte Zeiten geplaudert. Uns wieder gefreut an Osternachtfeiern im Urner Oberland und in St. Ulrich und noch weiter zurück in St. Urban. Es waren tiefe, stimmige Erlebnisse. Wir sind uns sicher, dass es so eindrücklich war, weil wir die ganzen Karwochen und Ostertage mitfeierten. Und weil da so viele Menschen mitgefeiert haben, die uns am Herzen lagen. Gemeinsam.

Jetzt ist es anders. Leider mag ich nicht mehr mittun. Ich bin immer noch im Abstands-Modus gegenüber der katholischen Kirche. Vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich weiss es nicht. - Weil Reto im Kirchenchor singt, gehen wir getrennte Wege. Reto wird erfüllt sein vom österlichen Geschehen. Wird am Osterfeuer stehen, das er im Urner Oberland jeweils selbst entzündet hat. - Ich werde derweil zu Hause sitzen. Und was tun? Was fühlen? - Ich weiss es nicht. Wehmut, Traurigkeit. Getrennt.

Zum Glück kommen am Ostermontag unsere Kinder mit ihren Lieben zu uns. Da werden wir gemeinsam feiern. Von Herzen!


Mittwoch, 1. April 2026

"Den Osterhasen stören"

 Mein Ehemann weiss auch nicht genau, was es bedeutet, aber wenn er in die Stadt geht, um Osterschoggi zu kaufen, sagt er: "Ich gehe den Osterhasen stören." - Heute jedenfalls war ich in der Stadt und bin mit allergattig Osterzeug heim gekommen. Wir sind am Ostermontag zu siebt, und mir macht es sehr viel Freude, als Osterhasen-Oma allen Gutes zu tun. Man könnte auch sagen, vor lauter Freude tue ich alljährlich des Guten zu viel. Weil unsere Gäste stets genügsamer sind als ich, bleiben dann Reto und ich auf dem ganzen Rest hocken. Ob das den Osterhasen stört, oder ob er sich ins Fäustchen lacht, weil er an Coop und Co. beteiligt ist?

Dienstag, 31. März 2026

Nein, diese Pasta ess ich nicht (mehr)

 Der "Suppen-Kaspar" im schrecklichen "Struwwelpeter-Buch" sagt: "Nein, meine Suppe ess ich nicht." - Nach fünf Tagen Essverweigerung stirbt er. - Heute habe ich aus meinem neusten Kochbuch ein Pasta-Gericht gekocht, das ich tatsächlich nicht mehr essen will. Auch nicht aufessen, gestehe ich. Schande über mein Haupt!

Guten Mutes habe ich viel Ricotta in die Pfanne gerührt zusammen mit Parmesan, Pfeffer und Salz und einer Handvoll Kräuter, vor allem Salbei. Die vorgekochten "Teigis" mit Erbsen unterrühren, Kochwasser zugeben, rühren, mehr Kochwasser. Judith, Kaya und Reto vorsetzen, selber probieren.

Nein, diese Pasta ess ich nicht mehr. Und die anderen drei waren auch nicht begeistert. Da kann Samin Nosrat noch lange von einer üppigen, crèmigen Sauce reden. Elegant und unaufdringlich sei sie. Ganz unelegant kommt mich das "Görbsen" (Rülpsen) an. Nie mehr!

Montag, 30. März 2026

Josianne, die Giraffe

 


Ich nehme sie mit, wenn ich mal ins Pflegeheim gehe. Und dazu die selbstgestrickte Hedy. Mindestens. Reto meint, ich könne ja alle Kuscheltiere mitnehmen, die es in meinem Zimmer gibt. - Aber nein, die gehören Kaya. Der grosse Hase gehört Sohn Stefan und der Schäferhund Judith. - Natürlich nehme ich alle Fotoalben mit und die Hälfte meiner Bücher. Mein Pult muss mit und das Grossmutter-Buffet. Vielleicht noch die Alt-Flöte und bestimmt der Farbstifte-Topf, der gelbe. Ach, apropos "gelb", das gelbe Sofa wird doch wohl noch Platz haben, oder? Papier muss mit in allen Grössen und Farben und mein geliebter Pelikan-Fülli. Wolle zum Lismen bekomme ich vielleicht dort. Oder bestelle ich lieber ein paar Strangen Schafwolle in der Wollspinnerei Vetsch? Kann ich schöne Steine auch mitnehmen, oder suche ich dann dort neue. Nur nicht Kopf voran ins "Grien" (Kieselsteine) fallen!

Ach, ach, ach, hoffentlich darf ich noch lange da bleiben, wo ich bin. Mit Josianne vom Flohmarkt.

Sonntag, 29. März 2026

"ETWAS GUTES"

 So heisst das neue Kochbuch von Samin Nosrat, einer amerikanischen Köchin mit persischen Wurzeln (1976 wanderten Samins Eltern nach Amerika aus. Samin hat Jahrgang 1979.) Im Untertitel des Buches heisst es: "Rezepte und Rituale für dich und deine Liebsten."

Reto und ich haben am Freitag erstmals in unserem Leben "Harissa" gekauft, eine Chilisauce im Gläschen. Ich musste eine Verkäuferin fragen, wo ich sie finde, erzählte ihr, dass ich ein neues Kochbuch habe und jetzt eben Harissa brauche. Sie hat sich gefreut, dass ich Neues wage. Ich musste dann schon gestern Abend nach dem Flohmarkt, dem unergiebigen, mit Koriandersamen, Kurkuma, Kümmel und Pfeffer "Tabil" herstellen, diese Gewürzmischung mit Harissa und Salz vermischen und die Geflügelteile damit einmassieren. Über Nacht in den Kühlschrank.

Ich will ja jetzt nicht das ganze Rezept aufschreiben. Es steht im Kochbuch. Selber kaufen. Oh, ja, es ist teuer. - Nur soviel noch: Es kommen viele gedörrte Aprikosen und viel Knoblauch und Zwiebeln in die Sauce, und das Gericht muss uuuhhh-lange im Ofen schmoren.

ES WAR HIMMLISCH! 

Aufgepasst, liebe künftige Gäste: Wenn ihr nicht gern Harissa habt, braucht ihr gar nicht zu uns zu kommen. Wir machen nur noch Geschmortes Huhn mit Aprikosen, wie es Samin Nosrat macht.

Samstag, 28. März 2026

Silvan, blondlockig, gegen drei Jahre

 Reto und ich haben erstmals an einem Flohmarkt als Verkaufende teilgenommen. Mit von der Partie waren Judith und Kaya. Harry hat uns logistisch unterstützt.



Verdient haben wir wenig, aber die Standmiete ist eingespielt. Und es machte Freude.

Besonders Silvan machte grosse Freude. Ein kleiner Knirps, den ich nach seinem  Namen fragte, weil ich nicht sicher war, ob Mädchen oder Bub. Als ob das wichtig wäre! - Jedenfalls kaufte Silvan als erster bei uns ein rosarotes Schmuckkistli mit Musikdose und tanzender Ballerina. Er bezahlte vier Franken.

Viel später stand Silvan wieder da und bewunderte Kayas Pferdchen, das mit Batterie laufen kann und sogar wiehern. Kurzerhand nahm er das Tierchen in den Arm und haute ab. Auftritt seine grössere Schwester: "Darf Silvan das Rössli haben?" - "Ja, hat er denn Geld, um es zu bezahlen?" fragte meine Tochter. Und schon war Silvan auch wieder da und sagte, er habe Geld. Er kramte lange in seinem Hosensack und brachte dann mit Überzeugung ein rosarotes Schoggipapierli-Kügelchen zum Vorschein. Er reichte es meiner Tochter, und diese sagte: "Das stimmt genau; das Rössli gehört dir." 


Freitag, 27. März 2026

An einem kalten Tag herzliche Wärme

 Reto und ich hatten heute ein bisschen Weihnachten. Wir lösten den Gutschein für je einen Brunch ein, den wir zu Weihnachten von Judith erhalten hatten. Im Lieblingsplatz-Café an der Else-Züblin-Strasse nahe bei uns. Nur durch Wind und Kälte und durch den Park. Und dann ins Café, wo wir wärmstens empfangen und bedient wurden. Der Kaffee sei der beste, sagte Reto, besser als im Vollenweider. Grösser kann sein Kompliment gar nicht sein! Ich fand den Räucherlachs von höchster Qualität. Wir bekamen ausser Müesli und Käse und dem und jenem FÜNF Sorten Brot. Den Früchtebecher durften wir mitnehmen, als wir pappsatt nichts mehr aufnehmen konnten. So ein schöner Morgen!