Mittwoch, 29. April 2026

Dieses Gleichzeitige

 Am Morgen wollte ich den Garten giessen. Aber da hat es geregnet. Jedenfalls fünf Minuten, und nach weiteren fünf Minuten war alles wieder trocken; ich goss Kanne um Kanne.

Jetzt ist schon vier Uhr nachmittags. Gerade war ich wieder im Garten. Noch den Gout des Glacestengels im Mund. Unter den Füssen das sonnenwarme Gras. Weich und warm. Am Hals die ersten zwei Mückenstiche, die jucken. In den Ohren die ganzen Autos auf der Strasse hinter dem Gartenhag. Und zum Glück höre ich auch ein Insektensummen. Die Wespe ist es nicht, die gerade gefährlich nahe an mir vorbei kurvt. Warum sind die kleinen Wildbienen so hektisch, die ich mir anschauen möchte. Letztes Jahr waren sie noch nicht bei uns. Das grüne Flecklein auf der Skabiose ist wirklich ein Heugümperchen. So winzig klein noch. 

Beim Schauen bin ich froh, dass ich am Morgen gegossen habe. Das soll all dem Grün gut tun, dem ich fast beim Wachsen zuschauen kann. 

Dienstag, 28. April 2026

Schaumzikaden an meinem Estragon im Garten

 Ich habe ein Riesenbuch über Insekten. Achtunddreissig Zentimeter hoch, achtundzwanzig breit. Wirklich riesig und manchmal echli gruselig. Wenn zum Beispiel eine Kopflaus zwanzig Zentimeter breit gezeigt wird. Aber ein Buch, das ich immer wieder anschaue:


In meinem Buch ist auch die Schaumzikade vergrössert gezeigt. Zwei Schaumkügelchen sind an meinem Estragon. Der Schaum werde auch Kuckucksspeichel genannt, steht in meinem Buch. Und in diesem Schaum wachsen die Nachkommen, schön feucht und gut versteckt. Hier die Abbildung dazu aus meinem Buch:


Die erwachsenen Zikaden sind so braune, kleine Hüpfdinger, die ich schon oft gesehen habe, aber nie mit dem Schaum in Verbindung gebracht habe. Ich mag es sehr, sehr, immer wieder Neues zu lernen. Zusammenhänge zu erkennen. Zu staunen, was es doch alles gibt.


Montag, 27. April 2026

Capuns zum Ersten

 Krautstiel oder Mangold - scheint dasselbe zu sein! Jedenfalls ist Reto mit Mangold aufgewachsen und ich mit Krautstiel. Ich liebte sie nicht, diese erdigen, faserigen, in Stücke geschnittenen Stiele an weisser Sauce. Ich glaube, die Blätter haben wir nicht gegessen, bin aber nicht sicher.

Seit ein paar Jahren pflanzen wir in unserem Gärtchen das Gemüse an, um dann Capuns zu kochen. Das ist eine Bündner Spezialität: Krautstielblätter kurz blanchieren, auslegen auf Küchentuch, einen Löffel Spätzliteig angereichert mit gebratenen Speckwürfeli darauf geben, Päckli machen, in Bouillon köcheln, mit Sieb herausheben, darüber Reibkäse und gedünstete ZwiebelKnoblauchButter. Mmmmhhhh!

Heute war es so weit! Die ersten Capuns in dieser Saison. So wunderbar gewachsene, hellgrüne, zarte Krautstielchen, bereit zum Ernten. Nur wenige Frasslöcher von Schnecklein, die auch noch wachsen werden. Die Ersten sind die Besten! (Capuns, nicht Schnecken!)

Samstag, 25. April 2026

Den besseren Teil

 Als ich eine junge Mutter und Hausfrau war - Hausfrau eher gegen meinen Willen - beschloss ich, einen Deal zu machen. (Damals sagte natürlich keine "Deal".) - Wenn ich denn schon den Haushalt übernehmen musste, sollte mein Ehemann dafür auf immer und ewig die Steuererklärung übernehmen müssen. Das gelobte er zu tun. Und so sitzt er jetzt am grossen Tisch inmitten von Papier, von dem ich nichts verstehen muss. Noch stöhnt er nicht vor sich hin, aber das wird kommen.

Ich aber darf mich dem Geburtstag unserer Tochter Judith widmen. Eine Karte schreiben. Echli etwas einpacken. Viele, viele gute Gedanken haben. Mich auf morgen freuen, wo wir eingeladen sind. Stolz auf meine Tochter sein. Dankbar! Sehr dankbar!

Freitag, 24. April 2026

Das Herz geht mir auf

HEIMAT

Darf ich vorstellen: Das ist die Finsterthüelen. Paradies meiner Kindheit. Ganz oben unter dem Waldrand steht das Höflein meiner Grosseltern. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein waren wir zwei bis dreimal pro Woche nachmittags dort oben. Die Erwachsenen (Mutter und Gotte) haben den Grosseltern auf dem Land geholfen. Wir vier Kinder (Schwester und ich, zwei Cousins) haben wenig geholfen und viel gespielt und herumgetollt.

Ein Freund hat mir diese Foto geschickt mit der Frage: Wo ist das? - Ich habe es gewusst!
 

Donnerstag, 23. April 2026

Monis Geburtstag

 Nein, da kann ich nicht alles erzählen. Auch nicht die Hälfte. Nicht einen Viertel. Am wichtigsten:

ES WAR EIN WUNDERBARER ABEND IN MONIS MÄRLISALON IN THALWIL!

Gut zwanzig Menschen liessen sich an fünf Tischen nieder und bekamen zuerst einmal zu essen und zu trinken. Verveine-Tee aus dem Samowar. Malfuf (Krautwickel) aus der Tajine. Und viele "Aufwerterli und Abrunderli". 

Ich sass so wohl mit der Wohnungsvermieterin von Moni und zwei weiteren tollen Frauen. 

Dann erzählte Moni das Märchen "Vo de Frou, wo ihren Furz isch go sueche". Es ging um genau solche Krautwickel (Malfuf), die wir gegessen hatten. Und es ging um fröhliches Lachen (und ekliges Gemecker). Es ging um Selbstbehauptung (und Nachahmung). Es ging um einen deftigen Furz (und einen mickrigen Furz). - Es war urmenschlich und unvergesslich.


Ich habe Moni meine blaue Schale und 50 Vögel mitgebracht. Gebastelt, gekauft, gefunden.


Einen habe ich für mich behalten, den einundfünfzigsten.



Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.


Dienstag, 21. April 2026

Müssen oder dürfen

Ich hatte heute bis jetzt keine Zeit, um an die Sonne zu gehen. Und jetzt ist schon Abend. Ich werde Znacht kochen und mit Reto on TV sein. Dann lesen. Dann schlafen. Keine Zeit für die Sonne!

Okay, wir hatten Gäste zum Mittagessen. Die Wohnung musste aufgeräumt und sauber gemacht werden. - Musste sie das? - Der Hund musste ein, zwei Gudeli-Päckli bekommen. - Musste er? - Ich musste die angekündigten Pastinaken zubereiten. - Musste ich? - Meine Enkelin strickte nach dem Essen; ich musste es ihr gleichtun. - Musste ich? - Nach dem zweiten Aufräumen musste ich Siesta machen. - Musste ich das? - Morgen bin ich zu einem Geburtstag eingeladen; ich musste noch eine Karte schreiben. - Musste ich ? - Ich musste meinen täglichen Apfel essen. - Musste ich ? - Und jetzt muss ich bloggen, weil sonst jemand enttäuscht ist. - Muss ich wirklich, oder meine ich nur zu müssen?

Ich habe das alles gern gemacht. Ich wollte. Ich musste nicht. Aber an die Sonne hätte ich schon gehen MÜSSEN! Oder?

Montag, 20. April 2026

Wir als Abfalltouristin und -tourist

Noch vor ein paar Monaten konnten wir unseren gesammelten Plastikabfall in unserer Nähe entsorgen. Aber eines Tages hingen Zettel an den Abfallbehältern: Wir heben diese Sammelstelle auf! Die nächste befindet sich in der Gemeinde Elsau.

Reto ist schon mal hingefahren und hat einen speziellen vollen Sammel-Sack entsorgt. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, es sammelt sich ungeheuer viel Plastik an in unserem kleinen Haushalt. Wir sind ratlos, wie wir den verringern können. - Item, heute standen zwei volle Säcke bereit, und ich hatte angekündigt mitzukommen.

Postauto nach Elsau, Pestalozzistrasse. Die ganzen Treppen hinunter zum Werkhof und die Säcke hochwerfen auf die schon vorhandenen. 

Mit freien Händen und willigen Füssen sind wir der Eulach entlang nach Hause gebummelt. Wiederum so ein schöner Frühlingstag. 

Sonntag, 19. April 2026

Faszinierend

 Ich mache täglich ein paar Runden durch unser Gärtchen. Retos viele Blumen sind wunderschön. Unser Kater sonnt sich auf dem Fenstersims. Die Hornisse bringt mich immer noch dazu, wegzurennen. 

Heute habe ich einer kleinen Kreuzspinne zugeschaut. Sie hat zwischen den noch kahlen Zweigen des Feigenbäumchens ihr Netz gesponnen. Aber was ist passiert? - Der Wind hat zwei, drei Samenfallschirmchen eines Löwenzahns just in ihr Netz getrieben. Und das passt ihr nicht. 

Bei einer solchen Aktion habe ich noch nie zugeschaut: Die kleine Spinne packt das Fallschirmdach des Löwenzahns mit ihren Beinen, Füssen, drückt es zusammen und versucht es nach unten zu bringen. Siehe da, mit Ach und Krach bringt sie das erste Sämchen wieder zum Fliegen, ohne dass ihr Netz kaputt geht.

Das zweite ist mühsamer. Wahrscheinlich klebt es fast zu stark. Aber die Spinne müht sich erneut. Bringt alle Beine um das weisse Dächlein in Stellung. Drückt, schiebt, wendet alle Kraft an. Das Schirmchen kippt. Jetzt ist der braune Samen oben. Stossen, stossen, bis auch dieses Samengebilde aus dem Netz befreit ist und fort torkelt.

Die Spinne verschwindet hinter dem Stämmchen der Feige. Muss sie ausruhen? Wird sie ein neues Netz an einem anderen Ort bauen?

Freitag, 17. April 2026

An einem sonnigen Tag auf den Wochenmarkt

 Mit dem Bus bis Schmidgasse und dann zum Markt spazieren. Wir sind nicht allein. Alle, fast alle, haben gute Laune bei so einem hübschen Tag. Das Lächeln sitzt locker in den Gesichtern. Nur unser Surprise-Verkäufer hat noch die Kapuze über die Mütze, über den Kopf gezogen. Aber er streckt uns lachend die Hand entgegen, obschon wir ihm heute nichts abkaufen; er weiss, dass ich das Heft schon habe.

Ich will zu Reto Meier, der mit seiner Partnerin einen Permakulturhof betreibt. Heute hat er Tulpen zum Verkauf, soweit das Auge reicht. Weil es so viele sind, dürfen wir alle drei gratis mitnehmen. Einfach auswählen! Wir kaufen noch Kopfsalat und Riesenradiesli.

Reto ersteht Salatsetzlinge, und ich brumme ihm noch Pastinaken auf, für die er lange, lange anstehen muss. Die gibt es erst am Dienstag, wenn Judith und Kaya kommen.

Wir kaufen am Pilzstand (!) ein halbes Kilo weisse Spargeln zweiter Klasse. Da gibt es frische Morcheln. Habe ich noch nie gehabt. Wir bekommen erklärt, wie ich sie köcheln soll. Wir kaufen zwei der Riesenpilze. 

Nach dem Kaffee mit Bretzel (zum Zmittag) geht es nach Hause. Beim Ausstieg komme ich partout nicht in den Rucksackträger mit dem Arm. Eine alte Dame mit feuerroten Lippen hilft mir. Danke vielmal! So geht Solidarität.

Donnerstag, 16. April 2026

In die Stadt

Wir wohnen in Winterthur, und das ist eine Stadt mit über 100000 Menschen. Eine Stadt! Aber ich sage: "Heute gehe ich in die Stadt und treffe eine Freundin." - Oder ich sage: "Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer." - Oder: "Ich muss in die Stadt, weil ich meine Zahntabs nur in der Stadt bekomme."

Wohne ich also nicht in der Stadt Winterthur? Wo dann? - Ich wohne im Stadtteil Oberwinterthur. Oder viel besser: Ich wohne an der Hegifeldstrasse. Da bin ich zu Hause. Da kenne ich etliche Nachbarinnen und Nachbarn. Ich weiss, wie lange der "Spazier" um den Park dauert. Ich kenne mich aus. Ich komme gern zurück in "mein" Haus, in unsere Wohnung.

In die Stadt zu gehen, bedeutet, einen Ausflug zu machen. - Welchen Bus nehme ich oder doch den Zug? Welche Einkäufe tätige ich? Reicht es für einen Kaffee? - Manchmal gehe ich gern in die Stadt, manchmal aber muss es einfach sein. Zahnarzt, Augenärztin, Kleider. - Heute ging ich gern in die Stadt; ich traf eine Freundin zum Kaffee.

 

Mittwoch, 15. April 2026

Ich kann es einfach nicht

In meinem einen Kasten gibt es eine Bananenschachtel. Sie ist voller Material zum Basteln. Ich habe es gesammelt und sammle (leider!) immer noch, um mit den Mädels zu basteln. Aber die Mädels sind gross geworden und haben gar keine Zeit mehr zum Mäusehäuser einrichten und Versteckzwerge bezipfeln. Beginnt Kaya zu lismen, muss sie nach zwei Nadeln gewiss schon wieder in die Schule. Wie soll da je ein Schal fertig werden. Und wie soll da je mein gesammeltes Material verbraucht werden.

Material tönt gut. Zu gut. - Sicher, es gibt kostbare Perlen zum Auffädeln. Es gibt Lederstücke und Fellresten. Und die Kulleraugen zum Aufkleben bringen mich zum Lachen. - Aber es landet auch jedes leere Röllchen von Klebestreifen und Nähfäden in der Bananenschachtel. Sogar die Netzchen von den Zitronen sammle ich. Und, und, und...

Heute habe ich selbst gebastelt. Weil es Spass macht, und weil hoffentlich viel Material verschwindet. - Drei leere Holzfadenspulen, ein Klebestreifenröllchen, zwei Steine, zwei Quadratzentimeter gelben Karton, vierzehn Kulleraugen und viel Leim habe ich verbraucht. - Vierzehn Kulleraugen, das ist gut! Hihi, haha...

Dienstag, 14. April 2026

Reto und ich an einem Regenwettertag

An meinem Pult lässt sich nicht nur schreiben sondern auch flicken. Ein Paar Hosen von Reto. Heruntergerissene Säume. Fadenfarbe hellgelb. Gut gegen das Sch....wetter. Aber meine Hosen in hellbeige lassen sich nicht mehr flicken. Dabei sind sie so bequem. Oh, oh, oh. Leiser Jammer nur für mich.

Dann ein Knall und ein Fluch, und unsere Küche ist überall mit Teig besprenkelt! Am Boden ganze Pflatsche, an der Wand Teig da und Teig dort auf zwei Metern Länge und ganzer Höhe. Und Reto mitten drin am laut Schimpfen. Ist aber auch wahr, so eine Sauerei, wo er doch voll Hingabe Bretzeli machen wollte.

Geknallt hat es, weil der eine Quirl auseinander geborsten ist. Der "Cheib"! Von meinem Mixer! Aber hallo! - Miteinander putzen wir die Küche. Trifft sich doch gut, dass ich die Wand gerade heute Morgen geschrubbt hatte!?! 

Reto und ich beide zurück auf Feld sowieso: Ich muss auf neue Hosen los, Reto auf einen neuen Quirl. Meine Mutter würde sagen: "Gschääch nüt Schlimmers!" 



Montag, 13. April 2026

Muschelkalk

 Muschelkalk ist ein guter Dünger. Ausserdem kann man die vielen, vielen Muscheln, die frau im Laufe des Lebens gesammelt hat, nützlich "entsorgen". Aber! Ganz können sie nicht auf die Gartenbeete. Und sie sind hart. Mit Mörsern geht da gar nichts, ausser, dass Hand und Arm schmerzen. 

Reto und ich haben etwas ausgedacht und dann die Mädels nach dem Essen die Arbeit machen lassen: Ein grosses, altes Badetuch auf den Rasen, ein dickes Brett darauf, zwei "Hampfele" (Hände voll) Muscheln auf das Holz, ein altes Küchentuch darüber und je ein Hammer für die Mädels. 

Sie haben gehämmert, total fleissig und heftig. Die Muscheln sind zertrümmert worden und beim Weiterhämmern immer kleiner geworden. Richtig brauchbar als Dünger. Etwa ein Drittel ist getan. Morgen geht es weiter. Es macht sogar Spass, mit dem Hammer drein zu schlagen; ich habe es auch ausprobiert. Nur das Knien! Das Knien kann ich nicht so lange wie die jungen Damen!

Samstag, 11. April 2026

Frau Nachbarin hat es auch erwischt

 Das Gartenvirus greift um sich. Ich habe Löwenzahnknospen gepflückt, um sie als Kapern einzulegen. Zwölf Gisegeiseli (Gänseblümchen) liegen zum Trocknen aus. Der Gundermann hat auch hübsche Blüten (für den Winter). - Frau Nachbarin hat Zwiebeln gesteckt und Salat gesetzt. Sie beklagt sich ein bisschen über das Unkraut, dem ich Beikraut sage. Die Oma trägt Gartenhandschuhe. - Ich schnappe mir jetzt das geliebte Buch von Gisula Tscharner, "Hexentrank und Wiesenschmaus". Über den Winter vergesse ich immer, wie genau ich meine Löwenzahnknospen verarbeiten muss/darf. An die Arbeit!

Freitag, 10. April 2026

Retablieren

 Ich habe lange ein anderes Wort für diese Tätigkeit gesucht, aber nicht gefunden. Retablieren heisst, alles wieder in Ordnung bringen, an seinen Platz zurück stellen. (Leider wird das Wort vor allem militärisch gebraucht.) - Ich retabliere in Bezug auf gestern: Rucksack leeren, Trinkflaschen versorgen, Geld zählen, das bleibt. 

Wenn retabliert ist, noch ein bisschen "umechnuuschte". Mein Kleiderkasten steht offen. Ich habe den Boden ausgeräumt, sauber gewischt und meine wollenen Socken gezählt. Ich habe alte Lavendelsäckli aussortiert und an feinen Seifen "gschmöckt", die zwischen den "glismeten" Jacken liegen. Jetzt bleibt für heute noch das Flicken einer Hose. 

Bald beginnt das Wochenende; ich liebe es.


Donnerstag, 9. April 2026

Mutprobe

 Schon sehr, sehr, sehr lange war ich nie mehr einen ganzen Tag allein unterwegs. Und schon gar nicht allein in den Ferien, was ich vor Zeiten ab und zu gemacht habe. Ich wollte wissen, ob ich das noch kann, allein wandern gehen. Wollte wissen, wie sich das anfühlt.

Ich bin nach Hause zurück gekehrt nach meinem Wandertag am Hallwilersee. Es fühlt sich grossartig an. Ich habe mir ja den schönsten Frühlingstag ausgesucht. Am Hallwilersee blühen nicht nur die Kirschbäume, die Birnbäume stehen auch im vollen Blust, und die ersten Apfelbäume lassen rosa angehauchte Blüten erkennen. Ich habe eine Nachtigall zuerst gehört, dann auch gesehen. Zwei Störche kreisten hoch am blauen Himmel. Und die zehn Zentimeter lange rotorange Raupe heisst Weidenbohrer. 

Ich habe Käse von Boniswil heim gebracht und einen Chardonnay vom Weingut Lindenmann in Seengen. Ganz nahe von Boniswil. 

Ich bin eine Stunde gewandert von Beinwil nach Birrwil. Nach einer Glace- und Pinkelpausen bin ich weitergewandert nach Boniswil. Nochmals eine Stunde. Jetzt bin ich glücklich und zufrieden und voller Sonne und Vogelgesang.



PS. Ich habe die Tiere nicht aufgefuttert; ich war das nicht!


Mittwoch, 8. April 2026

Fünf Uhr nachmittags

 Es ist fünf Uhr nachmittags. Noch bloggen und die vorgezogenen Ringelblumen im Garten setzen. Dann habe ich Feierabend. Heute habe ich viel gearbeitet. Brot gebacken und Brennnesseln für den Winter geerntet und eingefroren. Ist so ein reicher Segen im Garten schon so früh im Jahr! 

Reto und ich haben nach dem Mittagessen einen Gartenrundgang gemacht. Aufgabe: Alle Tiere zählen, die wir sehen. Bei mir waren es zwölf. Natürlich waren alle klein. Ameise, Spinne, Fliege, Schwebefliege, Biene, Wespe, Hummel, Käfer, noch ein Käfer, Aurorafalter, Weissling und am überraschendsten: eine kleine rötliche Libelle. Wirklich wahr! 

Den Irrsinn auf der Welt nicht vergessen, aber die Schönheit der Welt nicht übersehen!


Dienstag, 7. April 2026

Die Schachbrettblume überrascht uns

Am Morgen telefonierte ich nach Wassen UR. - "Weisst du", sagte unsere liebe Bekannte, "bei uns ist es noch nicht grün. Zwar guckten die Osterglocken hervor, aber dann gab es nochmals 40 Zentimeter Schnee." - Wo doch Reto bei uns heute zum dritten Mal den Rasen gemäht hat. Ich bin auch im Garten herum gewuselt. Habe die zarten Triebe des Grünkohls gerettet und die Strünke entsorgt. Dann habe ich für Reto und mich Schwarztee gekocht mit frischer Minze drin. Wir sassen so und schauten und waren glücklich darüber, dass wir ein Gärtli haben dürfen. Plötzlich sage ich zu Reto: "Schau mal, die "Grasmutte" (Erdklumpen mit Gras), die ich neben das Kaya-Häuschen gelegt habe; sie musste meiner Kartoffelrose weichen. Schau mal!"


Aus dem Stück Erde ist eine Schachbrettblume gewachsen. Ihre Urpflanze haben wir von Hanna geschenkt bekommen. Zum Glück wusste ich noch nicht, wohin mit der "Grasmutte!" So konnte sich die schöne Blume entwickeln.

Montag, 6. April 2026

Die letzte Lammkeule!

Ostermontag zu siebt - ich liebe das. Um halb zehn war schon die schwere Lammkeule auf dem Backblech, gesalzen, mariniert, mit Knoblauch und Rosmarin besteckt. Ofen auf 180°; wir sehen uns.

Um zehn war der Tisch gedeckt, mit frischen Blumen und Osterkerze geschmückt, Servietten mit Osterhasen, für alle sieben je ein Stoffbündel mit Osterzeug drin. Lauch im Garten geholt, gewaschen, geschnitten, 50 g Aprikosen dazu, köcheln mit Weisswein und Rahm. Kartoffeln gekocht für Bratkartoffeln. Nudeln bereitgestellt. Salat vorbereitet. Was noch?

Um elf waren Stefan und Martin da. Stefan wurde von mir eingespannt, um meinen ausgedachten Apéro zu mischen und zu servieren: 1/3 Zitronenlikör selbst gemacht, 1/3 Weisswein, 1/3 Sprudelwasser, 1 Eiswürfel mit Orangenstück. 

Apéro im Garten samt Hund an der Leine. Dann Mittagessen am grossen Stubentisch. Verdauungsspaziergang, Dessert.

Und da passierte es: Die Grossmutter (ich) wollte das Backblech in den Schüttstein stellen, über den Kopf von Kaya hinweg.  Aus grossem, schrecklichem Versehen begoss sie ihre Enkelin mit ganz viel Bratensaft vom Lamm. Wääähhh!!! Braune Sauce über zitronengelbes Shirt. Kaya war sehr, sehr gnädig mit mir. Aber ich mag nie wieder eine Lammkeule braten. Jetzt ist Schluss mit dieser Tradition. 

Sonntag, 5. April 2026

Osterspaziergang

 Wenn eine schon so alt ist wie ich, assoziiert sie zu tausend Dingen nochmals tausend Dinge: Wir haben heute Morgen einen wunderschönen Osterspaziergang gemacht. - "Osterspaziergang" ist das Gedicht von Goethe, das mein Götti alle Ostern deklamiert hat:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, 

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

im Tale grünet Hoffnungsglück...

In der Finsterthüele, in Brittnau, in Winterthur. Als er jünger war, älter wurde, alt war. Jetzt ist schon sein Grab aufgehoben worden nach 25 Jahren Grabesruhe. Er ist mir nahe  > "vom Eise befreit...".

Wenn eine so  alt ist wie ich sind Schlüsselblümchen nicht einfach Schlüsselblümchen: Sie wachsen am Hang unterhalb des Bauernhäuschens von Grossmutter Widmer, die mir die liebste war. Aber sie wachsen auch auf dem Weg nach Stein am Rhein, wo Reto und ich sie vor zwei, drei Jahren entdeckt haben. Und sie wachsen am Tösstobelweg, wo wir sie heute gesehen haben. Wo Reto oberhalb das gelbe Haus gesehen hat, wo er gern wohnen würde. Er meint, dort würde es auch unserem alten Kater gefallen. - Ich bleibe, wo ich bin, gerne bin. 






Samstag, 4. April 2026

Tradition, sagt mein Mann

 Tradition verspricht "the same as every year" (dasselbe wie jedes Jahr). Tradition gibt Sicherheit. Tradition ist oft schön, aber manchmal fragwürdig. 

Reto und ich haben heute eine Lammkeule von 3kg370g nach Hause gebracht. Wahnsinn, sage ich. Tradition sagt mein Mann. Und ist doch wahr, seit einigen Jahren gibt es bei uns einen Lammgigot an Ostern, wo die ganze Familie um den grossen Tisch sitzt. Wer nicht gern Lamm isst, bekommt Poulet. Auch Tradition.

Die Grossputzerei von heute ist auch Tradition. Vor Weihnachten und Ostern wird geputzt. Aber nicht mehr jeden Freitag; diese Tradition haben wir gekippt. Traditionen dürfen wegfallen. Traditionen kann man neu erfinden. Ab wie oft ist es Tradition?

Tradition kann auch heissen: "Ich möchte gern, dass du wieder eine Lammkeule im Ofen brätst." - Tu ich ja! Wie oft noch? Vielleicht beginnt nächstes Jahr eine neue Tradition. 

Freitag, 3. April 2026

Gesehen...

Es gehört zu dem, was wir lieben: Irgendwo sitzen und Leute beobachten, die vorübergehen. Dazu braucht es einen strategisch guten Platz, einen Platz, wo Menschen zuhauf unterwegs sind. - Wir waren auf dem Friedhof und haben meinem Mami Stiefmütterchen gebracht. Wir haben uns angeschaut, wie das Gräberfeld aussieht, das aufgehoben wurde. Kein Grab mehr von meinem Götti. Echli traurig.

Trost fand ich am strategisch guten Ort, wo wir je an einem  Aperol Spritz nippten und schauten. Wir sahen:

  • das kleinste Hündchen der Welt mit buntem Wintermäntelchen
  • eine junge Frau in kurzen Hosen mit stämmigen Beinen
  • einen jungen Mann mit schwarzen überweiten Hosen, die flatterten, als er vorbei ging
  • ein Kindchen mit rosa Mäschchen auf dem Köpfchen, das einen grossen, dunkelroten Sirup trank
  • einen Mann mit schwarzen Nietenhosen , schwarzer Lederjacke und schwarzem Blick
  • eine junge Frau mit einer so bunten Jacke, wie ich sie auch gern hätte
  • eine Frau in schwarzen Leggins, die ihre dünndünnen Beine vorführte
  • einen jungen Mann mit Wuschelkopf vom Fröhlichsten
  • und noch viel mehr
Übrigens schauten wir uns gegenseitig sehr überrascht an, als der Kellner die Rechnung brachte: Zwei Aperol Spritz ohne ein Hämpfelchen Chips oder ein paar Olivchen oder zwei, drei Nüsschen:                      Franken DREISSIG! 

Donnerstag, 2. April 2026

Getrennte oder gemeinsame Wege

 Gestern haben Reto und ich über alte Zeiten geplaudert. Uns wieder gefreut an Osternachtfeiern im Urner Oberland und in St. Ulrich und noch weiter zurück in St. Urban. Es waren tiefe, stimmige Erlebnisse. Wir sind uns sicher, dass es so eindrücklich war, weil wir die ganzen Karwochen und Ostertage mitfeierten. Und weil da so viele Menschen mitgefeiert haben, die uns am Herzen lagen. Gemeinsam.

Jetzt ist es anders. Leider mag ich nicht mehr mittun. Ich bin immer noch im Abstands-Modus gegenüber der katholischen Kirche. Vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich weiss es nicht. - Weil Reto im Kirchenchor singt, gehen wir getrennte Wege. Reto wird erfüllt sein vom österlichen Geschehen. Wird am Osterfeuer stehen, das er im Urner Oberland jeweils selbst entzündet hat. - Ich werde derweil zu Hause sitzen. Und was tun? Was fühlen? - Ich weiss es nicht. Wehmut, Traurigkeit. Getrennt.

Zum Glück kommen am Ostermontag unsere Kinder mit ihren Lieben zu uns. Da werden wir gemeinsam feiern. Von Herzen!


Mittwoch, 1. April 2026

"Den Osterhasen stören"

 Mein Ehemann weiss auch nicht genau, was es bedeutet, aber wenn er in die Stadt geht, um Osterschoggi zu kaufen, sagt er: "Ich gehe den Osterhasen stören." - Heute jedenfalls war ich in der Stadt und bin mit allergattig Osterzeug heim gekommen. Wir sind am Ostermontag zu siebt, und mir macht es sehr viel Freude, als Osterhasen-Oma allen Gutes zu tun. Man könnte auch sagen, vor lauter Freude tue ich alljährlich des Guten zu viel. Weil unsere Gäste stets genügsamer sind als ich, bleiben dann Reto und ich auf dem ganzen Rest hocken. Ob das den Osterhasen stört, oder ob er sich ins Fäustchen lacht, weil er an Coop und Co. beteiligt ist?

Dienstag, 31. März 2026

Nein, diese Pasta ess ich nicht (mehr)

 Der "Suppen-Kaspar" im schrecklichen "Struwwelpeter-Buch" sagt: "Nein, meine Suppe ess ich nicht." - Nach fünf Tagen Essverweigerung stirbt er. - Heute habe ich aus meinem neusten Kochbuch ein Pasta-Gericht gekocht, das ich tatsächlich nicht mehr essen will. Auch nicht aufessen, gestehe ich. Schande über mein Haupt!

Guten Mutes habe ich viel Ricotta in die Pfanne gerührt zusammen mit Parmesan, Pfeffer und Salz und einer Handvoll Kräuter, vor allem Salbei. Die vorgekochten "Teigis" mit Erbsen unterrühren, Kochwasser zugeben, rühren, mehr Kochwasser. Judith, Kaya und Reto vorsetzen, selber probieren.

Nein, diese Pasta ess ich nicht mehr. Und die anderen drei waren auch nicht begeistert. Da kann Samin Nosrat noch lange von einer üppigen, crèmigen Sauce reden. Elegant und unaufdringlich sei sie. Ganz unelegant kommt mich das "Görbsen" (Rülpsen) an. Nie mehr!

Montag, 30. März 2026

Josianne, die Giraffe

 


Ich nehme sie mit, wenn ich mal ins Pflegeheim gehe. Und dazu die selbstgestrickte Hedy. Mindestens. Reto meint, ich könne ja alle Kuscheltiere mitnehmen, die es in meinem Zimmer gibt. - Aber nein, die gehören Kaya. Der grosse Hase gehört Sohn Stefan und der Schäferhund Judith. - Natürlich nehme ich alle Fotoalben mit und die Hälfte meiner Bücher. Mein Pult muss mit und das Grossmutter-Buffet. Vielleicht noch die Alt-Flöte und bestimmt der Farbstifte-Topf, der gelbe. Ach, apropos "gelb", das gelbe Sofa wird doch wohl noch Platz haben, oder? Papier muss mit in allen Grössen und Farben und mein geliebter Pelikan-Fülli. Wolle zum Lismen bekomme ich vielleicht dort. Oder bestelle ich lieber ein paar Strangen Schafwolle in der Wollspinnerei Vetsch? Kann ich schöne Steine auch mitnehmen, oder suche ich dann dort neue. Nur nicht Kopf voran ins "Grien" (Kieselsteine) fallen!

Ach, ach, ach, hoffentlich darf ich noch lange da bleiben, wo ich bin. Mit Josianne vom Flohmarkt.

Sonntag, 29. März 2026

"ETWAS GUTES"

 So heisst das neue Kochbuch von Samin Nosrat, einer amerikanischen Köchin mit persischen Wurzeln (1976 wanderten Samins Eltern nach Amerika aus. Samin hat Jahrgang 1979.) Im Untertitel des Buches heisst es: "Rezepte und Rituale für dich und deine Liebsten."

Reto und ich haben am Freitag erstmals in unserem Leben "Harissa" gekauft, eine Chilisauce im Gläschen. Ich musste eine Verkäuferin fragen, wo ich sie finde, erzählte ihr, dass ich ein neues Kochbuch habe und jetzt eben Harissa brauche. Sie hat sich gefreut, dass ich Neues wage. Ich musste dann schon gestern Abend nach dem Flohmarkt, dem unergiebigen, mit Koriandersamen, Kurkuma, Kümmel und Pfeffer "Tabil" herstellen, diese Gewürzmischung mit Harissa und Salz vermischen und die Geflügelteile damit einmassieren. Über Nacht in den Kühlschrank.

Ich will ja jetzt nicht das ganze Rezept aufschreiben. Es steht im Kochbuch. Selber kaufen. Oh, ja, es ist teuer. - Nur soviel noch: Es kommen viele gedörrte Aprikosen und viel Knoblauch und Zwiebeln in die Sauce, und das Gericht muss uuuhhh-lange im Ofen schmoren.

ES WAR HIMMLISCH! 

Aufgepasst, liebe künftige Gäste: Wenn ihr nicht gern Harissa habt, braucht ihr gar nicht zu uns zu kommen. Wir machen nur noch Geschmortes Huhn mit Aprikosen, wie es Samin Nosrat macht.

Samstag, 28. März 2026

Silvan, blondlockig, gegen drei Jahre

 Reto und ich haben erstmals an einem Flohmarkt als Verkaufende teilgenommen. Mit von der Partie waren Judith und Kaya. Harry hat uns logistisch unterstützt.



Verdient haben wir wenig, aber die Standmiete ist eingespielt. Und es machte Freude.

Besonders Silvan machte grosse Freude. Ein kleiner Knirps, den ich nach seinem  Namen fragte, weil ich nicht sicher war, ob Mädchen oder Bub. Als ob das wichtig wäre! - Jedenfalls kaufte Silvan als erster bei uns ein rosarotes Schmuckkistli mit Musikdose und tanzender Ballerina. Er bezahlte vier Franken.

Viel später stand Silvan wieder da und bewunderte Kayas Pferdchen, das mit Batterie laufen kann und sogar wiehern. Kurzerhand nahm er das Tierchen in den Arm und haute ab. Auftritt seine grössere Schwester: "Darf Silvan das Rössli haben?" - "Ja, hat er denn Geld, um es zu bezahlen?" fragte meine Tochter. Und schon war Silvan auch wieder da und sagte, er habe Geld. Er kramte lange in seinem Hosensack und brachte dann mit Überzeugung ein rosarotes Schoggipapierli-Kügelchen zum Vorschein. Er reichte es meiner Tochter, und diese sagte: "Das stimmt genau; das Rössli gehört dir." 


Freitag, 27. März 2026

An einem kalten Tag herzliche Wärme

 Reto und ich hatten heute ein bisschen Weihnachten. Wir lösten den Gutschein für je einen Brunch ein, den wir zu Weihnachten von Judith erhalten hatten. Im Lieblingsplatz-Café an der Else-Züblin-Strasse nahe bei uns. Nur durch Wind und Kälte und durch den Park. Und dann ins Café, wo wir wärmstens empfangen und bedient wurden. Der Kaffee sei der beste, sagte Reto, besser als im Vollenweider. Grösser kann sein Kompliment gar nicht sein! Ich fand den Räucherlachs von höchster Qualität. Wir bekamen ausser Müesli und Käse und dem und jenem FÜNF Sorten Brot. Den Früchtebecher durften wir mitnehmen, als wir pappsatt nichts mehr aufnehmen konnten. So ein schöner Morgen!




Donnerstag, 26. März 2026

Welch ein Chaos in meinem Zimmer

 Am Samstag ist Flohmarkt im Quartier. Wir , Ehemann, Tochter, Enkelin und ich, wollen teilnehmen. Wir haben genug Sachen, die wir nicht mehr brauchen, die aber zu schade sind zum Wegwerfen. Gerade habe ich unsere Saftpresse ausprobiert; sie läuft noch tadellos. Der Rüebli-Randen-Apfelsaft war fein. Das Abwaschen des Gerätes war so mühsam wie eh und je. Aber das sagen wir allfälliger Kundschaft nicht.

Natürlich habe ich viele Bücher bereit gelegt - für Kinder und für Erwachsene. 

Ich werde mich vom Toaster verabschieden, den ich so unbedingt für meine Studentin-Bude haben wollte. Er ist "retro" und wirft die Brotscheiben nicht aus. Selber aufpassen. Der Preis steht noch an der Schachtel: Neunzig Franken hat er gekostet vor 24 Jahren. 

Meine wunderschöne, blaue Glasschale, über der ich Kinder im Urner Oberland mit viel lebendigem Wasser getauft habe, steht zum Verkauf. Möchte ich wirklich, dass sie weggeht?

Apropos "Weggehen" - es wird kalt sein am Samstag. Und zuerst hiess es, der Flohmarkt sei am Sonntag. Vielleicht kommt gar niemand.

Mittwoch, 25. März 2026

Es ist das Wetter

 Ich schwindle immer noch. Reto sagt, es ist das Wetter. Das kann sehr wohl sein. Rita würde sagen, es ist psychisch. Auch das kann sein. Google sagt, es könnte Wassermangel sein. Warum nicht auch dies. Andere sagen, vielen Alten ist schwindlig. Weiss ich.

Was ich nicht weiss, ist, wie die vielen Alten mit der ganzen Schwindelei umgehen. - Ich atme tief, wenn es besonders schlimm ist. Ich gehe an die frische Luft und freue mich an der neu aufgeblühten Tulpe. Lachsrotgestreift. Ich mache ein paar Tanzschritte und falle nicht um. Ich nähe den fertig gestrickten Pullover zusammen und ziehe ihn erstmals an: Gut gemacht! Ich lese und vergesse. 

Ich beschliesse, es ist das Wetter!

Dienstag, 24. März 2026

"Heute noch..." sagt er

Der Morgen war leidlich. Gut genug. Aber seit dem Mittag - na, ja...Gut, darf ich mir eine ausgedehnte Siesta gönnen. Fast schon schlafe ich ein, da rumpeln draussen vor dem Fenster die Müllmänner derart herum, dass ich wieder hell wach bin. Aufstehen? Etwas tun? - Sicher nicht! - Zweiter Versuch eines Mittagsschlafes für eine lädierte, alte Frau. Ich penne wirklich ein. Doch dann, träume ich nur, oder bin ich wach, zerschneidet das Motorengeräusch eines Rasenmähers meinen Schlaffaden. Diesmal stehe ich auf. Trotz Übelkeit und Schwindel wanke ich in unser Gärtchen und treffe da meinen Ehemann. Freundlich lächelnd mit dem elektrischen Rasentrimmer in der Hand. Ränder nachschneiden, nachdem der Rasen gemäht ist. - "Ich dachte", sagt er, "es sei Zeit, die Siesta zu beenden. Den Rasen musste ich heute noch mähen, wo doch der Winter wieder kommt."

Montag, 23. März 2026

Gestern war ein guter Tag

 Gestern Abend war ich so zufrieden mit meinem Wohlergehen und dem, wie ich den Sonntag erlebt hatte! Gelassen, aufmerksam, geniessend, wach, zwäg. Ich habe ganz krass gedacht: "Wenn ich über Nacht sterben würde, dann hätte ich heute gelebt."

Und dann wurde es heute. Ich stieg aus dem Bett und wumm, da war der "Gutartige Lagerungsschwindel" wieder, den ich schon einigemale hinter mich bringen musste. Schwindlig, schwitzend, schwankend bewegte ich mich robotermässig zum Zmorgentisch. Kein Hunger. Leichte Übelkeit.

Ich beschreibe die Unterschiede zweier nebeneinander liegender Tage, weil sie mir vor Augen führen, wie empfindlich ich bin. Ein kleiner Lagerungsschwindel, und schon ist da nix mehr von "gelassen, geniessend".  - Und doch, die Mädels waren da! Wir haben über Jugendsprache geredet. Sie haben gelacht über unsere Unbeholfenheit. Wir auch. Das war gut! Heute.

Samstag, 21. März 2026

Die Saison beginnt

 Ich bin eine Sammlerin. Keine von Briefmarken, aber von Farbstiften. Keine von Sammeltassen, aber von leeren Konfigläsern. Und vor allem sammle ich Kräuter und trockne sie für den nächsten Winter, an den ich, bhüetis, nicht denken mag. 

Und doch, heute haben Reto und ich einen Spaziergang zum Bärlauch-Hang gemacht. Zum Znacht gibt es Bärlauch-Omeletten. In den Keller kommen zwei Sammelgläser.



Freitag, 20. März 2026

Alp Wannelen

 Dort hat es wohl noch Schnee: Die Alp Wannelen liegt am "Schächentaler Höhenweg" auf  gut 1600 Meter ü.M.! Ich will weder Schneeschuh laufen, noch wandern. Aber wir haben unvergessliche Erinnerungen an den "Schächentaler Höhenweg", den wir mit FreundInnen aus Winterthur gegangen sind, als wir in Wassen UR wohnten. 

Alp Wannelen - heute auf dem Markt hat Reto einen Käse von dort entdeckt. Hundertfünfzig Gramm davon wollte er haben. Sagt der Käser und Verkäufer: "Wissen Sie überhaupt, wo das ist, die Alp Wannelen?" - Da kam er an den Falschen und staunte nicht schlecht, als Reto die Lage bezeichnete. Oha! Und der zweite Käse, den Reto kaufen wollte, kam von Lenk (denk!). Reto behauptete dreist, er wisse auch, wo Lenk sei. Ein grossartiges Gelächter erscholl. Am meisten lachte der Käser und Verkäufer.

Donnerstag, 19. März 2026

So viele schöne Würmer

Immer wenn ich im Garten grabe, hoffe ich, Regenwürmern zu begegnen. Ich weiss, wie wertvoll sie für unseren Boden sind. Heute haben Reto und ich zwei Stöcke Kartoffelrosen gesetzt. Das sind die wunderbaren, fein duftenden Rosen, die ich letztes Jahr in Dänemark nahe dem Meer kennengelernt habe. Ich habe damals mit meiner Enkelin Konfitüre aus den Früchten (Hagebutten) der wilden Rosen gekocht. Und wir haben Rosencrème zur Pflege der Haut fabriziert.

Heute also habe ich zuerst allein und dann mit Reto abwechslungsweise tief gelocht, um die Kartoffelrosen zu setzen. Ich habe dabei ganz viele Regenwürmer zutage gefördert und gleich liebevoll wieder eingebuddelt, wo ihnen unsere Stechgabel nichts anhaben konnte. Jetzt freue ich mich über die gesetzten Pflanzen, aber ebenso über die sich ringelnden Tiere unter der Erde. Ich weiss, dass sie da sind und für mich die Erde lockern.

Mittwoch, 18. März 2026

Ein windiger Tag...

 Ein paarmal heute bin ich ins Gärtchen gegangen oder zum Briefkasten. Jedesmal hat mich ein kalter Wind erschaudern lassen. Aber da wir dreimal Besuch hatten, bekamen wir genug innere Wärme. "Wie ist es schön", hat Hanna gesagt, "dass wir uns schon so lange kennen und uns immer wieder gern treffen." - Wie ist es schön, dass wir Freundinnen und Freunde haben! Wie ist es schön, dass sie meine selber gemachten Likörs probieren und mit mir einig sind, dass der mit Zitrone der beste ist! Und ich den Apfel-Streusel-Kuchen von meiner Tochter sooo viel besser finde als jeden Rüeblikuchen. Ein windiger Tag, aber ein guter Tag!

Dienstag, 17. März 2026

"So zärtlich war Suleiken. Masurische Geschichten"

Ich habe schon einmal über Siegfried Lenz geschrieben. Da er genau heute 100 Jahre alt wäre, tue ich es noch einmal. Ich bin in seinem ersten Erzählband weiter gekommen und ergötze mich an den masurischen Geschichten. So viel Humor liegt da drin. Geschrieben in "volkstümlicher" Sprache und doch so treffend und kunstfertig. Über Menschen, die nicht klug wirken, aber manchmal durchtrieben. Sie wissen sich zu helfen und helfen einander gegenseitig in jeder Lage. Muss einer eine Reise tun, um in der Stadt ein "Kilochen Nägel" zu kaufen, geht er nicht allein. Er fragt den Nachbar, ob er mitkommt. Dieser fragt den Freund, der wiederum den Briefträger... - und schliesslich ist das ganze Dorf Suleiken unterwegs. An Essen haben die Frauen, die natürlich auch mitfahren, pro Familie eingepackt:

"Speck, Fladen, Salzgurken, einen Topf Kohl, getrocknete Birnen, einen Korb Eier, gebratene Fische, Zwiebeln, ein Rundbrot, ein Kaninchen."

Und was da alles passiert ist unterwegs:

"Der alte Logau verlor sein Holzbein, der Holzarbeiter Gritzan liess sich herab und sprach zwei ganze Sätze, zwei Kinder wurden geboren, man sichtete einen Auerochsen, der sich später als Kuh herausstellte, man erwarb ein Kilochen Nägel."

Übrigens liegt Masuren im heutigen Polen (ehemals Ostpreussen). Suleiken als Dorf ist erfunden. Siegfried Lenz ist 2014 in Hamburg verstorben. - Ich lese weiter...


Montag, 16. März 2026

Welche Chance - wir bekommen Nachhilfe-Unterricht

 Die beiden Mädels, die am Montag zu uns zum Mittagessen kommen, sind in eine neue Lebensphase eingetreten. Natürlich nicht gerade heute! Aber heute haben sie uns "aufgedatet", was läuft in der Schule und wo sie in der Stadt was finden.

Beide sammeln Radiergummis in allen Farben und Formen, auch mit Geruch. Die weniger edlen Gummis werden in kleine Stücke geschnitten und in der Schule während der Lektionen für Wurfattacken gebraucht. Ganz normal und alltäglich bei beiden Mädels.

In die Stadt gehen sie mit Kolleginnen und streifen durch die Läden, die coole, schöne Kleider haben oder Pflegesachen für die Schönheit oder Haarspangen oder Stifte oder eben Radiergummis.

Gern gehen sie bei "Starbucks" einen Crema-Vanille-Cappuccino trinken. In der Stadt geben sie meistens (zu) viel Geld aus. Es gibt Dinge, die MÜSSEN sie haben!

Sonntag, 15. März 2026

Viel investiert in mich

 Ich gehe den Weg, den die meisten gehen: Kind, Jugendliche Erwachsene, Alte. - Da bin ich jetzt zu meinem Erstaunen: Alt geworden. Fast 77 Jahre alt. Wie ist das bloss gekommen, und warum rast die Zeit dermassen? Gerade war noch Weihnachten, und jetzt ist bald Ostern. Am Mittwoch habe ich die letzten Sterne abmontiert von meinem Fenster und ein paar Stoffblumen gebastelt und aufgeklebt. Wann sind die Herbstblätter dran? - Nein, Sarkasmus ist nicht nötig. Ich freue mich, dass ich noch da bin und dass ich gehen und sogar tanzen kann. - Manchmal denke ich aber: Wir haben so viel in mich investiert, dass ich studieren konnte. Und jetzt? - Ich lisme am liebsten. Ich löse Sudokus. Meine theologischen Kenntnisse dienen nur noch Reto, wenn er im Kreuzworträtsel einen Propheten aus dem Alten Testament braucht. Hat sich die Investition gelohnt? Doch gelohnt? - Das Studium war ein grosses Abenteuer. Ich segelte in unbekannten Gewässern und wusste nicht, ob ich Land erreiche. - Das Studium war die Vorbedingung für die fünf Jahre im Urner Oberland. Unbeschreiblich wertvolle Jahre. Nicht einfach, aber unverzichtbar. Zu meinem Leben gehörend und prägend wie wenige andere fünf Jahre. Da habe ich zurück investiert, so gut ich konnte. Jetzt darf ich lismen.

Samstag, 14. März 2026

Flach geklopft

 Reto schaut sich jeden Werktagabend eine Kochsendung an. Ich befürchte immer, dass er eine immer höhere Messlatte an mein Kochen legt. Er selber blieb bis anhin unbeleckt von diesen Sendungen. Nur schauen, nicht nachkochen. Aber morgen Sonntag will er es versuchen. Ganz besondere Fleischvögel will er machen. Dazu braucht er GROSSE Rindsplätzli. Das hat er heute im Coop dem Metzger gesagt. Und bald begann eine unerhörte Klopferei. Der junge Metzger bearbeitete die zwei Plätzli mit einem Stössel so, dass sie die doppelte Grösse bekamen. Mindestens! Als er fertig war, machte ihm Reto ein Kompliment und sagte: "Zum Krafttraining brauchen Sie heute nicht zu gehen."

Freitag, 13. März 2026

Gar nicht schwierig

 Gestern mein Ausgang seit langem - es war einfach nur schön. Und ja, es war sehr einfach. Meine Freundin hielt am Bahnhof Ausschau nach mir. Wir beschlossen, dass wir unseren Apéro unbedingt an der Abendsonne  geniessen wollten. Also die Marktgasse hinauf, und dann fanden wir unser Plätzchen. Meine Freundin holte zwei Aperol Spritz, während ich unser Tischchen an der Sonne hütete. Anstossen und geniessen. Plaudern über Gegenwart und Vergangenheit; wir kennen uns schon lange. (Nicht so lange wie meine Beste Freundin und ich uns kennen.)

Als die Sonne hinter den Stadthäusern verschwand, zogen wir weiter. Wir waren früh dran, aber in der "Brasserie Reh" begrüsste man uns äusserst freundlich. Wir bekamen unseren Tisch und die Karte. - Im "Reh" kann man sowohl recht teuer essen, als auch recht günstig. Wir hatten beide Lust auf Quiche, einmal mit Spinat, einmal mit Speck und Käse. - Wow, waren die Teils gross! Ich konnte nicht alles essen, obwohl mir die Kombination von Spinat und Geisskäse sehr schmeckte. 

Wir liessen Dessert und Kaffee weg, weil wir pappsatt waren. Und zufrieden. Und glücklich, weil meine weit gereiste Freundin wieder da war. 

Donnerstag, 12. März 2026

In den Ausgang

 Ich gehe heute Abend in den Ausgang. Aber ich weiss gar nicht mehr, wie das geht. Zwar habe ich einen Tisch für meine Freundin und mich reserviert, aber erst um 19 Uhr. Vorher müssen wir noch um die Häuser ziehen. Wie macht man das? Wohin geht man? Was trinkt man heutzutage? - Meine ganzen Fragen zeigen nur eines: Ich war zu lange abends nicht mehr weg. Hoffentlich weiss meine Freundin mehr. Ich verlasse mich auf sie. Sie ist auch zwanzig Jahre jünger als ich.

Mittwoch, 11. März 2026

Erzählungen

Ich lese drei Bände "Erzählungen" von Siegfried Lenz, einem deutschen Dichter. Er würde heuer hundert Jahre alt. (Gestorben 2014) - Seine Buch-Erzählungen reichen von 1949 bis 1984. Sie sind chronologisch gegliedert. 1949 bin ich zur Welt gekommen; dieses Zusammentreffen berührt mich.

Es sind altmodische Geschichten. Und meistens enden sie nicht gut. Oft überraschend schlecht. Da rettet eine Frau ihrem Mann das Leben, aber er kann das nicht annehmen und geht. Die Titel sind auch nicht zeitgemäss: Jäger des Spotts; Das Wrack; Küste im Fernglas...

Aber die Sprache gefällt mir. Ist ganz genau. Langsam. Redundant (wiederholend). Ich gehe mit, sehe, rieche, schmecke. Ich verstehe die Erzählungen, auch wenn ich ihre Tiefe nicht ganz auszuloten vermag.

ERZÄHLUNGEN

Heute waren wir bei einer Freundin und haben mit ihr ihre Ferien in Holland miterlebt. Sie hat sie uns erzählt anhand von Fotografien. Ich mag Erzählungen, ob sie von alten Dichtern sind oder von einer Freundin, einem Freund.


Dienstag, 10. März 2026

Konfitüre nach Jahrgang

 Ich kannte eine Frau, die kochte gern Konfitüre. Sie verschenkte auch gern davon. Aber sie füllte mehr Gläser, als sie und ihre Bekannten essen konnten. Im Keller füllten sich die Holzgestelle nach Jahrgang der Fruchtaufstriche. Sie verschenkte immer die ältesten Gläser. So konnte man 1991 Konfi von 1984 bekommen. Das bewirkte, dass die Leute immer mehr sagten: "Danke, du bist gütig, aber ich habe selber noch genug." - Ich habe die Frau aus den Augen verloren, deshalb weiss ich nicht, wie die Geschichte ausging. Ich jedenfalls habe gelernt: Nur frische Konfi verschenken. Überhaupt die Vorräte in nützlicher Frist aufbrauchen. Gestern bin ich in meinen Keller gestiegen und habe alles in die Wohnung gebracht, das JETZT gegessen oder getrunken werden muss. Wer will noch Holunderblütensekt vom letzten Jahr, der schon einen Essigstich hat, wenn der Holunder schon bald wieder blüht! 

Montag, 9. März 2026

Und also blühen die Veilchen

Jeden Tag gehe ich langsam durch unseren Garten. Ich halte Ausschau nach Spinnen, Käfern und anderen Tierchen. Ich beobachte das Wachsen der Pflanzen und lasse mich überraschen von der ersten blühenden Hyazinthe. Ich kontrolliere die Knospen der Kirschbäumchen; bitte, nicht aufgehen, die "Kalte Sophie" ist noch fern. Aber die Blausterne dürfen gern blühen, und die Primeli und die Gänseblümchen. - Wer eigentlich knabbert ständig Primelblüten ab? Gemäss Google können es Schnecken sein, aber auch Hummeln und nicht zuletzt Spatzen. Sei es, wer es wolle - unser Garten bietet auf kleinem Raum vielen Platz. Wir wollen nicht die Einen gegen die Anderen ausspielen. (Nur Schneckenplagen rücke ich rigoros zu Leibe!) 

Die heutige Überraschung von Mutter Natur ist gelungen: Wie freue ich mich über die blühenden, duftenden Veilchen, die gestern noch nicht da (?) waren!!!

Sonntag, 8. März 2026

Sonntag in drei Abschnitten

  1.  Nach dem feinen Croissant, das Reto beschaffte, ging es schon bald ans Vorbereiten eines Apéros: Unsere Tochter and family wollten nach dem Abstimmen zu uns kommen. Meine Idee. Gute Idee. Unsere Enkelin versuchte Schulaufgaben zu erledigen, konnte sich aber schwer konzentrieren neben der lebhaften Unterhaltung von allen mit allen.
  2. Nach dem feinen Reto-Mittagessen am Frauentag fuhr ich in die Stadt und traf meine Beste Freundin. Wie immer tranken wir zuerst Kaffee und genossen später ein Dessert. Ich habe die Sommersaison eröffnet mit einem Himbeer-Sorbet. Davor und während und danach setzten wir uns ins Bild, was in unseren Leben läuft. Ihr Haus soll neue Fenster bekommen. 
  3. Als ich nach Hause kam, war unser Sohn am Telefon, und ich durfte so lange mit ihm plaudern, bis sich herausstellte, dass sein Partner "am Verhungern" war. Es wird dauern, bis der Lauch-Gratin gar ist. Deshalb muss auch dort "geapérölet " werden.

Samstag, 7. März 2026

Behaartes Schaumkraut

Weil ich echli zu den Kräuterhexen gehören will, lerne ich immer wieder neue Wildkräuter und/oder Heilkräuter kennen. Schon drei Jahre zählt das "Behaarte Schaumkraut" dazu. Es wächst überall in unserem Garten, und es blüht schon fein weiss. Es ist verdauungsfördernd und blutreinigend, was immer das heisst. Ich schneide es klein und gebe es zum Salat. 

Manchmal verrate ich Reto, was er isst. Ich habe ihm das "Behaarte Schaumkraut auch gezeigt. Tags darauf sagt er: "Gäll, das mit den kleinen weissen Blüten, das "Behaarte SCHAMKRAUT", gibst du zum Salat?"

Nachdem ich genug gelacht hatte, spielte ich mit den Buchstaben des Blüemli:

behaartes Schaumkraut

haarkrautiger Schaum

Krautiges Schamhaar

schamhaariges Kraut

behaartes Schamkraut

Manchmal macht das zusammenleben einfach Spass.


Freitag, 6. März 2026

Hundesitting

 


Heute Morgen vor acht Uhr kam Hund Yumi zu uns; wir durften sie drei Stunden lang hüten. Ihr "Herrchen" machte Schulbesuch. - Vor kurzem erlitt sie einen Sehnenanriss am rechten Hinterbein und musste operiert werden. Darum trägt sie ein neckisches Schühlein und einen grünen Verband. Aber es geht ihr schon wieder ganz gut. Wir Menschen müssen aber noch darauf achten, keine wilden Spiele mit ihr zu machen. Ich habe mich deshalb mit einem Buch aufs Sofa gelegt, aber oha, da war sie schwuppdiwupp auch. Sie leckte mir die Ohren und tat selbst ein bisschen wild. So gingen wir zu Boden, und da gab es dann Ruhe. Ich war voller Dankbarkeit, dass mir die Freude an einem Hund möglich ist. Wo ich doch als Kind und noch lange darüber hinaus schreckliche Angst vor Hunden hatte. 

Donnerstag, 5. März 2026

Molto Gusto

Meine Beste Freundin hat mir für heute viel guten Geschmack gewünscht. Zwar wusste ich am Morgen schon, dass ich in die Stadt gehen würde: Coiffeuse-Termin. Ich gehe gern zum Haareschneiden, weil meine Coiffeuse eine temperamentvolle Frau ist mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Sie schneidet schnell und wild; ich mag das. Allerdings riecht es im Salon für meine Nase streng. "Molto gusto" nicht hier, aber eine herzhafte Umarmung zum Abschied. 

Ich bin in der Stadt geblieben und habe mir einen Platz an der Sonne gesucht. Gefunden vor der "Brasserie Reh". Da habe ich an der Hauswand Sonnen-gewärmt mein Mittagessen genossen. Es war "con molto Gusto"!!! Spaghettini mit Spinat und viel Butter, Plätzli mit Salbei und sehr feiner Sauce. Dazu Schwarztee in geschmackvollem Set von Krug und Tasse. Nette Bedienung. 

Aber eines war nicht nach meinem Gusto: Der schwere, schwerreich gekleidete Mann am Nebentisch hat während meines ganzen Essens geschimpft oder genörgelt. Seine Frau hat nichts gesagt. Es ging um zu teure Immobilien und unfähige Handwerker. Hat der "Typ" überhaupt wahr genommen, was er gegessen hat?

Mittwoch, 4. März 2026

Etwas für das Gemüt

Seit dem Ausbruch von Corona waren Reto und ich nicht mehr im Kino. Man hat ja TV. Aber heute haben wir gesehen und gespürt: Es ist etwas Anderes, wenn der Film dort vorne ganz gross läuft. Die Schluchten sind tiefer, und der Schnee stiebt heftiger. Die Bösen sind böser und die Herzigen herziger. Und es gibt Glace-Pause, heute sogar Popcorn-Anfang. Weil unsere Enkelin und unsere Tochter dabei waren. Ihr Ritual bedeutet Popcorn, unseres Glace-Cornet.

Was haben wir uns zu Herzen genommen: den Barry-Film. Schön war es. Glücklich machte es. Sehnsüchtig. 


Dienstag, 3. März 2026

Ein neues Brotmesser

 Reto schneidet bei uns immer das Brot, ausser er hat ein Nachtessen anderswo. Das kommt vor. - Er hat sich seit Monaten und Monaten immer wieder beklagt, dass unser Brotmesser "keinen alten Hut schneidet", was es eigentlich auch nicht muss. Aber ich habe gesehen, wie Reto an manchem Brot herumsäbelt, dass es kein Zuschauen ist. Und Zuhören schon gar nicht. Diese schweren Seufzer. Dieses Geächze. - Ich sage seit Monaten, oder sind es erst Wochen: "Geh und kauf ein neues Brotmesser! Aber im Fachgeschäft, dass es dann wirklich gut ist!" - Heute ist er mit dem neuen Messer heim gekommen. Nach dem Zahnarzt hat er es sich gegönnt. Es ist lang und hat einen wunderschönen Griff aus Olivenholz. Und wichtig: Man kann es nachschleifen lassen. Ich bin der festen Überzeugung, dass man nach 50 Jahren ein zweites Ehe-Brotmesser kaufen darf. Allerdings werden wir es keine weiteren 50 Jahre mehr benutzen können. Egal, heute leben wir. Heute schneiden wir Brot.

Montag, 2. März 2026

Seltsame Gestalten

 Wir haben heute eingekauft. Kaum im Laden ist ein Mann mittleren Alters, gut gekleidet, an uns vorbeigerauscht. Hat laut geredet: "Hast du gesehen, diese Ostersachen. Bis dort hinten. Weit hinten. Kannst du alles kaufen." Und weiter ging es durch den ganzen Laden, immer laut erklärend, was er vorfand. Wem hat er das alles erklärt? Seinem zweiten Ich...? - Ein anderer Mann genau das Gegenteil: Verstrubelte Haare. Ganz still. So müde, dass er sich mitten im Laden auf einen Stapel Bierdosen gesetzt hat. Kopf zum Boden geneigt. Ellenbogen auf den Knien. 

Und dann wir: Zwei kleine Alte, die immer etwas zu witzeln und zu lachen haben. Ich glaube, man kennt uns. Auch in der Apotheke. Dort haben heute die  Angestellten über oder mit uns gelacht. Reto hat eine Kurpackung Tabletten gegen Magenübersäuerung verlangt. Ich habe gefragt, welche fetten, crèmigen Speisen er nächstens essen möchte. - Wir haben dann eine Saucisson gekauft; Reto freut sich schon darauf.

Seltsame Gestalten.

Sonntag, 1. März 2026

Der März

 Der Monat März ist mir lieb. Ich habe Geburtstag. Der Frühling beginnt. 

In meiner Herkunftsfamilie war der März der Monat, wo es erstmals Nüsslisalat, natürlich aus dem Garten, gab. Mit Glück am Geburtstag meines Vaters und/oder an meinem Geburtstag. Eine Herrlichkeit, die nur noch Alte nachempfinden können. Warten auf Nüsslisalat, weil er zuerst wachsen muss! Jetzt gibt  es (leider) fast das ganze Jahr Nüsslisalat. Die Erdbeeren haben schon Aktion im Coop, und der Spargel liegt auch bereit. 

Warten? - Worauf dürfen wir noch warten? 

Samstag, 28. Februar 2026

Abwechslungsreicher Tag

 Gestern war ein voller, erfüllter Tag. Am Morgen waren wir nach dem Winter erstmals wieder auf dem Wochenmarkt an der Steinberggasse. Wir haben Milch und Rahm am Käsestand gekauft, Pouletfleisch bei Metzger Metzger (er heisst so), Salat beim IP-Bauern, der einen Nachfolger sucht, und Sauerkraut, Rande und Portulak beim Permakulturbauern. 

Noch Pilze? - Warum nicht. Und warum nicht solche, die wir noch nie hatten: Pom Pom heissen sie und sehen aus wie Blumenkohl. Gekauft, gut gewürzt, gebraten in Scheiben und zur Wiederholung vorgemerkt.

Am Nachmittag hatten wir uns bei unserem Schwager Meinrad angemeldet; er hat heute Geburtstag. Als wir aus der Wohnungstür traten, war gerade der nette Homeservice-Mann am feucht Aufnehmen des Treppenhauses. Mir war nicht recht, dass ich ihm nun gleich wieder Schuhspuren machen würde. Deshalb nahm ich besonders grosse Schritte und ging schnell - bis ich nicht mehr ging, sondern auf dem nassen Boden lag. Ausgerutscht. Selber schuld. - Der Putzmann packte mich unter den Achseln und wuchtete mich auf die Beine. Haltung bewahren, nicht jammern, aufrecht weggehen. Aber das Knie tut heute noch weh.

Der Besuch in Hettlingen war dafür sehr schön.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Meine Bücher

Es sind zu viele, einfach viel zu viele. Und es gelingt mir nicht, eine gebührende Anzahl auszusortieren. Gestern Abend habe ich ZEHN Bücher beiseite gelegt, die ich nochmals lesen oder mindestens anlesen will, um dann zu entscheiden: Weg oder doch behalten.

Ich lese als erstes nochmal "Das Café ohne Namen" von Robert Seethaler. - Ach, ist das schön! Wusste ich gar nicht mehr. Nicht viel Handlung, aber viel Atmosphäre. Es tut mir gut. Hie und da ein Satz, wo ich aufmerke. Einen habe ich mir aufgeschrieben:

"Man sollte sich immer ein bisschen mehr Hoffnung als Sorgen machen. Alles andere wäre doch blödsinnig, oder?" 

Blödsinnig will ich meine Tage nicht leben, also der Hoffnung Raum lassen. 

Mittwoch, 25. Februar 2026

Blau, so blau

Unsere Auenlandschaft ganz nah! Ein Bächlein helle hüpft auf die Schnelle durch das Hegifeld. Nach all den nassen, grauen Tagen staune ich in den blauen Himmel und bin schon viel zwäger als gerade noch. Wir haben den Kaffee im Garten genossen. 

 

Dienstag, 24. Februar 2026

Herr Türke und Frau Taube

 Auf dem Baum vor meinem Zimmer, wir nennen ihn Amalia, hat letztes Jahr eine Ringeltaube begonnen ein Nest zu bauen. Aber der Ort war ihr nicht geheuer, und sie zog weiter.

Heute Morgen höre ich, wie eine Türkentaube auf der Amalia ruft und ruft. Und siehe da, eine zweite Schönheit fliegt herzu. 

Frau Taube setzt sich ins Ringelnest, und Herr Türke stellt sich ganz nah. Sie beraten sich, aber kommen zum selben Schluss: Amalia ist als Wohngegend nicht gut genug, und das Nest hatte keine guten Baumeister. Frau Taube ist unzufrieden, und das Nest bleibt leer. Was ich bedaure.

Ist es darum, dass ich heute Nachmittag vier Liköre angesetzt habe? Oder doch eher, weil mein Geburtstag dieses Jahr mit einer Schnapszahl aufwartet?

Montag, 23. Februar 2026

Unnötiges Zeug

Einerseits sortiere ich Bücher aus für den Flohmarkt und für das Altpapier. Andererseits brauche ich kleinste Wollknäuel auf und stelle so wieder Dinge her, die eigentlich niemand braucht. Unnötiges Zeug. 

Ich kann schlecht Dinge wegwerfen. Aus (fast) allem kann man noch etwas machen. (Fast) alles könnte eines Tages gebraucht werden. "Grosi, hast du...?" und das Grosi ist sooo stolz, dass es hat.

Ich habe: immer noch eine grosse Tragtasche voll Wolle, Filzwolle bis an mein Lebensende, Kartonrollen in verschiedenen Grössen, gut hundert Konfigläser, Steine sortiert in drei Grössen, Zeichenpapier, anderes Papier in vielen Farben, einen Topf voller Farbstifte, Malfarben verschiedener Art, Stoffresten, Leintücher von meiner Mutter und meiner Grosstante Margrit, 495 Bücher (5 habe ich heute aussortiert)...

Hier meine Wolltäschchen, die niemand braucht. Unnötiges Zeug, aber schön bunt.



Sonntag, 22. Februar 2026

Ich habe den Winterblues - aber es wird besser

 Die ganzen kühlen, nassen verhangenen, nebligen, gruusigen letzten Tage machen mich ganz matt und antriebslos. Ich gehe nicht an die Fastnacht und nicht einmal spazieren am heutigen Sonntag. Ich drösle an kleinen Wollknäueln herum und stricke mit Restenwolle unnötiges Zeug. Lust habe ich nur auf Schokolade, aber das gewaltig. Und ich lese "vergiftet" am letzten Psychothriller, den Stefan  mir geschenkt hat. Was tue ich nachher?

Nachher wird endlich die Sonne wieder scheinen. Ein Hochdruckgebiet dehnt sich aus, und ich bekomme neue Energie. Ich freue mich auf Vorfrühlingstage. Die ersten Boten recken im Garten schon ihre Blüten aus dem Rasen. Violette und weisse Krokus. Schneeglöcklein blühen. Die Tulpen sind schon 12 cm hoch. Am Waldrand wartet der Bärlauch auf mich. Morgen??


Samstag, 21. Februar 2026

Die leere Schublade

 Vor einem halben Jahr ist ein Nachbar von uns plötzlich gestorben. Wir mochten ihn und freuen uns darüber, dass sein Sohn in das Haus seines Vaters einziehen wird. - Vorerst allerdings ist der junge Mann immer noch am Ausräumen und Neugestalten. Gerade vorgestern traf wieder eine leere Abfallmulde ein; heute ist sie schon fast wieder voll Gerümpel.

"Gerümpel" heisst das nun, was einstens Gebrauchsgegenstände waren. Gerümpel, das alte Kindervelo, das bestimmt Erinnerungen weckt: Hat der Sohn darauf Velo fahren gelernt? 

Ich weiss, dass ich das nicht muss. Meine Kinder verlangen es nicht von mir. Aber es würde mich mit Stolz erfüllen, wenn ich meine Flut von Dingen rechtzeitig soweit reduzieren könnte, dass es nur eine Abfallmulde bräuchte. - Es würde mich mit Stolz erfüllen, wenn ich meine fünfhundert Bücher oder so hinunter brächte auf einen guten Arm voll, der mit ins Pflegeheim dürfte.

Ich bin stolz darauf, dass es in meinem Pult eine leere Schublade gibt. Schon eine leere Schublade!

Freitag, 20. Februar 2026

Zuversicht

 Ich habe gestern Nacht einen Podcast zum Thema "Zuversicht" angehört. Der war so gut, dass ich dabei zufrieden einschlafen konnte. Das ist kein Witz. Ich habe oft dermassen Mühe mit Einschlafen, dass nur noch Stöpsel auf den Ohren mit Musik oder einem Gespräch helfen, die Nacht doch noch gut zu bestehen. -  Von gestern  sind mir Gesprächsfetzen hängen geblieben, die mir Mut machen in dieser weltweit verrückten Zeit: Zuversicht sei die Kraft der inneren Freiheit, schreibt ein Ulrich Schnabel; ich werde gleich sein Buch bestellen. Ich will ja lernen. Er fügt an: ZUM GLÜCK IST ZUVERSICHT EINE ERNEUERBARE ENERGIE. Das lässt mich hoffnungsvoll lächeln. Man könne Zuversicht lernen...

Mittwoch, 18. Februar 2026

Ich möchte lernen

Heute Morgen um halb sechs Uhr hat mich unser Kater Nepomuk aufgeweckt, weil er ins Freie wollte. Also zur Sitzplatztüre wanken und danach wieder ins Bett kippen. Nur - der Schlaf wollte sich nicht mehr einstellen. Deshalb dachte ich ein wenig vor mich hin und machte dazu meine erste Morgengymnastik. Einer meiner Gedanken war: Ich möchte wieder einmal ernsthaft etwas Neues lernen. Nur wenige Stunden später sass ich mit Reto beim Zmorge. In der Wohnung über uns werden verschiedene Reparaturen gemacht, bevor die neuen Mieterinnen einziehen. Reto ist Ansprechperson für die Handwerker. - Heute Morgen läutete es ständig an unserer Haustüre, weil ein Handwerker Probleme hatte mit seiner Arbeit. Er konnte den kaputten Geschirrspüler nicht ausbauen. Erklärung: HÄUSER BEWEGEN SICH. - Das also habe ich heute schon gelernt: Häuser bewegen sich. Feuchtigkeit, Hitze, Kälte... können dazu führen, dass es Verschiebungen, eben Bewegungen gibt im Gebäude. Was dann dazu führt, dass der Geschirrspüler festsitzt und morgen der Schreiner zum Ausbauen kommen muss. Was werde ich dann lernen?

Dienstag, 17. Februar 2026

Auch das gibt es!

Heute Morgen waren wir einkaufen. Tochter und Enkelin waren zum Zmittag angemeldet. Riz Casimir wollte ich kochen und kochte ich auch. Als wir mit dem Einkaufswagen von dannen zogen, ein paar Meter weg vom Coop, rief ein Mann hinter uns her. Ich drehte mich um. Er streckte den Arm mit einem Zweifrankenstück weit aus und fragte: "Haben Sie vielleicht das Geldstück beim Automaten...?" - Sein Deutsch war nicht perfekt, trotzdem wollte er uns die zwei Franken zurückgeben, die er beim Parkautomaten gefunden hatte. So etwas Verwunderliches und Anrührendes!

Nach dem Essen fragte ich meine Enkelin, ob ich vielleicht die vor Jahren gebastelten Kartonhäuschen liquidieren dürfe. - Sie schaute mich mit schräg geneigtem Kopf an und bat:" Nein, bitte, das ist doch eine Erinnerung!" - So etwas Verwunderliches und Anrührendes!

Ich bin in weltschweren und regennassen Zeiten froh, dass es kleine, schöne Geschichten gibt!

Montag, 16. Februar 2026

Die Ferien sind vorbei...

 Wir lieben es, wenn unsere zwei Mädels zum Mittagessen kommen. Heute war es nach den Winterferien wieder so weit. Ich habe "Ghackets mit Hörnli und Apfelmus" gekocht. Ich habe mir sehr Mühe gegeben. Viele Kräuter in die Sauce gegeben. Das Apfelmus "angereichert". Wahrscheinlich hat es ihnen auch geschmeckt. Aber sie hatten kaum Musse, wahrzunehmen, was sie assen. So viel war zu erzählen. Die Lehrpersonen haben die Sitzplätze im Schulzimmer neu verteilt. Und oh wie dumm, die Mädchen müssen immer neben Jungs sitzen. Und die sind (fast) alle blöd. Warum kann man die Plätze nicht frei wählen! Immer diese Lehrpersonen, die so viel falsch machen!

Sonntag, 15. Februar 2026

Leere Wohnung über uns

 Wir haben uns von unserer bisherigen Mitbewohnerin und ihrer Tochter verabschiedet. Schade werden sie nicht mehr über uns wohnen. Zu wissen, was es bedeutet, wenn es über uns trampelt, war lustig: Das Kind spielte "Rössli". Es trabte und galoppierte den Gang auf und ab. Und ab und zu einen Wasserguss von oben zu bekommen, war auch nicht schlimm. Wir wussten, da wohnt eine begeisterte Gärtnerin. 

Jetzt ist die Wohnung ganz und gar leer. Wir haben mitbekommen, welch ungeheure Arbeit es ist, eine Wohnung leer zu bekommen und zu putzen bis in die hinterste Ecke.

In ein paar Tagen ziehen die neuen Mieterinnen ein. Wir sind ihnen heute begegnet im Treppenhaus. Werden wir uns auch gut verstehen? Ich bin gespannt.

Samstag, 14. Februar 2026

Krasser Kontrast

 Gestern haben wir in Thun an der Sonne Zmittag gegessen. Entspannter Kellner, der ab heute Ferien mit seinem neunjährigen Sohn macht. Entspannte Laune in den Gesichtern der Gäste. Ich genoss das ungeheuer. Und Thun ist schön, das sahen wir beim Flanieren durch die Gassen. Es gibt viele besondere "Lädeli". In einem haben wir bunte Karten gekauft, in einem anderen feinen Käse aus der Region. 


Aber heute: Grau, grau, grau. Und seit  dem Mittag wiederum nass. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Grrrr....


Donnerstag, 12. Februar 2026

Die Hummerfrauen

 Das ist ein Buch von Beatrix Gerstberger. Ich habe es sehr gern gelesen. Bin mit dem Buch in den Armen im Zimmer herumgegangen, als es fertig war und konnte es schwer loslassen. Ann, Julie und Mina sind die Hummerfrauen. Ihnen geschah und geschieht das Leben mit allen seinen Seiten. Man lacht, man ist traurig, man mag sie. - Sie gehören jetzt zu mir.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Wörter...

Ich hoffe ja, dass die Halbierungsinitiative bachab geschickt wird. Ich hänge an meinem Schweizer Fernsehen. Und nicht nur ich will, dass es weiterhin unabhängigen Journalismus gibt. (???) Von mir aus gern ein bisschen linker als rechter. Aber klar, ausgewogen muss es sein! - Ich bin am Lesen eines sehr langen Interviews mit Susanne Wille, SRG- Generaldirektorin. Klar geht es um die Abstimmung, aber nicht nur. Ich habe da etwas geradezu Rührendes gefunden: Susanne Wille hat ein blau-rotes Büchlein, in das sie sich als Schülerin schöne Wörter und Sätze notiert hat. Ich nehme ihre Idee auf. Meine Wörter und Sätze müssen nicht schön sein, sie können auch überraschen. Hier die ersten:

Schaumkronen

Tage wie diese

Flohsamen

Mundraub

Firlefanz

Kellerluken

Dienstag, 10. Februar 2026

Eingeladen bei Margrit und Cornelius

 Gerade bin ich nach Hause gekommen von unseren lieben Nachbarn. Sie sind älter als wir, also alt (wie wir). Eine nächste Operation steht an, aber Margrit hat die Zwischenzeit benutzt, um uns und eine weitere Gästin zu einem vorzüglichen Essen einzuladen. Bami Goreng?? - Ich habe nicht aufgepasst, wie es heisst, aber sehr wohl geschmeckt, wie reichhaltig und fein es ist. Zum Dessert gab es Tirami su. Lecker! - Jetzt bin ich voll der guten Dinge und werde in meinem neusten Buch lesen, derweil Reto noch bei Cornelius geblieben ist, um Olympische Spiele zu schauen. Bin ich froh, dass es hier so ruhig ist.

Montag, 9. Februar 2026

Sehr, sehr, sehr zufrieden

 Noch rein gar nie habe ich ein Goldhähnchen (Vogel) gesehen, aber heute! - Ich bin eine Stunde laufen gegangen. Kontrolle unseres Bärlauchplatzes: Ja, ganz zart und klein gucken die ersten Bärläuchlein aus der Walderde hervor. Ich werde am Abend die ersten wenigen Sprossen klein schneiden und auf die Pizzastücke streuen. - Auf dem Heimweg den Berg hinunter hat es geraschelt im Gebüsch. Ich habe ein winziges, so hübsches Vögelchen entdeckt, das da Futter suchte. Kleiner als ein Zaunkönig. Ich musste es googeln. Ob Winter- oder Sommergoldhähnchen weiss ich nicht, aber Goldhähnchen sicher. So klein! Es sei einer der kleinsten Vögel in Europa. Und ich durfte es sehen!!!

Sonntag, 8. Februar 2026

Abwechslungsreicher Sonntag

 Am Morgen habe ich ein Dessert für drei kreiert; meine Beste Freundin, Susanna, kam zum Zmittag. Zum Dessert würde es vier Schichten in einem Becher geben: Muffin, Joghurt-Crème, Orangensalat, Nusscrunch. - Ich habe Susanna am Bahnhof abgeholt wie immer, während der Chicorée-Orangen- Auflauf schon im Ofen brutzelte.

Nach dem Mittagessen sind wir zur "überdachten Drachenbank" von Erwin Schatzmann an der Sulzerallee spaziert. Für mich heisst sein Werk "Kleines Heiligtum". Es gefällt auch Reto und Susanna.

Erwin Schatzmann hat auch eine Bank geschaffen, die vor der Schenke beim Schloss Hegi steht. Da sind wir auch hin gepilgert. Ich freue mich schon sehr auf den Mai, wo die Schenke wieder öffnet.

Als wir heim kamen, standen da ein paar Frauen und viele Gartentöpfe der Grösse XXL. Unsere liebe Nachbarin über uns zügelt leider. Sie hatte Hilfe von einer weiteren Nachbarin...Unversehens waren wir im Austausch über den "Dickmaulrüssler", einem nachtaktiven Käfer, dessen Larven Wurzeln abfressen und die Käfer Blätter vom Rand her annagen. - Reto wollte die viele "vorige" Erde dennoch haben - mit oder ohne Larven. Auf ein fröhliches Gartenjahr!

Samstag, 7. Februar 2026

Die Sonne leuchtet, es fliegt der Staub

 Unsere Enkelin war kurz da und hat uns ein Pflänzchen anvertraut über die Ferienzeit. Ich konnte sie schnell fragen, ob ich das "Dökterli-Köfferchen" ausräumen darf. Ja, sie braucht es nicht mehr. - Ich glaube, mich hat schon die Frühlingsputz-Manie erfasst. Und das ist schrecklich, weil ich beim hellen Sonnenlicht jede Staubecke sehe und alle Flusen mir vor die Füsse fliegen. Soooo viel zu tun, aber altershalber weniger Energie. Deshalb setze ich mich jetzt mit der "Lismete" zu Reto vor den TV-Apparat; Olympische Spiele finden schliesslich nur alle vier Jahre statt. Da darf man wohl die eine und andere Abfahrt schauen. Nächste Woche kommt Regen; dann sehe ich die Stäubchen nicht mehr.

Donnerstag, 5. Februar 2026

Katzentischchen

Katzentisch sagt man dem Platz im Restaurant, der ungünstig steht. Zum Beispiel neben dem WC, an einem Durchgang, neben der Tür. Am Katzentisch will niemand sitzen. Und doch! Heute setzte ich mich ganz freiwillig an ein Minitischchen im "Gottlieber", wo ich allein Zmittag ass. Eine Übungssituation. Was macht es mit mir, da zu sitzen und die Tagessuppe zu geniessen (Sellerie). Ich fühlte mich sehr wohl auf dem niedrigen Polsterstuhl, der zu meiner Körpergrösse passte. Und die Suppe, die heisse, hatte Platz neben dem Grüntee mit Jasmin. - Ich hatte den Morgen bei meiner Freundin Helena verbracht. Wir geben uns Feedback zu unserem Leben, so wie wir es uns gegenseitig erzählen. Bis zum Wiedersehen üben wir uns je in einer Aufgabe, die wir uns geben. "Freiraum" ist so eine Aufgabe. Nimm dir den Raum, den du brauchst. Das kann sogar am Katzentischchen sein, wenn es passt.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Deus caritas est

 Wenn ich aus dem Haus gehe, erlebe ich Überraschungen: Heute dieses kleine Heiligtum. Geschaffen vom Winterthurer Künstler Erwin Schatzmann.


Oben eine Schrift in lateinischer Sprache aus der Bibel:

Deus caritas est et qui manet in caritate in Deo manet et Deus in eo manet.

Gott ist Liebe und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.


Danke, Herr Schatzmann, ihr Werk macht Freude.

Dienstag, 3. Februar 2026

Schööön!

Gestern genossen wir einen sehr schönen Tag, obwohl der Hauptgrund für unsere Reise enttäuschend war: Die Sonderausstellung über Fakts oder Fakes war klein, unscheinbar und nicht lehrreich. Dafür haben wir gut gegessen im bedienten Restaurant des Verkehrshauses, und am schönsten war unser Spaziergang dem See entlang zum Bahnhof Luzern an der Sonne. Kaya turnte begeistert über die grossen Steine und Felsbrocken nahe dem Ufer und befand mehrmals: Schöööön!



Sonntag, 1. Februar 2026

Fakt oder Fake - Tatsache oder Fälschung

 Morgen reisen wir mit unserer Enkelin nach Luzern. Im Verkehrshaus besuchen wie die Sonderausstellung "Wirklich?". Es wird ja immer schwieriger zu erkennen, was stimmt und was erstunken und erlogen ist. Ich bin gespannt, was wir in der Ausstellung lernen und was uns unsere Enkelin darüber hinaus beibringt. Sie ist schnell im Verstehen und gut im Erklären. - Aber ich will auch Luzern echli geniessen. Ich war schon lange nicht mehr in der Stadt, wo ich ein paar Jahre lang eine Studentin-Bude gemietet hatte. Damals war Luzern zweite Heimat für mich. 

Samstag, 31. Januar 2026

Überraschender Energieschub

Sitzen Reto und ich am Esstisch und benagen unsere Pouletbeine. Da läutet es zur Unzeit. Reto geht an die Türe und bringt meinen "Gottenbub" (48J.) mit. Fabian setzt sich zu uns. Gegessen hat er schon. Wein trinkt er nicht, wenn er Auto fährt. Er will nichts von uns, aber er bringt uns etwas: Seine Lebendigkeit, sein Interesse an uns, seine Kommunikationsfreude. ENERGIE! Als auch ich das letzte Knöchelchen abgenagt und den Salat "gebodigt" habe, geht er wieder. Im Auto schläft nämlich seine älteste Tochter. Die Familie ist heute Morgen um vier Uhr aufgestanden, um aus den Ferien heimzureisen. Fabian spürt man keine Müdigkeit an. Im Gegenteil. Sein Besuch ist wie frischer Wind in unserer Stube. Einfach gut.

Freitag, 30. Januar 2026

Sich aufregen

 Heute hatten wir Besuch zum Mittagessen. Die Rösti wurde echli dunkel, aber darüber regte sich niemand auf. Das Gespräch drehte sich um Enkelkinder und ihre Begabungen. Warum nur landeten wir dann bei Trump und der Politik. Bei Weltwochenleserinnen, die Putin gut finden - - - bis unser Freund sagte: "Hören wir sofort auf über Politik zu reden!" - Wir schauten ihn erstaunt an, aber er fügte hinzu, dass er "das" einfach nicht mehr ertrage. Er rege sich dann so sehr auf. Natürlich wechselten wir alle gern das Thema. - Mich regt längst nicht mehr so viel auf wie als ich jünger war. Ich ereifere mich nicht mehr so sehr, um andere von ihrer Meinung abzubringen. Geht sowieso nicht. Und wer weiss, vielleicht haben sie manchmal recht und nicht ich. Die Welt ist so komplex, wie wollten wir alles durchschauen.

Es gibt aber trotzdem ein paar Themen, wo ich "staubig" werde: Wenn Frauen herabgesetzt werden. - Wenn Frau Zürcher und Herr Zürcher so viel fliegen, wie noch nie (und viele andere auch). - Wenn Herr Rösti den Weg für neue Atomkraftwerke öffnen will. - Wenn Gift noch und noch in der Natur ausgebracht wird, obschon man die Folgen kennt. - Wenn Menschen ausgebeutet werden. - Wenn Kinder leiden müssen und in Kriegen getötet werden. Wenn Autokraten sich alle Rechte nehmen.

Donnerstag, 29. Januar 2026

Blumenkohl zum Zweiten

 Ich möchte ja nur einen Rest Blumenkohl "versuppnen". Aber auch dies kann man einfacher oder komplizierter machen. Drei Kochbücher habe ich gewälzt und dann Kokosmilch im Keller geholt. Blumenkohlsuppe nicht nach Ottolenghi - zu kompliziert. Nicht nach Familie Storl - sie kochen keine. Ich nehme mir das Süppchen von Tanja Grandits vor. Das wird natürlich nicht wirklich aus Resten gekocht, aber ich bin eine kreative Kühlschrank-Aufräumerin. Mit einem Topping von Tanja wird der Blumenkohl wie neu. Ran an die Sache!

Mittwoch, 28. Januar 2026

Etwas Gewöhnliches

 Kürzlich habe ich gelesen (Daphne):

"Gönnen Sie sich die Zeit,...bei etwas Gewöhnlichem zu verweilen, das etwas Besonderes sein kann. ...Zählen Sie dieses Jahr nicht nur in Wochen und Monaten, sondern vor allem in schönen Augenblicken."

Ich habe gewöhnliche Wassertröpfchen im Garten gesehen und sie in meiner Vorstellung zu Perlen oder kleinen Kristallen gemacht. Sehen sie nicht schön aus?


Auch für mich Besonderes im Gewöhnlichen: Ich schnipple heute neu gewachsene Pflänzchen an den Salat: Gundermann, Löwenzahn, Fenchel und ein Beikraut, dessen Namen mir nicht in den Sinn kommt. Ich kenne es trotzdem; Reto wird nicht Bauchweh bekommen.

Dienstag, 27. Januar 2026

Aussensicht

 Da stehen sie, die beiden Alten, vor der reichhaltigen Auslage der Coop-Metzgerei. Er plädiert für Pouletoberschenkel ohne Knochen. Sie findet, gewöhnliche Pouletschenkel wären gut genug. Im Hintergrund steht der Metzger, schmunzelnd. Das alte Paar entscheidet sich, beide kompromissbereit, für Hackplätzli. Und schon steht der Metzger da: "Haben Sie sich entschieden?" - An der Kasse: " Haben Sie den Blumenkohl nicht auf die Waage gelegt?" - Er sagt: "Da war gar kein Schild." - Die Kassiererin rennt mit dem Gemüse zur Waage und zurück. Mein Mann schaut mich an. Ich gucke zurück. Kann jedem passieren, signalisiere ich. Was wohl die Kassiererin von uns hält?

Montag, 26. Januar 2026

Ein verlorener Tag

 Können Tage verloren gehen? Findet man sie je wieder? Wo könnte man suchen? - Ich bin am Morgen mit dem linken Fuss aufgestanden, wie man sagt. Schlecht geschlafen und der Wetterwechsel. Wird ja wohl nicht schon wieder ein Drehschwindel mich anschleichen. "Anyway", sagt vielleicht unser sprachbegabtes Nachbarmädchen. Sie hat heute Kostproben ihres Wissens gegeben. Beachtlich! - Nicht ausweichen! Zurück zum verlorenen Tag: Eigentlich war es nur der Nachmittag. Ich habe mich in ein sauschweres Sudoku verloren, versenkt - und gepröbelt, bis es aufging. Unterdessen war es dunkel geworden. Ich habe den Nachmittag nicht genutzt. Müsste ich das immer? Darf ich mich verlieren? - Ich weiss, dass ich mich wieder finde. Immerhin!