Dienstag, 17. März 2026

"So zärtlich war Suleiken. Masurische Geschichten"

Ich habe schon einmal über Siegfried Lenz geschrieben. Da er genau heute 100 Jahre alt wäre, tue ich es noch einmal. Ich bin in seinem ersten Erzählband weiter gekommen und ergötze mich an den masurischen Geschichten. So viel Humor liegt da drin. Geschrieben in "volkstümlicher" Sprache und doch so treffend und kunstfertig. Über Menschen, die nicht klug wirken, aber manchmal durchtrieben. Sie wissen sich zu helfen und helfen einander gegenseitig in jeder Lage. Muss einer eine Reise tun, um in der Stadt ein "Kilochen Nägel" zu kaufen, geht er nicht allein. Er fragt den Nachbar, ob er mitkommt. Dieser fragt den Freund, der wiederum den Briefträger... - und schliesslich ist das ganze Dorf Suleiken unterwegs. An Essen haben die Frauen, die natürlich auch mitfahren, pro Familie eingepackt:

"Speck, Fladen, Salzgurken, einen Topf Kohl, getrocknete Birnen, einen Korb Eier, gebratene Fische, Zwiebeln, ein Rundbrot, ein Kaninchen."

Und was da alles passiert ist unterwegs:

"Der alte Logau verlor sein Holzbein, der Holzarbeiter Gritzan liess sich herab und sprach zwei ganze Sätze, zwei Kinder wurden geboren, man sichtete einen Auerochsen, der sich später als Kuh herausstellte, man erwarb ein Kilochen Nägel."

Übrigens liegt Masuren im heutigen Polen (ehemals Ostpreussen). Suleiken als Dorf ist erfunden. Siegfried Lenz ist 2014 in Hamburg verstorben. - Ich lese weiter...


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen