Mittwoch, 29. April 2026

Dieses Gleichzeitige

 Am Morgen wollte ich den Garten giessen. Aber da hat es geregnet. Jedenfalls fünf Minuten, und nach weiteren fünf Minuten war alles wieder trocken; ich goss Kanne um Kanne.

Jetzt ist schon vier Uhr nachmittags. Gerade war ich wieder im Garten. Noch den Gout des Glacestengels im Mund. Unter den Füssen das sonnenwarme Gras. Weich und warm. Am Hals die ersten zwei Mückenstiche, die jucken. In den Ohren die ganzen Autos auf der Strasse hinter dem Gartenhag. Und zum Glück höre ich auch ein Insektensummen. Die Wespe ist es nicht, die gerade gefährlich nahe an mir vorbei kurvt. Warum sind die kleinen Wildbienen so hektisch, die ich mir anschauen möchte. Letztes Jahr waren sie noch nicht bei uns. Das grüne Flecklein auf der Skabiose ist wirklich ein Heugümperchen. So winzig klein noch. 

Beim Schauen bin ich froh, dass ich am Morgen gegossen habe. Das soll all dem Grün gut tun, dem ich fast beim Wachsen zuschauen kann. 

Dienstag, 28. April 2026

Schaumzikaden an meinem Estragon im Garten

 Ich habe ein Riesenbuch über Insekten. Achtunddreissig Zentimeter hoch, achtundzwanzig breit. Wirklich riesig und manchmal echli gruselig. Wenn zum Beispiel eine Kopflaus zwanzig Zentimeter breit gezeigt wird. Aber ein Buch, das ich immer wieder anschaue:


In meinem Buch ist auch die Schaumzikade vergrössert gezeigt. Zwei Schaumkügelchen sind an meinem Estragon. Der Schaum werde auch Kuckucksspeichel genannt, steht in meinem Buch. Und in diesem Schaum wachsen die Nachkommen, schön feucht und gut versteckt. Hier die Abbildung dazu aus meinem Buch:


Die erwachsenen Zikaden sind so braune, kleine Hüpfdinger, die ich schon oft gesehen habe, aber nie mit dem Schaum in Verbindung gebracht habe. Ich mag es sehr, sehr, immer wieder Neues zu lernen. Zusammenhänge zu erkennen. Zu staunen, was es doch alles gibt.


Montag, 27. April 2026

Capuns zum Ersten

 Krautstiel oder Mangold - scheint dasselbe zu sein! Jedenfalls ist Reto mit Mangold aufgewachsen und ich mit Krautstiel. Ich liebte sie nicht, diese erdigen, faserigen, in Stücke geschnittenen Stiele an weisser Sauce. Ich glaube, die Blätter haben wir nicht gegessen, bin aber nicht sicher.

Seit ein paar Jahren pflanzen wir in unserem Gärtchen das Gemüse an, um dann Capuns zu kochen. Das ist eine Bündner Spezialität: Krautstielblätter kurz blanchieren, auslegen auf Küchentuch, einen Löffel Spätzliteig angereichert mit gebratenen Speckwürfeli darauf geben, Päckli machen, in Bouillon köcheln, mit Sieb herausheben, darüber Reibkäse und gedünstete ZwiebelKnoblauchButter. Mmmmhhhh!

Heute war es so weit! Die ersten Capuns in dieser Saison. So wunderbar gewachsene, hellgrüne, zarte Krautstielchen, bereit zum Ernten. Nur wenige Frasslöcher von Schnecklein, die auch noch wachsen werden. Die Ersten sind die Besten! (Capuns, nicht Schnecken!)

Samstag, 25. April 2026

Den besseren Teil

 Als ich eine junge Mutter und Hausfrau war - Hausfrau eher gegen meinen Willen - beschloss ich, einen Deal zu machen. (Damals sagte natürlich keine "Deal".) - Wenn ich denn schon den Haushalt übernehmen musste, sollte mein Ehemann dafür auf immer und ewig die Steuererklärung übernehmen müssen. Das gelobte er zu tun. Und so sitzt er jetzt am grossen Tisch inmitten von Papier, von dem ich nichts verstehen muss. Noch stöhnt er nicht vor sich hin, aber das wird kommen.

Ich aber darf mich dem Geburtstag unserer Tochter Judith widmen. Eine Karte schreiben. Echli etwas einpacken. Viele, viele gute Gedanken haben. Mich auf morgen freuen, wo wir eingeladen sind. Stolz auf meine Tochter sein. Dankbar! Sehr dankbar!

Freitag, 24. April 2026

Das Herz geht mir auf

HEIMAT

Darf ich vorstellen: Das ist die Finsterthüelen. Paradies meiner Kindheit. Ganz oben unter dem Waldrand steht das Höflein meiner Grosseltern. Vom Frühling bis tief in den Herbst hinein waren wir zwei bis dreimal pro Woche nachmittags dort oben. Die Erwachsenen (Mutter und Gotte) haben den Grosseltern auf dem Land geholfen. Wir vier Kinder (Schwester und ich, zwei Cousins) haben wenig geholfen und viel gespielt und herumgetollt.

Ein Freund hat mir diese Foto geschickt mit der Frage: Wo ist das? - Ich habe es gewusst!
 

Donnerstag, 23. April 2026

Monis Geburtstag

 Nein, da kann ich nicht alles erzählen. Auch nicht die Hälfte. Nicht einen Viertel. Am wichtigsten:

ES WAR EIN WUNDERBARER ABEND IN MONIS MÄRLISALON IN THALWIL!

Gut zwanzig Menschen liessen sich an fünf Tischen nieder und bekamen zuerst einmal zu essen und zu trinken. Verveine-Tee aus dem Samowar. Malfuf (Krautwickel) aus der Tajine. Und viele "Aufwerterli und Abrunderli". 

Ich sass so wohl mit der Wohnungsvermieterin von Moni und zwei weiteren tollen Frauen. 

Dann erzählte Moni das Märchen "Vo de Frou, wo ihren Furz isch go sueche". Es ging um genau solche Krautwickel (Malfuf), die wir gegessen hatten. Und es ging um fröhliches Lachen (und ekliges Gemecker). Es ging um Selbstbehauptung (und Nachahmung). Es ging um einen deftigen Furz (und einen mickrigen Furz). - Es war urmenschlich und unvergesslich.


Ich habe Moni meine blaue Schale und 50 Vögel mitgebracht. Gebastelt, gekauft, gefunden.


Einen habe ich für mich behalten, den einundfünfzigsten.



Mittwoch, 22. April 2026

Ich bin Gotti (Patin)

Ist das nicht einfach eine Lebensbereicherung: Ich bin "Gotti" von zwei längst erwachsenen Menschen. Beide sagen mir meinen Ehren- und Verantwortungstitel immer noch. Gotti auf Karten aus den Ferien, Gotti auf Wünschen zum Geburtstag. Warm fühlt sich das an. Vertraut und wichtig. 

Mit meinem "Gottenmädchen", das ein halbes Jahr älter ist als meine Tochter, treffe ich mich ab und zu zum Kaffee. Heute Morgen wieder. Kaum sehen wir uns, geht das "Geschnäder" los. Ich meine damit, dass es uns nie, niemals an Gesprächsstoff fehlt. Und ich meine damit, dass wir immer gleich loslegen können in alter Vertrautheit, als würden wir uns jede Woche sehen. 

Meinen "Gottenbub", der gleich alt ist wie mein Sohn, sehe ich bald bei uns. Mit seiner ganzen Familie. Ich freue mich jetzt schon. Ich überlege, was die drei Mädels bei uns interessant finden könnten. Sie sollen sich nicht langweilen bei der alten Gotte ihres Vaters.

Ich bin Gotti und bin es gern - von der Taufe der Kinder und allezeit, die ich (noch) habe.


Dienstag, 21. April 2026

Müssen oder dürfen

Ich hatte heute bis jetzt keine Zeit, um an die Sonne zu gehen. Und jetzt ist schon Abend. Ich werde Znacht kochen und mit Reto on TV sein. Dann lesen. Dann schlafen. Keine Zeit für die Sonne!

Okay, wir hatten Gäste zum Mittagessen. Die Wohnung musste aufgeräumt und sauber gemacht werden. - Musste sie das? - Der Hund musste ein, zwei Gudeli-Päckli bekommen. - Musste er? - Ich musste die angekündigten Pastinaken zubereiten. - Musste ich? - Meine Enkelin strickte nach dem Essen; ich musste es ihr gleichtun. - Musste ich? - Nach dem zweiten Aufräumen musste ich Siesta machen. - Musste ich das? - Morgen bin ich zu einem Geburtstag eingeladen; ich musste noch eine Karte schreiben. - Musste ich ? - Ich musste meinen täglichen Apfel essen. - Musste ich ? - Und jetzt muss ich bloggen, weil sonst jemand enttäuscht ist. - Muss ich wirklich, oder meine ich nur zu müssen?

Ich habe das alles gern gemacht. Ich wollte. Ich musste nicht. Aber an die Sonne hätte ich schon gehen MÜSSEN! Oder?

Montag, 20. April 2026

Wir als Abfalltouristin und -tourist

Noch vor ein paar Monaten konnten wir unseren gesammelten Plastikabfall in unserer Nähe entsorgen. Aber eines Tages hingen Zettel an den Abfallbehältern: Wir heben diese Sammelstelle auf! Die nächste befindet sich in der Gemeinde Elsau.

Reto ist schon mal hingefahren und hat einen speziellen vollen Sammel-Sack entsorgt. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, es sammelt sich ungeheuer viel Plastik an in unserem kleinen Haushalt. Wir sind ratlos, wie wir den verringern können. - Item, heute standen zwei volle Säcke bereit, und ich hatte angekündigt mitzukommen.

Postauto nach Elsau, Pestalozzistrasse. Die ganzen Treppen hinunter zum Werkhof und die Säcke hochwerfen auf die schon vorhandenen. 

Mit freien Händen und willigen Füssen sind wir der Eulach entlang nach Hause gebummelt. Wiederum so ein schöner Frühlingstag. 

Sonntag, 19. April 2026

Faszinierend

 Ich mache täglich ein paar Runden durch unser Gärtchen. Retos viele Blumen sind wunderschön. Unser Kater sonnt sich auf dem Fenstersims. Die Hornisse bringt mich immer noch dazu, wegzurennen. 

Heute habe ich einer kleinen Kreuzspinne zugeschaut. Sie hat zwischen den noch kahlen Zweigen des Feigenbäumchens ihr Netz gesponnen. Aber was ist passiert? - Der Wind hat zwei, drei Samenfallschirmchen eines Löwenzahns just in ihr Netz getrieben. Und das passt ihr nicht. 

Bei einer solchen Aktion habe ich noch nie zugeschaut: Die kleine Spinne packt das Fallschirmdach des Löwenzahns mit ihren Beinen, Füssen, drückt es zusammen und versucht es nach unten zu bringen. Siehe da, mit Ach und Krach bringt sie das erste Sämchen wieder zum Fliegen, ohne dass ihr Netz kaputt geht.

Das zweite ist mühsamer. Wahrscheinlich klebt es fast zu stark. Aber die Spinne müht sich erneut. Bringt alle Beine um das weisse Dächlein in Stellung. Drückt, schiebt, wendet alle Kraft an. Das Schirmchen kippt. Jetzt ist der braune Samen oben. Stossen, stossen, bis auch dieses Samengebilde aus dem Netz befreit ist und fort torkelt.

Die Spinne verschwindet hinter dem Stämmchen der Feige. Muss sie ausruhen? Wird sie ein neues Netz an einem anderen Ort bauen?

Freitag, 17. April 2026

An einem sonnigen Tag auf den Wochenmarkt

 Mit dem Bus bis Schmidgasse und dann zum Markt spazieren. Wir sind nicht allein. Alle, fast alle, haben gute Laune bei so einem hübschen Tag. Das Lächeln sitzt locker in den Gesichtern. Nur unser Surprise-Verkäufer hat noch die Kapuze über die Mütze, über den Kopf gezogen. Aber er streckt uns lachend die Hand entgegen, obschon wir ihm heute nichts abkaufen; er weiss, dass ich das Heft schon habe.

Ich will zu Reto Meier, der mit seiner Partnerin einen Permakulturhof betreibt. Heute hat er Tulpen zum Verkauf, soweit das Auge reicht. Weil es so viele sind, dürfen wir alle drei gratis mitnehmen. Einfach auswählen! Wir kaufen noch Kopfsalat und Riesenradiesli.

Reto ersteht Salatsetzlinge, und ich brumme ihm noch Pastinaken auf, für die er lange, lange anstehen muss. Die gibt es erst am Dienstag, wenn Judith und Kaya kommen.

Wir kaufen am Pilzstand (!) ein halbes Kilo weisse Spargeln zweiter Klasse. Da gibt es frische Morcheln. Habe ich noch nie gehabt. Wir bekommen erklärt, wie ich sie köcheln soll. Wir kaufen zwei der Riesenpilze. 

Nach dem Kaffee mit Bretzel (zum Zmittag) geht es nach Hause. Beim Ausstieg komme ich partout nicht in den Rucksackträger mit dem Arm. Eine alte Dame mit feuerroten Lippen hilft mir. Danke vielmal! So geht Solidarität.

Donnerstag, 16. April 2026

In die Stadt

Wir wohnen in Winterthur, und das ist eine Stadt mit über 100000 Menschen. Eine Stadt! Aber ich sage: "Heute gehe ich in die Stadt und treffe eine Freundin." - Oder ich sage: "Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer." - Oder: "Ich muss in die Stadt, weil ich meine Zahntabs nur in der Stadt bekomme."

Wohne ich also nicht in der Stadt Winterthur? Wo dann? - Ich wohne im Stadtteil Oberwinterthur. Oder viel besser: Ich wohne an der Hegifeldstrasse. Da bin ich zu Hause. Da kenne ich etliche Nachbarinnen und Nachbarn. Ich weiss, wie lange der "Spazier" um den Park dauert. Ich kenne mich aus. Ich komme gern zurück in "mein" Haus, in unsere Wohnung.

In die Stadt zu gehen, bedeutet, einen Ausflug zu machen. - Welchen Bus nehme ich oder doch den Zug? Welche Einkäufe tätige ich? Reicht es für einen Kaffee? - Manchmal gehe ich gern in die Stadt, manchmal aber muss es einfach sein. Zahnarzt, Augenärztin, Kleider. - Heute ging ich gern in die Stadt; ich traf eine Freundin zum Kaffee.

 

Mittwoch, 15. April 2026

Ich kann es einfach nicht

In meinem einen Kasten gibt es eine Bananenschachtel. Sie ist voller Material zum Basteln. Ich habe es gesammelt und sammle (leider!) immer noch, um mit den Mädels zu basteln. Aber die Mädels sind gross geworden und haben gar keine Zeit mehr zum Mäusehäuser einrichten und Versteckzwerge bezipfeln. Beginnt Kaya zu lismen, muss sie nach zwei Nadeln gewiss schon wieder in die Schule. Wie soll da je ein Schal fertig werden. Und wie soll da je mein gesammeltes Material verbraucht werden.

Material tönt gut. Zu gut. - Sicher, es gibt kostbare Perlen zum Auffädeln. Es gibt Lederstücke und Fellresten. Und die Kulleraugen zum Aufkleben bringen mich zum Lachen. - Aber es landet auch jedes leere Röllchen von Klebestreifen und Nähfäden in der Bananenschachtel. Sogar die Netzchen von den Zitronen sammle ich. Und, und, und...

Heute habe ich selbst gebastelt. Weil es Spass macht, und weil hoffentlich viel Material verschwindet. - Drei leere Holzfadenspulen, ein Klebestreifenröllchen, zwei Steine, zwei Quadratzentimeter gelben Karton, vierzehn Kulleraugen und viel Leim habe ich verbraucht. - Vierzehn Kulleraugen, das ist gut! Hihi, haha...

Dienstag, 14. April 2026

Reto und ich an einem Regenwettertag

An meinem Pult lässt sich nicht nur schreiben sondern auch flicken. Ein Paar Hosen von Reto. Heruntergerissene Säume. Fadenfarbe hellgelb. Gut gegen das Sch....wetter. Aber meine Hosen in hellbeige lassen sich nicht mehr flicken. Dabei sind sie so bequem. Oh, oh, oh. Leiser Jammer nur für mich.

Dann ein Knall und ein Fluch, und unsere Küche ist überall mit Teig besprenkelt! Am Boden ganze Pflatsche, an der Wand Teig da und Teig dort auf zwei Metern Länge und ganzer Höhe. Und Reto mitten drin am laut Schimpfen. Ist aber auch wahr, so eine Sauerei, wo er doch voll Hingabe Bretzeli machen wollte.

Geknallt hat es, weil der eine Quirl auseinander geborsten ist. Der "Cheib"! Von meinem Mixer! Aber hallo! - Miteinander putzen wir die Küche. Trifft sich doch gut, dass ich die Wand gerade heute Morgen geschrubbt hatte!?! 

Reto und ich beide zurück auf Feld sowieso: Ich muss auf neue Hosen los, Reto auf einen neuen Quirl. Meine Mutter würde sagen: "Gschääch nüt Schlimmers!" 



Montag, 13. April 2026

Muschelkalk

 Muschelkalk ist ein guter Dünger. Ausserdem kann man die vielen, vielen Muscheln, die frau im Laufe des Lebens gesammelt hat, nützlich "entsorgen". Aber! Ganz können sie nicht auf die Gartenbeete. Und sie sind hart. Mit Mörsern geht da gar nichts, ausser, dass Hand und Arm schmerzen. 

Reto und ich haben etwas ausgedacht und dann die Mädels nach dem Essen die Arbeit machen lassen: Ein grosses, altes Badetuch auf den Rasen, ein dickes Brett darauf, zwei "Hampfele" (Hände voll) Muscheln auf das Holz, ein altes Küchentuch darüber und je ein Hammer für die Mädels. 

Sie haben gehämmert, total fleissig und heftig. Die Muscheln sind zertrümmert worden und beim Weiterhämmern immer kleiner geworden. Richtig brauchbar als Dünger. Etwa ein Drittel ist getan. Morgen geht es weiter. Es macht sogar Spass, mit dem Hammer drein zu schlagen; ich habe es auch ausprobiert. Nur das Knien! Das Knien kann ich nicht so lange wie die jungen Damen!

Samstag, 11. April 2026

Frau Nachbarin hat es auch erwischt

 Das Gartenvirus greift um sich. Ich habe Löwenzahnknospen gepflückt, um sie als Kapern einzulegen. Zwölf Gisegeiseli (Gänseblümchen) liegen zum Trocknen aus. Der Gundermann hat auch hübsche Blüten (für den Winter). - Frau Nachbarin hat Zwiebeln gesteckt und Salat gesetzt. Sie beklagt sich ein bisschen über das Unkraut, dem ich Beikraut sage. Die Oma trägt Gartenhandschuhe. - Ich schnappe mir jetzt das geliebte Buch von Gisula Tscharner, "Hexentrank und Wiesenschmaus". Über den Winter vergesse ich immer, wie genau ich meine Löwenzahnknospen verarbeiten muss/darf. An die Arbeit!

Freitag, 10. April 2026

Retablieren

 Ich habe lange ein anderes Wort für diese Tätigkeit gesucht, aber nicht gefunden. Retablieren heisst, alles wieder in Ordnung bringen, an seinen Platz zurück stellen. (Leider wird das Wort vor allem militärisch gebraucht.) - Ich retabliere in Bezug auf gestern: Rucksack leeren, Trinkflaschen versorgen, Geld zählen, das bleibt. 

Wenn retabliert ist, noch ein bisschen "umechnuuschte". Mein Kleiderkasten steht offen. Ich habe den Boden ausgeräumt, sauber gewischt und meine wollenen Socken gezählt. Ich habe alte Lavendelsäckli aussortiert und an feinen Seifen "gschmöckt", die zwischen den "glismeten" Jacken liegen. Jetzt bleibt für heute noch das Flicken einer Hose. 

Bald beginnt das Wochenende; ich liebe es.


Donnerstag, 9. April 2026

Mutprobe

 Schon sehr, sehr, sehr lange war ich nie mehr einen ganzen Tag allein unterwegs. Und schon gar nicht allein in den Ferien, was ich vor Zeiten ab und zu gemacht habe. Ich wollte wissen, ob ich das noch kann, allein wandern gehen. Wollte wissen, wie sich das anfühlt.

Ich bin nach Hause zurück gekehrt nach meinem Wandertag am Hallwilersee. Es fühlt sich grossartig an. Ich habe mir ja den schönsten Frühlingstag ausgesucht. Am Hallwilersee blühen nicht nur die Kirschbäume, die Birnbäume stehen auch im vollen Blust, und die ersten Apfelbäume lassen rosa angehauchte Blüten erkennen. Ich habe eine Nachtigall zuerst gehört, dann auch gesehen. Zwei Störche kreisten hoch am blauen Himmel. Und die zehn Zentimeter lange rotorange Raupe heisst Weidenbohrer. 

Ich habe Käse von Boniswil heim gebracht und einen Chardonnay vom Weingut Lindenmann in Seengen. Ganz nahe von Boniswil. 

Ich bin eine Stunde gewandert von Beinwil nach Birrwil. Nach einer Glace- und Pinkelpausen bin ich weitergewandert nach Boniswil. Nochmals eine Stunde. Jetzt bin ich glücklich und zufrieden und voller Sonne und Vogelgesang.



PS. Ich habe die Tiere nicht aufgefuttert; ich war das nicht!


Mittwoch, 8. April 2026

Fünf Uhr nachmittags

 Es ist fünf Uhr nachmittags. Noch bloggen und die vorgezogenen Ringelblumen im Garten setzen. Dann habe ich Feierabend. Heute habe ich viel gearbeitet. Brot gebacken und Brennnesseln für den Winter geerntet und eingefroren. Ist so ein reicher Segen im Garten schon so früh im Jahr! 

Reto und ich haben nach dem Mittagessen einen Gartenrundgang gemacht. Aufgabe: Alle Tiere zählen, die wir sehen. Bei mir waren es zwölf. Natürlich waren alle klein. Ameise, Spinne, Fliege, Schwebefliege, Biene, Wespe, Hummel, Käfer, noch ein Käfer, Aurorafalter, Weissling und am überraschendsten: eine kleine rötliche Libelle. Wirklich wahr! 

Den Irrsinn auf der Welt nicht vergessen, aber die Schönheit der Welt nicht übersehen!


Dienstag, 7. April 2026

Die Schachbrettblume überrascht uns

Am Morgen telefonierte ich nach Wassen UR. - "Weisst du", sagte unsere liebe Bekannte, "bei uns ist es noch nicht grün. Zwar guckten die Osterglocken hervor, aber dann gab es nochmals 40 Zentimeter Schnee." - Wo doch Reto bei uns heute zum dritten Mal den Rasen gemäht hat. Ich bin auch im Garten herum gewuselt. Habe die zarten Triebe des Grünkohls gerettet und die Strünke entsorgt. Dann habe ich für Reto und mich Schwarztee gekocht mit frischer Minze drin. Wir sassen so und schauten und waren glücklich darüber, dass wir ein Gärtli haben dürfen. Plötzlich sage ich zu Reto: "Schau mal, die "Grasmutte" (Erdklumpen mit Gras), die ich neben das Kaya-Häuschen gelegt habe; sie musste meiner Kartoffelrose weichen. Schau mal!"


Aus dem Stück Erde ist eine Schachbrettblume gewachsen. Ihre Urpflanze haben wir von Hanna geschenkt bekommen. Zum Glück wusste ich noch nicht, wohin mit der "Grasmutte!" So konnte sich die schöne Blume entwickeln.

Montag, 6. April 2026

Die letzte Lammkeule!

Ostermontag zu siebt - ich liebe das. Um halb zehn war schon die schwere Lammkeule auf dem Backblech, gesalzen, mariniert, mit Knoblauch und Rosmarin besteckt. Ofen auf 180°; wir sehen uns.

Um zehn war der Tisch gedeckt, mit frischen Blumen und Osterkerze geschmückt, Servietten mit Osterhasen, für alle sieben je ein Stoffbündel mit Osterzeug drin. Lauch im Garten geholt, gewaschen, geschnitten, 50 g Aprikosen dazu, köcheln mit Weisswein und Rahm. Kartoffeln gekocht für Bratkartoffeln. Nudeln bereitgestellt. Salat vorbereitet. Was noch?

Um elf waren Stefan und Martin da. Stefan wurde von mir eingespannt, um meinen ausgedachten Apéro zu mischen und zu servieren: 1/3 Zitronenlikör selbst gemacht, 1/3 Weisswein, 1/3 Sprudelwasser, 1 Eiswürfel mit Orangenstück. 

Apéro im Garten samt Hund an der Leine. Dann Mittagessen am grossen Stubentisch. Verdauungsspaziergang, Dessert.

Und da passierte es: Die Grossmutter (ich) wollte das Backblech in den Schüttstein stellen, über den Kopf von Kaya hinweg.  Aus grossem, schrecklichem Versehen begoss sie ihre Enkelin mit ganz viel Bratensaft vom Lamm. Wääähhh!!! Braune Sauce über zitronengelbes Shirt. Kaya war sehr, sehr gnädig mit mir. Aber ich mag nie wieder eine Lammkeule braten. Jetzt ist Schluss mit dieser Tradition. 

Sonntag, 5. April 2026

Osterspaziergang

 Wenn eine schon so alt ist wie ich, assoziiert sie zu tausend Dingen nochmals tausend Dinge: Wir haben heute Morgen einen wunderschönen Osterspaziergang gemacht. - "Osterspaziergang" ist das Gedicht von Goethe, das mein Götti alle Ostern deklamiert hat:

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, 

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

im Tale grünet Hoffnungsglück...

In der Finsterthüele, in Brittnau, in Winterthur. Als er jünger war, älter wurde, alt war. Jetzt ist schon sein Grab aufgehoben worden nach 25 Jahren Grabesruhe. Er ist mir nahe  > "vom Eise befreit...".

Wenn eine so  alt ist wie ich sind Schlüsselblümchen nicht einfach Schlüsselblümchen: Sie wachsen am Hang unterhalb des Bauernhäuschens von Grossmutter Widmer, die mir die liebste war. Aber sie wachsen auch auf dem Weg nach Stein am Rhein, wo Reto und ich sie vor zwei, drei Jahren entdeckt haben. Und sie wachsen am Tösstobelweg, wo wir sie heute gesehen haben. Wo Reto oberhalb das gelbe Haus gesehen hat, wo er gern wohnen würde. Er meint, dort würde es auch unserem alten Kater gefallen. - Ich bleibe, wo ich bin, gerne bin. 






Samstag, 4. April 2026

Tradition, sagt mein Mann

 Tradition verspricht "the same as every year" (dasselbe wie jedes Jahr). Tradition gibt Sicherheit. Tradition ist oft schön, aber manchmal fragwürdig. 

Reto und ich haben heute eine Lammkeule von 3kg370g nach Hause gebracht. Wahnsinn, sage ich. Tradition sagt mein Mann. Und ist doch wahr, seit einigen Jahren gibt es bei uns einen Lammgigot an Ostern, wo die ganze Familie um den grossen Tisch sitzt. Wer nicht gern Lamm isst, bekommt Poulet. Auch Tradition.

Die Grossputzerei von heute ist auch Tradition. Vor Weihnachten und Ostern wird geputzt. Aber nicht mehr jeden Freitag; diese Tradition haben wir gekippt. Traditionen dürfen wegfallen. Traditionen kann man neu erfinden. Ab wie oft ist es Tradition?

Tradition kann auch heissen: "Ich möchte gern, dass du wieder eine Lammkeule im Ofen brätst." - Tu ich ja! Wie oft noch? Vielleicht beginnt nächstes Jahr eine neue Tradition. 

Freitag, 3. April 2026

Gesehen...

Es gehört zu dem, was wir lieben: Irgendwo sitzen und Leute beobachten, die vorübergehen. Dazu braucht es einen strategisch guten Platz, einen Platz, wo Menschen zuhauf unterwegs sind. - Wir waren auf dem Friedhof und haben meinem Mami Stiefmütterchen gebracht. Wir haben uns angeschaut, wie das Gräberfeld aussieht, das aufgehoben wurde. Kein Grab mehr von meinem Götti. Echli traurig.

Trost fand ich am strategisch guten Ort, wo wir je an einem  Aperol Spritz nippten und schauten. Wir sahen:

  • das kleinste Hündchen der Welt mit buntem Wintermäntelchen
  • eine junge Frau in kurzen Hosen mit stämmigen Beinen
  • einen jungen Mann mit schwarzen überweiten Hosen, die flatterten, als er vorbei ging
  • ein Kindchen mit rosa Mäschchen auf dem Köpfchen, das einen grossen, dunkelroten Sirup trank
  • einen Mann mit schwarzen Nietenhosen , schwarzer Lederjacke und schwarzem Blick
  • eine junge Frau mit einer so bunten Jacke, wie ich sie auch gern hätte
  • eine Frau in schwarzen Leggins, die ihre dünndünnen Beine vorführte
  • einen jungen Mann mit Wuschelkopf vom Fröhlichsten
  • und noch viel mehr
Übrigens schauten wir uns gegenseitig sehr überrascht an, als der Kellner die Rechnung brachte: Zwei Aperol Spritz ohne ein Hämpfelchen Chips oder ein paar Olivchen oder zwei, drei Nüsschen:                      Franken DREISSIG! 

Donnerstag, 2. April 2026

Getrennte oder gemeinsame Wege

 Gestern haben Reto und ich über alte Zeiten geplaudert. Uns wieder gefreut an Osternachtfeiern im Urner Oberland und in St. Ulrich und noch weiter zurück in St. Urban. Es waren tiefe, stimmige Erlebnisse. Wir sind uns sicher, dass es so eindrücklich war, weil wir die ganzen Karwochen und Ostertage mitfeierten. Und weil da so viele Menschen mitgefeiert haben, die uns am Herzen lagen. Gemeinsam.

Jetzt ist es anders. Leider mag ich nicht mehr mittun. Ich bin immer noch im Abstands-Modus gegenüber der katholischen Kirche. Vielleicht ändert sich das auch wieder. Ich weiss es nicht. - Weil Reto im Kirchenchor singt, gehen wir getrennte Wege. Reto wird erfüllt sein vom österlichen Geschehen. Wird am Osterfeuer stehen, das er im Urner Oberland jeweils selbst entzündet hat. - Ich werde derweil zu Hause sitzen. Und was tun? Was fühlen? - Ich weiss es nicht. Wehmut, Traurigkeit. Getrennt.

Zum Glück kommen am Ostermontag unsere Kinder mit ihren Lieben zu uns. Da werden wir gemeinsam feiern. Von Herzen!


Mittwoch, 1. April 2026

"Den Osterhasen stören"

 Mein Ehemann weiss auch nicht genau, was es bedeutet, aber wenn er in die Stadt geht, um Osterschoggi zu kaufen, sagt er: "Ich gehe den Osterhasen stören." - Heute jedenfalls war ich in der Stadt und bin mit allergattig Osterzeug heim gekommen. Wir sind am Ostermontag zu siebt, und mir macht es sehr viel Freude, als Osterhasen-Oma allen Gutes zu tun. Man könnte auch sagen, vor lauter Freude tue ich alljährlich des Guten zu viel. Weil unsere Gäste stets genügsamer sind als ich, bleiben dann Reto und ich auf dem ganzen Rest hocken. Ob das den Osterhasen stört, oder ob er sich ins Fäustchen lacht, weil er an Coop und Co. beteiligt ist?