Sonntag, 31. Mai 2026

Übernachtungsgast

Unser Sohn wohnt im Kanton Bern. Gestern ging er in unserer Nähe in den Ausgang und kam nachts zu uns zum Übernachten. So eine Freude, am Morgen aufzustehen - und da sitzt Stefan auf dem Sofa! So unterhaltsam, mit ihm Honigbrote zu geniessen und zwei statt einem Kaffee zu trinken! Weil er keinen Garten hat, habe ich ihm in unserem einen Kräuterstrauss gepflückt. Er kocht gern und gut; da sind alle Kräuter willkommen.

Er hat wieder eine "Räubergeschichte" von seinem quasi-Schwiegervater (93J.) erzählt: Steht der alte Mann nachts auf, um zur Toilette zu gehen. Stolpert und fällt. Das, worüber er gestolpert ist, erweist sich als Messer, das auf dem Boden lag. Er stolpert nicht nur und fällt um - er fällt mit der Wange so auf das blöde Messer, dass es sich in sein Fleisch bohrt. Da es Mitternacht ist, will der alte Mann im Pflegheim nicht stören. Er legt sich blutend ins Bett. Erst am Morgen entdeckt eine Betreuerin das Malheur. 

Der quasi-Schwiegervater unseres Sohnes ist schon beinahe eine Legende.

 Ach ja, und die Ferien im Ruhrgebiet, in Belgien und Luxemburg waren ein voller Erfolg. Schon gewusst, dass das kleine Luxemburg (80 km auf 50 km) eine eigene Sprache hat?


Samstag, 30. Mai 2026

Draussen 30 Grad, drinnen 23 Grad

Am Morgen haben wir die Salate gesetzt, die wir gestern als Setzlinge gekauft haben. Dazu ein orangerotes Strohblümchen und eine purpurrote Dahlie. Ich habe Steine aufgesammelt und Pflanzen gegossen. Und ich habe zu den beiden "Rüebliraupen" (Schwalbenschwanz) von vorgestern zwei weitere ganz kleine in die Sicherheit meines Raupenkastens gebracht. Sonst werden sie gefressen von Vögeln, Heuschrecken, Wespen oder anderen Fressfeinden. Übrigens haben die beiden ersten geretteten Raupen schon an Gewicht und Grösse zugenommen. - Am Morgen also haben wir im Garten gearbeitet bei angenehmen Temperaturen. 

Am Nachmittag aber lasse ich all meine wilden Mitgeschöpfe allein an der heissen Sonne. Sie tun mir echli leid, wenn sie schlaff in der Hitze hängen. Ich bin froh über unsere kühle Wohnung. Sie erlaubt mir, auch am Nachmittag aktiv zu sein. Echli zu räumen oder einen Brief zu schreiben oder den kleinen Papierberg auf meinem Pult abzutragen. 

Am Abend zieht es mich dann wieder hinaus. Vorher nicht.

Freitag, 29. Mai 2026

Erfüllt vom Morgen

 Ich staune, weil ich ganz voll bin. Voll von Eindrücken. Wir waren "nur" auf dem Markt in der Steinberggasse und Kaffee trinken unter Platanen mit der Freundin, die gerade von Ferien in Frankreich zurück gekommen ist. Sie hatte ganz viel zu erzählen von Marseille und Dolmen, die doch nur Steine sind. Von Flamingos, die mangels besonderer Krebse nur noch weiss, statt rosa sind.

Der Markt ist eine bunte Pracht. So viele Blumen und Gemüse und Früchte, was das Herz begehrt. Wir haben, weil ich hin gezogen habe, meine Lieblingsbauern besucht. Dem einen Rüebli im Bund abgekauft und dem anderen Mönchsbart. Der Permakultur-Bauer hat hinter seinem eigenen Bart gelächelt; er kennt uns schon.

Beim Kaffee trinken habe ich die Mauersegler gehört von hoch oben. Die Frau am gleichen Tischchen hat mir ihre halbe Lebensgeschichte erzählt. Beim Beck gab es die feinen Lyner-Wähen. Einfach perfekt zum Mittagessen, wenn man (zu) lange in der Stadt bleibt.

Donnerstag, 28. Mai 2026

Alles wiederholt sich

 Ich habe zwei Schwalbenschwanz-Raupen "gerettet" vor den gefrässigen Heugümpern und wer sie sonst noch zum Fressen gern hat. Mit viel Fenchel in ein Holzkistchen versteckt. Luftdurchlässiges Gewebe davor gespannt. Und jetzt täglich schauen, ob sie wachsen.  - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Ich habe aus den in Öl eingelegten Rosenblättern mit Bienenwachs eine Salbe angerührt und in kleine Gläschen gefüllt - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Ich habe Kräuter geschnitten und auf dem Grossmutter-Schrank zum Trocknen ausgelegt. - Das habe ich in anderen Jahren auch gemacht.

Langweilig? Routine? Nichts Besonderes?

Ich weiss nicht, was mit den Raupen dieses Jahr passiert. Letztes Jahr ist eine ausgebüxt. Werden wir sie fliegen sehen? Das ist immer von neuem berührend.

Die Rosensalbe ist gemacht wie immer, ABER zum erstenmal aus den Kartoffelrosen, die ich in Dänemark kennen gelernt habe. So viele Erinnerungen an das Meer und die Rosenfelder!

Ach ja, das mit den Kräutern wiederholt sich, das ist wahr.  

Mittwoch, 27. Mai 2026

Morgenessen auf dem Balkon meiner Freundin in Oerlikon

Eine Blumenkiste grenzt an die nächste. Stiefmütterchen in allen Farben, ein Bonsai-Rosmarin, Ringelblumen in einer Fülle, die mich neidisch macht..., und wir zwei Frauen essen Znünibrötchen vom Beck in der Nähe, trinken Kaffee oder Tee und erzählen uns von unseren Leben. Als ich mich um elf Uhr verabschiede, sage ich, dass ich nun nach Zürich HB fahre und dann weiter schaue, was ich mit meinem freien Tag noch anstelle. 

Aber an der Tramhaltestelle entscheide ich mich anders: Nummer 10 fährt auch zum Irchelpark hinauf. Dort laufe ich, schaue ich, geniesse ich Stille und Natur. Auf einer Bank neben einer asiatischen jungen Frau esse ich mein Zmittag, Trockenfrüchte und Nüsse von zu Hause mitgebracht. Auch die Wasserflasche ist dabei. Durst habe nicht nur ich:



Dienstag, 26. Mai 2026

Angenommen!

 


Meine gestern fertig gestellte Hundedecke wurde heute ganz selbstverständlich sofort "belegt" (oder  beliegt oder verlegen?). Geschlafen hat Yumi dann aber auf den kühlen Bodenplatten - bei diesen Temperaturen keine Beleidigung für mich!

Meine Enkelin kam heute nicht zum Essen - Mädelstreff in der Badi. Kann ich gut verstehen. 

Montag, 25. Mai 2026

Morgen kommt Yumi

 Yumi braucht auch bei uns eine Decke oder ein Hundebett. Jedenfalls einen Platz, wo sie entspannen kann. Einen Platz auch, auf den man sie schicken kann. Meine Tochter hat das schon mehrmals angetönt. Ich habe zum Spass gesagt, ich häkle eine Hundedecke.

Ist nicht meine Verantwortung, dieses Hundebett. Aber man (ich) kann ja mal googeln. Wahnsinn, was da alles gehäkelt, genäht, gebastelt wird für den Hund! Sieht gehörig nach Arbeit aus.

Ich wandere durch mein Zimmer, schaue in Kästen und Schubladen, gehe in den Keller, gedankenverloren, fast schlafwandelnd. Finde den Kleidersack, in dem ich im letzten Winter meinen neuen Mantel heimgetragen habe. Finde alte Leintücher, Badetücher. Finde eine Idee, wie es zu machen wäre.

Und dann werde ich "Sattlerin". Ich stopfe den Sack, streiche glatt, Reissverschluss zu. Obendrauf kommt ein weiches, lustiges Badetuch. Ich hefte, stecke Nadeln und nähe (von Hand). Nähe wie eine Sattlerin: Das Zeug ist dick. Ich brauche den Fingerhut, damit die Nadel mit Murks durchgeht. Morgen kommt Yumi; sie wird einen Platz zum Entspannen haben. 




Sonntag, 24. Mai 2026

Fünfzehn Kannen Wasser

Zwar ist der Garten beileibe noch nicht ausgetrocknet. Aber trotzdem habe ich heute vor dem Morgenessen fünfzehn Kannen Wasser verteilt. Wohl bekomms - den begossenen Pflanzen und meinem Körper, der sich gern bewegt!

Mein Ehekumpan singt in der Kirche während dem Pfingstgottesdienst. Nachher wird es einen Apéro geben im Kirchgemeindehaus, und Reto wird es geniessen, unter Leuten zu sein. 

Unterdessen habe ich Zopf gebacken, Salat im Garten geholt und mich über ein allerallerkleinstes Nacktschnecklein gewundert: Ein Millimeter dick, ein Zentimeter lang. Sowas. - Überleben durfte es nicht, das Arme. - Die Kartoffeln kochen. Der Käse steht bereit. Ich habe echli Hunger. Hatte das Schnecklein auch...

Samstag, 23. Mai 2026

Afrikanisch bunt

 Jedes Jahr besuchen wir über die Pfingsttage den bunten Markt von Afro-Pfingsten in der Winterthurer Altstadt. Heute Morgen waren wir da.

Wir haben sehr wenig gekauft, aber sehr viel geschaut und bewundert. Vor allem die Frauen in ihren bunten Gewändern haben mir sehr gefallen. Reto hätte gern, dass ich auch so fröhliche Stoffe trüge.

 Leider ist es mir nicht gegeben, dermassen aufzufallen. Mir fehlt das fröhliche Selbstverständnis der afrikanischen Frauen. Auch die Gabe, meinen Körper in seiner ganzen Fülle zu mögen, geht mir (immer noch) ab. Afro-Pfingsten ist also auch ein Ort für mich, um zu lernen. 

Freitag, 22. Mai 2026

Herr Metzger Metzger meint es gut mit uns

Der Gemüsemarkt in der Steinberggasse bietet weit mehr als Gemüse. Jetzt im Frühling ist er ein Blumenmeer. Und ja, ein bisschen Dichtestress ist auch spürbar. Aber es ist jedem und jeder zu gönnen, über diesen wunderbaren Markt zu gehen und zu kaufen, was das Herz begehrt. Reto wird schon bald glücklich gemacht mit einer "Schwarzäugigen Susanne", einer Kletterblume, die ihm noch gefehlt hat im Garten. Und ich darf endlich Basilikum posten, wo wir schon Sommerwetter haben. 

Irgendwann stehen wir am Verkaufswagen von der Metzgerei Metzger. Ich sage laut: "Was isst man eigentlich an Pfingsten?" - Es gibt eine Weihnachtsgans, den Osterlammbraten, den Erstaugustweggen...Aber an Pfingsten? - Herr Metzger weiss es auch nicht, verkauft uns aber gern zwei Koteletten für den Grill. 

Nicht auf dem Markt, aber am Graben finde ich blühende Schokoladenblumen. Sie machen mein Glück voll. Ich "päppele" seit Monaten in einem kleinen Töpfchen eine gesäte Schokoladenblume. Sie hat "schon" vier Blättchen. Ob sie je blühen wird?

Zu Hause räume ich unsere Esswaren ein, z.B. die Koteletten. Läck, sind die aber schwer! - Zwei Stück, so schwer. Ich lege sie auf die Waage: 737 Gramm!



Donnerstag, 21. Mai 2026

Die grüne Hölle

Reto schaut mich irritiert an, wenn ich behaupte, unser Garten sei eine grüne Hölle. Ich könnte auch ganz gehoben mit den Worten von Hildegard von Bingen sagen: Die Grünkraft der Natur ist am Werk in unserem Garten. Wobei Hildegard von Bingen, eine frühmittelalterliche Benediktinerin und Mystikerin, diese Grünkraft in allem sah. Die Grünkraft wohnt auch uns inne. - Abgehoben genug?

Zurück zu meiner grünen Hölle: Ich meine damit, dass in unserem Garten alles wächst wie verrückt. Ich komme nicht nach mit Roden, Reto kaum mit Gras mähen. - Zum Beispiel die Brennnesseln: Sie umzingeln alles in ihrer Nähe. Da nützt es nichts, dass ich heute eine schöne Anzahl Brennnesselspitzen zur Pasta gerührt habe. Ich musste am Nachmittag trotzdem zwei Kübel voll Brennnesselruten ausrupfen, damit der Rosmarin Luft bekam. 

Ach, ich will ja gar nicht klagen. Im Gegenteil. Ich habe heute schon Schnittlauch und Peterli für den nächsten Winter eingefroren. Auf unsere Grüne Hölle!

Dienstag, 19. Mai 2026

Nosferatu

 Dieser Tage lag eine ungeheuer grosse Spinne vor unserer Sitzplatztüre. War sie tot? Sie bewegte sich nicht und schien nur sieben Beine zu haben. Sowieso war eine Beinverwicklung im Vorderteil der Spinne.  - Ich stupste sie mit dem Fuss an. Sie bewegte sich, ordnete langsam ihre Beine; es waren alle acht. Bevor sie davon ging, holte ich den Fotoapparat. Zuerst eine Erkennungsfoto, dann ein paar "Fotonen", als sie schon unterwegs war.



Ich las, dass sie beissen kann, aber nicht schlimm > es tut "nur" etwa so weh wie ein Bienenstich. Die Nosferatu fängt ihre Beute nicht in einem Netz, obschon sie weben kann. Tagsüber versteckt sie sich in einem kleinen Wollgespinst. Nachts macht sie Beute. Sie kann gut klettern, auch in die oberen Stöcke eines Gebäudes.

Ich freue mich eigentlich immer, wenn ich in unserem Gärtchen ein neues Wesen entdecke. Biodiversität sage ich dem. Aber die Nosferatu habe ich in die hinterste Ecke unseres Gartens transportiert. Bitte, nicht in mein Zimmer kommen!

Montag, 18. Mai 2026

"Hast du die neue schon gelesen?"

" Die neue" bezieht sich auf die neue Schweizer Familie, ein "Heftli", das schon meine Eltern abonniert hatten. Also ein Magazin, das mein Leben begleitet und das ich immer noch sehr mag. Ein bunter Mix aus allem. Ich freue mich jedem Mittwoch auf die neue Ausgabe. 

Und nicht nur ich mag die Schweizer Familie - wir geben sie weiter. Unsere Tochter bekommt sie. Und sie gibt sie weiter. Unser Sohn bekommt sie. (Zwar Monate später; er ist ja nicht ständig in der Gegend.)

Ich glaube, mein Ehemann mag die Rätsel am meisten. Beide mögen wir "Frölein da capo". Ich mag den Mix, die schönen Fotos, Rezeptideen, Wissen, acht Unterschiede. - Was meine Kinder mögen, weiss ich nicht. Ob meine Enkelin sie auch liest, keine Ahnung.

ICH MAG EIN HEFT, IN DEM ICH BLÄTTERN KANN, DAS NACH PRINTMEDIUM RIECHT, DAS IM BRIEFKASTEN GEHOLT WIRD - EIN HANDGREIFLICHES LIEBLINGSDING.

Sonntag, 17. Mai 2026

So viele Bilder vor Augen

 Heute habe ich mit meiner Besten Freundin Kaffee getrunken im National. Wir haben echli geklönt über das Alter und so. Uns unsere Enkelinnen gezeigt auf dem Handy. Über frühere Zeiten geredet. Nächste Woche besprochen.

Jetzt habe ich so viele Bilder vor Augen von unterschiedlichen Zeiten:

  • meinen Coupe Danmark von heute mit viel feiner Schoggisauce
  • die Tavolata von gestern mit unserem Besuch
  • die gebastelten Kuscheltiere der drei Besuchs-Mädchen: einmal Fisch, zweimal Schildkröten
  • die Kellner und Kellnerinnen von heute - gute Alte Bekannte
  • die Küchen meiner Grossmütter
  • den Buschauffeur von heute
  • das graue, schlanke Velo eines Mannes
  • die dicke  wattierte, blaugraue Jacke meines Sitznachbarn
  • Orell Füssli von innen
  • Die Nosferatu-Spinne vor unserer Sitzplatztüre
Und Gerüche in der Nase:
  • Schneeballstrauch am Gartenzaun
  • hochparfumierter junger Mann vor mir im Bus
  • ...

Freitag, 15. Mai 2026

Liebe Moni, ich kann es auch!

Vor ein paar Wochen war ich zu einer wunderbaren Geburtstagsfeier eingeladen. Es gab Märchen zum Hauptgang und zum Dessert "Babka" - eine Art Russenzopf, aber anders. Aus dem Kochbuch "Jerusalem" von Ottolenghi. Fein, fein, fein!

Morgen bekommen wir Besuch von meinem "Göttibuben" mit seiner Familie. Ich freue mich schon heute - und erst recht, seit ich weiss, dass auch ich "Babka" kann. Muss nur noch eine halbe Stunde in den Ofen. Kommt gut!


Mmmmhhh!!!


Donnerstag, 14. Mai 2026

Kanada oder Aprikosenbäumchen

 Ausnahmsweise habe ich heute Morgen zugehört, was der Kandidat vom Ratespiel "Morgenstund hat Gold im Mund" am Radio zu erzählen hatte. - Er ist gleich alt wie mein Ehemann. Dieses Jahr fliegen er und seine Frau zum wiederholten Mal nach Kanada. Wohl altershalber zum letzten Mal, sagte er. Ein bisschen traurig kam er mir vor. Sie haben Freunde dort. Abschiedsrunde.

Mein gleichaltriger Ehemann fliegt nirgendwohin. Aber gestern hat er im Schweisse seines Angesichts ein Aprikosenbäumchen gesetzt. Gelocht, was das Zeug hielt. Steine ausgebuddelt und sich dabei auf die ersten Früchte gefreut. Als das Bäumchen stand und seine Blätter im Winde auf und ab wogten, stand er davor und schaute stolz sein Werk an. 

Würde die Welt morgen untergehen, sollte man heute noch ein Apfel-, Aprikosen, Kirschbäumchen...pflanzen. Das sollte man!

Mittwoch, 13. Mai 2026

Ich lese und lese und lese einen Krimi

 Es ist mir peinlich, aber es ist trotzdem so: Ich kann Krimis nicht ordentlich vom Anfang bis zum Ende lesen. Schon in der Mitte oder noch früher muss ich wissen, ob meine Lieblingsperson im Buch überlebt. Ich linse also kurz auf die letzten drei Seiten. - Uff, sie kommt noch vor - und er auch.

Zurück zur Mitte. Weiterlesen. Es ist grausam spannend. Ich halte das nicht aus. Ich blättere nach hinten, lese da ein bisschen und dort ein wenig. Erfahre, wer die Bösen sind. Lese entspannter weiter. 

Ich entdecke gut geschriebene Passagen. Ich swipe, lese vorne, lese hinten. Was für eine gut gemachte Geschichte! Ich bewundere die Autorin, verehre den Autor. 

Ich lese das Buch fertig und begegne ab und zu schon bekannten Stellen. Immer noch tut es mir leid, dass der junge Dunkelhaarige sterben musste. Aber diesmal nehme ich es gelassener.

Dann ist der Krimi aus. Schade! Wo ich mich doch gerade so freue, dass es für Tabea gut gekommen ist. aber ich nehme sie mit in mein Leben. Sie ist jetzt eine liebe Bekannte. 

Dienstag, 12. Mai 2026

Eine grosse, grosse Freude!


 

Meine erste Kartoffelrose ist aufgeblüht. Und wie sie duftet! - Sie versetzt mich an den Meeresstrand in Dänemark. Ferien letzten Sommer. Rosensalbe machen mit meiner Enkelin und Hagebuttenkonfitüre. Ich verweile noch ein bisschen dort...

Montag, 11. Mai 2026

Gabriele von Arnim hat ein neues Buch geschrieben

Ich habe ihr Buch über Schönheit gelesen. Jetzt hat die 79 jährige Autorin ein Buch über den Abschied geschrieben. In unserer Tageszeitung  wird es besprochen. Der erste Satz lautet: "Hin und wieder übe ich sterben." - Das tönt sehr ernst. Aber dann erzählt Gabriele von Arnim von ihren Freundinnen so humorvoll, dass ich laut gelacht habe:

"Die eine kauft sich immer wieder neue Unterwäsche, damit die Söhne nach ihrem Tod nichts Ausgeleiertes aussortieren müssen. Eine andere trägt nur feinste Dessous, will, wenn es so weit ist, "e schöne Leich" sein."

Sie selbst richtet vorerst Dinnerpartys aus. Nicht mit ausgeklügelten Menüs. Ein Topf Spaghetti mit Salat, Wasser und Wein genügt. Hauptsache, es kommen Menschen zusammen, die strahlen, wenn sie wieder gehen. Wie gut tut Zusammensein statt Alleinsein. 

Sonntag, 10. Mai 2026

Was würde meine Nachfolgerin (anders) machen

 Eine Art von Spiel aus dem Tagi-Magi Nr. 13 von diesem Jahr: Du bist dir nicht sicher, in deinem Leben das Richtige zu tun. Stell dir vor, du würdest aus Distanz auf dein Leben schauen! Stell dir vor, du gingest zur Tür hinaus und kämest als deine Nachfolgerin wieder herein.

Was würdest du mit der Sicht von aussen ändern? Bei Krogerus und Tschäppeler im Tagi-Magi heisst das so:

"Stellen Sie sich vor, Sie würden heute gefeuert - als Partnerin, als Mutter, als Angestellte. Morgen früh käme eine neue Person, die Ihren Platz einnimmt. Sie ist unbelastet, frisch, objektiv. Was würde diese Person anders machen? Welche Gewohnheit würde sie ablegen? Welchen Konflikt endlich lösen?

Und dann: Gehen Sie kurz zur Tür hinaus, kommen Sie wieder rein und tun Sie genau das."

Moment, ich komme morgen wieder. Muss mal spielen, ich sei meine Nachfolgerin

Samstag, 9. Mai 2026

Ein ziemlich gewöhnlicher Samstag

 Am Morgen mussten wir einkaufen. Der Kühlschrank war ziemlich leer. Aus zartestem Schweinsfilet, Zwiebeln aus dem Garten, Speck und roten Peperoni habe ich Grillspiesse zusammengesteckt und fein mariniert. Reto war der Feuermeister wie eigentlich immer. (Obschon ich auch gern "füürle".) Zu den Spiessen gab es Pariserbrot und Salat.

Nach dem Essen ist für mich (fast) immer Lesezeit. Der Krimi, der mir am Offenen Bücherschrank empfohlen wurde, hat mich gepackt. Es geht um unterschätzte und überschätzte Menschen. Einer im Kamelhaarmantel und mit braunen, gewichsten Lederschuhen. Eine im Putzfrauen-Overall. Wer ist wohl kriminell?

Die Siesta ist längst zu Ende. Seither habe ich einen langen Brief geschrieben und neue Couverts geklebt. Das ist genug für einen ziemlich gewöhnlichen Samstag.

Freitag, 8. Mai 2026

Zweimal neu

 Heute Morgen sind Reto und ich mit viel Aufregung zum erstenmal zu unserem neuen Hausarzt gegangen. Er praktiziert an unserer Strasse, was für alte Leute hervorragend ist. Hat kürzlich jemand gesagt, ab 70 fällt man durchschnittlich einmal pro Jahr um. Ich bin schon zweimal aus Dummheit gefallen. Brauchte aber keinen Arzt. Aber frau weiss ja nie!

Also, der neue Hausarzt: Sehr, sehr nett. Er liess sich alle Zeit der Welt für uns (3/4 h) und fragte tausenderlei, ohne die Übersicht zu verlieren. Etwas frech fand ich seine Frage, ob ich schnarchen täte. Beruhigend war die Bemerkung, ich hätte Übergewicht, aber es sei zu spät, um etwas zu unternehmen. Ha, fröhliches Geniessen ohne schlechtes Gewissen!

Eine Foto von ihm habe ich natürlich nicht gemacht. 

Eine Foto habe ich aber gemacht vom zweiten Neuen:

Ich habe aus altem Stoff eine Pyjama-Hose für den Sommer genäht. Alles von Hand. Ohne Schnittmuster, aber nach einer Zeichnung bei Google. Eine fröhliche Clown-Pyjama-Hose. Freu mich drauf, darin zu schlafen!



Donnerstag, 7. Mai 2026

Nette Begegnungen am Offenen Bücherschrank

 Einst waren es Telefonkabinen oder irgendwo sogar ein Taubenschlag. Bücherbox heissen sie und haben alle dasselbe Prinzip: Bring ein Buch, nimm ein Buch. Du brauchst kein Geld und keinen Ausweis. Es geht einfach darum, dass ansehnliche Bücher im doppelten Sinn ein weiteres Leben bekommen. Oder sogar zwei. Oder drei?

Heute war ich beim Bücherschrank am Graben. Ein dickes Buch habe ich gebracht und zwei neue (für mich) mitgenommen. Nächstesmal bringe ich zwei und hole eines. Es gleicht sich bestimmt aus.

Schön war es, dass wir gleich drei ältere Frauen waren, die da "geschneugget" (herumgesucht) haben. Eine mag nicht mehr dicke Bücher lesen, hat mir aber eines mit 600 Seiten empfohlen, das sie früher verschlungen hat. Alle drei sind wir Vielleserinnen. Begeistert von Büchern und eben auch von Offenen Bücherschränken. 

Mittwoch, 6. Mai 2026

Dass ich mich so am Regen erfreue!

 Wir waren bei Freunden und haben über die Natur geredet. Braucht sie uns Menschen, oder sind wir ihr Verderb? - Unser Freund ist überzeugt, dass sich die Natur selber hilft. - Schon, denke ich, wenn wir ihr genug Regeneration gönnen und sie nicht vollends ausbeuten.

Wir haben uns Krähengeschichten erzählt. Krähen könnten sich Grösse und Farbe eines Fahrzeuges merken, aus dem sie beschossen worden seien. Sagt unser Freund.

Und dann hat er nachgeschaut auf seinen Wetterinstrumenten, wieviel es schon geregnet hatte. Wir haben uns alle sehr gefreut über das Nass. Endlich!

Dienstag, 5. Mai 2026

Zuversicht und so

Zwei Bücher, eines habe ich sogar ganz gelesen, das zweite quer! Zwei Bücher, die mir helfen wollen in dieser ver-rückten Zeit! Wo all das erlaubt scheint, was ich für absolut unerlaubt hielt. Wo wir durcheinander kommen und nicht mehr so recht glauben, dass es gut kommt. Wo wir es schwer haben und (fast) die Hoffnung verlieren.

Zwei Bücher, die mir raten wollen. Eines habe ich mir selbst gekauft. Es hat den schönen Titel "Zuversicht". Das zweite wurde mir quasi aufgedrängt: "Hundert Dinge, die das Leben leichter machen".

Die Quintessenz aus beiden Büchern: "Du musst nur einfach das machen, was ich dir rate, dann wirst du dein Leben erfolgreich bestehen können, seien die Zeiten, wie sie wollen." - Das eine Buch fasst das in zehn Befehlen zusammen, das andere braucht hundert Imperative. 

Lassen Sie, Geben Sie, Folgen Sie, Vermeiden Sie, Fördern Sie, Kommen Sie, Lernen Sie, Glauben Sie, Tun Sie, Beten Sie, Seien Sie, Nutzen Sie, Ändern Sie, Meiden Sie, Kultivieren Sie Ihren Humor!

Letzteres tue ich: Ich lache laut und gehe im Garten ein Blümlein setzen. 

 

Montag, 4. Mai 2026

Wer sitzt neben wem

Die Frühlingsferien sind vorbei, und wir haben das Vergnügen, unsere beiden Mädels wieder am Tisch zu haben. Heute zu Country Potatoes, Salat und Cipollatas. Kennen sie, mögen sie. Bleiben nur zwei Wurstzipfelchen im Teller. - Das grosse Thema am Tisch ist die neue Sitzordnung in der Schule. "Gäng wie gäng" nach den Ferien werden die Schüler*innen neu platziert von den Lehrkräften. Uahh, schon wieder neben S.! - Was ist denn falsch an ihm? - Ach, er ist ein Knabe. Das reicht, um falsch zu sein. Und dann wird erörtert, wie man mit der Freundin wenigstens Sichtkontakt aufnehmen kann. Wenigstens das! - Schlimm, wenn man gerade vor dem Lehrerpult sitzen muss! Da kann man ja gar keinen Blödsinn machen...

Wer sitzt neben wem? - Kennen doch auch wir Erwachsenen. Zum Beispiel an einem Fest: Bitte nicht neben dem schmatzenden Grossvater! Meine beiden Grossväter haben geschmatzt. Und bitte nicht neben der Tante, die immer ihren Löffel in mein Dessert versenkt hat! Auch nicht neben dem Onkel, der politisch unkorrekt war. Und neben niemandem, der/die langweilig war. Und nicht neben einem, der versuchte seinen Fuss unter dem Tisch auf meinen zu stellen. - Neben wem also?

Und hallo, wer mochte sich neben mich setzen?

Sonntag, 3. Mai 2026

Die Saison ist eröffnet

 Wir lieben es, am Sonntag einen Apéro unter den Bäumen beim Schloss Hegi zu geniessen. Den ganzen langen Winter mussten wir darben und warten. Jetzt ist die Schenke am Wochenende wieder geöffnet. Heute waren wir dort. Zwei Glas Hegemer Weisswein, zwei Päckli Paprika-Pommes-Chips und ein  interessantes älteres Paar am gleichen Holztisch. Schön war es, und fein waren später die Ostschweizer Spargeln zu Hause. Auch wenn...Auch wenn die Sauce Hollandaise nicht gelungen ist. Diesmal. - Nächstes Mal kommt sie wieder gut. Das Rezept ist genauer zu befolgen. Ein Esslöffel Wasser ist nicht zwei. Und die Hitze des Wasserbads, das weiss man doch, darf nicht zu hoch sein. Weiss man doch!

Samstag, 2. Mai 2026

Schwarze Fingernägel

Nein, ich habe sie nicht lackiert, meine Fingernägel. Ich habe nur echli im Garten gearbeitet. Ein wenig in der Erde gebuddelt. Für Kaya ein Stöcklein Cherry-Tomaten gesetzt. Das schon ein paar reife Früchtchen (oder Gemüserchen?) hat. Ich habe eines geschnaust; die Grossmutter muss doch wissen, was sie der Enkelin vorsetzt. Fein tomatig und süss! Aber eben, ich habe schwarze Fingernägel. Und die habe ich immer wieder oder fast ständig in der Gartenzeit. - Übrigens hat besagte Enkelin türkisfarbene Fingernägel. Sie buddelt auch kaum mehr in der Erde. Keine Zeit. Die Siebnerbande ruft. (Sieben Mädels, die von der wenigen Freizeit viel miteinander verbringen.)


Freitag, 1. Mai 2026

Wer sind Nitsch, Lorenz und Kira?

 Gestern verbrachten wir einen fabelhaften Tag mit unserer Enkelin im Freilichtmuseum Ballenberg. Oh, so viele Eindrücke und am Abend so viel Gedrücke in meinem Magen von all dem Guten, das wir uns gegönnt hatten.

Wir hatten so viel Glück mit dem Wetter. "Nicht zu heiss und nicht zu kalt, gerade richtig." sagte Kaya. Zwar gingen die Grosseltern nicht so leichtfüssig über Stock und Stein wie die Enkelin, aber es genügte allemal, um viel Spass zu haben.

Wir haben beim Käse-Machen zugeschaut und beim Töpfern. Hat der interessante Töpfer mit seinen langen Haaren und dem markanten Schnauz doch so feines Geschirr für die Puppenstube hergestellt. Er hat erzählt, dass in früheren Jahren die Wanderverkäufer von Töpferwaren eine Musterkollektion von Mini-Geschirr bei sich hatten. Die "echten" Tassen und Töpfe konnte man dann bestellen.

Das absolute Highlight des Tages aber war die Planwagenfahrt mit Kutscher Ivo. Ich war so total glücklich, als Kaya auf dem Kutschbock die Zügel selbst in die Hände nehmen durfte. Und Hund Kira leckte ihr die Hände zur Unterstützung. Die beiden Pferde Nitsch und Lorenz gingen mehr links oder mehr rechts, wie Kaya das wollte. Grossartig!