Montag, 31. August 2026

Implenia - Dipladenia

Die Implenia  ist ein international tätiges Bauunternehmen, während die Dipladenia eine "waschechte Südamerikanerin" sei, gemäss der Werbung eines Gartencenters. Mit der Implenia habe ich nix zu tun, die Dipladenia wächst und blüht bei uns im Garten. Ich erwähne die beiden gemeinsam, weil mir die Ähnlichkeit der Namen Mühe macht. Weil ich "Dipladenia" weniger südamerikanisch als abstrakt empfinde. Dass sie zu den "Hundsgiftgewächsen gehört, macht mir die Sache auch nicht sympathischer.

Giftig und ein seltsamer Name, den ich mir schwerlich merken kann. Aber schön ist sie, wunderschön, jetzt, wo ihre Blüten endlich aufgegangen sind.



Ich stelle mir eine waschechte Südamerikanerin vor, die ein paar Blüten ins Haar gesteckt hat. - Dipladi, Diplada, Dipladenia!

Sonntag, 30. August 2026

Zweimal geduscht

Sonntag! Da will ich mich frisch und froh fühlen. Also am Morgen als erstes duschen und frische Kleider anziehen. Dann Zopf und Honig zum Zmorge. Sonntäglich. Und heute wird meine Beste Freundin zum Zmittag kommen. Ich bereite schon mal vor, und Reto deckt den Tisch schön.

Ich hole meine Freundin am Bahnhof ab. Gemütliches erstes Plaudern auf dem Heimweg.

Zu Hause stehen die Apéro-Sachen schon bereit. Heute gibt es den ersten Holunderblüten-Sekt dieser Saison. Meine Freundin und ich lieben ihn, und Reto mag ihn auch gut genug. 

Ich nehme die Bügelflasche aus dem Kühlschrank und drücke vorsichtig und langsam den Bügel hoch. Aber oha lätz - der diesjährige Sekt hat Pfupf wie noch nie. Ich kann nicht genug zuhalten. Der Sekt bricht sich Bahn und begiesst in grosser Fontäne Möbel, Boden und uns. Als der Spuk sich beruhigt, ist die Flasche halb leer, meine Haare ganz nass und der Boden zum Ausrutschen gefährlich. Zuerst lachen, was da Zeug hält, dann aufputzen, dann zweite Flasche im Keller holen. Diesmal bändige ich den Geist in der Flasche. Dreimal will ich nicht duschen. Prost!

Samstag, 29. August 2026

Mein Stallgeruch

Soziologisch gesehen bezeichnet der "Stallgeruch" die Herkunft eines Menschen und seine Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem sozialen Milieu.

Mein Stallgeruch aber ist ganz konkret. Ich liebe mein kleines Strickteil aus Schafwolle mit besonders viel Lanolin (Wollfett). Ich halte es mir unter die Nase und bin überrascht, dass der Geruch immer noch da ist nach Wochen. Der Geruch nach Stall. Ich ziehe den Duft tief in mich hinein und weiss, da komme ich her. So muss es riechen, dass ich zuhause bin. Ich schnuppere und bin in der Finsterthüele bei meiner Grossmutter, meinem Grossvater. Der gesagt hat: "Warum willst du Lehrerin werden, wo du doch so gern bei uns auf dem Bauernhof mithilfst.?!"

Ja, warum? - Warum dies und warum das? - Mein Stallgeruch hält sich. Ich komme von Schneckenberg und Finsterthüele. Und das wird so sein immerdar!



 


 

Freitag, 28. August 2026

Ist ja erst im Oktober...

 Reto und ich sind fast 50 Jahre verheiratet. GOLDENE HOCHZEIT nennt sich das. KI schlägt dir vor, welche liebevollen Dankesworte der Mann seiner Frau und umgekehrt sagen kann/soll. KI weiss auch, was die Frau trägt > dezent elegante Kleidung, gern crèmefarbig. Natürlich sollen auch die Gäste am Fest gebührend angezogen sein. 😉

Ja, wir werden feiern. Ja, wir werden Gäste haben. Und das schon bald, anfangs September, weil das Datum allen passen muss. 

Gestern waren Reto und ich auf  "grand tour". Wir haben in Solothurn und auf dem Weissenstein alle Reservationen überprüft und gerade auch zur Probe gegessen. Das war schon ein kleines Fest im voraus. Ganz ohne goldene Schühlein und süsse Worte.

Mittwoch, 26. August 2026

DAS GROSSE READER'S DIGEST GESUNDHEITSBUCH (von 1977)

Bevor Reto das Buch zerlegt, ein kleiner Abschnitt mit dem Ton von damals:

"Seitdem die Frauen auch berufstätig sind, Auto fahren, Bus und Strassenbahn selbst für kleine Entfernungen benutzen, ist die Zahl der Kreislauferkrankungen beträchtlich gestiegen. Kreislauferkrankungen mit all ihren Folgeerscheinungen wie Nervosität und Schlaflosigkeit wirken sich unweigerlich auf das Aussehen aus. Man muss es sich daher zur Gewohnheit machen, jeden Tag mindestens eine Stunde spazieren zu gehen...Spazierengehen heisst nicht Schaufensterbummel in überfüllten Grossstadtstrassen, sondern energisches Ausschreiten in freier Natur oder im Park...Fahrstühle sollte man als Feinde betrachten...Ein schwerfälliger Gang macht unweigerlich zur Matrone, selbst wenn man erst 35 ist."        usw., usw.

Mein einstiges Ratgeberbuch für alle Lebenslagen ist zur Lachnummer geworden. 

Dienstag, 25. August 2026

Pflanzenfleisch aus Kemptthal

 Reto hat sich seit Tagen Bratkartoffeln zum Zmittag gewünscht. Ich fand für mich, da täte doch das Pflanzensteak dazu passen, von dem ich gelesen hatte. Als Reto zum Fitten ging, machte ich mich auch auf den Weg. In vierzig Minuten ab Wohnung und dorthin zurück fuhr ich per Zug in die Stadt, eilte zum grossen Coop, kaufte Zwetschgen und Äpfel und fand schnell das Angebot von "Planted", also vom Pflanzenfleisch. An die Kasse, zurück zum Bahnhof, und schon war ich wieder zuhause - noch vor meinem sportlichen Ehemann.

Das Pflanzensteak "blutet" wie echt, aber es ist Randensaft, der austritt. - Ich habe das Steak aus Soya und Reismehl behandelt wie ein Rindssteak. Mariniert, dann mit Kräutern in Olivenöl gebraten. Dazu natürlich feine Bratkartoffeln, Bohnen und Salat. Kurz nach zwölf kamen auch Tochter und Enkelin. Da war das ganze Test-Team beisammen. Und siehe da: Wir waren und alle einig. Diese Pflanzensteaks kann man sehr wohl essen. Wir tun es wieder.

Montag, 24. August 2026

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen

Matthias Plüss ist ein Wissenschaftsjournalist. Ich traue seinen fundierten, aber nicht fundamentalistischen Einschätzungen zu Themen wie Klimaveränderung, Umwelt, Suffizienz (weniger ist mehr), Ernährung, die nicht schadet...Heute Morgen habe ich einen Tagi-Magi-Artikel von ihm über Pflanzenfleisch gelesen (Nr. 26, 27.Juni 2026). Es geht um das Unternehmen "Planted" in Kempthal. Ich zitiere Matthias Plüss:

"Der Mensch ist konservativ, gerade, was die Ernährung betrifft. Wir alle tragen die Aromen unserer Kindheit in uns. Und wir werden nicht gerne daran erinnert, dass wir mit unserem Lebensstil Schaden anrichten."

Dazu gibt es nichts weiter zu sagen, aber viel nachzudenken.

 

Sonntag, 23. August 2026

Die Bananenschachtel im Schrank

All die Jahre, seit meine Enkelin im Bastelalter ist, habe ich Kartonröllchen, Käseschächteli, halbe Nussschalen, und viel, viel mehr gesammelt. Wenn Kaya sagte: "Grosi, hast du...?" dann hatte ich. Aber jetzt hat sie keine Zeit mehr zum Basteln bei uns. Die Mittagspause ist zu kurz; schon schwingt sie sich wieder aufs Velo. Am Mittwochnachmittag ruft die Stadt; "shoppen" ist ein neueres Wort in ihrem Vokabular. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu sammeln für die Bananenschachtel.

Gestern hatten wir lieben, schönen Besuch. Drei Erwachsene, zwei Kinder. Und was haben die Kinder nach dem Essen in meinem und Kayas Zimmer gemacht? - Gebastelt mit all dem Krimskrams aus der Bananenschachtel. Selig, besonders der Zweitkindergärtler. Am meisten angetan hat es ihm aber meine Filzwolle. Wie ein König den Hermelinpelz hat er sich das Vlies weisse Filzwolle um den Hals gelegt. So ein erhabener Eindruck!

Ich werde weiter sammeln für die Bananenschachtel. 

Freitag, 21. August 2026

Oh, du böses Cholestrin!

 Wir haben den halben Morgen bei unserem neuen Hausarzt verbracht. Er hat sich für uns uuuuh-viel Zeit genommen und uns alles über unsere Blutwerte erklärt. Wir durften bei vergrösserter Schrift auf den grossen Computerbildschirm gucken und uns selbst überzeugen davon, dass bei beiden FAST alles gut ist. 

Das "FAST" bezieht sich auf unsere Cholestrin-Werte, die trotz Medikament erhöht sind. - "Frau Burri kocht wohl zu mollig (mein Wort), dass gleich beide dasselbe Problem haben." meinte unser Arzt mit seinem immer charmanten, wohlwollenden Lächeln. "Ich gebe Ihnen eine Chance (ausgesprochen "Tschanz")". - Und dann kam sein Vorschlag an uns: Zwei Monate selbst versuchen, die Ernährung umzustellen. Wenn es gelingt, tiptop, sonst Erhöhung der Medikamentendosis.

Wir nehmen die Challenge an. Also standen wir vorher im Coop und verglichen Fettgehalte. Also kauften wir keinen Käse, auch nicht Fett-reduzierten. Also wurde es nichts mit dem Rahm für das morgige Dessert. Es wird vegane Guetzli geben. Reto verdreht jetzt schon die Augen. Aber vielleicht finde ich kein Rezept; sicherheitshalber habe ich einen grossen Butter gekauft.

Donnerstag, 20. August 2026

Mein Ehemann...

 Reto muss heute Nachmittag zur "Denta" (Dentalhygienikerin). Ich habe zum Zmittag eine superfeine Tomatensauce zu Spaghetti gekocht. Sie ist echt röter als alle zuvor und schmackhaft wie nie. Das kommt davon, dass ich sonnenreife Tomaten aus unserem Garten verkocht habe. So fein! Aber Reto sagt: "Uuhhh, das schlimmste Essen, bevor man(n) ausgeht. Das gibt sicher Spritzer aufs Hemd!" - Ich frage einigermassen erstaunt, ob er denn nicht ein frisches Hemd anzieht, wenn er zur "Denta" geht. - "Ach, nein", sagt mein Ehemann, "das ist nicht nötig, die hat ja sowieso eine Maske vor der Nase. Die riecht nichts." - Selten so gelacht...

Mittwoch, 19. August 2026

Und immer, wenn ich in die Stadt gehe...

 Eine liebe Freundin bot an, in Winterthur einen Zwischenhalt zu machen - wir könnten uns ein Stündchen sehen. Wir trafen uns, nachdem Reto und ich zur Blutentnahme beim neuen Doktor gewesen waren. Wo ein Patient im Rollstuhl plötzlich nirgends mehr war und in jeder Ecke und hinter jeder Türe gesucht wurde. Dies nur schnell nebenbei, wie meine Mutter zu sagen pflegte.

In der Stadt genoss ich die Kaffeepause mit Moni, die heute im Gegensatz zu mir noch viele Programmpunkte abzuarbeiten hat. Wir haben uns über Krakau, Töff-Ferien, Lehrperson sein...unterhalten. Auch über das Wiborada-Projekt. Vor 1100 Jahren ist die Frau aus dem Mittelalter gestorben, die sich in St. Gallen für Jahre  in einer Zelle einmauern liess. Ich verwarf die Hände und betonte, wie mir das zu katholisch sei, ich das nicht verstehen könne und wolle. Moni hat sich mit einer Ezählperformance sehr engagiert. Durch ihre intensive Beschäftigung mit Wiborada ist sie der Frau und ihrer Spiritualität näher gekommen. 

Oh, ein Plauderstündchen ist schnell vorbei, aber wenn ich schon in der Stadt bin... Ich habe meine Lieblingsläden aufgesucht und so das und jenes gekauft. Immer, wenn ich in die Stadt gehe, wird es teuer.

Dienstag, 18. August 2026

Ein Hygrometer misst die Luftfeuchtigkeit

Es ist doch gar nicht mehr so heiss wie letzte Woche. Aber meine Tochter hat am Mittagstisch heftig Luft gefächelt. Stunden später sitze ich an meinem Pult. Ich sitze! Und ich hechle wie Yumi, die Hündin. Dazu schwitze ich wie ein Schwein. Sagt man fälschlicherweise. Schweine können gar nicht schwitzen; sie haben keine Schweissdrüsen auf der Haut. Trotzdem schwitze ich wie ein Schwein. Gern würde ich auch ein wenig grunzen. Aber das alles macht sich nicht. Das Schwitzen und das Grunzen.

Schuld an meinem Zustand (und dem von vielen) ist die hohe Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der uralte, behauptet 70% Luftfeuchtigkeit. Mein Hygrometer, der neuere, gibt nur 57% an. Ich glaube dem alten. 

Aber statt noch mehr Theorien zu wälzen, hole ich mir ein kaltes Fussbad und ein Glas Wasser. Es wird schon werden!

Montag, 17. August 2026

Es gibt keine Ausrede mehr

 Jetzt hat es geregnet. Jetzt ist es kühler geworden. Reto und ich haben ein paar Wochen lang nicht so geputzt, wie es normal wäre für uns. Zu heiss! Zu müde vor lauter Hitze! Aber heute Morgen um fünf Uhr war Donnergrollen und Regenrauschen. Unsere Nachbarinnen sind vor Freude hinaus in den Regen getanzt. Das hatte ich eigentlich auch vor, aber doch nicht morgens um fünf, wo ich meine Augen noch kaum aufbringe.

Später aber war klar: Heute putzen wir, und das haben wir auch getan. Ich bin zufrieden mit uns. Warum aber muss Reto immer so übertreiben? - Er kann es nicht beim normalen Putz belassen - nein, jetzt bearbeitet er auch noch die Fenster mit seinem tollen Fensterreinigungs-Set. Dumm daran ist, dass ich mir dann faul vorkomme. Dann muss ich laut aufzählen, dass ich aber eine Tomaten-Wähe gemacht habe, dass ich aber Kinder-CDs aussortiert habe, dass ich aber... 

Dass ich aber auch gut genug bin. 

Sonntag, 16. August 2026

Morgen beginnt wieder die Normalität

 Wenn es nur so wäre! Was ist in unserer Zeit schon normal?! - Morgen beginnt nach den langen Sommerferien wieder die Schule. Viele Erwachsene gehen nach Ferien wieder zur Arbeit. Und wir Alten putzen endlich wieder unsere Wohnung, weil wir auch "Ferien" gemacht haben.

Ob wir gern zu dem zurückkehren, was normalerweise unser Leben ausmacht, ist zweitrangig. Es gilt festzuhalten, dass uns Normalität Halt gibt. Wir wissen, was zu tun ist und wie es zu tun ist. Wir haben einen Tages- und Wochenablauf. Das bringt eine gewisse Ruhe in unser Leben. Eine Verlässlichkeit. Wir sind nicht verloren im Chaos.

Gut, wenn es Freiräume im Ablauf gibt. Sie ermöglichen Kreativität. Die Normalität wird nicht zum öden Trott. Wir können tun, was Freude macht.

Wenn wir Glück haben, sind wir in der Normalität geborgen. Wenn wir sehr viel Glück haben, ist unsere Normalität selbst gewählt.

Aber es sind Risse allüberall. Es regnet immer noch nicht. 

Freitag, 14. August 2026

Menschenscheu

 Manchmal bin ich etwas menschenscheu. Ich möchte dann am liebsten in meiner Höhle bleiben und weder telefonieren noch reden mit wem auch immer. Meine Höhle ist mein Zimmer, dessen Tür fast immer offen ist. Nicht reden geht nicht, weil mein Ehemann so viele Witzchen macht, die ich schon kenne, dass ich unbedingt Einsprache erheben muss. Kommt dann eine Nachricht, ob ich dann und dann in der Stadt sein könnte zum Plaudern mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen habe, dann krieche ich aus der Höhle.

Ich staune dann über die ganzen Leute im Zug und im Bus, mit denen es überraschende Blickkontakte gibt. Meist ein Lächeln hin und her. Haben all die Leute etwas übrig für alte Frauen? Manchmal ist es auch Situationskomik, die verbindet. Ich beobachte die Familie, die mit grossen, grossen Koffern wohl heim kehrt aus den Ferien. Ach, ist die Frau müde! Aber ihr Mann will unaufhörlich reden mit ihr. Sie gibt knappe Antworten. Er merkt nichts. Beim Aussteigen quengelt der kleine Sohn. Als alle draussen sind, schaut mich die Frau an, und wir lachen uns zu. Frauensolidarität.

Ich bin wieder zu Hause. Reto hat Zmittag gekocht, und ich habe etwas zu erzählen. Aber nicht das zwischen den Frauen. Das gehört mir.

Donnerstag, 13. August 2026

Seufzen ohne Ende

Heute Morgen  mussten wir einkaufen. Ein Apfel war unsere einzige Frucht in der Wohnung. Milch war auch fast aus. Zum Glück war es am Schatten noch nicht so arg heiss. Aber auf dem Heimweg wurde es heisser und heisser, und als wir zu Hause waren, seufzte ich sogar über die Temperatur in unserer Wohnung; noch vor kurzem war es da immer angenehm gewesen.

Ich seufzte weiter beim Auspacken und Verräumen unseres Einkaufs. Ich seufzte beim Kochen. Ach, wie heizte mir der Kochherd ein! Und überhaupt, ich ertrage diese ewige Hitze jetzt nicht länger...Ich jammerte und seufzte, bis mir einfiel, dass das ja wohl ein bisschen lächerlich war.

Und wo ich das Lachen wieder entdeckte, sagte ich zu meinem Ehemann selbstironisch: "Du musst dir halt eine Frau suchen, die etwas mehr erträgt. Eine Jüngere, die mehr Kraft hat." - "Wo soll ich die hernehmen?" seufzte mein Mann. Und das wiederum brachte mich zu einem inneren Seufzen, hatte ich doch gehofft, er würde sagen, niemals wolle er eine andere Frau; ich sei die Beste.  

Mittwoch, 12. August 2026

Ich ärgere mich

 Wie eigentlich geht "Nichtstun"? Heute wäre der perfekte Tag dafür. Reto ist auf  Pässefahrt, und ich bin zu Hause mit seinem Rat, doch ja wenig zu machen. Damit meinte er nicht, dass ich unseren Garten dürsten lasse. So habe ich vor dem Morgenessen fünfundvierzig Minuten Wasser verteilt. Ach, und der Geburtstagsbrief für mein Gottenkind musste in den gelben Briefkasten gebracht werden. Und hast du gesehen: Ein Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Verhilf ihm zum Fliegen. 

Wie aber ginge "Nichtstun"? - Jetzt wäre es möglich. Aber ich kann das nicht mehr. Mindestens lesen muss sein. Zeitung, Heftli, Buch. Mindestens "amächelig" (angenehm) muss die Wohnung aussehen. Lavabo sauber halten. Geschirr abwaschen. Da kurz Hand anlegen, dort. Unterdessen vergeht die Zeit, vergeht der Tag.

"Nichtstun" - kann ich das üben? Mit wie vielen Minuten beginnen? - Oh, da kommt unsere Katze. Mit einem leisen Miauen macht sie sich bemerkbar. Sie hat vorher stundenlang nichts getan. Geschlafen im Schatten. Jetzt will sie, dass ich etwas tue für sie: Sie fordert ihr gekühltes Katzensüppchen. Will ich denn nicht, dass es ihr gut geht?! 

Dienstag, 11. August 2026

Ruckedigu, Blut ist auf dem Küchenboden

 Reto hat sich den Fuss angeschlagen. So kräftig, dass der Nagel von der einen Zehe abgefallen ist.


Tropf, tropf, tropf, quer durch die Küche. Überall Blut. 

Ein Kamillen-Fussbad muss her, das schon bald mehr rot als gelb ist. Fliess, fliess, immer noch, Blut.


Gut desinfizieren, fein einbinden, und schon ist alles besser. Nicht mehr so grus(el)ig.

Montag, 10. August 2026

"Überall hetts Pilzli draa..." (An allem sind Pilze)

Ich glaube, so ziemlich alle Schweizer*innen haben schon gelacht über den Pilzli-Song von Peach Weber. Er mag "Pilzli" nicht, aber sie "verfeinern" (fast) jedes Essen. Oh, jemine!

Ich mag "Pilzli", aber ob ich es je mögen werde, mit der Nosferatu-Spinne friedlich zusammenzuleben? - Es ist einfach so: Sie mag mein Zimmer. Nach der einen Nachtaktion erfolgte gestern die zweite. Reto half mir, die grosse Spinne in einem grossen Becher einzufangen. Ich brachte sie in die dunkle Nacht hinaus.

Dumm daran ist dies: Zwischen den beiden Evakuierungen lag eine Nacht, an deren Anfang ich keine Nosferatu in meinem Zimmer ausgemacht hatte. Friedlich schlafen. Als ich um fünf Uhr morgens Pipi musste, wer sass wieder da oben über dem Fenster?!! Oh, jemine! - Ich sass dann lange auf meinem Bett und überlegte. Sollte ich hoch steigen und einen Fangversuch ganz leise unternehmen? Und was, wenn diese Spinne wieder und wieder kam? Ich beschloss zu schlafen MIT der Nosferatu. 

Es gelang mir sogar, aber seit dem neusten Einfangen vermute ich meine Zimmergenossin überall. Ich schüttle die Bettdecke aus, bevor ich mich auf sie lege. Ich schaue in meine Sommerschlarpen, bevor ich hinein schlüpfe. ... ÜBERALL ISCH D NOSFERATU DA. Als ich vorher aus dem Mittagsschläfchen erwachte, SAH ich halbwach DREI Nosferatus unter meinen Kleiderkasten spazieren. Ich habe wahrhaftig die Taschenlampe genommen und nachgesehen. War keine da. Oh, jemine! Ich muss üben, Spinnen-verträglich zu werden. Bin ich nicht eine Naturfreundin!

Sonntag, 9. August 2026

Einmal im Jahr eine Schlosswurst

 


Der Schatten, der auf uns fällt, kommt von hohen Bäumen. Als kurz der Wind auffrischte, schneite es Herbstblätter. Ganz viele. Oder wahrer gesagt, Dürreblätter fielen von den gestressten Bäumen.

TROTZDEM haben wir uns sehr gefreut über den knackigen grünen Salat mit Äpfeln und Melone und die scharfe Schlosswurst, wo du noch eine ganze Weile etwas davon hast - es brennt die Kehle hinunter.

Und es war schön, dass unser Winterthurer Holzbildhauer, Erwin Schatzmann, himself über eines seiner Werke balancierte. Bunt bemalte "Langbank" oder so. Später staubte er mit der Hand andere seiner Werke ab, die im Schlossgarten stehen bis im November.

Einzig der Weisswein war uns heute zu sauer. Was dem Tag keinen Abbruch tut.

Samstag, 8. August 2026

Heute nichts zu bloggen

Ehrlich, was sollte heute erwähnenswert sein? - Dass ich die Zwiebeln ausgezogen habe? Gemäss dem Kinderspiel:

" Ziebeli setze, Ziebeli setze, Ziebeli wend ned wachse, und wenn i denn is Gärtli goh, so ziehn i eini us."

So kleine Zwiebeln wie dieses Jahr hatten wir noch nie. 

 Oder soll ich erwähnen, dass Ossi bucchi (Kalbshaxen) auch fein sind, wenn Sellerie fehlt. 

Oder aber, dass ich gerade Zopf im Ofen habe? (ist noch nicht heiss genug in der Wohnung...)

Alles so normales Geschreibe über normale Tätigkeiten. Heute nichts zu bloggen!

Freitag, 7. August 2026

Le Mont Ventoux

Der 1909 m hohe Berg liegt in Südfrankreich in der Provence. Wir waren zwar einstmals in der Provence, aber nicht auf dem Mont Ventoux. Ich habe meinen Atlas holen müssen, um den berühmten Berg zu lokalisieren. Berühmt ist er vor allem wegen der Tour de France. Heute sind die weltbesten Radfahrerinnen da hinauf gefahren. Die polnische Frau an der Spitze scheinbar "leichtfüssig", alle anderen kämpfend mit sich selbst. Zuerst noch im Schatten des Waldes, später in karger Landschaft, kaum noch eine Pflanze. Ein langgezogener weiss-kahler Berg. Mit einer Aussicht vom Rhonetal zu den Alpen bis zum Mittelmeer und hin zu den Pyrenäen. 

Der italienische Dichter Petrarca (1304 - 1374) dachte, er sei der Erstbesteiger überhaupt. Dummerweise kam ihm und seinem Bruder von oben ein Schafhirte entgegen.

Petrarca trug Lektüre mit sich von einem, den ich nicht besonders mag, dem heiligen Augustinus. Auf dem Gipfel des Mont Ventoux schlug der Wind eine Seite der "Confessiones" auf, und da stand:

"Und es gehen die Menschen, zu bestaunen die Gipfel der Berge und die ungeheuren Fluten des Meeres und die weit dahinfliessenden Ströme und den Saum des Ozeans und die Kreisbahnen der Gestirne - und haben nicht acht ihrer selbst."

Sowas von schön und wahr!


Donnerstag, 6. August 2026

Unter diesen orangen Schirmen...

 Gestern Morgen sind vier Menschen und ein netter Hund mit dem Zug nach Erstfeld gefahren, dann mit dem Bus nach Wassen. Später ist noch ein netter Mensch dazu gekommen. Waren wir also fünf Erwachsene und ein Hund, die es sich im Garten des MartiniF gemütlich machten.


Um uns Blumen, grüner Rasen, über uns orange Schirme und blauer Himmel. 

Um uns unsere Gastgeber Theres und Martin, die uns nicht nur mit sehr feinem Essen und liebevoller Bedienung verwöhnten, sondern auch mit dem Gefühl von Freundschaft; wir kennen einander schon seit 18 Jahren. Wir werden miteinander älter und alt. Und hoffen alle, dass es uns noch eine ganze Weile gut genug geht, um reisen zu können, kochen zu können, Treppe auf und ab steigen zu können. Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr um dieselbe Zeit wieder miteinander feiern können. Uns. Das Leben. 


Dienstag, 4. August 2026

Nosferatu im Schlafzimmer

Gestern Abend vor dem Schlafengehen fiel mir in der Spalte ob der Vorhangschiene etwas auf: Dunkelbraunes Irgendwas, ca. 3 1/2 cm lang, zwei dünne, lange Beine. Mutig sein und der Sache auf den Grund gehen. Ich holte meine schöne Schuhschachtel und einen langen Bambusstab. 

Mit dem Bambusstab stocherte ich in die Spalte, die Schachtel hielt ich darunter zum Auffangen des "Irgendwas". Das gelang alles wie vorgesehen, lief aber aus dem Ruder, als sich das "Irgendwas" als Nosferatu-Spinne entpuppte, ich die Schachtel vor Schreck fallen liess, die Spinne davonspurtete, ich hintennach hechtete, immer noch mit der Schachtel. Die Spinne war am Fenster, ich auf dem gelben Sofa. Die Nosferatu fiel dank meiner Akrobatik in die Schachtel. Ich fiel beinahe vom Sofa. 

Die Rettung kam mit Reto. Er hatte meinen Hilfeschrei gehört und fing einerseits den Schachteldeckel auf, verhinderte andererseits meinen Fall. Nosferatu blieb netterweise so lange am Schachteldeckel, bis wir sie aus der Wohnung geleitet hatten. (Wobei "geleitet" schöngeredet ist für unser hektisches Getue.)

Montag, 3. August 2026

Heutige Mutprobe: nachmittags in die Stadt

 Spüren, wie es tut da draussen im Heiss. Öffnest du die Haustüre, kommt dir eine Wand von heisser Luft entgegen. Nicht vergessen zu atmen. Entspannen, es wird schon zum Aushalten sein. Gehen, wie wenn nichts wäre. Sich der Realität stellen.

Und warum das alles? - Wir waren dieses Jahr nur eine Woche weg in den Ferien. Jetzt haben wir beschlossen, dass wir zwei Wochen Uhu-Ferien (ums Haus herum) haben. Wir uns geschenkt.

In den Ferien unternimmt man etwas. Wir sind heute Glace essen gegangen unter Platanen. Das war schön und gut auszuhalten. Unsere Glace war sozusagen gratis: Unser Sohn hat uns zu Weihnachten (denk mal Weihnachten) ein Couvertli mit einer Zwanzigernote geschenkt. Mehrere solche Briefchen zu verschiedenen Zwecken genau gesagt. - Der Zweck heute: "zäme e Glace go schnouse". Danke bestens, lieber Stefan!

Sonntag, 2. August 2026

Eine Schuhschachtel

 Mir kann man/frau mit wenig eine grosse Freude machen. So hat Reto die Kabel seiner riesigen Kaffeemaschine neu geordnet. Deshalb wurde eine orangerote Schuhschachtel frei, die vorher den Kabelsalat verborgen hatte. Die Schuhschachtel, in der meine dänischen, dunkelblauen Winterschuhe geliefert worden waren. Die Winterschuhe, die nicht wirklich passen, aber so teuer waren, dass es keine anderen gibt. (Sagt wer? - Sage ich.)

Also, die orangerote Schuhschachtel! Sie ist stabil, gross und prächtig. Sie könnte noch schöner werden, würde ich etwas daraufkleben und hineinkleben und darunterkleben. Weil sie hat leider ein paar Flecken da und dort.

Ich habe mit Freude geklebt, und jetzt ist meine Schuhschachtel unübertrefflich schön. Weiss nur (noch) nicht, wozu sie dienen soll. Kommt Zeit, kommt Inhalt.




Samstag, 1. August 2026

Ein Fisch, ein Fisch!

 Letzte Nacht hat es geregnet bei uns. Und zwar richtig, richtig. Reto hat mit dem "Gartenschüfeli" im Erdreich gestochert und zufrieden gesagt: "Es ist nicht nur oberflächlich; es nützt."

Wir sind vorher an die Eulach spaziert, um den Wasserstand zu beäugen. Kürzlich war Reto dort, und die Enten liefen im Bachbett. Zu wenig Wasser zum Schwimmen. Aber heute ist gut.

Was für Reto den Tag aber zu einem sehr guten Tag macht: Ein Fisch, ein grosser, ist die Eulach hinunter geschwommen. Schon so lange hatte er vergebens nach Fischen Ausschau gehalten - und jetzt dieser grosse Kerl! Der Tag ist gerettet.