Dienstag, 30. Juni 2026

Blauer Becher aus Dänemark

Ich will seit Tagen Minze ansetzen für Pfefferminzsirup. Der vom letzten Jahr reicht nur noch für drei, vier Becher. Wenn mir pures Wasser aus den Ohren tropft (ich meine, verleidet ist) , labe ich mich gern an einem  "Münzesirup". Er muss nicht erst gekocht werden wie Tee. Er steht immer bereit im Kühlschrank. Er ist erfrischend und belebt. Besonders, wenn ich ihn aus einem hellblauen Becher trinke.

Den blauen Becher habe ich letztes Jahr in Dänemark gekauft. Der Sommer war nicht so heiss damals. Das Meerwasser ziemlich kühl. Abends wehten meine Haare im Wind. - Nein, konnten sie nicht, weil sie sehr kurz waren. Aber die Vorstellung, dass meine Haare im Wind wehen, tut mir gerade gut. 

Ich muss mir heute Sachen vorstellen, die mir gut tun. Sonst werde ich hässig, weil mir so unangenehm heiss ist. Zum Beispiel Farben: Türkis, hellblau. Zum Beispiel Orte: Arosa am Tag, als ich meine gute Note für eine grosse Arbeit bekam. Vor unserem Holzhäuschen in der Toskana frühmorgens Ende Oktober. Zum Beispiel Gerüche: Saftige Aprikosen in Israel. Heuernte bei den Grosseltern. ...

Morgen  setze ich Minze an.

Montag, 29. Juni 2026

Menü auslosen

 Unsere beiden Mädels kommen nach den Sommerferien nur noch selten zu uns zum Essen. Am nächsten Montag ist zum letzten Mal ein reguläres Essen. Ich habe ihnen heute eine Aufgabe gegeben: Überlegt, was ihr aus meinem Kochrepertoire gern nochmals geniessen würdet. Einigt euch auf einen Hauptgang und ein Dessert.

Ihnen kamen - zu meiner Freude - ganz viele Menüs in den Sinn, die sie gern hätten. Sie konnten sich nicht festlegen und schrieben Zettelchen, die sie wie Lose falteten. Nach bestimmten Regeln wurde am Esstisch ausgelost, was es geben sollte. Reto und ich durften mitmischeln. Am Schluss wurden alle gefragt, ob sie einverstanden seien.

Heraus kam: TRARA! (Tusch)

BURGERS NACH ESTHER-ART

MOUSSE AU CHOCOLAT NACH RETO-ART

Sonntag, 28. Juni 2026

Ein Hitzesonntag einfach nur zuhause

 Ich bin froh: Heute ist fauler Tag. Reto muss sich erholen von zwei Tagen unterwegs hintereinander. In unserem Alter zehrt das an den Kräften. Also ein unspektakulärer Tag. Oder nicht ganz. - In meinem Raupenkasten hat es geflattert. Der erste Schwalbenschwanz ist geschlüpft. Und daran gewöhnt man sich nicht. Da kommt aus einer hellgrauen, bräunlichen oder grünen Hülle so ein wunderschönes Wesen. Lange, lange durften wir ihn bewundern, ehe er davonschwebte.


Wir warten auf den zweiten Schwalbenschwanz. Eine weitere Puppe hat einen Riss, der sich vergrössert. Wir haben das Schlüpfen noch nie beobachten können. Vielleicht heute. 

Samstag, 27. Juni 2026

Wohlgetan

 Gestern haben wir unseren persönlichen Hitzetest bestanden. Wir sind mit ÖV nach Seelisberg gefahren, um einen Tag mit Freund und Freundin zu geniessen. Wie im Mittelmeerraum (und anderswo) haben wir vier eine Siesta im Schatten abgehalten, ehe wir zum Kaffee wieder zusammenkamen. Aus allen Winkeln des Hauses. Haben uns erzählt, was wir geträumt haben. Im Schlaf oder Halbschlaf. 

Wir haben ständig getrunken, aber für einmal wenig Weisswein, dafür viel Wasser und Tee. Und wir haben uns unterwegs mit Wasser aus Monis Geschenk-Sprühfläschli beregnet. Im Zug sogar ein nasses Tuch in den Nacken gelegt. Wobei Zug - viel angenehmer als in früheren Zeiten. Gut aushaltbar.

Heute nun ist Reto schon wieder auf grosser Reise: Kirchenchorausflug mit dem Car. Ich bin gespannt, was er erzählen wird.

Ich selber hätte überhaupt keine Zeit für einen weiteren Tagesausflug gehabt. Eine muss ja den Garten wässern, die Raupen hirten, den Sonntagszopf backen, viele Früchte einkaufen, den Menüplan für morgen und Montag ausdenken, die Zutaten posten, Geschirr von gestern und heute abwaschen, alles wieder in Ordnung bringen, denn etwas tun bringt Unordnung. 

Jetzt ist es Samstag um siebzehn Uhr. Ich habe getan; es ist wohlgetan.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Moni und Martin

Wie war das - vor nicht sehr langer Zeit habe ich zum erstenmal in meinem Leben eine Nosferatu-Spinne gesehen. Sie lebt vielleicht immer noch in unserem Garten. Das hoffe ich. Sie hat mich beeindruckt.

Genau so beeindruckt hat mich unser gestriger Besuch: Martin züchtet Spinnen, was ich schon lange weiss. Aber dass er auch Nosferatus gezüchtet hat, das erfuhr ich gestern. Nebst so vielem über allergattig Spinnen. Martin ist ein wirklich, wirklicher Spinnen-Experte. 

Enttäuscht hat mich bloss, dass er meine Hausspinnen, denen ich schon immer "Zimmermann" sage, als Zitterspinnen eingeordnet hat. Also echt! - Aber eigentlich ist das eher unwichtig  für mich Hausmanns-Biologin (wie Hausmannskost-Köchin). Das Ergebnis bleibt dasselbe: Auch die Zitterspinne bleibt eine nützliche Mitbewohnerin.

Ich sollte aufhören, über Spinnen zu plaudern. Meine Freundin Moni, Martins Herzensgefährtin, gestern auch zu Besuch bei uns, fürchtet Spinnen sehr. Es spricht für ihre riesengrosse Toleranz, dass sie Martin mit dem Spinnenzeug gewähren lässt. Moni hat meine Hochachtung! Meine Zuneigung sowieso! 


Mittwoch, 24. Juni 2026

Heute-Wörter

 Wir hatten freundlichen Besuch oder Besuch von Freundin und Freund. Unsere Gespräche berührten 1000 Themen. Wörter daraus:

  • Höhlenspinne
  • Nebelflüchtige
  • Morgendbad
  • Kartoffelsalat
  • Waldhorn
  • Hebräischprüfung
  • Vermieteringlück
  • Teguechse
  • Irlandkleid
  • Violinschenkung
Aus jedem Wort lässt sich eine Geschichte spinnen...

Dienstag, 23. Juni 2026

Zahl des Tages: Dreihundertfünfzig

 Ich habe Wasser in den Garten getragen. Unsere Spritzkanne ist grüner Plastik und fasst zehn Liter. Ich habe unseren Pflanzen 35 Kannen voll Wasser gegeben. Viele Insekten sind gekommen und haben sich auch bedient am Segen. Die angriffige "Rossbräme" (Pferdebremse) hat meinen Kopf nur kurz umflogen; ich musste diesmal nicht flüchten.

Habe ich etwas zurück bekommen? - Zum Beispiel die gelbe, grosse Kürbisblüte, die über Nacht aufgegangen ist. Auch die Schokoladeblume hat eine neue Blüte. Ausserdem habe ich den Mauerseglern hoch in der Luft bei ihrem harmonischen Flug zugeschaut. Der Milan kreiste über uns, und ich riet unserem alten Kater, sich vorzusehen. In der Nähe hörte ich einen Girlitz, dessen Stimme mir Freund Sepp kürzlich aufgezeigt hat.

Als ich ins Haus zurück ging, war ich nicht etwa erfrischt sondern durchgeschwitzt. Zu den 350 Litern Wasser kommt noch ein Liter, den ich zu einer Ganzwaschung benötigt habe.

Montag, 22. Juni 2026

Ich habe es wieder getan

 Ein Buch mit 475 Seiten fertig gelesen. Von John Grisham, dem amerikanischen Schriftsteller, der nicht verwunderlich, vor allem Justizthriller schreibt. Nicht verwunderlich, weil er selber Anwalt war und das Metier also sehr gut kennt.

"Das Vermächtnis" ist in diesem Jahr deutsch herausgekommen. Sein neustes Buch?! - Der Anfang hat mich nicht begeistert; ein kleiner Anwalt will sich an einer alten Dame selbst bereichern. Alles ein bisschen mickrig, fast schmuddelig und unsympathisch. Aber dann wurde der Anwalt angeklagt, die alte Dame ermordet zu haben. Ab jetzt war ich dabei. Natürlich verrate ich den Ausgang der Geschichte nicht.

Manchmal lohnt es sich durchzuhalten. Bei Büchern und bei was sonst noch! Ich bin reicher an Erfahrung und Menschenkenntnis, weil ich den kleinen Anwalt Simon kennen gelernt habe. Er ist am Ende des Buches nicht mehr klein, sondern der Held seiner Geschichte. Wie es sich gehört!


Sonntag, 21. Juni 2026

Am Sonntagmorgen der Anruf

(Fast) jeden  Sonntagmorgen nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Ich glaube, das hat er angefangen, als ihm bewusst wurde, dass wir alt geworden sind. Er will die Zeit mit uns noch ein wenig auskosten. Und wir lieben diese Telefongespräche!

Wir wissen, dass er und sein Partner um zehn Uhr die Radio-Sendung "Persönlich" anhören wollen. Wir halbieren also unsere Sprechzeit gerecht. Fast immer jedenfalls. Mein Ehemann überbordet manchmal. Kommt zu keinem Ende, und ich stehe schon fast hinter ihm, reisse ihm fast den Hörer aus der Hand, will jetzt, bin dran! (Vielleicht sagt er dasselbe von mir.)

Manchmal hat Reto schon alles erzählt, was in der Woche war. Ich weiss nichts mehr (Neues). Aber dann erweist es sich wieder, dass mein Sohn und ich ein Thema haben, die nur uns gehört: Wir reden über Bücher. 

Stefan verkauft fünf Tage in der Woche Bücher, und er liest viele Bücher. Seit einiger Zeit in französischer oder englischer Sprache. Dafür bewundere ich ihn. - Ich bin eine Bücherfresserin. Seit ich pensioniert bin, lese ich wöchentlich mehr als ein Buch. - Mein Sohn und ich tauschen uns dann über die gelesenen Bücher aus. Wenn ich denn noch herstaggeln kann, wie meine Autoren und Titel heissen/hiessen. 

(Fast) jeden Sonntag nach neun Uhr ruft unser Sohn an. Welche Freude!

Samstag, 20. Juni 2026

Mutprobe der anderen Art

 Eine beeindruckende Mutprobe ist das bangee-jumping; ich würde es niemals in Erwägung ziehen. Auch keinen Flug mit  dem Delta-Segel. Und nicht einmal einen weiteren Flug mit einem Flugzeug; drei  habe ich hinter mich gebracht. Einmal Griechenland, zweimal Chile zu meiner Freundin, die glücklicherweise wieder in der Schweiz lebt.

Für viele ist das Sprechen vor einer grösseren Anzahl Menschen eine Mutprobe. Das war es für mich sehr lange auch. Aber ich habe geübt und geübt, indem ich gepredigt habe als Theologin. Es wurde leichter mit der Zeit. Ich erinnere mich an einen Alpgottesdienst, wo es mir richtig Spass machte, mich politisch auf die Seite der Älpler und Bauern zu stellen: Der Milchpreis muss erhöht werden!!!

Vor einer halben Stunde habe ich eine ganz andere Mutprobe gemacht: Ich bin in den sehr, sehr heissen Garten gegangen und habe dafür gesorgt, dass alle drei Wasserstellen für allerlei Tiere neu befüllt wurden. Ich habe nach meinen zarten, vernachlässigten Pflänzchen geguckt, ob sie noch leben. Kurz - eine Mutprobe für eine Siebenundsiebzigjährige besteht darin, die Hitze zu bestehen und nicht in Verzweiflung zu geraten ob der Klimaerwärmung.

Freitag, 19. Juni 2026

Nein, keine Setzlinge kaufen

 Wir waren auf dem Markt und haben die Wärme gut ausgehalten. War ja auch Morgen. Aber es hatte deutlich weniger Leute als sonst am Freitag. Viele sind wohl vorsorglich zu Hause geblieben. Oder in der Badi abgetaucht.

Wir haben unseren Turnus auf dem Markt: Wir beginnen am Käsestand und kaufen Milch, Rahm, Butter und Käse, je nach Bedarf. Später begegnet uns "unser" Surprise-Verkäufer aus Eritrea. Wir mögen ihn, schwatzen ein paar Sätze mit ihm, und ich bin gespannt auf die Lektüre des neuen Heftes. Surprise ist gut gemacht, hat Themen, die mich interessieren und ist klug geschrieben. Die acht Franken pro Heft sind doppelt gut investiert. Der Verkäufer bekommt die Hälfte des Verkaufspreises.

Ich will dann unbedingt zum kleinen Hof-Stand mit dem fröhlichen Bauern. Heute haben wir Salat bei ihm gekauft. Bei Reto Meier, Permakultur-Hof, erstanden wir wieder Mönchsbart. - Ehemann Reto ist immer wild auf neue Blumen. Heute habe ich ihm abgeraten, Geld in die Hitze zu setzen. Zwei Tagetes wurden es allemal.

Im Kaffee "Alltag" genoss ich einen Caffe freddo; Reto sagte, er bleibt auch bei 40° beim Café Crème.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Ich bin zufrieden mit mir

"Glauben Sie ja nicht, dass es halt im Sommer normalerweise heiss ist; wir haben früh im Jahr eine ausserordentliche Hitze." - So fast wörtlich sprach der Meteo-Mensch gestern Abend und feuerte meine Sorgen ums Klima noch an. Heute Morgen am Radio sprach ein Bauernvertreter sehr ernst über die möglichen Folgen einer anhaltenden Hitze. Die Kartoffeln wachsen nicht mehr weiter, die Erbsen werfen die Blüten ab...Ich dachte an Hungersnöte in fernen Zeiten auch in der Schweiz. 

Aber ich hatte ja gestern beschlossen, dass zu leben ist! Auch bei Hitze. Zu leben, nicht zu verzweifeln.

So arbeitete ich zuerst eine Stunde lang im Garten. Wasser tragen. Verblühtes abschneiden. Drei vergessenen Salätchen gut zureden und sie einhüllen mit guten Kräutern. Vogelarten zählen, die ich zu Gesicht bekam. Mich freuen über die Spatzen, welche die Vogeltränke besuchen. Die Königskerze bewundern, die täglich mehrere Zentimeter in die Höhe wächst.

Dann schnappte ich mir meinen Einkaufszettel für die Stadt und wagte mich mutig hinaus und hinein in die Läden, die all meine Wünsche erfüllten. Ganzen Zettel abgearbeitet. Die Hitze noch nicht arg gefunden. Um Viertel vor zwölf Uhr war ich wieder zu Hause. Und jetzt bin ich ganz zufrieden mit mir. Ich habe mich der Welt gestellt.   

Mittwoch, 17. Juni 2026

Die Hitzewelle beginnt

 So viel Hitze ist prognostiziert für die nächsten Tage - soll ich mir Sorgen machen? War es früher nicht auch manchmal ganz schön heiss? - Zum Beispiel beim Heuen in der Finsterthüelen. Zum Beispiel in meinem Dachschulzimmer, als ich Kleinklassen-Lehrerin war. Zum Beispiel im Zelt in südlichen Landen.

Das Leben fand damals auch statt mit Hitze. Sie gehörte einfach zum Sommer. Wir jammerten nicht, machten weiter. Tranken mehr. Stellten unsere Füsse in kaltes Wasser. Hielten die Unterarme unter den kalten Wasserstrahl. Gingen in die Badi. Und wünschten uns keineswegs den Spätherbst herbei.

Das tue ich jetzt auch: Kühlen Tee trinken und mich freuen auf die Aareschlucht. Wir haben heute Morgen eine Einladung dorthin bekommen. Zwar erst Ende Juli, aber die Vorstellung, die Erinnerung an die Aareschlucht, wo ich schon war, wo ich sein werde kühlt mich angenehm ab.

Dienstag, 16. Juni 2026

Ich bin die Hirtin

 Im Urner Oberland habe ich gelernt: sauber machen für die Tiere, füttern, hegen und pflegen, das alles heisst "hirten". Du kannst also auch dein Meerschweinchen hirten, wenn du keine Kuh hast. Und ich hirte meine Raupen. Alle zwei Tage schaue ich nach ihnen, beseitige die Kotkügelchen, entferne alten Fenchel, schneide frischen, stelle ihn in die Vase mit frischem Wasser und richte alles wieder ein und verschliesse am Ende das Rettungskistchen wieder mit Gaze.

Unterdessen haben sich zwei Raupen des Schwalbenschwanzes schon verpuppt, zwei haben sich kugelrund gefressen und zwei sind noch klein. Ich freue mich, wenn dann in zwei, drei Wochen die ersten wunderschönen Falter in den Sommer fliegen. Unterdessen giesse ich fleissig den Fenchel. Die Raupen mögen nur frischen Fenchel. (Fast wie meine Beste Freundin...)





Sonntag, 14. Juni 2026

Teenager

 Thirteen bis nineteen, dreizehn bis neunzehn - das sind die Jahre , welche die Zeit des Teenagertums bezeichnen. Die Jahre, wo es oft stürmisch zugeht im Leben der jungen Leute. Sie erleben einen körperlichen Umbau und müssen ihre Persönlichkeit entwickeln. Wer will ich sein? Wer kann ich sein?

Wir haben gestern den dreizehnten Geburtstag unserer Enkelin gefeiert. Es war (noch) wie immer: Im Garten, wo sie wohnt, trafen sich dieselben Leute wie letztes Jahr. Apèro, Feines vom Grill, Salate und Judiths berühmte Focaccia. Apfelcrumble-Kuchen mit 13 Kerzchen. Ausblasen mit einem Ausatmen. Alles (noch) wie immer.

Die Söhne von Kayas Gotti waren auch da. Wie immer. Aber einer ging bald, um seine Freundin zu treffen. Der andere blieb länger, hatte dann aber mit Kollegen abgemacht. - Siehst du, so wird es werden: Der Lebenskreis weitet sich. Beziehungen ausserhalb der Familie werden zahlreicher und wichtiger. Die Interessen verändern sich. Mädchen im Teenager-Alter würden ihren "Style" entwickeln, habe ich gelesen. Geschenke sollten dem Rechnung tragen. Dürfte es ein kleiner Diamant sein? Verspielte Schmuckstücke sind bei Ihrem Bijoutier zu finden...



Samstag, 13. Juni 2026

Frisches , knusprig-knackiges Brot


 Jahrelang habe ich all unser Brot selbst gebacken. Dann kam Lidl und hat Brot zu einem unanständigen Tiefpreis angeboten. Wir gingen ab sofort zu unserer nächsten Bäckerei - und da kaufen wir nun seit Monaten unser täglich Brot.

Ich habe aber noch fünf Kilo Roggenmehl, drei Kilo Dinkelmehl und mehr Mehl im Vorratsschrank. Das soll mir keineswegs verderben. Heute habe ich gebacken. Knuspriges Roggenbrot mit Sonnenblumenkernen und einem "Hämpfelchen" (kleine Handvoll) Änis. Es schmeckt. Wir schneiden die frisch gebackenen Brote und Brötchen immer gleich an, wenn sie aus dem Ofen kommen. Sieht man/frau auf dem Föteli.

Freitag, 12. Juni 2026

Spatzen im Anflug

 Dieser Tage waren die Kirschen an unseren beiden bescheidenen Säulenbäumchen reif. Zum ersten Mal so etwas wie eine richtige Ernte. Sicher mehr als ein Kilogramm! Wir freuten uns und probierten ab und zu ein Früchtchen. - Aber nicht nur wir freuten uns. Die Spatzen-Gang, die wir sonst mögen, hatte die "Chriesi" auch entdeckt. Als wir gestern Abend vor dem Fernseher hingen, flog immer wieder ein Spatz an den Baum. Reto sprang jedesmal auf und rannte zum Fenster. Spatz weg, Reto weg, Spatz kehrt wieder. - Als mein Stresspegel zu hoch wurde, schnappte ich mir ein Löcherbecken und ging hinaus zu unseren beiden behangenen Bäumchen. Reto kam auch. Wir pflückten alle, alle Kirschen ab. Die guten ins Becken, die angepickten in den Garten. 

Donnerstag, 11. Juni 2026

An allen Ecken und Enden...

Heute Abend kommt auf SRF1 eine Sendung zum Thema "Langeweile". Wie wichtig es sei, sich zu langweilen. - Ist es also schlimm, dass mir nie langweilig ist?

Ich sehe überall Arbeit, und überall wartet vergnügliches Tun auf mich. - Zwei Knöpfe versetzen, weil mein Bauchumfang (noch) nicht kleiner geworden ist. Salbeisirup für den Winter machen; es gibt soooo viel Salbei im Garten! Einen Brief für drei coole Mädchen schreiben; sie haben mir eine gewaltig schöne Zeichnung geschickt. Walderdbeeren im Garten sammeln > sie werden eingefroren, bis es sich lohnt, Konfi daraus zu machen. Am Sommerpullöverchen weiter stricken. 

Am wichtigsten heute aber ist es, in Gedanken, Worten und Taten den Geburtstag meiner Enkelin zu feiern. - Ich war heute Morgen "käfelen" mit einer Freundin, die eine Schar Enkel*innen hat. Wir waren uns einig über die Freude, die sie uns bereiten. Ob meine Grossmutter ähnliche Gefühle hatte ihren dreizehn Enkelkindern gegenüber?

Für Langweile habe ich keine Zeit. Es wartet ja immer auch mindestens ein Buch, das weiter gelesen werden will.

Mittwoch, 10. Juni 2026

Flower Sprouts

 Meine neuen Crocs sind eingearbeitet, d.h. ich war mit ihnen im Garten und habe gezogen (am alten Rucola, um ihn auszureissen), gegraben (Löcher für neue Setzlinge) und geschnitten (den Weg frei, dass wir zum Gemüsebeet kommen).


Gesetzt habe ich "Flower Sprouts", was wir noch nie hatten. Auf deutsch heisst die Pflanze "Kohlröschen und ist eine Kreuzung zwischen Rosenkohl  und Grünkohl. Soll bis in den Winter hinein geerntet werden können. Ich bin gespannt. Wir geben dieses Jahr viel Geld aus; sollte es Ende Jahr knapp werden, haben wir immer noch Kohlröschen.


Dienstag, 9. Juni 2026

Ein Tag mit Freunden

 Lange, lange schon war für heute abgemacht, dass wir uns mit Sepp und Vreny in Rafz treffen würden. Gartencenter Hauenstein. - Reto und ich gingen am Morgen aus dem Haus, und es nieselte und war kühl. Mir war es gleich nur noch halb um den Ausflug. Vreny hat später am Tag gesagt, dass es ihr genau gleich ging.

Aber wir hatten grosses Glück. Ab Rafz regnete es den ganzen Tag nie mehr, und wir konnten bei angenehmer Temperatur durch die ganze wunderschöne Gartenanlage spazieren. Sepp schaute sich, glaube ich, jeden Baum und jede Blume an und war sehr zufrieden. Auch mit unseren Einkäufen sind wir glücklich. Und das Mittagessen war köstlich. Der Weisswein von Flaach dazu schmeckte sehr gut. 

Als wir uns um vier Uhr am Bahnhof Rafz wieder trennten, waren wir uns einig, dass es sich mehr als gelohnt hat. Ein guter Tag unter Freunden! Und ich habe drei Samenkapseln der Nachtkerze geklaut, um sie zu Hause in die Erde zu stecken. 

Montag, 8. Juni 2026

Man sieht ja nichts

 Ehrlich, heute Morgen bin ich in unserer kleinen Wohnung herumgewirbelt, bis mir die Schweisstropfen in die Augen liefen. Überall fand ich Orte, die meinen Putzlappen nötig hatten. Und die Betten mussten neu bezogen werden. Reto brauchte mehr Pommes frites-Gewürz, das ich jeweils selbst zusammenmische. Viel Paprika und als Geheimwaffe gegen Bitternis das berühmte schweizerische Aromat. Eigentlich will ich die Glutamat-Schleuder nicht mehr brauchen. Oder fast nicht mehr? - Kurz und gut, ich bin sehr fleissig gewesen heute Morgen. Aber sieht das einer?? - Ich mache es wie mein Mami: Wenn sie fein gekocht hatte, sagte sie zu ihrem Ehemann: "Gäll, Fritz, i ha guet kochet?!" - Da konnte der Fritz einfach nicken, und beide waren zufrieden. 

Samstag, 6. Juni 2026

Popcorn

In jedem Tagesanzeiger-Magazin gibt es die Rubrik "Ein Tag im Leben". In der Nummer acht von diesem Jahr blickt mir ein fröhlicher Mann mit besonderer Tigerfell-Imitat-Mütze entgegen. Mich irritiert der Titel ein wenig:

"Der Kulturschaffende Hannes Hergarten baut in einer Berner Werkstatt mit Fremden ihre Särge." 

Es seien "Kisten mit Wert" wird später im Text erklärt. Und es sei wichtig, dass die Trauernden dann miteinander etwas essen und trinken würden. Der Tod sei eine gemeinsame Erfahrung, die zu begleiten sei. Einander nicht allein lassen in der Trauer. Sich nahe sein oder kommen.

Und dann wird es doch noch f4röhlich, und ich lache laut:

"Je nach Wunsch legen wir Holzspäne in den Sarg, Heu, Blätter oder Maiskörner, die im Verbrennungsofen zu Popcorn werden."

Freitag, 5. Juni 2026

Heute habe ich meinen Pullover spazieren geführt

 Mein bunter, bunter selbstgestrickter Pullover ist gerade richtig gross und gerade warm genug für einen kühlen Frühsommertag. Einziger Fehler: Ich habe blaue und rosa Mohairwolle eingearbeitet. Der feine Flaum "chrüselet" (kitzelt) mich die ganze Zeit ein wenig. - "Das biisst!" haben wir als Kinder gemault. Aber ich habe meinen Pullover heute stolz spazieren geführt.


Zwei Velofahrer am Rotlicht. Ein Junger und ein älterer. - Der ältere hat mich angeschaut und mir richtig wohltuend zugelächelt. Mein Pullover!

Donnerstag, 4. Juni 2026

Mein Traumhäuschen an der Hammerstrasse

 Es war schon immer mein Traumhäuschen, auch als es noch alt und gemütlich aussah. Dann wurde es umgebaut, und ich befürchtete das Schlimmste. Aber nein, es wurde noch schöner. Und lebendiger. 

Am Gartenzaun hängen Abstimmungsfahnen, die mir entsprechen. Das Häuschen ist dreiviertel hoch terracotta-braun. Der obere Drittel ist helles Holz. Auf dem Dach sind Solarpanels. Die Fensterläden sind smaragdgrün. Es gibt hinten hinaus eine Terrasse, unter der Kinder spielen können. An den Fenstern kleben Zeichnungen von Kindern. Vor der Haustüre gibt es Velos in verschiedenen Grössen und Farben.

Der Garten ist wild.

Träume ich davon, gerade so ein Häuschen zu besitzen? - Nein, es genügt mir, es aus dem Bus in die Stadt immer wieder zu bestaunen!

Mittwoch, 3. Juni 2026

Es muss eine Laufente sein

 Seit einiger Zeit gehe ich nicht gern einfach so spazieren mitten in der Woche. Als hätte ich nichts zu tun. Als wäre ich Rentnerin. (hihi) Als hätte ich immer Ferien. - Wenn aber etwas zu holen oder zu bringen ist, dann bin ich dabei.

Heute haben wir den Plastikabfall wieder nach Elsau gebracht. Die Sammelstelle in Winterthur ist leider aufgehoben. Wir also mit zwei vollen Säcken per Postauto an die Pestalozzi-Strasse. Zu Fuss die Treppe mit den blöden, breiten Stufen hinunter und weiter zur Abfallsammelstelle. Dann zu Fuss eine Stunde heimwärts.

Reto spannte den Regenschirm mal auf, mal klappte er ihn zu. Ich liess mich mit Wonne kühl berieseln. Aber die tiefschwarzen Wolken liessen auch mich Starkregen befürchten. Ob der Wind, der Wind auf unserer Seite war und die Wolken bewegte? Von uns weg bewegte? - Er tat es.

Trotz dräuendem Unwetter schauten wir unterwegs zwei Amseln zu, die am Ufer der Eulach ein ausgiebiges Bad nahmen. So ein fröhliches Geplantsche! Hinter ihnen stand hoch aufgerichtet eine Ente, als würde sie die Amseln bewachen.

Eine Stockente? Aber sie hat so einen langen Hals! Menschen haben doch auch unterschiedlich lange Hälse. Eine Laufente? Aber ausserhalb eines Gartens. War sie entwichen? War es doch eine Wildente? - Nachschlagen zu Hause ergab: Es muss eine Laufente sein.

Dienstag, 2. Juni 2026

Das Museum der Erinnerungen

Dirk Gieselmann hat sich im "Tagi-Magi" Nummer 8 von diesem Jahr Gedanken über das Erinnern gemacht. Er schreibt: 

"Ich gehe in die Vergangenheit hinein wie in ein kühles Museum an einem heissen  Nachmittag und besichtige die Exponate der Erinnerung."  

Und dann sieht er. - Er sieht seine Bilder der Vergangenheit. Er schwelgt geradezu in diesen Bildern.

 Man/frau darf sich ja vor Augen führen, was gerade passt, wohin gerade die Sehnsucht führt. Und dann ist alles wieder Gegenwart. Ich bin auf der Leiter, die mein Grossvater an den "Chriesibaum" (Kirschbaum) gestellt hat. Die "Chriesi" sind sonnenwarm und so süss. Der Chriesisaft läuft mir übers Kinn.

Oder ich erklettere die Eiche am Grubenrand, setze mich in die Astgabel und verschwinde in meinem Buch, das ich mitgebracht habe. 

Aber auch bin ich mit meinen SchülerInnen im Wald, im schönen kühlen Wald, weil unser Schulzimmer unter dem Dach viel zu heiss ist heute.

Ich segne im Urner Oberland die Kühe von Hans; Reto trägt den Weihwasserkübel. Hätte ich mir nie träumen lassen, so etwas Urchiges zu tun. Aber es tut wohl bis in die Zehenspitzen.

Welches ist das kostbarste Exponat in meinem Museum der Erinnerung? - Gewiss und auf Ehr, das behalte ich für mich.