Dienstag, 9. April 2019
10 - Satz - Methode
Obwohl ich seit Jahren keine Ratgeberbücher mehr lesen will, lese ich immer wieder eines. Zwei. Oder so. - Ich bin nicht immer wohl in meiner Haut, und mir schwindelt öfter, als mir lieb ist. - Also habe ich mir ein Buch über die "10 - Satz - Methode" gekauft. Da soll man zehn Sätze/Ziele/Wünsche aufschreiben. Möglichst konkret. Erreichbar ohne Hilfe von anderen. Dann geht es ganz einfach weiter: Jeden Abend nimmt man sich den nächsten Satz vor und versucht, sich das Erreichen des Zieles vorzustellen. Das tut man viermal. Zuerst, indem man "es" sieht, dann indem man "es" hört, hernach fühlt man taktil, dann riecht man und schliesslich schmeckt man, was zu schmecken ist. (Man muss sich die Erfüllungsgeschichte so einrichten, dass alles vorkommen kann.) - Ich bin jetzt bei Satz acht. Wenn ich durch bin, beginne ich von vorn. Wenn sich ein Satz erübrigt, weil Ziel erreicht, schreibt man einen neuen Satz dazu. Immer sind es zehn. Und jeden Abend arbeitet man nur einen Satz durch, aber so intensiv wie möglich. - Heute ist mir aufgefallen, dass ich glücklicher geworden bin. Meine Sätze sind da, und sie tun, als hätten sie sich schon erfüllt.
Montag, 8. April 2019
Fauler Kinderhütetag
Unsere Tochter Judith hat uns heute samt Hütekind zum Mittagessen eingeladen. Nach dem Kaffee durften wir sogar zu zweit nach Hause gehen, und unser Hütekind spielte gern mit Kaya weiter. - Lesen, lesen, lesen - ich habe es sehr genossen. Umso mehr, als wir gestern auf grosser Reise waren. Wir haben meinen ein und einzigen Onkel in Yverdon - les - Bains besucht. Dabei waren auch eine Cousine und ein Cousin et "ma chére vieille tante". Es war ein schöner, aber auch ein bisschen anstrengender Tag. Reden in Französisch, Hochdeutsch und Schweizerdeutsch. Und immer wissen, welche Sprache mit wem. Plötzlich rede ich hochdeutsch auf meinen Onkel ein, welcher der Bruder meines Vaters ist und sehr wohl "Schnäggebärg"- Deutsch spricht. (Auf dem "Schnäggebärg" sind die beiden Brüder und zwei Schwestern aufgewachsen.) Spricht tiptop Mundart, mein Onkel, obwohl er seit mehr als sechzig Jahren im Welschen lebt. Obwohl er dreieinhalbfacher Urgrossvater ist. Zum Abschied habe ich zu ihm gesagt: "Auf Wiedergeschrieben." - Wir schreiben uns viele Briefe. Hoffentlich noch lange.
Samstag, 6. April 2019
Schlüsselblümchen
Erinnerungen an die Kindheit, wo es am Bord bei meiner Grossmutter gelb leuchtete. Schlüsselblümchen im Überfluss. Wir haben grosse "Meien" (Sträusse) gepflückt, und es hatte immer noch genug für alle.
Heute haben wir im Winterthurer Wald als Zugabe noch zwei Rehs gesehen. Leider war ich mit dem Fotoapparat nicht bereit für einen Schnappschuss. Das nächstemal.
Heute haben wir im Winterthurer Wald als Zugabe noch zwei Rehs gesehen. Leider war ich mit dem Fotoapparat nicht bereit für einen Schnappschuss. Das nächstemal.
Freitag, 5. April 2019
Bücher-Rausch
Zuerst bin ich in die Stadtbibliothek gepilgert. Und ich meine "pilgern", weil eine solche Bücherstätte für mich etwas Heiliges hat. Ich habe mir die "Rote Zora" geholt in der Kinderabteilung, weil ich sie nie gelesen habe, ihr aber begegnet bin in einem anderen Buch. Jetzt oder nie! - Apropos "heilig" - in der nahen reformierten Stadtkirche habe ich eine kleine Stille gehalten. Beine gestreckt, überlegt, ob ich sogar zurück kommen sollte. In die reformierte Kirche. Das ausgeschlagen. Mein Weg lief anders. Wie läuft er jetzt? - Dann bin ich ganz langsam und mit viiieeel Vorfreude zu "meinem" Buchladen am "Chileplatz" gegangen. Im Portemonnaie ein grosser, so grosser Büchergutschein. Runde Geburtstage haben auch ihr Gutes. - Ich habe genüsslich und sehr interessiert und wach geschaut, gestöbert, angelesen, durchgeblättert - und gefunden. Vier neue Bücher sind mit mir nach Hause gekommen in meinem Rucksack. Ich werde davon berichten. Jetzt bin ich immer noch im Bücherrausch. Weinseligkeit wird am Abend dazu kommen. Was für ein schöner Tag!
Donnerstag, 4. April 2019
Öffentlicher Brief an den Papst
Heute im Tagesanzeiger ein öffentlicher Brief von Synodalrat und Generalvikar: "Papst Franziskus, erneuern wir gemeinsam unsere Kirche!" - Es ist alles gut und wichtig, was in dem Brief steht. Er ist umfassend - eine halbe Zeitungsseite lang. Aber für mich ist es doch Makulatur ( = nutzlos gewordenes, meist bedrucktes Papier). Ich mag nicht mehr.
Ich habe mein halbes Leben in der Kirche verbracht, mich eingesetzt, so gut ich konnte. Ich habe geglaubt, geliebt, gehofft. Und dann begann zuerst ganz langsam, dann immer schneller die Desillusionierung. - Ach, viele Priester im Kanton Zürich haben heimlich eine Freundin oder einen Freund? (Die Pastoralassistenten haben es mir erzählt, die ich in Jugendarbeit begleiten durfte.) - Es war für mich nicht die Tatsache, dass der Zölibat schwer oder gar nicht zu leben ist, was mir Probleme machte. Die Scheinheiligkeit war es. Da feierten die Priester Messen mit dem Nimbus der besonderen Reinheit, weil unbefleckt von Sexualität, was ich sowieso nie verstand. Und daneben verrieten sie permanent ihre Geliebten, standen nicht zu ihnen oder wurden sofort entlassen, wenn "es" öffentlich wurde.
Das konnte ich noch verdauen. Aber dann erlebte ich selber, wie schwierig oder fast unmöglich es ist/war, einen ausbeutenden und grausamen Priester "weg zu bekommen". Ich erlebte, wie die "Brüder im Herrn" eine Beisshemmung haben gegen ihresgleichen. Bis oben.
Das war dann leider immer noch nicht alles. Dann ging die Welle der Veröffentlichungen los von immer grösseren Verbrechen von Priestern und Bischöfen. Und von der Vertuschung der Verbrechen. Niemand mehr, aber gar niemand mehr, kann noch von bedauerlichen Einzelfällen reden. Meine Kirche ist überaus beschmutzt. Und es ist (vielleicht) zu spät, um noch etwas zu retten. Ich jedenfalls bin rettungslos traurig und wütend. Ich stehe neben den Schuhen. Ich mag nicht mehr. Der Brief im "Tagi" kommt viel zu spät. Ist Makulatur.
Ich habe mein halbes Leben in der Kirche verbracht, mich eingesetzt, so gut ich konnte. Ich habe geglaubt, geliebt, gehofft. Und dann begann zuerst ganz langsam, dann immer schneller die Desillusionierung. - Ach, viele Priester im Kanton Zürich haben heimlich eine Freundin oder einen Freund? (Die Pastoralassistenten haben es mir erzählt, die ich in Jugendarbeit begleiten durfte.) - Es war für mich nicht die Tatsache, dass der Zölibat schwer oder gar nicht zu leben ist, was mir Probleme machte. Die Scheinheiligkeit war es. Da feierten die Priester Messen mit dem Nimbus der besonderen Reinheit, weil unbefleckt von Sexualität, was ich sowieso nie verstand. Und daneben verrieten sie permanent ihre Geliebten, standen nicht zu ihnen oder wurden sofort entlassen, wenn "es" öffentlich wurde.
Das konnte ich noch verdauen. Aber dann erlebte ich selber, wie schwierig oder fast unmöglich es ist/war, einen ausbeutenden und grausamen Priester "weg zu bekommen". Ich erlebte, wie die "Brüder im Herrn" eine Beisshemmung haben gegen ihresgleichen. Bis oben.
Das war dann leider immer noch nicht alles. Dann ging die Welle der Veröffentlichungen los von immer grösseren Verbrechen von Priestern und Bischöfen. Und von der Vertuschung der Verbrechen. Niemand mehr, aber gar niemand mehr, kann noch von bedauerlichen Einzelfällen reden. Meine Kirche ist überaus beschmutzt. Und es ist (vielleicht) zu spät, um noch etwas zu retten. Ich jedenfalls bin rettungslos traurig und wütend. Ich stehe neben den Schuhen. Ich mag nicht mehr. Der Brief im "Tagi" kommt viel zu spät. Ist Makulatur.
Mittwoch, 3. April 2019
Ich habe immer noch Geburtstag
Es ist unglaublich - mein Geburtstag ist weiterhin ein Thema. Wird weiter gefeiert. Kam doch gestern eine verspätete Karte ins Haus geflattert. Die einzige, die ich vermisst hatte, um ehrlich zu sein. Ich bin nicht wirklich erwartend und gar nicht berechnend. Aber in diesem einen Fall war ich es. Karte ist da. Treffen ist angeboten. Sonne scheint. - Am gestrigen Nachmittag war es sehr, sehr schön. Nochmals "Geburi". Gefeiert mit meiner Schwester, meinem Schwager und ihren beiden Enkelinnen. Wir sassen an der Sonne und tranken Kaffee, derweil mein lieber Ehemann beim Zahnarzt einen ganz neuen Zahn aus dem Zauberkasten bekam. Gefräst aus Porzellan vor seinen Augen. Er war hin und weg. Begeistert. - Das bin ich nie, nie, nie, wenn ich zum Zahnarzt muss. - Nicht genug für einen (Geburtstags-) Tag - am Abend waren wir eingeladen und wurden zu später Stunde samt grossem Geschenk per Auto heim gebracht. - Aber jetzt ist fertig, oder?
Montag, 1. April 2019
Erster April
Ich mag es nicht, "inegleit" zu werden. Ich mag faule Aprilscherze nicht, das Lachen über Leute, die reinfallen auch nicht. Ich habe ein Problem mit dem Ersten April. - Heute war Kinderhütetag. Reto hat damit "gedroht", das Kind zu veräppeln, dabei ist die noch so klein, dass sie die ganzen Scherze nicht verstehen kann. Aber, habe ich mir gedacht, wenn es sein muss, dann richtig. So haben wir den ganzen Tag geübt, Scherze zu erkennen. Und immer häufiger hat das Kind laut und fröhlich und an der richtigen Stelle gerufen: "April, April!" - Und das hat dann wirklich Spass gemacht.
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