Sonntag, 15. März 2015
Zuvorderst - zuhinterst
Ich könnte über den gestrigen Tag schreiben. Er war proppenvoll. Im Zug unterwegs entdeckte ich am Himmel zwei Störche, während die allermeisten Zugreisenden in ihre Handis starrten. - Soll ich über die Beerdigungspredigt schreiben, wo das Alter des Verstorbenen als gerecht bezeichnet wurde. 104 Jahre alt wird man, wenn man eine schwierige Kindheit durchstehen musste. Es ist dann nur gerecht, wenn man dafür sehr alt wird. Puuuhhhh! Es war ziemlich grauenhaft, das mit der Gerechtigkeit. Da konnten auch vier Priester am Altar nicht trösten. (Ob es auch gerecht ist, wenn die hohe Geistlichkeit beim einen so überaus präsent ist...) - Ferner könnte ich über das viele Trockenfleisch schreiben, das ich an zwei Orten genossen habe - "Ürner Dürrs" nennt es sich in Absetzung zum Bündnerfleisch. Und ich könnte über den Disput schreiben, den es bei Freunden gab. Nochmals puuuhhhh! Aber daran denke ich nicht gern, also schiebe ich Gewesenes nach hinten. Zuvorderst steht dann das Kommende. Ich treffe heute Nachmittag meine Beste Freundin in der Stadt.
Freitag, 13. März 2015
Laboratorium für zeitgenössischen Tanz
Unser Sohn gewinnt in vielen Wettbewerben die tollsten und "kurligsten" (seltsamsten) Preise. - Gestern durfte ich mit ihm ins "Theater am Gleis" in Winterthur. Improvisierter Tanz war angesagt. Wir machten uns keine Vorstellung. Und so ging es los und ging es weiter:
Eine dunkle Bühne, Ahnung von drei Frauen, die am Boden liegen, zwei Musiker sitzen bereit. Dann nichts. Oder doch etwas. Licht breitet sich in drei Bahnen aus. Je eine Bahn, eine Farbe pro Frau. Sie liegen am Boden. Die Musiker machen keine Musik. Wir warten.
Klopfgeräusche nach langer Zeit. Eine Frau steht auf und bewegt sich. Bewegt vor allem die Arme , die Hände. Auch der andere Musiker bringt sich ein. Trompete mit Dämpfer. Musik, die nervös macht, in die Zähne schiesst, unerträglich wird, schön wird wie Walgesang. Zwei Zuschauerinnen gehen. Wir bleiben bis am Schluss.
Speziell war es, sagen wir beim Weggehen. Speziell bedeutet in unserer Familie, dass man etwas ratlos ist, dass man es nicht einordnen kann, dass es nicht wirklich gefiel. Aber wir waren da und haben uns etwas zugemutet. Handelte der Tanz vom ganzen Leben? Erwachen, aufstehen oder nicht-aufstehen-können, aufeinander zugehen, auseinander gehen, wieder allein, zu Boden gehen.
Reto ist froh, dass er nicht mitgekommen ist.
Eine dunkle Bühne, Ahnung von drei Frauen, die am Boden liegen, zwei Musiker sitzen bereit. Dann nichts. Oder doch etwas. Licht breitet sich in drei Bahnen aus. Je eine Bahn, eine Farbe pro Frau. Sie liegen am Boden. Die Musiker machen keine Musik. Wir warten.
Klopfgeräusche nach langer Zeit. Eine Frau steht auf und bewegt sich. Bewegt vor allem die Arme , die Hände. Auch der andere Musiker bringt sich ein. Trompete mit Dämpfer. Musik, die nervös macht, in die Zähne schiesst, unerträglich wird, schön wird wie Walgesang. Zwei Zuschauerinnen gehen. Wir bleiben bis am Schluss.
Speziell war es, sagen wir beim Weggehen. Speziell bedeutet in unserer Familie, dass man etwas ratlos ist, dass man es nicht einordnen kann, dass es nicht wirklich gefiel. Aber wir waren da und haben uns etwas zugemutet. Handelte der Tanz vom ganzen Leben? Erwachen, aufstehen oder nicht-aufstehen-können, aufeinander zugehen, auseinander gehen, wieder allein, zu Boden gehen.
Reto ist froh, dass er nicht mitgekommen ist.
Donnerstag, 12. März 2015
Zu tun, viel zu tun...
Da glaubte ich noch gestern, heute und morgen seien sozusagen freie Tage. Müssten ja alle sein, wenn frau pensioniert ist. Nach Gutdünken Stunde um Stunde entscheiden, was ich anstellen möchte, so stellte ich mir das vor. Aber die Agenda füllt sich, das Telefon läutet ungebührlich oft, und die Hausglocke bleibt auch nicht stumm. Wie habe ich es früher bloss angestellt, Lohnarbeit zu verrichten?! - Jetzt aber möchte ich in den Garten gehen und Verdorrtes ausreissen und zurückschneiden. Dann habe ich gewiss Hunger, und ich werde gern kochen. Folgt die Siesta. Hernach muss ich einkaufen, weil Salat zum Znacht fehlt. Und dann wird es zweifach an der Haustüre läuten. Lieber Besuch kommt. Am Abend gehe ich mit unserem Sohn in den Ausgang. Wusste ich gestern noch nicht. Frau darf flexibel sein, dann macht das Leben Spass.
Mittwoch, 11. März 2015
Sehnsucht wie verrückt
Hei, hei, hei, was habe ich für eine grosse Sehnsucht nach Schönheit, nach Natur! Sehnsucht wie verrückt! - Ich habe halt die Zeitschrift "Landliebe" gelesen. Nur die letzte Nummer. Aber das genügt, um infiziert zu werden. Nicht alles muss ich haben, aber einiges, was da angepriesen wird. Appenzeller Spitzhühner zum Beispiel oder ein richtiges Seil von der Seilerei Kislig. Ich weiss sogar, wo die in Winterthur zu finden ist. Aber ich habe noch nie ein Seil gekauft. Vielleicht würde es aber auch genügen, ein paar Sorten Schneeglöcklein für den Garten zu kaufen. Gerade habe ich noch gemeint, es gäbe die "richtigen" Schneeglöggli und dann noch die grossen Schneeglöckchen, die Märzenbecher oder so. - Am allerallerliebsten aber hätte ich einen neuen Gartentisch mit einer Wasserrinne in der Mitte, wo ganz richtig immer Wasser läuft. Diesen Tisch habe ich heute an der Gartenausstellung "Giardina" in Zürich gesehen. Bei fliessendem Wasser würde ich meine Grillwurst essen und meinen Rotwein trinken und tiefgründige Gespräche mit Gästen führen, weil das Wasser so belebt. Bitte, bitte, ich habe bald Geburtstag! Wer schenkt mir so einen Tisch, damit meine Sehnsucht gestillt wird!
Dienstag, 10. März 2015
Ab in die Stadt
Wir brauchen noch Salat und Früchte. Das bekämen wir in der Nähe. Warum auch in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah? sagt das Sprichwort. Aber manchmal braucht der Mensch eine Abwechslung, und mein Ehemann will heute nicht schon wieder in den Eulachpark zum Spielen. Also fahren wir in die Stadt, wo die Grossmutter sicher im Kinderladen ein Gartenwerkzeuglein für Kaya findet. Milch, Brot und Salat werden sich auch einfinden. Mal abwarten - gerade erzählt der Grossvater noch eine Geschichte von der Kuh.
Montag, 9. März 2015
Frühling
Es gibt Erwachsene, die lernen in Kursen Bäume umarmen. Sie haben das Gefühl für sich selbst und für die Natur verloren. - Es gibt Erwachsene, die lachen über Erwachsene, die Bäume umarmen, weil sie gar nicht spüren, was sie alles nicht spüren. - Ich bin in Baumumarmestimmung - einfach, weil der Frühling da ist. Ich habe zwei Stengelchen Schnittlauch aus meinem Gärtchen gegessen. Und ich habe mich nicht sattsehen können an Enkelin Kaya, welche alle Krokus im Rasen zart gestreichelt hat und dabei gemurmelt hat: "Wiisses, gääls, chlises, gosses, dü, vie, eis." (Weisses, gelbes, kleines, grosses, drei, vier, eins...) - Kaya braucht keinen Kurs zum Bäume umarmen, auch wenn sie den Schnittlauch klein nicht essen wollte.
Sonntag, 8. März 2015
Zehn Uhr morgens, Sonntag
Es ist zehn Uhr morgens. Immerhin Sonntag. - Mein Körper schläft weiter, während mein Geist tüchtig Zeitung inhaliert hat. In fünf Minuten sagt mein Mann: "Schuhe anziehen. Wir gehen." - Jedenfalls hoffe ich, dass er es sagt, sonst bleibe ich unter Umständen einfach sitzen. Merke nicht, dass bald der Zug fährt. Merke nicht, dass die Krokus blühen und schon viel wacher sind als ich. Merke nicht viel. Bin noch müde.
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