Donnerstag, 23. Juli 2015

Voll daneben - voll fein!

Gestern sind wir bei schwül-heissem Wetter nach Schaffhausen gereist. Einfach ein bisschen bummeln. Einfach etwas Feines essen in einem Gartenrestaurant. Reto hatte "Gluscht" nach Pommes frites, sehr "Gluscht". Hatte er schon soooo lange nicht mehr gegessen. - Wir fanden ein passendes Restaurant in den Stadtgassen am Schatten und bestellten Cordon bleu mit Pommes frites und Salat. Zu trinken nur Mineralwasser. Trotz Ferien zu heiss für Wein.

Es dauerte lang, sehr lang, bis unsere Cordons bleus kamen. Aber wie kamen sie? - Auf einem Holzteller ein ofentüchtiges Keramikgeschirr mit je einem riesigen, heissen, feinen, braungebratenen, brutzelnden gut gefüllten Wunschteil. - So ein Ofenkeramikgeschirr bleibt ewig heiss. So ein Riesenfleischstück lässt das Wasser im Mund zusammenlaufen. Kann nicht warten, bis der Winter kommt. Muss jetzt essen.

Wetter und Essen und Stadtluft und Zugklima - gestern haben wir nur einmal zusammenhängend geschwitzt. Noch selten war mir Regen so lieb.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Gut zu Fuss

Meine Schwester ist passionierte Schuhverkäuferin. Wir kaufen wenig Schuhe. Obschon - ich hätte gern haufenweise spezielles, originelles Schuhwerk in meinem Besitz. Meine Schwester wird in ein paar Tagen pensioniert. - Gestern kam unser Freund vom Urner Oberland extra nach Winterthur, um ein letztesmal bei meiner Schwester Schuhe zu kaufen. Er und meine Schwester haben am gleichen Tag Geburtstag. Das verbindet. Reto und ich gingen mit in den Schuhladen der gehobenen (Preis-) Klasse. Einfach ein bisschen herumgucken, herumstehen, zuschauen. Zuerst sah es fast so aus, als ob der Weitgereiste nichts finden würde. Die schönen Schwarzen mit der Schnalle gab es nicht mehr in seiner Grösse. Die Zerknitterten passten nicht an seine Füsse. - Aber dann! Aber dann fanden sich Schuhpaare noch und noch - zwei für Reinhard, eines für Reto und eines für mich. Und ich freue mich wie ein Kind, dass ich nun im Besitz bin von einem Paar ganz spezieller, origineller Schuhe. Gelb und schwarz, gängig, die letzten, die ich bei meiner hochkompetenten Schwester gekauft habe.

Dienstag, 21. Juli 2015

Besonderheit

Wir sind das Haus ohne funktionierende Sonnerie. Seit dem achten Juni nützt es rein gar nichts, auf einen Läuteknopf neben der Haustüre zu drücken. Läutet nicht! - Dreimal war inzwischen ein Monteur da, aber nett sein und ein tolles Auto fahren bringt es auch nicht. Und der Herr Chef der Firma? - ??? - Unser Vermieter hüllt sich in Schweigen. Wir im Haus sind geduldig, was wollen wir sonst sein. Lieber kein Läuten als ein Tag- und Nachtläuten ohne greifbare Verursacher. Nur Reto kocht langsam über. Begreiflich. Letzte Woche waren wir einmal ganztags weg. Am nächsten Tag telefonierte der Sonnerie-Chef und sagte: "Wo waren Sie gestern, wir wären gekommen?" Seither ist wieder Schweigen im Läutwerk.

Wenn wir ein Paket erwarten, tigern wir an den Fenstern herum zur Zeit, wo der Päcklipöstler kommt. Wir wollen nicht bei grösster Sommerhitze zur Post pilgern, um die bestellten Bücher - in der Schweiz bestellt! - auf dem Buckel heimzutragen. Welche gute Fee hat unsere Weissweinlieferung für die nächsten zwei Jahre entgegen genommen? - Gut gemacht, liebe Hausgenossin! - Allfälligem Besuch teilen wir vorher mit, wo man klopfen oder schreien kann. Spontanen Besuch sehen wir nur mit Glück.

Wir sind das Haus ohne funktionierende Sonnerie. Nur beim Sommerhäuschen hängt das Glöcklein so, dass es sogar der Wind zum Läuten bringt. Aber das Sommerhäuschen ist verwaist, weil Kaya in den Ferien ist.

Montag, 20. Juli 2015

Menschen, Orte, Bücher

Ich habe mir das neuste Buch vom Theologen Fulbert Steffensky gekauft. Alles kleine Arbeiten zu verschiedenen Themen. Nichts Spektakuläres. Und doch! Steige ich in den Zug ein, um meine Freundin in Zürich zu treffen und lese ein paar Sätze. Und sitze ganz still, ganz still, weil ich getroffen bin. Warum? Verstehe ich nicht! Hier die harmlosen ersten drei Sätze, deretwegen ich gestern Nacht noch Bücher sortiert habe:

"Man kann nicht allen Menschen in gleicher Weise nahe sein. Man kann nicht an allen Orten in gleicher Weise beheimatet sein. Man kann nicht alle Bücher in gleicher Weise lieben."

Gestern lernte ich mit Susanna einen neuen Ort kennen - den Türlersee. Wir spazierten bei Sommerhitze und guten Gesprächen ringsherum. Nahe sein - das heisst, einander vertrauen, das Leben mit (fast) allen Facetten miteinander teilen, Wege zusammen gehen, essen und trinken und sich daran freuen, hoffen, dass die andere noch sehr lange lebt!

Samstag, 18. Juli 2015

Regen!

Es kommt mir vor, als hätte es Ewigkeiten nicht mehr geregnet. Schon hatte ich mir Sorgen gemacht, wie weit das kostbare Gut "Wasser" reicht. Und ich bin nicht die einzige. Bauersleute, Fischer, VogelbetreuerInnen, Igelkundige und viele andere haben kundgetan, was passieren könnte, falls es weiterhin nicht regnen würde. - ES REGNET! - Und schon fällt unsere Planung für den heutigen Ferientag ins Wasser. Ausflug? Nein, danke. Höchstens in die Stadt. Reto, der vor kurzem keinerlei Interesse an der Stadtbibliothek hatte, will schon wieder hin. Nicht den Büchern zuliebe sondern um neue Musik zu finden. Klassik wie immer, aber neu. Dazu braucht er ein Abspielgerät. Immer Stöpsel auf den Ohren tut nicht gut. Was ich mir anschauen könnte, weiss ich noch nicht. Mich treiben lassen wie in einer fremden Stadt. Finden, was ich nicht gesucht habe.

Freitag, 17. Juli 2015

Nachrichten

Oftmals höre ich frühmorgens Radio und schlafe dabei nochmals ein. Heute bin ich erwacht, weil der Moderator gerade "durchgab", wo wieviele Menschen durch Terroranschläge gestern getötet wurden. Müsste er nicht auch sagen, wieviele Menschen an Hunger starben und wieviele auf den Strassen der Welt "unter ein Auto kamen"? - Und wo bleiben die Nachrichten, wo Frieden gemacht worden ist, damit niemand umkommt? Wo Geld und Nahrungsmittel gespendet wurden, damit weniger Menschen Hungers sterben? Wo Leute auf ein Auto verzichten oder wenigstens defensiv fahren und wenig fahren, damit der Tod auf der Strasse minimiert werden kann?

Die Sonne scheint immer noch. Gestern hat mich Reto gefragt: " Findest du das nicht langsam auch unheimlich, dieses Wetter?" - Unheimlich. Vieles.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Nie mehr in die Badi?

Reto hat eigentlich angenommen, dass er nie mehr in die Badi geht. Aber ich habe ihm erzählt von den Libellentümpeln und dem Naturbad im "Geisi" in Winterthur. Ich habe ihm begeistert das Lied vom warmen Wasser gesungen, so warm, dass man ohne zu frösteln einfach die Treppe ins Wasser hinunter steigt. Da hat er seine Badehose gesucht. Und gefunden. Anprobiert. Geht ja gerade noch. Zum Glück befinden sich die Altherrenbäuche über der Badehose. - Heute ist er mitgekommen. An der Treppe ins Wasser hat er ein paar Menschen herzlich zum Lachen gebracht mit seinem Geschrei: "Oh, ist das kaaalt! So kaaalt!" - Aber "schwupps di wupps" war er auch im Wasser. Und wir können noch schwimmen! Es tut gut. Dazu den Flug der Schwalben beobachten und den Rotmilan entdecken. Den Libellen zuschauen. Die Seerosen bewundern. Und vor einem möglichen Ansturm von Badegästen wieder heimfahren mit dem Bus und herrlich tafeln in der kühlen Wohnung.