Donnerstag, 17. September 2020

Wie eine Königin

 Die Freudenkreisübungen (Feldenkraisübungen) heute waren schräg. Wir mussten immer wieder die Zunge rausstrecken. Mal einfach so, dann in rechte, linke Mundecke, hierauf gen Nase und endlich Kinn wärts. - Das war natürlich nicht alles. Rechte Hand auf linke Schulter, mit linker Hand rechten Ellbogen fassen und nach links führen. Nicht vergessen, mit der Zunge in die angegebene Richtung lecken, Kopf leicht rollen und atmen. Okey, nun alles seitenverkehrt. Eine Stunde lang. - Dann war ich auf dem Heimweg und sass wie eine Königin im Bus. Rücken gerade, Nacken beweglich wie nie. Ich schaute huldvoll rechts und links nach den Leuten und dachte an Pfarrer Kari Muoser. Einmal war ich mit ihm durch Schattdorf gefahren, wo er früher "gepfarrert" hatte. Er hob huldvoll die Hand im Auto und grüsste links und rechts - niemand sah ihn.

Mittwoch, 16. September 2020

Eine Feige

 Wenn du gewartet hast. Im Frühling, dass das Feigenbäumchen nicht erfriert. Im Sommer, dass es nicht verhagelt wird. - Wenn du gewartet hast, ob sich Früchte bilden. Gewartet hast und gewartet hast, dass sie grösser würden. - Sie wurden nicht grösser. Wenn du trotzdem die Hoffnung nicht aufgegeben hast. Wenn du die Früchte immer wieder gezählt hast. Und gewartet hast. Gewartet hast. - Und dann, Mitte September, eine Frucht bläht sich auf, wird grösser, dicker, weicher, violetter. - Jetzt nur noch warten, bis du denkst, sie ist reif, die erste Feige dieses Jahres. - Wenn du so lange gewartet hast, dann ist es ein grosses Glück, diese reife, saftige, süsse Feige mit Reto zu teilen und sie zu geniiiiiiessen!

Dienstag, 15. September 2020

Oh, wie schön - ein SommerFerienTag

 Kurz entschlossen fuhren wir gestern an den Untersee nach Gottlieben. Reto hat für uns direkt am Wasser einen Tisch in noblem Restaurant reserviert. Geniessen ohne Worte.



Weil Reto das so gern tut, sind wir nachher mit dem Schiff bis Stein am Rhein gefahren. Ganz gemütlich und mit Wind in den Haaren (meinen!).

Sonntag, 13. September 2020

Spiegeln

 So sagen die Urner Oberländer*innen, wenn sie mit dem Feldstecher etwas anvisieren. Auf der Göscheneralp laufen die Männer (fast) immer mit dem umgehängten Feldstecher herum. Spiegeln immer wieder. Mit Geduld. Mit Interesse an der Natur. Sehen Tiere, die ich nicht entdecke. - Spiegeln. Etwas zu mir her holen, das entfernt ist. - Im Tagesanzeiger Magazin vom 15. August ist das Schauen durch den Feldstecher das Hauptthema. - "Ein Erlebnis jenseits der Reizüberflutung des Alltags". - Der Autor lobt "das reine Schauen", das kein Sammeln von Trophäen sei wie etwa das Fotografieren. - Er schreibt, dass wir mit dem wahllosen und massenhaften Fotografieren das Sehen verlernen. Wir haben gar keine Zeit mehr, uns das einzelne Bild einzuprägen. Und er meint wirklich "ein -prägen", das Bild soll in uns eingehen. Sind wir mit dem Feldstecher, dem Spiegel, unterwegs und entdecken mit viel Ausdauer einen unbekannten Vogel, eine Gämse, einen Steinadler, werden wir uns daran erinnern. Werden wir eine Geschichte haben. - Kinder können mit dem Feldstecher Geduld und Gelassenheit einüben. Sagt der Autor.

Samstag, 12. September 2020

Magisches Johanniskrautöl

 Mit grosser Sorgfalt und viel Geduld habe ich mein erstes Johanniskrautöl angesetzt und diese Woche abfiltriert. Heute hat Reto eine Fussmassage damit bekommen. Beide Füsse und bis zu den Knien. Sorgfältig und behutsamkräftig. Johanniskraut sei eines der wichtigsten magischen Kräuter, habe ich mehrfach gelesen. Sei es! Jedenfalls duftet es so fein, dass man glatt davon heil werden kann. Ich wünsche mir sehr, dass Reto bald wieder ohne Schmerzen gehen kann. Wünschen ist auch magisch. 

Freitag, 11. September 2020

Erzählungen über die Generationen hinweg

 Ich habe heute Morgen mein Gottenkind besucht. Mami von zwei Kindern. Tüchtige Frau. Wir sind sofort in grossen Gesprächen gewesen. Eine Tasse Tee in der Hand, und ab ging es vom hundertsten zum tausendsten. Viele Erzählungen von den Kindern. Sie hat von Sohn und Tochter erzählt. Ich habe auch von Sohn und Tochter erzählt. Das ist lustig, weil meine Kinder in ihrem Alter sind und ich natürlich von der Enkelin hätte erzählen müssen, damit Vergleiche möglich wären. Aber es muss nicht verglichen werden. Erzählen ist wichtig. Sich hören, sich spüren, ohne sich in die Arme zu fallen (Corona). Und immer wieder die Wüstenspringmäuse im grossen Terrarium beobachten. 

Donnerstag, 10. September 2020

Zungen Muskelkater

 Donnerstag - Feldenkraistag. Manchmal sage ich "Turnen für alte Frauen", aber seit kurzem ist ein Mann in unserer Gruppe. - Heute habe ich wohl zum ersten Mal in meinem Leben mit der Zunge "geturnt". Ich zähle jetzt nicht auf, wofür man die Zunge so brauchen kann. Normalerweise. "Turnen" gehört kaum zu dem, woran man/frau so denkt. - Seitenlage, Kopf rollen, mit der Zunge an die Wange tippen. Natürlich innen drinnen. Und dann wie immer: Alle Varianten durchspielen. Kopf rechts, Zunge links, Schulter nach vorn, und was noch alles. Vor allem alles auch umgekehrt. - Irgendwann hat meine Zunge genug vom ungewohnten Herumturnen. Gerade habe ich denselben Gedanken, als Leni fragt: "Haben wir morgen alle Zungen Muskelkater?"