Freitag, 23. Oktober 2020

Wackelzahn

 Ich kann mich überhaupt nicht mehr erinnern, wie das war, als ich meine Milchzähne verlor. An eine Zahnfee, die Geschenke unters Kopfkissen gelegt hätte, sowieso nicht. - Heutzutage ist es ein Ereignis, wenn das Kind seinen ersten Zahn verliert. Gerade geschehen bei unserem Hütekind. Was ist das Mädchen stolz! Zeigt die Zahnlücke unten in der Mitte gern noch einmal und noch einmal. Verblüfft mich mit der Frage: "Hast du auch einen Wackelzahn?" - Natürlich habe ich das nicht. Ich erkläre ihr weshalb. Ihre nächste Frage ist so herzig: "Was wär, wenn d eine hättsch?" (Was wäre, wenn du einen hättest?)

Donnerstag, 22. Oktober 2020

TROTZDEM

 Ich gebe es zu, ich muss mir selber Mut machen. Die Sonne scheint, und das ist schön. Aber ich habe einen ziemlichen Durchhänger. In der Nacht gehustet wie blöd. Dann am Morgen gegoogelt, ob es so etwas wie "Nervösen Reizhusten" gibt. - Ja, das gibt es. Entsteht bei Angst und Stress. Psychisch bedingt. - Erst da habe ich zugeben können, dass mir Corona einfach Angst macht. Dass ich nicht in die Feldenkrais Gruppe gehen mag. Angst. Acht Leute ohne genügend Abstand am Üben nebeneinander. Alle zwar mit Maske, aber einfach zu nah. - Ich bin zu Hause geblieben - und Überraschung oder eben nicht, kein Kopfweh mehr, kein Husten. TROTZDEM werden wir morgen auf den Markt gehen. TROTZDEM wollen wir am Sonntag Retos Geburtstag nachfeiern mit Kindern, Schwiegersöhnen und Enkelin. Überhaupt: TROTZDEM, TROTZDEM, TROTZDEM!

Mittwoch, 21. Oktober 2020

Eine Tasse heissen Tee

 Oh, oh, ich war so sicher, dass es heute schön und warm wird. Reto war auch sicher und hat unsere Wäsche ins Freie gehängt. Aber unterdessen ist es kälter als am Morgen und einfach nur grau der Himmel. Der Föhn schafft es nicht bis zu uns, und die Wäsche wird laberig und feucht an den Drähten hangen. Heute abnehmen oder bis morgen hängen lassen? - Ich habe mir eine Tasse Tee gekocht gegen äussere und innere Kälte. Auch gegen den Schreck bei der heutigen hohen Corona-Zahl. Und gegen die Wut, dass nun auch Generalvikar Annen "kaputt" ist. Chur hat es geschafft. Chur, das befürchtet, es träten Leute aus, weil die Kirchenleute zu politisch sind (Konzernverantwortung). Dabei treten sie aus, weil sie nicht mehr können. Einfach fix und fertig sind.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Retos Lieblingsschoggi verschwindet

 Da steht mein Mann vor dem Schoggigestell im Laden, das sicher zweieinhalb Meter breit und fast zwei Meter hoch ist und sagt mit Enttäuschung in der Stimme: "Es hett jo nüt rächts!" - Ich weiss schon, mein Ehemann hat einen exquisiten Geschmack, was Schokolade betrifft. Oder einen exklusiven? Sind fast alle Tafeln ausgeschlossen und die, die er am besten mag, verschwinden immer nach kurzer oder langer Zeit. "Alba" hiess vormaleinst so eine Lieblingsschokolade. Pistache war auch gut, Chocoletti mit Cocos. Aber sonst? Zu schwarz, zu bitter, Vollrohrohrzucker (welch ein Wort!) statt weissem, raffiniertem  Rübenzucker. Ach, es ist tragisch!!! - "Dafür bleiben die ungeliebten alten Sorten", sagt mein Mann, "Frigor haben sie mir schon als Baby gegeben." - Retos Lieblingsschoggi verschwindet also ständig. Aber ich kenne eine Frau, bei der verschwindet alle Schoggi ständig. Osterhasen vor Ostern. Kochschoggi vor dem Kuchenbacken. Bin aber nicht ich!!!

Montag, 19. Oktober 2020

Strassenmagazin "Surprise"

 "Surprise" kaufe ich nicht nur, weil ich "unseren" Verkäufer gern unterstütze. "Surprise" ist wirklich lesenswert, immer lesenswerter. - "Wann ist ein Mensch arm?" wird z.B. gefragt. Antwort: "Wenn die Handlungsoptionen fehlen." - Schreiben sei eine Handlungsmöglichkeit. Wer schreibt und sein Geschriebenes sogar veröffentlicht, nimmt eine Handlungsmöglichkeit wahr. Sehr schön finde ich das Bild vom Wal, der permanent Plankton und Krill aus dem Meerwasser filtert:

"Der Wal erinnert mich (Seraina Kobler) jeden Tag daran, dass Schreiben im Prinzip gleich funktioniert. Man lässt die Welt durch sich hindurchströmen. Und arbeitet mit dem, was in einem haften bleibt."

Wenn von Armut betroffene Menschen schreiben und veröffentlichen, werden sie zu Schreibenden, die von Armut betroffen sind. Die Perspektive verändert sich. Die Kraft nimmt zu. 

Samstag, 17. Oktober 2020

Heute nichts zu feiern

 Ein fast normaler Samstag. Weil noch Ferienzeit ist, verzichten wir auf das Putzen unserer Wohnung. Das kann bis Montag warten. Reto war am Morgen singen im Chor. Singmorgen nennt sich das. Wasserflasche mitnehmen. Wegen Corona gab es keine gemeinsame Kaffeepause wie sonst. - Ich war zu Hause und wollte so viel wie nichts tun. Aber da war die Kalbsniere im Kühlschrank zu begutachten, die wir gekauft hatten. Reto hätte an seinem Geburtstag gern ein richtiges "Züri Gschnätzlets" gegessen. Aber Kalbsnieren muss man bestellen. Also heute! - Begutachten und schneiden. Fett weg. Salzen, bereitstellen. - Und da war der trockene Kuchen, den wir nicht gern essen mochten. Ich habe daraus Rumkugeln ohne Rum gemacht. Statt Rum einfach Likör aus Guarda. Reto findet, die Kugeln schmecken fast wie Magenbrot, das er eigentlich liebt. Aber warum macht er so ein Gesicht? - Fast wie Magenbrot ist halt nur fast. - Ich mag Magenbrot nicht so, aber die Rumkugeln ohne Rum schmecken mir. 

Freitag, 16. Oktober 2020

44 + 44 = 88

 Vierundvierzig Jahre verheiratet feiern Reto und ich heute. Wir haben einen Ausflug gemacht, der mit der Zahl 44 zu tun hat. Thalwil am verregneten (heute) Zürichsee hat die Postleitzahl 8800. Das passt sehr gut. Man bleibt ja immer zwei (Menschen), auch wenn man zusammen das Leben teilt. Und jedes von uns hat die 44 Jahre anders erlebt. Davon haben wir uns etwas Weniges erzählt, aber vor allem haben wir einen langen, trockenen Spaziergang am See gemacht. Im "Sedartis" (Hotel, Restaurant) haben wir dann sehr gut gegessen - und schon ist der Hochzeitstag wieder fast Geschichte. Einer mehr, hoffentlich folgen noch viele.