Samstag, 12. September 2026

Der alte Kater ist nicht mehr

 


 



Wir haben am Donnerstagmorgen zwischen Hoffnung und Befürchtung geschwebt, als wir mit Nepomuk zur Tierärztin gingen. Nepi hatte am Mittwoch kaum gefressen. Sein Atem rasselte. Aber ich kann bezeugen, dass er eine gute Nacht hatte. Er schlief in meinem Zimmer. Ab fünf Uhr morgens donnerstags wollte er ins Freie, durfte aber nicht wegen des Arztbesuches. Er meldete sich viertelstündlich bei mir, und ich streichelte ihn so ausgiebig, wie noch kaum in einer Nacht.

Die Tierärztin behielt Nepi zum Röntgen in der Praxis und versprach, uns bald zu informieren über den Zustand unseres Katers. - Und dann kam der Schlag in den Bauch: Nepi habe einen Tumor am Kopf, der schon weite Teile des Gewebes angegriffen habe. Schleimhaut, Naseninneres und auch das rechte Auge, was sehr schmerzhaft sei. Sie schlage vor, ihn zu "erlösen". 

Und so sind wir jetzt ohne unseren Nepi, der uns so nah war wie keine andere Katze in unserem Leben. Meine Hände vermissen sein weiches Fell. Meine Beine werden nicht mehr umstrichen. Reto muss allein auf seinem Sofa liegen. Er kommt nicht mehr nachts auf meine Bettdecke und will morgens um drei ins Freie.........

Ich habe heute Morgen das Katzenklo zum letztenmal geputzt, die Lieblingsplätzchen auf dem Sitzplatz aufgehoben, das vorige Futter weggeräumt. - In der Nacht zum Donnerstag hatte es in mir immer und immer wieder gedacht: Ein Leben geht zu Ende, ein Leben geht zu Ende...Und es war mir sehr bewusst, dass auch mein Leben zu Ende gehen wird. Nepi war alt; ich bin alt. Ich bin auch in den Kreislauf des Lebens eingebettet. Werden und Vergehen. Dankbarkeit und Demut. Noch scheint die Sonne, noch sind wir da.

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