Samstag, 7. Dezember 2013

Spieglein, Spieglein

"Wer ist die Schönste im ganzen Land?" - Wie Grosseltern das tun, beantworte ich die Frage mit lautem, überzeugendem: "Kaya ist die Schönste im Land." (Ein kleines Lächeln über mich selbst darf sein, nicht?)

Bei der Morgenlektüre bin ich auf den Werbeslogan eines Schneiders gestossen: "Morgens sind alle Menschen gleich. Dann ziehen sie sich an." - Ich würde mir gern Kleider von diesem Monsieur schneidern lassen. Aber da ich nicht weiss, wo er sein Atelier hat, bleibe ich bei meiner Garderobe, die ich immer wieder neu kombiniere, dann sieht sie ein bisschen neu aus, obschon sie ständig in die Jahre kommt. Wie lange habe ich die Bluse schon, die ich heute trage? Die Thermohose habe ich natürlich gekauft für die Göscheneralp. Aber hier ist auch Winter. Heisst ja "Winterthur".

Über dem Spiegel hinter meiner Zimmertüre, den ich vom Mami geerbt habe, steckt seit Jahren eine Ermutigungskarte, die mir eine Frau geschenkt hat: "Guten Morgen, du Schöne." - Hier bin ich. Hinter dem Fotoapparat.

Freitag, 6. Dezember 2013

Heute kein Samichlausbesuch

Es gibt Tage, da ist uns schmerzlich bewusst, dass wir wieder im reformiert-nüchternen Winterthur sind. Oder ein bisschen netter gesagt: In der Stadt ist nicht alles möglich, was kleine Dörfer an schönen Bräuchen bieten. Aber eben doch - mit leiser Trauer begehen wir den 6. Dezember und wissen, dass heute Abend Chlaus und Schmutzli nicht vor unserer Türe stehen. Wie gern denken wir an deren Besuche in Wassen zurück! Jeden Haushalt haben sie dort besucht und besuchen sie immer noch. Alle, ob alt oder jung, bekommen Nüssli und Mandarinen. Ausgeteilt mit vollen Händen vom Samichlaus höchstpersönlich. Und überhaupt, das Schönste ist der Anfang der Chlausentage, der Chlauseinzug mit "Iffelen" (Laternen) und "Triichler"(Kuhglockenzug). Das "fuhr ein"; da blieben meine Augen nicht trocken.

Heute also ohne all das. Aber mit Freundintreffen in Brugg. Und mit dem ersten Weihnachtspäckli, das ich im Rucksack heimtrug. Freue mich wie ein Kind. Auf Weihnachten.

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Jetzt kommen sie wieder - die Jahresrückblicke

Im TV-Programm habe ich den ersten Jahresrückblick entdeckt. Häppchenweise wird uns nochmals serviert, was weltweit und schweiznah alles geschehen ist 2013. Jedenfalls, was öffentlich Eindruck machte. Über unser persönliches Jahr wissen die FernsehmacherInnen nicht Bescheid. Vielleicht aber die Überwacher aller Couleur, was Reto egal ist, mich aber erzürnt.

Mein Jahr 2013 war ein ausserordentliches. Ganz gewiss war es einschneidend, Grossmutter zu werden. Ich sage jetzt hier mal ganz ungeschützt, dass es "lebensrettend" war. Ich habe Zukunft. - Einschneidend ist auch die Pensionierung und der Wohnortswechsel. Alles im gleichen Jahr.

Mein Jahresrückblick wird altersentsprechend immer mehr zu einem Lebensrückblick. Wie ist das alles gekommen, dass ich jetzt die bin, die ich bin. Ich bin eigentlich sehr versöhnt mit meinem Leben. Mir scheint, ich nehme zu an Gelassenheit. Da kann es mich auch nicht aus der Ruhe bringen, dass eine ehemalige Dekanatskollegin findet, ich hätte es eher falsch gemacht, sie aber ganz richtig. Sie ist von katholisch zu reformiert konvertiert und Pfarrerin geworden. Ich bin von reformiert nach katholisch konvertiert und als Theologin immer unter der Fuchtel der Priester geblieben. Ja, sie hat recht, und nein, sie hat nicht recht. Lebenswege sind nicht immer zu verstehen, aber sie sind persönlich schlüssig. Es muss niemand meinen Weg verstehen. Es gehört mir. Ich gebe ihn nicht her.

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Keine Lust zum Bloggen

Ich habe keine Lust zum Bloggen. Das Wetter ist viel zu schön. Das Leben ist viel zu erfreulich, seit der schlimmste Zahnarztbesuch hinter mir liegt. Mein neustes Buch ist viel zu interessant. Die Vorfreude auf den Nachmittagsbesuch ist viel zu gross. Mein Magen knurrt viel zu laut. Das Mittagessen ist gar (Szegediner Gulasch= Sauerkraut mit Voressen und Sauerrahm).

Dienstag, 3. Dezember 2013

Zurück vom Zahnarzt

Sage ich zum Herrn Doktor-Zahnarzt: "Ich bin etwas angespannt, weil ich nicht weiss, was auf mich zukommt." - Sagt er: "Ja, haben Sie noch keine Krone? In Ihrem Alter haben die meisten schon mehr als eine." - Mir würde ja eine Krone am 6. Januar aus Goldpappe völlig reichen. Ich brauche nicht mehrere in meinem Mund zu haben. -  Dann hatte ich 100 Minuten lang Zeit, an die Decke zu schauen, das Atmen nicht zu vergessen und wenn möglich nicht zu schlucken, was er herausgebohrt hat aus meinem armen, alten Backenzahn. Dabei kam mir u. a. in den Sinn, dass ich mit einer Gruppe junger Erwachsener einmal über Ostern in einem Pfarrhaus logieren durfte (Kantonales Ostertreffen). Der Herr Pfarrer war auswärts, und wir hatten es gut und lustig in seinen Räumen. So lustig, dass einer einen Gegenstand so ungeschickt warf, dass er die Marienstatue in der Stube traf. Und da ist doch der Maria wirklich eine Zacke aus der Krone gefallen.

Montag, 2. Dezember 2013

Welch eine Aufregung, welch eine Freude!

Wir sind reich. Wir haben gerade einen Tripp Trapp - Kinderhochstuhl gekauft. Für Kaya, unsere Enkelin. Zwar wollte Reto einen ersteigern auf Riccardo, aber beim ersten Versuch wurde der Preis so hochgetrieben, dass es sich nicht mehr auszahlte. Der zweite Angepriesene war defekt. Huch, haben wir gerade noch gemerkt. Also keine Risiken mehr! Ab in den Laden!

Wir sind immer noch gescheit genug. Wir haben die ganzen Bestandteile tatsächlich so zusammengekriegt, dass der wunderschöne hellgrüne Kinderstuhl nun bei uns am Tisch steht, als hätte er da schon lange hingehört.

Ich bin völlig hin und weg. So war es vor mehr als dreissig Jahren auch, wenn ich jeweils etwas Neues für meine Kinderlein kaufen durfte. Welch eine Aufregung, welch eine Freude! Ein neues Auto hat mich nie derart begeistert.

 aber grün muss er sein, schön muss er sein, eiohhhh!

Sonntag, 1. Dezember 2013

Aber neeei ou! (= aber nein auch)

Schon gestern hatte ich den Plan, heute einen Adventsspaziergang zu machen. Am liebsten durch den Wald und irgend wohin, wo man schön Kaffee trinken kann. Als dann heute Morgen die Sonne kam, weihte ich Reto in meine Pläne ein. Er wollte auch, aber nicht dorthin, wo ich hin wollte (Eschenberg). Weil man am Sonntag den Weg hin und zurück zu Fuss schaffen muss. Fährt im Winter kein Bus. Sein einer Fuss will nicht so weit gehen. Also neue Idee. Da, wo er hin wollte, na klar, wollte ich nicht. Und dazu kam, dass dort das wunderhübsche "Gleis 7" (oder acht?) - Kaffee eben am Sonntag zu ist. - Elgg, warum nicht wieder einmal Elgg?! Können wir fast vor dem Haus ins Postauto einsteigen und in Elgg an der Sonne spazieren. Kaffee gibt es da sicher. Ist ja gross, der Marktflecken.

Kurz vor zwei Uhr sind wir ins Postauto gestiegen und haben uns auf die Fahrt über Land gefreut. Interessiert schaute ich auf den Bildschirm, der die Haltestellen anzeigt - und erstarrte: Das war das Postauto ins Girenbad und nicht nach Elgg!!!!!!! Nach kurzer Beratung stiegen wir in Schlatt aus und wanderten immerhin an der Sonne, aber auch mit bissigem Wind, die Strasse zurück bis Tollhausen (!), wo das nächste Postauto uns dann wirklich nach Elgg mitnahm. Aber in Elgg war jedes Restaurant zu oder aufgegeben worden. Den Kaffee gab es am Bahnhofkiosk vor der Rückfahrt.

Eine recht lange Zeit war ich einigermassen säuerlich; ich hatte ja den Fahrplan nicht ausstudiert. "Nein, muss das sein!" dachte es in mir. Am Schluss war es aber ein sehr schöner Adventsausflug gewesen mit verschneiten Tannen in der Höhe und Alpakas, so herzig, und Sonne und kalten Backen, wie es sein soll im Winter. Ich sagte jaaaa und kochte zu Hause den ersten Glühwein der Saison.