Es war kalt. Es war nass. Und überhaupt. - Aber wir sind mit Tochter und Enkelin zum Fastnachtsumzug gegangen. Und da haben wir das Wetter fast vergessen. Kaya war derart fasziniert von dem, was "wir" ihr geboten haben. Konfetti, verkleidete Kinder, Guggenmusik zum Abtanzen, Sugus in das kleine Händchen gelegt, wo sie doch noch gar nicht weiss, wie man so ein Ding von den Zähnen wieder weg bringt, wo es klebt.
Dann nach Hause zum Aufwärmen. Und mit der gleichen Begeisterung wie sie ihren ersten Umzug genossen hat, schiebt sie den orangen Plastikhocker in der Wohnung herum, den wir von Flüelen hergebracht haben.
Für Kaya ist fast alles neu, und sie betrachtet (fast) alles mit Neugierde und Offenheit und schaut, was sich damit anfangen lässt.
Montag, 23. Februar 2015
Sonntag, 22. Februar 2015
Der Tag nach dem Zügeltag
Reto hat mich heute Morgen gefragt, ob ich nicht vom Bett gefallen sei. - Diese Frage ist mehr als berechtigt, habe ich doch seit etwa fünfzehn Jahren auf einer Matratze am Boden geschlafen. Jetzt also in luftiger Höhe, einfach, weil ein Bett übrig war, das niemand wollte. (Und um ganz ehrlich zu sein, weil es Jahr für Jahr etwas mühsamer wird, am Morgen vom Boden aufzustehen.)
Ich habe saumässig wohl geschlafen im neuen Bett. - Um dann die Unordnung wahrzunehmen und sie flugs nach dem Morgenessen umzuwälzen in Wohlgeordnetheit. - Mein Büchergestell aus meinem ersten Jungmädchenzimmer ist zurück zu mir gekommen. Mein Papi hat es damals extra für mich in Auftrag gegeben. Hat er gut gemacht! Ich liebe es. - Und unter einem Bett, staun, staun, lässt sich so manches versorgen.
Dann gibt es noch die Truhe, in der zu gaaaanz frühen Zeiten meines Vaters "Militärhudle" (Uniformbestandteile) lagerten. - Mein Vater hat sie nach dem Ende der Militärzeit bemalt mit Sonnenblumen und einem Trachtenpaar. - Ich habe sie heute vollgepackt mit Papier, das ich noch brauche. Vorlesungsskripts, Vorlagen für Taufen und Hochzeiten, Ordner mit den Mami-Geschichten, die ich geschrieben habe. Die Truhe ist voll. Das Zimmer ist aufgeräumt. Morgen steige ich in den Keller.
Ich habe saumässig wohl geschlafen im neuen Bett. - Um dann die Unordnung wahrzunehmen und sie flugs nach dem Morgenessen umzuwälzen in Wohlgeordnetheit. - Mein Büchergestell aus meinem ersten Jungmädchenzimmer ist zurück zu mir gekommen. Mein Papi hat es damals extra für mich in Auftrag gegeben. Hat er gut gemacht! Ich liebe es. - Und unter einem Bett, staun, staun, lässt sich so manches versorgen.
Dann gibt es noch die Truhe, in der zu gaaaanz frühen Zeiten meines Vaters "Militärhudle" (Uniformbestandteile) lagerten. - Mein Vater hat sie nach dem Ende der Militärzeit bemalt mit Sonnenblumen und einem Trachtenpaar. - Ich habe sie heute vollgepackt mit Papier, das ich noch brauche. Vorlesungsskripts, Vorlagen für Taufen und Hochzeiten, Ordner mit den Mami-Geschichten, die ich geschrieben habe. Die Truhe ist voll. Das Zimmer ist aufgeräumt. Morgen steige ich in den Keller.
Samstag, 21. Februar 2015
Es beginnt mit einem Knall
Reto und ich sind um sechs Uhr aufgestanden - Zügeltag. Um sieben Uhr wird Reto abgeholt, um in Flüelen unsere Wohnung ganz und gar zu räumen. Fertig Flüelen, nur noch Winterthur.
Ich muss nicht mit, aber ich habe einen schönen Picknick-Korb für die vier Zügelmänner bereit gemacht. Muss nur noch die Schnitzel braten, die ins Schnitzelbrot kommen. So wie mein Mami mir immer eins auf die Schulreise mitgegeben hat. Und ich koche Kaffee, damit die Männer wach und angeregt bleiben.
Zehn vor sieben Uhr. Ich habe meine Arbeiten gemacht. Nur noch den Zucker im Kaffee umrühren. Reicht der lange Löffel bis zum Grund des Thermoskruges? - Dies finde ich nicht heraus, weil es plötzlich einen lauten Knall gibt. Der Kaffee läuft aus dem Krugboden. Es hat das Glas verjagt. Thermos in 1000 Glassplitterchen. Der Wärmeunterschied zwischen Keller und heissem Kaffee war wohl zu krass.
Unterdessen ist es halb fünf Uhr abends. Reto ist längst wieder hier. Viel Ware auch. Nun warte ich nur noch aufs Telefon unseres Sohnes, dass auch sie gut heimgekommen sind. - Morgen (Sonntag) beginnt das Verräumen.
Ich muss nicht mit, aber ich habe einen schönen Picknick-Korb für die vier Zügelmänner bereit gemacht. Muss nur noch die Schnitzel braten, die ins Schnitzelbrot kommen. So wie mein Mami mir immer eins auf die Schulreise mitgegeben hat. Und ich koche Kaffee, damit die Männer wach und angeregt bleiben.
Zehn vor sieben Uhr. Ich habe meine Arbeiten gemacht. Nur noch den Zucker im Kaffee umrühren. Reicht der lange Löffel bis zum Grund des Thermoskruges? - Dies finde ich nicht heraus, weil es plötzlich einen lauten Knall gibt. Der Kaffee läuft aus dem Krugboden. Es hat das Glas verjagt. Thermos in 1000 Glassplitterchen. Der Wärmeunterschied zwischen Keller und heissem Kaffee war wohl zu krass.
Unterdessen ist es halb fünf Uhr abends. Reto ist längst wieder hier. Viel Ware auch. Nun warte ich nur noch aufs Telefon unseres Sohnes, dass auch sie gut heimgekommen sind. - Morgen (Sonntag) beginnt das Verräumen.
Freitag, 20. Februar 2015
Ein Schmetterling macht noch lange keinen Frühling
Und doch - wir haben heute auf unserem stündigen Sonnengang einen "Sommervogel" (Schmetterling) gesehen da und dort und an noch einem Ort. Waren es sogar mehrere? Und wovon ernähren sie sich? Reichen die vielen kleinen blauen Blümchen, denen ich "Chatzenöigli" sage, die aber laut Google "Ehrenpreis" heissen? Reichen sie, um den Sommervogel am Leben zu halten? Und was brauchen wir für unser Leben? - Ich habe Reto heute Morgen zum Frühstück im "Gottlieber" in Winterthur eingeladen. Das war gemütlich. Ich brauche immer mal etwas fürs Gemüt. Besonders, wenn ich ab morgen bis und mit Montag das und jenes Essen meiden muss, weil ein Doktorbesuch ansteht. Ein weiterer. Nur präventiv. Aber was wäre, wenn...
Was wäre, wenn - solche Gedankenspiele können sehr anregend positiv sein. Was wäre, wenn ich hundert Jahre alt würde? (Ich rede immer von 75 Jahren, die mir vielleicht zukommen.) Jedenfalls freue ich mich auf den Frühling, der seine Boten vorausschickt. Das Sprichwort heisst aber richtig "Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling."
Was wäre, wenn - solche Gedankenspiele können sehr anregend positiv sein. Was wäre, wenn ich hundert Jahre alt würde? (Ich rede immer von 75 Jahren, die mir vielleicht zukommen.) Jedenfalls freue ich mich auf den Frühling, der seine Boten vorausschickt. Das Sprichwort heisst aber richtig "Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling."
Donnerstag, 19. Februar 2015
Ein Jahr älter
Meine bete Freundin hat heute Geburtstag. Ich denke von morgens bis abends immer mal an sie und hoffe, dass sie wunderbar feiert und gefeiert wird. Und ich bin ein bisschen schadenfreudig - sie ist nun ein Jahr älter als ich. Einen ganzen Monat lang. Ha, wie ich mich jung fühle! - Jung schon, aber nicht mehr so ganz intakt. Ich war heute zum zweitenmal bei der blonden, jungen, taffen Augenärztin. Fragt Sie die berühmte Arztfrage: "Wie geht es denn heute?" - Sage ich: "Ein bisschen besser." Schaut sie in meine Augen hinein mit ihren Metalldetektoren. Sagt sie: "Sie müssen noch besser reinigen und neue Tröpfchen applizieren und übrigens, das wird nie mehr, wie es einmal war." - Poing! Da weiss ich es. Ich bin ein bisschen "futsch" und nicht mehr neuwertig reparierbar. Dabei fühle ich mich an diesem Vorfrühlingstag einfach super. Und ich bin ein Jahr jünger als meine beste Freundin!!!
Mittwoch, 18. Februar 2015
Heute ist ein Zwischentag
Ich bin zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zwischen Passivität und Aktivität. Zwischen Gesundheit und Krankheit. Zwischen Trauer und Freude. Zwischen Alleinseinwollen und Gerningesellschaftsein. Zwischen Bildern und Konkretion. Zwischen Lachen und Weinen. Zwischen Aufbruch und Sitzenbleiben. Zwischen.
Ich bin in Flüelen (virtuell) und in Winterthur (wirklich).
Ich bin in der Finsterthüele und in Winterthur.
Ich bin Kind, Jugendliche und alte Frau.
Ich bin.
Auf einer mitgebrachten Karte, die in Flüelen hing, steht:
"Manchmal suchen wir so lange den Schlüssel zum Glück, bis wir entdecken, das er steckt."
Ich bin in Flüelen (virtuell) und in Winterthur (wirklich).
Ich bin in der Finsterthüele und in Winterthur.
Ich bin Kind, Jugendliche und alte Frau.
Ich bin.
Auf einer mitgebrachten Karte, die in Flüelen hing, steht:
"Manchmal suchen wir so lange den Schlüssel zum Glück, bis wir entdecken, das er steckt."
Montag, 16. Februar 2015
Hurrah, der Schlüssel ist wieder da!
Sechs Jahre lang haben wir die Schlüssel unserer Ferienwohnung, meiner Fluchtburg in Flüelen, getreulich gehütet - und dann, letzte Woche, hat Reto einen Wohnungsschlüssel verloren. Wie haben wir gesucht und "gewerweisst", wo er sein könnte, wie er verloren gegangen sein könnte. Reto hat gar an seinem Verstand gezweifelt. Ich (noch) nicht. - Beide haben wir heimlich ganz stark gewünscht, dass der Schlüssel sich "einfach" wieder einfinde. Und er hat es getan. Ohne jegliche Vermisstenanzeige von uns, ist er wieder da. Jemand hat ihn gefunden und ihn an geeigneter Stelle abgegeben. Heute schliessen wir ihn wieder - nicht in die Arme - in die Hand. Und am Samstag gibt ihn Reto definitiv an den Vermieter zurück. Hoffen wir, es kommt gut!
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