Dienstag, 9. Juni 2015

Satt...

"So, wie geht es euch zweien?" fragt uns ein ansehnlicher Mann im karierten Hemd und in seinem besten Alter im Bus von Vordemwald nach Zofingen. Wir kennen ihn nicht, aber er ist gerade an der Haltestelle bei der Behindertenwerkstätte eingestiegen. Wir sagen, es geht uns sehr gut, und ihm? Er ist auch zufrieden. "Was habt ihr gemacht heute?" fragt er weiter. "Wir haben im Restaurant Zmittag gegessen." sagen wir. "Und was?" - "Leberli und Rösti." - "Mmmmhhh! Ich hatte Polenta. Hattet ihr auch ein Dessert?" - Ja, hatten wir. Und überhaupt hatten wir einen wunderbaren Tag, der sooo satt machte. Feines Essen, gute Gespräche, überraschende Porträtfotos, grosser Garten, interessante Gastgeber. - Jetzt ist es Zeit, allem nochmals nachzugehen in Gedanken und froh und dankbar zu sein über die Frage: "So, wie geht es euch zweien?"

Montag, 8. Juni 2015

Siebzehn Uhr

Wo ist der Tag geblieben? Und der gestrige? Und der davor? Und der noch davor? - Alles geht wieder so rasend schnell. Und vieles ist so schön, dass ich es gern ein wenig festhalten würde. Wenigstens schriftlich. Lieber noch in Herz und Sinn.

Chronologie der letzten Tage:
  • Freitag: Treffen mit den GWUMs, den ganz wunderbaren Menschen, meinen Studienfreundinnen in Thalwil. Wunderbares Jerusalem-Kochbuch-Essen. Feiner Ripasso. Vertrautes Reden und Sein. Wie gut, wie gut, dass ich da dazugehören darf! - Heimkehr um Mitternacht.
  • Samstag: Aufstehen um sechs Uhr. Mit ÖV nach Wattingen/Wassen. Dort ein so herziges, schelmisches Meiteli taufen. Es hat nicht einmal geweint bei drei "Gutsch" Wasser übers Köpfchen. Mittagessen mit der Taufgesellschaft im "MartiniF" in Wassen. Wohlsein bei Martin und Theres, aber vor dem Dessert wieder heimzu in furchtbar heissem, ungekühltem Interregio bis Zürich. Mit vielen, vielen Mitleidenden. Mobilität, Dichtestress lassen grüssen...
  • Sonntag: Aufräumen, ankommen back home. Gegen Abend in "Das Zelt" in Wiesendangen. Reto zieht sein Weihnachtsgeschenk von mir mit mir zusammen ein > "Duo Fischbach". Nicht alle Witzlein gefallen mir, aber der Tiefsinn schon, der immer wieder aufscheint. - Wir bewundern die Leistung des Paares an diesem furchtbar heissen Abend. Herr Freiburghaus hat denselben Jahrgang wie Reto.
  • Heute Montag: Kaya-Hütetag. Wir haben Bauernhof gespielt, alle Holzkügelchen zum Auffädeln am Boden verteilt und später wieder eingesammelt, Walderdbeeren im Garten geerntet, eine Wähe samt Teig gemacht, Pizzocheri zum Zmittag gekocht, Mittagsschlaf gehabt, "göötschet" (= mit Wasser gespielt), dem Mami vorgeflötelt, Kaffee getrunken, Nussschalen aus dem Wasser gefischt mit Siebchen, alles wieder eingesammelt und versorgt.
Jetzt ist gut. Was aufgeschrieben ist, geht nicht verloren. Ich habe gelebt. Und wie!

Sonntag, 7. Juni 2015

Trarira, der Sommer, der ist da


 

Reto am "Pool" überwacht Klein-Kaya, die mit dem Aromat-Streuer spielt. Im Hintergrund unser "Sommerhaus", das wir stehen lassen, bis es Sturm und Wind fällen. Ah, ja, und rechts von Reto an der Hausecke steht das neue heilige Bäumchen von meinem lieben Ehemann - ein Feigenbaum im Topf. Reto muss jetzt den Nachbarn nicht mehr beneiden...

Freitag, 5. Juni 2015

Glanzvoller Sonntag am Donnerstag

Den katholischen Feiertag "Fronleichnam", auch genannt "Herrgottstag", kann ich nicht erklären. Aber dass wir gestern in Göschenen einen glanzvollen, warmen, strahlenden, reichen, wunderbaren Sonntag mitten in der Woche feiern durften, das kann ich erzählen. - Eigentlich ist der Herr Sekretär schuld, der unserem kleinen Zögern ein Ende gemacht hat mit dem Versprechen auf eine Gratiswurst.

"Gratis" leitet sich ab von "Gratia", und das ist pure Gunst, Gnade, alles ohne Bezahlung, auch nicht der Sünde Soll, sondern reine Grosszügigkeit. Da war dann nicht nur die Gratiswurst dabei, sondern auch der Gratiswein, der Kaffee mit Schnaps und vor allem die Gastfreundschaft der Göschener, ja, des ganzen Seelsorgeraumes Urner Oberland. Das ist Kirche, wie ich sie am liebsten mag, Kirche, die feiert, Kirche, die Menschen zusammenbringt!

"Verwurzelt und verzweigt" hiess das Motto. Liebste Urner Oberländerinnen und Oberländer, ihr habt einen grünen Zweig in Oberwinterthur

Mittwoch, 3. Juni 2015

Du bist deine Geschichte

Wenn ich mit unserer Enkelin spiele oder ihr ein Bilderbuch erzähle, dann kommt manchmal die "dumme" Frage auf: Wie lange? Wie viele Jahre darf ich noch? Wird sie sich an mich, an uns erinnern, wie ich mich an alle vier Grosselternteile erinnere?

"Dumm" ist die Frage, weil es sich lohnt, ganz im Moment zu leben. Gestern im "Sommerhaus" aus lauter Leitüchern und drei Pfählen, die Reto unter dem Ahorn für uns eingerammt hat. Ich habe eine kleine Glocke mit einer Schnur neben der Tuchtür aufgehängt, und dann wurde gespielt. Kaya läutet, ich schaue nach. "Ah, grüezi Frau Burri. Möchten Sie eine Tasse Kaffee?" - Die zweijährige Frau Burri wollte, und der Kinderkaffee (Wasser und ganz wenig Caotina) schmeckte vorzüglich. Zum Zvieri luden wir dann den Grosspapi auch noch ein. Reiswaffeln und Früchte.

Ganz in der Gegenwart leben. Und dann wieder ganz in Erinnerungen leben. "Du bist deine Geschichte." Das ein Satz aus meinem neuen Buch/neues Glück von Ulla Hahn. Da sagt der sehrsehr geliebte Grossvater zur Enkelin:

"Egal, wie andere dich sehen, oder was andere wünschen, was aus dir werden soll. Du kannst dich dir selbst erzählen. Du bist deine Geschichte. Lass nicht zu, dass andere deine Geschichte schreiben."

Ich aber wünsche mir, dass ich noch ein Stück Geschichte bekomme. Grosi-Geschichte. Mutter-Geschichte. Freundin-Geschichte. Ehe-Geschichte.

Dienstag, 2. Juni 2015

Neues Buch, neues Glück

Ich lese ein Bibliotheksbuch: Ulla Hahn, Aufbruch. - Ein Buch voller Bilder über eine Zeit, die ich auch erlebt habe. Sechzigerjahre. Erwachsenwerden. Schwierige Zeit mit der Liebe, den Verliebtheiten und Entliebungen. Lernen in der Schule. Lernen am Leben, für das Leben. - Ulla Hahn ist eine Wortspielerin. Ich mag das Buch sehrsehr (ein Doppelwort von ihr).

Jetzt aber erwacht Kaya vom Mittagsschlaf. Wir werden ein Sommerhaus bauen im Garten. Kaya zügelt bald. Heute üben wir umziehen.

Montag, 1. Juni 2015

Ein gefährliches Tier

Haben wir sie vielleicht am Morgen mit nach Hause gelockt, als wir an der Pferdekoppel standen und schauten? Hat sie Kater Nepomuk erwischt, der heute den ganzen Tag verborgen unter Sträuchern liegt und nur noch schlapp ist? Lauert sie uns auf in den nächsten Tagen?

Ich war in der Küche, um Milch zu wärmen für die zweite Runde Milchkaffe. Da erscholl vom Garten mehrstimmiges Rufen:" Oh, was ist das für ein Tier? Ein Untier?" - Ich rannte in den Garten. Meine Familie würde ich vor Wölfen und Bären verteidigen. Gewiss und auf Ehr!

Aber da krabbelte im Gras nur ein grosses Insekt herum. Ich fing es ein im Lupenbecher von Kaya, und dann konnten wir das Untier gar noch vergrössert, aber in Sicherheit betrachten. Hier ist sie, die "Rossbräme" (Rossbremse); sie kann auch Menschen stechen, bevorzugt aber Pferde und Rinder:



Als die Heldin des Tages - ich - wieder in die Küche trat, da kam mir die Milch entgegen. Auf höchster Stufe kochte sie berghoch über die Pfanne hinaus.