Freitag, 8. März 2019

Mein und ihr Zimmer wird immer schöner

Manchmal denke ich, Materie erstickt mich, Zeug überbordet, zuviel ist zuviel. Aber heute ist ein pinkes Tülldings per Post gekommen, das ich sofort in ihrem und meinem Zimmer aufgehängt habe. Es ist ein Prinzessinnenröcklein für mein Siebziegerfest im Mai. Unsere Enkelin wird da die Prinzessin geben. Ich bin die alte Königin und Reto der König. Alt oder nicht alt, wie er will. - Es dauert bis dahin, aber das Zubehör und Zusagen und Absagen nehmen zu. Meine Vorfreude auch. Schade, dass unser Schloss in der Nähe klein ist und ich nicht die ganze Welt zum Mitfeiern einladen kann. - Damals in Göschenen, vor zehn Jahren, war im alten Bahnhofbuffet so viel Platz, dass einfach alle zum Apéro kommen konnten. War das schön! - Jetzt aber: Mein und ihr Zimmer wird immer schöner. Und vorfreudiger und tagesfreudig sowieso. Ich teile mein Zimmer gern zeitweise mit meiner Enkelin. Pink käme sonst darin nicht vor.

Donnerstag, 7. März 2019

Reise und ankommen in der Fastenzeit

Meine Kirchenbindung ist sehr schwach geworden in den letzten wenigen Jahren. Ernüchterung, Enttäuschung. An der Weltkirche vor allem. Ich kann die unheilige Missbrauchskirche nicht mehr nahe an mich heranlassen. Aber eine Sache ist geblieben: Wenn der Fastenkalender um den Aschermittwoch herum im Briefkasten liegt, dann interessiert es mich, welche Gedankenanstösse zu meinem Leben mir gemacht werden. - Diesmal soll ich meinen Koffer packen und das Vertraute verlassen. Als erstes ist eine Packliste zu erstellen. Wie richtig. Was nehme ich mit. Was lasse ich zurück. Weil es zu viel ist oder ausgedient hat. Bedenkenswert.

Mittwoch, 6. März 2019

Stein am Rhein again

Wir sind noch nicht lange zurück von Stein am Rhein. Unsere Tochter hat uns zu einem feinen Mittagessen eingeladen mit netter Bedienung. Dann Spielplatz mit Tochter und Enkelin und später nur Enkelin, weil die Tochter zur Arbeit musste. Den Leuten Blut abzapfen im Auftrag des Schweizerischen Roten Kreuzes. - Auf der Heimfahrt im Turbo-Zug waren wir zu dritt unter uns. Da hatte Kaya die Idee, wir könnten Versteckis spielen. Das haben wir bis kurz vor Oberwinterthur getan. Das war einmalig und lebendig und lustig. Warum musste ich fast siebzig werden, um erstmals im Zug Versteckis zu spielen!

Dienstag, 5. März 2019

Ich behalte das Buch

Manchmal lese ich eines meiner Bücher zum zweitenmal oder sogar zum dritten Mal. Weil es so gut ist oder auch, weil ich nicht weiss, will ich es behalten. Der Platz in unserer Bäbistubenwohnung ist beschränkt und trotz gegenteiligen Beteuerungen, ich müsse keine Bücher mehr kaufen, kaufe ich immer wieder eines, zwei, drei. - Heute habe ich "Wir sehen uns wieder" von Hanns Dieter Hüsch zum drittenmal fertig gelesen. - Der Poet und Kabarettist ist schon 2005 gestorben, aber bei mir lebt er noch. - Vom Sterben und Weiterleben handelt sein Buch. Er lernt Gott in Dinslaken kennen, als der gerade seine Schwester besucht. Gott lädt ihn zu einem Besuch im Himmel ein und bittet ihn, ihm dort seine Geschichten vorzulesen. - Skurril genug? - Es heisst in der Bibel, der Mensch sei das Abbild Gottes. Hüsch kehrt das um, was ja auch stimmen muss. Gott ist überaus menschlich und kennt alles, was uns umtreibt. Und die Verstorbenen im Himmel bleiben, was sie waren und wie sie waren. Nur alles friedlich. - Zum Lachen und zum Weinen. - Am Schluss darf sich Hüsch einen Heiligenschein aussuchen:

"Du hast ihn zwar nicht verdient, aber er würde dir bestimmt ausgezeichnet stehen."

Hüsch nimmt an, und Gott gibt ihm eine Margrite und Himbeeren für seine Frau mit nach Hause. Gott selber geht mit seinen Schutzengeln chinesisch essen.

Montag, 4. März 2019

Wer bin ich

Zwei Montage hintereinander kommt unser Hütekind nicht. Ferien, Fastnacht. - Ist doch gut, denke ich, dann habe ich viel Zeit für anderes. Aber dieses Andere kommt mir luxuriös vor. Ich darf machen, was ich will. Ich bin ja pensioniert. Lieber malen, schreiben, stricken oder etwas Neues ausprobieren? - Immer noch ist da das Gefühl, dass ich "arbeiten" müsste, etwas "Gescheites" tun, z.B. Kinder hüten. - Wie habe ich über meinen alten Onkel gelästert, der nach der Pensionierung fand, nun sei er nichts mehr wert, also habe sein Leben keinen Sinn mehr. - Verflixt, ich bin von der gleichen Denkweise infiltriert. Workshop suchen mit dem Thema "Wer bin ich, wenn ich nur ich bin?". Ohne alles Zubehör. Ich lache immer über Todesanzeigen, in denen 90 jährige Verstorbene immer noch Doktor Professor und so weiter sind. Letzthin hat Reto laut gelacht, weil da stand "Adjutant Unteroffizier". Welch ein Rang, welch eine Bedeutung - über den Tod hinaus! Aber im Leben? Im Leben nach der Pensionierung?

Samstag, 2. März 2019

Gutscheine wirken - leider auch bei mir

Seit Jahren versuche ich widerständig zu sein, was die ganzen Bons, Gutscheine, Aktionen betrifft, die unsere Einkaufstempel uns ständig in die Hand drücken, vor die Augen stellen und uns elektronisch zukommen lassen. Ich sage dann laut und deutlich: "Die wollen nur Kundenbindung! Ich lasse mich nicht …!" - Aber heute ! Habe ich selbst den Gutschein eingepackt, der im Schublädchen lag. Für hundert Franken Einkauf gibt es tausend Superpunkte dazu. Wir werden gewiss für hundert Franken einkaufen, wo so manches ausgegangen ist. - Eifrig haben wir unseren Einkaufswagen beladen. Noch Zwieback für kranke Tage und Handseife mit Honig, warum nur ein Pack Spaghetti, vier sind teurer, und den Käse von der Alp, wo wir mal mit dem Josef Pfarrer waren, Apérogeknabber brauchen wir auch, dazu zwei, drei Fläschli Wein... - An der Kasse schaut Reto den Bon genau an. Er ist erst übermorgen gültig.

Freitag, 1. März 2019

Flammkuchen mit Birnen und selbst gesammelten Baumnüssen

Die Siebziger Geburtstage gehen weiter. Gestern hatte unser lieber Schwager Meinrad seinen geheimnisvollen Jubeltag. Meine Schwester, seine Frau, hatte ihn im Ungewissen gelassen, wen sie eingeladen hatte als Überraschungsgäste. wir waren mit von der Partie. Und es war sehr schön und sehr fein und auch lustig. - Die Kinder des Gastgebers waren alle da mit Angehörigen. Der Tisch war rundum besetzt. Und obendrauf stand immer eine gute Flasche Rotwein mit wechselnden Zugaben. Süsses und Salziges. Wir schlemmten und fühlten uns wohl. Der Flammkuchen von Meinrad himself mit Birnen, Nüssen und allerlei war ein Gedicht:

Flammkuchen am Jubeltag und Wein
Gäste gutgelaunt und gross und klein
da macht es Freude älter zu werden
ich begebe mich bald auf Meinrads Fährten.

So oder anders.