Mittwoch, 22. Januar 2020

Zweimal neunzig

Wir waren heute zum Brunch eingeladen bei meinem Firmgötti und seiner Frau. Beide sind letztes Jahr neunzig Jahre alt geworden. Man glaubt es kaum. Zwar hat mein Firmgötti Mühe beim Gehen, aber er geht. Und seine Frau sprüht vor Energie. Sie schmeisst den Haushalt, umsorgt ihren Mann und ist voller Dankbarkeit für das wunderbare Leben, das sie noch haben dürfen. Er hat gerade ein I-Phone bekommen auf Weihnachten und fragt keck, ob ein alter Freund auch WhatsApp habe. Hat jener nicht, ich aber. - Auf dem Heimweg sind wir voll des Staunens und - macht das Erlebte nicht auch Hoffnung, wenn man schon jenseits der siebzig ist? Ist ja noch gar nichts!

Dienstag, 21. Januar 2020

Letzte Weihnachtsreste weggeputzt

Unsere Enkelin und ich hatten mein/unser Zimmerfenster mit Weihnachtsbildern bemalt. Kaya hatte die Krippe übernommen. Dazu ganz viele Sterne in allen Grössen, mit und ohne Schweif. Tannenbäume mit und ohne Kugeln und Kerzen hatten wir beide gemalt. Mir ist ein echt guter Kauz gelungen und ein weniger guter Hase unterwegs. - Aber jetzt passt das alles nicht mehr so recht. Ich habe unser Fenster geputzt. Ganze Weihnachtsherrlichkeit im Waschwasser. Nur die Weihnachtsguetzli sind immer noch nicht aufgegessen. Reto leidet ein wenig, weil es so lange die Büchsen nicht leer sind, keine Fasnachtschüechli gibt.

Montag, 20. Januar 2020

Zweitausendsiebenhundertvierundzwan-zig Seiten

Ich habe gestern ein neues Leseprojekt begonnen. Ich will ein Buch ganz und gar lesen, das ich schon zweimal begonnen hatte, aber beidemal bei Seite zwanzig wieder weglegte. Unlesbar für mich, als ich jung war. Nützte auch nichts, dass mein lieber Götti davon schwärmte. Thomas Mann schreibt einfach umständlich, fand ich. Sätze, so lang, dass man beim Punkt den Anfang vergessen hat. Seitenweise Beschreibungen, bis etwas passiert.
Jetzt bin ich alt und habe Zeit. Ich will "Joseph und seine Brüder" lesen. Alle 2724 Seiten. Ehrenwort. Der erste Satz gefällt mir ungemein, und er ist kurz:

"Tief ist der Brunnen der Vergangenheit."

Auf Seite zwei dann steht schon so ein Thomas-Mann-ewig-langer-Satz: Er umfasst eine ganze Seite. Die Wörter mag ich nicht zählen. - Die ersten zwanzig Seiten habe ich schon gelesen. Diesmal mache ich weiter.

Sonntag, 19. Januar 2020

Sonntag ist es

In der Stube läuft der Fernseher. Heute kommt viel Sport im Schnee von Wengen und anderswo; Reto hat viel zu gucken und kommentieren. Fast verpassen wir die feinen Schneeflöckli vor unseren Fenstern. Am Anfang konnte man sie einzeln zählen. Jetzt fallen sie dichter, aber ganz fein und leise. Gleichzeitig scheint die Sonne. Man müsste sich hinsetzen und nur schauen. Vielleicht sind es die einzigen Schneeflöcklein in diesem Winter in tiefen Lagen. - Ausser meinen Ohren und Augen ist auch meine Nase beschäftigt. Schnuppern, wie fein die Bündner Gerstensuppe jetzt schon riecht, die Reto "ob" getan hat. - Ich habe mich in mein Zimmer zurück gezogen. Weiss noch nicht, ob ich "Rumantsch" üben will oder eher an meinen Erinnerungen schreiben. Sonntag ist es. Ich darf, was ich will.

Samstag, 18. Januar 2020

Fern oder nah

Gestern fuhren wir nach Wassen zu einem "Fürbittegebet" für einen verstorbenen Menschen, den wir recht gut gekannt haben. In der Kirche sass neben mir eine Frau, in deren Küche ich oft Kaffee getrunken habe, als wir in Wassen wohnten. Natürlich fragten wir uns nach unserem Ergehen. - Sie sagte, eigentlich gehe es gut. - - - Aber ihr Enkel, der herzige lebe in Amerika. Rede koreanisch und englisch. Nicht "göschnerisch". - Wir haben unsere Enkelin so nah, dass wir ihr vom Trottoir aus zusehen können, wie sie von uns zu ihr nach Hause geht. Wink, wink und noch einmal, und dann verschwindet sie hinter der Gartentüre. - Wir haben unsere Enkelin so nah, dass wir heute unmittelbar danach auf ein gutes "Elterngespräch" in der Schule anstossen konnten. - Was die Lehrerin gelobt hat, erstaunt uns nicht, weil wir das Kind ja kennen. Gut, für die Lehrerin, dass sie unserer Meinung ist!

Freitag, 17. Januar 2020

Abstimmungsunterlagen

Am 9. Februar sollen wir abstimmen (oder postalisch noch ein paar Tage vorher). Noch selten war das Abstimmungscouvert so dick wie diesmal. Bei zwei kantonalen Vorlagen gibt es mehrere Vorschläge. Wählen Sie a oder b. Falls a und b angenommen werden, was bevorzugen Sie? - Ich werde viel lesen müssen. Nur bei der "Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung" bin ich glasklar. Wie gross darf ich mein "JA" schreiben, dass es legal ist? - "Rosengartentram" tönt so schön, aber nicht einmal die Anwohnerinnen sind sich einig, was am besten sei. Wie sollte ich dann wissen...Ich kann auch leer einlegen.

Donnerstag, 16. Januar 2020

Wir spielen

Heute ist ein langes Rollenspiel im Gang. Unsere Enkelin spielt mit uns Ferien. Reto ist der Hoteldirektor, der lauter Quatsch macht. Ich darf für einen Moment den Hotelcomputer benützen, aber Kaya will in eine anderes Hotel ziehen, weil der Direktor untauglich ist. Immerhin haben wir aber Sirup serviert bekommen und Haferflöckli -Crunch.