Sonntag, 31. Mai 2015

Ziebeli setze; Umeguggis

Als Kinder spielten wir diese Spiele: "Ziebeli setze" (Zwiebeln setzen) war ein Kreisspiel. Kleine Kinderzwiebeln wurden ausgerupft und mussten rennen. "Umeguggis" spielte man in der Reihe vis-à-vis vom Fänger, von der Fängerin. Dieses Kind musste sich zum Baum oder zur Hauswand kehren und durfte einen Moment lang die anderen nicht sehen, die in dieser kurzen Zwischenzeit so viele Schritte Richtung fangendes Kind machten, wie sie nur konnten. Aber wenn dieses sich drehte, musste man bocksteif stehen, sonst war man dran.

Wir haben echte Zwiebeln gesetzt. Relativ spät. Genau vor meinem Zimmerfenster. Und wenn ich mich ins Zimmer kehre und mich dann wieder umdrehe, sind die Zwiebeln gewiss schon wieder gewachsen.

Samstag, 30. Mai 2015

Nachschauen, wo wir waren

Gestern haben Reto und ich ein GA-Fährtli (kleine Reise mit dem Generalabonnement) gemacht. Zuerst ging es nach Solothurn. Wir haben vor allem Hintergässchen abgeklappert. Schön und ein wenig dem Verfall übergeben. Schön im Verfall. Dann haben wir im Garten des Restaurantes"Salzhaus" Zmittag gegessen. Ich hatte die Baumgruppe im Blick, wo ich vor nicht vielen Jahren mit unserem Freund Hans und dessen randständigen Kumpels "echli Wiisse" (Weisswein) gerunken habe. Nur den Haschisch-Ofen bekam ich nicht gereicht. Hans ist tot. Er fehlt.

Was am Nachmittag? - Mit dem GA kannst du in irgend einen Zug steigen, was wir getan haben. Moutier - Biel war die Strecke ab Solothurn. Da kamen so schöne Ortsnamen wie Gänsbrunnen, Sonceboz und Taubenloch. Zum Teil wunderbar weite, grüne Landschaft, aber immer wieder heruntergekommene Dörfer. Im Zug ein afrikanischer Mitreisender, der dauernd laut mit sich selbst sprach. Englisch und französisch. Wir waren gwundrig und abgestossen gleichzeitig. Er stieg auch in Biel aus und schwieg endlich. - Wir mussten zu Hause nachschauen, wo wir gewesen waren.

Donnerstag, 28. Mai 2015

David Grossmann, Eine Frau flieht vor einer Nachricht

Siebenhundertachtundzwanzig Seiten stark ist das Buch, das ich gestern Abend fertig gelesen habe. Es endet mit einem offenen Schluss. Die Geschichte endet also nicht, so wie unsere Geschichten auch nicht enden. Wir sind verwoben von Generation zu Generation. Und wir tragen mit an der Geschichte unserer Zeit. Je älter wir werden, umso mehr erkennen wir, wie sich alles wiederholt. Und wie auf der ganzen Welt die Menschen kämpfen um Gut und Böse. Nur wenigen geht es so fantastisch gut wie uns.

Die Frau, die flieht vor einer Nachricht, lebt in Israel. Ihr Sohn ist im Militär und nimmt an einem Einsatz im Palästinensergebiet teil. Die Frau flieht siebenhundertachtundzwanzig Seiten lang vor der Nachricht, der Sohn könnte tödlich getroffen werden. Und am Schluss weiss ich ihre Biografie, aber nicht, wie es dem Sohn ergangen ist.

David Grossmann, der israelische Autor, hat seinen jüngeren Sohn Uri verloren im Zweiten Libanonkrieg. - Das Buch ist wahr. Wahrer als ich es haben müsste. - Ich stehe politisch meist näher bei den besetzten Palästinensern. Im Studium in Luzern hat uns eine israelische Dozentin erzählt, wie es ist, an keinem Tag des bisherigen vierzigjährigen Lebens nicht unter ständiger Bedrohung zu leben. Raketen. Selbstmordattentate. Alles jederzeit möglich. Überall.

Wie macht man Frieden?

Mittwoch, 27. Mai 2015

Spielkiosk

Kaya und ich sind müde von des Tages (Müh und Last, heisst es im Lied) Spiel und Freud, meine ich. Vorher sass sie in Mamis/Judiths Auto mit dem Daumen im Mund und soooo müden Augen. - Daumen im Mund ist nichts für mich, aber ich glaube, ich gönne mir einen Schluck Rotwein. Feierabendgefühl - eben nach Spiel und Freud. Aber auch nach Apfelkuchen backen mit Kaya, Kinderhöschen waschen, weil verkackt, Hörnli und Griechische Hackbällchen zubereiten, zum Markt in der Nähe gehen, dort im Spielkiosk Kaya zusehen, wie sie auf der grossen, dicken Matte herumturnt. Immer ein bisschen Angst, dass ein anderes Kind auf sie fällt. Immer von Kaya aufgefordert, etwas zu sagen, wenn sie zu mir kommt. Kikarakaku, balladurida oder so Sachen. Und lachen. - So eine gute Idee von den Kirchen und der Stadt, einen Spielkiosk einzurichten, wo Kinder gratis Spielgeräte benutzen dürfen! So eine gute Idee! Aber jetzt bin ich müde, hole mir ein Fläschchen aus dem Keller und flegle mich aufs Sofa. Wer holt mir zu essen vom Kiosk, ähhh Kühlschrank?

Dienstag, 26. Mai 2015

Bescheidener Stolz

Meine neuen dunkelblauen Espadrilles waren, ehrlich gesagt, ein bisschen enttäuschend. Zwar überaus fair Trade machen sie einen plumpen Fuss oder natürlich zwei solche, was nicht besser ist. Ich habe überlegt. Knöpfe aufzunähen, lustige? Zwar besitze ich ein grosses Reservoir an "allergattig" Knöpfen. Ich habe mir ja diejenigen von meinem Mami vererbt. Aber leider sind sie nicht lustig oder fröhlich sondern meistens blau, grau oder schwarz. Was also? - Die Lösung trifft zwei Fliegen mit einer Klappe: In einer Schublade lagen selbst gefilzte Blumen. Bei Leandra mit viel Freude hergestellt. Aber was mit ihnen anstellen? - Gestern habe ich zwei davon mit Knopflochstichen auf meine Espadrilles genäht. Jetzt habe ich Schuhwerk, das einzig ist auf der Welt. Da darf ich schon ein bisschen stolz sein oder ganz fest stolz, weil ich ja eigentlich nicht nähen kann.

Montag, 25. Mai 2015

Ganz fern und ganz nah

Wir waren zu Besuch und haben über Australien gehört. Da waren wir noch nie und werden wir nie sein. Aber im Facebook war jemand in Alberobello bei den Trulli-Häusern. Da waren wir und erinnern uns gern. - Heute waren wir, wo wir auch noch nie waren. Ganz nah und bisher dennoch unbekannt.

Zuerst nahmen wir den Weg zum Schloss Hegi wie so oft. Einbiegen ins Hegifeld. Gehen bis zum "Brüggli" über den Bach, dann rechts den Bäumen am Bach entlang. Kistenpassstrasse überqueren, weiter in gleicher Richtung. Und schon sahen wir den Wald, wo wir noch nie waren. Fanden eine Feuerstelle, wo wir mal bräteln wollen. Und dann die übermächtiggrosse Eiche! Wer hat schon so einen riesigen Baum gesehen?!! In Australien oder in Süditalien? - Wir standen und gafften. Zwei Frauen und ein Mann kamen. Wir standen alle zusammen und unterhielten uns über den Baum. Der Tag hat sich gelohnt.

Sonntag, 24. Mai 2015

Während Reto in der Kirche ist...

Ich bin rekonvaleszent. Deshalb bleibe ich heute einmal einfach zu Hause und tue nichts. Jedenfalls fast nichts. Ich habe nur das Geschirr vom gestrigen Besuchsabend abgewaschen und versorgt und noch schnell die Silbergabeln aufpoliert. Ferner habe ich mir überlegt, wie ich ohne allen Aufwand zu zwei neuen Lätzli für Kaya kommen könnte. Und dann habe ich sie gemacht. In zwei kleine Frottiertüchlein Halsausschnitte geschnitten mit der Zickzackschere und Bändel angenäht - und schon sind wir im Besitz von neuen praktischen Lätzli. Und die Geschenktüchlein haben eine Funktion. Endlich. - Reto betet unterdessen in der Kirche auch für mich. Pfingstgeist ist ja immer gut und willkommen.