Donnerstag, 29. Januar 2026

Blumenkohl zum Zweiten

 Ich möchte ja nur einen Rest Blumenkohl "versuppnen". Aber auch dies kann man einfacher oder komplizierter machen. Drei Kochbücher habe ich gewälzt und dann Kokosmilch im Keller geholt. Blumenkohlsuppe nicht nach Ottolenghi - zu kompliziert. Nicht nach Familie Storl - sie kochen keine. Ich nehme mir das Süppchen von Tanja Grandits vor. Das wird natürlich nicht wirklich aus Resten gekocht, aber ich bin eine kreative Kühlschrank-Aufräumerin. Mit einem Topping von Tanja wird der Blumenkohl wie neu. Ran an die Sache!

Mittwoch, 28. Januar 2026

Etwas Gewöhnliches

 Kürzlich habe ich gelesen (Daphne):

"Gönnen Sie sich die Zeit,...bei etwas Gewöhnlichem zu verweilen, das etwas Besonderes sein kann. ...Zählen Sie dieses Jahr nicht nur in Wochen und Monaten, sondern vor allem in schönen Augenblicken."

Ich habe gewöhnliche Wassertröpfchen im Garten gesehen und sie in meiner Vorstellung zu Perlen oder kleinen Kristallen gemacht. Sehen sie nicht schön aus?


Auch für mich Besonderes im Gewöhnlichen: Ich schnipple heute neu gewachsene Pflänzchen an den Salat: Gundermann, Löwenzahn, Fenchel und ein Beikraut, dessen Namen mir nicht in den Sinn kommt. Ich kenne es trotzdem; Reto wird nicht Bauchweh bekommen.

Dienstag, 27. Januar 2026

Aussensicht

 Da stehen sie, die beiden Alten, vor der reichhaltigen Auslage der Coop-Metzgerei. Er plädiert für Pouletoberschenkel ohne Knochen. Sie findet, gewöhnliche Pouletschenkel wären gut genug. Im Hintergrund steht der Metzger, schmunzelnd. Das alte Paar entscheidet sich, beide kompromissbereit, für Hackplätzli. Und schon steht der Metzger da: "Haben Sie sich entschieden?" - An der Kasse: " Haben Sie den Blumenkohl nicht auf die Waage gelegt?" - Er sagt: "Da war gar kein Schild." - Die Kassiererin rennt mit dem Gemüse zur Waage und zurück. Mein Mann schaut mich an. Ich gucke zurück. Kann jedem passieren, signalisiere ich. Was wohl die Kassiererin von uns hält?

Montag, 26. Januar 2026

Ein verlorener Tag

 Können Tage verloren gehen? Findet man sie je wieder? Wo könnte man suchen? - Ich bin am Morgen mit dem linken Fuss aufgestanden, wie man sagt. Schlecht geschlafen und der Wetterwechsel. Wird ja wohl nicht schon wieder ein Drehschwindel mich anschleichen. "Anyway", sagt vielleicht unser sprachbegabtes Nachbarmädchen. Sie hat heute Kostproben ihres Wissens gegeben. Beachtlich! - Nicht ausweichen! Zurück zum verlorenen Tag: Eigentlich war es nur der Nachmittag. Ich habe mich in ein sauschweres Sudoku verloren, versenkt - und gepröbelt, bis es aufging. Unterdessen war es dunkel geworden. Ich habe den Nachmittag nicht genutzt. Müsste ich das immer? Darf ich mich verlieren? - Ich weiss, dass ich mich wieder finde. Immerhin!

Sonntag, 25. Januar 2026

Der Papst ist endlich da

 Reto hat seit dem Herbst auf Papst Franziskus gewartet. Natürlich nicht auf ihn "himself", sondern auf seine Autobiografie. Es sei die erste Autobiografie eines Papstes, was mich irgendwie berührt. Ein menschlicher Papst. Ein Papst - ein Mensch. Und es hat Fotos im Buch wie es von uns (fast) allen Fotos gibt: Mama, ich und mein Bruder; Familienfoto mit Grossmutter Maria und Grossvater Francisco, meine Klassenkameraden...Endlich ist der Papst gekommen!

Woher ist er gekommen? - Von Basel her, wo es noch so viel mehr Bücher gibt. Stefan hat den Papst heute vorbeigebracht für den Papi. - Mir hat er vier Krimis gebracht. (Stefan, nicht der Papst.)Wie bin ich froh, ich hatte nur noch einen kleinen Büchervorrat. Ich ohne Bücher? - Undenkbar! - Ich bin gespannt, ob Reto "Hoffe" von Papst Franziskus bis im nächsten Herbst fertig gelesen hat.

Samstag, 24. Januar 2026

Der Sonntag kann kommen

 Es ist Viertel vor vier am Samstag. Das Geschirr vom gestrigen Gästeabend ist abgewaschen und versorgt. Der Kühlschrank ist von Resten befreit. Entweder habe ich sie eingefroren, oder ich habe sie ins heutige Mittagessen gemischt. Die drei kleinen Zöpfe sind im Ofen. Einen davon werden wir am Abend anschneiden. Ich muss nichts mehr heute. Und morgen ist Sonntag. Immer noch soll dieser Tag sich von den anderen Wochentagen abheben. Mit Honig auf dem Zopf und langem Telefon mit Sohn Stefan. Und auch mit ein bisschen Nachdenklichkeit und ein bisschen Freude. 

Darf man sich freuen in diesen Zeiten? - Die 79-jährige Rocksängerin und Dichterin Patti Smith sagt:

"Trotz allem, was in der Welt geschieht, trotz all der Hilflosigkeit und Frustration, die wir spüren, müssen wir uns immer daran erinnern: Es ist in Ordnung, Freude daran zu empfinden, am Leben zu sein, Freude an den eigenen Möglichkeiten zu haben."

TROTZ ALLEM...

Freitag, 23. Januar 2026

Die Pastete ist im Ofen

 Ottolenghi ist ein Kochbuchautor; ich mag seine Kochbücher sehr. Ich habe drei davon. Aber Kochen nach Ottolenghi artet oft in Arbeit aus, aufwändige Arbeit. Auch wenn die Küche fein duftet, auch wenn ich mich freue auf das Ergebnis - die Spannung nimmt zu, wenn ich merke, dass die Fleischmasse kühl sein MUSS, wenn sie auf und in den Teig kommt. Kalt rühren gilt sonst für Crèmen aus dem Beutel. Ich habe heute Fleischmasse auf dem Sitzplatz kalt gerührt. Aber jetzt ist die Pastete im Ofen, und die Gäste werden jeden Moment kommen. Wir laben uns zuerst an einem Kräutersüppchen und trinken Spumante dazu. Dann kommt die Pastete zu ihrem Auftritt.

Donnerstag, 22. Januar 2026

Welche denn?

Ich sage zu meinem Ehemann, dass ich an einem der nächsten Sonntage gerne meine Freundin zu uns einladen würde. Welchen Sonntag würde er bevorzugen. - "Welche?" fragt er und meint welche Freundin. Und ja, es stimmt, ich habe wunderbarerweise mehrere Freundinnen. Gerade heute Morgen war ich mit einer "käfele". Und gerade gestern habe ich von einer anderen einen herzerwärmenden Brief bekommen. - Welche also einladen? - Meine "Beste Freundin" diesmal. Mit "Beste" soll rein gar keine andere der wunderbaren Frauen zurückgesetzt werden. Meine "Beste Freundin" kenne ich einfach am allerlängsten. Wir sind sturmerprobt, unserer Freundschaft kann nichts mehr passieren. An welchem Sonntag also? An einem der nächsten.

Mittwoch, 21. Januar 2026

Morchel- Terrine

 Ich bin mit dem Rucksack einkaufen gegangen. Es war nicht viel nötig, aber frisches Brot schon. Reto war  zweieinhalb Tage im Spital (kleine Prostata-Operation) und kommt heute Nachmittag wieder heim. Deshalb habe ich zum frischen Brot vom Beck auch noch Morchel-Terrine im Coop gekauft. Das mag mein Mann. - Stehe ich im Coop an der Kasse hinter einer kleinen, dunkelhaarigen, älteren Frau. Italienerin entnehme ich dem Dialog mit ihrem Mann. dann schaut sie ganz genau aufs Fliessband, wo mein Einkauf liegt. Sagt: "Isch guet, so Moggele-Terrine, gäll", und fügt unverfroren an, "aber för Buuch olala!" - Dabei zeigt sie zum Glück auf ihren Bauch und nicht auf meinen. 

Dienstag, 20. Januar 2026

Anfänger*in-Glück - Gesell*in-Stück

 Begonnen hat es mit geschenkter Wolle und der Häkelnadel Nummer sechs; ich habe einen kleinen Teppich gehäkelt. Siehe hinten!


Die Füsse vor meinem gelben Sofa auf warme, weiche Wolle zu stellen, ist ein kleines Glück. Weil ich dieses wohlig-wollige Gefühl auch meiner oft fröstelnden Tochter schenken will, habe ich nach dem ersten einen zweiten bunten Teppich gehäkelt. Jetzt bin ich Wolle-mässig ziemlich ausgeschossen. Zum Glück hat mein lieber Sohn eher heiss als kalt.


Montag, 19. Januar 2026

Baldursdottir - Olafsdottir

 Für mich sehen alle Schafe einer Rasse gleich aus. Müsste gerade ein schwarzes unter den beigen sein. So geht es mir offensichtlich mit nordischen Namen: Eines meiner Lieblingsbücher heisst "Die Eismalerin" und ist von der Isländerin Kristin Maria Baldursdottir geschrieben. - Kürzlich habe ich über ein Buch gelesen, das "Eden" heisst und von der Isländerin Audur Ava Olafsdottir geschrieben worden ist. Ich glaubte wirklich, Olafsdottir sei Baldursdottir. Und bei Baldursdottir steht, sie sei eine der bekanntesten Schriftstellerinnen Islands. - Was steht bei Olafsdottir? - Sie sei eine der besten Schriftstellerinnen Islands. Gehupft wie gesprungen. Ich lese jedenfalls sofort "Eden", um mein Ranking der beiden Schriftstellerinnen bekannt geben zu können. Oder sollte ich vor dem Lesen zuerst nach Island reisen? Oder war es Irland? 

Samstag, 17. Januar 2026

Mister Knox

Ich glaube nicht, dass meine Grossmutter spazieren gegangen ist - und meine Mutter nur am Sonntag. (In späteren Jahren dann mit dem Wandergrüppchen.) - Ich gehe nicht so gern draussen herumlaufen, wenn ich dafür keinen Grund habe. Ich sehe ja nicht, wie meine Beste Freundin an der Aare, Wildschweine und allergattig Vögel. - Darum haben Reto und ich heute die Gartensaison eröffnet. Es gab genug Verdorrtes zu schneiden. In den Sonnenblumenköpfen hatte es rein gar keine Samen mehr. Alles Kleingeschnittene legten wir auf das Gemüsebeet und unter die Scheinakazie, Amalia. In der Hoffnung, dass sich Mister Knox, der alte Kater von Donna Clara, andere Orte sucht, um seine Haufen zu machen. Für diesmal habe ich alle in einen Abfallsack von Dänemark gepackt. Am Dienstag kommen die netten Kehrichtmänner. 

Freitag, 16. Januar 2026

Momentan Krimis nötig

 Ob meine Tochter mit Lesen nachkommt - fast jede  Woche lege ich ihr einen ausgelesenen Krimi hin. Zum Glück gibt es in der Stadt in einer ehemalige Telefonkabine Gratisbücher. Gestern habe ich einen "Jo Nesbo" mitgenommen. Er hat 620 Seiten; das schaue ich immer zuerst nach. Hurra, 620 Seiten! 

 Ich möchte es endlich einmal schaffen, nicht schon in der Hälfte den Schluss zu lesen, damit die Spannung erträglich wird. Wenn es so schrecklich schlimm ist, verkrampft sich mein Körper. Uaaa, gefährlich! - Warum, liebe Esther, liest du dann so "Zeug"?

Es gibt Phasen, da bin ich echli traurig über das Leben. Die Welt. Die Vergänglichkeit. Den Nebel. Die Kälte. Über mich selbst. Nicht immer mag ich mich der Traurigkeit stellen. Dann lese ich Krimis. Die nehmen mich ganz schön gefangen. Und bis die 620 Seiten gelesen sind, kommt fast schon der Frühling. Die Sonne. Wärme. Sei es!

Donnerstag, 15. Januar 2026

Gestreifte Laune

Ich war am Morgen in der Stadt. Die neuen Unterhosen sind nicht bunt und sexy, wie ich vor hatte, nur wieder schwarz aber naturaline. Ich stöberte dann in den aufgehängten "Sale- Kleidern" im Coop-City. Nichts konnte mich überzeugen. Die schönste Hose gab es nur in Grösse 50. Der schönste Pullover gehört zur eben eingetroffenen Kollektion: Hundert Franken will ich nicht bezahlen. 

Wanderung hinauf zum Beck Riboli. Oh, diesmal gab es noch Maggia-Brot; also Kafi complet zum Znacht. 

Nahebei gab es einen Kleiderständer mit Herabgesetztem. "Modetor" heisst der kleine Laden mit Damen-Mode. Ich liess mich hineinziehen vom Gebotenen. War noch nie da. Schaute mir alles an und war sehr angetan von allem, auch von der witzigen Dame hinter der Kasse. Zwei Kleidungsstücke brachte ich zu ihr. Die helle Bluse weckt Frühlingsgefühle. Der grüne Baumwollpulli ist blau gesprenkelt. Sagte die Verkäuferin: "Haben Sie gesehen, dass der Pullover beidseitig tragbar ist?" - Hatte ich nicht. Sie kehrte ihn um, und da war er grün-blau gestreift. Sie sagte: "Sehen Sie, manchmal hat man gestreifte Laune, aber dann ist es auch wieder genug."

Gestreifte Laune - psychologisch betrachtet deute dies auf Ordnungsbedürfnis und Struktur. Die Streifen könnten aber auch Kopfweh auslösen. Das alles und noch mehr wusste mein Handy. Ich finde die "gestreifte Laune" viel schöner.

Dienstag, 13. Januar 2026

Zufallsbegegnung am Bach

Die Sonne scheint wieder einmal, und einige Menschen geniessen die wärmere Luft im Eulachpark. Ich suche das Teichhuhn, das ich diesen Winter schon mehrmals gesehen habe. Darum stehe ich still. Eine Frau denkt, ich beobachte wie sie die Stockenten. "Wie glänzt ihr Gefieder im Sonnenlicht", sagt sie zu mir und steht auch still. Wir nebeneinander. Ich purpurrote Hosen und grüner Mantel, sie grüne Hosen und purpurroter Mantel. "Die Enten scheinen keine kalten Füsse zu haben im Gegensatz zu mir", lächelt die Frau. - "Sie haben jetzt kalte Füsse?" frage ich. - "Ja, obwohl ich Wollsocken trage." - "Ich trage auch Wollsocken, die mir meine Schwägerin immer auf Weihnachten strickt." - "Meine Wollsocken hat mir meine Oma gestrickt; sie sind fast zwanzig Jahre alt und halten immer noch." - Wir wünschen uns noch einen schönen Tag. Mein Tag ist durch sie schöner geworden, obwohl ich das Teichhuhn heute nicht entdecke.

Montag, 12. Januar 2026

Überall kleine gelbe Kügelchen

Unterdessen habe ich Ordnung geschaffen in der Küche. Vorher lagen überall winzig kleine gelbe Kügelchen. Senfsamen. Ich habe Rosmarin-Orangen-Senf gemacht. Nach einem Rezept aus einer "Landliebe". Da hiess es, man könne die Senfsamen mörsern. Konnte ich nicht; sie wollten mit aller Gewalt nicht zu Senfmehl werden. Trocken mit dem Mixstab dahinter ist gar nicht zu empfehlen. Da gab es Senfregen in der Küche. Dann also alle flüssigen Zutaten in den Messbecher zu den Kügelchen. das funktionierte. Konsistenz ganz passabel. Aber geschmacklich gewöhnungsbedürftig: Sehr scharf! Es heisst aber im Rezept, wenn man den selbstgemachten Senf zuerst lagert, wird er milder. So tue ich also! Und freue mich auf den milden, gesunden, belebenden, entzündungshemmenden Senf.

Sonntag, 11. Januar 2026

Ein abwechslungsreicher Sonntagnachmittag

Ich hatte mich mit meiner Besten Freundin wie immer im "National" verabredet. Wie fast immer sass sie schon am Tischchen hinter der grossen Treppe. Kaffee trinken, plaudern über die Woche. Einem Disput zuhören, weil eine Frau mit der Rechnung nicht einverstanden war. Nach dem Motto "Die Kundin ist Königin" bekam sie recht. Die Servierfrau zog mit hochrotem Kopf ab. Unser Vermicelles war fein wie immer. Wie immer gingen wir nach zwei Stunden dem Bahnhof zu.

Auch wie immer strich ich durch den Kiosk, "musste" aber nichts kaufen. Dafür suchte ich mit einem  Geschenkgutschein von meiner Besten Freundin im OrellFüssli einen Krimi aus. 

Im Bus las ich wie immer nicht, weil es so viel zu sehen gibt. Die kunstvolle Frisur der Frau vor mir: 4 Spängeli, 1 bunte Klammer, 1 Pfeil durch den Dutt. Und guten Duft. - Die junge Frau, die ihr Kind im Wagen liebevoll anlächelt und ihr Handy nicht zückt. Viel, viel Weihnachtsbeleuchtung an der Rychenbergstrasse. Am Himmel einen Streifen Abendrot. 

Jetzt beginne ich mit meinem neuen Krimi...

Samstag, 10. Januar 2026

Spontaner Kurzbesuch

Kann Freundschaft über grosse Distanz aufrecht erhalten werden? - Gestern besuchte uns ein Freund aus dem Urner Oberland ganz spontan, und wir freuten uns riesig. Interessanterweise sind manche Freundschaften in Distanz sogar gewachsen über die Zeit. Und doch bin ich froh, dass meine Freundin, die nach Chile ausgewandert war, zurück gekommen ist. Heute Abend besucht sie uns mit ihrem Ehemann. Wir sind gespannt, wie sich das erneute Einleben gestaltet. 

Donnerstag, 8. Januar 2026

Kurzer Tagesbericht

 Am Morgen erwachten wir in einer kühlen Wohnung mit kalten Böden; wir haben eigentlich Bodenheizung. Es gab nur eiskaltes Wasser. Aber der Heizungsmonteur kam noch vor dem Mittag. Das Wasser ist wieder behaglich warm bis heiss. Die Raumtemperatur braucht länger, um sich zu erholen. Aber was ist das schon! So viele Menschen in Berlin warteten tagelang auf eine Normalisierung von Strom und Heizung. 

Am Nachmittag habe ich aus den gesammelten Wachsresten eines Jahres neue Kerzen gegossen. Ich sage am Ende jedesmal: Das tue ich nie wieder!!! - Nächstes Jahr mache ich wieder eine Riesensauerei in der Küche. Garantiert!

Mittwoch, 7. Januar 2026

Schlimmer als der Tod

 Im Tagi-Magi Nummer 49 (6.12.2025) wird Julian Schütt zu Max Frisch befragt. Schütt ist der "Autor einer gefeierten Frisch-Biografie". Trotzdem glaube ich nicht, dass ich mir die Biografie kaufe. Aber ich frage Stefan, ob er für mich Frischs "Der Mensch erscheint im Holozän" finden kann im Bücherbrocki. Es sei ein "Werk voller Altersradikalität". Das interessiert mich.

Julian Schütt wird im Tagimagi-Gespräch gefragt, ob es bei Frisch etwas gab, das er mehr fürchtete als den Tod. - "Ja", sagte Schütt, "den Tod zu Lebzeiten." - Lebendig zu bleiben falle im Alter schwerer. Die Neugier werde kleiner. Abgelöscht vor sich hin zu vegetieren, das machte Frisch am meisten Angst.

Ich selber fürchte mich am meisten vor dem Tod von lieben Menschen. Und ich fürchte mich davor, dass die Menschheit nicht genug tut gegen die Klimaerwärmung und das Artensterben. Ich habe eine Enkelin, und meine Schwester hat sieben Enkel*innen, Retos Schwester gar elf. Sie alle und deren Freund*innen und überhaupt alle Kinder sollen eine gute Zukunft haben.

Dienstag, 6. Januar 2026

Immer wieder Brätkügeli

Ich koche gern, aber oft habe ich keine Idee, was ich in die Pfanne legen könnte. Ich frage dann meinen Ehemann, und der sagt meistens: "Brätkügeli." - Ich mag sie auch, die Kalbfleischklösschen aus dem Vakuum-Pack, die sich so schwer voneinander lösen mögen. Aber immer die ewigen Brätkügeli mit Béchamelsauce! - Neues Jahr, neue "Brätdingserli". Google weiss, was ich brauche. 

Brätkügeli anbraten, Knoblauch dazu, Tomatenpüree einrühren, viele Erbsli hineinklirren lassen, Bouillon aufgiessen, köcheln, Oregano aus dem Garten einstreuen, Rahm zufügen, köcheln. Spaghetti separat zubereiten wie immer. Kaya mag sie "bissig", Reto weich. Mittelwert suchen. Fertige Spaghetti in die Brätkügelipfanne mischen, und fertig ist das neue Menü. 

Neues Jahr, neues Essen - wenn nur alle so einfach wäre!

Montag, 5. Januar 2026

Kein Eisvogel, aber...

 Meine Beste Freundin geht täglich an der Aare spazieren; manchmal sieht sie einen Eisvogel oder zwei. - Ich sitze am Fenster auf dem gelben Sofa und beobachte die Vögel in unserem Gärtchen. Seit es so kalt ist, bekommen sie von mir Haferflöckli, Sonnenblumenkerne, Leinsamen und ein paar Sultaninen. - Immer fällt zuerst die Spatzen-Gang über alles her. Eine ganze Schar pickt auf den Tellern und am Boden herum und ruht in der Ligusterhecke zwischendurch aus. Die Blaumeisen und Kohlmeisen fliegen zuerst auf den Baum, der bei uns Amalia heisst (Scheinakazie). Von dort oben wird die Lage gecheckt. Ist keine Katze im Anmarsch, stürzen sich die Meisen auf den Kinderteller unter der Amalia. Und sofort wieder hoch hinauf. - Tief unten blieb der Zaunkönig; verkroch sich unter dem Grünkohl und ward nicht mehr gesehen. - Am meisten Freude macht mir das hübsche Rotkehlchen. Immer eines. Und ein Buchfink heute. Keine Amsel. Warum? - Morgen gibt es einen halben Apfel.

Sonntag, 4. Januar 2026

Stubenhockerin

So schöne Sonne heute! So pulvriger Schnee draussen vor der Tür! Kaum Wind heute! Man müsste ins Freie gehen. 

Das täte dir gut, Esther! Denk an dein Immunsystem! Du könntest Vitamin D speichern!

Müsste, täte, könnte...

Ich weiss manchmal nicht, was ich will. Was ich ganz selber möchte. Ohne Einflüsterung der Klugen, Weisen, der Medien, der Ratgeber. 

So hocke ich heute in der Stube. Bin eine Stubenhockerin. Ein trotziges Kind. Will nicht brav sein. Will nicht tun müssen, weil man doch tut. 

Ich lese endlich, was Christian Seiler im Advent gekocht hat. Ich erfahre endlich, dass in meinem Krimi gar niemand gemordet hat. Ich bastle eine Vogeltränke. Ich sitze auf meinem gelben Sofa - und bin. Bin einfach nur ich selber.

Samstag, 3. Januar 2026

Unser alter Kater

Meine Nächte im Winter werden mehr und mehr unruhig. Als Reto begann, davon zu reden, unser Kater (16 1/2 J.) sei dement, betrachtete ich das als masslos übertrieben. Aber die Tierärztin bestätigte, was ich nächtens zu spüren bekomme: Nepi ist unruhig und desorientiert. So kann er mitten in der Nacht miauen, was bisher bedeutete: Ich will raus. Jetzt aber steht er unter der geöffneten Tür - und kehrt wieder um. Oder er umkreist mich auf meinem Bett mehrmals. Gekotzt wird auch nachts. 

Ich habe natürlich "demente Katze" gegoogelt. Und das "Lustige" ist: Demente Katzen brauchen dasselbe wie demente Menschen. Geregelte Tage. Keine Veränderungen in der Wohnung. Zuwendung. Zuneigung. Altersentsprechendes Essen. Wärme. Nähe. Vor allem beruhigende Nähe.

PS. Ich lese gerade das Buch "Demenz. Gezielt vorbeugen, ganzheitlich verstehen, liebevoll begleiten" von Prof. Dr. Dietrich Grönemeyer. - Es geht nicht um Katzen.


Freitag, 2. Januar 2026

Ich schreibe ab, weil es so treffend ist

 Sara Winter Sayilir ist Redaktorin bei der "Surprise". Im neusten Heft hat sie im Editorial folgendes geschrieben:

"Dem Ende eines jeden Jahres wohnt eine seltsame Dynamik inne: Erst verdichten sich die Tage zu einem einzigen Organisations-, Kauf- und Vorbereitungsstress...Es folgt das festliche Alle-Jahre-Wieder mit Besuchen hier und da sowie verdauungskomatösen Zuständen....Und dann der Stillstand, die leisen Tage zwischen den Jahren.

Glücklich, wer geniessen kann, dass selbst der grösste Wahnsinn irgendwann vorüber geht...Gesegnet sind die, denen die Festzeit eine echte Freude ist. Und jene, die selbstbestimmt den Rückzug antreten können..."

Es fällt schwer, in diesen Tagen Freude und Hoffnung aufrecht zu halten. Und doch ist es wichtig, nicht in der Dunkelheit zu versinken. Alle tun nach ihrem Vermögen.

Donnerstag, 1. Januar 2026

Gut Ding will Weile haben

Es heisst immer, man solle lernen von der Wiege bis zur Bahre: "Nehmen Sie sich etwas ganz Neues vor im neuen Jahr. Eine neue Sprache lernen? Ein Handwerk ergreifen?" - Ich habe mir gestern Nacht nichts vorgenommen. Rein gar nichts. Genau das ist aber neu für mich. Ich gehe locker ins neue Jahr hinein. Bin mir nicht böse, dass ich gestern Nacht viel gebechert und gegessen habe. Freue mich, dass es so gemütlich und friedlich war. 

Was habe ich denn gelernt im alten Jahr? - Vielleicht dies: Gut Ding will Weile haben. Ein Jahresübergang ist keine Grenze hinter der alles neu wird oder werden soll. Und doch gibt es Veränderungen im Fluss der Zeit. Rose Ausländer hat geschrieben: 

"Nichts bleibt wie es ist                                                                                                                                      es verwandelt sich und mich"

Über eine Veränderung im Verlaufe der Jahre freue ich mich besonders: Aus einer schrecklichen Angst vor Hunden wurde Zuneigung zu einzelnen Hunden, und die Angst wurde immer weniger. Ich mag Yumi, den Hund von Kaya und Familie.