Freitag, 14. Oktober 2011

Kleinkunst

Bloggen, was bedeutet es mir? Was will ich damit? - Mein Götti war Journalist. Er hat immer gesagt: Es ist einfacher, einen Brief zu schreiben als eine Postkarte. In einem Brief kannst du dich breit machen und auslassen. Aber auf einer Postkarte hat nur wenig Platz. Deshalb ist es eine Kunst, eine Postkarte sinnvoll zu beschreiben. Eine kleine Kunst. Kleinkunst.

Postkarte - Posting - kleine Kunst! - Nimm ein Thema, versuch es zu fassen und fasse dich dann kurz. Kleinkunst. Ich übe.

Donnerstag, 13. Oktober 2011

Was ist rot und heiss und brodelt eruptiv?

Heute Morgen habe ich das Meditieren nicht vergessen - fast immer tu ich es. Nach zwanzig Minuten auf den Knien komme ich manchmal kaum noch auf die Beine. Alte, alte Beine. Oder einfach untrainierte.

Am Nachmittag habe ich das Predigtschreiben wieder einmal erfolgreich verschoben. Ich MUSSTE doch gewiss die vielen reifen und halb- oder viertelfaulen Tomaten ernten, wo Reto doch an die Olma abgehauen ist. - Mehr als zwei Kilo Tomaten habe ich abgenommen, enthäutet, gevierteilt, zermatscht mit dem Mixer, gemischt mit viel Zucker, wenig Ingwer und Zitronensaft von zwei Zitronen. Dann das Ganze kochen lassen, brodeln lassen, zuschauen, wie die Tomatenkonfitüre in der Pfanne hochsteigt, wie sich in der Mitte ein Krater auftut und die rote Tomatenlava unanständig eruptiv sich entlädt, wieder zum Rande fliesst und sich ergiesst und - - - nach fast zwei Stunden die richtige Konsistenz hat. Punkt.

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Ein freier Tag

Ist doch völlig verrückt: immer, wenn wir nach Bützberg im Kanton Bern fahren, verirren wir uns - nicht wie Rotkäppchen im Wald, aber in den Kreiseln rings um Langenthal. Wir kreiseln rechtsum und rundum, fahren Strassen auf und Strassen runter und finden dieses Bützberg nicht. Wir telefonieren und lassen uns erklären - und übersehen schon wieder den rechten Weg.

Ja, ja, der rechte Weg! - So leicht ist er wohl nicht zu finden. Mal meint man, man hat ihn, aber da verschwimmt er im Nebel. Mal geht man uuuuh-lange gradaus, meint man, aber dreht sich nur im Kreis. Zurück zum Anfang, heisst es im Spiel. Nur kann man das nicht mehr mit 62 Jahren. Der rechte Weg - war er falsch, oder war er nur viel zu gradlinig und langweilig? - Verschlungene Pfade, zeigt euch! Foppt mich! Ich will lachen und angstlos(er) gehen.

Dienstag, 11. Oktober 2011

Kasimir, der Eichelhäher

Ich müsste arbeiten. Etwas Schönes: Ich darf den Gottesdienst vorbereiten, der am Sonntag von der Kirche Wassen live ins Betagtenheim übertragen wird - in Bild und Ton. Der Grund ist das 30-Jahr-Jubiläum des Betagtenheimes.

Oft dümple ich noch so herum, bevor "es" schreibt. Ideen habe ich immerhin ein paar. Gespräche habe ich auch geführt, was das Heim für Wassen bedeutet, welche Wünsche da sind. Das Musikprogramm von Sepp steht. Also los!!!

Mag noch nicht. Ist noch nicht reif.

Aber morgen bist du fort, liebe Esther. - Trotzdem...

Was kann ich glauben, was kann ich sagen, was berührt?

Ich brauche Wörter, Texte, Lieder, Poesie. Und ich brauche Geschichten.

Eine kleine Geschichte:
Alle Eichelhäher heissen Kasimir. So haben wir sie getauft vor Jahren. Ich möchte gern einen sehen, wo wir wieder in der Toscana sind auf dem Platz neben der (fast) einzigen Korkeiche, die natürlich "meine" Korkeiche ist. Die Kasimire machen sich rar. Letztes Nachtessen kochen auf dem Gas. Da sehe ich, dass ein Kasimir fortfliegt. Er hat extra für mich eine Feder fallen lassen. Mit Türkisrand. Ganz kostbar. Damir ich (wieder) glauben kann.

Montag, 10. Oktober 2011

Ein letztesmal...

Ein letztesmal schliefen wir in unserem VW-Bus "Gogo" in Avegno an der Maggia. Steine mit der immer gleichen Begeisterung anschauen, anfassen, fotografieren. Darüber stolpern, klettern, springen. Darauf sitzen, träumen, erinnern.

Erinnern all die vielen Male, die wir da waren. Mit Stefan und Judith, die mit den orangen "Flügeli" an den Ärmchen ins Flusswasser stiegen. Mit Stefan und Judith in jugendlichem Alter. Eines mit Liebes-kummer. Reto und ich allein, immer wieder.

Vorgestern auf gestern auf meinen grossen Wunsch. Noch ein Mal. Das letztemal. Vielleicht.

Sonntag, 2. Oktober 2011

Tag der Gewaltfreiheit

Heute ist der internationale Tag der Gewaltfreiheit. Auf facebook will eine eine andere "wegmachen". Im Sportstadion in Zürich ist Randale - gefährliche Randale. Und die Welt sieht aus wie sie aussieht: kein einziger Tag ohne Gewalt, weder in der Ferne noch in der Nähe.

Wer kann da überhaupt das Gedicht von Erich Fried verstehen, das ich seit vielen Jahren bedenkenswert finde und das ich mir wieder hervorgeholt habe zum Tag der Gewaltfreiheit. Hier nur die erste überraschende Strophe:

Die Gewalt
die Gewalt fängt nicht an
wenn einer einen erwürgt
Sie fängt an
wenn einer sagt:
"Ich liebe dich:
Du gehörst mir!"

Samstag, 1. Oktober 2011

Das Weinberglied

Wieder ein wunderschöner Tag! - Ich musste um sechs Uhr im Wiler einen Wortgottesdienst halten. Oder durfte ich? - Meine Bequemlichkeit und Unlust überwinden und das zum "Weinberglied" aus dem Jesajabuch sagen, was ich an der Uni gelernt habe: Der Text gilt als Weltliteratur, und kaum jemand kennt ihn. Er handelt von der enttäuschten Liebe Gottes.

Gott hat eine grosse Zuneigung zu seinem Weinberg, den er hegt und pflegt. Er tut alles für ihn. Dann erwartet er süsse Trauben. Aber der Weinberg bringt nur saure Beeren. Gottes Enttäuschung ist riesig.

Lohnt es sich, einen solchen Bibeltext zu lesen, den man sich zuerst übersetzen muss, ehe man etwas damit anfangen kann?

Der Weinberg, das sind die Männer Israels. Gott erwartet, dass sie sich für Recht und Gerechtigkeit einsetzen, aber nix da; sie brechen das Recht. Sie nutzen ihre Macht nur für sich, ihren Besitz wollen sie schamlos vermehren - auf Kosten der Rechtlosen. - Das kennt man doch irgendwoher.

Auch heute noch gilt der biblische Spruch: An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sie? - Uns!