Donnerstag, 8. Dezember 2011

Was zuerst?

Mein Pult ist übersät von Papier und Gegenständen; alles will geordnet werden. Im Mail-Briefkasten sind zehn neue Mails. Der Pöstler hat gerade die Post in unseren real existierenden Briefkasten gelegt. In der Agenda stehen Anlässe, die bald kommen und noch nicht oder erst teilweise vorbereitet sind. Im Kopf schwirren Gedanken herum, Nachtreste, Tageslichtblicke. Gefühle, positive (mehr) und negative (weniger) sollen ihren Platz im Bauch haben, sagt man. Sie sind jedenfalls da. Weihnachtspost möchte ohne allen Stress, aber mit viel Freude geschrieben und gepäcklet werden.

Wo beginne ich? Was zuerst?

Wenn ich "poste", ordne ich mich. - Es tut mir gut, Wichtiges vom Unwichtigen zu trennen. Und der grosse Unterschied vom öffentlichen zum privaten Tagebuch ist der, dass ich mich für die "Posts" mehr von aussen anschaue, während ich im privaten Tagebuch eher "flenne". Haben wir nicht alle unsere schlechten Tage?

Ich beginne mit  - diesem hier.

Dienstag, 6. Dezember 2011

Jetzt kommt der Schnee

Das ist der erste Winter im Urner Oberland, den ich nicht fürchte. Erstens kommt er schön spät; ich hatte viiiiel Zeit und Gelegenheit, Sonne und Wärme zu geniessen. Zweitens weiss ich schon, was etwa zu erwarten ist und dass ich es überleben kann. Und drittens sieht es wirklich hübsch aus, wenn jetzt die Bäume weiss werden.

Diesen Sommer habe ich nach dem Motto gelebt: "Lebenskünstler ist, wer seinen Sommer so lebt, dass er ihm noch den Winter wärmt." (Alfred Polgar)

Montag, 5. Dezember 2011

In der dunklen Kirche

Haben wir im Firmkurs entdeckt: Es ist besonders, miteinander in die dunkle Abendkirche zu gehen, nur ein paar Kerzen anzuzünden, nicht viel zu tun, wenig zu reden, vielleicht zu beten, still zu sein und immer ein Schrittchen Richtung Firmung zu gehen.

Sonntag, 4. Dezember 2011

Zurück von der Göscheneralp

Welche Farbe hat dein Durst? so hat vor Jahren Rivella gefragt. Als sie Rivella grün einführen wollten. Ich habe heute über die Spannung gepredigt, die Rivella damals in mir erzeugt hat. So eine Spannung, wie die katholische Kirche mit ihrer Leseordnung der Bibeltexte auf Weihnachten hin aufbauen will. Wer ist dieser Jesus, der da geboren wird, sollen wir fragen. Aber wir wissen ja schon alles. Spannung futsch!

Ehrlich, ich bin echt gespannt, was Weihnachten dieses Jahr uns bringen wird. Echt gespannt! Und ich freue mich darauf wie ein Kind.

Ich bin noch den Text von Kurt Marti schuldig, von dem ich gestern geschrieben habe. Ich habe ihn nicht gesucht, aber er kam mir gerade recht!

trinkt blau
glücklich
die ihr betrunken sein könnt vom blau des himmels


möge der rauschtrank
nie mangeln
und süffig
ein leuchtvorrat
auch unter finstergewölk
aus schuh und angel
euch heben


trinkt blau
trinkt nicht kummer!                             Kurt Marti

Samstag, 3. Dezember 2011

Regen

Ich wusste schon gar nicht mehr, wie es tönt unter dem Dach, wenn es regnet. Gemütlich, wenn man sowieso zu Hause bleiben will. Und ein paar Weihnachtsbriefe schreiben. Vielleicht. Was weiss ich, was ich dann tue, wenn ich fertig getan habe, was noch zu tun ist. Vorerst gehe ich zu einem Text von Kurt Marti, dem uralten, aber immer noch anregenden Berner Pfarrer und Dichter. Die Überschrift zu seinem Text heisst: "Trinkt blau." Mehr dazu morgen, wenn ich zurück bin von der Göscheneralp, auf die ich mich freue. Also, ich meine die Menschen, die dort leben, auf die freue ich mich.

Freitag, 2. Dezember 2011

Ein fast schon ungewohnter Anblick

Noch bevor ich die Kaffeemaschine anschmeisse, öffne ich am Morgen die Tür zum Garten und trete in die frische Luft hinaus. Schauen, was der Tag verheisst. Spüren, wie mir ist. - Heute Morgen war es fast schon eine Überraschung, richtig graue, fette Wolken am Himmel zu sehen. Wo doch der Herr vom Wetter nochmals Sonne angesagt hatte. Wo doch der Föhn die ganze Nacht oder immer, wenn ich wach lag, getobt hat. Aber irgendwie freue ich mich auf einen Wechsel - kann auch mehr als das Wetter sein.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

ein letztes Mal...

Heute haben Reto und ich den VW-Bus "Gogo" ausgeräumt und geputzt: Den Sand von 24 Jahren ausgewischt; persönliche Utensilien in Kehrichtsack gepackt: Postkarten von den Innenwänden geklaubt. Leider keine Zeit für Erinnerungen. Der Gogo muss morgen ins Tal. Am nächsten Mittwoch geben wir ihn definitiv aus der Hand - zum Glück bleibt er in der Familie.

Aber heute hat es begonnen: Ein letztes Mal den Boden nass aufwischen. Ein letztes Mal Kinderüberraschungsfigürchen zur Hand nehmen, die ich gesammelt habe inwendig der Frontscheibe. Ein letztes Mal die Kälte der Alubecher spüren, die wir übergeben. - Nein, es gibt nichts zu weinen, weil es war unendlich schön, 24 Jahre lang mit dem Gogo unterwegs zu sein!