Freitag, 7. Dezember 2012

Viel Wind oder "es chuutet"

Im Urner Oberland gibt es auch einen kalten Föhn. Dieser bläst heute Morgen  in Stössen um unser Haus und über die Berggipfel. Er bereitet uns ein interessantes Schauspiel, bringt er doch ganze Schneeschwaden dazu, sich um Haus und Kirche zu bewegen wie in einem grossen Tanz. Aber in Färnigen hinten, im Meiental, ist schon eine Lawine niedergegangen. Die Naturgewalten sind nicht in erster Linie schön, sondern unheimlich und unberechenbar. - Unberechenbar ist sowieso das Wetter, und so wissen wir noch nicht, können heute Abend alle Minis zum Chlaushock kommen oder nur diejenigen, die von den Gefahren und der Höhe des Schnees nicht sehr betroffen sind. Reto hat schon alle Bagage bereit gestellt; wir müssen Autofahren können!

Donnerstag, 6. Dezember 2012

Nachtwache - nein, wache Nacht

Einen Abend und einen Tag frei! Und was passiert? - Ich bin ab vier Uhr morgens wach, und alle Sorgen und Sörgelein stellen sich ein und hocken um mich herum und engen mich immer mehr ein. Zwischendurch "haue ich ab" und stelle mich ans Fenster - dem Schneetreiben zuschauen. Mehrere Versuche zu schlafen, schlagen fehl. Ich muss bei meinen Sorgenschatten bleiben, sie anschauen, sie aushalten. Dann höre ich ab sechs Uhr Radio DRS 1. In den Nachrichten erzählen sie mir, welches echte SORGEN sind. Meine jedenfalls nicht!

Mittwoch, 5. Dezember 2012

Bei diesem Schnee...

 Bei diesem Schnee hat unser Pfarrer mit dem Schneeschaufeln bereits um halb vier Uhr morgens begonnen! Bei diesem Schnee sind die alten (und jüngeren) Damen von Göschenen trotzdem zum Gottesdienst gekommen! Bei diesem Schnee gehe ich wie eine alte Frau hügelan und hügelrunter! Bei diesem Schnee sehne ich mich nach der Sonne, die vielleicht, mit viel Glück, heute mal durch die Wolken guckt! Bei diesem Schnee hat Reto das Menü "Siedfleisch" putzrichtig gewählt! Bei diesem Schnee ist gut Kaffee trinken mit lieben Menschen! Bei diesem Schnee verstecke ich mich nun hinter der Zeitung, bis das Mittagessen gar ist!  - Verstecken in der Zeitung? - Geht gar nicht, weil ich drin stehe mit meiner Ansprache an das Polizeikorps des Kantons Uri. Thema : Hierarchie in der Kirche und bei der Polizei.

Dienstag, 4. Dezember 2012

Regen, Sonne und wieder Schnee

Gestern hat es in den schönen, leichten Schnee hinein geregnet, das tut sogar mir sehr leid, wo ich gar nicht so gern Schnee habe. Heute Morgen waren alle Wetterelemente aufgeboten: Regen, Wind, Nebel, Sonne und erneut Schnee. Jetzt wird es spannend: Wieviel kommt? Kann ich heute Abend nach Göschenen an eine Sitzung? Brauchen die Frauen in Gurtnellen bald ihre Vorräte, weil der Bus ihr Dorf nicht mehr bedienen kann? - Heute Morgen waren zwei Frauen bei mir an einer Sitzung. Sie haben von ihren Vorräten erzählt, die man immer haben muss, weil man nie weiss...Peinlich ist es, wenn Leute zum Bäcker im Dorf gehen müssen, weil sie nichts mehr haben, die sich sonst immer im Tal in den Einkaufszentren mit Lebensmitteln eindecken. "Weisst du noch, anno 1999...?" sagt eine Frau, und die andere nickt bedeutungsvoll.

Montag, 3. Dezember 2012

Gestern Abend kam der Samichlaus in Wassen an

Es gibt ein paar Bräuche hier im Urner Oberland, die ich heiss liebe, z.B. den Samichlaus-Einzug von der Schanz herunter ins Dorf Wassen. Die Laternen heissen "Iffelen" und die Glocken "Trychlen". Der urtümliche Rhythmus der Trychlen breitet sich im Bauchraum aus und erfasst mich jeweils ganz und gar - so, dass ich nicht einfach weiter reden könnte mit lieben Nachbarn von Wassen. Ich stehe da und gebe mich ganz hin.

Samstag, 1. Dezember 2012

Geglückter Tag

Peter Handke, ein Schriftsteller, den ich gar nicht so mag, hat ein Buch geschrieben, das heisst "Versuch über den geglückten Tag". Auf Seite neun fragt er:

"Wer hat schon einen geglückten Tag erlebt? Sagen werden das zunächst von sich wahrscheinlich die meisten. Und es wird dann nötig sein, weiterzufragen. Meinst du "geglückt" oder bloss "schön"? Sprichst du von einem "geglückten" Tag oder einem - es ist wahr, ebenso seltenen - "sorglosen"? Ist für dich ein geglückter Tag allein schon, der ohne Problem verlief? Siehst du einen Unterschied zwischen einem glücklichen Tag und einem geglückten?" ...

So geht es weiter mit den Fragen von Peter Handke. Ich, Esther Burri, will Antwort geben: Gestern glückte mir mein Tag.


Der Besuch kommt...

Der Besuch kommt, und das Fleisch ist noch nicht lind. Langsam Salat essen, fröhlich reden, den ersten Schluck Wein schlürfen. - Ich höre die zwei lieben Urner Ehepaare; die Frauen haben uns im Minilager gekocht. Da war alles zur Zeit lind und fein!!!