Montag, 7. Januar 2013

Siebter Januar - Alltag kehrt ein

Reto hat den Weihnachtsbaum abgeräumt und drei Kilo Nadeln eingesaugt - ungefähr. Unser Kaffeegast hat darauf hingewiesen, dass wir den ganzen Schmuck dann zügeln müssen - drei Bananenschachteln voll - ganz genau. Ich habe das letzte Geschenkpäckli eingepackt und verschenkt - heute Morgen. Das goldgewirkte Geschenkpapier ist alle, aufgebraucht - ganz und gar.

Aber es war schön - richtig schön: Die Mitternachtsmesse in Wassen mit 618 Kerzengläsli, diverse andere Gottesdienste, Apéros auf der Göscheneralp, Begegnungen allüberall. Und die Familie zu Besuch - 13 waren wir insgesamt. Wunderschön!

Jetzt kehrt der Alltag wieder ein - die nächste Weihnacht lebe hoch! Wo auch immer!

Sonntag, 6. Januar 2013

Schlaflos

In der Silvesternacht habe ich den mittelalterlichen Gelehrten Thomas von Aquin als "nicht gescheit" bezeichnet, weil er die Frau gemäss den Meinungen seiner Zeit als "Mängelwesen" betrachtet hat. Der Mann sei der wahre, richtige, ganze Mensch; die Frau sei eine mangelhafte Ableitung von ihm und blosse Empfängerin seines edlen Samens. So wie der Himmel auf die niedrige Erde es regnen lasse (ich habe nachgelesen!). Das berechtige den Mann auch dazu, die Frau zu be-herrschen. - Ich wurde dann in der Silvesternacht ziemlich rüde "zur Vernunft" oder eher zum Schweigen gebracht. Von einem Mann.

Im "Landboten", der Zeitung von Winterthur und Umgebung, ist ein Interview mit Bischof Markus Büchel, St. Gallen, erschienen. Der Herr Bischof ist gegen die Priesterweihe der Frau im Moment - in 1000 Jahren könne das anders sein. - In 1000 Jahren!!!

Ich kann nicht mehr schlafen, weil ich mich ärgere vom Scheitel bis zur Sohle und in jeder Zelle und in jedem Körperteil bis und mit Gebärmutter, die in der hebräischen Sprache für "Erbarmen" steht. Mit wem soll ich Erbarmen haben???


Samstag, 5. Januar 2013

Unlustig

Heute Morgen sind die näheren Angaben gekommen für den 13. Januar. An einem Sonntag werden Reto und ich mit hoffentlich vielen anderen nach Chur reisen, um unsere Schreiben dem Bischof oder einem Stellvertreter zu überreichen. In diesen Schreiben stehen all unsere Kümmernisse und Sorgen betreffs der Kirchenleitung. Stehen all unsere Bezeugungen des Glaubens und unserer Hingabe an die Kirche TROTZDEM. - Ich bin unlustig, ist es doch schon das zweitenmal, dass ich mich aus Gewissensgründen gegen einen Bischof stelle(n muss). Ich mag eigentlich nicht mehr, nicht schon wieder. Aber ich gehe, und ich werde meine Unlust überwinden. Wie immer. ABER ES KANN DOCH NICHT EWIG SEIN WIE IMMER!!?

Freitag, 4. Januar 2013

Fraglos gut!

Heute Morgen Gottesdienst im Betagtenheim! - Allen ein gesegnetes neues Jahr wünschen und Gegenwünsche empfangen. Grüsse an Reto. - Dann feiern wir, und es ist fraglos gut, hier zu sein, mit genau diesen Menschen. Ich sage ihnen, dass es wichtig ist, dass sie hier sind, und dass sie mit ihrer Persönlichkeit auch im Heim nötig und gefragt sind. Jedes! Sie schauen mich an und einer nickt, von dem ich weiss, dass er  lieber noch nicht im Heim wäre. Er nickt, und ich freue mich über den Text, den ich vorgelesen habe:

"Ein Stück der Welt hat darauf gewartet, damit du diesen Ort erreichst.
Manche Menschen möchten von dem Ort, an dem sie gerade sind,
weglaufen, um ihren heiligen Ort zu finden.
Wo auch immer du bist, was auch immer du dort tust -
mache das zu deinem heiligen Ort."

Wahrscheinlich ist dieser Text zuallererst an mich gerichtet...

Donnerstag, 3. Januar 2013

Heimkommen - Mails checken

Reto und ich waren eineinhalb Tage in Flüelen, um die vielen Eindrücke der letzten Tage auszusortieren: Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. - Ins Kröpfchen würde hier wohl bedeuten: "abeschlücke, verdoue, vergässe". Aber es überwiegt dermassen das Gute, dass das Schwierige zu (er-)tragen ist. Vom Schwierigen, als da ist das Verhältnis zum Bischof und seine Ansprüche, habe ich meiner Arbeitskollegin per Mail erzählt. Auch meine Brief-Predigt ihr geschickt. Nun meint sie: veröffentlichen! - Ob ich das auch noch wage? Vielleicht. Kann sein. Muss vielleicht sein. Für mich und andere.

Mittwoch, 2. Januar 2013

Abendmahl

2. Januar - wir sind schon mitten im neuen Jahr. Die ganzen Arbeits-vollen und Wunder-vollen Tage des zu Ende gehenden und des neu beginnenden Jahres sind gelebt in vollen Zügen. Gestern Abend war ich nochmals in Göschenen am Behörden-Apéro des Kirchenrates. Eindrückliche Persönlichkeiten von verschiedenster Machart um den gleichen Tisch versammelt. Alle greifen zu von derselben Fleischplatte und reden über Hirsche im Dorf, Kirchenpolitik und Persönliches. Und finden, das müsste man öfter machen, zusammen reden über alle Zuständigkeiten hinweg. Einer der Mannen geht Jahr für Jahr zum Behördenapéro seit über dreissig Jahren. Getreulich. Treu. Bereit, mit jeder und jedem zu reden am Tisch.

Behördenapéro - ein Sinnbild wofür? Ein Bild, das man kennt. Ein Bild. - ABENDMAHL!

Dienstag, 1. Januar 2013

Es ist getan!

Oh, oh, oh, das war schwieriger als gedacht - die Predigt mit dem Brief an den Bischof Vitus Huonder! - Mir ist ja nicht in die Wiege gelegt worden, mich gegen Autoritäten zu stellen. Aber ich habe die Pfarrei-Initiative unterschrieben und muss mich bis zum 15.1.2013 beim Bischof rechtfertigen. So habe ich beschlossen, meinen Brief an den Bischof an drei Orten als Predigt vorzulesen. - Zweimal habe ich vor der Predigt massiv Bauchweh gehabt und danach Kopfweh. Einmal ist es mir gut gegangen, davor, während und danach: Auf der Göscheneralp.

Es ist getan, dreimal! Wie schön, dass das dritte Mal auf der Göscheneralp war! Zuerst mit dem Schneetöff, Christoph am Lenker, hinauf brausen. Dann Gottesdienst; Max schmunzelt. Und in der Beiz danach so viel Nähe und Verständnis. Umarmungen. Kläri hat nichts gesagt, aber mir die Wange gestreichelt. Elisabeth und Käri - voll bei  mir und für mich.Wunderbar. Hurrah, ich lebe noch!

Auf der Talfahrt, der sausenden, Reto am Jodeln, haben wir eine Gämse gesehen. Rassiger Endspurt von Christoph. Brems- "Chrigel" mit dem Schneetöff. Alles gut. Es ist getan!