Sonntag, 15. Dezember 2013

Abschreiben

Heute habe ich keine Kraft, selber zu denken. Aber ich habe gestern einen Text gelesen, den ich mir selbst zu Herzen nehme. Er stammt aus "Donna" 1/12. Geschrieben hat ihn Katja Nele Bode:

"Die, die es still wollen, sind die Unruhestifter...Dabei ist Stille eine Art magisches Raunen, das uns helfen kann, wieder das zu entdecken, was ein Leben gut machen könnte.

"Geh in die Stille, denn Stille wird dich alles lehren." (Hl. Antonius)

Wer still sein kann, entwickelt Demut. Stellt sich neben sich, merkt, wie grotesk das Leben sich zuweilen windet. - Stille ist gross, und es gibt viele Wege, sie zu finden."

Heute bereite ich die Weihnacht vor

Alle vergangenen Berufsjahre lang ist mir das Weihnachtsfest zu früh gekommen. Ich war einfach noch nicht bereit. Nicht mit dem Geschenke - Einpacken und nicht mit dem inneren Weihnachtsfrieden.

Heute aber bereite ich die Weihnacht vor, und das fühlt sich gut an. Geschenke gibt es nur kleine, aber viele bekommen eines. Das bringt mir zum Bewusstsein, wievielen Menschen im Mittelland und in den Bergen ich verbunden bin. Wenn das nicht Weihnachtsfreude ist! (Mit dem Frieden ist es ein bisschen schwieriger, besonders mit dem kirchlichen Frieden.)

Ich binde Schnürchen oder Wollfäden um Schächteli. Und ich werde heute Nachmittag einen Weihnachtsbrief schreiben, weil Reto das so gern hätte von mir.

Und in all den Fäden und Goldstiften und den Weihnachtspapieren, und in all den Gefühlen für die An-gehörigen (= die zu mir/uns gehören) wird die Weihnachtsfreude immer stärker und dehnt sich aus bis ins Kinderspital von Bethlehem und weit in die ganze Welt. - Gut, dass es Weihnachten gibt!

Samstag, 14. Dezember 2013

"Plämpelitag" (Tag, an dem ich es geruhsam angehen lasse; Hängenlassen - Tag)

Mit dem Fusspflegebalsam in der Hand habe ich mich Richtung Laptop bewegt. Zuerst Füsse pflegen oder zuerst Mails abrufen? - Ich habe den festen Vorsatz gefasst, den Tag heute zu einem langsamen Tag zu machen. Alles langsam angehen. Mir Zeit lassen. Ohne dass die Seele gleich baumeln muss. Es gibt Gründe dazu, heute einen "Plämpelitag" zu machen. Der Hauptgrund heisst schlicht und einfach: Ich komme nicht mehr nach mit dem Verarbeiten der Eindrücke.

Mit dem Fusspflegebalsam in der Hand gehe ich durch die Wohnung. Füsse immer noch nicht gepflegt. Aber gesichtet, was da ist: Überall Ware, die weggeräumt werden sollte. Badezimmer, das geputzt werden will. Weihnachtsgeschenke, die aufzumotzen sind per Verpackung. Agenda, die à jour gebracht werden muss. Telefonate, die zu tätigen sind. Mails, die nicht nur gesichtet, sondern bearbeitet zu werden verlangen. Und um zwölf Uhr sollten die "Gschwellte" gar sein.

"Plämpelitag" - du schwindest dahin, ehe du richtig begonnen hast. Aber ehr- und redlich: In einer halben Stunde (nach den Mails) sitze ich zur Meditation ganz still. DAS MUSS SEIN!

PS. Was tue ich mit dem Fusspflegebalsam?

Freitag, 13. Dezember 2013

Holzgewachsen

Im "Andern Advents-Kalender" steht heute, dass wir ein Wort für andere werden können. Geschrieben hat den Text ein uralter reformierter Theologe - Jörg Zink. Ein bisschen fromm kommt mir das vor, und es tönt sehr "kirchsprechig". Wer versteht das schon, was den Anfang des Johannes-Evangeliums bildet: "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott." Und nun sollten wir auch so ein Wort werden und erst noch eines für andere. "Kirchsprechig".

Aber was für ein Wort möchte ich sein, so ganz für mich, mal ohne andere zuerst? Mit welchem Wort würde ich gern in Verbindung gebracht werden? - Heute Morgen war mir wohlig-wunder-wohl, als Kaya ihre Wange an meine legte und dazu "ihr Wort" in mein Ohr rief. Es ging zu Herzen.

Herzlichkeit! Das wäre ein schönes Wort. Nur so offen herzlich, zärtlich wage ich nicht zu sein. Nicht mehr. Verlernt. Deshalb wahrscheinlich hat mir in der Siesta geträumt, dass der Bahnhoflautsprecher ausgerufen hat: HERZLICHKEIT - HOLZGEWACHSEN.

Das passt zu mir: Herzlichkeit - holzgewachsen. Manchmal ein bisschen hölzig, knorrig, aber eigentlich herzlich.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Ein halbes Jahr

Heute ist unsere Enkelin Kaya ein halbes Jahr alt. Aber sie ist gewiss nicht eine halbe Portion, und uns hat sie schon voll im Sack. (etwas im Sack haben = einer Sache sicher sein können.)

Gerade haben wir die Datenliste bekommen, wann wir Kaya im Januar hüten dürfen. Unsere Tochter vertraut uns. Wie schön! Halbe Sachen macht diese nämlich auch nicht, was nur gut ist so.

So feiern also Grossvater und Grossmutter ein wenig, aber nur mit weichen "Guteli", weil die (Zahn-)Krone der Grossmutter Hartes nicht zulassen täte. Überhaupt ist es gut, dass es etwas zu feiern gibt, da sich der rechte untere Mundbereich alles andere als feierlich anfühlt. Hilfeee! Eine Schmerztablette muss her. Die zweite in vier Stunden. Kommt gut. Alles.

Dienstag, 10. Dezember 2013

Neunzehn Uhr - gerade heimgekommen

Elf Stunden waren wir weg; mehr als fünf davon sassen wir in Zügen. - Als wir weggingen, blaute der Himmel über Oberwinterthur. Von Solothurn an herrschte Hochnebel oder Bodennebel. Trotzdem war es ein sehr schöner Tag, und wir sind froh, dass wir "es" gemacht haben. - Wir waren in Yverdon-les-bains und haben "mon vieil oncle et ma vieille tante" besucht. Gerade heute feierte mein Onkel Max seinen 77.Geburtstag; er ist mein letzter Onkel. Bei einem Chinesischen Essen haben wir Erinnerungen ausgetauscht und uns auf den neusten Lebensstand gebracht: Wem geht es wie gut oder nicht gut. Was beschäftigt uns. "Ma tante" wollte wissen, ob ich an die Wiedergeburt glaube; wir waren uns einig, dass wir "es" nicht wissen. "Es" ist das, was uns erwartet oder auch nicht.

Was brauchen wir zu erwarten, wo doch aktuell so viel los ist! Heute hat Enkelin Kaya erstmals Rüeblibrei gegessen - ohne gross zu spucken. Morgen gehe ich zum Zahnarzt und bekomme eine Krone (nicht auf den Kopf!).

Montag, 9. Dezember 2013

Welten

Gestern war ich bedrückt, weil ich zu stark in die Welt der Churer Hierarchie eingetaucht bin: Der Bischof hat zum Tag der Menschenrechte ein "Wort des Bischofs" geschrieben, das ungeheuerlich und fahrlässig ist und die Würde von homosexuellen, bi- und transsexuellen Menschen mit Füssen tritt. Und das dem Liebengott Behauptungen in die Schuhe schiebt, von denen sich dieser wohl absolut distanzieren würde. So man vom Liebengott etwas wissen kann und vielmehr eigentlich nichts wirklich weiss.

Heute aber bin ich genesen in einer anderen Welt, die mir viel näher ist. Wir durften unsere Enkelin Kaya hüten und dann mit unserer Tochter Spaghetti essen und mit beiden spazieren an der Wintersonne. Das ist das wirkliche Leben. Einen Leserinbrief schreibe ich aber allemal gegen die Welt des Bischofs.