Donnerstag, 1. Januar 2015

28. Dez, 2014
Wer weiss schon ganz genau, was in einem anderen Menschen vorgeht. Auch wenn Reto seit Wochen davon geredet hat, dass er endlich Schnee schaufeln möchte, ist es nicht ganz sicher, dass er jede Schaufel voll Schnee mag, die er zur Seite wirft. Ist doch anstrengend, finde ich. Mir ist es recht, dass es nur noch leise, leise rieselt vom Himmel und mein Ehemann sich nicht übertun muss in den nächsten Tagen. - Schön aber ist es, dass unsere Enkelin den ersten "Neemaa" gebaut hat mit Mami und Papi. Was sie dann wohl dazu meint, wenn er an der Sonne schmilzt? - Erinnerungen werden wach: Sohn Stefan hat einmal so bitterlich geweint, als die weisse Pracht hinwegschmolz, dass wir beim nächsten Schnee ganz kleine Schneemänner formten und sie in den Tiefkühler stellten. Im Frühling haben wir sie wieder entdeckt.
27. Dez, 2014
Es war wunder-, wunder-, wunderschön, wieder mit der ganzen Sippe in Wassen und Flüelen Weihnachten zu feiern. Und total überraschend, dass wir alle nicht zum letztenmal am 25. Dezember im MartiniF essen. Die Tradition soll weitergehen, auch wenn wir unsere Ferienwohnung in Flüelen dann nicht mehr haben zum Übernachten und Brunchen.
Ich bin eigentlich überrascht, dass die Vorfreude und die Freude am Geschehen sich gedeckt haben. Kommt doch vor, dass die Vorfreude grösser ist als die tatsächliche Freude.
Jetzt sind ein paar ruhige Tage angesagt. Neue Agenda einrichten. Weihnachtspost weiterschreiben. Lesen. Das neue Radio geniessen. Gesund essen. Wenig naschen. Trotzdem das Leben total geniessen. - Und dann das nächste Fest anrichten und ganz toll feiern. Erste Gesellschaftsspiele an Silvester mit Enkelin Kaya. Meine Vorfreude schlägt Purzelbäume.
24. Dez, 2014
Gerade waren wir auf der Post, die allerallerletzten zwei Päckli aufgeben. Gut, hat es auf meinem Götti-Rüedu-Kasten viel weniger Gelagertes und wieder mehr freien Raum! In der Kartenschachtel nehmen selbstgebastelte Karten und grosse Couverts stetig ab. Sogar mein Pult ist wieder benützbar für Gewöhnliches, weil Schnüerli und Papierli nach und nach verschwinden in alle Himmelsrichtungen als Umwicklung von Geschenken. - Dafür nehmen die Weihnachtskarten mit liebevollen Grüssen und Wünschen unglaublich zu. Und sie sind schön. Und sie berühren. Und sie machen so viel Freude. Da soll noch jemand behaupten, die Leute würden nicht mehr schreiben! Sogar die liebe Frau Huber von Göschenen hat geschrieben. Ich weiss, wieviel Mühe das der alten Dame macht. - Ich bin längst nicht fertig mit meiner Post. Aber ich will gern schreiben, also nicht schnell schreiben. Die Weihnachtszeit dauert bis zum 6.Januar. Es bleibt genug Zeit.
23. Dez, 2014
Reto und ich haben in unserer Ferienwohnung alles bereit gemacht für die Stunden mit unseren Gästen. Geputzt, eingekauft, den Kühlschrank vollgestopft, Stühle und Tische gerückt, Wäsche gewechselt, eine Weihnachtsgirlande aufgehängt. Alles ist bereit. Dann sind wir mit dem Zug nach Hause gefahren. Über dem Zugersee hat der Himmel gebrannt von einer tiefen, späten Wintersonne. Und die Mondsichel spricht vom Wachsen und Mehren. Auf dem Fussweg nach Hause sind die Nachtbäume voller Sterne gestanden. - Jetzt freue ich mich einfach unbändig auf die nächsten Tage. Weihnachtlich gerüstet.
21. Dez, 2014
Mit knapp über zwanzig Jahren verbrachte ich ein halbes Jahr in Israel. In einem Kibbuz mitzuarbeiten war damals angesagt. Ich habe es sogar auf zwei Kibbuzim gebracht. Ein Vierteljahr habe ich in der Wüste Negev Früchte gepflückt und sortiert. Drei weitere Monate war ich in der Nähe von Haifa am Grapefruits und Orangen Pflegen und Pflücken. - Ich habe wunderbare Erinnerungen an Israel, was mich um so trauriger macht bezüglich der Situation heute dort. Immer dachte ich, ich gehe nochmal hin. Aber ich könnte die Trennmauern zu den Palästinesischen Gebieten schlecht ertragen.
In Nürnberg gibt es nebst dem offiziellen Weihnachtsmarkt auch noch einen kleinen Markt der Nationen. Am Stand von Israel habe ich Halva entdeckt - eine krümelige Paste aus Sesam und ich weiss nicht was noch. - Ich liebe Halva. Ich liebe Halva vor allem, weil es mich erinnert. - Weil sie mich erinnern, liebe ich auch Mailänderli so sehr. Und ich liebe die alten Fotoalben und die alten Kinderlieder. Wetten, dass an Silvester alle mit Kaya "Gling, gling, gling, die Poscht isch do" spielen müssen!
20. Dez, 2014
Heute Morgen kamen Tochter, Partner und Enkelin zum Brunch. Weil Kaya ihr Weihnachtsgeschenk schon bekommen sollte, schmückte Reto in der Frühe schon das Tannenbäumchen. - aber wo sind die ganzen Baumvögelchen? In keiner Weihnachtsbananenschachtel. Nirgends aufzufinden. Fortgeflogen. Traurig, aber wahr. - Ich erfuhr von der Unauffindbarkeit, als ich vom Einkaufen zurückkam. Von allem ein wenig, was ich selber gern habe. Insgesamt viel zu viel. Aber fein. - Kaya ist nicht zu klein, um mit dem Puppenhaus zu spielen, und wir spielten alle ein wenig mit. - Schön, wenn Weihnachten schon am zwanzigsten beginnt. Für mich dauert sie eh bis zum 6.Januar. Bis dann erlaube ich mir die Hoffnung, dass ich allen, allen schreibe, die mir am Herzen liegen. Dass es viel zu viele sind, weiss ich jetzt schon. Aber jetzt gilt es, Retos verschwundene Vögelchen aufzuspüren.
19. Dez, 2014
Heimgekommen von Nürnberg, der Stadt, die ich einmal besuchen möchte, wenn nicht Weihnachtsmarkt ist. Obwohl sie auch schön ist, wenn Weihnachtsmarkt ist. - Reto und ich waren zum vierten Mal dort, aber zum erstenmal mit Sepp und Vreny. - Ich mag am liebsten das Drumherum um den Markt. Ein Orgelkonzert. Die junge Frau, die irische Weihnachtslieder sang. Nur sie und ihre Gitarre in einer ordentlich vollen Kirche. Die Schulklasse mit dem Lehrer Alter Schule, die sich aufstellten, um ernsthaft für uns zu singen. Oberstufenschülerinnen und Schüler! - Ich mag die Kerzen tragenden Engel in St. Laurentius und das trauliche Familienbild in der Frauenkirche mit Maria, Josef und dem Kind bei Elisabeth und Zacharias und dem Kind (Johannes). Ein wenig stört mich der Gesichtsausdruck der beiden Väter: Eifersucht und Herablassung? Wer hat das wichtigere Kind? - Aber die Mütter sind einfach Mütter. Sonst nichts. Einander und ihren Kindern zugetan. So ein Bild habe ich noch niemals zuvor gesehen.