Am frühen Morgen traute ich meinen Augen nicht! Da hatte der Wetterbericht furchtbares und fruchtbares Wetter gemeldet - und jetzt schien die Sonne vom blauen Himmel. - Ein paar Stunden später: Das Wetter hält sich an den Wetterbericht. Ich warte auf eine Regenpause, um Gemüse zu ernten im Gärtchen. - Inzwischen schreibe ich am Kaya-Buch. Ich erzähle meiner Enkelin mein Leben. Unterdessen bin ich zwanzig Jahre alt und junge Lehrerin. Meine Schülerchen und ich beginnen ein neues Leben - ein Schulleben. Ich fange an als Primarschullehrerin; sie fangen an als Erstklässler. Da will ich für einmal mich selber zitieren aus einem alten Tagebuch:
"Diese Stimmung, diese Andacht, diese religiöse hingebende Haltung von uns Anfängern auf beiden Seiten wird nie mehr zurückkehren, da ich nur einmal neu war."
Neu war ich dann noch oft im Leben, aber nicht als Lehrerin. - Nach den Ferien, bald, sehr bald, kommt Kaya in die erste Klasse. Hoffentlich wird es besser, als sie denkt. Sie möchte nämlich lieber pensioniert sein.
Mittwoch, 7. August 2019
Dienstag, 6. August 2019
Mäuse
Es regnet, und ich häkle Mäuse. - Niemand braucht sie. Niemand mag sie. Fast niemand. Aber mir hat die eine kleine Maus so gut gefallen, die eine Frau aus Guarda gehäkelt und mir verkauft hat. So versuche ich es ihr nachzumachen. Wobei meine Mäuse immer dicker werden als ihre Mäuse. Ob sie mir gleichen wollen?
Montag, 5. August 2019
Wandern auf dem Friedhof
Beim Morgenessen spätestens machen wir Pläne für den Tag. Heute waren wir uns einig, dass wir ein wenig wandern wollten. Die Vorschläge gingen über Thur, Töss, Wildnispark Langenberg, Zürichsee und bis zum Berner Oberland. - Jeder Vorschlag führte zu Stirnrunzeln bei dem einen oder der anderen. Da sagte Reto: "Wir müssten noch auf den Friedhof." - Und das taten wir dann. - Zuerst die beiden Gräber anschauen gehen. Brauchen sie etwas? Dann zum Blumenladen und zwei Pflanzen kaufen. Lavendel für Götti, weil er so gern in Südfrankreich war. Edelweiss für mein Mami, weil sie so gern Bergblumen hatte. - Einsetzen oder hinstellen und kurz verweilen bei unseren lieben Verstorbenen, die ja erst ganz tot sind, wenn niemand mehr an sie denkt. - Ich habe mir Gedanken gemacht, wie unsere Enkelin darauf vorzubereiten wäre, dass auch Reto und ich sterben werden. Ob sie schon verstehen könnte, dass wir die Essenz des Lebens von unseren Lieben immer in uns tragen können. Ihr Wesen, das was ihnen wichtig und wert war, können wir in uns weiter leben lassen. Es neu aussäen und so fruchtbar machen.
Sonntag, 4. August 2019
Nicht fragen sondern tun
Fragen finde ich eine Kunst. Reto beherrscht sie besser als ich. Er ist auch neugieriger als ich. Aber es ist nicht nur dies, er kann einfach oft die richtigen Fragen stellen, um ein Gespräch in Gang zu bringen. Er scheut sich auch nicht, mit dem Wetter zu beginnen. Darüber können ja alle etwas aussagen. Aber dabei bleibt es dann nicht. Reto fragt weiter. - Vielleicht ist es auch so, dass ich gern selber erzähle. Vielleicht möchte ich gefragt werden. - Am liebsten ist mir, wenn alle am Gespräch teilhaben können. Wenn es leicht hin und her und herüber geht. Wenn es alle interessiert. -
Fragen ist eine Kunst. Aber manchmal fragt man auch zu viel. - Heute Morgensind wir wieder, wie so oft am Sonntagmorgen, zum Goldenberg spaziert. Unser Begehr war ein Glas Weisswein an der Aussicht. Man sieht so schön über die ganze Stadt und noch weiter. Am weitesten, wenn man direkt an der Mauer mit den Eidechsli sitzen kann. Und warum sollte man dies nicht können, wenn noch kaum jemand da ist. -
Leider haben wir gefragt, ob wir da sitzen könnten, obwohl schon gedeckt war. Aber nicht reserviert! Nur gedeckt waren alle besten Aussichtsplätze. - Der Kellner wand sich, aber wies uns eben doch an einen inneren Tisch. Wir waren nicht zufrieden, aber wir fügten uns. Ein bisschen grummelnd. - Etwas später kam ein anders Paar. Die räumten einen favorisierten Tisch einfach um - und bekamen ihren Kaffee problemlos dort, wo wir auch gern gesessen wären. - Zu viel fragen ist nicht gut. Tu, was du tun willst!
Fragen ist eine Kunst. Aber manchmal fragt man auch zu viel. - Heute Morgensind wir wieder, wie so oft am Sonntagmorgen, zum Goldenberg spaziert. Unser Begehr war ein Glas Weisswein an der Aussicht. Man sieht so schön über die ganze Stadt und noch weiter. Am weitesten, wenn man direkt an der Mauer mit den Eidechsli sitzen kann. Und warum sollte man dies nicht können, wenn noch kaum jemand da ist. -
Leider haben wir gefragt, ob wir da sitzen könnten, obwohl schon gedeckt war. Aber nicht reserviert! Nur gedeckt waren alle besten Aussichtsplätze. - Der Kellner wand sich, aber wies uns eben doch an einen inneren Tisch. Wir waren nicht zufrieden, aber wir fügten uns. Ein bisschen grummelnd. - Etwas später kam ein anders Paar. Die räumten einen favorisierten Tisch einfach um - und bekamen ihren Kaffee problemlos dort, wo wir auch gern gesessen wären. - Zu viel fragen ist nicht gut. Tu, was du tun willst!
Samstag, 3. August 2019
Einsicht
Gestern Abend bei Freunden. Schöne Abendstimmung. Der Kräutergarten duftet, das Holzfeuer auch. Wir bekommen feines Essen und interessante Gesprächsthemen vorgesetzt. Unter anderen: "Unsere Generation der Siebzigjährigen ist verantwortlich für den Klimawandel und die Vergiftung der Böden." - Unter anderen: "Wenn ich nur noch zwei Jahre zu leben hätte, würde ich sofort auf Weltreise aufbrechen." - Ob wir nun noch zwei Jahre, zehn Jahre oder zwanzig Jahre zu leben haben, spielt eigentlich keine Rolle. Wir müssten in unserem Alter langsam herausgefunden haben, was uns wichtig ist - und es nach Möglichkeit leben. Tag für Tag. Jetzt! - Ich werde mein Leben mit oder ohne akute Bedrohung so weiter leben wie jetzt, so lange es möglich ist.
Freitag, 2. August 2019
Altersdiskriminierung
Ich ärgere mich immer noch - und es ist nicht das erste Mal. - Klara Obermüller wurde auf Facebook zitiert zum Thema "Resignation von Kirchenangehörigen" (kath. Kirche). Sie machte dezidierte Aussagen darüber, dass sich einfach nichts, aber nichts Grundlegendes ändert in der katholischen Kirche. Da wurde sie doch heruntergeputzt von einer jungen Frau. Die fand, ältere Leute sähen halt das Ganze nicht mehr so, hätten den universellen Überblick nicht mehr, usw. - Es tönte herablassend, bevormundend. Alte muss man vor sich selber schützen und darf sie nicht mehr so ernst nehmen. - Das macht mich zu einer grantigen Alten. Altersdiskriminierung ist genau so schlimm wie alle anderen Formen von Diskriminierung.
Donnerstag, 1. August 2019
Kürbisblüten
Wir haben eine Kürbispflanze gesetzt vor Wochen. Unterdessen müssen wir unsere Füsse grausam "lüpfen" (heben), um noch durch unseren Garten zu kommen. Grosse grüne Blätter, die bei Sonne "den Schirm zumachen", aber abends auferstehen. Und viele wunderschöne gelbe Blüten, die bald verwelken, aber da und dort - und noch dort kleine "Kürbisli" hinterlassen, die sich hoffentlich auswachsen. - Wir brauchen aber nicht den ganzen Keller voller Grosskürbisse. Deshalb habe ich es heute mit "Gefüllten Kürbisblüten" zum Zmittag versucht. War sehr lecker. Kann wiederholt werden. Einfach Balance halten im Garten und im Leben.
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