Donnerstag, 7. Mai 2020

Tiere - im Ohr und im Traum

Gestern Abend oder schon in der Nacht, so um die elf, Kater Nepomuk liegt auf meiner Decke, ich darunter, fällt etwas in mein Ohr. Wirklich, es fällt, und es surrt. Ssssrrr, in meinem linken Ohr. Aber nicht lange, weil ich aufschnelle und die blöde, oberblöde Surrfliege wegscheuche. Aber leider kann ich dann gar nicht so schnell einschlafen. Kommt sie wieder? - Es kommt ein Eisbär in der Nacht. Aber er ist eigentlich ein grosser, grosser Kuschelbär, der lebendig ist. Er tappt herum und ist brummig-friedlich. - Die Tür zum Garten ist offen. Da spazieren drei junge Igelchen herein, eines kleiner als das andere. Wo sind die Eltern? Auf dem Sitzplatz. Riesenkaliber, beide. So gross wie die Roboter-Rasenmäher, die man immer häufiger in Gärten von schwer arbeitenden Villenbesitzern sieht.

Mittwoch, 6. Mai 2020

Stühle abstauben

Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dies schon mal getan hätte - zwei Stühle am Esstisch abstauben. - Klar, ich habe sie nass abgewischt, wenn mal gekleckert wurde. Ich habe sie kontrolliert, ehe der Besuch kam. Ich habe Brotbrösmeli  zu Boden gehen lassen. Aber abgestaubt? - Gestern habe ich plötzlich gesehen, dass auf den beiden Stühlen, auf denen Reto und ich nicht sitzen beim Essen, Staub liegt. Nicht ein Häuchlein sondern eine richtig dicke Staubschicht, in die man malen kann. Ganz erschrocken habe ich abgestaubt, wo ich das noch nie tun musste. Aber in Corona-Zeiten werden diese Stühle rein gar nicht mehr "besessen". Kein Besuch. Keine Kinder, die mit uns essen. Keine Judith. - Das muss sich baaaaald ändern. Diese "Unbesessenheit" ist schlimmer als alles. Für mich.

Dienstag, 5. Mai 2020

Es schmeckt

Vor zwei Wochen habe ich mit meinem ersten Sauerteig begonnen. Mein Rezept braucht enorm Geduld. Und ja nie vergessen, dass ich noch meinen Teig "füttern" muss! - Gestern dann war er bereit zum Backen. Aber mit den Zeitangaben war es strub. Ich wollte nicht kurz vor dem Schlafengehen backen. Also tat ich, was unser Sohn mit seinem Zopfteig getan hatte - Zwischenlagerung im Kühlschrank für eine Nacht. - Heute Morgen musste mein Teig wieder "warm" werden - er mit mir und ich mit ihm. - Als ich ein bisschen Teig versuchte, war das Ding wie Kaugummi. Ui, ui, ui, so lange gewartet und am Schluss verhauen?! - Aber vor einer halben Stunde ist das Brot aus dem Ofen gekommen. Und es sieht wunderbar aus - und hat Löcher vom Aufgehen - und schmeckt (nur wenig gummig). Unternehmen so weit gelungen.

Montag, 4. Mai 2020

Scheisse

Reto sagt: "Merde alors!", wenn er schimpfen will. Ich behelfe mir mit "shit". Beide, um "das Wort" nicht auf deutsch zu sagen. - Aber gestern rief ich ganz begeistert: "Reto, es hat Scheisse auf dem Sitzplatz!" - Gemeint waren kleine, tierische Exkremente in fast schwarzer Farbe. Das "Gageli" (Scheissdreckelein) war der Beweis, dass wieder ein Igel durch den Garten geht. Das freut uns sehr. - Heute haben wir denn auch das Igelnest vom Winter auseinander genommen. Ist definitiv nicht mehr nötig. - Wahrscheinlich war es nicht bewohnt, aber wer weiss - der nächste Winter kommt bestimmt.

Sonntag, 3. Mai 2020

Niko Peach

Ein deutscher Ökonom ruft zum Umdenken auch nach und in Corona-Zeiten auf. der Schlusssatz im Tagesanzeiger-Interview passt zu hundert Prozent auf unseren Sohn. Ich bin (sowieso) stolz auf ihn. Hier die bedenkenswerte Aussage von Herrn Peach:

"Souverän ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht."

Er fragt uns/mich ausserdem, wer ich gewesen sein wolle. - Also, jetzt bin ich zum Glück immer noch. Aber ich kann daran arbeiten, wer ich gewesen sein will. Dereinst. - Ich kann laut Herrn Peach wählen, ob ich ein dressierter Konsum-Affe gewesen sein will oder ein aufgeklärter Mensch, der seine Verantwortung der Welt gegenüber lebt.

Wir geniessen den erneuten Sonnenschein. Beim Essen unter DEM Baum haben wir uns königlich amüsiert über zwei Türkentauben im zweiten Baum in unserem Garten. Kater Nepomuk hat lange beobachtet, ehe er losgesprintet ist. Statt an den Tauben hat er aber im Baum oben an den frischen Sprossen genagt.


Samstag, 2. Mai 2020

Spät dran

Am Nachmittag haben wir Freunde besucht in Wiesendangen. Weil wir nicht ÖV fahren seit Corona, sind wir hin und zurück gelaufen. Zum Glück hat uns der Regen fast verschont. Aber wenn auch - es war sehr wohl getan, einander wieder einmal zu sehen von Angesicht zu Angesicht. Immer schön mit der nötigen Distanz. Wir werden es wieder tun - jedenfalls wenn es keine zweite Welle gibt. Darauf hoffen wir, und deshalb gehorchen wir. Am liebsten dem Herrn Koch.

Freitag, 1. Mai 2020

Der Apéro ruft

Ich bin heute nicht so "im Strumpf" (Woher diese Redewendung kommt?). Zwar waren die Spargeln fein. Für den Salat habe ich allerhand "Chrütli" im Garten geholt. Die Lesezeit nach dem Essen war wonniglich wie immer. Ich weiss noch lange nicht alles über die Aale und die Sargassosee. - Aber ich schwindle herum trotz Angstpille. - Ich habe beschlossen, dass ich alles weglassen darf, was ich sonst so tue den lieben langen Tag. Onkel Max bekommt noch keinen Brief. Vallader wird nicht geübt. Meditation muss nicht sein. Morgen ist auch wieder ein Tag. Heute nur noch Apéro und vom Sofa aus TV reinziehen.