Am Morgen waren wir alles andere als sicher, ob die Sonne überhaupt über den Nebel siege. Wir warteten nicht und machten einen langen Spaziergang. - Viel, viel später zeigte sich die Sonne doch noch. Gerade, als bei uns coffee time war. Ich setzte mich mit meiner Tasse unter den Ahorn, Reto blieb an der Wärme. Aber ehrlich gesagt, bei mir war es gerade so warm. Und ich konnte kurz mit der Nachbarin von oben plaudern. - Reto wagte es auch noch, und das Geplauder ging weiter mit der anderen Nachbarin. Wird es Winter, sieht man sich manchmal Tage lang nicht im Haus. Eine späte Sonne am Tag treibt alle aus ihren Wohnungen. Zum Glück!
Sonntag, 8. November 2020
Freitag, 6. November 2020
Ein Glückstag im ungeliebten November
Ein bisschen laufen muss die Frau! Reto ist einkaufen gegangen, und ich durfte spazieren. Ich ging einen Weg, den ich mag. An dem ehemaligen Bauernhaus vorbei, das einen biodiversen Garten hat. In dem dieses Jahr die Apfelbäume "graglet" voll hingen. Wo ich seit sieben Jahren überlege, ob da immer noch die Frau Huber wohnt. - Erster Glücksmoment: Eine Frau trat an ihren Briefkasten, und ich fragte sie nach ihrem Namen. - "Huber", sagte sie erstaunt. Ich erzählte ihr, weshalb wir uns "eigentlich" kennen. Vor vierzig Jahren hatten wir zu viert jeweils die Kinder einen Nachmittag lang gehütet. So ging es: Eine Frau hütete in unserer Wohnung die sieben Kinder, und drei Frauen durften in die Stadt und sich frei nehmen. - Frau Huber erinnert sich. Wir tauschen aus, was unsere Kinder heute machen und wo sie wohnen. Glücklich spaziere ich weiter.
Ich habe eine Maske und ein Zwanzigernötchen mitgenommen. Ohne bestimmte Absicht. Das Blumenlädeli "Reni" ist offen. Ein Genuss, da zu stöbern. Ich kaufe etwas Kleines, Schönes. Glücklich spaziere ich weiter.
Kaum bin ich zu Hause läutet der Paketpöstler. Er überreicht mir ein Riesenpack. Schwer. Geheimnisvoll. Ich warte, bis Reto auch zu Hause ist. Dann öffnen wir und staunen. Stefan und Martin haben uns das Weihnachtsgeschenk 2019 geschickt. Wegen Corona haben sie den versprochenen Event umgewandelt in Kulinarisches. Glücklich sind wir. Sehr glücklich!
Donnerstag, 5. November 2020
Zwei weisse Knöpfe
Kuscheltiere wieder auf Kayas Bett drapiert. Zwei weisse Knöpfe liegen auf dem Pult und sollen an Bäbis rosarote Winterjacke genäht werden. Sonst hat Amina einen kalten Bauch bei einem Spaziergang. Cd s liegen herum. Wir haben ganz verschiedene Musik ausprobiert, ob sie zum Tanzen geeignet ist. Und getanzt haben wir!!! So ausgegeben habe ich mich lange nicht mehr. Ich spüre immer noch die Energie in meinen Händen. Aber jetzt wird es Zeit, ein bisschen auf dem Bett herum zu lümmeln. Neuen Krimi beginnen. Schon ist Abend.
Mittwoch, 4. November 2020
Drei Stationen
Ich hatte einen Arzttermin. Ab einem gewissen Alter hat man das dauernd. Heute war die jährliche Augenkontrolle fällig. Aber vorher suchte ich noch kurz den Bioladen "Regenbogen" auf. Ich kaufte ein Kilo Emmer Mehl, weil es der Biodiversität gut tut und weil es verarbeitet zu Brot fein ist. Dann also zur Augenärztin. Ich dachte, das sei eine kurze Sache, aber ich musste eine ganze Weile warten. Die Augenärztin nahm es genau und machte noch einen Untersuch und noch ein Bild von meinen Augen. Verglich mit mir letztes Jahr und dieses Jahr. Sie sah einen "akademischen Unterschied", ich gar keinen. Jedenfalls durfte ich gehen mit dem Bescheid, es sei alles wie gehabt, also in Ordnung. "Der kleine akademische Unterschied kann uns Wurst sein." befand die Ärztin. - Endlich eilte ich ins Kaffee "Alltag", wo eine Freundin auf mich wartete. - Ich bin am liebsten zu Hause, aber bitte keinen neuen Lockdown. Am liebsten heisst ja nicht immer und ganz und gar.
Dienstag, 3. November 2020
Nicht mein Tag
So dunkel. So nass. Unerfreulich. Und Reto ist zur Dentalhygienikerin gepilgert und mit schlechtem Bericht zurück gekommen. Ein Eiterzahn! - Ich habe im Frühling nicht nur beschlossen, meine Haare wachsen zu lassen, bis Corona vorbei ist. Ich gehe so lange auch nicht zum Zahnarzt. Mein Sohn stellt sich vor, wie ich irgendwann nur noch Zahnstummel im Mund habe und nicht mehl lichtig splechen kann. Vielleicht lege ich bald noch zu und ziehe mich in meine Bärenhöhle zum Winterschlaf zurück. Weiss nur nicht mehr, wo sie ist.
Montag, 2. November 2020
Das Winterhäuschen
Heute war Hütetag. Die beiden Mädels sind ja schon gross und jeweils nicht mehr lange bei uns, weil Schule und Kindergarten uns Zeit klauen. - Heute war wieder so ein überaus fröhliches Mittagessen. Witze erfinden, unter-dem-Tisch-Fusskampf, Pläne schmieden. - Mein Plan hiess: Das Kaya-Gartenhaus für den Winter bereit machen. Schnell räumten die Mädchen alles aus und wischten im Häuschen. Dann verlangten sie allerlei Tücher und Wolldecken, denn im Winter ist es manchmal kalt. Sie belegten den Boden dick mit allem, was ich aus dem Keller zauberte. Sie spielten Umzug und turnten an der Strickleiter. Dann war es Zeit für den Urgrossmutter Kuchen, den ich gebacken und mit Marzipan Herzen geschmückt hatte. Grosse Freude und stilles Geniessen. Dann musste/durfte die eine in die Nachmittagsschule gehen. Reto spielte Zwergli Versteckis mit dem Kind, das noch da war.
Sonntag, 1. November 2020
Wieder ein TROTZDEM
Einiges muss abgesagt werden gemäss den neuen Covid Richtlinien. Das ist in jedem Fall traurig. - Unser Treffen mit den lustigen, lieben, klugen Frauen aus dem Urner Oberland haben wir noch nicht gecancelt. Wir warten hoffnungsvoll noch ein wenig. Vielleicht nützen die neuen Regeln so sehr, dass die Fallzahlen sinken. Rapid sinken. "Die Hoffnung stirbt zuletzt" heisst ein abgelutschter Spruch. TROTZDEM! Wir warten also, und derweil habe ich HEUTE Kräuterlikör mit 15 Zutaten angesetzt. Den mögen wir alle so gern, wenn wir um den grossen Tisch sitzen und unsere GEMEINSCHAFT spüren. - Oh, oh, oh, ich möchte so gern!!! Sollte es nicht dazu kommen, dann will mein Schwager mit uns Kräuterlikör trinken. Auch gut, nur nicht allein bleiben!