Ein kleines Kind wie unsere Enkelin lebt jede Stimmung aus. Sie lacht, sie weint, sie reklamiert. Sie ist begeistert, sie ist entsetzt, sie hat Angst. Alles sieht man ihr an oder jedenfalls fast alles. Nur noch selten sind wir völlig ratlos, was in ihr vorgeht. Dabei ist sie erst acht Monate alt. Und doch hat sie schon ein reiches Repertoire sich auszudrücken.
Schade, schade, dass sie später im Erlernen von Konventionen (=Übereinkünfte der Gesellschaft) ihr Ureigenes teilweise wieder verlernen wird! Jedenfalls ist das zu befürchten. - Ich erinnere mich an eine Kinderweihnacht, wo ich lieber Tränen hinuntergewürgt habe, als dass ich unhöflich gewesen wäre. Ich erhielt eine Schachtel Pralinés anstelle des sehnlichst gewünschten Kanarienvogels. - Jedenfalls zuerst. Als mir der Kanarienvogel dann doch noch überbracht wurde, kam ich in ein arges Gefühlschaos. Wie kann man sich freuen, wenn gerade noch soviel Traurigkeit im Hals sitzt!
Freitag, 28. Februar 2014
Donnerstag, 27. Februar 2014
Lust auf Frühling
Als ich gestern Morgen aufwachte, hatte ich ein unbändiges Verlangen nach Frühling. Mehr Frühling. Sichtbaren Frühling. Zwar gab es keinen wirklichen Winter, und doch ersehne ich Licht und Wärme und Blumen und Draussen-Wohnen. Und Bärlauch.
Wir haben am Nachmittag das Postauto nach Rafz genommen und sind ins "Gartencenter Hauenstein" gegangen. - Eine rechte Enttäuschung! Leere Töpfe in allen Grössen und Farben. Draussen ein paar mickrige Gründinger mit Bild, was es werden soll. Das braucht ja alles noch grässlich viel Zeit. So viel Zeit wie immer. Jedes Jahr kann ich es nicht erwarten, und jedes Jahr muss ich doch warten. Ich lernen es NIE!
Heimgekommen sind wir mit einem Topf Osterglocken grün, fünf Töpfchen kleine Stiefmütterchen bunt und zwei Töpfchen Bellis rot. Heute wird ausgetopft und "eingeschalt" und vors grosse Fenster gestellt. So viel muss sein, auf alles Weitere gilt es zu warten. Puuhh!
Wir haben am Nachmittag das Postauto nach Rafz genommen und sind ins "Gartencenter Hauenstein" gegangen. - Eine rechte Enttäuschung! Leere Töpfe in allen Grössen und Farben. Draussen ein paar mickrige Gründinger mit Bild, was es werden soll. Das braucht ja alles noch grässlich viel Zeit. So viel Zeit wie immer. Jedes Jahr kann ich es nicht erwarten, und jedes Jahr muss ich doch warten. Ich lernen es NIE!
Heimgekommen sind wir mit einem Topf Osterglocken grün, fünf Töpfchen kleine Stiefmütterchen bunt und zwei Töpfchen Bellis rot. Heute wird ausgetopft und "eingeschalt" und vors grosse Fenster gestellt. So viel muss sein, auf alles Weitere gilt es zu warten. Puuhh!
Mittwoch, 26. Februar 2014
Konfetti
Reto hat sie nicht so gern, die bunten Kleinstpapierchen überall in unserer Wohnung. Aber ich streue sie, so gut es geht, und finde es schade, wenn Reto so viele wie möglich beseitigt. Er denkt daran, dass er vorgestern die ganze Wohnung gesaugt hat. Ich denke an die Menschen in Wassen, mit denen wir gestern ein wenig gefasnachtet haben. Könnte ich ja auch ohne Konfetti, aber ich lasse mich gern sinnlich erinnern. Muss sehen, fühlen, riechen, hören, tasten.
Jedenfalls war es ein ereignisreicher, intensiver Tag gestern. Von Freunden im Auto, im neuen "gibeligääle" (ganz und gar gelben) mitgenommen, vor dem Betagtenheim abgeladen und abschiedsverküsst, vom Heimleiter mit langen grauen Perückenhaaren begrüsst und mit Tranksame versorgt, von Betagten und Nichtbetagten wohlwollend bis freudigst begrüsst, sassen wir am langen Tisch oder gingen umher, plauderten da mit einer und klopften dort einem auf die Schulter. Und gaben Grüsse mit auf den Heimweg an die, die wir auch gern gesehen hätten. Ein andermal. Warum kann man an einem Nachmittag nicht alle sehen und mit allen reden? Die eine nimmt es uns übel, dass wir zur anderen noch zu Besuch gingen. Hassten wir alle es nicht schon in der Schule, wenn die LehrerInnen die einen bevorzugten und die anderen kaum beachteten. Gerechtigkeit ist ein Ideal, aber nicht wirklich praktizierbar.
Jedenfalls war es ein ereignisreicher, intensiver Tag gestern. Von Freunden im Auto, im neuen "gibeligääle" (ganz und gar gelben) mitgenommen, vor dem Betagtenheim abgeladen und abschiedsverküsst, vom Heimleiter mit langen grauen Perückenhaaren begrüsst und mit Tranksame versorgt, von Betagten und Nichtbetagten wohlwollend bis freudigst begrüsst, sassen wir am langen Tisch oder gingen umher, plauderten da mit einer und klopften dort einem auf die Schulter. Und gaben Grüsse mit auf den Heimweg an die, die wir auch gern gesehen hätten. Ein andermal. Warum kann man an einem Nachmittag nicht alle sehen und mit allen reden? Die eine nimmt es uns übel, dass wir zur anderen noch zu Besuch gingen. Hassten wir alle es nicht schon in der Schule, wenn die LehrerInnen die einen bevorzugten und die anderen kaum beachteten. Gerechtigkeit ist ein Ideal, aber nicht wirklich praktizierbar.
Montag, 24. Februar 2014
Alles wie geplant
Sogar Reto liess sich gestern hinreissen, in seiner dicken Winterjacke den Kaffee im Freien zu trinken (ich in Bluse und ohne Socken an den Füssen). Und die Krokusse werden immer zahlreicher, die unseren Rasen weiss und violett sprenkeln. Juppiiiihh, der Frühling ist da! - Der Spaziergang in die Stadt führte an unendlich vielen Gärten vorbei, die wir auf Frühlingsblumen inspizierten. Fündig geworden. Mehr als zufrieden. - Der Film "Philomena" im Kino war berührend und gut. Hauptdarstellerin sehr überzeugend. Aber die Katholische Kirche einmal mehr alles andere als überzeugend. Würg!!!
Sonntag, 23. Februar 2014
Vom Wetter abhängig
Schon gestern hat mir die Frau am Radio ständig eingebläut, dass heute Sonntag wunderbares Wetter sein werde und dass ich UNBEDINGT ins Freie müsse, am besten in die Berge, wo es so schön werde, schöner gehe es nicht mehr. Und dann bin ich aufgestanden, und da ist ein grauer Himmel, und kühle Luft umfasst mich, als ich meinen Kopf ins Freie strecke.
Ich gebe es zu, ich bin ziemlich wetterabhängig. Wer schon nicht! Aber wenn denn so wunderbares Wetter wäre heute, niemand würde mich dazubringen, mit ÖV in die Berge zu fahren. Zu viele Erfahrungen von "pumpenvollen" Zügen, wo du nicht weisst, wo du deine Füsse platzieren kannst, und wo dein Ellenbogen dauernd in unfreiwilliger Tuchfühlung ist. Atemnot aus Platzmangel, das brauche ich heute nicht.
Wenn es denn aufklart, trinke ich meinen Mittagskaffee auf dem Sitzplatz und freue mich an den ersten weissen und blauen blühenden Krokussen, die wir im Herbst gesteckt haben. Und wir gehen gegen Abend zu Fuss in die Stadt ins Kino, um "Philomena" zu schauen, empfohlen von einer Freundin. Wetterabhängig ja, aber es gibt auch Freuden unter grauem Himmel.
Ich gebe es zu, ich bin ziemlich wetterabhängig. Wer schon nicht! Aber wenn denn so wunderbares Wetter wäre heute, niemand würde mich dazubringen, mit ÖV in die Berge zu fahren. Zu viele Erfahrungen von "pumpenvollen" Zügen, wo du nicht weisst, wo du deine Füsse platzieren kannst, und wo dein Ellenbogen dauernd in unfreiwilliger Tuchfühlung ist. Atemnot aus Platzmangel, das brauche ich heute nicht.
Wenn es denn aufklart, trinke ich meinen Mittagskaffee auf dem Sitzplatz und freue mich an den ersten weissen und blauen blühenden Krokussen, die wir im Herbst gesteckt haben. Und wir gehen gegen Abend zu Fuss in die Stadt ins Kino, um "Philomena" zu schauen, empfohlen von einer Freundin. Wetterabhängig ja, aber es gibt auch Freuden unter grauem Himmel.
Samstag, 22. Februar 2014
Privatière
Ich habe mich letztes Jahr ins Privatleben zurückgezogen. Bin wieder zur Familienfrau geworden, die ich nach meiner Heirat lange Jahre war. Koche gern und oft. Fühle mich sehr verbunden mit unseren Kindern und ihren Partnern und unserem Enkelkind. Spaziere gern an der Sonne. Fahre nach Flüelen, um im Reussdelta glücklich zu sein (letztesmal habe ich ZWEI Teichhühner gesehen!). Kümmere mich um unsere sozialen Beziehungen, die uns wichtig sind ( uns aber fast überfordern, weil wir wunderbarerweise soviele davon haben!). Ich bin "Privatière" geworden. Eine, die kein Geld mehr verdienen muss und das Leben selbst gestalten darf.
Immer wieder werde ich aber aus meiner Beschaulichkeit gerissen. Und immer vom gleichen Ort. Von CHUR. Und dann spüre ich, dass es nix ist mit reinem Privatleben. Dass ich eine Mitverantwortung habe. Dass ich aus Mitverantwortung laut zetern muss wie eine Amsel, die ihre Umgebung zeternd vor Gefahren warnt. Die neuste Gefahr in Chur heisst: "Martin Rohrer wird ab Juli Regens am Priesterseminar Chur. Er ist u.a. Programmleiter von "Radio Gloria"." Ich stelle mir vor, wie ich als Studierende von Luzern meine jährlich verordneten Regensgespräche mit diesem Martin Rohrer hätte führen müssen statt mit dem damaligen Regens Josef Annen. Wahrscheinlich hätte ich am Schluss auf meine Missio verzichtet. Zeter, Zeter!!!
Raus also aus dem reinen Privatleben und ab am 9. März nach St. Gallen um zu demonstrieren gegen diese sich immer weiter verengende Kirche. - Übrigens gibt es sehr wohl weitere Felder des Lebens, wo reine Privatisiererei nicht statthaft ist. Politik ist eines davon.
Immer wieder werde ich aber aus meiner Beschaulichkeit gerissen. Und immer vom gleichen Ort. Von CHUR. Und dann spüre ich, dass es nix ist mit reinem Privatleben. Dass ich eine Mitverantwortung habe. Dass ich aus Mitverantwortung laut zetern muss wie eine Amsel, die ihre Umgebung zeternd vor Gefahren warnt. Die neuste Gefahr in Chur heisst: "Martin Rohrer wird ab Juli Regens am Priesterseminar Chur. Er ist u.a. Programmleiter von "Radio Gloria"." Ich stelle mir vor, wie ich als Studierende von Luzern meine jährlich verordneten Regensgespräche mit diesem Martin Rohrer hätte führen müssen statt mit dem damaligen Regens Josef Annen. Wahrscheinlich hätte ich am Schluss auf meine Missio verzichtet. Zeter, Zeter!!!
Raus also aus dem reinen Privatleben und ab am 9. März nach St. Gallen um zu demonstrieren gegen diese sich immer weiter verengende Kirche. - Übrigens gibt es sehr wohl weitere Felder des Lebens, wo reine Privatisiererei nicht statthaft ist. Politik ist eines davon.
Donnerstag, 20. Februar 2014
Panoptikum
Also, ich habe gemeint, "Panoptikum" bedeute eine Gesamtschau, ein rundherum alles sehen. Und wenn man alles sieht, kann man es bedenken, und dann "chunnt me druus" (versteht man). So "panoptisch" habe ich nämlich die letzten zwei Nächte verbracht. Kommt ja immer mal vor bei mir. Dass ich wachliege und dann eben SEHE.
Was sehe ich? - Mein Leben oder Ausschnitte davon. Menschen, mit denen ich durchs Leben ging oder noch gehe. Orte, wo ich war. Geschehnisse, die mir widerfuhren oder die ich verursachte. - Und ich höre. Sätze, die jemand sagte. Wellenrauschen am Meer. Wind in den Bergen. - Und ich schmecke. Den besten Himbeersirup meines Lebens, den Mami gekocht hatte.
Tönt jetzt besser als es sich anfühlt in "panoptischen" Nächten. Und weil ich das Wort "Panoptikum" nachgeschlagen habe, erstaunt es mich nicht einmal so sehr, dass es in erster Linie "WACHSFIGURENKABINETT ODER KURIOSITÄTENSAMMLUNG" bedeutet. Ja, ja, meine Nachtfiguren sind manchmal erstarrt in Posen wie die Figuren von Madame Tussaud in London. Und die Geschehnisse, die ich nächtens erinnere, bedeuten keine Gesamtschau, sondern sind eher eine kuriose Ansammlung von Gruselgeschichten. Halt Nachtmahr. Gut, dass jetzt wieder Tag ist.
Was sehe ich? - Mein Leben oder Ausschnitte davon. Menschen, mit denen ich durchs Leben ging oder noch gehe. Orte, wo ich war. Geschehnisse, die mir widerfuhren oder die ich verursachte. - Und ich höre. Sätze, die jemand sagte. Wellenrauschen am Meer. Wind in den Bergen. - Und ich schmecke. Den besten Himbeersirup meines Lebens, den Mami gekocht hatte.
Tönt jetzt besser als es sich anfühlt in "panoptischen" Nächten. Und weil ich das Wort "Panoptikum" nachgeschlagen habe, erstaunt es mich nicht einmal so sehr, dass es in erster Linie "WACHSFIGURENKABINETT ODER KURIOSITÄTENSAMMLUNG" bedeutet. Ja, ja, meine Nachtfiguren sind manchmal erstarrt in Posen wie die Figuren von Madame Tussaud in London. Und die Geschehnisse, die ich nächtens erinnere, bedeuten keine Gesamtschau, sondern sind eher eine kuriose Ansammlung von Gruselgeschichten. Halt Nachtmahr. Gut, dass jetzt wieder Tag ist.
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