Donnerstag, 28. August 2014

"Vornehm muss die Welt zugrunde gehen"

Gestern war ich mit Tochter Judith in Zürich. Das Kindchen Kaya wurde vom Grossvater Reto gern und bestens gehütet. - Judith und ich haben seit einem Jahr eine neue Rollenverteilung. Sie ist Mami, und ich bin Grosi. Natürlich nicht nur, aber stark und fest verankert in unserem Gemüt. So waren die Fixpunkte unseres Zürichbesuchs der "Kinderbuchladen" und der Spielzeugladen "Pastorini". Wir haben geschwelgt und hätten Kaya gern soviele Bücher und Qualitätsspielzeug mitgebracht, wie wir es gar nicht hätten tragen können. Aber man darf nicht übertreiben.

Übertrieben haben wir es dann ein bisschen mit der Wahl unseres Mittagessenslokals. Wir sind die Treppe mit dem roten Teppich im "Storchen" hochgegangen und haben uns auf die Terrasse durchgefragt. Mein Gott, welch schöner Ort! Allerdings gab es nicht allzuviel Essbares, das ich auch zu zahlen bereit war. Es war aber ein überraschender Zusatzgenuss, als der Kellner uns MIT WEISSEN HANDSCHUHEN Käse vom grossen Stück auf unsere KALBFLEISCHRAVIOLI rieb. Mit weissen Handschuhen!!! - "Vornehm muss die Welt zugrunde gehen". hätten dazu meine Eltern gesagt.

Mittwoch, 27. August 2014

Angewärmter Stuhl

Wir geben uns gegenseitig die Tasten in die Hand - diejenigen des Laptops. Und ich habe den Stuhl von Ehemann Reto gerade auch übernommen - angewärmt, wie er ist. - Angenehme Wärme. Vertraut. Nicht auf jedermanns Stuhl setzt man sich gern. Wie man auch nicht jederfraus Standort einnimmt. - Aber fertig philosophiert. Meine Tochter kommt. Wir gehen aus.

Dienstag, 26. August 2014

War gestern Montag - ist heute Dienstag?

Es läuft ständig etwas. Wir auf den Goldenberg. Gestern. In die Stadt auf den Markt. Heute. - In meinen Büchern laufen die Leute auch dahin und dorthin. Und erst noch an Orten, die ich manchmal auch kenne. Was ist mir passiert, was ihnen?

Wohin ich morgen gehe, weiss ich. Was ich übermorgen tue nicht. Aber Freitag bis Sonntag ist es klar, wo ich mich bewege. - Heute kommt Besuch angelaufen. Gut.

Aber ist heute wirklich erst Dienstag, wo doch so viel läuft, dass schon Donnerstag sein könnte...

Montag, 25. August 2014

Im Schlaf

Zwar haben Reto und ich den Film "Ziemlich beste Freunde" im Kino gesehen, aber gestern on TV waren wir gern wieder mit dabei. Anschliessend geht man wirklich zufrieden und fröhlich zu Bett.

Kater Nepomuk hat sich mit mir zusammen zurückgezogen. Er liebt meinen schwarzen Lederstuhl, eines meiner ersten Möbelstücke aus meiner jungen Erwachsenenzeit. Lebt immer noch. Sitzt sich gut. Schläft sich gut.

Mitten in der dunklen Nacht bin ich erwacht. Nepomuk hat geträumt und zarte, sanfte Laute von sich gegeben. Ich habe gar nicht gewusst, dass Kater im Schlaf reden können. Das musste ein schöner Traum sein - vielleicht auch von Freundschaft oder Liebschaft. Ich habe selig weitergepennt.

Sonntag, 24. August 2014

Was machst du an einem Sonntagmorgen?

Reto sammelt im Garten Verblühtes und Verdorrtes zusammen. Ich habe zwei reife Walderdbeeren gefunden - eins für dich, eins für mich. Eine Nacktschnecke gemordet. Ich will nicht teilen. Nicht mit Schnecken, nur mit Raupen, weil ich Schmetterlinge mag. Alltägliche Diskriminiereung.

Was bloss tun wir mit den "grosskopfeten" Lattichen? Auf dem Markt als Endiviensetzlinge gekauft. Sollen sie uns die Bitternis des Lebens nahe bringen? Ist es gut, nicht immer Süsses und Megafeines zu essen? - Ich glaube schon.

"Was machst du an einem Sonntagmorgen?" stand im facebook zu lesen. - Der Sonntagmorgen ist viel zu schnell vorbei. Als ich noch zur Kirche ging, dauerte er länger.

Samstag, 23. August 2014

Ausscheren

Es ist erst halb elf Uhr am Samstagmorgen, aber ich bin proppenvoll von Themen und Gefühlen. Habe nur die Zeitung gelesen. Steigen nur Bilder von den letzten Tagen in TV und Zeitung erneut auf. Bin nur angefragt online, ob ich nicht dies und jenes - alles sehr wichtig - auf facebook veröffentlichen könnte. Ich bin proppenvoll.

Proppenvoll auch vom gutem Essen der letzten Tage. Mit der Frage: Haben wir richtig eingekauft? Fleisch aus tiergerechter Haltung? Salat without Novartis und Co.?

Zuviel, zuviel, von allem zuviel!

Ausscheren möchte ich. Mich kurz halten. Kahlschlag.

Gut, dass es doch etwas zum Lachen gibt! - Reto hat sich von mir die Haare scheren lassen. Hat den Aufsatz nicht auf den Scherkopf gesetzt. Nun ist der Kahlschlag auf seinem Kopf perfekt. Ihm gefällts. Ich frage: "Warum hast du so grosse Ohren, lieber Ehemann?"

Freitag, 22. August 2014

"Zettelitis"

Überall liegen Zettel. Einkaufszettel, Menüplan übers Wochenende. Finanzplan bis Ende Monat. Eine verlangte Telefonnummer zum Weitergeben. Gästeliste für Gäste in der Zukunft, damit wir nicht einsam werden. Merksprüche für stille Minuten. - Aber der fröhlichste Zettel heute heisst so: "Rehbock statt Vogel gesehen". Meine beste Freundin war mit einer Gruppe Vögel beobachten, und da hat sie als Erste (!) einen Rehbock gesehen statt irgendwelche Vögel.

"Rehbock statt Vogel" - welch schöne Aussichten für den heutigen Tag! Bloss nichts partout erwarten, dann siehst Du Unerwartetes.