Dienstag, 31. Mai 2016

Kann das bleiben oder soll es weg?

Ein bewegter Morgen! - Zuerst nüchtern zum Arzt, Blut abgeben, Spritze kassieren, überall Pflästerli drauf, keine Garantie, dass es nützt, Aussicht auf ambulante OP. - Jedenfalls habe ich mir all das versüsst mit einem Frühstück mit mir allein bei "Gottlieber". Ach, haben die leckere Konfitüren und feines Brot! Der Daumen "chrüselet". Gutes Zeichen? - Dann ab nach Hause, wo Reto am Pizza-Backen ist für uns und Judith mit Kinderlein. - Grosse, überwältigende Zeit mit der uns lieben Tischrunde. Spielen, lachen, reden. Wunderbar. Und anschliessend Siesta.

Fällt mein Blick auf mein Büchergestell und dort auf alte Kirchengesangbücher. Eines gehörte meinem Vater; Ausgabe 1938. Es beginnt mit einem Bild: Der Gute Hirte geht mit seinen Schafen...

Diese ewigen Fragen beim Älterwerden: Kann das bleiben oder soll es weg? - Und in Bezug auf wehe Daumen und andere Zipperlein: Wird das bleiben oder geht es (nochmal) weg?

Montag, 30. Mai 2016

Eine gute Stunde durch den Wald und zum Dessert putzen

Morgen bin ich wieder bei meinem Hausarzt. Der Herr Doktor wird tausend Fragen stellen, wann mir der Daumen weh tut, wann mehr, was ich machen und nicht machen kann, morgens und abends gleich oder verschieden und was weiss ich was alles. Und ich soll präzis antworten, was fast so schwierig ist wie "Sätzli-Rechnungen" früher in der Schule, wo ich manchmal nicht mal wusste, was gefragt war. Am Schluss wird er mir sowieso eine Spritze in den Daumen hauen. Wenn sie nützt, ist das recht, aber ein bisschen skeptisch darf ich ja sein.

Weil morgen keine Zeit ist, haben wir heute geputzt. Der Daumen, ja, der Daumen - hat beim Putzen besser mitgemacht als beim Spazieren im Wald. Was ich gemein finde.

Sonntag, 29. Mai 2016

Ein Dirigent tanzt seine Musik

Ich nehme alles zurück, was ich über Klassische Musik gesagt habe: Sie ist nicht langweilig. Es ist nicht immer alles dasselbe - wenigstens nicht, wenn Maurice Steger der Dirigent ist. Und der Flöten-Hexenmeister dazu in einer Person.

Reto wollte unbedingt zum Konzert gehen gestern Abend. Da bin ich halt mit. - Und dann war es eine Wucht. - Dieser junge Dirigent und Flötist hüpft und tanzt auf der Bühne vor seinem Orchester herum, dass einer zuerst mal ganz anders wird. "Spinnt der? Was macht er bloss?" waren meine ersten Gedanken. Aber dann habe ich mich ergeben und mich mitreissen, bewegen lassen von diesem Tausendsassa der Musik. Wobei das jetzt ein falsches Wort ist, denn Maurice Steger ist perfekt. Mit seinem Dirigiertanz schafft er Bilder. Alles bekommt Bedeutung. Kein kleiner Finger streckt sich zufällig. Kein Wiegen und Hüpfen ist vergebens. Kommt alles an - bei den Musizierenden und bei den Hörenden. Welch ein Fest!


Samstag, 28. Mai 2016

"Oggi sono io che ti scrivo"

Eigentlich müssten meine zwei dicken, ausgelesenen Bibliotheksbücher zurück in ihre Gestelle in der Stadtbibliothek. Aber besonders das eine - und eigentlich auch das andere - sind so schön und heiter, dass ich sie gern noch ein bisschen bei mir behalte. Vom anderen habe ich hier schon mal geschrieben. Das eine heisst "Das Kind, das nicht fragte". Geschrieben hat es Hanns Josef Ortheil, der ein "gmögiger" Mensch sein muss, wenn er so wahr, so schön, so berührend erzählen kann. Über eine sehr schwierige Kindheit, in der das Nichtfragen liegt, hin zu Heilwerdung, zu Öffnung, zu grossem Glück. Italien ist die Wiege des Neu-Werdens, was mich nicht wundert. Ein Dichter und Übersetzer hat die italienischen Verse übersetzt, die den Buchteilen vorangestellt sind, der wohl selbst in Italien Heilung gefunden hat oder andauernd findet. Der Bruder unseres Philosophie-Professors an der Uni, von dem ich weiss, dass er das Klima in der Schweiz nicht erträgt.

"Heute nun
Schreibe ich Dir." hat er den Überschriftsvers übersetzt.

Und ich - ich schreibe Dir und Dir und Dir, dass ich daran glaube, dass manches werden kann. Nicht alles, aber manches.

Freitag, 27. Mai 2016

Anders als geplant und auch gut

Einen Spaziergang durch den Wald hatten wir uns vorgenommen. Aber dann ging der Weg dem Waldrand entlang. - Gehen wir da noch ein wenig weiter obsi (aufwärts)? Jetzt wohl nach rechts endlich durch den Wald. Wo sind wir eigentlich? Wo ist Winterthur? - Endlich erkennen wir den reformierten Kirchturm von Elsau. Und bekommen einen so schönen Kiesweg entlang der Flanke des Dorfes. Vorbei an Kartäusernelken und anderen bunten Wiesenblumen. Bläuling flattert über alles. Wie ist der Frühling schön! Der Weg nicht zu weit, denn wir haben beide das General Abo bei uns. Beim Schulhaus Elsau nimmt uns das Postauto auf und bringt uns fast vor die Haustüre.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Park im Grünen, Rüschlikon



Welch wunderschöner Tag mit unserer Enkelin! Wir sind Postauto, Zug, Bus, Schiff und Tram gefahren. Sieben Stunden ohne Kinderwagen unterwegs, und Grosspapi musste das Kind selten ein wenig tragen. Alle drei Teilnehmenden den ganzen Tag gut drauf, aber jetzt müde. Auch alle drei.

Auf dem Schiff haben eine Japanerin und zwei Japaner Kaya dauernd gefilmt und fotografiert, und die alte japanische Dame hat unsere Enkelin ständig zum Faxenmachen  animiert. - Nach dem Austeigen habe ich Kaya gefragt: "Hast du die Dame nett oder komisch gefunden?" - "Komisch." war die Antwort.

Man kann, muss und darf nicht alles dokumentieren. Ein wenig Zurückhaltung wäre angenehm. deshalb erzähle ich nicht, was mich heute am meisten gerührt und berührt hat. Behalte es für mich. Lege es symbolisch in mein Schatzkästchen.

Mittwoch, 25. Mai 2016

Eingeschlafener Mund

Ich kann meine Enkelin zum Lachen bringen, wenn ich ihr so unglaubliche Sachen erzähle: "Du, mein Mund ist eingeschlafen heute Morgen und gar noch nicht wieder erwacht." - Aber auch wenn sie sehr skeptisch schaut - es ist wahr. Ich war zum zweiten Mal beim Zahnarzt, und dieser hat meinen Mund zum Schlafen gebracht. Aber jetzt tut wieder alles, und ich habe ein Jahr lang Ruhe vor zahnärztlichen Eingriffen. - Reto hat seinen Mund kräftig gebraucht auf dem Markt. Unterdessen sind wir so etwas wie Stammkunden und meinen, fast alle, die etwas verkaufen, ein wenig zu kennen. Und so kommen wir nicht mehr nach Hause. Reto will alle fragen, wie es ihnen geht, ob das Wetter der Spargelernte zuträglich ist, der Herr Fritz Mandelstangen vorrätig hat - und wir bekommen den Quarkkuchen der Frau vom Sauerkrautverkäufer zu probieren. - Der Kuchen ist fein, aber wir kaufen nur Sauerkraut, rohes, bestens gewürztes, gesundes. Ich freue mich, zum Znacht eine Portion zu essen. Hernach eine Mandelstange vom Herrn Fritz.