Mittwoch, 31. August 2016

Ismael

Nein, Ismael heisst der Junge nicht, mit dem ich heute gespielt habe. Aber es gibt den Jungen ganz wirklich. Er ist schwarzhaarig, hat dunkle Augen und viel Phantasie. Wir haben zusammen aus bunten Plastikrädchen Autos gesteckt und auch eine Garage. Wir sind herumgefahren mit den Autos und haben "brumbrumtutut" gesagt. Dann hat Ismael, der anders heisst, verordnet, dass er meine Mamma ist, und ich bin das Baby. Er hat mich gefüttert, und als ich geweint habe, hat er mir zu trinken gegeben. Später haben ihn andere Buben zum Tschutten geholt.

Wirklich geweint habe ich erst auf dem Heimweg. Mir vorzustellen, dass Ismael, der anders heisst, wahrscheinlich mit Schleppern übers Meer kam und knapp überlebt hat! Mir vorzustellen, wie anstrengend es für ihn und die anderen Flüchtlingskinder und ihre Eltern ist, hier Fuss zu fassen! Mir vorzustellen, dass viele von uns ihn und seine Angehörigen nicht wollen! - Wir müssen das schaffen, alles andere ist unanständig und grausam.

Dienstag, 30. August 2016

Eine Kartoffel jüngelt im Keller

Ich gebe es zu, den Sommer hindurch haben wir die Schweizer Kartoffel, das Kulturerbe meiner Ur-Mütter, fast vergessen. Vergessen im Keller. Haben stattdessen Pasta vertilgt und Pizza Marinara und italienischen Wein durch die Gurgel rinnen lassen. Nix von Rösti oder Härdöpfustock! - Aber unterdessen steht der Herbst ins Land und erinnert an kommende Kartoffelstauden-Mottfüür. (Motten bedeutet: vor sich hin glimmen und rauchen.) Da sollen die Kartoffeln vom letzten Jahr schnell aufgebraucht werden, damit wir uns an den neuen gütlich tun können. Kartoffel ist nicht gleich Kartoffel. Ehr und redlich wahr! - Der Abstieg in den Keller hat dann gleich zum Fotoapparat greifen lassen: Eine Kartoffel, die im Keller jüngelt, ist mir bisher noch nie begegnet. Nicht einfach weisse Sehnsuchtstriebe hat die schrumpelige Kartoffelmutter gemacht, nein, sie hat gleich fünf winzige Kartöffeli zur Welt gebracht. Sie wären wachsend, aber zur Unzeit.

Montag, 29. August 2016

Kunterbunt

Ein Foto von letzte Woche zum Rätselraten:


Auflösung morgen!

Ein Bild von der Frauensynode in Aarau, wo ich gestern als eine unter vierhundert Frauen war. Welche Vielfalt an Kleidern, Frisuren, Auftreten, Art des Lachens. Einfach schön, mitten darin zu sein. Und dass es in Aarau war, hat mich seltsam gerührt. Habe ich doch ein Heimatgefühl gegenüber meinem Ursprungskanton?


Samstag, 27. August 2016

Zu heiss, um Stricke zu zerreissen

Warum nicht zu Hause in der angenehm temperierten Wohnung bleiben und ein paar wenige Dinge tun, die schon lange zu tun wären?! Morgen fliege ich wieder aus.

Ferienfotos auf CD speichern für Judith. Zwei Fotos gross drucken für meine Zimmertür. Aufräumen auf dem Pult.  Weshalb eigentlich sammelt sich dort immer alles? - Vielleicht noch Tagebuch führen. Vielleicht noch meditieren. Vielleicht - wir werden sehen.

Jedenfalls habe ich wieder einmal das Gefühl, umzingelt zu sein von meiner Habe. Es ist immer noch zuviel. An die Arbeit! Abbau ist Aufbau (meiner Laune).


Freitag, 26. August 2016

Bohnen

Einfach so "Bohnen"; sie sind mein Hauptmorgeninhalt heute. Ablesen im Garten, auf die Waage stellen (hat Reto gemacht), mehr als ein Kilo, beschneiden (ja, ich habe katholische Theologie studiert), dreiteilen, zwei Teile blanchieren, ein Teil zum Zmittag kochen, zweimal Rückenweh, einmal beissende Arme, aber zufrieden mit meinem Werk. Und zufrieden mit der Natur, mit dem Sommer, überhaupt. "Bohnen" - einfacher als Morgeninhalt als Italien oder Syrien oder die gegenwärtige Welt. Habe aber in der Zeitung gelesen, dass ein eventueller bewohnbarer Planet entdeckt wurde. Ist nur noch das Problem zu lösen, wie wir in weniger als 100 000 Jahren dorthin kommen. Reisezeit. Rettungszeit, wenn wir unseren Planeten verbraucht haben. "Bohnen" - ich halte mich an Bohnen.

Donnerstag, 25. August 2016

Wir wollten ins Kino

"Toni Erdmann" läuft im Kino. Unser Sohn hat den Film empfohlen. Andere auch. Heute wollten wir hin. Aber jetzt ist es zehn Minuten vor sechs Uhr abends, und der Film läuft seit einer Stunde. Ich bin vor fünf Minuten fertig geworden mit Brombeergelée zum zweiten. Das Suchen und Finden hat heute ganze drei Stunden gedauert. Wir waren wohlgemut, als wir schon um neun Uhr loszogen. Wussten ja, wo die vielen Brombeeren nur auf uns warteten. Aber hatte Reto nicht gesagt: "Nimmt mi wunder, öb anderi ou göhnd." - Jetzt wissen wir es, sie gehen auch. Jedenfalls war "unser" Brombeeriwald ziemlich abgepflückt. Schon wollten wir enttäuscht abzotteln mit unseren "Hämpfeli Beeri". Aber dann gab es noch einen Waldrand und noch einen Waldrand. Kurz nach zwölf Uhr waren wir zu Hause mit einem Kilo und sechshundertfünfzig Gramm Brombeeren. Das ergab sechs Gläschen Gelée. Zufrieden. Der Erdmann läuft uns nicht davon.

Mittwoch, 24. August 2016

Hoch hinaus - unsere Sonnenblumen


Sie sehen aus, als hätten sie gern noch das Blätterdach der Akazie über sich durchstochen. Aber sie sind an ihren Anschlag gekommen. Mochten nicht weiter. Konnten nicht weiter. Die Erste welkt bereits, bildet aber hoffentlich noch Kerne für die Vögel. So hoch oben, dass die bösen Katzen keine Bedrohung sind. - Kinderbücher würden jetzt Parabeln erzählen > wie die Sonnenblume zu hoch wachsen wollte oder Übermut kommt selten gut oder wie die Vögel der Katze Nepomuk entkamen und doch satt wurden.

Kaya war heute erstmals in der Spielgruppe. Möge es ihr gut gehen! Ganz ohne Parabeln.