Samstag, 31. Dezember 2016

Fünf Krüge und Flaschen an der frischen Luft

Ich kann ja Reto nicht genug necken wegen seiner vier Tabletten, die er seit kurzer Zeit morgens schlucken muss. (Dabei bin ich natürlich unglaublich froh, dass "es" nicht schlimm ist.) - Nun sollte Reto zu seinem Medi-Cocktail nicht zu viel Alkohol trinken. Wie geht man damit um an Silvester? - Normalerweise beginnen wir mit einem langen Apéro. Wir müssen die Zeit bis Mitternacht je länger desto fröhlicher "hinter uns bringen". Also heute nicht so! - Wir machen einen Versuch (vielleicht auch zwei, drei Versuche). Wir bieten zwar unseren Gästen Weisswein an, aber wir halten uns an die fünf Krüge und Flaschen an der frischen Luft. In jedem Gefäss ist ein alkoholfreier Apéro zusammengemixt. Noch aus meiner Zeit als Jugendarbeiterin habe ich ein patentes Büchlein, in dem viele Idee stecken. - Um die Sache noch etwas spannender zu machen, veranstalten wir eine Degustation. Wir vergeben rote Punkte, die man aufkleben kann, wo es schmeckt. Die "Gesöffe" sind angeschrieben mit ihren Phantasienamen. Idyll kannst du trinken oder Demoiselle. Nimrod schmeckt königlich (der Herr war ein alttestamentlicher König und Herrscher). Da wirkt der Rüeblisaft daneben sehr bescheiden. Aber immerhin hat Reto dafür ein Kilo Rüebli geschält. - Jetzt ist es aber genug mit dem Apéro. Nur noch dies: Ein glückliches, frohes, reiches, spannendes, gutes 2017 allen, allen!

Freitag, 30. Dezember 2016

Ein stiller Tag

Kaum Autos auf unserer Quartierstrasse. Keine Kinder hört man auf dem nahen Spielplatz. Der Nebel dämpft jedes Geräusch, das sich erheben möchte. Ein kleiner unbekannter Vogel hüpft und flattert in unserem Garten herum und ist schon wieder weg. Im Vogelbuch finde ich ihn nicht. Unser Kater bleibt an der Wärme. Liegt herum , verdöst den Tag. Nur wir machen einen Spaziergang - weil man das soll. Die Wangen frieren ein. Beine und Gesäss erstarren in der Kälte. Man sieht nichts, was einen freut. Grau, grau, alles grau. Ein stiller Tag. Ein Zwischentag.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Schlafpunkt punktet bei uns

Unsere Betten sind nicht auf dem neusten Stand. Was eine total Untertreibung ist. Reto wollte vor einiger Zeit die übergrosse Decke auf seinem schmalen Bett nicht mehr haben, verwickelte sich nachts in ihr und fand den Ausweg nicht mehr. Er übernahm dafür eine uralt-Daunendecke, deren Daunen sich in alle Tiefen zurückgezogen hatten, sodass die Schulter fror. - Heute wollten wir einen Neuanfang machen. Dafür begaben wir uns zur Schlafberatung im "Schlafpunkt" in unserer Nähe. Aber wir waren nicht die einzigen, die Zeit haben zwischen Weihnachten und Neujahr. Eine nette Dame versuchte uns wieder heim zu schicken. Wir sollten gern später kommen. Ich intervenierte und sagte mit Bestimmtheit: "Mein Mann friert." - Wir durften bleiben und mussten nicht einmal sehr lange warten. Reichte gerade dafür, dass ich Reto die Ahnung vermitteln konnte, dass sein neues Duvet teurer werden würde, als er sich das eben noch dachte. Ich sagte ihm knallhart: "Das ist das letzte in deinem Leben, das du bekommst, also wähle gut." - Kam die nette Dame wieder und liess Reto sich auf ein Bett legen. - "Diese Matratze hat auch die Queen von England, und doch ist sie bezahlbar." erfuhren wir, die wir nur ein Duvet wollten. Aber dann, dann wurde meinem Mann im Herzen warm, denn die nette Dame begann ihn mal mit diesem, mal mir jenem Duvet zuzudecken. Er lag da und war wohl. Ich tigerte herum. - Nun ist das Duvet gekauft. Ein ganz neues Material auf der Basis von Buchenholz. Wer hat denn sowas schon gehört! - Reto darf die Decke umtauschen, wenn es doch nicht die richtige ist. Wehe, wenn er sich noch zehnmal zudecken lässt!

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Einkaufen - einer liebt es, eine hasst es

Einkaufswagen an der Deichsel nehmen, grossen Geldbeutel in die Gesässtasche des Mannes, leeren Rucksack auf den Buckel der Frau - man weiss ja nie. - Man weiss ja nie, was man so findet, das man nicht gesucht hat. Heute war es Stilton-Weihnachtskäse für den Mann und Weichkäse für die Frau. Raclettekäse war auf der Einkaufsliste. Gibt es in einer halben Stunde. - An der Kasse kommt ihm nach dem Bezahlen in den Sinn, dass er noch den Gutschein für das Dankeschön-Paket bei sich hat. Sie hat aber den Einkaufswagen schon bis oben gepackt. Wohin mit dem Riesenpaket? - Umladen schlägt er vor. Ihr graust davor. Sie stopft und stopft das Paket in ihren Rucksack. Ziehen, zerren, reissen am Reissverschluss. Und es geht. Ob gut, kommt dann aus. Reisst der Reissverschluss auf unterwegs, und das Paket fällt auf die Strasse? Schon mal passiert. Oder geht der Reissverschluss kaputt? - Nichts von alledem. Wir kommen samt allem heil an. Im Dankeschön-Paket hat es gute, brauchbare Dinge - ausser Cola Zero. Will das jemand?

Dienstag, 27. Dezember 2016

Oh wie schön - auch bei uns scheint die Sonne

Ein Brotteig ruht hinter der Fensterscheibe an der Sonne und geht. Ich fühle mich reich, sehr reich. Gerade auch, weil ich heute in der Überfülle an Papier auf meinem Pult wühlen darf. Unbeantwortete Weihnachtspost wartet darauf, im Gang an die langen, bunten Bänder geklammert zu werden. Aber zuerst werden sie von mir ein zweites und drittes Mal gelesen. Freude über jegliche Post. Versprochen, ich schreibe auch noch! - Aus Papier sind auch meine neuen Bücher. Eines habe ich mir selbst gekauft. Hanns-Josef Ortheil verrät mir "Was ich liebe und was nicht" im gleichnamigen Buch. Ich vergleiche beim Lesen seine Zuneigungen und Abneigungen mit meinen eigenen. Notiere mir den einen und anderen Tipp. - Wirklich überrascht hat mich das Geschenk von Harry. "Das Tagebuch der Menschheit. Was die Bibel über unsere Evolution verrät" geht wissenschaftlich-evolutionsbiologisch an das "Buch der Bücher" heran. Ich werde den dicken Wälzer am Pult mit dem Stift in der Hand und mit Spannung lesen. Was hat mir mein Theologiestudium noch nicht verraten? Was lernen ich Neues? Freue mich. Über weitere Bücher später. - Nun an die Arbeit - und am Nachmittag geht dann nicht mehr mein Teig, sondern gehe ich mit Reto an die schöne Sonne.

Montag, 26. Dezember 2016

Zurück von zwei Tagen Urner Oberland

Ich habe den Überblick verloren, wie oft wir am 25. Dezember schon nach Wassen gereist sind, um dort mit meiner ganzen Sippe (13 Erwachsene, drei kleine Mädchen) zwei bezaubernde, strenge, lustige Tage lang zu feiern. Aber wir werden es wieder tun, das ist schon mal geklärt. - Wir sind wieder zu Hause und haben das Gefühl, wir seien zwei Wochen lang weg gewesen. Weil wir so viel erlebt haben. Auch Absonderliches > eine lebendige Wespe spaziert auf Altdorfs Trottoir, eine Häuschenschnecke kriecht am Kirchenhügel von Wassen Zentimeter um Zentimeter weiter und weiter, als wäre es nicht Winter. - Ist es auch nicht wirklich. Heute sassen wir am Schluss an der Sonne und besprachen die nächsten Ferien. Wenn wir dannzumal so warm haben wie heute, können wir zufrieden sein. Und ganz am Schluss - Schluss, Schlusser, am Schlussesten - trafen wir heute am Bus in Wassen eine Frau, die lautstark schimpfte über das ewig-schöne Wetter: "Tagelang nur Sonne und Sonne. Das ist so etwas von langweilig! Wie gern hätte ich mal ein paar Tage Nebel!" - Das hat sie total ernst gemeint. Wir Sonnenhungrige, Nicht-Verwöhnte waren baff.

Für einen Blog ist das genug. Aber wir waren auch noch auf der Göschener-Alp. Wir wurden gestern einfach "aufgelesen" und mitgenommen. Krippe anschauen und bei Konrad und Alice ein Glas trinken und Anekdoten lauschen. Rechtzeitig fürs Festessen im MartiniF waren wir zurück.

Genug, genug. Aber heute haben wir im Bus auch noch Renate getroffen und uns (fast) alles erzählt, was gelaufen ist seit wir weg sind. Ihr Ältester ist in der Lehre und wird Bauer - der Bub, den ich gern mochte!

Übergenug. Aber es muss gesagt sein: Es war wieder schön, himmlisch schön. Das Ganze. Das grosse Ganze!

Samstag, 24. Dezember 2016

Heiligmorgen

Thomas Widmer, der "Wanderpapst", schreibt mir aus der Seele. Er hat heute im Tagi auf der Frontseite getitelt: "Weihnachten feiern - jetzt erst recht".

"Das Kleine ist so wichtig wie das Grosse. Mikrokosmos und Makrokosmos müssen in der Balance sein."

Wir dürften die eigene Umgebung nicht vernachlässigen angesichts der globalen Herausforderungen.

"Weihnachten ist nicht leicht. Und doch schön."

Dann also unsere nahen Freuden:
  • Alle unsere Päckli sind schön geworden und fertig gepackt. (Dass zwei von der Post zurückkamen, lassen wir gnädig beiseite.)
  • Gestern haben wir einen spontanen Besuch gemacht und wurden so herzlich willkommen geheissen, dass uns ganz warm wurde.
  • On TV gibt es ein paar Filme, die mir Reto für spätere, grauere Tage aufnimmt, z.B. "Drei Männer im Schnee". So eine uralt Geschichte; ich werde lachen.
  • Wir haben so feine, feine Orangen gekauft. (Dass sie vorzu grau werden, gehört wohl zu lebendigem Bio - leider!)
  • Unsere Enkelin hat unser Geschenk mit strahlenden Augen quittiert und spielt wohl immer noch damit (Bäbi-Ausgangswagen).
  • Ich freue mich auf einen friedlichen Abend mit Reto. In aller Ruhe werden wir fein essen, Kerzen entzünden, vielleicht sogar musizieren, singen, aber auch ein wenig fernsehen.