Freitag, 30. Juni 2017
Jetzt braucht es Regen
Wir waren in "unserem Brombeeriwald" und haben vorsondiert, was uns erwarten könnte - wenig, genug, viel Brombeergelée? Begeistert standen wir vor all den blühenden Büschen. Welche Pracht! Welche Menge! - Aber jetzt braucht es Regen, sonst vertrocknen die Beeren wie vor zwei Jahren. Wir werden also jeden Regentropfen herzlich begrüssen und an unsere Ernte denken. - Aber klar, in die Badi möchten wir dann auch noch ab und zu. Also Regen, aber gerade genug für die Natur und unser Grundwasser. Nicht so viel, dass wir den Sommer nicht mehr geniessen können, wo wir doch immer zu Hause bleiben. - Heute Abend fielen hundert Tropfen - gerade als wir zu unserem Freitagabendritual kamen: Weisswein und ein winziges Päcklein Spanische Nüssli. Wir haben alles unter den Ahorn getragen, dann wegen der Tropfen unter die Betondecke, dann nach den Tropfen wieder unter den Ahorn. Wo ich doch nicht mehr laufen mochte! Aber Reto hat versprochen, einen "Sackroli" zu kaufen, dann bringt er mich hin und her. Hihi - so lustig!
Mittwoch, 28. Juni 2017
Kartause Ittingen
Es ist doch sehr schön, zu zwei, drei Gruppen zu gehören. Da werden Events vorbereitet und durchgeführt, und man kommt wieder einmal an Orte, wo man sehr, sehr lange nicht mehr war. Zum Beispiel heute in die Kartause Ittingen in der Nähe von Frauenfeld. - Kartäusermönche leben da schon mehr als hundert Jahre keine mehr. Aber ein Verein hat sich der Gebäude und des grossen Umschwungs angenommen. Auch des Geistes der ursprünglichen Bewohner. So wird wieder viel und guter Wein angebaut. "Wein und Wohlstand" heisst die schöne temporär Ausstellung, durch die wir geführt wurden. Wein kosteten wir auch zum Apéro und zum Mittagessen. Dann war genug Zeit zum Plaudern. Schliesslich begutachteten wir das Kloster-Lädeli und schlenderten durch den riesengrossen Paradies-Garten. Das Postauto brachte uns nach Frauenfeld zurück, und jetzt gehe ich im Buch lesen, das ich in Ittingen erstanden habe.
Dienstag, 27. Juni 2017
Stadt und Hüten
Da wurde es fast eng: Am Morgen waren wir auf dem Markt in der Stadt, kauften noch sonst einiges ein (so weit Ende Monat noch genug cash da war), kehrten dann relativ knapp zurück, um zu kochen, zu essen und die Beine zu strecken. Schon kam unsere Enkelin, und dann lief es rund bis abends um sieben Uhr. Jetzt haben wir Feier-Abend. Olé!
Montag, 26. Juni 2017
Girlitz
Wir sind übers Hegifeld gewandert. Haben Dutzende von Raben gesehen - die Hälfte auf trockener, kurzgeschorener Grasfläche, die andere auf bewässertem Acker mit Setzlingen von ich weiss noch nicht was. Viele der Raben auf trockenem Sonnenrasen standen da ratlos mit geöffneten Schnäbeln wie Hunde bei Hitze. - Raben bei Hitze??? - Später hüpfte ein kleines, sehr hübsches Vögelchen vor uns her den Hecken entlang. Gelbes Köpfchen mit dunklen Wangen, Federkleid über den Rücken wie ein Spatzenvogel. Pickte da, pickte dort, war äusserst lebendig. Zu Hause schauten wir nach - muss ein Girlitz gewesen sein. Wir Alten lernen ständig dazu.
Sonntag, 25. Juni 2017
Retos Mittagessen
Gestern hat Reto schmunzelnd gesagt, zum Glück hätte ich ihn als Blog-Inhalt. Zum Glück mag er lachen, wenn ich ihn ein bisschen "auf den Arm" nehme. - Heute gehe ich zum Mittagessen aus. Salätchen in der Stadt mit meiner Besten Freundin. Und was isst mein lieber Ehemann Reto? - Er macht sich ein Fondue im Einportionen-Fonduepfännchen, das ich ihm mal zu Weihnachten geschenkt habe. - Apropos Weihnachten - isst man Fondue nicht eigentlich im Winter? - Reto isst es, wenn ich nicht zu Hause bin, weil er es so gerne mag und ich eher nicht. Aber stinken wird es nicht, wenn ich heim komme. Er isst sein Ego-Fondue auf dem Sitzplatz. En Guete, Reto!
Samstag, 24. Juni 2017
Und wieder ein Buch fertig gelesen
Bücher verändern nicht die Welt, habe ich diese Woche gelesen, aber sie verändern die Lesenden. Mich! - Gelesen habe ich von Marie-Sabine Roger "Ein Himmel voller Sterne". Gelernt habe ich von Marie-Sabine, dass ich mir alles denken kann, was ich will. Imaginieren. Mir vorstellen. Phantasieren. Das Schönste und auch das Aggressivste. Letzteres habe ich noch nie gemacht. Ich bin noch zu brav oder moralisch, wenn ich mit mir allein bin. Weiter gelernt habe ich, dass die Grundlage aller Phantasien das eigene Erlebte sein darf. Ich muss nicht alles neu erfinden, kann ich gar nicht. Aber der Stoff des Lebens lässt sich weiterverwenden und ausbauen. Da bin ich gleich wieder ein Kind in der Finsterthüele und erlebe Abenteuer. Ach und noch eines: Ein Mensch lebt so lange, als jemand sich seiner erinnert. Mit den Verstorbenen weiter leben, das habe ich im Urner Oberland gelernt. Wir sind eine Gemeinschaft der Lebenden und der Verstorbenen. Das ist schön und ein bisschen tröstlich.
Freitag, 23. Juni 2017
Körperlichkeit
Natürlich haben wir alle einen Körper. Ich bin mein Leib, nicht nur, mein Leib gehört zu mir. Nie wird mir das so bewusst wie im heissen Sommer. Da dünstet der Körper aus. Ich schwitze. Andere auch. - Ich war heute Morgen in Therapie für meinen Schnappdaumen, dem es schon besser geht. Da habe ich die Therapeutin gefragt, wie es ihr mit ihren ganzen schwitzenden Klientinnen und Klienten geht. Sie hat damit kein Problem, auch nicht, dass ich in Sommerschuhen ohne Socken kam. Nur Männerschweissfüsse nehmen ihr den Atem. - Auf dem Heimweg sass ich im Bus hinter einem gepflegten älteren Herrn. Auch ihm rannen zwei dünne Schweissbächlein über seine Wange. Schlimm? - Einfach nur natürlich menschlich.
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