Sonntag, 31. Dezember 2017
"Vom Wesen der Seele"
Auf meinem Kalenderzettel stand heute nur: "Was lässt du heute los?" - Ist ja klar - das alte Jahr! Ich muss es loslassen, weil heute sein letzter Tag ist. Aber ich nehme das Schöne und Gute als Erinnerungen mit (und arbeite mich am wenigen Ärgerlichen noch ein wenig ab.). Soll meine Seele sich entwickeln, weiterhin. Soll sie weit werden. - Ich habe den langen Artikel "Vom Wesen der Seele" im ZEITMagazin vom 20. Dezember erst angeknabbert. Er ist entstanden, weil einer gewarnt hat, dass wir vor lauter Digitalisierung sozusagen die Seele verlören. Dabei wären wir eben beseelte Wesen von der Geburt bis zum Tod. Unsere Seele könne sich entwickeln und tue das - auch von der Geburt bis zum Tod. - Das habe ich nicht gewusst. Oder es anders gesehen. Eine statische Seele, die einfach irgendwie ist. Aber ich finde den Gedanken sehr schön, dass meine Seele sich entwickeln kann. Ist nie zu spät. Sie wohnt in mir, sie wohnt in dir, und sie zeigt sich, wenn sie es wagt. In der Art wie wir lachen, reden, schauen. Sie guckt aus unseren Augen. Sie sucht Abenteuer in dieser Welt. Sie will uns unverwechselbar machen. - Wann habe ich letztmals an die Seele gedacht? Und dann rein theoretisch.
Samstag, 30. Dezember 2017
Noch zwei Tage
Heute und morgen! - Dann muss ich mich an eine neue Jahreszahl gewöhnen. Verschreibe mich ein paarmal, aber dann sitzt sie. Und die Zeit läuft weiter, wie sie das immer tut. Die Zäsur machen wir Menschen, weil wir Abschnitte brauchen. Rhythmen. Kein Einerlei. - So freue ich mich auf den Silvester und das Neujahr. Sie bringen mich jedes Jahr zum Nachdenken. Und sie bringen uns Besuch. Hurrahhh! - Es ist geputzt. Wir haben fertig eingekauft. Sie sollen kommen! - Nein, nicht sofort. Ich gönne mir vorher ein paar Stunden Nichtstun. Oder eher, das tun, wozu ich Lust habe. Jetzt Musik hören in meinem Zimmer. Den Sportreporter von Reto on TV übertönen. Türe zu.
Donnerstag, 28. Dezember 2017
Zwischen den Jahren
Ob sich das "Altjahr" nennt und vom 24. bis zum 31- Dezember geht, oder ob damit die zwölf Rauhnächte gemeint sind, die am 21. Dezember mit der Wintersonnwende beginnen, das ist mir egal. Aber ich mag diese Zeit, wo alle Geschenke verteilt und erhalten sind, wo noch nicht für Silvester eingekauft werden muss, und wo die allermeisten Weihnachts- und Neujahrskarten geschrieben sind. - Plötzlich sind da ein paar wenige Tage ohne Programm. Nur jetzt nicht an Stefans Pullover "herumjufle"! - Nein, sondern diese Zeit dazwischen geniessen. Von Minute zu Minute oder wenigstens alle paar Stunden überlegen, was ich JETZT machen MÖCHTE. Meiner Seele und meinen Gedanken Zeit geben. Langsam sein, gaaaanz laaangsam, noch viiiiel laaangsamer als sonst.
Mittwoch, 27. Dezember 2017
Strickpause
Denkpause würde edler tönen, aber ich mache eine Strickpause. Kann ich so schön an die letzten Tage denken dabei. Wir waren wieder in Wassen mit der Grossfamilie. Niemand weiss mehr, wie oft schon, aber jedenfalls oft. Und wir tun es wieder! - Der lange Tisch im "MartiniF" in Wassen, dem kleinen, feinen Restaurant, das wir alle mögen, ist nochmals länger geworden. Viel länger geht nicht mehr, wenn wir nicht bald auf der Strasse sitzen wollen. Vierzehn Erwachsene und drei kleine Mädchen waren wir. Stelle man sich all das Geschenkpapier nach der Bescherung vor! Und den kurvigen Servierweg von "Kellner" Martin um die spielenden Kinder herum! Und den Lautpegel im Raum! - Am nächsten Tag nochmals langer Tisch im "Hotel Gerig", wo wir übernachtet haben, und wo es feines, reichhaltiges Frühstück gab. die Kerzen des Tannenbaumes wurden extra für uns nochmals entzündet. Schade, schade, dass unsere Enkelin fieberheiss im Hotelbett lag!
Montag, 25. Dezember 2017
Zufrieden
Gestern habe ich geendet damit, dass ich ganz still sitzen wollte. - Das tat ich auch - und geriet unversehens in meine Genealogie. Das heisst, aus dem Weihnachtssatz "Und es geschah, dass ein Kind geboren wurde" stiegen Bilder auf von meinen Kindern, als sie geboren wurden. Dann landete ich bei meinen Eltern und sogar bei allen Grosseltern. - Geboren, geboren, geboren - und aufgewachsen, um eine ganz eigene Geschichte in die Welt zu bringen. Meine ist unterdessen ganz schön lang. Deshalb kann ich vier Generationen überblicken. Oder fünf, wenn ich die Urgrossmutter auch dazu nehme, die ich gerade auch noch erinnern kann. - Weihnachten, ein Geburtsfest. Das Matthäusevangelium beginnt mit der Genealogie von Jesus. Heute finde ich sie nicht langweilig.
Es ist uns zu zweit gestern Abend recht gut gelungen, Weihnachten zu feiern. Jedes hat eine Geschichte vorgelesen aus dem neuen Adventsgeschichtenbuch, und wir haben sogar unsere "Speutzchnebel" alias Blockflöten wieder einmal hervorgeholt. Erstaunlich, die Finger wissen noch, wie die Lieder gehen! - Natürlich geschah das alles bei Kerzenschein vom Weihnachtsbaum.
Es ist uns zu zweit gestern Abend recht gut gelungen, Weihnachten zu feiern. Jedes hat eine Geschichte vorgelesen aus dem neuen Adventsgeschichtenbuch, und wir haben sogar unsere "Speutzchnebel" alias Blockflöten wieder einmal hervorgeholt. Erstaunlich, die Finger wissen noch, wie die Lieder gehen! - Natürlich geschah das alles bei Kerzenschein vom Weihnachtsbaum.
Sonntag, 24. Dezember 2017
Warten
Unser Besuch zu Kaffee und Weihnachtsguetzli ist nach Hause gegangen. Der Weihnachtsbaum steht schön geschmückt von Reto bereit und wartet. Mein Ehemann hört klassische Weihnachtsmusik. Er wird kochen für uns zwei. Ich habe Zeit - - - - - - - Zeit - - - - - - -Zeit. Kann ich das eigentlich noch - nichts tun? Das Projekt "Weihnachten" ist ausgereizt. Bleibt nur noch zu feiern, aber nichts mehr zu tun. Wo ich doch seit November dauernd dran war. Plötzlich Zeit - - - - - - - Zeit - - - - - - - Zeit. - Bevor ich die Bibel in gerechter Sprache hervorhole, um die alte, vertraute Geschichte von Weihnachten bei Matthäus und Lukas zu lesen, setze ich mich hin. Sitze - - - - - - - sitze - - - - - - - sitze.
Samstag, 23. Dezember 2017
Eigentlich...
Alle, alle Geschenke für Weihnachten sind bereit. Ich glaube fast, so gut in der Zeit war ich noch nie. - Eigentlich wäre jetzt unsere Enkelin bei uns und würde dem Grosspapi helfen, den Weihnachtsbaum zu schmücken. Aber das tut er ganz allein - mit schöner Musik von Bach, dem Weihnachtsoratorium. - Mein Vater pflegte zu sagen: "Der Hätti und der Wetti sind Brüedere gsii." - Wäre und würde gehören wohl auch zu der Geschwisterschar der Verbformen des Konjunktivs, der auch Möglichkeitsform heisst. Aber es ist eben nicht möglich, dass Kaya hier ist; sie ist krank. Gute Besserung ihr und ihrem Papa und all den anderen, die auf Weihnachten hin fiebern. Möge es bald wieder gut gehen! - "Möge" ist eine besondere Form des Konjunktivs, nämlich der Optativ, eine Wunschform. Sei es wie es sei - ich mag noch ein paar Karten schreiben, bevor ich mich in der deutschen Grammatik ganz verheddere. Und dies nur, weil ich plötzlich Zeit habe, die ich eigentlich gern mit meiner Enkelin verbracht hätte.
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