Montag, 29. April 2019
Uhu-Ferien für ihn und für mich
Nein, es ist nicht dasselbe, wenn mein Ehemann und ich Ferien ums Haus herum (Uhu) machen. Während ich herum trödle, alte Sachen lese, neue Ordnungen auf dem Pult kreiere, ewig am Laptop sitze, zwei Bücher einfach so bestelle, eine Zeichnung meiner Tochter aufhänge, die sie gemacht hat, als sie so alt war wie ihre Tochter jetzt - während ich also planlos aber lustvoll herum hänge, strebt Reto der Schreinerei zu und bestellt dort, was unbedingt zu bestellen ist. Unser Garten muss vorwärts gebracht werden. Es fehlen zwei Bretter. - Morgen ist Papiersammlung. Da verschwende ich keinen Gedanken daran, aber mein Fleissiger hat das Altpapier schon zusammengebunden und schon an die Strasse gestellt. - Heute Morgen habe ich von meinem kommenden Fest schwadroniert. Was noch fehlt. Reto hat recherchiert im Internet, gefunden, mir vorgelegt und bestellt. - Was ums Himmels Willen tut er mit dem Rest des Nachmittags??
Sonntag, 28. April 2019
"Die wunderbare Welt der Insekten"
Über die Platten des Sitzplatzes kriecht ein Wurm, ein langer. Er wird Gras und Erde finden und nicht vertrocknen unterwegs. Schon morgens um halb sieben wusste ich, dass es regnet, womöglich sogar bis in die Tiefe schneit. - Aufstehen? Was tun dann? - Ich holte mir mein grösstes Buch ins Bett, "Die wunderbare Welt der Insekten". Und dann gruselte mir so schön beim Anblick des Giraffenrüsslers oder des Herkuleskäfers, der so lang sei wie meine Hand. - Uuuhhh, wenn der geflogen käme! Ich würde rennen. - Gewusst, dass das Gewicht aller Menschen samt der kleinsten Babys dem Gewicht aller Ameisen der Welt ungefähr gleich ist? - Wo die doch so klein sind, jedenfalls die meisten! - Allmählich war genug gegruselt. Aufstehen. Honigbrot essen nach dem obligaten Müesli. Es regnet immer noch.
Samstag, 27. April 2019
Es gibt Kommentare zu meinem Blog?????
Vor langer, langer Zeit hat mir eine Freundin gesagt, sie hätte meinen Blog kommentieren wollen, aber das sei nicht gegangen. Seither nehme ich an, dass das nicht geht. - Eh, aber auch! Man/frau sollte nicht alles glauben oder aber "ewige Wahrheiten" hie und da hinterfragen. - Gestern habe ich bei guter Laune und langer Weile auf "Kommentare" getippt. Und da habe ich das ganze schöne Lied von Hans Roelli gefunden. Den ganzen Text. "Sonne erstrahlt, und die Vögel pfeifen..." - welche Herrlichkeit und danke, danke! Es singt in mir. - Ich verspreche, dass ich alle paar Wochen auf "Kommentare" tippe. Aber nicht täglich. Auch nicht zweitäglich. Ich will nicht hungrig werden. Nicht auf Kommentare. Kochen gehe ich nun allemal. Spargelsüppchen aus dem Sud von gestern.
Freitag, 26. April 2019
Das konnte ich früher nicht verstehen
Ich kenne einen alten Herrn, der liest kaum mehr neue Bücher, dafür holt er seine alten wieder hervor und liest sie zum zweiten oder vielten Mal wieder. Das konnte ich früher nicht verstehen. - Gerade bin ich vom Keller gekommen, wo ich mir "Alice im Wunderland " zum Wiederlesen geholt habe. Ach, und gerade auch noch "Feuersandale und Windschuh". Beides Kinderbücher. - Anbei vor dem Kellerbüchergestell habe ich gedacht: "Ich könnte mir alle Krimiserien nochmals zu Gemüte führen; ich weiss sicher die Auflösung der Fälle nicht mehr." (Wobei "zu Gemüte führen" für Krimis seltsam ausgedrückt ist.) - Fällt mir ein, auf meinem Tischchen beim Bett liegt "Les lettres de mon moulin" von Daudet. Hie und da versuche ich zu verstehen, was da aus der Provence bis zu mir her duftet. Rosmarin und Lavendel, alte Gemäuer, alte Geschichten. Ich fühle mich aufgehoben in meinen alten Büchern.
Donnerstag, 25. April 2019
Saitenkreischen
Ich habe Geige gespielt. In einem früheren Leben. Seit acht, neun Jahren ist der Steg meiner Geige gebrochen, und der Geigenkasten steht im Keller. Ich spiele nicht mehr Geige. - Aber ich hatte acht Jahre lang Geigenstunde. Ich spielte zwei Jahre im Stadtorchester Zofingen Zweite Geige. Ich strich viele, viele Weihnachten lang sämtliche Weihnachtslieder auf meinen vier Saiten. Und oft spielte ich für mich allein auf meinem Instrument. Ich schaffte es zu Vivaldi, Bach und Mozart. Leider wurde ich keine Zigeunerbaronin. - Gestern strich ich im Orell Füssli den Büchergestellen entlang. Da begannen vor der offenen Ladentür zwei Fiedler auf ihren Instrumenten zu spielen. Und sie hörten auch nicht mehr auf. Sie spielten viel zu schnell und viel zu ungenau alle bekannte Gegenliteratur durch. - Ich fragte mich, ob diese Ohrenfolter die Strafe sei für alles Saitenkreischen, das ich selbst je den Menschen angetan hatte. Ich fragte mich.
Mittwoch, 24. April 2019
Wir haben schon...
Es ist elf Uhr elf. Wir haben schon die Zeitung gelesen - und uns über das Bischof-Thema geärgert. Wir haben schon Betten abgezogen, Wäsche gewaschen und aufgehängt und Betten neu bezogen - und freuen uns auf den frischen Duft am späten Abend. Wir haben schon Kartoffeln gekocht für die Rösti - und braten sie bald mit braunroter Kruste und Wursträdchen. Gurkensalat dazu und Kräuter aus dem Garten. Wir haben schon den Coiffeurspaziergang (= interner Kennname) gemacht - und alle Gärten am Weg sehr interessiert begutachtet. Es grünt so grün...
Dienstag, 23. April 2019
Sozusagen ein Ferientag
Alle haben Ferien und fahren fort. Wir wollen auch. So sind wir heute nach Zürich gefahren und haben im Globus eine klitzekleine Besorgung gemacht. Dann mit dem Tram zum Bürkliplatz und ins nächstbeste Schiff und auf den See. - Wo fährt es hin, unser Schiff? - Kleine Seerundfahrt eineinhalb Stunden. Das reicht, um uns zuerst den Wind um die Ohren blasen zu lassen. Erst als wir kalt haben, gehen wir hinein und essen zusammen einen Zürichseeteller oder eher das Allerlei, was draufgepackt ist. - Bezahlen, aussteigen, die Bahnhofstrasse Richtung Bahnhof in Angriff nehmen. - Da sehe ich einen blumenfarbigen Innenhof. Ich lade Reto sofort zu einer Tasse Kaffee ein im Garten des "Puro. The social Club". Ach, ist das wunderschön. Ein Innenhof mit Bäumen und Spatzen, die darauf herumtschilpen. Tische und Stühle an der Sonne. Vor uns eine grüne Löwenskulptur in plätscherndem Brunnen. Darum herum ein Meer von Blumen. Orange Stiefmütterchen, deren Duft bis zu uns dringt. Bellis ohne Zahl und geschickt gesetzte Tulpengrüppchen. Wir dürfen da sitzen und staunen und haben tatsächlich auch Ferien.
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