Ich hadere manchmal jetzt noch mit meiner Rolle als Mädchen/als Frau. Waren nicht meine Cousins privilegiert, einfach, weil sie männlichen Geschlechts waren? - Mein Vater sagte: "Du darfst alles lernen, was du möchtest, nur nicht studieren." - Ich habe das als Einschränkung gehört. Das ist ungerecht meinem Vater gegenüber. - Es war so: Mein Grossvater sagte zu meinem Vater:" Du gehst in die Fabrik arbeiten und gibst das Geld zu Hause ab. Eine Lehre brauchst du nicht zu machen." - Meine Tanten Anni und Gritli, die Schwestern meines Vaters, kämpften für ihren Bruder. Und er durfte eine Lehre machen. Aber nicht etwa eine Wunsch Lehre, eine Traum Lehre. Er wurde Strumpfwirker, weil er diese Lehrstelle finden konnte. Nur diese. Es half ihm niemand dabei. - Mein Vater durfte nicht in die Bezirksschule gehen, weil er dann zu viele Hausaufgaben gehabt hätte, zu wenig hätte mithelfen können auf dem Kleinstbauernbetrieb. - Mein Vater durfte nicht in die Badi gehen, weil er nicht schwimmen konnte. Ist gefährlich. - Wer hat mir das Schwimmen beigebracht? - Mein Vater!!!
Dienstag, 2. Februar 2021
Montag, 1. Februar 2021
Vor 50 Jahren - endlich!!!
Meine Urgrossmutter konnte ganze Bibelpassagen auswendig rezitieren. Ich habe ein uraltes Schwarzweissföteli von ihr, wo sie im Heiligen Buch liest. Auch auf dem Tisch Tintenfässchen und Federhalter. Sie hat gern geschrieben. Und Gedichte mochte sie. Das weiss ich alles von meinem Götti, der dieselben Begabungen hatte. - Meine Grossmutter war eine sehr, sehr gute Schülerin. Fast lauter Einsen im Zeugnis. Ich durfte ihr Zeugnis erben. Meine Grossmutter hielt mit Klugheit und Zurückhaltung den Familienclan zusammen. - Meine Mutter ging in Brittnau in die Bezirksschule. Auch dort sehr gute Noten. Sie wurde Akkordnäherin in der "Molly" (Textilfabrik). - Alle meine Urmütter hatten keine Stimm- und Wahlrecht. Das bekamen die Frauen erst heute vor 50 Jahren. Da war ich fast 22 Jahre alt. Ich hatte unsägliche Diskussionen anhören müssen, weshalb Stimm- und Wahlrecht für Frauen nicht sein müssten. Dabei hatten meine Urmütter viel mehr zu sagen als meine Urväter. Von denen weiss ich kaum etwas.
Freitag, 29. Januar 2021
Abflug
Wie reden über den Tod? - Unser Freund ist gestern gestorben. Nie wieder werden wir zu viert am Tisch sitzen. Oder doch? - Wird es nicht so sein, dass wir ihn zu dritt immer bei uns haben werden! Im Urner Oberland habe ich gelernt, dass unsere Verstorbenen zu uns gehören, nach wie vor. Und nicht nur an Gedenktagen. "Dort drüben" oder "Dort oben" befinden sich immer mehr geliebte Menschen. So ist das, wenn man älter und alt wird. Sie sind aber auch "da drin", in unseren Herzen, in unserer Erinnerung.- Unser Freund hat sehr viele Schmerzen ertragen müssen. Er hat auf seinen Abflug" gewartet. Er hat gesagt, er braucht keine Schuhe, denn er fliegt. Gut Flug, lieber Freund!
Dienstag, 26. Januar 2021
Und wieder in den Keller
Je mehr Abstellraum man benutzen dar, umso mehr Dinge bewahrt man auf. Jedenfalls ich. - Wir haben zwei Kellerräume zur Verfügung. Im einen steht unter anderem ein Büchergestell. Weihnachtsbücher, Kinderbücher, die Kaya nicht gefallen oder für die sie noch zu jung ist, Reiseführer, Sachbücher, Krimis. - Die Krimis lese ich in Corona Zeiten nochmals. Da bin ich lange versorgt. Aber nach dem zweiten Lesen, wohin sollen sie? - Bücher über Gott für Kinder sind nicht gefragt. Weg damit. Ich will sie auch nicht mehr. - Reisen wir nochmals in die Normandie, nach Rom oder Berlin? - Ich werde immer kleinräumiger, nicht erst und nur in der jetzigen Zeit. Ich bin froh, dass wir gereist sind. All die VW Bus Ferien. Das war gut und ist mein Besitz in der Erinnerung. - Jetzt aber schaue ich den Vögeln zu. Mögen sie reisen - von Vogelhäuschen zu Meisenknödel oder südwärts, wenn nötig.
Montag, 25. Januar 2021
Faxen machen
Nein, eigentlich habe ich rein gar keine Lust zum Faxen Machen. Gar keine Lust überhaupt. Mein Herz ist schwer, weil einer unserer Freunde sehr, sehr krank ist. - Und doch - wir haben heute unsere Hütekinder bei uns gehabt. Da gilt es, Abstand von sich selber zu nehmen. Sich den Kindern zuzuwenden und ihren Bedürfnissen entgegen zu kommen. - Und dann haben wir das Spiel "Faxen machen" gespielt. Und haben miteinander gelacht, richtig gelacht. Es ist möglich.
Samstag, 23. Januar 2021
Orangen Marmelade
Wir haben Orangen von "gebana" bestellt und bekommen. Direkt von den Bauern in Griechenland. Unterdessen auch grosse und kleine, also alle, die gewachsen und gereift sind. - Ich habe heute Morgen geschält und geschnippelt und püriert und gekocht und eingefüllt. Es riecht in der ganzen Wohnung nach Orangen - und das ist gewiss nicht der übelste aller Gerüche. - Im Keller lagern noch viele orange Köstlichkeiten zum direkt Essen. Einfach fein!
Freitag, 22. Januar 2021
Sehen, hören, riechen
Wenn ich allein unterwegs bin, sehe, höre, rieche ich mehr als in Gesellschaft. Heute kam das Ausmass an Schneedruck Schaden zum Vorschein. Der Schnee schmilzt und gibt abgedrückte Äste und viel Kleinzeug frei. der Schnee schmilzt, deshalb sprudelt und gurgelt die Eulach mehr als sonst. Ein richtiger Bach, was mir gefällt. - Es riecht nach Holzfeuer. Eine Schulklasse ist um eine Feuerstelle versammelt und gibt dem Feuer Nahrung. Ob sie da ihr Zmittag bräteln? Warm genug ist es. - Die Sonne wärmt ganz schön. Ich drehe mich ihr zu, halte ihr mal den Rücken hin, mal das Gesicht. - Das feine Vogelstimmchen auf dem Heimweg gehört einer Blaumeise. Sie ist froh um das Futterhäuschen. Kommt mir in den Sinn, ich habe zu Hause auch einen Meisenknödel, einen grossen von Manufactum.