Mittwoch, 6. Juni 2012

Ausserordentlich und einmalig

Eine Freundin von mir ist gerade auf den Galapagos-Inseln in den Ferien. Ich habe nachlesen müssen, wo das überhaupt ist: 1000 km westlich von Südamerika. Eben Inseln im Meer. Und wie ich gelesen habe ist die Fauna und Flora dort ausserordentlich und einmalig. - Reto und ich haben uns einen Vogelstimmentrainer gekauft, und wir haben noch sehr viel zu tun, bis wir zu Kuckuck, Amsel, Dohle und Schwalbe noch ein paar Vogelstimmen mehr sicher erkennen. Nicht einmal den Buchfink kennen wir wirklich. Was also sollten wir auf den Galapagos-Inseln, wo alles ausserordentlich und einmalig ist? Wenn wir in Flüelen in unserer Talwohnung sind, sitzen wir bei offenen Fenstern bis zum Boden mitten in den Schwalben, die uns mit ihren Flugkünsten erfreuen. In harmonischen Wellenbewegungen steigen und sinken sie und schreien dazu. Und im Storenkasten sitzt eine Spinne, die blitzschnell zur Stelle ist, wenn etwas an ihr Netz rührt. Spannung pur in unserer Mietwohnung in Flüelen!

Dienstag, 5. Juni 2012

Müde

Nach der Schule bin ich wieder sehr müde. Und enttäuscht. Ich bringe es nicht mehr. Alteisen. Zum Glück darf ich in drei Wochen aufhören. Ich erfinde dann gleich etwas, das ich noch kann. Es gibt so viel Schönes. Jetzt mache ich grosse Pause. Bis zum Abwinken, nicht bis zum Läuten der Schulglocke.

Montag, 4. Juni 2012

Ein seltsames Buch

Ich lese ein seltsames Buch. Es hat 957 Seiten. Ich bin auf Seite 131. Es handelt von einem Mann. Der Mann schreibt über sich. Über die Jahrzehnte seines Lebens. Er ist etwas über siebzig und wohnt in Schweden. Er stammelt an seinem Leben herum. Er will mit Wörtern einfangen, wie er zu verschiedenen Zeiten war. Er war kein Held. Er ist kein Held. Er ist nicht besonders gut und nicht besonders schlecht. Er ist ziemlich gewöhnlich. Und ziemlich eigenbrötlerisch. Er hat Mühe, sich anderen zu öffnen. Nahe zu kommen. Aber er versucht es in seinem Buch. Immer wieder. Immer neu. Ein Satz zieht sich hindurch, ist schon auf meinen gelesenen 131 Seiten mehrmals vorgekommen: "Wir fangen noch einmal an. Wir geben nicht auf." Der Satz setzt sich in mir fest. Ich gebe auch nicht auf. Ich fange auch immer wieder an. Das Buch ist langweilig. Ich lese es. Es ist von Lars Gustafsson.

Viel besser als erwartet

Ich komme gerade von einer Verabredung. Wir hatten verabredet, dass von neun Leuten diejenigen kommen, die halt können, und die anderen kommen das nächstemal. Da muss man mit allem rechnen. Ganz wörtlich. Dass alle neun kommen, aber auch, dass man allein bleibt. Und man dürfte das Alleinbleiben nicht einmal übel nehmen. - Es sind fünf gekommen. Das ist schon mal schön. Und diese fünf haben sich supergut eingebracht. Wir haben mehr erreicht, als ich im besten Fall erhofft habe. Ich bin sehr zufrieden und viel besser dran, als wenn niemand gekommen wäre. Zwar würde ich es nicht übel nehmen, aber ich wäre niedergeschlagen, verunsichert, geknickt, elend, unwert, am Boden. Ich Dumme!

Sonntag, 3. Juni 2012

Dort, wo ich gestern aufgehört habe, will ich heute fortfahren: Dankbar annehmen, was der schöne Tag uns bietet. - Das Wetter ist von Sonne zu Regen gekippt. Meine flaue Energielage ist unverändert. Heute ist ein Arbeitstag mit drei Gottesdiensten an drei Orten.

In Wassen war eine Schulklasse von Erstfeld im Wortgottesdienst. Ein Mädchen sagte zur Begleitperson: "Noch interessant, dass hier eine Pfarrerin ist." Die Begleitperson holte mich zu den SchülerInnen, damit ich erzählen konnte, wie das ist mit "Pfarrerin" in der katholischen Kirche. Vor diesen Mädchen sagte ich mit Überzeugung, dass eines Tages Frauen Priesterinnen sein werden. Ministrantinnen gibt es immerhin schon.

Auf der Göscheneralp war die Kapelle dreiviertel voll. Ein schönes Gefühl, dass auch Freunde da waren, die wir ganz und gar nicht erwartet hatten. Sie luden uns spontan zum Mittagessen ein. Dankbar annehmen, was der schöne Tag uns bietet. Was kommt in Meien dazu, wo ich abends noch hinfahre?

Samstag, 2. Juni 2012

Hildegard

Hildegard von Bingen (1098-1179) gilt kirchenoffiziell erst seit Mai dieses Jahres als Heilige. Aber sie inspirierte schon die Menschen ihrer Zeit und seither Generationen und Generationen vor allem von Frauen. Sie war Künstlerin und Wissenschaftlerin, Mystikerin und Ärztin, Dichterin und politisch Engagierte. Ihre Regeln für eine gesunde Lebensweise geben noch heute beachtenswerte Hinweise. Sie lebte in einer von Männern dominierten Zeit, aber machte sich öffentlich mutige und richtungsweisende Gedanken zur Rolle der Frau. - Erstaunlich, dass sie heilig gesprochen worden ist und nicht als Hexe auf dem Scheiterhaufen geendet hat.

Ein kleiner Text zum Wochenende, damit wir geniessen:
Aus nacktem Fels wächst nur Dornengestrüpp. Genauso schwächt übertriebene Enthaltsamkeit in der Ernährung den Menschen. Er dörrt davon aus.


Dankbar annehmen, was der schöne Tag uns bietet!!!


Freitag, 1. Juni 2012

Im Garten buddeln

Auf dem Heimweg von Flüelen haben Reto und ich in der Gärtnerei allerlei gekauft: Eine schwarzäugige Susanna, 12 Kopfsalatsetzlinge, 2 Speisekürbissetzlinge und zwei Zuchettisetzlinge. Das ist ja schön und gut. Aber als wir mit all den Sachen oben waren, mussten wir Platz schaffen (und müssen es morgen noch intensiver). Also ab ins Tulpenbeet und zerren und "murksen" an den Tulpenstengeln und sie hoffentlich mit der Zwiebel aus der Erde bringen. 2013 gibt es womöglich auch einen Frühling. Als wir für heute aufgegeben haben, waren meine Füsse dunkelerdig und meine Fingernägel nur mit Bürste sauber zu kriegen. Jetzt geht es frisch und ein bisschen hungrig vor die Flimmerkiste. Ich freue mich auf die Kürbisse und Zuchetti und auf den Salat, den ich nicht den Schnecken überlasse. Beim Buddeln heute habe ich alle Schnecken ins Schneckenausland fliegen lassen. In hohem Bogen in die tiefe Wiese. Hoffentlich finden sie den Heimweg nicht!