Meine beste Freundin war eine Woche lang weg. In den Ferien. Ich habe schon wieder vergessen, wohin sie flog, fuhr, ging. Das vergesse ich bei allen Leuten. Manchmal bleibt etwas im Gedächtnis hängen, wenn man die Fotos zu sehen bekommt nach der Rückkehr der Freundinnen und Freunde, der Bekannten und Verwandten. Am Samstag bekamen wir "on Laptop" Fotos von der "Hurtig-Route" zu sehen. Sah wirklich imposant aus, diese Fjorde und das riesige Postschiff. Den Freunden hat es nicht so gut gefallen wie die Fotos aussehen.
Aber meine beste Freundin ist zurück. Das weiss ich, weil ein Brief von ihr im Briefkasten lag, als ich vom Einkaufen zurück kam. Ein Brief aus der Schweiz. - Ich habe sowas von aufgeatmet. Sie ist wieder da! Wie gut! - Nicht, dass wir uns oft sehen. Nicht, dass wir telefonieren würden. Aber einfach die Tatsache, dass sie DA ist, genügt.
Manchmal zähle ich meine nahen Menschen durch. Weil mein Götti immer wieder von einem Soziologen (Morrow?!) erzählt hat, der postulierte, dass 12 nahe Menschen eine gute Anzahl seien. Die beste Anzahl. Darum zähle ich hie und da durch. Und bin beruhigt. Je nach Zählart komme ich sogar auf mehr als zwölf. Was dann auch wieder nicht gut ist, weil man nicht wirklich tiefe Beziehungen zu mehr als zwölf pflegen kann.
Diese Zählerei! - Ich zähle auch das Haushaltgeld dauernd durch. Reicht es bis Ende Monat? Das macht meinen Ehemann schier verrückt. Und ja, da gäbe es ausser dem Morrow noch den Erich Fromm mit seinem Buch "Haben oder Sein". Ich will ja SEIN. Bitte, bitte, ich bin brav und will nur sein, nicht haben.
Montag, 7. Oktober 2013
Sonntag, 6. Oktober 2013
Ein Loch ist...
Ich besitze zwei Rucksäcke, einen kleinen und einen grossen. Dauernd laufe ich mit einem von ihnen am Rücken in der Weltgeschichte herum. Und wundere mich, wenn die Leute fragen: "Gehst du wandern?" - Nein, überhaupt nicht, meine Rucksäcke mag ich einfach, und sie sind viel "gäbiger" (praktischer, einfacher) zum Tragen als Handtaschen. Die schleifen entweder am Boden nach, oder sie rutschen dauernd von der Schulter. Das hasse ich.
Aber nun, heute, am Sonntagmorgen, da lese ich in der Stilberatung der "NZZ am Sonntag" folgenden verheerenden Satz: "Ein Rucksack nach Beendigung der 4. Klasse ist und bleibt ein modischer Fauxpas."
Das vernichtende Urteil über meine Lieblingsrucksäcke erschüttert mich. Ausserdem fällt mir siedendheiss ein, dass mein origineller "Blümchen-Flick" am grossen Rucksack bestimmt auch kein Lob von der Stilberaterin bekäme, sähe sie mein "Werk". (Unter uns gesagt: ein bisschen weiter rechts tut sich das nächste Loch auf.)
In meinem Kopf singt ein altes Lumpenliedchen. Es heisst: "Ein Loch ist im Eimer, Karl Otto. - Verstopf es, oh Henry, verstopf es..." - Aber warum denke ich anstelle eines löchrigen Eimers bloss an ein löchriges Hirn? - Hirnverbrannt, mit welchen Scheinproblemen man sich am Morgentisch befassen kann!
Aber nun, heute, am Sonntagmorgen, da lese ich in der Stilberatung der "NZZ am Sonntag" folgenden verheerenden Satz: "Ein Rucksack nach Beendigung der 4. Klasse ist und bleibt ein modischer Fauxpas."
Das vernichtende Urteil über meine Lieblingsrucksäcke erschüttert mich. Ausserdem fällt mir siedendheiss ein, dass mein origineller "Blümchen-Flick" am grossen Rucksack bestimmt auch kein Lob von der Stilberaterin bekäme, sähe sie mein "Werk". (Unter uns gesagt: ein bisschen weiter rechts tut sich das nächste Loch auf.)
In meinem Kopf singt ein altes Lumpenliedchen. Es heisst: "Ein Loch ist im Eimer, Karl Otto. - Verstopf es, oh Henry, verstopf es..." - Aber warum denke ich anstelle eines löchrigen Eimers bloss an ein löchriges Hirn? - Hirnverbrannt, mit welchen Scheinproblemen man sich am Morgentisch befassen kann!
Samstag, 5. Oktober 2013
Ein Magenbox zum Zmorge
Gestern Abend eingeschlafen mit Nachtexpress, moderiert von Joschi Kühne, meinem Lieblingsmoderator. Aber auch mit einer unterschwelligen Traurigkeit und Hilflosigkeit und mit den Bildern der Bootsflüchtlinge, denen es zu Wasser und auf dem Land so schlecht geht. - Heute Morgen früh erwacht, Radio gehört in den Morgen hinein. Schlechtes Wetter ist verheissen. Macht nichts. Nun zuerst feinen Kaffee und Konfibrot mit dem Sauerteigbrot vom nahen Mittwochmarkt. Freude herrscht.
Aber da fällt mein Blick auf das "Tagi-Magi" (Tagesanzeiger-Magazin), und ich sehe, was als Hauptthema angekündigt ist: "Suizid im Kindesalter". - Das ist wie ein Box in die Magengrube. Nein, nicht das auch noch! Zu den ganzen Ertrunkenen vor Lampedusa kann ich das nicht ertragen. Ich fühle mich fast k.o. geschlagen. Und ich muss mich mit etwas Positivem beschäftigen, um wieder auf die Beine zu kommen: Sehr harmlos, aber immerhin - Nespresso macht Image-Anstrengungen, sage ich mal, um betreffs Ökologie und Fairness gut dazustehen. Also wende ich mich wieder meinem feinen Kaffee aus Brasilien zu und hoffe, dass die Kaffeebauern dort etwas davon haben, wenn ich ihren Kaffee trinke.
"Boxen ist ein Kampfsport, bei dem sich zwei Personen derselben Gewichtsklasse unter festgelegten Regeln nur mit Fäusten bekämpfen." so die Definition. Und was ist "Schattenboxen"? Das bisschen Ankämpfen gegen Gegner, die man nicht kennt oder an die man nicht wirklich herankommt? Gewichtsklasse superior.
PS. Ich wäre viel zu feige, mich so einzusetzen wie die Greenpeace-Aktivisten und 15 Jahre Knast in Russland zu riskieren.
Aber da fällt mein Blick auf das "Tagi-Magi" (Tagesanzeiger-Magazin), und ich sehe, was als Hauptthema angekündigt ist: "Suizid im Kindesalter". - Das ist wie ein Box in die Magengrube. Nein, nicht das auch noch! Zu den ganzen Ertrunkenen vor Lampedusa kann ich das nicht ertragen. Ich fühle mich fast k.o. geschlagen. Und ich muss mich mit etwas Positivem beschäftigen, um wieder auf die Beine zu kommen: Sehr harmlos, aber immerhin - Nespresso macht Image-Anstrengungen, sage ich mal, um betreffs Ökologie und Fairness gut dazustehen. Also wende ich mich wieder meinem feinen Kaffee aus Brasilien zu und hoffe, dass die Kaffeebauern dort etwas davon haben, wenn ich ihren Kaffee trinke.
"Boxen ist ein Kampfsport, bei dem sich zwei Personen derselben Gewichtsklasse unter festgelegten Regeln nur mit Fäusten bekämpfen." so die Definition. Und was ist "Schattenboxen"? Das bisschen Ankämpfen gegen Gegner, die man nicht kennt oder an die man nicht wirklich herankommt? Gewichtsklasse superior.
PS. Ich wäre viel zu feige, mich so einzusetzen wie die Greenpeace-Aktivisten und 15 Jahre Knast in Russland zu riskieren.
Freitag, 4. Oktober 2013
Ist denn das die Möglichkeit
Gerade erst haben wir gezügelt und dabei entsorgt und entsorgt und entsorgt. Und jetzt stapelt sich schon wieder Ware auf meinem Pult und verlangt nach einem Ort zum Bleiben. Das geht aber nur, wenn ich wiederum entsorge, wo doch alles voll ist. Was hat sich überlebt in fünf Monaten? Eigentlich nur ein paar ärgerliche Zeitungsnotizen, die ihre Aktualität verloren haben. Weg mit ihnen; künstlich nochmals ärgern muss ich mich nicht. Platz schafft das nicht. Also muss ich neuen erfinden. Hoch oben auf dem Gestell finden die geretteten Reportagen von Götti Rüedu Asyl. Sie werden gewiss im Winter wieder gelesen. Mein Götti hat gut geschrieben und so, dass es sich nicht einfach überlebt.
Donnerstag, 3. Oktober 2013
Wie gut, dass ich weiss, wie meditieren geht...
Nach einem intensiven Tag mit lauter klugen und netten Menschen und der kleinen Mathilda bin ich mit Freundin Moni noch gemütlich nach Zürich gefahren. Aber in der S 12 von Zürich nach Oberwinterthur hörte die Gemütlichkeit auf: Wir Vielen standen dicht gedrängt, und einer hatte noch sein Velo quer vor die Türe gestellt. Ein netter älterer Herr fragte mich, ob ich noch Luft kriege. Eine nette ältere Dame in Pink-Sportjacke lächelte mich ab und zu an. Dann, wenn weder sie noch ich die Augen geschlossen hielten. Keine Ahnung, ob sie träumte, nachdachte oder wie ich meditierte. Ich bin froh, dass ich mein "Om, Am, Hum" atmen konnte. Lange geübt genau für solche Momente. Ich blieb standhaft bis Oberi.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Für heute geschafft
Ich gebe es ungern zu, aber ich gebe es zu: Ich bin fünf Jahre nicht mehr beim Zahnarzt gewesen. Zu viel Angst. Kindertrauma. Aber zurück in Winterthur bessere ich mich. Vielleicht nicht in allen Teilen, aber was den Zahnarzt betrifft bin ich voll guter Vorsätze. Heute musste ich zum Dentalhygieniker, und der hat gar heftig an meinen Zähnen herumgefeilt. Aber ich habe es hinter mir, für heute. Leider muss ich Ende Monat nochmals gehen, und dann muss ich x-mal zum Zahnarzt, und dann haben wir kein Geld mehr, und dann?
Für heute bin ich geschafft und habe ich es geschafft. Was jetzt noch kommt ist Schokolade und süsse Sahne. Ist Besuch und Kuchenbacken. Nein, natürlich Kuchenbacken und Besuch. So geschafft bin ich, dass ich es nicht mehr auf die Reihe kriege.
Für heute bin ich geschafft und habe ich es geschafft. Was jetzt noch kommt ist Schokolade und süsse Sahne. Ist Besuch und Kuchenbacken. Nein, natürlich Kuchenbacken und Besuch. So geschafft bin ich, dass ich es nicht mehr auf die Reihe kriege.
Dienstag, 1. Oktober 2013
Ach, haben wir viel zu tun!
Ehrlich, heute ist es ganz verrückt: Am Morgen auf den Markt mit einer Einkaufsliste im Kopf, weil wir die geschriebene vergessen haben. Kaffeekapseln nicht vergessen im vornehmen Laden, der gar nicht zu uns passt. Hätten wir besser eine andere kleine Kaffeemaschine gekauft mit anderen Kapseln oder gar keinen Kapseln, als die grosse kaputt ging? Nach dem Pausenkaffee bei "Vollenweider" an der Stadthausstrasse - ich habe Reto eingeladen - weiter zur Metzgerei. Und dann zum "Höhepunkt" des Morgens: Fotoautomat am Bahnhof - wir brauchen neue Fotos für das fällige GA. Reto muss zuerst; ich ziere mich. Seine erste Serie von vier "Passfotonen" scheint mir noch nicht perfekt; mein Ehemann ist schöner als auf diesem Abbild. Er opfert nochmals acht Franken und ist so hässig, dass es nicht besser kommt. Und das Geschimpfe! Und ich bin schuld. Huch! Das GA stellt uns ein Lehrling aus. Gut macht es der junge Mann - und dann dürfen wir endlich nach Hause.
Mittagessen wird vom Ehemann als Festessen bezeichnet.
Später gehen wir nochmals los. Rentner und Rentnerinnen haben Zeit, sich um Aktionen zu kümmern. Reto ist völlig hin und weg, wenn er Gutscheine und Aktionen nützen kann. So "posten" wir denn Halbpreis- und Zweidrittelpreis-Weine und Aktionsdas und Aktionsjenes. Auf dem Heimweg bin ich bestimmt zwei Zentimeter kleiner geworden, weil mein Rucksack so sauschwer war.
Mittagessen wird vom Ehemann als Festessen bezeichnet.
Später gehen wir nochmals los. Rentner und Rentnerinnen haben Zeit, sich um Aktionen zu kümmern. Reto ist völlig hin und weg, wenn er Gutscheine und Aktionen nützen kann. So "posten" wir denn Halbpreis- und Zweidrittelpreis-Weine und Aktionsdas und Aktionsjenes. Auf dem Heimweg bin ich bestimmt zwei Zentimeter kleiner geworden, weil mein Rucksack so sauschwer war.
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