Freitag, 9. Mai 2014

Oh, ihr Erdbeeren...

Nicht zum erstenmal in diesem Frühling habe ich Erdbeeren gekauft. Sie kommen aus Spanien und sind Bio. Aber, oh, ihr Erdbeeren, weshalb nur gleicht ihr euch immer mehr den Äpfeln an? Weshalb nur werdet ihr immer knackiger, wo ihr doch matschigweich sein solltet? - Der Markt, der Markt, sagt ihr wohl. Wir müssen haltbar, gut transportierbar und was noch alles sein. Die KundInnen wollen schön aussehende, frische, knackige Ware.

Ich wünsche mir Erdbeeren, die nach Erdbeeren schmecken. Die an der Sonne zur Süsse gereift sind. Die am Waldrand oder unter unserem Ahorn schon von weither duften. - Da muss ich wohl einfach noch ein wenig Geduld haben und mich dann auf den Weg machen. Ein sonnigwarmreifes Walderdbeerchen wiegt eine Bio-Schale voll Spanienerbeeräpfel auf. Trotzdem hoffe ich, dass mein Erdbeerdessert heute schmeckt. Für Kaya habe ich die vier reifsten Früchte beiseite gelegt.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Arbeitsaufteilung unter Pensionierten

Reto und ich haben immer viel zu tun, und das ist gut so. Unsere Arbeitsaufteilung gestalten wir nach Vorlieben.

Was Reto gerne tut:
  • Wäsche an der Sonne aufhängen
  • Rasen mähen
  • Pflanzen setzen
  • Gartenmöbel neu malen
  • Fenster putzen
  • Spargeln nach seinem Lieblingsrezept kochen, wenn ich sie gerüstet habe
  • "Güsel" sortieren und wegbringen
  • Steuererklärung machen
  • Grillieren
  • das Grosskind hüten
was ich gerne tue:
  • Menüpläne erstellen, Einkaufslisten schreiben
  • jeden Tag kochen (ausser es gibt Spargeln, Pastetli, Lammnierstück mit Nüssen...)
  • Haushaltgeld verwalten
  • ernten, was in Feld, Wald und Garten wächst
  • Grillieren
  • private Schreibereien
  • unser Leben dokumentieren
  • frische Wäsche versorgen
  • Ausflugsvorschläge machen
  • das Grosskind hüten
Tun wir beide etwas nicht gern? - Das ist nicht der Rede wert!

Mittwoch, 7. Mai 2014

Sie übt

Gestern war wieder "Meiteli-Tag". Die Sonne schien, aber ein heftiger Wind wehte. Kaya öffnete weit ihren Mund und ass den Wind sozusagen auf. - Wir gingen schnurstracks zum grossen Spielplatz im Eulachpark. Das Meiteli schaukelt nun gern - und beobachtet noch lieber alles, was um sie her vorgeht.

Ich habe sie auf die Wiese gesetzt. Da bleibt sie nicht einfach sitzen, sondern übt "schnoogge" (krabbeln). Gestern bekam sie überhaupt nicht genug vom Gras. - Nein, sie hat es nicht verspiesen. Überhaupt nicht. Sie hat es berührt, berührt, berührt. Was für ein Tasterlebnis! Sie konnte gar nicht genug davon bekommen - und hat das Grosi (mich) angesteckt, es ihr nachzuahmen. - Sie hat aber ausserdem versucht, die einzelnen Gräslein auszureissen und sie in meine Hand zu legen. Welch eine ungeheure Arbeit! Welche Ausdauer! Viel länger hat sie den Handrasenmäher gegeben, als dass sie geschaukelt hätte.

Mit der gleichen Ausdauer hat sie später in der Stube Legofiguren aus dem Handgelenk fortgeworfen. Wieder und wieder und wieder. Diese Bewegung aus dem Handgelenk - bis sie eingeübt war und sitzt. Und dann die nächste Übung: Legofiguren, welche die Grossmutter auf einen Legostein setzt, wieder abmontieren. Das braucht Kraft. Aber mit dem Üben kommt die Kraft.

Und was übt die Grossmutter? - Das Gleichgewicht. Auf einem Bein stehen. Auf dem anderen Bein stehen. Jeweils morgens vor dem Morgenessen.

Dienstag, 6. Mai 2014

Kuckucks-Lichtnelke

Bei uns vor der Tür blüht eine. - Wie heisst sie nur wieder? Ich kenne sie. Rosaflatterblüten. Zart. Zipfelig. - Im Reussdelta ganz viele. - Wie heissen sie schon wieder?

Kuckuckslichtnelke 



  Mir vertraut seit Kindertagen
 
 
Ich habe letzte Woche von einer Neunzigjährigen gelesen, die noch ihren Doktor gemacht hat. - Mein Ziel ist viel, viel, viel bescheidener: Ich möchte meinen kleinen Bestand an Wissen, z.B. über die Natur, aufrecht erhalten und wo möglich ein wenig erweitern. Zum Beispiel heute. Über die Kuckucks-Lichtnelke steht in unserem Blumenbuch: "Der Schaum an den Blättern heisst "Kuckucksspucke". Darin leben die Larven der Schaumzikaden."

"Schaumzikaden" - was is sie bluss? - Google hat Antworten:

 
 
Die Schaumzikaden haben den Rekord im Hochsprung - gemessen an ihrer Körpergrösse: 70 cm hoch. So lerne ich fort und fort und amüsiere mich gleichzeitig. - Was es doch alles gibt, von dem ich noch keine Ahnung habe! - Aber wie heisst nun schon die rosagezipfelte Blume, die ich kenne?

KUCKUCKS-LICHTNELKE
 
Merk dir das endlich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!



Montag, 5. Mai 2014

Selber feuern

Gestern wollte ich dabei sein, als in Wassen UR meine letzten Oberstufenschüler (Religion) gefirmt wurden. Als Zugabe sahen wir wieder viele liebe "Alte Bekannte". Mit zwei Frauen habe ich Plauderzeit abgemacht, sobald wir je Zeit haben. - Es lässt uns gewiss nicht so bald los, das Urner Oberland.

Heute haben wir einen Ferientag genossen, so Pensionierte Ferien haben. Jedenfalls hat es sich so angefühlt. Bei schönstem Sonnenschein ins Reussdelta spazieren mit dem Rucksack, in dem Würste, Brot, Zuckermais, zwei Dezi Rotwein und viel Hahnenwasser steckten. Mein Lieblingsgrillplatz war gerade noch frei. Wir legten das gesammelte Anfeuerkleinholz ab und stellten den Rucksack daneben. Da kam ein älteres Paar mit zwei kleinen Kindern. Die Frau fand, wir würden uns gewiss an dieser Feuerstelle miteinander arrangieren. Zuerst dachte ich, man könne ja neue Leute kennenlernen; das schade nie. Aber als ihr Herr Gemahl Anzündholz von zu Hause, garantiert trocken, aus seinem Rucksack zauberte, da war für uns der Spass vorbei. Wir wollen auch oder noch lieber selber anfeuern. Mit dem Holz, das wir finden. Ohne "Schischi", aber mit viel Blasen. Stolz sind wir, wenn wir unter verschärften Bedingungen braune Würste hinkriegen.

Also zogen wir ab und taten genau das. Und es war himmlisch.

Samstag, 3. Mai 2014

Wo alle verurteilen, muss man prüfen und wo alle loben, auch. (Konfuzius, 500 v. Chr.)

Gestern bin ich mit einer Gruppe, die ich mir nicht selbst gewählt habe, nach Bern ins Bundeshaus gegangen und habe am gleichen Tisch wie Bundesrat Ueli Maurer Zmittag gegessen, was ich eigentlich hatte vermeiden wollen.

Die Gruppe, die sich jährlich zu einem Ausflug trifft, und wo ich auch (fast) immer dabei bin, gehört zu Reto oder er zu ihr. Es ist eine militärische "Veteranengruppe". - Dieses Jahr hat einer vorgeschlagen, man könnte sich mit Bundesrat Ueli Maurer treffen - und dieser sagte zu.

Er kam, schüttelte jedem und jeder die Hand und stellte sich jeder und jedem vor als "Ueli". - Ich bin also nun "duzis" mit dem Ueli. Und ich habe zwei Stühle von ihm entfernt Braten und Kartoffelgratin gegessen. Und kein einziges Mal sagte er etwas "Blödes" - im Gegenteil, er war ein sehr angenehmer, fröhlicher, entspannter, anteilnehmender Gesprächspartner. Ich fühlte mich wohl.

Am Schluss sind wir mit einem Gripen-Anstecker und Militärschokolade nach Hause gefahren.

Ich bin immer noch gegen die Anschaffung des Gripens und gegen sexistische Sprüche eines Bundesrates und jedes Mannes (von Frauen ganz zu schweigen). Aber genau so bin ich dagegen, dass man "Bunt" zu "Schwarz" mutiert, weil man gern in Freund-/Feindkategorien denkt. Gestern war ein bunter Regentag, und der Ueli war ein angenehmer Tischgenosse.

Donnerstag, 1. Mai 2014

"Oft genügt es, wenn andere gescheit sind." (Hans Magnus Enzensberger in "Album")

Ich erlebe aktuell nicht viel, weil ich wenig aus dem Haus gehe. Scheiss-Regenwetter. Scheiss-Kälte. Ich bin alt und brauche warm. - Umso mehr ziehe ich mich in meine geliebten Bücher zurück. "Meine geliebten Bücher" meint ALLE Bücher. Ich gehe in eine Buchhandlung und atme Bücherluft ein und werde "high". So "high", dass ich alle Vernunft verliere und auch bei Geldmangel ein bis drei Bücher kaufe. Reicht das Geld halt wieder nicht für neue Unterhosen! Ich bin büchersüchtig, aber das hat ausser auf mein Potemonnaie keine schädlichen Nebenwirkungen.

Momentan blättere ich gern in "Album" von Hans Magnus Enzensberger (84J.). Er bezeichnet dieses Buch als :

  • Scrap-Book
  • Sammelsurium
  • Wundertüte
  • Sudelbuch
  • Kuddelmuddel
  • Quotlibet
  • Hotchpotch
  • Samalgundi
  • ...
Meine Tagebücher sind das alles auch: Da klebe ich auch Kinobillete, Zeitungsschnipsel, kluge Sätze von FreundInnen, Lieblingsgedichte, psychologische Lebenshilfe, erstaunliche Architektur und was weiss ich noch hinein. - Ausser, dass ich auch mein Leben rapportiere. Manchmal läuft ja was.
(Obige Wörter habe ich bei Nichtkennen gegoogelt; heisst alles dasselbe.)