Dienstag, 9. September 2014
Muss auspacken
Es ist zehn Uhr morgens. Der Vollmond ist überstanden. Gut geschlafen. - Ich war schon einkaufen, und das riesige "Postichäreli" (Einkaufswagen) steht noch dreiviertelvoll gepackt bei Fuss oder neben dem Tisch. Ich sollte auspacken. Feigen von der Türkei probieren. Zwetschen sortieren nach vollreif und halbhart. Guetzli mit weisser Schokolade Reto unter die Nase halten (er "muss" sie dann allein essen; ich mag weisse Schokolade nicht). Milch in den Kühlschrank. Brot ins Brotchörbli. - Jeden Moment kommt Judith und gibt ihr Meiteli für einen langen, vollen Tag ab. Was wir wohl heute spielen? - Ich möchte die grosse Wandtafel vom Keller herauf holen und erstmals mit farbiger Kreide das Meiteli verzaubern. Oder "ächt" (wohl) vor allem mich??!
Montag, 8. September 2014
phones, phones, phones
Ich telefoniere nicht wirklich gern, aber heute habe ich es dreimal getan. Es hat meinen Tag verändert. Ganz konkret: Statt, dass ich auf den Friedhof gehe und zum Grab meines Götti schaue, verbringe ich den Nachmittag auf dem Spielplatz mit Judith und Kaya. Mein Götti nimmt mir das nicht übel. Ich aber werde viel Spass haben und ganz vergessen, dass ich ein wenig wacklig auf den Beinen bin. Hitzeunverträglich oder mondkrank??
Und das zweite Telefonat? - Murmeli-Briefmarken bestellt auf der Post von Gurtnellen. Freu mich schon darauf, und ich bekomme sie sehr bald. Dann kann ich auch mit dem Überbringer wieder mal so richtig "quatschen" (reden), jedenfalls zweieinhalb Stunden lang.
Drittens den alten Freund erreicht, von dem ich schon bald meinte, er wolle mich nicht mehr hören. - Ich sage ja immer zu Reto, Interpretationen sind gefährlich. Oftmals ganz daneben. - Jetzt bin ich wieder "auf dem Stand der Dinge", wie Florian Inhauser am Ende der Tagesschau zu sagen pflegt. "Der Stand der Dinge" ist heiter bis wolkig, aber ganz anders, als ich dachte.
Und das zweite Telefonat? - Murmeli-Briefmarken bestellt auf der Post von Gurtnellen. Freu mich schon darauf, und ich bekomme sie sehr bald. Dann kann ich auch mit dem Überbringer wieder mal so richtig "quatschen" (reden), jedenfalls zweieinhalb Stunden lang.
Drittens den alten Freund erreicht, von dem ich schon bald meinte, er wolle mich nicht mehr hören. - Ich sage ja immer zu Reto, Interpretationen sind gefährlich. Oftmals ganz daneben. - Jetzt bin ich wieder "auf dem Stand der Dinge", wie Florian Inhauser am Ende der Tagesschau zu sagen pflegt. "Der Stand der Dinge" ist heiter bis wolkig, aber ganz anders, als ich dachte.
Sonntag, 7. September 2014
Mein nächstes Buch??
"Stille Post" heisst ein Buch, das mich interessiert. - Es handelt von den Botschaften, die unausgesprochen innerhalb der Generationen weitergegeben werden. Seit Enkelin Kaya da ist, ist mir meine Einbettung in eine Erbfolge bewusster denn je. Ich komme von weit, und es geht weiter. So normal und so einfach ist das. Aber was ist die "Stille Post", die auch ich lagere in Schränken und Schubladen in Form von Bildern und Handfestem wie überlieferten Weingläsern (die letzten zwei von der Finsterthüele) und Löcherbecken (aus der Küche von Oftringen)? Die "Stille Post", die in mir selber herumwabert und mein Sein und Tun (mit-)bestimmt? - Gestern Nacht habe ich Fotos hervorgekramt und ganz still und ganz lange betrachtet. Vor allem diejenigen von meinem Fest zum 50. Geburtstag auf einem Zürichseeschiff. Da haben fast alle Altvorderen noch gelebt. Und diejenigen von meinem "Königinnenfest" in Luzern. Da waren Freundinnen dabei, die ich schmerzlich vermisse in meinem Leben. Morgen rufe ich an. - Nicht alles, was vorbei zu sein scheint, ist auch vorbei.
Freitag, 5. September 2014
Stickereien
Manchmal vermisse ich meine Mutter. Aber auch meine Gotte, Mutters Schwester. Und meine Grossmutter mütterlicherseits. Sippen-Geborgenheit. Eine Arbeitsseilschaft. Frauenpower pur. Vorbilder.
Was ist geblieben?
Erinnerungen. Bilder zuhauf. Und Stickereien meiner Mutter.
Gestern habe ich im Buch "einfach unverschämt zuversichtlich. FAMA - 30 Jahre feministische Theologie" unter dem Titel "Gestickte Beziehungen" gelesen:
"Beim Sticken, so erzählte mir die Freundin, konnte ihre Mutter meditieren, sich versenken, in Verbindung treten mit denjenigen Menschen, denen sie die Stickerei zugedacht hatte, z.B. mit ihren... Töchtern."
DARUM war es meiner Mutter so wichtig, meiner Schwester und mir ihre Arbeiten bei jedem Besuch zu zeigen. Zu vermerken, dass sie sie nichts so sehr wünsche, wie dass wir ihre künftigen Stickgeschenke dann auch ständig brauchen täten. - Mami, ich brauche sie ständig, und sie erzählen mir von Dir. Und von Deiner Sippe. Von der Lebensseilschaft. Ich gehöre dazu.
Was ist geblieben?
Erinnerungen. Bilder zuhauf. Und Stickereien meiner Mutter.
Gestern habe ich im Buch "einfach unverschämt zuversichtlich. FAMA - 30 Jahre feministische Theologie" unter dem Titel "Gestickte Beziehungen" gelesen:
"Beim Sticken, so erzählte mir die Freundin, konnte ihre Mutter meditieren, sich versenken, in Verbindung treten mit denjenigen Menschen, denen sie die Stickerei zugedacht hatte, z.B. mit ihren... Töchtern."
DARUM war es meiner Mutter so wichtig, meiner Schwester und mir ihre Arbeiten bei jedem Besuch zu zeigen. Zu vermerken, dass sie sie nichts so sehr wünsche, wie dass wir ihre künftigen Stickgeschenke dann auch ständig brauchen täten. - Mami, ich brauche sie ständig, und sie erzählen mir von Dir. Und von Deiner Sippe. Von der Lebensseilschaft. Ich gehöre dazu.
Donnerstag, 4. September 2014
Momente
- Am Morgen unsere zwei Katzen, die vor mir einträchtig zu ihren Futternäpfen gehen und sich übers "Felix"- Nassfutter hermachen.
- Kaffee malen in der elektrischen Mühle und das Pulver in den italienischen Espressokocher füllen. Wenn das Wasser aufsteigt, erfüllt sich die Küche mit Kaffeeduft. Der Tag kann beginnen.
- Den Tagesanzeiger lesen bis zur Neige und dann auch noch das Sudoku lösen.
- Enkelin Kaya, die mich bei zwei Fingern nimmt und weiss, wohin sie will.
- Beim Mittagessen mit Tochter Judith ständig den Befehlston von Kaya im Hintergrund: Sie liebt meine Spaghettis und will mehr, mehr, mehr.
- Kaya räumt gern ein und aus. Heute wirft sie den Holzgüggel in Retos halbvolle Kaffeetasse. Ist nicht bös gemeint.
- In meinem gerade aktuellen Buch versinken und schwer wieder aus der Geschichte um die demente Claire aussteigen. - Mir fällt ein Name nicht ein; beginnt das auch schon bei mir, oder hat es längst begonnen?
- Wieder einmal scheint die Sonne. Die Wärme des Spätsommertages geniessen.
- An unseren Rosen riechen, die noch einmal verschwenderisch blühen und wunderbar duften.
- Ein Zwetschgenmuffin vom Markt im Eulachpark verspeisen.
Mittwoch, 3. September 2014
Was ins Auge geht
Der Wind. Die Sonne. Staub. Mein Haarlack. - Ich weiss nicht, was mir ständig ins Auge geht. Aber dass ich es leid bin, alle paar Wochen entzündete Augen zu haben. - Nein, Reto, ich gehe nicht zum Herrn Doktor! Was soll er machen? Mir Antibiotika geben? Ich habe eine Allergie auf fast alle diese Starkmittel. - Heute Morgen bin ich zu meiner Therapeutin für Akupressur gegangen. Sie hat nur mit ihren Händen an mir gearbeitet. Sie sagt, das hört jetzt auf mit der Entzündung. Ich will es gern glauben. Und schon bald spiele ich wieder mit unserer Enkelin im Sand des Eulachpark-Spielplatzes. Und es muss drinliegen, dass da ab und zu der Sand fliegt. Das ist es NICHT, was ins Auge geht.
Montag, 1. September 2014
Schlangenbohnen
Ich weiss, dass sie Stangenbohnen heissen. Aber wir haben sowieso heute zum Zmittag Buschbohnen gegessen. Ganz genau betrachtet hat Enkelin Kaya fast allein die grünen Dinger verspiesen, die ich auch gern habe/hätte. Die kleine Dame, die am Anfang begeistert alles gegessen hat, entscheidet nun, wer weiss nach welchen Kriterien, dass sie vom Einen isst, aber vom Anderen nicht. Heute also NUR Bohnen. Dabei hatte ich extra viel verschiedenes Gemüse und fast kein Salz zum Pouletfleisch getan. Und Kartoffelstock, so sagt mein Mann, hat doch jedes Kind gern. Na ja, ich denke mir nun die Bohnen zur Schlange, die ich am Wochenende mit meiner besten Freundin auf dem Weg der Schweiz vor Sisikon gesehen habe, und mache daraus Schlangenbohnen.
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