Montag, 16. Februar 2015

Ich melde mich dann mal zurück

Zuerst waren wir ein letztesmal in Flüelen in den Ferien. Aber was sage ich da "Ferien" - einem echten Feriengefühl kam die Trauer in den Weg, darüber, dass es das letztemal war. Und es kamen die ständigen Gedanken dazwischen, was noch alles zu tun sei. Und es kam das Tun selber dazwischen. Und ganz gewaltig kam der Bischof von Chur dazwischen, der den Bürglern  ihren Pfarrer Wendelin Bucheli wegnehmen will. Strafeshalber. Weil er gesegnet hat. Ein lesbisches Paar. Ich musste einen Leserinbrief schreiben. Das kam dazwischen. Und dann wurde ich krank. Grippaler Infekt. Nicht schlimm, nur mühsam. Ich bin auch heute noch nicht wirklich gesund. Aber ich bin zurück im Leben und für das Leben. Ich will tun, was zu tun ist. Noch einen Leserinbrief schreiben an die NZZ am Sonntag. Und morgen nach Flüelen reisen, um Geschirr heimzuretten, damit es nicht zu Bruch geht beim Zügeln am Samstag. Wo wir doch in Winti mehr als genug Geschirr haben! Kaya bekommt es dann in ihre Aussteuer. Oder für ihre erste WG. Oder wir zerschlagen es vorher doch noch selber.

Freitag, 6. Februar 2015

Beschäftigt


Da hat mich Reto erwischt in üblicher Pose: Pantoffeln abgestreift, Brille aufgesetzt, Stift in der Hand, Papier schräg vor mir, Cashmiredecke am Rücken. Ich bin beschäftigt.

Ich bin aber nicht nur beschäftigt, sondern mich beschäftigt vieles. Heute Morgen dachte ich daran, noch mehr Arbeitsmaterial von vor der Pensionierung zum Altpapier zu legen. Dann kam ein Telefon, ob ich ein Kindlein taufen würde, oder ob ich vorzöge, ganz und gar pensioniert zu sein. - Ich taufe im Juni. - Gestern Abend war ein Mail da, ob ich über das Buch Esther in der Bibel einen Artikel schreiben möchte. - Ich will. - Vor ein paar Minuten hat die Nachbarin geläutet, ob wir am Nachmittag ihre Kleine kurz hüten könnten. - Wir können und wollen. - Auf meinem Pult liegen Texte, die ich nochmals lesen will. Sie handeln von der Beziehung zum Tod und von der Beziehung zu den Eltern. - Ich werde das Märchen vom genarrten Tod ausdrucken. Ehrlich, ich habe auch noch keine Zeit zum Sterben. Ich bin beschäftigt.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Winterblues - nein danke

Vorsorglich habe ich mir einen Artikel zur Seite gelegt, in dem es um Tipps gegen den Winterblues geht, der sich einstellen soll, wenn es draussen grau und trüb ist. - Jetzt ist es grau und kalt. Biswindwetter. Reto hat gesagt, genau wie im Urner Oberland. - Ich bin nicht dazu gekommen, den vorbeugenden Artikel zu lesen. Es lag so viel Spannenderes herum. Ausserdem wollte ich den Keller umräumen und habe es getan. Dort liegt aber noch Arbeit für Wochen. Playmobil und Legos sortieren und Ähnliches. Und dann  ist mit der Post eine so schöne Karte gekommen, dass ich ganz gerührt bin. auch, dass die Post sich selber rühmt, weil sie erforschen konnte, wo wir wohnen (die Hausnummer war um zwanzig daneben). Jetzt ruft Reto, dass ich seine Fotos vom gestrigen GA-Reisli anschauen kann. Nachher muss ich dringend Mittagessen kochen. Was der Nachmittag bringt, werden wir sehen. Vielleicht Judith und Kaya. - Ich glaube, ich lege den Winterblues-Artikel ungelesen zum Altpapier. Keine Zeit, um Unnötiges zu lesen. Keine Zeit zum Bluesen.

Mittwoch, 4. Februar 2015

Einfach gehen

Heute bin ich solo. Reto ist auf ein GA-Reisli entschwunden. Kommt irgendwann nachts heim - wohl voller schneeiger Eindrücke. Oberalp, Disentis, Chur - oder auch ganz anders. Mit dem GA ist alles möglich. - Zu Fuss auch. Ich denke immer wieder, ich sollte mehr gehen. Einfach gehen. Das baut den Körper auf und Aggressionen ab. Und frau schläft dann gut. - Gegen drei Uhr nachmittags bin ich also losgegangen. Portemonnaie im Sack, Sonnenbrille auf der Nase, Kapuze gegen die bissige Bise über den Kopf gestülpt. - Einfach gehen. Wohin die Füsse wollen. Sie wollten zu meiner Tochter, wo ich unangemeldet nach fünfzig Minuten ankam. Grosses Staunen von Judith und Kaya, und dann hatten wir schon wieder genug zu erzählen. Kaffee gab es auch und Schoggi-Orangen-Guetzli. Ein schöner Nachmittag. Einfach gehen bringt es.

Dienstag, 3. Februar 2015

Dreissigtausend und sechsundsiebzig

Ein Mann, irgend einer, hat sich per Leserbrief über die Schilder in Comicfigurenform aufgeregt, die ankündigen, dass in diesem Haus ein neues Kind willkommen geheissen wird mit dem Namen Paul oder Kevin oder Anna oder  wie auch immer. Ich lese jeweils die Namen, wenn ich mit dem Zug unterwegs bin, und freue mich über den Nachwuchs anderer Leute. Aber der Leserbriefmensch hat Antwort bekommen. Man versteht ihn und findet, privat sei privat. Es sei unnötig, der Welt mitzuteilen, dass ein Kind zur Welt gekommen sei.

Privat soll privat bleiben!?! - Ich nehme gern Anteil am Leben von anderen. Zum Glück erfahre ich  recht viel Privates fast täglich. Ich will ja nicht nur vom Virtuellen on TV leben. Es berührt mich mehr, wenn andere erzählen, was sie beschäftigt, was ihnen passiert an Schönem und halt auch an Schwierigem. Manchmal lerne ich von anderen. Manchmal fühle ich mich getröstet, weil andere ähnliche Fehler machen wie ich. Ich brauche die Ehrlichkeit von anderen. Dass ihnen auch nicht alles gelingt. Dass sie auch alt und müde werden. Dass sie auch mit dem Ehegespons "chifle" (streiten). Dass sie auch nicht perfekt sind.

Offensichtlich geht es vielen ähnlich wie mir. Sonst wäre mein Blog bis heute nicht dreissigtausend und sechsundsiebzigmal angeklickt worden.

Montag, 2. Februar 2015

Kunstmalerinnen

Als wir heute mit Enkelin Kaya im Park waren, sah ich beim Schulhaus sehr effektiv geschmückte Fenster. Kleinere und grössere bunte Papierscheiben neben und übereinander. Edles Papier. Sieht gut aus. - Nix wie heim und mit Kaya (19 Monate) erstmals die Fensterscheiben in meinem Zimmer bemalen. Grün, gelb und blaue Farbwürmer auf einen Teller drücken und dann mit den Fingern hinein. Ich habe Kreise gemalt, Kaya Striche. Nach sieben Minuten Malen war unser Fensterkunstwerk fertig. Eine gute halbe Stunde  lang habe ich dann Kaya und unsere Kleider wieder sauber gerubbelt.

Sonntag, 1. Februar 2015

Ich bin "Östlich der Berge"

Manchmal versinke ich in den Büchern, die ich lese. So bin ich seit vorgestern mit Ben Givens unterwegs, einem Herzchrirurgen im Ruhestand. Er hat Krebs und wird sterben. Als Arzt hat er eine Vorstellung vom kommenden Leidensweg und will ihn nicht auf sich nehmen. Noch einmal geht er jagen mit seinen beiden Hunden. Am Ende des Tages will er sich selbst erschiessen.

Aber der Tag verläuft nicht wie geplant. Durch die Menschen, denen er zufällig begegnet, kommt eine Unsicherheit auf, ob es schon Zeit sei zu "gehen". Vergangenheit und mögliche (beschränkte) Zukunft stehen ihm lebhaft vor Augen. Seine Hunde sind um ihn. Noch lebt er.

Ich bin mit ihm "Östlich der Berge" (=Buchtitel) und gespannt, wie es weiter geht.