Samstag, 7. März 2015

GWUM

Ich habe über Abkürzungen nachgedacht und bin zum Schluss gekommen, dass ich sie nicht mag und nicht mehr will. Jedenfalls nicht oft. Nur selten.

Ich wohne an einer Strasse, nicht an einer Str.! - Meine Strasse ist lang, und ich bin da wohl. Eine Str. würde mir aber nicht behagen. Ich würde sie schnell hinter mich bringen, um sofort ins Haus Nummer einundfünfzig zu verschwinden.

Gestern war ich mit den GWUM zusammen. Das sind die lieben Studienkamerädli von Luzern. Wir sieben treffen uns in regelmässigen Zeitabständen bei einer/einem zu Hause. GWUM bedeutet "ganz wunderbare Menschen". - Müsste ich das nicht jedesmal aus schreiben, damit das Wunder sich voll entfalten kann?! - Ich gehöre zu einer Gruppe von ganz wunderbaren Menschen. Macht glücklich! Ich danke Euch.

PS oder Postskriptum:
Mein nächster Blog könnte die Anredefürwörter aufnehmen. Ich schreibe auch die wieder gross, die ich klein schreiben müsste. Ich denke eben gross von Dir und Euch, nicht nur von Ihnen. Wer sind Sie überhaupt?

Freitag, 6. März 2015

Frauen der Grossmütterrevolution

Morgen Samstag findet eine nationale Demo in Bern statt. Frauen verlangen Lohngleichheit jetzt! - Mein Gott, wieeee lange verlangen wir das schon! Und ein paar weitere Verlangen hätte ich, die sich auf die katholische Kirche beziehen. Aber erfüllt wird das alles kaum. Kaum in meiner Lebenszeit. Was nicht heisst, dass ich mich dafür nicht einsetzen sollte und wollte.

Unter den aufrufenden Organisationen zur Demo in Bern bin ich auf die "Frauen der Grossmütterrevolution" gestossen. - Klar, dass mir das gefällt! Ich habe mich schon für den Newsletter angemeldet und freue mich auf neue Anregungen von "militanten" Frauen in meinem Alter.

Eine Info schon mal jetzt von der Homepage der Grossmütter: Unsereins leistet pro Jahr Kinderhütedienste im Wert von über zwei Milliarden Franken. Ha, da fühle ich mich sofort sehr viel wertvoller und unter meinesgleichen wohl!

Donnerstag, 5. März 2015

Nachtrag von gestern


So also sieht der Boden meines Zimmers aus, wenn Kaya gespielt hat. Und so mag ich ihn, den Boden meines Zimmers. - Kaya wiederum mag mein Zimmer, weil es da so viele (seltsame) Dinge hat.Sie will hochgehoben werden und "luege".

Ich bin gern umgeben von Erinnerungen. So ist z.B. die Räuberflagge vom Piratenschiff im Wassener Garten ständig um mich und erinnert mich an die "Gschichtetäg" im Pfarrhaus. Oder aber zwei Kartenausschnitte von einer Frankreichkarte. Dieppe und Rouen erinnern an Ferien mit Reto. Dieppe zusätzlich an die Panne mit unserem VW-Reisebus "Gogo", die uns so unglaublich viele neue Erfahrungen beschert hat. Rouen hingegen hat mir mit der Kathedrale im Morgenlicht zu meiner ersten Predigt verholfen. Auferstehung. Ostern. Geheimnis der aufgehenden Sonne, des neuen Tages.

Das gerahmte Bild über meinem Pult ist eine Kinderzeichnung von Tochter Judith, die so unglaublich farbig und phantasievoll gemalt hat, ehe sie einer pastellverliebten Lehrerin in die sonst guten Hände fiel. Da war die Malerinnenkarriere meiner Tochter schon zu Ende.

Seit unsere Flüeler Wohnung aufgehoben ist, fliegt über meinem Bett der Andenkondor aus Chile. Allerdings in einer "munzigen" (sehr kleinen) Version. Aber er erinnert an den König der Lüfte mit einer Flügelspannweite von drei Metern. - Die Dinge in meinem Zimmer sind nicht das Leben, aber sie erinnern daran, dass es sich lohnt, das Leben zu suchen. Offen zu sein. Weit offen.

Mittwoch, 4. März 2015

"Gosse Tei - chine Tei"

Nein, ich möchte eventuelle Leserinnen und Leser nicht raten lassen, welcher Sprache der Titel entstammt. - Wir waren gestern mit Klein-Kaya auf dem grossen Spielplatz, und sie hat eine geschlagene halbe Stunde lang mit allerkleinsten, runden Kieselsteinen gespielt. Aufklauben mit den Fingerchen, fünf Schritte gehen zum Rand des Rasens, Steinchen dort streuen, zurück zum Anfang. - Reto hat derweil eiskalte Füsse bekommen. Mir ist ein bisschen langweilig geworden. Aber das Kind hatte zu tun. - Ob ich mit meinen eigenen Kindern je soviel Geduld gehabt habe? - Aufklauben, gehen, streuen. - "Kaya, wir gehen nach Hause." - "Neiiiii!!!!" - Ein zappelndes, schreiendes Kind hinter dem Grosspapi hertragen. Wieder auf den Boden stellen, als die Steinchen weit weg genug sind. - Da stürzt sich das Meiteli auf die Büsche und beginnt braune Blätter abzureissen und dem Wind entgegen zu strecken. Dieser trägt sie fort oder rollt sie über den Weg. - "Kaya, wir gehen nach Hause." - "Neiiii!!!!" - Der Grosspapi geht. Wir lassen ihn ziehen. Und dann darf das Grosi das Kind nach Hause tragen. Dort spielt es eine weitere halbe Stunde mit Grosi's gesammelten Steinen. Aus der Kartonschachtel kippen, in drei verschiedengrosse Gefässe verteilen, umschütten, auf den Boden leeren, auflesen und dabei kommentieren: "Gosse Tei - chine Tei - Äzlitei." (Übersetzung: Grosser Stein - kleiner Stein, herzförmiger Stein.)

Dienstag, 3. März 2015

Wozu ist Emörung gut?

Heute Morgen bin ich gar nicht fertig geworden mit dem Tagi Lesen. In einem Interview äussern sich Moritz Leuenberger und Peter Schneider (Psychoanalytiker) über den neueren Begriff des "Wutbürgers". Diese ständige Empörerei, die durch Medien und Social Media gefördert wird, passe gar nicht in eine direkte Demokratie. Wo wir doch alle als Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit haben, uns politisch einzubringen.

Ich wundere mich immer wieder, wenn ich mit ÖV unterwegs bin, worüber die Leute die ganze Zeit schimpfen. Sind die alle ständig schlechter Laune? Warum denn bloss?

Sorgen machen mir die Shitstorms im Netz - da kann jemand in Kürzestzeit Ehre und Würde unverschuldet verlieren. - Ob wir nicht alle wieder lernen müssten, zuerst zu denken, nochmals zu denken und abermals nachzudenken, bevor wir unsere massgebliche oder unmassgebliche Meinung zum Besten geben? - Ausser, wenn wir Gutes sagen wollen, bene dire, Segen verbreiten. Das dürfen und sollen wir reichlich und jederzeit. Ohne vorher Bischöfe oder Politiker zu fragen.

Montag, 2. März 2015

Waaaau!

Noch selten hat jemand am Tisch zu meinem Randensalat "waaaau!" gesagt. Und so viel davon gegessen, dass man das von Herzen kommende "Wow" auch glaubt. - Wenn man noch nicht ganz zweijährig ist, dann ahmt man das Mami nach oder andere nahe Angehörige oder auch mal jemanden von unterwegs. Aber man füllt die Wörter mit eigenem Gefühl. Und sowieso - Gefühl! - Das ist stark und ungefiltert im Guten wie im Schwierigen. Da kann der Randensalat eine Herrlichkeit sein und das Grosi, das das Holzigeli nicht zum vierten Mal von der Stube ins Zimmer ziehen will, tiefes Elend. Da wird geweint, dass Herz erbarm. - Ablenkung ist immer gut in so einem Fall. Fragt das Grosi: "Kaya, was willst du morgen essen, wenn du mit dem Mami zum Zmittag kommst?" - "Randensalat." sagt sie und weint nicht mehr.

Sonntag, 1. März 2015

Mit freundlichen Grüssen

Ich habe meine Beste Freundin getroffen in der Stadt. Wir haben uns wieder auf "den Stand der Dinge" gebracht, wie Florian Inhauser jeweils am Schluss der Tagesschau zu sagen pflegt. - Meine Beste Freundin hat nun auch genug vom Lehrerinnendasein; sie freut sich auf die Pensionierung. Sie hat mir Müsterchen von ihren SchülerInnen erzählt. Am besten fand ich die Schülerin, die ihr zusah, als sie Notizen machte. Das Mädchen fragte, ob sie dem Schulleiter das Schülerverhalten melden wolle. Stinkfrech sagte die junge Dame: " Sie sollten Ihre Probleme schon selber lösen." - Ja, ja, ich erinnere mich!!! Oft erinnere ich mich, und ich wünsche meinen ehemaligen "ugattlige" (die sich nicht benahmen, wie sie sollten) Schülern aus der Ferne alles Gute in ihrem Leben. "Mit freundlichen Grüssen" füge ich ohne weiteres den Titel des kleinen Büchleins mit Texten von Peter Bichsel hinzu. Ich habe mir die paar Kolumnen heute am Bahnhof erstanden.