Donnerstag, 7. Mai 2015

oh, oh, oh

Gerade habe ich in einem Brief zwei Einladungsdaten verschickt, da bekomme ich ein Telefon aus dem Spital - Herzinfarkt der Eingeladenen! Ich habe Schlotterknie bekommen. Mittagsschlaf später am Tag untergegangen in tausenderlei Gedanken. - Und jetzt hat Judith telefoniert. Krankes Kind, das sie hütet. Kann die Grossmutter vielleicht mindestens mit Kaya ein wenig sein. Dabei wollten wir doch den Tag mit Juju gemütlich ausklingen lassen. Von wegen gemütlich! - Und am Morgen wollten Reto und ich Margriten in einer Wiese ausgraben, um sie bei uns in den Garten zu setzen. Wir hatten in Wassen so viele und so starke. Aber auf allen Wiesen blühte nur der Hahnenfuss. Nirgends auch nur eine Margrite. - Oh, oh, oh, wie läuft das krumm! Wie läuft das anders, als wir dachten! Und doch haben wir soviel Glück. Noch.

Mittwoch, 6. Mai 2015

Spinnen die!!!

Ich kenne einen, der wurde als Kind von seinem Vater abgehört. Das geht nicht spurlos an einem vorüber. Aber das war dieser einzelne Vater, der paranoid wissen wollte, was seine Kinder redeten, wenn er nicht da war. - Jetzt aber konnte man im gestrigen "Tagi" lesen, dass der Spielzeughersteller "Mattel" eine Barbie mit Mikrofon im Kopf entwickelt hat. Das Kind kann mit der Barbie -Puppe sprechen, und die Puppe gibt vernünftige Antwort. Das ist noch nicht das Verrückte. - Mattel lädt alles, was da im Kinderzimmer gesprochen wird auf eine Datenbank und übermittelt den Eltern einen Link dazu. - Edward Snowden  sagt: "Kinder, die heute geboren werden, werden nie erfahren, was es bedeutet, private Augenblicke nur für sich selbst, undokumentierte und unanalysierte Gedanken zu haben." - Daran nun glaube ich wiederum nicht, jedenfalls nicht, wenn Kinder lernen, das Leben in Echt zu leben und nicht virtuell. Zeiten ohne Smartphone und all das digitale Zeug sind überlebenswichtig für die Individualität. Zeiten dafür mit Freundinnen und Freunden im Wald, in einer selbstgebauten Hütte, im Piratenschiff, aus grossen Kartons gebaut...

Dienstag, 5. Mai 2015

Sie versteht schon zu viel

Hie und da sind Grosspapi und Grosi ein bisschen müde vom Tag. Da könnte man doch eine Familien-DVD "obtun". Heute "Miez und Mops". Vor ein paar Monaten fand Kaya das Rehli herzig und das Büsi auch. Bald verleidete es ihr und sie ging lieber spielen. Heute verstand sie genau, dass Kätzchen Miez sein Mami nicht mehr fand und allein unterwegs war, nur manchmal assistiert von Mops, dem jungen Hund. Kaya musste weinen, und wir mussten trösten. Reto schaute weiter, aber Kaya flüchtete vor der schlimmen Geschichte und schleppte Grosi mit ab in ein anderes Zimmer. Beim Spielen mit Autos wurde alles wieder gut.

Montag, 4. Mai 2015

Wenn Vergangenheit und Gegenwart zusammenkommen

Heute ist Enkelin-Hütetag. Am Morgen haben wir eingekauft und auf dem Heimweg eine Schnecke an der Mauer beobachtet, später die hohe Eulach beschaut und endlich einen Wurm vom geteerten Strässchen auf die Wiese gebracht, damit er nicht von einem Velo überrollt wird. - Erstmals habe ich Kaya gefragt, was sie zu Mittag essen möchte. Es war meinerseits ein Test, ob sie die Frage verstehe und adäquat antworte. Sie hat souverän gesagt: "Avocado und anderer Salat." - Haben wir gekauft und zubereitet, und s'Grosi hat das Ungesundere beigesteuert, das sie aber auch mochte: Hörnli und Würstchen.

Nach dem Mittagsschlaf ist Kayas Blick auf die Truhe gefallen, die hinter ihrem Kinderbettchen steht. Da hat sie in grosser Begeisterung auf die gemalten Blümchen darauf gezeigt und gerufen: "Gänseblümchen!!!" - Mein Vater, der die Blümchen vor uralten Zeiten gemalt hat, hätte sich sehr, sehr gefreut. Stattdessen habe ich Kaya eine Foto von ihm gezeigt und erklärt, dass das der Papi vom Grosi sei. Alle Zeiten sind für einen Augenblick zusammengefallen. Allineins - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Sonntag, 3. Mai 2015

Schlemmen oder geniessen?

Wir sind immer "Kinder unserer Zeit", immer beleckt von dem, was läuft, von der Stimmung, die sich um uns herum breit macht. - Gestern habe ich trotzig unser Schlemmer-Menü vom Freitag gepostet. Trotzig, weil mir Zeitung um Zeitung, Magazin um Magazin weis macht, dass ich falsch koche und falsch esse. Und dass ich mit meinem Übergewicht gar der Gesellschaft schade (Gesundheitskosten) und mich sowieso schämen müsse angesichts des Hungers auf der Welt.

Ja, ja, ja! - Aber! - Heute schlägt nach einer vierseitigen (!) Darstellung von ungesunder Ausser-Haus-Ernährung in "Stil/ NZZ am Sonntag" die Stimmung um. Eine Ernährungswissenschaftlerin redet von "Genuss-Krise" in unserer "Gesundheitsgesellschaft". Gesundheit als Ideologie und neuer Religion. Sie redet davon, dass Genuss ein Antidepressivum sei. Dass unser "technokratischer Zugang zum Essen" (meiner nicht!) uns vielleicht uralt werden lasse, "aber", sagt sie, "was haben wir davon, dank Verzicht uralt zu werden, wenn wir das lange Leben nicht geniessen können?" - Allerdings unterscheidet die Ernährungswissenschaftlerin zwischen Schlemmen und Geniessen.

Ich habe Zeitbedarf zum weiteren Nachdenken und (sinnlichen) Wahrnehmen. Ein geringerer Fernsehkonsum wird es möglich machen.

Samstag, 2. Mai 2015

Ich koche - also bin ich

Vielleicht aber überhaupt gar nicht sicher bekommen wir Kaffeebesuch. Ich habe vorbeugend eine "Gebrannte Crème" gekocht. Eigentlich weil ich sie sowieso kochen wollte. Der mögliche Besuch ist letzte Rechtfertigung dafür, dass ich, kaum hatte ich alle Gläser von gestern blitzblank poliert und wieder in den Schrank gestellt, zu neuen Kochtaten aufbrach. Hier das Gästemenü von gestern:
  • Wahlweise frisch gepresster Rüeblisaft mit wenig frischem Ingwer und/oder Weiswein und Chips und Nüsse zum Apéro
  • Salatbuffett aus vier Salaten zum selber Holen (Kopf-, gedämpfter Kabis-, Nüssli-, Chicoréesalat)
  • Orientalischer Reis mit geraffelten Karotten und Orangensaft gekocht nebst vielen Gewürzen und gerösteten Pinienkernen, Pouletbrüstchen an Estragon-Rahmsauce, für den Vegetarier anstelle von Fleisch gebratene Auberginenscheiben
Das Dessert - Orangen-Tiramisu - brachte meine Firmpatentochter mit. Fein!
Ebenso fein war aber die Unterhaltung. Ein schöner, langer Abend. Und gut, dass Reto jeweils serviert. Das mache ich weniger gern als das Kochen.

PS. Was sagt da der Papst dazu? Er ist dagegen, dass man schwelgt.

Freitag, 1. Mai 2015

Jacques Herzog, Archiekt

Wir sollen uns bewegen. Und wir haben Zeit, die kleine oder grosse Hegi-Tour zu machen. Gestern spazierten wir durch den Eulachpark - einmal mehr. Andere tun es auch, eigentlich bei jedem Wetter. Gestern ist mir aufgefallen, welch interessante Menschen einem da oft entgegenkommen. Ein junger Freak in ausgefallenen Kleidern und mit fröhlichem Gesicht. Eine Asiatin mit Kinderwagen, die in "Schwiizerdütsch" grüsste. Die Frau mit den zwei winzig kleinen Hunden. Am grössten sind die Ohren. Kinder auf Trotinetts, die heute natürlich anders heissen. - Ich hätte plötzlich Lust gehabt, die Leute kennenzulernen. Aber wie macht man das? Ich kann mich ja nicht jemandem in den Weg stellen und sagen: "Hallo, Sie sehen interessant aus. Darf ich Sie kenenlernen?"

Im "Tagi-Magi" von letzter Woche ist ein Interview mit dem Architekten Jacques Herzog, das mich berührt. Er war anfänglich dabei, die Weltausstellung in Mailand mitzugestalten. Er ist ausgestiegen, weil dann doch alle machten, was sie wollten - konzeptlos, einigermassen. Seine Idee war, am Hauptboulevard einen laaangen Tisch aufzustellen, wo jedes Land vor seinem Pavillon seine Produkte hätte auftragen können. "Ein langer Tisch wie beim Abendmahl, an dem die ganze Welt zu Gast ist." - Das gemeinsame Thema an der Weltausstellung heisst "Feeding the Planet, Energy for Life." - Ernährung für alle. Leben für alle. Die Schweiz verteilt Apfelringli.

Zurück in den Eulachpark! - Jacques Herzog meint, dass die Schweizer ihre Nachbarn nicht wirklich mögen. Deshalb seien wir ein wenig unfreundlich und auf Distanz bedacht. "Für jegliche Idee von Stadt ist es aber fundamental wichtig, dass man mit anderen in Kontakt treten will." - Will ich eigentlich, aber wie? Und - ehrlich gesagt, es gibt auch wenige, die mir Angst machen.