Samstag, 7. November 2015

Ferien spielen

Gehen und wieder kommen muss man lernen. Kaya übt in meiner Nähe. - "Tschau, tschau!" sagt sie zu mir, wenn sie geht. Und: "Dänn gsehsch mi nümme, wenn ich i de Ferie bi." - Natürlich bedaure ich das lautstark - und schon kommt sie wieder. "Jetz gsehsch mi wieder. Da bin ich." - Und dies zwanzig und mehr mal. Wehe, wenn ich nicht adäquat reagiere! Mein Text muss sitzen. Einfach bloggen, das geht nicht. Muss ... Bis morg...

Freitag, 6. November 2015

Äufnen

Wer hat mir als Kind Geschichten erzählt? - Der Wind, der Wind. - Wer hat meinen Wortschatz geäufnet? - Die Erdkrume, das Katzenbaby, die Blätter am Baum.

Heute sprach klein -Kaya aus dem Kinderwagen dies bedeutende Wort: "Alle Bäume sind kahl." - Mir verschlug es meine abgebrühte Sprache. Das Wort "kahl" habe ich bestimmt in der vierten, fünften Klasse Primarschule kennen gelernt, als unser Lehrer, Paul Rüegger, polterte, wir dürften im Aufsatz nicht immer schreiben "schön, schön, schön". Es gäbe präzisere Adjektive. Allerdings mahnte mein Journalisten-Götti, Adjektive sollte man äusserst sparsam verwenden. Ansonsten werde die Schreibe blumig.

Fast bin ich sicher, aber nicht ganz, dass Kaya das Wort "äufnen" nicht versteht oder verwendet. Kennt es ja nicht einmal mehr mein Duden, nicht einmal mein 24bändiges Lexikon. Ich bin mir gar nicht sicher, dass man mich heute noch versteht.

PS. "äufnen" bedeutet ansammeln, mehren


Donnerstag, 5. November 2015

Einmal rundum

Ich habe meinen Mittagskaffee unter dem beinahe entblätterten Ahorn getrunken. Die Sonne war da und ist da. Der Ginkgobaum von Nachbars - welch ein gelbes Leuchten! Ich habe alles getan, was ich tun konnte: Ringelblumen geerntet und in Öl eingelegt für spätere Salbe. Rosenblätter "hampfele"weise (Hände voll) eingebracht für spätere Meersalz-Rosenbäder. Kapuzinerli gelb und orange in Sektglas gestellt für ... - für nichts Besonderes. Weil sie schön sind und mich am Abend an die Sonne des Tages erinnern. Ich vergesse ja so schnell. Vergesse sicher bald, wie es sich anfühlt, mich an der Sonne stehend rundum zu drehen. Gaaaaanz laaaaangsam, dass jeder Körperteil sich wärmen kann. Warmer Rücken, Warme Hüften. Warmer Bauch. Warmes Herz. Bis die kalte Nacht aufsteigt. So schnell vergesse ich.

Mittwoch, 4. November 2015

Heute ist "Rääbeliechtli-Umzug"

Wie sich alles unendlich wiederholt. Rääbeliechtli bei den eigenen Kindern und jetzt also mit Kaya. Sie kann das Lied zum Anlass selber singen, und sie freut sich aufs Mitlaufen heute Abend. Bleibt nur, dass wir unsere zwei Räben beschneiden. Ich darf auch, was neu ist. Bei unseren Kindern war das den Vätern vorbehalten. Von den Kindergärtnerinnen so bestimmt. Das Stöhnen hör ich noch: "Muss das sein?!" - Es musste, aber jetzt ist alles freiwillig. Wir tun es nicht einmal für Kaya - wir tun es für uns. Aber "Rääbebappe" (Räbenbrei) ess ich nicht, nein, ess ich nicht, niemals mehr!!!

Dienstag, 3. November 2015

Wenn ein Philosoph Notizen macht

Dank der Bibliothek lese ich Bücher, die ich mir niemals kaufen würde. - Was schreibt ein Philosoph vor sich hin, wenn er sich nur Notizen macht? - Ich lese "Zeilen und Tage" von Peter Sloterdijk. Manchmal verstehe ich seitenlang nichts oder nicht viel. Gelegentlich drifte ich in Gedanken ab, weil mich nicht packt, was der Mann zu Ödipuskomplex, Freud und Sexualität von sich gibt. Halt ein Mann! Und wo bleibt Sloterdijiks Alltag? Sitzt der Mensch dauernd am Pult und denkt und schreibt, mal unterbrochen von Ehrungen in aller Welt, die er einheimst? Er ist ja in meinem Alter. Muss man ernten, was man gesät hat. Dazu ein Zitat von Seite 150:

"Das Prinzip des höheren Lebens ist übender Fleiss. Geboren sind wir schon, zur Welt kommt nur, wer sich vorwärts arbeitet."

Ein anstrengendes Leben führt der Herr Philosoph. Noch ein Zitat:

" Keine Rechtszusage hält dich am Leben, es ist nur deine eigene von Tag zu Tag erneuerte Unverfrorenheit, die dich weiter auf dem Posten bleiben lässt."

Mich halten ausserdem Spass, Freude, Genuss und  Beziehungen auf dem Posten. Gestern habe ich das Kinderlied "I ghöre es Göggli" umgedichtet. Ganz weltlich. Ohne "Glöggli", das ja die "Betzeitglocke" meint, die zum Abendgebet ruft. Dafür bekomme ich keine Lorbeeren.


Montag, 2. November 2015

Und dann kam die Sonne

Ich warte heute morgen darauf, dass sie wieder kommt, die Sonne. Gestern hat sie auf einen Schlag alles anders gemacht. Aus Lustlosigkeit wurde überschäumende Freude. Zum "Bäumli" hinaufzusteigen war trotz Rückenweh ein Bedürfnis. Und siehe, auch der Rücken wurde warm und streckte sich wohlig im Sonnenschein. Weil (fast) alle Bänkli besetzt waren, "mussten" wir zur Terrasse des Restaurants Goldenberg weitergehen. Dort war "tout Winterthur", trank Süssmost und ass Vermicelles. Letzteres wir auch. Und wir sassen an der Sonne, bis sie unterging.

Heute lese ich Ingeborg Bachmanns Gedicht "An die Sonne", während Reto seit Stunden unterwegs ist, um die Walliser Sonne zu geniessen.

Sonntag, 1. November 2015

Drei Essen, zwei Geburtstage nicht vergessen

Eine Seite wenden in der Agenda - was ist im neuen Monat schon alles vorgemerkt? - Drei Essen und zwei Geburtstage, die nicht vergessen sein wollen. - Ist dies die grosse Freiheit der Pensionierten oder schon eher ein Angstszenarium? Huch, wie füllen wir die Tage?

Aktiv im Alter bedeutet eben auch, dass man sich die Agenda selber füllen muss. Bei uns ist es so, dass wir genug Ideen hätten, es aber bei der Ausführung oft harzt. Wir wissen, dass die Sonne in der Höhe scheint, aber wir wollen nicht in überfüllte Züge steigen. Wir lieben es, mit anderen am Tisch zu sitzen, aber wer von uns zweien greift zum Telefon. - Ich erinnere mich an meinen Götti im Alter, der sich zu nichts mehr aufraffen konnte. Der sagte: "Ich habe auf dich gewartet."

Es kommt wie es kommt. Es novembert.