Montag, 8. Februar 2016

Erschreckend ehrlich

Ich habe den gestrigen Tag fiebrig heiss im Bett verbracht - zwischen Schlafanfällen mit einem Bibliotheksbuch, das ich heute Morgen zu Ende gebracht habe. Simone de Beauvoir, Memoiren einer Tochter aus gutem Hause. Ich bin überrascht, wie erschreckend ehrlich, manchmal schon fast "dégoutant" (abstossend), die grosse Frau über sich selbst schreibt. Sie schreibt über Sartre, ihren späteren Lebensgefährten: "Er fragte sich nicht, was man denken müsste,... sondern nur danach, was er wirklich dachte." Und so tut sie. Sie schaut sehr genau hin und versucht in Sprache zu fassen, was wirklich ist. Über lange Strecken ihrer Autobiografie war mir fast peinlich, wie intim sie über sich selber schrieb. Und "intim" hat nichts mit Sexualität zu tun, sondern mit hin und her wogenden Gefühlen einer jungen Frau, die mal auf "Luder" macht und in Bars alle Männer anredet, und dann wieder grösste Angst vor Nähe hat und sie meidet. - Sehen, was ist, was wirklich ist - ein lohnendes Unterfangen?

Sonntag, 7. Februar 2016

Erwischt!

Wir hatten Pläne für heute und Pläne für morgen. Die liegen jetzt flach. Besser gesagt, ich liege flach. Husten, Fieber, kein Hunger, Durst. Kaffee ist grusig. Fleisch ist noch grusiger. Nennt sich wohl "Grippe". - Genug gejammert. Besser, ich lege mich wieder ins Bett und bleibe dort für eine gute Weile.

Samstag, 6. Februar 2016

Wir waren kurz in den Tropen.

Automatische Türe auf, zwei Schritte und dann waren wir in den Tropen! Noch nie habe ich meinen Wintermantel so schnell ausgezogen, mein Halstuch so fliegend weggerissen und trotzdem in Strömen geschwitzt. Fünfundzwanzig Grad Wärme und fünfundsechzig Prozent Luftfeuchtigkeit waren daran schuld. Trotzdem haben wir uns an einen Tisch unter Palmen gesetzt und ein göttliches Essen bestellt. Schon der Salat mit der fruchtigen Salatsauce hat das unangenehme Feuchtegefühl fast zum Verschwinden gebracht. Der Buntbarsch auf  Ingwer-Risotto mit Wasabi-Sauce zog die ganze Konzentration in die Mund-Gaumen-Region. Und allmählich kam auch der Kreislauf klar mit den neuen Bedingungen. Wohlgemut spazierten wir nach dem wunderbaren Essen unter Palmen, Bananenbäumen, Teebaumgestrüpp und inspizierten junge Kaffeepflanzen und viele, viele Würzpflanzen. Endlich auch haben wir Spanische Nüssli beim Wachsen gesehen. Und zwischen allem flogen Hummeln und wuselten ein Wachtelmami und ihre Kleinen. Später der kalte Kaffee, schwarz und süss, war abermals ein Gedicht (wert). Lecker, lecker! - Wo wir waren? Im Tropenhaus in Wolhusen.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Glücksmomente

Gerade habe ich gelesen, wie das Glück funktioniert (Tagi-Magi 4/16). Sehr interessant und gaaaanz neu (haha!) steht da, dass das Glück kein Dauerzustand sei. Trotzdem weiterlesen, weil doch eine jede gern möglichst viele Glücksmomente erhaschen täte. - Da wird ziemlich bald angegeben, ab wie viel Einkommen das Glück zu haben ist. Wir sind nicht dabei. Knapp darunter. Soll ich nun unglücklich sein? - Dann darf ich mich auf einer Skala von eins bis zehn verorten. Ich bezeichne mein durchschnittliches Glücksgefühl mit einer Sieben. Aber das ist so eine Sache - mein Glücksbarometer schwankt enorm. Ich bin von diesen Menschen, die auch mit 66 Jahren immer noch "himmelhoch jauchzend zu Tode betrübt" zu sein vermögen. Ich betrachte diese Fähigkeit zu den Extremen als Glück. Und ich bin schnell mit dem Ansteigen von Glücksgefühlen. Es reicht, dass ich von reifen, saftigen Erdbeeren lese oder mich auf die ersten Spargeln freue. Klar, wenn Reto ohne einen ersten Frühlingskopfsalat vom Einkaufen zurückkommt und darauf hinweist, dass ja doch erst erster Februar sei, dann kriege ich mich vor Enttäuschung mindestens drei Minuten nicht ein. Aber wenn dann eine glückstrahlende Enkelin zur Tür herein kommt, dann ist mein Glück auf dem Level zehn und kann nicht überboten werden. Das hält Stunden an nicht nur Minuten.

Mittwoch, 3. Februar 2016

Bastelmorgen mit Folgen

Enkelin Kaya hat bei uns ein Schublädchen, in dem (fast) immer ein kleines Geschenk für sie liegt. Gestern war ich in der Stadt, um im "Chinderlade" Nachschub zu holen. Allerlei "Gäggelizüüg" (Krimskrams). Heute legte ich Ausnähbilder ins Schublädchen und war sehr gespannt, ob Kaya den "Schuhbändel" (Wollfaden mit verdickten Enden) durch die kleinen Löcher fahren und hinten wieder herausziehen kann. Anspruchsvoll für die Feinmotorik. Sie hatte zwar nicht viel Ausdauer, aber sie schaffte es. - Weiter wollte die Grossmutter wissen, ob das Kind auch schon mit einer Kinderschere hantieren kann. Abermals anspruchsvoll, aber das Kind "bestand", und die Grossmutter ist begeistert von den neuen Möglichkeiten, die sich bieten. - Schliesslich habe ich  Kaya auch noch das Bibliotheksbuch mit den Anleitungen für Bäbikleidchen gezeigt. Die Blüschen und Höschen und Jäckelchen liessen sie eher kalt. Aber da wurde auch noch gezeigt, wie man aus Holz ein Puppenbett bauen kann. Kaya ab zum Grossvater: "Kannst du das machen für Kaya?" - Er hat gesagt, er kann.

Dienstag, 2. Februar 2016

Das kann ich nicht verstehen!

In Winterthur ist eben die Ausstellung von Christoph Blochers Bildern zu Ende gegangen. Ich habe mit eigenen Augen die Warteschlangen vor dem Museum gesehen. Mehr als eine Stunde Wartezeit haben besonders viele ältere Menschen in kauf genommen, um sich anzusehen, was normalerweise in Blochers Haus hängt. - Nachdem auch die Autogrammstunde mit dem ehemaligen Bundesrat Massen anzog, ist es klar, dass die Leute nicht vor allem wegen der Bilder kamen sondern wegen der Bilder, die Blocher gehören. Eine Winterthurer Gratiszeitung hat Leute nach ihrem Eindruck von Blocher gefragt. Zwei der Befragten kennen wir als "gute" (konservative) Katholiken. Sie schwärmen von der Ausstrahlung von Blocher und attestieren ihm was-weiss-ich-nicht-alles Tolles. Nein aber auch, was er doch für unser Land alles getan hat. - Das kann ich nicht verstehen. Wie kann man einen Mann verehren, der laut und unhöflich herumpoltert und alle, die nicht in der SVP oder auf seiner Linie sind, verunglimpft. Der Bundesrätinnen und Bundesräte verlacht. Der das Vertrauen in unser Rechtssystem untergräbt. Der Zwietracht sät und Unmenschlichkeit propagiert. Was ist nur mit "dem Volk" los? Ich verstehe das nicht.

Montag, 1. Februar 2016

Wöchentliche Aufgabe

Immer am Montag kommt unsere Tochter Judith mit Kaya und den zwei Tageskindern zu uns zum Mittagessen. Diese kleine wöchentliche Aufgabe fordert und freut mich gleichermassen. Was kochen, das alle essen und doch nicht immer Pasta?! - Heute gab es Mini-Pizzen mit Gemüse und Chicoréesalat dazu. Ergebnis noch nicht überzeugend. Wiederholung mit Verbesserungen später. Der halbe Vanille-Flan mit Gesicht in Form von Früchtestücklein? - Na ja, den Flan haben alle mindestens zur Hälfte gegessen, aber die Früchtchen blieben mehrheitlich zurück. - Ich werde weiter üben. - Übrigens essen die drei Erwachsenen immer alles. Wir bekommen auch immer Kaffee, während die drei Mädchen spielen. Vorwiegend in meinem Zimmer, dem Kaya Spielzimmer sagt.