Sonntag, 7. Januar 2018
Nicht übermütig werden
Mein Zahn ist aufgewacht. Er strahlt aus. Die ganze Backe fühlt sich grösser an. Essen ist schwierig, weil alles dort in Schreckstarre verharrt. Bis zum Ohr. Und die blöde Flüssigkeit, mit der ich antiseptisch spülen muss, bewirkt Übelkeit. "Ganz selten" steht im Beipackzettel. Ach, man ist doch gern fast ein Sonderfall! - Was ist zu tun? - Die Wange zart massieren hilft. Ablenken ist immer gut. Und wissen, dass es schlimmer sein könnte. Mein Zahnarzt und ich haben darüber geredet, wie man Schmerzen definieren kann. Nicht vorgestern, ein andermal. Ich bin ja Stammkundin - mit einem goldgekrönten Zahn! "Tut ein bisschen weh", würde ich heute angeben. Beim Kauen tut es weh. Aber wichtig machen, muss ich mich nicht. Urner Oberländerinnen würden schlicht sagen: "Me muess zfriede sii."
Samstag, 6. Januar 2018
Öfter blödeln
Reto und ich haben gestern zum Znacht einen dreiteiligen Königskuchen genossen. Ich bin Königin geworden. - Heute Morgen habe ich vor lauter Freude, dass mein Irritations-Zahn sich über Nacht ruhig gehalten hat, Befehle erteilt, welche auch meinen nächsten Untertanen erfreut hat: "Ich befehle, dass wir nach Stein am Rhein fahren und dort im Schoggi-Laden schön einkaufen. Im nettesten Kaffee am Platz essen wir etwas Kleines zu Mittag, ehe wir nach Hause fahren." - Und ferner: "Mag er mein Hofnarr sein?!" - Er mochte gern. Wir haben dies gleich per SMS Judith mitgeteilt: "Grüsse von der Königin und ihrem Hofnarr an alle Untertanen!" - Die Antwort war so überaus gefällig, dass die Überbringerin in den Adelsstand erhoben wurde. - So leben wir alle glücklich und froh. Nur schade, dass morgen sowohl mein Königinnen-Sein wie die Weihnachtszeit zu Ende sind. Aber kommt wieder. Und vorher hoffentlich manch andere frohe Zeit.
Freitag, 5. Januar 2018
Zahnmedizinischer Eingriff
Mein Zahnarzt möchte den Zahn erhalten, den er vorletztes Jahr mit einer Goldkrone versehen hat. Genau dieser grundsanierte Zahn macht seit Monaten "Komedie", d.h. lustig ist es ja nicht. Ich liege alle paar Wochen oder häufiger kopfunter auf dem ominösen Stuhl und versuche am Zahnarzt vorbei an die Decke zu schauen, die zum Glück gemustert ist. - Ein Müsterchen, zwei Müsterchen, drei... Und das Atmen nicht vergessen! Hände wieder mal lockern, sonst kannst du sie vor lauter Krampf nicht mehr bewegen. Schon wieder nicht geatmet. Lebe ich noch? Ach, in einer Stunde ist das überstanden. Dann wackle ich kniezittrig nach Hause. Heute spucke ich den ganzen Tag Blut. Apéro wäre wirklich bekömmlicher für das Gemüt als Blutgeschmack. Aber in einem halben Jahr oder so sollte der heutige Eingriff ausgeheilt sein. Jedenfalls wenn sich der gekrönte Zahn nicht abermals entzündet. - Ich frag jetzt Reto, ob er einen kleinen Apéro mag.
Donnerstag, 4. Januar 2018
Regentag - keinen Moment langweilig
Gerade vor zehn Minuten haben wir fertig aufgeräumt, sind unsere letzten Gäste aus dem Haus in ihre Wohnungen zurück gegangen. Reiner Zufall, dass gleich zwei Frauen und zwei Kinder in unserer Stube sassen und standen. Die zwei Kinder haben es genossen. Der kleine Junge hat vom Mädchen, das ein Jahr älter ist, lautes Schreien aus Spass gelernt. Playmobil spielen zu zweit ist viel cooler als allein. - Also, es ist aufgeräumt. Zwei ältere Herr/Frauschaften ergeben sich dem Feierabend. Wir.
Mittwoch, 3. Januar 2018
Allein zu Haus
Wir haben uns gekreuzt. Fast Punkt zwölf Uhr bin ich von Besorgungen in der Stadt heimgekommen, und Reto ist Richtung Zug aufgebrochen. Seine Cousine besuchen. - Als wir uns gekreuzt haben, hat es geblitzt und dann gedonnert. "Burglind" in Hochform. - Unterdessen ist das Unwetter weitergezogen. Ich habe eine Musikliste aus einem älteren "Tagi-Magi" abgearbeitet on YouTube. Sofort bei cede.ch eine Scheibe bestellt. Anouar Brahem heisst mein neuer Favorit. Rührt in mir etwas an, das ich noch nicht kenne. - Jetzt geht es an mein Pult. Letzte Karten zum guten neuen Jahr schreiben.
Dienstag, 2. Januar 2018
Letzter Tag vor dem wiederkehrenden Alltag
"Alltag" - ist er langweilig, oder ist "all Tag" aufregend neu, unwiederbringlich kostbar, voll von Chancen? - Nur unsere Hütekinder sagen oft: "Was mache mer jetz; mir isch langwiiiiilig?" - Meine Antwort hören sie nicht gern: "Langeweile ist prima. Aushalten. Warten. Dann fällt dir wieder etwas ein." - Mir selber ist schlicht nie langweilig. Leider! Der AllTag hat zu wenig Stunden. Schon geschrieben, gelesen, gestrickt, gekocht, Rezepte studiert, aufgeräumt, Sudokus gelöst, ausgemalt, Bastelideen gesammelt für und mit Kindern...??? - Wir waren an diesem letzten NachFeiertag kurz in der Stadt. "Kiösklen", d.h. im Bahnhofkiosk Sachen finden, die wir nicht gesucht haben. Reto und ich haben beide ein Taschenbuch gefunden, das wir als Fundstück heimgetragen haben. Und wir haben gestaunt, dass Sonntagsverkauf war.
Montag, 1. Januar 2018
Silvester, Neujahr
Es gilt nur noch abzuwaschen - das ganze Besteck, das wir überhaupt besitzen. Dann ist unsere Wohnung dem Normalzustand wieder ein Stück näher. Aber für total normal muss es siebter Januar werden. Vorher ist Weihnachtszeit, steht der Weihnachtsbaum aufrecht in seiner Ecke, strahlen die Sterne abends nicht nur am Himmel, sondern auch als Glühlämpchen, guckt das winzige Kindchen aus Holz aus der Krippe, wenn es dann erst wieder gefunden wurde.
Den kleinen Jesulein verstecken ist eine Spielform, die bei uns zu Silvester gehört. Harry tut es, Judith tut es. Kaya findet das Kindlein. - Gestern Nacht aber hat Reto , nein, nicht den Vogel abgeschossen, sondern den Engel Gabriel. Dieser stand auf dem Krippenstall und zeigte mit seiner verbliebenen Hand in die Nacht, als Reto die Sektflasche entkorkte. Der Zapfen sprang aus der Flasche, Judith und ich schauten, der Engel fiel. Alles sozusagen gleichzeitig. Jetzt liegt der gefallene Engel immer noch auf dem Moos des Stalldaches. Darf sich auch mal ausruhen und muss nicht immer Botschaften überbringen. Die ewige ist angekommen: Eine Frau, ein Mann, ein Kind, das ist Weihnachten.
Den kleinen Jesulein verstecken ist eine Spielform, die bei uns zu Silvester gehört. Harry tut es, Judith tut es. Kaya findet das Kindlein. - Gestern Nacht aber hat Reto , nein, nicht den Vogel abgeschossen, sondern den Engel Gabriel. Dieser stand auf dem Krippenstall und zeigte mit seiner verbliebenen Hand in die Nacht, als Reto die Sektflasche entkorkte. Der Zapfen sprang aus der Flasche, Judith und ich schauten, der Engel fiel. Alles sozusagen gleichzeitig. Jetzt liegt der gefallene Engel immer noch auf dem Moos des Stalldaches. Darf sich auch mal ausruhen und muss nicht immer Botschaften überbringen. Die ewige ist angekommen: Eine Frau, ein Mann, ein Kind, das ist Weihnachten.
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